Fuldaer Leitung
erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Zeiertage. vierteljährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Botationsdruik und Verlag der - :: Zuldaer flctienSruckerei in Zulda. Zemsprecher Nr. S. :: ::
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Illustrierte Sonnfagszeitung
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Zuldaer Seschichtsblätter
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39. Zahrgang.
Samstag den lb. November 1912,
Drittes Blatt.
Nr. 264.
Auf -er Dahn des Fortschrittes.
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ein neues Preßorgan im Bonifatiusboten beschert hatte. Bald war ein zweiter Motor erforderlich und auch in der Zolge wurde der Kraftanspruch immer größer bis schließlich II „Pferde" beisammen waren. Das Zahr 1890 stand für uie Zuldaer Zeitung im Zeichen eines weiteren $ort- schritts, sie wurde auf einer D o p p e l-S ch n e l l p r e ffe gedruckt,die im Zahre 1904 einer 4 fertigen Rotations- maschine weichen mußte. Vie Zuldaer Zeitung erstellte sich um diese Zeit einer Auflage von 6000, und der Bonifatiusbote einer solchen von 15000.
Der Verlag der Zuldaer Zeitung und des Bonifatius- । boten, die Zuldaer flctienöruckerei war stets bestrebt, beide Organe in jeder Ansicht so auszugestalten, daß sie den weitestgehenden Ansprüchen genügen konnten. Wie sehr diese Bemühungen, erfolg hatten, das zeigt die andauemd günstige Entwicklung der Zuldaer Zeitung und des Bonifatiusboten, was wir heute, wo wir unsere Zwillings- Rotationsmaschine den £efem im Bilde vorführen, mit Genugtuung feststellen dürfen. 3n den letzten fünf Zähren ist die Auflage der Zuldaer Zeitung von Zahr zu Zahr gestiegen. Sie erreichte im Zahre 1912 die stattliche Zahl von 10178 Exemplaren. Vie Zahl desBonifatiusboten ist auf 24000 angewachsen.
Mit der Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Inhaltes unserer beiden Organe und deren stets sich erhöhenden Abonnentenstand mußte auch eine fortschreitende technische Vervollkommnung des Betriebes Hand in Hand gehen. Heben der bereits genannten 4 fertigen Rotationsmaschine hielt im Zahre 1904 eine Linotype-Seh- und Gießmaschine, eine der großartigsten Errungenschaften in der Technik des Zeitungswesens ihren Einzug, der im Zahre 1911 eine zweite zugesellt wurde, vier Zahre später ging der Verlag zum Dampfbetrieb
über, dem nun der elektrische Antrieb Platz machen soll. Wenn wir damals glaubten, mit diesen Verbesserungen für längere Zahre auszukommen, dann hatten wir uns getäuscht. Das stetige Anwachsen der Zuldaer Zeitung und des Bonifatiusboten nach Umfang und Zahl der Blätter drängte weiter auf der Bahn des technischen. Zortschritts, den wir nun in der neuen 16 fertigen Zwillings-Rotationsmafchine System „Pony", gefunden haben.
Vie neue Rotationsmaschine ist ein Erzeugnis der Zirma König unö Bauer in Würzburg, welche unter den Schnellpressefabriken in erster Reihe steht. Ohren Hamen Zwillings-Rotalions- maschine führt sie daher, weil das Werk zwei gleiche
Druckmaschinen hat, die mit einem Zalzapparat und Ausleger verbunden sind. Bei 8 und 4 fertigen Zeitungen arbeitet in der Regel nur die eine Seite der Maschine, währen bei 6, 10, 12 und 16 fertigen Ausgaben das ganze Werk in Tätigkeit ist.
Die Vorbedingung für den Druck auf der Ro* tationsmafchine ist die Stereotypie der einzelnen Zeitungsfeiten. während auf der gewöhnlichen Buchdruckfchnellpresse direkt vom Satz gedruckt wird, müssen für die Rotationsmaschine die Druckplatten halbrund gegossen werden. Sobald also eine Leitungsseite fertig gesetzt, zusammengestellt und korrigiert ist, wird sie in die Stereotypie gebracht. Dort wird vom Satz eine Matrize angefertigt. Die fertige Matrize wird dann in das halbrund gebogene Gießinstrument gelegt. Das Instrument wird alsbald mit flüssigem Blei gefüllt und nachdem dieses erstarrt ist, wird die fertig gegossene Platte auf zwei weiteren Apparaten von außen und innen behobelt und egalisiert. Sind sämtliche Seiten der Zeitungen in dieser weise stereotypiert, so werden die Platten auf den Druckzylindern der Rotationsmaschine befestigt und der Druck kann beginnen.
Das Papier wird der Rotations* maschine nicht bogenweise, fbnbem' von zwei „endlosen" Rollen zuge- führt, von denen jede ca. 7500 Meter Papier enthält, von den Rollen passiert der Papierstreifen verschiedene Zührungswalzen und geht zwischen dem Druckzylinder, der mit Zilz überzogen ist, und dem Plattenzylinder, der durch zwei Zarbwalzen selbsttätig eingeschwärzt wird, hindurch und erhält hierbei den ersten Druck, weiter geht das Papier über Wendestangen zum zweiten Mal über die Zylinder und erhält den Druck auf der Rückseite. Das bedruckte Papier gelangt nun zwischen die Schneide- und Zalzwalzen, wo es in Bogen zerschnitten, ineinander bezw. aufeinander gelegt und gefalzt wird. Hunmehr werden die fertigen Hummern akkurat ausgelegt. Hach je 25 Stück verschiebt sich eine Hummer Defart, daß die Abzählung von der Maschine aus ohne Schwierigkeit erfolgen kann. Zeder Druckzylinder trägt weiter einen Zählapparat, an dem man jederzeit ablefen kann, wieviele Zeitungen gedruckt worden sind.
Sedjzeljnfeitige Lwillings-Rotationsmaschine, System „Pony gebaut von der SchneUpressenfabrik König & Bauer in Würzburg.
Bon den gewaltigen Zorfschritten, die Kunst und Technik in den letzten Zahrzehnten gemacht haben, ist auch das Lebenswerk Gutenbergs, die Buchdruckerkunst und die presse, nicht unberührt geblieben. Unter presse im engeren Sinne verstehen wir hier die Tagespresse. Hicht wenige Zeitungen wurden anfangs der 1870 er Zahre noch auf der Schnellpresse gedruckt, dann folgte als Krönung der Erfindung Gutenbergs die Rotationsmaschine, deren Leistungsfähigkeit sich in großartigster weife gesteigert hat, fo daß heute in vielen Druckereien die Zwillings-Rotationsmafchine den ihr gehörenden Ehrenplatz einnimmt. Eine solche hat auch, wenn diese Zeilen dem Leser zu Gesicht kommen, im Maschinen- faal der Zuldaer Actiendruckerei ihren hoffentlich recht langen Lebenslauf begonnen. Ohre erste umfangreiche Leistung unterbreitet die Zwillings-Rotationsmafchine heute den Beziehern der Zuldaer Zeitung.
vor fast 39 Zähren, also schon vor länger als einem Menschenalter, fand unser Blatt den weg zum Leser nur durch eine Schnellpresse mit Handbetrieb. Es klingt fast wie Ironie, und wie ein Märchen aus längst entschwundenen Tagen den alten, müh seligen und schwerfälligen Handbetrieb mit dem Begriff Schnellpresse zu verbinden. Und doch war dem fo! Als die Zuldaer Zeitung im Zahre 1874 ihre erste Hummer ÖerOeffent- lichkeit übergab, erschien sie in kleinerem Zormat als heute und nur drei mal wöchentlich. Sie eröffnete ihren ersten Zahrgang mit der recht stattlichen Zahl von 1000 Abonnenten. von den Blättern Zuldas hatte sie schon Damals die weiteste Verbreitung, und
diesen Vorzug hat sie bewahrt bis auf den heutigen Tag. Heun Zahre, von 1874—1883, wurde die Zuldaer Zeitung auf einer Schnellpresse mit Handbetrieb gedruckt, auch Dann noch, als sie vom Zanuar 1881 an täglich erschien. Das Zahr 1883 brachte Die Befreiung Des Raddrehers von seiner schweißtreibenden Arbeit und ein bescheidener Kraftmotor (Heißluft) hielt seinen Einzug. Doch die Tage dieses Motors waren gezählt, denn schon im Zahre 1885 trat an seine Stelle ein zweipferdiger Gasmotor, nachdem das Zahr 1884 dem Verlage
3m Schutze des Zauderers.
85] Englisch-indischer Rvman von E. Ä. Henty.
In älter Frühe brachen sie ans und erreichten das Dorf auf einem Umwege gegen sieben Uhr morgens. Die Sepvhs, denen erst kurz zuvor von dem Nahen der Engländer Kunde geworden, hatten kaum Zeit gehabt, sich zu sammeln und die Geschütze auszuslel- len, als auch ichon die Infanterie in geschlossenen Reihen aus sie einstürmte und durch schnelles und lebhaftes Feuern die Kanonen bald zum Schweigen brachte, während die Freiwilligen von allen Seiten auf, den Feind einhieben, bis dieser in wilder Flucht davonjagte, die Kanonen und die meisten der Pferde in den Händen der Sieger lassend.
Der ganze Kamps hatte höchstens einige Minuten gedauert- Vier Soldaten waren durch eine Bombe getötet, fünf Freiwillige im Einzelgesecht verwundet worden. Weit größere Verluste hatten die, Gegner zu beklagen; und zusrieden mit dem Ergebnis ihrer Sendung trat die Gesellschaft den Rückweg an und zog triumphierend in das Fort wieder cm. Der Doktor erwartete sie am 2or; Bathurst sprang vom Pferde und reichte ihm mit strahlender Miene die Hand hin ,
„Alles ist gut gegangen, Doktor. _ Ich glaube nicht, daß mein Puls nur im geringsten jchncllcr ging, als die Kanonen donnerten; und unser eigenes Gewehrsener machte noch weniger Eindruck auf mich. SaSjft nun überwunden, Gott sei gedankt!"
Ter Doktor fchüttelte ihm, allen Aerger vergessend, die Hand. „Ich freue mich, freue mich aufrichtig, das; meine Voraussage sich erfüllt hat", sprach er in der alten herzlichen Weise. •
„Worte können nicht ausdrücken, wie dankbar ich bin! Die Wolke, die mein Leben beschattete, ist gewichen, und künftig werde ich jedem Manne frei inS Ange schauen können."
"„Sie sind verwundet, wie ich sehe?"
„Ja, eine Pistolenkugel ist mit durch den linken Arm gegangen. Aber was will das sagen angesichts b-r Freude, die ich empfinde?"
„Ein gebrochener Arm ist kein Kinderspiel, be. sonders nicht in diesem Klima. Kommen Sie in das Lazarett, damit ich die Wunde untersuche."
Es zeigte sich, daß die Knochen des Unterarmes gebrochen waren. Nachdem der Arzt die Splitter entfernt und -einen Verband angelegt hatte, befahl er dem jungen Manne, sich niederzulegen. Bathurst sträubte sich dagegen und meinte, er besände sich sehr wohl; aber der Doktor bestand auf seinem Willen- „Verhalten Sie sich heute ruhig", befahl er. „Geht der Heilungsprozes; gut vonstatten und stellt sich kein Fieber ein, so wollen wir morgen weiter sehen."
Er verließ ihn und mischte sich unter die Offiziere, die alle de§ Lobes voll waren über seinen jungen Freund und nicht genug Bathursts Tapferkeit und Geistesgegenwart zu rühmen wußten. „Man merkt, daß er bei Dinnugghur und Eawnpore in guter Hebung gewesen ist" sagte der Führer des Frciwilli- gcnkorps.
Der Doktor lächelte und begab sich zu Isabella. Sic empfing ihn schon beim Eintritt mit der angstvollen Frage i „Ist es wahr, Doktor, daß Herr Bathurst üntgesochten hat und daß er verwundet worden ist?"
„Beides ist wahr, Isabella; aber Sie brauchen sich deshalb nicht zu beunruhigen. Die Wunde ist nicht gefährlich, und das ganze Unternehmen ist so befriedigend ausgefallen, daß wir Bathurst nur beglückwünschen können."
„Wie kam es, daß er den Versuch machte?" fragte sie atemlos.
„Es war ein Experiment. Ich glaubte wahrzu- nchmcn, daß der Plötzliche Schreck im Boot, das kalte Bad und der Blutverlust eine heilsame Erschütterung de§ Nervensystems hervorgerufcn und damit eine Aenderung seines bisherigen Zustandes bewirkt hat- ien; und cs ist mir außerordentlich inieressant gerne» f»n, diese schon öfter gemachte Erfahrung von neuem bestätigt zu sehen. Bathurst ist vollständig von jener Schwäche geheilt."
,,O wic sroh — wie dankbar bin uh, Herr Doktor! Nicht um meinetwillen, sondern weil ick weiß.
den Damen des Forts als eine Art gemeinschaftlichen Empfangszimmers diente.
„Wie geht cs Ihnen, Fräulein Hannah? Ich bin erfreut. Sic wieder wohlauf zu sehen."
„Ich möchte Ihnen diese Worte zurückgeben. Herr Bathurst; denn ich bemerke, daß wir die Rollen getauscht haben. Sie sind der Invalide — nicht ich."
„O, ich fühle mich durchaus nicht als solchen", er- widerte er lächelnd, indem er einen Stuhl heranzog und sich neben sie setzte. Es befanden sich noch einige andere Personen in dem Raume, doch saßen sie am entferntesten Ende desselben und waren außer Hörweite.
„Ich wünsche Ihnen Glück, Herr Bathurst, zu Ihrem.gestrigen Erfolge. Der Doktor hat mir davon erzählt, und obwohl es für uns, die wir Sie kennen, keinen Unterschied macht, so freue ich mich doch um Ihretwillen herzlich darüber, weil ich weiß, wie hohe Bedeutung Sie der Sache beimessen."
„Niemand ahnt, was ich gelitten habe, und welch« Last mir nun von der Seele genommen ist! Ich wünschte nur, der Fall wäre früher eingetreten."
„Ich weiß, was Sic meinen", sagte Isabella sanft. „Dr. Wade hat mir auch hie-rvon Mitteilung gemacht und mir gesagt, wie schmerzlich Sie bedauerten, nicht im Boot an meiner Seite geblieben zu sein. Sie selbst haben mir niemals eine Andeutung gemacht, weshalb Sic dies für Ihre Pflicht gehalten hätten; ich kann nur aus dem, was Sie später für mich taten, meine Schlüsse ziehen. Sollte ich aber nicht ein Rech Haden, klar zu sehen?" schloß sie mit bebender Stirn mc, während hohe Röte ihre Wangen bedeckte.
„Sic zwingen mich, etwas zu sagen, was ich nich> aussprcchen wollte", rief er heftig erregt, „wenigsten! jetzt noch nicht. Tenn Sie wissen nur zu wohl, das ich Sie liebe mit der ganzen Kraft meines Herzensst
„Und was wissen Sie von mir, Herr Bathurst?'
„Ich weiß, daß Sie Ihre Neigung nicht an einen Mcmn verschwenden sollten, der sich wie ein Feigling benommen hat, indem er nur an seine eigene Rettung dachte und Sie grausam Ihrem Schicksal über- ließ!"
wie großen Wert er darauf legt, und wic unglücklich er vorher war."
„Ich teile Ihre Freude, mein Kind, fürchte aber, daß unsere Plane nunmehr eine Aenderung erleiden weiden."
„Welche Pläne?"
„Nun, ich hatte mit gedacht, sie sollten ihm den Kopf zurechtsetzen und ihm sagen. Sie wollten ihn haben so wie er ist — nervös oder nicht —“
„Herr Doktor!"
Und bann, dachte ich", fuhr er unbeirrt fort, „sollten Sie ihn heiraten und mit ihm nach England gehen. Daran ist nun natürlich nicht zu denken. Tenn'wie ich. Bathurst kenne, wird er jetzt vor allen Dingen bestrebt icin, feine Ehre wieder hcrzustellen und sich, wenn auch nur tu seinen eigenen Augen, zu rehabilitieren, tnbem er hier bleibt und fernen Platz im Heere qusfüllt, bis die Empörung niedergezwungen ist.", .
„Das verstehe ich recht gut", sagte Isabella gefaßt, nut ihre Stimme zitterte ein wenig, „und wenn -es auch bart für mich ist, ihn hier in Gefahr zu wissen, so habe ich-doch weder das Recht noch die Lust, ihn von feinem Vorhaben abzubringen.-'
„Das ist brav", sagte der Doktor herzlich: „ich möchte mein kleines Mädchen — das sind Sie hos- scntüch jetzt, da mein alter Freund uns verwaisen [).3t -- nicht' anders sprechen hören. Uebccgens", fect.' er lächelnd hm zu, „steh' der Ausführung meines ersten Planes ja nichts im Wege."
„Wann werde ich Herrn Bathurst sehen?" fragte Isabella mit tiefem Erröten.
„Wem, cs nac-- mit ginge, erst in einer -wache; aber' et ist ein w tderwenstiger Patient, und ft kann cs geschcben. daß er Sie fbon morgen aufsucht."
„n.rchl, wenn cs rhrn ichadct, Herr Dollar. ' - „Dcnür will ich sorgen- Er träg1 rvn Arm iür die nächste-.! vierzehn Tage in einer Binde; auf b'.t Att wird es gehen."
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Am nächsten Morgen sand Bathurst das junge Mädchen in einem überdeckten Vorplätze sitzen, der