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Fuldaer Zeitung

Ans dem Nachdargebiele

^cTIdr.icit« ttnb 2tn;e!genteil<

Merkirürdigerweise lebte er trotz der außerordentlich schweren Verletzungen noch so lange, bis er, nach angl geschasst worden war; er starb dort im Hospital.

schäft gehen da auseinander; deshalb behilft sich der •’ „Führer" in diesen brennenden Fragen mit auswei- i chcndeu Redensarten

In den weiteren Festreden gab cS auch manche Unklarheit und Widersprüche; aber es lohnt sich kaum, denen im einzelnen nachzugehen. Tie Beran- ■ staltung kann nur denen imponieren, die im Banne des Hasse s gegen dre „Schwarzblauen" stehen. Auf diesem negativen Fundament beruht die ganze aüfgcbanschte Herrlichkeit des RicsserbundeZ.

JV2 266.

Dienstag 19. November 1912.

r. viutt.

Drud der >»!v»rr Ztctientnu etti in 5»lda.

Gegen KOPF, MLMIAEWMN

Die Wahlen in Württemberg.

J. Stutipiif, 17. Nov. 1912

K Die Riesierparade

Die Rede, die auf dem „Zweiten Allgemeinen -eutschen Hansatage" in Berlin am Ätontag der Bor- sitzende des Hansabundes, Herr R i e s s e r, hielt, wird sogar von seinen Freunden als Triumphrcde bczeich- net, also für etwas selbstgefälliges erachtet.

Die Leitung des Hansabundes setzt ihre Sache auf Vie Quantität. Sie sucht alles zusammenzuraf- fen, um mit großen Zahlen zu prunken und mit großen Geldmitteln eine breite Agitation betreiben zu können. Um die buntscheckige Menge bei der Fahne zu halten, mutz man einerseits mit Prahlerei, andererseits mit Unklarheit und Zweideu­tigkeit arbeiten. Beides besorgt Herr Riesscr auch in seiner neuesten Rede.

Wer hat bei den letzten Reichstagswahlen den Er­folg davon getragen?^ Der gesunde Menschenver­stand sagt: Leider die Sozialdemokratie: Herr Riessw aber verkündete mit Stentorstimme und Zahlenmagie, daß der H a ns a b u n d die reichen Erfolge eing:- heimst habe. Wie leicht ist doch seine Gefolgschaft zu begeistern! Sie jubelt auf, wenn er ihnen aufs neue erzählt, was schon zahlreiche Zeitungen in ihrem Hansabund-Reklameteil wiederholt veröffent­licht haben: daß int Reichstage 56 Mitglieder und noch 32 Gesinnungsgenossen des Hansabundes sitzen. Also 88 im ganzen Was ist denn das im Vergleich zu den 110 Sozialdemokraten und gegenüber den 188 „Schwarzblaucn", welch' letztere Herr Riesser mit dem Feuer und den Quirote bekämpft? Will Herr Riesser eine klare und ehrliche Rechnung über die Ersolge des Hansabundes aufstellen, so mutz er fol­gende Fragen beantworten: Wie viel Vertreter aus den Kreisen von Handel,. Industrie und Gewerbe satzen v o r der Tätigkeit des Hansabundes im Reichs­tag? Wieviel solcher Vertreter sitzen jetzt darin? Bei dieser richtigen Gewinn- und Verlustrcchnung würde sich Herausstellen, daß Handel, Industrie und Gewerbe durch die geräuschvolle Tätigkeit des Hansa­bundes keinen; Gewinn^ sondern vielmehr einen B e r l u st erlitten haben.

Herr Riester prahlt ferner damit, daß 58 Kandi- baten des Bundes der Landwirte mit Hilfe des Hansa­bundes zu Fall gebrockt worden seien. Er wird wohl alle konservativen Wahlschlappen zusammengerechnet haben. Daß für. die rechtsstehenden Parteien, auch für das Zentrum, der Wahlkampf von 1912 außer­ordentlich .schwierig; werden würde, wußten wir schon 1909, als Konservative, und Zentrum zum Heile des Reiches das Winkelricdwerk der Finanz- refvrm vollbrachten und sich der liberal-sozialdemo­kratischen VolkSverhctzung aussetztcn. Die ärgste Ge­fahr lag in bem Zusammengehen der Libe­ralen mit den Sozialdemokraten, und der Hansabund hat diese rosarote Gemeinsamkeit lei­der gefördert, insofern also zur Schwächung der Rechtsparteien mitgewirkt,

Aber darf er sich dessen rühm e n? Wenn Herr Riesser sich als Walilmacher aufspielt, dann darf er sich nicht bloß die Niederlage von 58 Konservativen gutschreiben, sondern er muß auch dasAnwachsen der Sozialdemokratie um 'ebenso viele Mandate sich als Lastschrift buchen lassen. Die 110 Sozialdemokraten im Reichstag — da? bildet den richtigen „Ruhmestitel" des Hansabundes. Eine so- zialrevolutionäre Fraktion von 110 Mann — das ist der „Segen", den Handel, Industrie und Gewerbe, dem Geheimrat Riester verdanken.

Herr Riesser macht freilich in Worten auch

Tie württentbergischen Laudtagswahlen haben in gewisser Hinsicht eine Ueberraschung gebracht. Wäh­rend ma,- annahin, daß di: erste Wahl nur in einer kleinen Anzahl von Wahlkreisen eine Entscheidung bringen würde, find in nicht weniger als 45 Bezirken bat", die ilLürfel schon gefallen, lieber das Ergebnis ha-

wirtr abgefchnitteu. Sie gehen aus dem Wahlgang mit 10 Mandaten hervor. Am schlechtesten hat die n a- t i o n.a l l i b e r a l e Partei abgefchnitten, trotz des Wahlbündnisses fnit der Volksvartei. Man hat der nationalliberalen Partei von jeher prophezeit. daß sie die Kosten dieses Bündnisses tragen müsse: so ist es and) gekommen. Tic nationalliberale Partei hat von ihrem bisherigen, Besitzstand 4 Mandate verloren. Die großen Hoffnungen,' welche die Sozialdemo­kratie auf die Wahl gesetzt hatte, sind nicht in Er­füllung gegangen. Sie hat zwar 2 Mandate erobert: Eßlingen und Mattlborn, verlor dagegen Welzheim.

Soviel ist sicher, wenn die bürgerlichen Parteien sich für die zweite Wahl gegen die Sozialdemokratie zusammenschließen würden, dann könnte sie mit Leich­tigkeit aus einer ganzen Anzahl von Sitzen verdrängt werden. Dazu ist jedoch gar keine Aussicht vorhan­den. ES muß vielmehr jetzt schon mit aller Sicherheit damit gerechnet werden, daß die Volkspartei, die sich bekanntlich für die zweiten Wahlen in dem Bündnis mit* 1 * 3 4 bei: Nationalliberalen freie Hand Vor­behalten hat, für die zweiten Wahlen mit der S o- zi a ld e mo ftr citi e ein Abkommen treffen wird, welches dazu beitragen wird, die Sozialdemokratie in der künftigen zweiten Kammer zu stärken.

Allzusehr wird das Angesicht der zweiten Kammer nicht verändert werden. Bei den Nachwahlen stehen an erster Stelle die Volkspartei in 5, die "National­liberalen in 5, die Sozialdemokraten in 5, das Zen­trum in 4 Bezirken. An zweiter Stelle Sozialdemo­kratie in 9, Bauernbund und Konservative in 6, Volkspartei in 4,.das Zentrum in 2 Bezirken. An dritter Stelle: die Volkspartei in 8, die Sozialdemo­kratie in 6, Konservative und Bauernbund in 3, die Nationalliberalen in 2 Bchirken.

* Stuttgart, 18. Nov. 1912. Die Wahl der 17 Proporzabgeorbneten in den beiden Landeswahlkreisen ist auf den 18. Dezember festgesetzt. Die Wahl der Mitglieder des Ritterschastlichen Adels zyrr Ersten Kammer ist auf 12. Dezember festgesetzt.

einwenden, daß Religion und Politik nicht m den Kreistag, in den Kommunallandtag re. gehören. Uber warum schließt man denn bann, wo es nur geschehen kann, geflissentlich selbst in weit überwiegend katho­lischen Kreisen die Katholiken oder die Angehörigen des Zentrums von diesen Körperschaften aus, warum such: man zu verhindern, daß Katholiken und Zen­trumsangehörige dort vertreten sind? Man will sie möglichst katholikenrein halten und darin unter sich fein. Demgegenüber ist es Pflicht der Katholiken ebenso wie bei den Landtags- und Reichstagswahlen, so auch bei den kommunalen Wahlen ihre Pflicht zu tuen. Dir kommen nur so viel zur Geltung, als wir sie uns selbst verschaffen. Hoffentlich hat man überall gesinnungstüchtige unabhängige W a h l - männer gewählt, die sich nicht beeinflussen lassen. Es muß nun dafür gesorgt werden, daß am Wahl­tag von den Mahlmännern nur solche Mitglieder ■ in den Kreistag gewählt werden, die sich als unab­hängige, charakterfeste, für das öffent« liche Wohl bedachte Männer bewahrt haben und ihre Ueberzeitgung unerschrocken vertreten können. Für manchen ist die Wahl, sei cs zum Wahl- mamt, sei cS zum KreistagZabgeordneten, wenig an­genehm, weil ihm die selbständige Meinungsäußerung vorgesetzten Personen gegenüber öfters sehr schwer gemocht wird und Unannehmlichkeiten verschie­dener Art zuziehen kann. Darum ist eS sehr zu empfehlen, völlig unabhängige Leute in den Kreistag zu wählen. Wählbar ift ein jeder seit einem Jahre in dem Kreise angesessene ländliche Grundbesitzer. Nack dem „Wob lr eg le­rne n t" „dürfen int Wahllokal weder Diskussionen stattfinden, noch Ansprachen gehalten, noch Beschlüsse gefaßt werden" (§ 3). Es empfiehlt sich deshalb, daß die gleichgesinnten Wahlmänner sich vorher ver- ftänbiacn. Nach § 4 und 5 des Reglements erfolgt die Wobl durch Stimmzettel, welche uneröffnet in die Wahlurne gelegt werden. Als gewählt ist^ der­jenige zu betrachten, welcher die absolute Stim­menmehrheit (mehr als die Hälfte der Stimmen) er­halten hat. r

A Biedcnkopf, 18. Nov. 1912. Auf Station KarlShMe stürzte heule beim Rangieren des Güter» zuaes Marburg—Laasphe der Bahnsckaffner Kuhn au§ Marburg zwischen die Räder, so daß ihm das linke Bein oberhalb des Knies ab acf abren wurde. Ter Verunglückte, Vater von 3 Kindern, wurde nackt Marburo in die Klinik gebracht, wo er nach der Operation starb.

g Ejchwege, 19. Nov. 1912. Die Jubelfeier ihrer goldenen Hoch reit begehen heute in körperlicher und.geistiger Rüstigkeit die Eheleute I. G. Holzapfel.

* Nieder>Mockstadt, 18. Nov. 1912. Ein Handels» mann verzehrte in einem Nachbardorie einen Roll­mops. In der Nacht stellten sich bei dem Manne heftiges Erbrechen und nach wenigen Stunden der Tod ittfolae Veraiftung ein.

DtÄ

: Gebrauche Javol seit ungefähr einem Jahre. Vordem ! hatte ich starken Haarausfall und sehr viele Schup- ; pen. Seitdem ich Ihr Javol gebrauche, sind die ; Schuppen ganz verschwunden, und auch mein volles Haar ist wieder so lang. Kann darum Ihr Javol ■bestens empfehlen. Chemnitz, 13. 7. 1911. P. Z.

Originalbrief kann bei den Kolberger Anstalten für Exterikultur, Ostseebad Kotberg, TAVfil das Krauter-Haarpflegemittel eingesehen werden. fetthaltig für normales und

trockenes oder fettfrei für fettreiches Haar. Preis der Original- flasche 2 Mark, Doppelflasche 3,50 Mark. Ueberall zu haben.

__Gut gegeben. Einen Reinsall erlebte eine aus Engländern bestehende Gesellschaft, welche die Psauen- insel bei Potsdam besuchte. Sie ließ sich von dem diensttuenden Bootsmann übersetzen. Bei der Rück­fahrt besprachen sic nun, wieviel Trinkgeld sic dem Ueberfahrer geben wollten. Einer der Herren bat di: andern, ihm dies zu überlassen. Er würde dem Bootsfübrer einen halben Penny (nach unserm Geldc ettoa 5 Pfg.t geben, dies wäre seines Erachtens genug, und die Beteiligten freuten sich schoü auf das ent­täuschte Gesicht, das der Bootsführer voraussichtlich machen würde, wenn er sem Trinkgeld erhielt. Na­türlich wurde über alles in englischer Sprache unter­handelt. Man Ijaitb keine Ahnung, daß die Boots- sührcr königliche Beamte sind und als alte gediente Matrosen di: englische Sprache-gut beherrschen; ruhig, als verstünde er kein Wort englisch, führt: der Fähr- führcr das Boot seinem Ziele zu. Bei der Ankunft stiegen die Herrschaften aus und der letzte Herr wollte ihm großmütig das besprochene Trinkgeld reichen. Ti' Mitgliedcr'der Gesellschaft machten sehr verblüsfte Gesichter, als der BootSführer, nach der „Potsd. Ta- g-szeitnng", im reinsten Englisch erwiderte: Ich danke den Herrschaften. Wtr sind Matrosen der Kaiser!. Marine, stehen im Dienst des Deutschen Kai­sers und sind so gestellt, daß wir nicht nötig haben, Almosen, von den'Engländern anzunehmen.

___ Ein albanesisches Duell. Seit Beginn de? Bolkankricgcs ist schon viel über das Albancsenvolk geschrieben worden. Man hat mannigfache Gebräuche desselben erwähnt. Zn diesen gehört auch noch die Art und Weise, wie diese Gebirgsbewohner ihren Zweikampf einlciten. Die beiden Kämpfer müssen nämlich zuerst in einen gewissen Zustand der Betrun- kenheit gesetzt werden. Bor Beginn des Kampfes bekommt jeder derselben ein großes Glas jenes be­rauschenden Getränkes, das eine gewisse AÄhnlichkeit mit dem Met der alten Germanen hat, dort unten „Raki" genannt. Auf ein gegebenes Z-icken setzen sie das Glas an die Lippen und suchen so schnell wie möglich „Rest weg" zu machen; denn wer zuerst fer­tig ist und sein Glas geleert hat, darf zuerst schießen. Bedenkt man nun noch, daß die Albanesen vorzüg­liche Schützen sind, so weiß man schon im voraus, da»

derjenige, der rascher trinken kann, als Sieger aus dem Zweikampf hervorgeht. . .

— Ein neuer Triumph der Chirurgie. Kürzlich hat einer der ersten französischen Physiologen, der Professor Dastr: in einem Vortrag in der Akade­mie, der Wissenschaften dargelegt, daß Ticrexpertmente crgcbcn hätten, daß der Mensch nur ein Sechstel set- ner Lunge zum Leben benötige. Diese Antersuchun- gen wurden angestellt auf Grund der Arbeiten eines Italieners, Dr. Foclanini, der leichte Fälle von Tu­berkulose dadurch besserte bczw. heilte, daß er in die durch bi: Tuberkeln entstandene Aushöhlung em Gas injizierte, durch welches die Aushöhlung zusammen- gczogen, gleichzeitig aber auch dieser erkrankte Teil der Lunge „außer Betrieb" gelegt wurde. Er erreicht, dadurch in sehr vielen Fällen ein Aushören der Blu­tungen und eine Bcrlltincrung der Aushöhlungen. Der französische Physiologe hat nun fcstgestellt, wie groß die zum Leben nötige, funktionierende Lungen- masse sein müsse, und hat, nachdem auf obige AR der größte Teil der Lungen eines Tieres unbeweglich gemacht Worden war, konstatiert, daß das Tier nur mit einem Sechstel der Lunge völlig lebensfähig blieb. Ein Trost für die vielen Lungenkranken, denen nur eine halbe Lung: zum Atmen blieb.

— L-bensmittelprcise vor 309 Jahren. Die Teue­rung der Lebensmittel, insbesondere aber des Flei­sches, läßt es angebracht erscheinen, einmal mitzutei­len, was unser: Vorfahren vor 300 Jahren für ihren Lebensunterhalt- benötigten. Damals kostete ein Hase 6 Groschen, eine Wildente 6 Dreyer und eine Wach­tel 6 Pfennige. Schweinefleisch das Pfund 9 Pfen­nige, Rind- 8, Schöpfen- 7 und Kalbfleisch 5 Pfennig:. Ein Lamm kostete 18 Groschen; der Zentner Speck 9 Gulden, gesalzener Stör die Tonne 1 Gulden, Hering die Tonne 7--13 Gulden, je nach der Art:

1 Faß Butter 3 Gulden, ein Schock Eier,5 Groschen;

eine Tonne Aepfel 15 Groschen; 1 Scheffel Graupen

3 Gulden: ein Pfund große Rosinen zwei Groschen; ein Pfund Kapern 7 Groschen, ein Maß Oliven 5 Groschen, eine Zitrone 2 Groschen, nn Granatapfel

4 Groschen und ein Zentner Kastanien i Gniden. a-

— Komöviendors. .Was ma l denn dort die ükten Leute?" — .Das sind um -. Sommer, frjschler! . . . Willen S', die sind noch von'gestern a'ienb von der Lenh uns'rer ersten Liebhaberin, so begeistert, daß sie ihr jetzt beim Hcueinführen die Ochsen au-gespannt haben/

die Zahl der KreiStagsabgcordneten -c. zur allge­meinen Kenntnis gebracht würde. Nach der in Nr. 63 des Kreisblattes veröffentlichten Zusammen­stellung der Landgemeinden mit ihrer Seclenzahl und den zu wäblenden Mahlmännern zählen die katyo- l isch en. Landgemeinden ca. 12 430 Einwohner, die cvanäeliscbcn 5715 Bewohner. Die Zahl der katholischen Kreistagsabgeordneten im Wahlverband der Landgemeinden ist u. W. 8, die der evangelischen 5. Es kommt also bei den Katholiken auf ca. 1 5 53 Einwohner ein Kreistagsabgeordeter, bei den Evangelischen kommt ein Abgeordneter da- aegen auf 11 4 3 Seelen. Jedenfalls haben die Ka­tholiken ihrer Seelenzahl nach einen Kreistags­abgeordneten zu wenia. Das kann ja Zufall fein, c5 V,>VD- ist"dos aber 'für die' Kdthdliken umso mißlicher, weil Ellwangen-Amt der Wablverband der Städte (Gersfeld und Neresheim ■ Tcnni), der zwei KreiStagSabgeordnete zu wählen " hat. selbstverständlich nur Protestanten in den Kreis­tag entsendet. Da auch im Wahlverband der . Großgrundbesitzer, der 5 Mgeordnete wählt . (2 von den Herrschaften zu Tann, 1 von der zu GcrS- : seid, 1 von der zu Schackau-Eckweisbach (Guttenberg) : und 1 vom Fiskus), die Katholiken nur einen Ver- । treten haben, der sich übrigens u. W. durch einen ! protestantischen Beamten int Kreistage vertreten | läßt, so ergibt sich als Resultat, daß' der 'überwiegend katholische Kreis Gers- : f e l d (ca. 12 700 Katholiken und 8300 Protestanten) eine protestantische K r e i § t a g § m e h r- : heit hat. Die weitere Folge ist, daß der Kreis tm Kommunallandtag in Kassel durch z w c t ' Protestanten vertreten ist, da die protestantisch Mehr­heit eS nicht über sich bringen konnte, den 12 000 ! Katholiken deS Kreises Gerechtigkeit wtderfao- ren m lasten. Daß eine katholische KretStags- mehrheit ähnlich handeln würde, ist Wohl ausgeschlos­sen und täte sie es doch, so würde man sie in der oanzen nichtkatholischen Press- an den Pranger stel­len. Wenn im Kr. Gersfeld auch katholische KreiS- tagLabgeordnete — von der Aussichtslosigkeit einer ' kathol. Kandidatur überzeugt — die evangelischen ; Vertreter mitgewählt haben, so kann man das Wohl ; verstehen, wenn cS auch Wohl bester wäre in solchen i Fällen, durch den Stimmzettel seine Ansicht klar zum ! Ausdruck zu bringen. Jedenfalls aber kann dtc pro­testantische Mehrheit keine Entschuldigung für ihr un- paritätisches Vorgehen daraus herleiten. Es mag ;a sein, daß man auch hier wieder den „Zufall" verant- wortlicki macht. Dabei ist es aber doch sehr merk­würdig,' daß der „Zufall" so selten einmal den Katho­liken günstig ist. Auch die zwei Vertreter des Kreise? in der Landw irisch afts kam mer (darunter ein Richtlandwirt) sind nämlich protestantisch, obwohl doch an tüchtigen katholischen L a n d - Wirten im Kreise kein Mangel ist. Daß der über­wiegend katholische Kreis auch noch niemals einen katholischen Landrat hatte, ist -vor kurzem bei einer anderen Gelegenheit in der „Fuld. Ztg. ausgeführt worden. Gegenüber diesen Feststellungen — die, tote auch der Gcaner zugebcu wird, rein s a ch - l i ch achalten sind und selbstverständlich keinerlei per- sönlick« Spitze haben sollen — wird man vielleicht

? Ans dem Kreise GerSfeld, 18. Nov. 1912. Im November finden alle 3 Jahre die Kreis t a g s - Wahlen statt. In unserm Kreise und wohl auch anderwärts vollziehen sich dieselben so ziemlich unter dem Ausschluß der Ocffentlichkeit. Von einer Agi­tation merkt man kaum etwas. Im Wahlverband der Landgemeinden werden die Kreistagsabgeordneten bekanntlich durch Wahlmänner gewählt, die ihrer­seits erst durch die einzelnen Landgemeinde- .vertretungen gewählt werden. Gemeinden bis zu 400 Seelen wählen einen Wahlmann, solche von 400—800 Seelen 2 (und solche von 800—1200 Ein­wohner 3 Wahlmänner. (Das weitere hat für'unfern Kreis keine Bedeutung.) Es werden dann „in räumlicher Abrundung und nach Maßgabe der Bevölkerung Wahlbezirke gebildet, deren feder die Wabl von einem bis zwei Abgeordneten zu vollziehen iqen wurde, sind tu mcyt weniger ais «d Vczirien ™i". Es wäre nun recht interessant und ztoeckdien- ... ilLürfel schon gefallen, lieber das Ergebnis ha- lich. wenn durch da? .Krersblatt bei jeber ben wir bereits berichtet. Das Z r n t r u m steht von Dahl nicht nur die Einwohnerzahl der Lgndgcmcm- allen Partei:n wieder am bcstcu da: -».hat eben den und. die Zahl der Wahlmanner, sondern auch cte seine sicheren Wahlkreise, die ihm nicht ernstlich strei- Wahlbezirke, sowie die daraus entfallende ^eelenzahi, tig gemacht werden können. Das Zentrum besitzt in Württemberg r.u" 4 Wahlkreise, die als kritisch be­zeichnet tocrbcit können: Rottweil, Aalen, Oberndorf und Geislingen. Die beiden ersteren wurden vom Zentrum im ersten Wahlgang glänzend, behauptet. Geislingen war bei der letzten Wahl nur ein Zufalls­gewinn (ber Wahlkreis ist nur zu 46 Pro;, katholisch und cS ist nicht ausgeschlossen, daß der Bezirk auch jetzt noch dem Zentrum znfällt), und Oberndorf dürfte in der zweiten Wahl behauptet werden kön­nen. Ferner siegte das Zentrum in Biberach (Graft, Ehingen (Kiene), Lunzheim (Eohlcr), Leutkirch (Braungcr), Ravensburg (Schlichtes, Saulgau (Som­mer), Riedlingen (Graber), Tettnang t Lochers Wald­see (Mohr), Wan.geu (Spelh), Aalen (Rcmbold), Rot­tenburg (Bolz), Rottweil (Meier) Spcichingen (Neß- kr), 'Ellwangen-Stadt (Walter) C" (Schmidberger), Gmünd (Newbold), (Schmid). Horb (Schtonzcr). .Gehr aut haben diesmal die Konservativen und der Bund der Land-

Herzog traf einige Wochen später Herrn Coguclin und berichtete in seinem Tagebuch darüber folgendes:

„Am 17. Oktober machte ich mit Herrn Coquclin eine sehr lange, resultatlose Jagd auf Elefanten. Von 5 bis 8 Uhr morgens ntarschierten wir, ohne frische Fährten gefunden zu haben, im hohen „brousse" herum und kamen schließlich zu einem kleinen Dorfe, dessen Bewohner wir ohne Erfolg nach Elefanten ausfragten. Wir ließen uns daher zu einem anderen Dorfe führen, wo wir gegen 10% Uhr anlangten. Von dort entsandten wir nach drei verschiedenen Richtungen Kundschafter aus und erhielten um 12 Uhr mittags die dtachricht, es seien frische Elefanten­fährten gefunden worden. Inzwischen' hatten wir einige acfrmtc Bobnen und Süßkartoffeln genosten. Da mein Boy meine Feldflasche vergessen hatte, so war ich zum Genuß von Flußtoasser verurteilt, das wirklich nicht nach Veilchen duftete. Um IV- Uhr kamen wir auf die Fährten und verfolaten diese bis 4 Vs Uhr, während die Elefanten durch 63ra§ und Sumpf, über Hügel und durch Täler immer vor uns Herzogen. Entmutigt gaben wir bie, Suche endlich auf und machten un§ bei sinkender Sonne auf den Heimweg Zum Glück fchien der Mond, sonst hät­ten wir den Weg nicht gesunden, zumal wir drei int dichten Hochwald liegende Sümpfe zu passieren hatten. Nach zwei Stunden MarschierdnS fragten .wtr einen unserer mitgehenden Elefantenführer nach der Länge, des Heimwegs. Zu unserem Schrecken deutete er auf den schräge stehenden Mond und 1 .nn mit bet Hand senkrecht. Dies bedeutete: wenn c^r Mond im Zenit steht, werdet ihr zuhause fein, also frühestens in sechs Stunden! Zum Ueberfluß zog bald darauf ein Ungewitter auf, fo daß wir in völliger Dunkelheit, die nur durch heftige Blitze unterbrochen wurde, dabinstolperten. Total durchnäßt erreichten wir um Uhr abends das Ueberschtoemmung-Sg-biet vor unserm Lager, wateten bis an die Hüften hüt durch und standen nach dieser letzten Schwieriekeit vor unfern Zelten. Von mittags 12 Ubr waren wir auf ben Beinen und im ganzen waren wir 17 Stun­den abwesend gewesen, von denen wir 15 auf dem Marsch zugebracht batten; wir hatten etwa 60 Ki- lomer zurückqcleat."

Aus diesem Bericht ersieht man, mit welchen Schwierigkeiten derartige Elefantenpirschgänge v:r- bur.be:: sind. Coqnelin naym wenige Monate lpä'.er ein trauriges Ende. Im Begriff, feinen 107. Ele- fanten zur Strecke zu bringen, wurde er Von diesem mgcgriffen und von d.s'rn Stc-' ■’ >-•

gegen die „rote Armee" Front. Wir wollen ihn nicht wieder an Düsseldorf, Köln usw. erinnern, aber aus der jüngsten Rede muß hervorgehoben werden, daß Riesser seinen Spott ergiißt über die Leute, „die immer nur rot sehen", und daß er gegen die Schwarz- blauen nach wie vor den grimmigsten Bernichtungs- kampf Predigt, dagegen der roten Armee keineswegs einen solchen Krieg ankündigt, sondern vielmehr ihre Abwehr einer „gerechten Politik" überlasten will. „Lieber rot, als schwarzblau", — das klingt deutlich , durch.

i Die wohlberechnete Unklarheit tritt noch be­sonders zutage bei den Aeußerungen über die T e u e- rungssrag:. In Sache. des Fleischbeschauge­setzes und der Gcmeindcaktion lehnt Herr Riester jede „Bindung" ab. Von den Fleischzöllen hat er, so viel wir sehen, überhaupt nicht gesprochen. Die Ansichten und Jnteresten in seiner bunten G:folg-

Ein französischer Elefantenjäger.

Aus: Vom Kongo »um Niger und Nil. Von Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Zwei tcldbifiufltierte

Bände, geb. 20 Mk. (Brockhaus, Leipzig).

In dem ersten Lager hinter Kemo, in Bot- tt.nga, trafen wir ben Elesantenjäger E o q u e - rin, eine Hünengestalt mit langtoallendem schwarzem Lockenhaar und Vollbart. Dieser hatte in den letz­ten 18 Monaten nicht weniger als 106 Elesauten erlegt und sich dadurch bereits ein schönes Vermögen erworben. Kurzsichtigerweise tritt da§ französische Gouvernement derartigem Massenmord nicht ent­gegen und verlangt auch nicht einmal irgendwelche Schußgelder. Wildschutz und Jagdreservate sind im französischen Kongo heute leider noch unbekannte Begriffe.

Couquelin hatte sich angewöhnt, ganz ohne euro­päischen Komfort wie ein Eingeborener zu leben. Sein gesamtes Gepäck bestand aus einem alten, zu­sammenlegbaren Feldbett und einem Kochkessel. Da am nächsten Morgen Elefanten dicht am Lager ge-. spürt worden waren, so ging ich mit Coqnelin im dichten Busch und hohen Gras den Fährten nach.

• Nachdem wir diesen drei Stunden lang nachgekrochen waren, fanden wir einen mittelgroßen Elefanten, auf den ich einen Kopfschuß anbringen konnte. Leider sucht: das Tier stark schweißend das Weite. Wir folgten gegen zwei Stunden lang mit der mit Schwejß bedeckten Führte; ich mußte dann jedoch die Weitere Suche Herrn Coquclin überlassen, da iw an beim (elben Tage noch einen siebenstündigen Marsch bis 0* unserem neuen Lager zurückzulegen hatte. Ter xlefant wurde erst drei Tage später im dichten Busch )vn eingeborenen verendet aufgefunden. Auch der

Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, drr gegenwärtig als Gouverneur der Kolonie Togo tätig ift, überrascht uns durch ein non ihm und den Teilnehmern seiner Expedition verfaßte?, prächtig ansgesiatteieS Werk über seine im vorigen,Jadre beendete Nene durch Zen« trafafrifa Da? Buch erscheint soeben in «roei reicfiifluftriet« len Bänden unter dem Titel .Vom Kongo zum Niger und Nil" (gebunden 20 Markt bei Brockhans, dem Verleger, der dein deutsche t Volke schon io viele klasiijche Werke über Forschungsreisen geboten hat. Wir sind in der Lage, unseren Le'ern einen interessanten Abschnitt aus dem durch Wort und Bild hervorragenden Werke zu bieten. Wir empfehlen daS Buch bestens, insbesondere als Wei"achtsgeschenk tür alle Ruife, die sich für lebendige Schilderungen merkwürdiger Länder und Völker inler- t efftcrcn