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Fuldaer Zeitung

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die Hälfte der Summen erfordert hat, so dürften die doppelten Kosten für das große Kulturwerk einer Großsckiffahrtsstraße von der Nordsee zur Donau sicherlich auftubringen sein.

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Aus dem Nachbargebiete.

* Geluhaufcn, 17. Nov. 1912. Zu Kreistags­abgeordneten wurde Bürgermeister Dr. Schmidt roiebergercählt und Kaufmann Stock neugewählt.

* Hanau, 18.. Nov. 1912. Am Samstag kam in einer Versammlung des landwirtschaftlichen Kreis- Vereins Hanau auch das Projekt der Errichtung einer Ucberlandzentrale zur Sprache. Aus der Beantwortung der Rundfragebogen geht hervor, daß man im allgemeinen von der Notwendigkeit der Durchführung des Projektes durchdrungen ist. Sämt­liche Redner äußerten sich dahin, daß der Plan von ungeheurem Vorteil für die Bewohner des Kreises sei. In manchen Gemeinden würden in der sichern Hoffnung auf das Zustandekommen desselben schon entsprechende Vorkehrungen getroffen. Landrat Frhr.

VEsivirtschaftliches und Soziales.

* Kampf im Baugewerbe? Es besteht heute lei­der alle Aussicht, daß das Jahr 1913 ein Jahr schwe rer wirtschaftlicher Kämpfe zu werden scheint, nach der Meinung der Arbeiterorganisationen so schwerer Kämpfe, wie sie in Deutschland noch nie zu verzeich­nen waren. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Arbeitgeberverbände des Baugewerbes und der M e t a. l l i n d u st r i 2 es auf eine Kraftprobe mit den Gewerkfchaften ankommen lassen wollen. Die Kriegserklärung hat als erster jetzt der „Arbeitgeber- Schutzvcrband für das deutsche Holz gew erbe" erlassen. Dieser Verband hat den mit dem Deutschen Holzarbeiterverband bestehenden Tarif zum 15. Fe­bruar 1913 gekündigt. Im nächsten Monat dürften die Arbeitgebervereinigungen der M a l e r und des Baugewerbes folgen.

gens aufzuschließen. Bei dem abnorm niedrigen Wasserstand der Werra und Weser im Sommer 1911 ist durch die Zufübrung von Kaliendlaugen eine starke Versalzung des Wassers einaetreten, welche große Schaden im Gefolge gehabt hat. Eine Lösung dieser schwierigen Frage ist praktisch nur dadurch möglich, daß die Endlaugen durch Vergrößerung der Wasser­zuführung eine" ausreichende Wasserverdünnung er­fahren. Auch nach dieser Richtung hin werden durch die Hebung der Wasserwirtschaft im Werragebiete besonders für die Kaliwerke erhebliche Vorteile er­zielt. Durch die örtlichen Untersuchungen fft sest- gestellt, daß im Werragebiete über 20 bauwür­dige Talsperren angeregt werden können, deren generelle Vorarbeüen bereits angefertigt sind. Allein 5 dieser Talsperren haben ein Fassungsvermögen von 100 Millionen Kubikmeter Wasser, und die durch Kanalisierung der Werra, sowie Anlage von Talsper­ren zu gewinnenden Wasserkräfte betragen 30 000 bis 40 000 FS-, welche demnächst für die industrielle Ent­wicklung Thüringens von größter Bedeutung sein werden. Bei den Untersuchungen des Flußgebiets wurde ferner geprüft, ob eine Schiffahrt s ver­bt n d u n g über die Gebirgswafserscheide zwischen Nord- und Süddeutschland technisch ausführbar ist, und ob sich eine Speisung der Kanalscheitelstrecke stän­dig durch genügende Wässermengen ermöglichen läßt. Die Vorarbeiten ergaben ein in jeder Beziehung günstiges Resultat. Die etwa 90 Kilometer lange Ka- nalstrecke führt von Untermaßfeld an der Werra zum Main bei Bamberg, die Höhe der Wasserfcheidc zwi­schen Nord- und Süddeutfchland wird durch 7 He­bewerke und eine Anzahl Schleusen über­wunden. In neuester Zeit ist das Kanalobjekt noch dadurch erheblich modifiziert, daß bei der Höhen­überführung des Kanals eine Schiffahrts- tunnr Ist recke von ca. 8% Klmtr. Länge geplant ist. Die durch die Wasserkräfte gewonnene Energie wird zum Teil für den Schleusen- und Schleppbetrieb in den oberen Haltungen nutzbar gemacht werden. Wie bei dem Werrakanal ein Zweigkanal nach Ei­senach, ist auch hier ein Zweigkanal nach Coburg projektiert. Das Problem einer Nord- und Süddeutsch­land verbindenden Großschiffahrtsstraße würde da­mit durch den Anschluß an die Main-Schiffahrt und den Main-Donau-Kanal in überraschend günstiger Weise gelöst sein. Was die Baukosten der etwa 950 Kilometer langen Schiffahrtsstxaße betrifft, so sind diese bedeutend, aber gewiß nicht unerfckwinalick, zumal ein großer Teil der -Lchifsahrtsverbindung als Großschiffabrtsstraße bereits Vorbanden ist rmd eine genügende Rentabilität in Aussicht steht. Auf die bestehende Weserscbiffahrtsstraße von Bremen bis Hann.-Münden entfällt eine Länge von ca. 270 Ki­lometer, auf die zu kanalisierende Werra 210 Kilo­meter. Die Baukosten dieser letzteren zwei Strecken von insgesamt 300 Kilometer Länge betragen nach den auSgearbciteten Voranschlägen ca. 13 0 Mil­lionen Mark, für den Ausbau des bestehenden Main-Donau-Kanals und des Verbindunaskanals nach München von insgesamt ebenfalls ca. 390 Kilo­meter Länge, werden dir Anlagekosten in ungefähr gleicher Höhe zu veranschlagen sein. Berücksichtigt man, daß der Umbau des Leipziger Bahnhofs -üwa

Ausland.

* Ein Sozialdemokrat gegen das Streikpostrn- ckehen. In Zürich hat in diesem rV'"rire ein Ge­neralstreik stat'tgefunden. Im Laufe des Kampfes ist es mehrfach zu Ausschreitungen gekommen. Int Kanton B a s e l ist jetzt von dem Polizeivorstand, Re­gierungsrat Dr. Blocher, eine ^.^"rdnung erlau n, Wonach innerhalb eines Abstandes von 50 Metern don Etablissements, die von einem V ' kett, einer Sperre oder einem Streik betroffen sind, das P o - jten stehen oder Zettelvcrteilen. Wirch welckes jene Maßnahmen gefördert werden sollen, verboten wird. — Das Merkwürdigste an dieser Verordnung ist, daß Dr. Blocher sich politisch zur Sozialdemo­kratie bekennt. „ , , .

* Tic Altersversicherungsgesetzgebung in Schwe­den Die im Jahre 1907 eingesetzte Kommission, die den Auftrag batte, einen Vorschlag ’.ur Wwrs- imd Jnvalidengefetzgebung auszuarbeiten, hat jetzt ihr Gutachten abgegeben. Sie hat sich auf den Stand­punkt der allgemeinen Zwangs-Pen. 'ions- versicherung gestellt. Von den B.'rsicher'lNgs- unkosten sollen die Versicherten selbst zwei Fünftel, Staat und Gemeinden zusammen b-u Fünftel ent­richten, und zwar der Staat und die Gemeinden im Verhältnis zueinander zwei Drittel und ein Dr siel. Es ist ausgerechnet worden, daß sich der jährliche Ge­samtbeitrag des Staates, wenn die Ver"'''sirung im Gange ist, auf 21 Millionen, derjeni. t der Gemein­den auf 10'/- Millionen Kronen (1 Krone —. 1% Mark) beziffern wird. Das Recht a..f die „Pension" tritt mit dem erfüllten 67. Lebensiahre oder mit der Invalidität ein. lieber die gesetzlichen Beiträge hin­aus darf jeder, der sie 15 Jahre geleistet hat, noch freiwillige Beiträge leisten, damit ■ "mfiou er» hkht werde. Die Kommission schlägt vor, daß die Pensionen der Frauen etwas niedriger bemessen werden sollen, als die der Männer, indem sie hierbei von der Erwägung ausgebt, daß die Frauen cm All­gemeinen länger leben und früher arbeitsunfähig werden.

♦♦ In China ist die durch die Unterzeichnung des russisch-japanischen Abkommens hervorgerusene Er» regung in stetigem Steigen begriffen. Obwohl die Regierung erklärt hat, daß sie die Unabhängigkeit der Mongolei, die rein chinesisch sei, nicht anerkennen würde, befindet sie sich in einer sehr schwierigen Lage. Die Presse, die von allen Parteien und von der öffentlichen Meinung einmütig unterstützt wird, rät »um Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Rußland und drängt zum Kriege.

M 266.

Dienstag 19. November 1912.

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* Die Werrakanalisatiou.

Am heutigen Tage wird der ..Verein z u r Schiffbarmachung der Werr a" in Eisenach über seine großen Vorprojekte sowie über Mittel und Wege zu ihrer Verwirklichung beraten. Ein Weg . heißt: Geld. Er wird einen großen Raum der Be­ratungen einnehmen muffen, denn die Mittel sind. erschöpft. Die Vorstandssitzung im Mai hat die Frage schon lebhaft erörtert und beschlossen, an die ! Regierungen der beteiligten Bundesstaaten (nament­lich Preußen, das bisher noch sehr wenig zu den Mit­teln für die Vorarbeiten beigetragen hat) an die im Werragebiet ansässigen Kaliwerke, an Städte, Kreise und sonstige Interessenten heranzutreten und sie um Beihiljcn zu ersuchen. Dann wird die Hauptversamm­lung die Pläne der drei Talsperren an den Nebenflüssen der Werra, der Hasel, Schleuse und Schönau mit einem Fassungsvermögen von ca. 70 Millionen Kubikmeter Wasser beschäftigen. Als H uptpunkt wird das Projekt der Verbindung der W-mra mit dem Main, resp. das Gesamtvrojekt einer Großschiffahrts st ratze von der Nordsee nach Süddeutschlaud zur atte stehen. Der Versitzende hebt in einer Broschüre die Vorteile einer leiftungsfu. wen Schiffahrtsstraße für Handel, Ge­werbe, Industrie, Landwirtschaft und ^.rbeiterstand hcv or und sogt dann weiter:

Das mittlere und südliche Deutschland, vornehm- >ich die thüringischen Staaten und das rechtsrheinische siaycrn, empfinden den Mangel einer leistungsfähi- len Wasserstraße mit direktem Anschluß an den über- see'schen Weltverkehr ganz besonders schwer, weil die wirtschaftlichen Grundlagen für ihre weitere Ent- wicksimg fehlen. Es bricht sich auch immermehr die llelerzcugung Bahn, daß c8 im Kriegsfälle für die Landesverteidigung von höchstem Werte ist, eine Grukschiffahrtsstratze zur Verfügung zu haben, die von der Donau bis zur Nordsee unr deutsches Gebiet durchzieht. Alle dahingehenden Projekte werden von dein bayerischen Kanalverein u: d dessen Protektor, dem Prinzen Ludwig von Bayern, seit Jahren mit besonders großem Interesse vtrfolgt. Der Bau des Rhcss Weser-Hannover-Kanals hat in erster Linie den Zweck, die großen Ströme des Westens, Rhein, Ems, Weser unb demnächst auch die Elbe in ihrem

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Mittellauf zu verbinden und damit e zusammc.:- hänoendes Netz von Binnenschafsahrtsstraßcn im Westen zu schaffen. Durch die Speisung des Kanals aus der Weser wurde es notwendig, die Wasserfüh­rung dieses Stromes durch 'toet bedeutende Stau­becken ..n der Eder und Diemel mit einer Wasseranf- speicherung von ca. 243 Millionen Kubikmeter zu regulieren und erheblich aufzuhöben, sodaß für dieWe- serscbtffahrt auch in trockenen Jahren c'rt guter schiff­barer Wasserstand dauernd gewährlc sit i t. D We­sir wirb durch den ständig schiffbaren Wasserstand in die Lage versetzt, einen regelmäßigen, sehr ausgedehn­ten Schisfobrtsverkehr aufzunehmen, zumal auch bei der Anwendung des Sckiffsmaterials große Fort­schritte zu verzeichnen sind und die neugebauten zahl- rei-.hen Fohrzenge von 7000 Tons Ladefähigkeit be­reits den Dimensionen der Fahrzeuge des ^Rbein- Hannover-Kanals entsprechen. Unter Berücksichti­gung dieser Sachlage ist das Projekt entstanden, die Schiffahrtsstraße der Weser durch Kanalisie­rung der Werra bis Wernshausen um ca. 180 Kilometer zu verlängern. Die Werra kommt aus dem Herzen Deutschlands, sie bildet die natü" che Verlängerung deS Weserlaufes, in ihre'^ Hrren Ge­biete besteht ein sehr bedeutender Kalibergbau und in den thüringer Landen find eine vielse:tige In­dustrie, insonderheit zahlreiche entwickelungsfäbige kleinindustrielle Unternehmungen mit erheblichst Export von Fabrikaten nach dem Auslande "stsässig. Der vor 6 Jahren gearündetc Verein für Schiffbar­machung der Werra hielt cs für eine seiner vnchtig- sten Aufgaben, gleichzeitig mit den Vorarbeiten für eigentliche Kanalisierung der Werra eine Unter- suchung über die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse der Werrazuflüsse in die Wege zu leiten, um durch Talsperrenanlaacn einerseits eine Regulierung der Hoch- und Niedrigwafserstände herbeizusühren, ande­rerseits um bedeutende Kraftouellen für die oewerb- liche Nutzbarmachung in größeren Tbürin-

£ Die Gefahren des amerikanischen Tabaktrusts für das deutsche

Tabakgewerbe

(Von einem Deutsch-Amerikaner.)

Auf dem Gebiet des Petroleumhandels soll be- mnntlich dem rücksichtslosen Vorgehen der Standard Oil-Company durch die Monopolisierung des Petro­leumhandels ein Riegel vorgeschoben werden.

Droht dem Zwischenhandel und der Industrie im Tabakgewerbe dieselbe Gefahr? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir sehen, mit reichen Mitteln der Tabaktrust drüben arbeitet und Was er bis jetzt erreicht hat. Der Trust wurde vor laum zehn Jahren von wenigen Großhändlern in llvhtabaken zu dem Zwecke gegründet, die Preise im 8roß- und Kleingewerbe der Tabakindustrie in den Vereinigten Staaten soweit als möglich in seinem ffnteresse zu regulieren. Aufnahme in den Trust Anden nur solche Fabriken, welche tatsächlich ler- chrngsfähig und kapüalkräftig waren. Um die un- rbhangigen Fabrikanten zum Teil abhängig vom Lrust zu machen, kaufte dieser alle für ihn erreich­baren Pflanzungen in Kuba, Virginta, Kentucky ufto.; oder wo das nicht immer gelang, die krntrn für Jahre hinaus auf. Dadurch wurde den Unabhängigen von vornherein der Wind ms den Segeln genommen, denn von nun an waren je zum großen Teil gezwungen, vom gröhteu Händ­ler ihren Bedarf in Rohprodukten zu decken. Es ist einleuchtend, daß die Preise für Rohmaterialien bald eine künstliche Steigerung erfuhren, die auf die Preisbildung der Erzeugnisse der bisher unabhängigen Fabrikanten bestimmenden Einfluß haben mußten, nicht nur zum Nachteil der letzteren, Andern auch zum Schaden der Konsumenten.

Das Hauptaugenmerk aber richtete der Trust dar­auf, direkt, also ohne Zwischenhändler an die Konsu­menten zu verkaufen. Das war gleichbedeutend mit der teilweisen Verdrängung des selbständigen Kleinhandels, der Vermchtung vieler Existen­zen.

Gehen wir heute durch die Straßen einer größe­ren amerikanischen Stadt, so werden wir überall schöne, in Rot und Gold gehaltene Läden finden, die durch ih: gleichmäßiges Aeußcre. auffallen. Auf einem wappenähnlichen Schilde, das die amerikanische Flagge erkennen läßt, lesen wir „U n i d e d S i = 3 a r — Vereinigte Zigarren. Tas ist der Trust.

fsioch vor 7—8 Jahren waren diese Trustläden nicht vorhanden. Dafür gab rs aber der Läden mehr, tu denen der Kleinhändler sein ausgiebiges Brot fand. Diejenigen, welche heute noch da sind, verdanken das der ausgezeichneten Geschäftslage, werden aber trotz alledem durch die scharfe rücksichts­lose Konkurrenz des Trusts schwer geschädigt.

Durch das sogm. Proftt-Sharing-Shstcm, das Systent der Gewinnbeteiligung, wird vom Trust dem Publikum ein Köder hmgeworfen, auf den der Un­kundige und Unbefangene immer wieder anbcißt. Dieses System besteht in der Verausgabung von Coupons, auch betr kleinsten Verkauf, welche im Profit-Sliaring-Departement gegen Gebrauchs- sowie Luxusgegenständ! jeglicher Art eingetauscht werden können. Daß der Unabhängige sich diesen Mitteln gegenüber nicht für die Dauer konkurrenzfähig er­halten kann, lieat klar auf der Hand. Tas noch un­abhängige K l e t n g t w erbe wird mehr und mehr untergraben.

Nun zur Beantwmtura der bereits aufgeworfe­nen Frage: Droht dem frckbständigen Tabak­gewerbe in Deutschland dieselbe Ge­fahr? Darauf kann nur mit einem entschiedenen „I a" geantwortet ivcrbeu. Jetzt bereits hat der Trust durch den Ankauf einiger zum Teil recht gro­ßer Fabriken i:t Deutschland festen Fuß gefaßt, und zweifellos verlolgt et dieselben Ziele, wird dieselbe Taktik einschlagen wie drüben. Wir haben klar ge­nug gefeb-'n, welche Gefahren der Pelroleumtrmt heraufbefchworeu hat, und im ureigensten Jntere^ der gesamten dmtscken Tabakindustrie und des Zwi­schenhandels, aber fchließlich auch ba Konsumenten selber liegt es, den Tabaktrust rechtzeitig zu bekämpfen.

Sollte eine einheitliche Organisation der unab­hängigen Industrie und des selbständigen Zwischen­handels den privatmonopolistischen Bestrebungen des Tabaktrustes allein nicht imstande sein, Einhalt zu ge­bieten, dann müßten rechtzeitig die gesetzgeberischen Faktoren in Deutschland bet unsirm Erwerbsleben abermals von Amerika drohenden Gefahr ihr ernste­stes Augenmerk zuwenden, ehe auch auf diesem wich­tigen Gebiete später einmal fest gestellt werden müßte: Wir haben wieder et-mal die Politik der verpatzten Gelegenhettei! ge'pielt."

* Köln, 15. Nov. 1912. Eine Versammlung rheinisch e r Zigarren Händler unb Ver­treter großer Tabakhäuser fand hier statt und beschloß, energifdi gegen den e n g li f ch - amerika­nischen Tabaktrust vorzugehen und alle Trust- unb trustverdächtige» Fabrikate, sofern nicht kon­traktliche Verpflichtungen entgegcnstehen, vom Ver­kaufe auszufchließen. — Aehnliche Versammlungen fanden in Mainz, Karlsruhe und Mannheim statt.

k. Weniger Vereine!

Da" alte Sprichwort: „Wenn drei Deutsche zn- sammenkommen, gründen sie einen Verein", Hal leider noch nichts an seiner Wahrheit eingebüßt l Iw Gegenteil! Die unglaublichsten Vereine mit den ost widersinnigsten Zwecken schießen wie Pilze ans der Erde. So ists in der Stadt, so ist's aber auch auf dem Lande

Angefichts des bevorstehenden Winters, der Bliit^ zeit des Vereinslebens besonders, mögen in ter ka- tbolilchen Bevölkerung bezüglich der katholischen Ver- eine d nack'-'-".eden Ausführungen allgemeine Be­herzigung finden.

Dcr c--**'.....ochene Zweck der katholischen Ver­

eine geh dahin, die Bevölkerung aller Schichten zu einem einheitlichen katholischen Leben zusammen zu fassen, sie so zu erbauen und zu belehren, daß sie den täglickc Angriffen der Gegner stanohalten kann. Zn diesem Zweck erscheint es naturgemäß, duam möe- lichst viele Schickten der Bevölkerung einzudringen, mit möglichst vielen Armen in alle Verhältnisse ein* zugreifen. Diese Kalkulation, deren grundlegende Bc- rccktigun,. außer Zweifel steht, ist die Grundlage für nufer heutiges Vereinsleben.

Das Prinzip möglichst vieler Vereine ist jedoch be- denklick und zwar ans folgenden Gründen: 1. Bül kleine Vereine erfordern zusammen einen wesentlich großen Leitungsapvarat und zersplittern dadurch die vorhandenen Kräfte. 2. Viele kleine Vereine sind Haupihindernisse einer großzügigen Propaganda. 3. Kleine Vereine können niemals mit jenem Etwas rechnen, die man Masiensugestion nennt und die ein wertvoller Faktor in der Propaganda ist 4. Wir dürfen uns Katholiken nicht zuviel finanzielle Opsir zumuten. 5. Durch zu ofte Besuche der Vereins­versammlungen leidet die Eintracht der Familie.. 6. Durck die vielen kleinen Vereine werden die Arbeits-' bienen im Vereinsleben zu sehr in Anspruch ge- nommen.

Diese Gründe lassen folgende Vorschläge als sehr zeitgemäß und nützlich erscheinen.

1. Keine neuen Vereine mehr! Tie bereits bestehenden genügen vollauf.

2. Beschränkung der Feste der einzelnen Vereine auf daS notwendige Maß. Nicht die Höussg* keil der Veranstaltungen und Feste, sondern ihre ideale Bedeutung ist maßgebend. Dafür eine um so stärken und innigere Annäherung der einzelnen kleiner, Vereine ar, einander.' Erstrebung von gemeinschaft- lichen Veranstaltungen aller. Kurz, kraftvolle Zu- sannn^ fassung unseres gesamten Vereinslebens, um nack haltige Wirkung auf Teilnehmer und Nichtteil- nebnifr zu erzielen. Wenige, aber imposante Veran­staltungen, wenige, aber gute Vorträge, gegenseitig/ Erbauung durch Massenbeftick aller Veranstaltungen Das gesamt katholische Vereinsleben bedarf der Zu sammenfussung um seiner selbst und um der guten Sacke willen.

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