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UKW......... - Zuiöaer Leitung

M 26b.

Dienstag 19. November 1912.

Lokales.

Fulda, 19. Nov 1912.

§ ArbeitS-JubilSum. Der Bortischler Adam Hüfner konnte am Samstag auf eine 30jährige Tätig­keit in der hiesigen Eisenbahnhauptwerkstätte zurück- blicken. Ihm wurde deswegen das übliche Geldge­schenk überreicht.

(§) ernt Itanfttoy der Präsides der katholischen Lrbnter-Dereine des Bezirks Fulda wird am nächsten Donnerstag, nachmittag« 31/« Uhr im Saale der Harmonie ftattfinden. Da noch im Dezember dieses JadreS eine Delegierten • Versammlung abgehallen werden soll, wird diese Konferenz sich hauptlächlich Mit den Fragen beschäftigen, welche auf dem Diözesan- Del gierlentag zur Verhandlung kommen werden. Wie wir hören, wird ver neu ernannte Diözesan- präseS, Herr Stadtpsarrer G r a m m, an dec Konferenz teilnehmen.

8 Befitzwechsel. Dar Restaurant .Zum Darm­städter Hof wird vom 1. Dezember Herr Noll au8 Gersfeld, der Besitzer des »Deutschen Kaisers* über­nehmen.

H Meisterprüfung Der Schüler der Fleischerschule in Leipzig, Joseph Will, Sohn der Herrn Metzger- »eisterS Jgnqz Will, der bei seinem Abgänge mit einem Diplom für gute Leistungen bedacht wurde, legte vor der sächsischen Gewerbekammer eie M eiste r- prüfung ab, die er mit der Role „sehr gut" bestand.

O Diebstahl. Am Samstag abend gegen 8 Uhr wurde ein vierräderiger Brotwagen vor dem Hause dt» Bäckermeisters Peter Werner gestohlen. Der Dieb konnte trotz sofortiger Anzeige bis jetzt nicht ermittelt werden.

O Ableitung der Kalilauge. Das Kalibergwerk Neuhof ist mit der Legung des RohrstrangeZ, der die Abflüsse aus dem Bergwerk aufnehmen soll, be­reits bis an unsere Stadt gelangt. Urzeit sind viele fleißige Hände in der Johannisau ira Neuenberger Wiese mit der Legung des Rohrstrc^'^! beschäftigt. Die Arbeiten, bei denen ungefähr VJTMann mit­wirken, werden vom Schachtmeister H'.lfanek-Fulda auSgssührt. In Neuhof passieren die Abwässer die erste Kläranlage und werden dann, nachdem sie unter, S weiter geklärt sind, hinter der Fabrik „St.

arin" (Oberh. Seineninbuftrie) der Fulda ;u- geführt. Durch diese Arbeit hat das Kälibergwerk Neuhof einen Stein des Anstoßes beseitigt; denn be­kanntlich wurden die Abflüsse bisher bei Neuhof in die Fulda geleitet, wodurch neben anderen Nachteilen besonders auch die Fischzucht stark geschädigt wurde. — Bor etwa 12 Wochen wurde bei Neuhof mit den Arbeiten begonnen, die infolge der nassen Wit­terung zeitweise eingestellt werden mußten, nunmehr ober soweit gediehen sind, daß die Anlage in.einigen Tagen fertig ist.

ij Fifchstridnogkn. Trdtz aller bisherigen Be­mühungen der Eisenbahn-Verwaltung, die Fischbesör- derung von der See nach dem Binnenlande möglichst zu beschleunigen, kommt eS doch noch häufig vor, daß Fischsendungen in unbrauchbarem Zustande beim Empfänger eintreffen. AuS Jnteressenten-Kreisen ver- lautet, daß die in der Eisenbahnverkehrs-Ordnung für Fischsendungen bemessenen Lieferfristen etwas zu lang seien. Die. Eisenbahn «Verwaltung ist jüngst dieser Angelegenheit nähergetreten, indem sie eine Ver- kürzung der Lieferungsfrist anstrebt.

-4» Die Fleischbeschau in Heffen-Naflau. Im dritten Dierteljahre 1912 stellt sich die stahl der Schlachttiere, die in Hessen - Nassau der Fleischbeschau untrrzogen wurden, wie folgt:, Pferde und andere Einhufer 678 (gegen 606 im zweiten Vierteljahre 1912), Ochser» SSbS (8305), Bullen 2014 (1857), Kühe 15,344 (15,014), Iungrinder 12,967 (10,259), Kälber 44,395 (53,175), Schweine 140,417 H43.230), Schafe 15,071 (9747), Ziegen 1339 (4523). Auffällig ist dabei der enorme Wfldgang der untermchlen Kälber und Ziegen. Wäh­rend tm zweiten Vierteljahre bereits bei den Schweinen ein solcher Rückgang gegen dos erste Vierteljahr zu verzeichnen war, hat dieser auch im dritten Viertel­jahre noch angehalten. Ein geringer Rückgang ist (miet btt den Ochfenschlachtungen eingelreten, wo­gegen die Zahl der Jungrinder- und Schafschlachtun­gen bedeutend zugenommeu hat.

+ Z»r Frage der Einführung der Sommerzeit hat der hiesige Arbeitgeberverband kürzlich den Beschluß gefaßt, den Erlaß eines Reichsgesetzes betreffs Früher­legung der Stunden im Sommer d. h. in der Zeit •em 1. Mai bis 30. September zu befürworten, nachdem auch die Handelskammer zu Hanau den

darauf bezüglichen Beschluß des Ausschusses des deut­schen HandelStages vom 24. Juni befürwortet hatte.

§ Zwangsversteigerung DaS dem Spengler Karl Knips gehörige Wohnhaus, Florengasse Nr. 16, wurde heute gerichtlich versteigert. Höcbstbietender blieb der Gastwirt Hermann Kramer mit 31000 Mark.

’O? Der Drncksachenparagrapli der Poslorsnung wird noch oft sallch verstanden. ES sind z. B. nach der Postordnung die mittels der Schreibmaschine her- gestellten Schrislstückc von der Beförderung gegen die für Drucksachen seftgefetzte ermäßigte Taxe ausge- schlosten. Dagegen sind Abdrücke des auf der Schreibmaschine gefertigten Originals, die durch eins der in der Postordnung bezeichneten mechanischen Vervielsältigungsoerfahrrn gewonnen sind, zur Beför­derung gegen die Drucksachentaxe zugelaffen.

△ Tuberknlostsürsorge im Mittelstand. Die Tuber­kulose hat in den letzten Jahren zwar wesentlich abgenommen dank der gesetzlichen Fürsorge für tuber» tulßfe Arbeiter. Aber noch ist diese Volkskrankheit weit verbreitet infolge bisherigen Fehlens einer Tader- tulose'ür;orge für den unbeoüterken Mittelstand. Zwar werden durch die neue Reichsversichenmg und Anaestelltenversicherungsgesetz weite Kreise des Mittel- standeS bei Erkrankung an Tuberkulose einer Fürsorge teilhaftig werden. Immerhin bleibt noch ein großer Teil des Mittelstandes von der Fürsorge ausgeschlossen, insbeiondere die nicht versicherungspflichtigen Frauen und Kinder. Am 1. Juni 1912 hat sich deshalb innerhalb des deutschen Zentral-Komitee? zur Be- kämpsung der Tuberkulose eine besondere Kommission sür die Tuberkulosefürsorge »m Mittelstand unter, dem Vorsitz drZ StaatSminisiers v. Poddielski gebildet, welche die Tuberktiloebelämpiung int Mittel- stand ausnehmen und auch einen Tuberkuloiefonds schaffen wird. In den einzelnen Bundesstaaten und Provinzen sind Vertrauensmänner bestellt worden, ivelche tn ihrem Wirkungskreis die Fürsorgebestre- bungen durchführen werden. Die Arbeiten der Kom­mission bedürfen der Unterstützung aller auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge tätigen öffentlichen und privaten Kreise. Zunr 'Betitelet und Vertrauensmann Tür vir Provinz Hess en- Nassau ist der Vorsitzende in t>cm kürzlich gebildetcn-Lanoestuberkulose-Äus-chuß für ben Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberarzt Dr. Schütz, ernannt worden.

X «ältrschu^Wagen, das sind besonders gebaute Güterwagen mrr Lampiheizuug, werden auch in diesem Winter u. a. auf bet Strecke Berlin-Halle-Franks urt a. M. emgefteUt. Dlit cer Heizung dieser sür frost- empfindliche Eilstüägüter bestimmten Wagen wird bei einer Außentemperatur von 3 Grad C. unter Null begonnen. Die Wärme im Wagenraume soll 10 Grad 0. nicht übersteigen. - Eine Gewähr für die Innehal­tung dieser Grenzen wird jedoch nicht übernommen; auch haftet di« Eisenbahn nicht für Schäden, die in­folge ungenügender Heizung oder Ueberheizung ent- stehen. Um die Beförderung in den Kälteschutz-Wagen zu ermöglichen, müssen frvstempfindUche Eilgüter mit besonderen Frachtbriefen anfgeliesert werden. Eine Gebühr für die Besörderung m diesen Wagen wird nicht erhoben; die Eisenbahn ist aber nicht vrrpstich- tet, die Güter in diesen Wagen zu dejördrrn. Nähere Auskunft erteilen die Eilgut'- Abfertigungen der Ad- gangs-Bahnhöfe.

--- AaLnähMktarif für sruchtes Getreide. Für Vie Zeit vom 1. Nooemver 1912 bis zum 31. Januar 1913 ist ein besonderer Ausnahmetarif sür seuchles Geireide emgesührt worden. Der Tarif gilt nur für Sendungen seuchten Getreides die an Liockenanstatten aufgegeben, von diesen nach der Trocknung au die ursprünglichen Versender nach der Aufgabestation zurückbesördert und als Fulteimittel im eigenen Be­triebe des ursprünglichen Versenders im Jnlaude verwendet werden. Die Fracht wird berechnet, sür Wageladungen von 10 Tonnen zu den Sätzen des Spez'.aliarifs 3 und 5 Tonnen zu den Frachtsätzen ces Epcziallarifs 2.

8 Sport. Bei dem am Sonntag in Kassel ab- gtha.lene Kreisspiel siegte »Eintracht' - Kassel über „Borussra' -Fnlva mit 2:1. — In HerSseid spielte die 3. Mannschaft des Fuldacr-FußbaÜvereins gegen „Brrtannia' 1 Nianuschast 1:1 unentschieden. .Borussia" 3. Mannschaft gewann gegen .Germania" 2. Mannschaft nut 3:1.

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Rus dem Kachbargediete.

* MSseld, 17. Nov. 1912. Die landwirtschaftliche Winterschule wird in diesem Jahre von 49 Schülern besucht, von denen 21 in der Oderklasse und

Hlrns Kefd.

•J Roman von Fritz Ewald.

(Fortsetzung aus dem 4. Blatt.)

,A$6 will mich ja leine." Colmani schloß halb die rmyidelförmigen Augen und strich mit herausfordern- bem Lächeln den schwarzen Schnurrbart.

„Sehr anzunehmen, wenn man „jung", „hübsch". ,®raf" ist und über ein eigenes Vermögen von 2 Millionen zu verfügen hat; darum bekommen Sie auch jede", lachte Winningen.

„9iun, „jede" doch wohl nicht", fiel ihm Haldern inS Wort. „Es gibt doch Mädchen, für die ich gut 'cgcn möchte, daß sie kein äußerer Glanz blendet."

und diese wären zum Beispiel". Es dürste doch intereflant sein, zu erfahren, wer so hoch in Ihrer Gunst steht?" Colmanis Augen sunkelten. ,/Ser Name tut ja nichts zur Sache," wehrte der junge Ad­jutant.

„Natürlich, sonst glauben wir es nicht!"

„Nun denn, eine Dame, die auch sehx hoch bei Ihnen, soviel ich vermute, in Gunst steht, und für die ich mich verbürgen möchte, — Ellinor von Tan- Hofs!"

„Ha, da haben Sic recht, die ist anders", schallte ei beipflichtend im Kreise.

Nur Colmam schwieg. Plötzlich hob er energisch dar Haupt. „Glauben Sir WiAllich Ihrer Sache so sicher zu sein? Ich sage Ihnen, Sie irren, meine Herren."

„In diesem Falle doch nicht."

„Nun, wollen Wir weiten, daß heute über acht Tage Ellinor von Danhoff meine Braut ist?"

„Ich wette dagegen", und fest legte Wolf Win­ningen seine Hand in die dargcreichte deS Grafen. „ES gilt einen Kreis Champagner, schlagen Sie burch, Hühncuhetm."

„Um des Himmels willen, halten Sie ein, es kann sich doch Nu- um einen frivolen Scherz gehandelt haben." Der Adjutant war aufgesprungen, um sich in« Mittel zu legen, jedoch zu spät; — Hühnenheim hatte bereits seines Amtes gewaltet.

Sie Stirn des jungen Offiziers rötete sich von gerechter Empörung. er wollte gerade eine ernsthafte

Gcwifsmsredc beginnen, als die Tür lebhaft geöffnet wurde und Leo von Danhoff über die Schwelle trat.

Totenstille herrschte in dem kleinen Kreise, — kei­ner vermochte int Augenblick das richtige Wort zu finden', als so plötztzch der junge Kamerad vor ihnen stand, über befielt LieblinasschWestcr man soeben in frivolster Weis * verhandelte hatte.

„Na, übermäßig zu amüsieren scheint man sich hier nicht, meinte Leo", tnd:m er näher tretend, die Herren der Reihe nach begrüßte.

Colmani war der erste, welcher ihm in harm­losem, beinah: herzlichem ^Ttm entgegcnrzeft .

„Kein Wunder, denn Sie haben uns gefehlt, lie­ber Danhoff."

„Das sehe ich", lachte dieser. Ich muß übrigens meiner Unpünktlichkeit wegen sehr um Entschuldi­gung bitten, ick' konnte mich nicht eher dem Schoße meiner Familie entreißen."

,/JHre Damen weiden doch morgen erscheinen? Wir sprachen gerade von dem aktuellen Ballthema."

„Natürlich urtb .freuen sich mehr als ich auf diesen etwas zweifelhaften Genuß, tm Hause des hohen Borgesetzten bett liebenswürdigen Gesellschafter zu markieren "

„Heut- ist der Ball beim Kommandeur, so seufzt der ■ Leutnant bang und schwer", zitierte Leo und zündete sich eine von Colmanis dargereichtcn echten Havannas an.

„Wenigstens haben wir in Oberst von Rüsterheim endlich mal wieder einen standesgemäßen Regiments- chef", näselte Wolf Winningen, „nachdem wir uns volle sechs Jahre unter die Frenidherrschast eines Bürgerlichen beugen mutzten."

„Ich bezweifte nicht, wie Sic darauf solches Ge­winn legen können, der Mann war ein hoher Aristo­krat im Denken und .Handeln."

„Aber der Name mein Lieber, der Name. Die Rustersteims führen nachweisbar ihren Adel seit dem neunten Jahrhundert."

„Ich bin , überhaupt ein Feind bei erblichen Adels", grollte Leo, wenn ich ein Monarch wäre, ich führt« in meinem Reich nur den persönlichen Adel ein, mit her Mahnwort an die Jungen: „Was Du ererbt von Deinen Bötern hast, erwirb eS, um es zu besitzen." Ich würde jeden, der sich auf einem Gebiet auszeichnet, adeln, dann könnte man feinen Namen wirklich mit Stolz tragen, ein Ehrendiplom

28 in der Unterklasse sitzen. Im vorigen Jahre war der Besuch der Anstalt beöeutcnb besser.

* Efchwcge, 18. Nov. 1912. Die Generil-Versamm- lung der Orts kranken kajse des Kreises Eichwege hat beschlossen, den Antrag aur Zulassung und Aus­gestaltung zur allgemeinen Ortskrankenkasse des Kreises Esckwege ein'chließlicb der Siädte Wanfried und Walo- kappel, ober aus'cbließlich der StadtEiRweae, würden.

♦ Homburg v. d. H., 18. Nov. 1912. Der Antrag der Stadt auf Aenberung bcS Nomens Homburg vor ber Höhe in „$ ab Homburg vor bet Höhe" ist genehmigt worben.

* Usingen, 18. Nov. 1912. Im nahen Mönstadt würbe von ben Torsfrclvohncrn ein Einbrecher in dem Augenblick ab g e s a tz 1, als er bie Strohsche Billa beutebeladen verlassen wollte. Der Spitzbube erhielt zunächst eine gewaltige Tracht Prügel nach alt- nassauer Methode und lumbc bann dem AmtSgc- richtsgesängn's zugeführt. Man vermutet in bem Diebe ben Einbrecher, ber schon seit Monat m ben östlichen Taunus unsicher machte.

* Aus dem Spessart, 18. llioa. 1912. Auf dem Plateau bei Wiesen liegt ber Schnee 35 Zentimeter hock. Inden Wäldern sind zahlreiche Schneeb^rücke zu beklagen. Auch tm Hockfipessart sind starke Schnec- säüe niebergeganaen, die Schaden anrichleten.

* Oberursel, 18. Nov. 1912. Bei sehr starker Be- tkiligung der Einwohnerschaft und ehemaliger Schüler wurde daS 50sähriae Besteben ber hiesigen 0 b e t = re a l schu le durch einen Festkommeis -oefeiert.

* Griesheim, 18. Nov. 1912. Die Poti» ei Verwal­tung verfügte eine wesenilicke Einschränkung der Lustbarkeiten. Jeder Sacfibesiher darf nur alle 14 Tage Tanzmusik veranstalten; im ganzen Orte hülfen an einem Sonntag höchstens rwei Vergnügen ftattfinben. .Kerbedursckcn" und Vereine, welche jugendliche Personen zu Mitgliedern haben, erhalten fortan überhaupt keine Genehmigung für öffent­liche Lustbarkeiten mehr.

“ Darmstadt, 18. Nov. 1912. Zum Besten der Mikgliever des Nieder-Mobaner Kredilvereins, bie durch bie bekannte Katastrophe zum großen Teil an den Rand des Verderbens gebracht worden sind, sand gestern ein 'W ohlt ätigkeit s lonz e rt statt. Bürger­meister 'Müller gab be amit, daß zusammen mit einer dankenswerten größeren Spende Sei Großherzogs für bie vom Osenrvatdverein eingeleiteten Sammlungen bis jetzt nahezu 7000 Mark eingegangen seien und daß durch die in diesen Tagen erfolgte erste Ver­teilung von über 1000 Mark schon manche Träne getrocknet worden sei.

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Amr Geisa und Umgebung.

* Tiefenort, 18. Nov. 1912. Der Antrag auf Versteigerung des Kurbades Liebenstein, die am Sonntag ftattfinben sollte, ist zurückgezogen worben. Es soll eine neue Interessengruppe gebildet sein, die da» Kurbad weltersührt. — Eine Bluttat ipieltc sich auf der Straße zwilchen Tiefenort und Hämbach zwischen ausländischen Arbeitern der Ge- wertschaft Kaiserode ab. Zwei Schwerverletzte wurden nach dem Krankenbause nach Memmgcn gevracht, wo einet nach der Operation starb; der andere liegt hoffnungslos darnieder. Der Gendarmerie gelang es alsbald, zwei der Täter in Liesenort aus den Betten heraus f^stzuuehmen. Ein dritter wurde im Elsen- dahnzwgckin Er.url sestgenommen.

* Dorndorf, 18. Nov. 1912. -Tic hiesige Gemeinde beabsichtigt, für eine clcltrisch anzutreibendc P u m- p c n- u n b Signalanlage eine Freileitung vom Elektrizitätswerk bei chemischen Fabrir beS Kaliwerks „Großherzog von Sachsen" nach dem neuangeleg^-i Hockjbehältcr bezw. nach dem Orte Dornbors hcrzusuu- len. — Am Samstag sand eine Sitzung des B c -- zirks ausschnss es bes 4. Verwaltungsbezirks statt, in ber als einziger Punkt ber Tagesordnung ber Antrag der Kaliwerke Großherzog von Sachsen auf Errichtung einer chemischen Fabrik im Ge- meindcbezirk Vacha zur Verhandlung stand. Tic Be­handlung der Einsprüche nahni mehrere Stunden in Anspruch. Der Bezirksausschuß konnte sie aber schließ­lich nicht als erheblich anschen und genehmigte die Er­richtung ber Fabrik sür bie frühen von den Kaliwerken Kroßhcrzoa von Sachsen im Gcmöinbcbezirk Vacha niebcrzubringenden Kalischachte. Ter Fabrik wurde eine Versalzung ber Werra bis 40 mgr. Chlor im Liter Wasser zuacstandcn. Sils noch hinzugekommenen Punkt der Tagesordnung stimmte ber Bezirksausschuß ber Einrichtung einer Zwangsinnung für das Schneibergewevfre bes 4. Verwaltungsbe­zirks zu.

ber -eigenen Kraft, bann würbe bie belanglose Krone im Taschentuch zur leuchteuben Krone im LebcnS- buch."

Mit Empörung suhr Winningen auf.

„Sagen Sie mal, sinb Sie krank, ober kommen Sic aus einem Weinlocal? Ein vernünftiger Mensch kann dock, solche unglaublichen Hirngespinste nicht im Bereich seiner Gedanken züchten."

„Er liebt vielleicht eine Bürgerliche, höhnte Hüh- nenheim.

„Na, so was traut man doch einem Menschen nicht so ohne weiteres zu."

„Kinder, zankt Euch doch nicht um so belanglose Lapalien", mischte sich Colmani bazwischen. „Jeber anstänbige Mensch ist froh ichcr seinen alten Namen mit gutem Klang, bann weH wenigstens gleich jeber > Stanbesgenosse, mit wem er es zu tun hat. — Aber das ist alles Ansichtssache. Wir wollen nicht unge­mütlich werben, sondern lieber ein "Spielchen. ma­chen." '

„Ich frebaure, ich spiele nicht Hazarb", entschieb Leo.

„Nun, mit „Meine Xante, Deine Tante" Wösten wic uns boch auch nicht amüsieren", wehrte Colmani. „Es ist ein ganz harmloses Spielchen, bas ich neulich von einem Amerikaner gelernt habe, wir spielen mit so solibem Einsatz, batz ber Pastor unb ber Küster selbst am Sonntag nachmittag sich daran erfreuen dürfen."

„Ich sehe gern zu, wenn Sie gestatten" — Leo lehnie sich tiefer in seinen Sessel.

„Wenns di- Frau Mama verboten hat, wollen toi: nicht Weiter in Sie bringen, nicht zum Unge­horsam verleiten", neckte Colmani.

„Ich bin mein eigener Herr, mit eigenem Willen."

— „Nun gut, wenn Sie es toenigstcns selber denken. — Holen Sic bitte bie Karten für uns, Win­ningen;" ber bunkl: Graf sah sich gleichgültig im Zimmer um.

„Wollen Sie wirklich nicht mithin, Danhoff?"

„Hühnenheim mischte, nach allen Regeln ber Kunst bie Karten durcheinander.

„Lassen Sie ihn boch, er bars ja nicht", — halb verächtlich klang es von Colmanis Lippen.

LeoS Hand umkrampfte die Sessellehne, in seinen Augen snnkelte es; -rr hörte, wie Colmani bie Spiel-

2his Gberhessen u. bett hesi. Remtern.

* Marburg, 8. Nov. 1912. Der Gesamtausschuß für die 52. Versammlung Deutscher P h i- I o I o g c n und Schulmänner hielt gestern hier eine Tagung ab zur Beratung über bie am 30. Sept-In­der n. I. hier jtattfinbenbe Jahresversammlung. Den Vorsitz der Jahresversammlung, an ber 50Ö—600 Herren tcilnahmen, werben Prof. Vogt unb Gvmna- sialbircktor Dr- Alv führen. Ter Tagung voraus geht eine Sitzung des Deutschen Gvmnasialvercins unb des Gcimanistcnverbanbes. — Tie von ber Landwirt­schaftskammer veranstaltete W a r m b l u t st u t c n- s ch a u fand freute hier statt. II. a. waren Vertreter der Kasseler Regierung, der Landwirtschastskammer und der Pferdezuchtgenossenschaft für den Kreis Mar­burg erschienen. Vorgeführt wurden etwa 80 Stuten, durchweg vorzügliches Material.

* Kirchhain, 18. Nov. 1912. Der Staat Kirchhain ist jetzt ein zweiter Abgeordneter zum Kreistage zugefallen, dessen Wahl gestern abend stattfand. Ge­wählt wurde Mühlenbesttzer Prediger.

# Ziegenhain, 18. Roo. 1912. Am Sonntag {fielt hier der landwirtschaftliche Kreis verein unter Vorsitz des Herrn Landrats v. Schwertzell eine gut besuchte Sitzung ab. Nach der Erledigung von VereinZangelegenheiten sprach Generalsekretär, Oeko- nomierat Dr. Stachly-Kassel über „Die gegen­wärtige Fleifchnot". Ein gemeinschaftliches Mahl bildet den Abschluß der Verbandlim--en.

* Ziegenhain, 18. Nov. 1912. T-r Geflügelzucht- Verein veranstaltet am 23. unb 24. b. M. in der Reithalle btc Erste allgemeine Gcflügelausstellung, verbunden mit Ausspielung von Geflügel. Es sind ca. L00 Stämme anacnieldet. Hierzu stehen dem Ver­ein bis jetzt 36 Ehrenpreise zur Verfügung.

* Treysa, 18. Nov. 1912. In der letzten Stadt- v c r o r d n c t c n s i tz u n g Wurde • Bürgermeister Wiegand Wieder einstimmig als Kreistagsadgeordne- tcr gewählt Ehe zur Beschlußfassung über Angliede­rung ber höheren Schule an eine höhere Lehr­anstalt geschritten Wirb, sollen Erkundigungen einge- zogcn Werden. Die Einnahmen ber städtischen Spar, lasse im vorletztenJahre belaufen sich auf 1832 493,15 Mark. Der Zugang Während des Rechnungsjahres 1911 betrug durch Neucinlagen 389 987,97 Mk., durch Zuschreibung von Zinsen 69 294,61 Mk., abzüglich zurückgezahlter Einlagen van 288 545,76 Mk. ergibt sich ein Bestand von Einlagen im Be:-"we von 2 003 227,79 Mk.

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Vermischtes.

* Eine „auswandernde" Spitzcnfabrik. Wie aus Nottingham in England mitgeteilt Wirb, ist der In­haber einer großen Spitzenfabrik in Beeston im Begriff, mit seinen gesamten Betriebsanlagen unb Maschinen nach Ungarn überzusiedeln. Zu dieser etwas umständlichen „Slustoanderung" Wurde Mr. Methcringham durch die für ihn höchst nachteiligen Wirkungen des neuen Zolltarifs veranlaßt. Die un­garische Regierung hat dem englischen Fabrikanten nicht nur den Grund unb Boden zur Errichtung - der Maschinenhäuser zum Geschenk gemacht, sondern Will ihm auch die staatlichen und städtischen Steuern auf die Dauer von zebn bezW. sünszqhn Jahren erlassen. Außerdem darf Mctheringham darauf rechnen, daß ihm ein Teil der gewaltigen Transportkosten von der fremden Regierung ersetzt Wird. Die neue Fabrik, in der für den Anfang 400 Personen beschäftigt Wer­den sollen, ist in R a b erbaut Worben.

Hohenlohe

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regeln auseinanbersetzte unb ben Einsatz, außerorbent- lich niedrig bestimmte. _

„Hoffentlich nimmt Ihre Seele nicht Schaden beim Zusehen, Tanhosf, ober ist es Ihnen lieber, Wenn wir um Pfeffernüsse spielen?"

„Ich sinb: cs einfach unkameradschaftlich, Wenn Si- sich ausschließen", schalt Winningen.

„Wenn man bie Motive seiner Mitmenschen nicht kennt, soll matt sie gewähren lassen" — kam Halbem dem Kameraden zur Hilfe.

„Gewiß, bet Weihnachtsmann steht vor der Tür, da müssen bie Kitiber artig gewesen sein." Halb gleichgültig, halb spottend jagte es Colmani und seine, mit kostbaren Ringen geschmückte Hand streckte sich langsam nach den Karten aus.

Einen kurzen Augenblick malten sich ein heftiger Kampf in Leos feinen Zügen; mit starrem Blick hafteten seine Augen auf dem Kartenspiel; bann stieß er kurz und schnell die Bitte heraus:

„Wenn es erlaubt ist, spiele ich mit."

Ein freudiges „Bravo" im Kreise War die Ant­wort: noch einige kurze Neckereien hin und her, dann ermahnte Colmani als Kassierer zur Ruhe und man War ganz bei bei Sache. Das Spiel hielt btc Ge­müter ber sämtlichen Offiziere in seinem Bann, einem Bann, ber noch außerdem von dem italienischen Grafen auszirgehcn schien, ber es durch die Art seines Wesens verstand, alle zu fesseln unb hittzureißen. Wenn auch ber Einsatz nur klein gewesen war, so rollten Doch bald bie Goldstücke über den Tisch, be­gehrlich lockend — verlockend. — Tie Wechselvolle Laune des Glücks lächelte bald diesem, bald jenem, — bis sie schließlich alle ihre Gunst auf Leo von Tcmhofs vereinigte und dieser, von der Leidenschaft des Spielers erfaßt, jeden klaren Gedanken verlor. — Er gab bereitwillig seine Zustimmung auf Col­manis Frage „ob ber Einsatz erhöht Werben biirfe" unb schaute trunken auf bie ihm zufließende Gold­folie. Doch allmählich schmolz diese mehr und mehr zusammen. Mes, Was ein freigebiger Zufall erst thm ausgeschuttet hatte, nahm cr jetzt Wieder mit sich fort, um es einem anderen. Glücklicheren, Colmani. zuzuführen.

„Hören Sie ans, Danhoff, Sie sind im Verlust", flüsterte Haldern ihm zu. — Aber er schüttelte un­willig den Kopf, er wollte ertrotzen, erzwingen, was sich ihm nicht freiwillig bot. (Forts, folgt.)