39, Jahrgang
Fulda, Freitag deu 15. November 1912.
Erstes Blatt.
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Barbarisch« Kriegführung.
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Diese Toleranz, die vükmorck leit nennen würbe, brauch! aber
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blutig.
* Sofia, 14. Nov- 1912. Di« Tschatalbschaliine wurde bei $mbcmföi von den Bulgaren durchbrochen. Dian erwartet übermorgen den S i n- marsch der Bulgaren in Konstantinopel. Ter Genrralkommandierende und der Generalstabs, chef sind in Tschataldscha.
Monastir.
• Belgrad, 14. Nov 1912. Um Monastir,da? bisher bi« Kapitulation ablehnte, haben 120OCX) Serben mit 100 Geschützen einen Ring gezogen und oen Angriff auf bi« angeblich von 90000 Türken mit 40 Geschützen verteidigte Festung gestern abend eröffnet.
Di« B«lag«rnng von Skutari. '
• Wien, 14. Nov. 1912 Der „R eichSpost* wird über Trieft gemeldet: Di« Montenegriner waren bis Aleffio borgÄrungen, vermochten diese« jedoch nichi zu nehmen und erlitten durch bas Eingreisen bet Miribiten die sich mit den türkischen Truppen bereinigten. schwere Schlappen. Sie wurden gezwungen^ ihr« Stellungen zu räumen und zur Bojana zuruckzugeben.
W Slicte, 14. Nov. 1912. Heber daS heutige nächtliche Bombardement wirb' berichtet, daß es der montenegriäischen Artillerie gelungen sei, die Batterien auf dem T a r a b os ch und vor Skutari ;um Schweigen zu bringen. In dem Gebiete der Stabt seien starke Beschädigungen angerichtet wor- den. Einzelne Werke auf dem Tarabosch sollen ganz, lich zerstört und ihr« Besatzungen zerstreut worden
eigentlichen Schlachten in der vordersten Linie, all über das, wa« sich hinter ihr abfpielt, berichten können, ist die folgende Skizze eine« deutschen Kriegskorrespondenten vom 4. bs. aus bet Gegend von Tschorlu recht charakteristtsch: Eine Abteilung Kavallerie begegnet unS. Der Oberst in einen Gummimantel gehüllt zu Pferde — hinter ihm eine unab- sehbare, graue Masse von Soldaten, den Sabel an
der BeltTan b« ZmUffatton und « die Kentöbeti feix. Ich zweifle nicht, daß solch. Schreiten der toelt erfpart bleiben werben. Um f« «u vermeiden, werben Wir alle» tun, wa» mit bet aufmerksamen Verteilung unserer Interessen und unserer nationalen Ehre verträglich ist.' Das tst jo nur «in moralischer Be. weiSgrunb für bi. Berechtigung, auf die Erhal» tung des Frieden» hoffen zu dürfen. Er erhält immerhin auch einen bestimmten Wert durch die Versicherung be» Ministerpräsidenten, daß Frank- reich» Mitarbeit diesem Mele gesichert sei, soweit e» feine Interessen und seine nationale Würde zulietzen.
Die 8ege tx Konstuntin.pcl.
In Konstantinopel haben stch 190 000 Flüchtlinge zusammengedrängt, unter denen sich die E h o» lera bedenklich auSbrettet Amtlich wurde gestern gemeldet, daß in den letzten 24 Stunden sieben Erkrankungen und vier Todesfälle an Eholera vorgekom» den find. Auch im Lager von Tschataldscha rückt sie ein. Sie soll so weit vorgeschritten sein, daß sie oft an einem Tage mehr al» 600 Opfer fordert. — Röntg Ferdinand wird wahrscheinlich auf den Ein- zug seine» Heere» in Konstantinopel verzichten, jedoch an der Spitze einet Abteilung feiner Garden in die Stadt einziehen und die Hagia Sofia betreten. Zur Sicherung bet Fremden Konstanttnopel» find dir nötigen Borkehrungen durch die europäische Krieg» schiffe bereit» getroffen worden. Im Falle von Unruhen toirb die .Franken"-Stadt Pera abgesperrt. Zu dem Zwecke sichern bi« Franzosen die Brückenübergänge von Stamdul nach Pera.
Köln, 14. Nov. 1812. Der Korrespondent bei .Köln. Ztg." in Konstantinopel schreibt: Diseinerzeit in UeSküd festgehaltenen, für Serbien be stimmten Geschütze sind nach der Linie von Tscharaldsch- geschickt worden. Noch immer treffen ermüdete Reser oisten in Lumpen, vielfach ohne Schuhe, ou» Lnato lien ein. Auf höheren Befehl müssen die Zeitunger immer noch Siege»nachrichten vom Kriegsschau platz bringen, während die hier eintreffenden eure päischeu Blätter den wirklichen Stand der Ding- schildern. Auf der Pforte wiegt man sich in die Hoff n u n g ein, daß e» zwischen den Mächten zu Z w i stigketten kommen würde und datz der Dreibunt für die Erhaltung bet europäischen Türkei eintreten werde. Man will in diesem Sinne auch Be suche bei den Botschaften de» Dreibundes deuten.
W Konstantinopel, 14. Nov. 1912. Der komman bietende General be» ersten Armeekorps ordnete di, Verhaftung be» Exminister» Talaat Ben an, bei feinen Posten auf dem Kriegsschauplatz verlassen unt sich nach Konstanttnopel begeben hat. Die Polizei- oehörde forderte Talaat Ben auf, sich innerhalb 24 Stunden zu seinem Truppenteil zu begeben, andern- fall» werde sie seine Verhaftung verfügen.
• Konstantinopel, 14. Nov. 1912. E» scheint, daß die Regierung infolge der letzten Versuche de» Komitee» wieder zur Macht zu gelangen, strenge Mahregeln gegen die Jungturten trifft. Der zweite Kam. merherr de» Sultan» Tewfik Beet), welcher verdächtig war, die Schritte der Iungtürken beim Sultan begünstigt zu haben, wurde abgesetzt. Dem früheren Minister Tschawid und dem Direktor be» „Tanin", Dscha- big. gegen welche Haftbefehle erlassen worden waren, gelang et, über Konstanza nach Europa zu fliehen.
Di« Durchbrechung der Tschataldschaffuie. _
• Sofia, 14. Nov 1912. Die Kämpfe um die Linien von Tschataldscha sollen für die Bulqaren bis jetzt die Einnahme von vier Werk«, gebracht da- den, von denen zwei wichtig seien. Die au» Klein, asien frisch eingetroffenen türkischen Truppen schlügen sich sehr aut. Die Truppen der bei Lüleburga»
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mantel gehüllt zu Pferde fehbar«, graue Masse vor _ der Linken, den Karabiner aus dem Rücken — abrr ohne Gäule. Was soll daS heifeen: . . . Retter zu Fufe? . .. Warum mich — gerade mich, der Oberst anspricht. Weitz ich nicht. . . Jenseits der Strafe« stand jemand, den ich aus Türkisch etwa» gefragt hafte — vielleicht hält er mich für irgendwen:„Aman -ffendim' Erbarmen, Herr! Nun sagen Sie mir doch, wohin ich soll? . . . Kein Mensch befiehlt hier — ich soll nach TscherketzkjS marschieren — es ist in einigen Minuten stockfinstere Nacht — alle Wege von Truppen versperrt — wer kann mir denn sagen, wie ich dort hinkommr? - * „Da — link» und dann gerad:au» bei der Windmühle vorüber, di» Sie zur Linken lassen muffen, Herr Oberst — aber eS ist Wahnsinn, jetzt weiter zu marschieren — bis Tscherkefeköj sind eS dreißig Kilometer, und Sie können vor morgen früh dort nicht ankommen — wen» Sie überhaupt dort ankommen! . . .* „Aber — ich soll doch hin — bei wem soll ich mich denn Hirt mel« den, ist denn überhaupt eine Etappe da? .. ." „Weitz ich nicht, Herr Oberst! Aber wo haben Sie den» Ihre Pferde — Sie sind doch ein Kavallerteregt. ment?" „Natürlich! — Wir kommen eben über No- dosto au» Anatolien — meist in Fußmärschen und soüm hier irgendwo herum unser« Pferde tnegen. Weitere Unterhaltung wäre zwecklo«, da» Regimes stapfte zu Rufe im knöcheltiefen Morast Weste, *»' jtaA rite» —, «
Tagen von Plewna.
♦ Sofia, 13. Skov. 1912. Durch die jetzt ein« gehrndeu näheren Berichte wird jetzt nachträglich bekannt, dafe sich bei d:n Kämpfen bei K o 1 s ch a n a ein schwerer Geschützunfall auf bulgarischer Seite ereignet hat. Bulgarische Reserveformationen, denen vom Oberkommando neue Schnellseuerge« schütze nach dem französischen Sy st em Schnei» dtr-Ereu^ot zugeteilt waren, trafen die Bor« bereitungen für ein in Aussicht stehendes Gefecht. Al» eine» der Geschütz« geladen werden sollte, erfolgte bei der Handhabung des Schraubenverschluffe» ein« Explosion, durch die 10 Soldaten getötet und 10 verwundet wurden.
• Konstantinopel, 13 Nov. 1912. Ein auf tüt« kischer Seite stehender Kriegsberichterstatter schreibt: In den Schlachten bei Lüleburga» waren die Kre- pierungen der bulgarischen Schrapnell» sehr genau und zeigt'n fast gar keine Abweichungen unterrinander, wa» den Zeitzündern zuaeschrieben wird. Die Franzosen sprechen nicht sehr davon, weil sie sie nicht machen können. ES handelt sich nämlich um Kruppsche Geschotzzünder.
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• Reiter jt» Fntz. In der bunten Reih« der ÄriegSbilder, die allmählich trotz aller Zensur in Deutschland eintreffen und die ja weniger über bii
hohe» Stellen oder von der höchste» Stelle so bestellt. Wie erinnerlich, hat ftönig Ferdinand zu Beginn be» Kriege» den strengsten Befehl zur Ausr^hterhaltung der Ordnung und Disziplin und zur humanen Bthandlung der Ber« wundeten und Gefangenen gegeben. Aehnliches hist der Sultan in seinem Manifest angeordnet. Seit« dem hat man in offiziellen bulgarischen Darstellung gen gelesen, wie grausam bte Türken und Wit menschlich dagegen die Bulgaren seien. Zweifellos sind die Schiwerungen türkischer Grausamkeiten in vielen Fällen richtig, doch ist meiner Ansicht nach die beiderseitige Kam"fesweise leider mehr eine Schlachterei als ein Krieg. Aller« ding» hat man alle Vorkehrungen getroffen, zu Oec« hindern, dafe diese Kampfesweise nicht zu, Kenntnis Europas gelangte, und eben des« halb hat man dir Korrespondenten in dieser Weist eingesperrt. Der beiderseittge Hafe ist so grafe, ba| die Offiziere beinahe nicht imstande sind, ihre Leutt zum ruhigen Schiefeen anzuhalten, sie wollen nu, mit dem Bajonett vorgehen und Blui sehen. In den offiziellen Kriegsberichten toirl stets eint höhere Zahl von verwundeten Türken all Bulgaren angegeben. Trotzdem habe ich in den langen Zügen mit Verwundeten ausschließlich Bulgaren gesehen. Wo sind die verwundeten Türken hingekornmen? Einer meiner Freunde, der nicht Journalist ist, kam nach Kirki« tiff» während de« dortigen Kampfes. Er erzählt« nur, wie die Bulgaren nach dem Stampf, vom Hafe entflammt, abgeschnittene Türken - köpfe auf Bajonette gefpiefet und s« umhergetragen haben. Er hat persönlich gesehen, dafe türkische Leichen verstümmelt wurden. Für die eigenen Verwundeten hätten die Bulgaren sehr aufopfernd gesorgt, aber e» habe, sagte er mir, an Wagen gefehlt, um die Verwundeten schnell wegzusckafsen. Um so weniger mar eS möglich, den verwundeten Türken zu helfen. Tiefe meine Mitteilungen haben nur den Zweck, die Ansicht zu beseitigen, als wären Grausamkeiten nur von türkischer Seite begangen worden. Barbarei kämpft eben mit Barbarei, jahrhundertelang er Hafe gegen jahrhundertelange Unterdrückung. So ist ein Brand entftanben von dessen Wildheit Europa keine Ahnung hat.
Deuffch« Strategie und deutsche Taktik.
sind die eigentlichen Sieger im gegenwärtigen Bal. kankrirge. Natürlich nicht auf türkischer, sonder» auf bulgarischer Sette, jagte ein z. Z. in Berti» weilender höherer bulgarischer Offizier einem Vertreter dt» „LokalanzeigerS". Da» deutsche Geschütz- material ist da» denkbar beste. In Bulgarien ist die Artillerie die Sammelstätte für die höchste In« telfigen} des Landes. Wa» soll dagegen ein au» irgend einem asiatischen Tors heraus geholt er Türk« mit dem ihm völlig unbekannten Geschütz anfangen. Im allgemeinen, so schlotz der bulgarische Offizier, ist der türkische Soldat noch derselbe wie in be«
zuarten. Di« Presse, die Wi war ebenso anmafeenb _ -
ding» bie elbe Presse der widersprechrnden konservativen „VerargerungSpolitik" «nu Borwurf macht, so ist auch da» durchaus verseh«. $M konservativ« Presse hat einfach bte Zumutung adgelehnt, für Herrn Kämpf zu stimmen, und jn «n«r solch« Weigerung haben die rechiSstchenben Parteien zwei gute Gründe. Ersten» können sie nicht etwa« tun, was al» eine Anerkennung be» bisherig» Notpräsidiums als einer regelrechten Verkörperung brr Reichstagswürde und des Reichstag-Willens erscheinen könnte. Zweiten» kann man für die Person des Herrn Kämpf kein Vertrauensvotum verlangen, nachdem er in der berüchtigten Scheidemann-Sitzuug versagt hat.
33a» ist nun zu tun? Einen Gegenkandidaten aufzustellen, würde sich für bte rechte Hälfte des Hause» erst empfehlen, wenn die nettenelltbe- rale Partei sich rückhaltlos für die Herstellung eines Präsidiums au« j« einem Konservativen, Zen- trumsmann und Nattonallideralen rrllärte. 6e lange das nicht der Fall ist, bleibt der Ausweg, dei der Wahl w e i fe e Zettel abzugeben.
Bon besreundeter Seite fft angeregt worden, eine vierte Prästdialstell« zu schaff«, also eine» dritten Vizepräsidenten zu wählen. Einen politischen Wert würde diese Mafenahmr erst dann haben, wenn die Freisinnige Bolkspartei sich von den Rockschöfeen der Roten abloste und eine Gemeinschaft der bürgerlichen Parteien sich bildete. Sowett sind wir aber noch lange nicht. Nebenbei sind auch die Nationalliberalen in ihrer Gesamtheit noch nicht bereit, in ein-m solchen viergliedrigen Präsidium dem Zentrum und den Konservativen den gebührenden Vortritt zu lassen. Der LiberaliSmu» will ja noch immer die angeblich bei den Wahlen errungene Linksmehrheit bei der Präsidialwahl zum Ausdruck gebracht wissen.
So lange die Verwirrung im Parteiwesen besteht, kann man auch das Präsidium in der bestehen- den Verwirrung beiaffen. Man braucht Herr» Känipf nicht zu bekämpfen, wenn man ihn auch nicht unterstützen mag.
♦ Semlin (Ungarn), 13. Nov. 1912. Endlich ist e» mir gelungen, so schreibt der ins bulgarische Hauptquartier entsandte Berichterstatter der „Boss. Ata.*, an Allerhöchster Stelle die Erlanbni» zu erhalten, Bulgarien zu verlassen- Ich be« nutze den ersten Augenblick wo ich ohne die Feffeln der Zensur bin, um der bulgarischen Regierung unb dem König den Dank für bte mir erwiesene „Gast- sreunbschost' auszusprechen. Gastfreundschaft, bie in bezug aus Uugerechtigkest, Parteilichkeit und Un- Höflichkeit sicher beispiellos ist, bie mich persönlich tn Lebensgefahr gebracht unb zur Ausplünderung meiner ganzen Ausrüstung geführt hat. Tie Ui- (acht des Vorgehen» gegen bie Korrespondenten ann nicht in einer etwaigen liebertretung des Reglement» durch bie Korrespondenten liegen oder in strategischen Rücksichten, auch nur teilweise in der Parteilichkeit einzelner unteren Beamten bei Zensur. Da» aanie Svltem war nackwelstick n»
Preußischer Landtag»
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 14. November 1912, f
Die zweite Beratung deS f
WassergesetzeS , ,-
etrb bei § 36 fortgesetzt. Nach diesem Paragraphen darf der Eigcniämer eines Sßafferlaufe» den Gemein- zevrauch nicht unmöglich machen und nicht unnütz erschweren. Der Paragraph wird mit einem Zusatz- antrag Ecker-Winsen (natL) angenommen, wonach bei Schaffung von Neuland bei Wasserläufen erster Ord- nung den früheren Anliegern der Zutritt zum Waffer zu gestatten tst, soweit es zur Ausübung be» Gemeingebrauchs nölig ist.
§§ 37 und 38, die ebenfalls Bestimmungen über den Gemeingebrauch treffen, werden unverändert angenommen.
§ 39 bestimmt nach dem KommiffionSbeschluß, daß die Wafferpolizeibehörde den Gemeingebrauch regeln, beschränken ober vernichten kann. Nach längerer Debatte wird der Paragraph unter Ablehnung aller Abäudernngsanträge tn der Kommisflonssaffung an« genMimiN.
^fcle §§ 40—45 (Benutzung von Wasserläufen durch den Eigentümer) werden ohne Debatten erledigt.
§§ 46—81 handeln von der Verleihung beS Walserrechis.
Bertehrsminister v. Breitenbach erklärt, obgleich et bie Slibetlen der Kommission für ganz ausgezeichnet halte, muffe er doch gegen den von der Komimffion deschloffenen Jnstanzenzug Bedenken erheben, da die Einführung von Instanzen, die nicht unmittelbar mit einander arbeiten, ben allgemeinen Interessen nicht entsprächen.
'ß§ 46, 49, 60 und 71, die im besonderen von ben bei ber Verleihung in Frage tommenben Behörben hanbew, werben bei der Beratung »eibnnben. Die Kommtffion hat anRtUe ber Minister al8 oberste Instanz em unabhängige» höchstes Gericht geiefet, nämlich bas LanbeSwafferamt. dm Antrag v. Branbenftetn (t will zur ersten Beichwerbetnftanz ben Stromausschuß unb al» letzte Instanz da» Oderverwaltungsgerichl ein« geführt wissen.
Adg. Lippmann (Bp.) tritt für Einführung des LanbeSwasseramte« al» oberste Beschwerbetniianz ein
Adg. v. Sirte» (lons.) platbtert für ben Antrag e. Branbenftetn.
lviinister ». Dallwitz bittet, eS bet zwei Instanzen, dem Bezirksausschuß und der Ministettatinttanz, untei gewissen Voraussetzungen dem LanbeSwafferamt, zu belassen.
Die Abgg. ». Woyna ifrt) unb Ecker-Mnsen (ntl.) bitten, an der Kommifftonifaflung nicht zu rütteln.
Adg. Herold (Zent.): Es be-ehk Einmüligken darüber, daß der Bezirksausschuß als erste Jnnanz eingesetzt wird. Als letzie Instanz halte ich bte Gttom- ausfchüffe für unzweckmäßig unb befürwort« em LanbeSwafferamt für bas ganze Reich als ejne absolut selbständige Behörde.
Adg. ». Mattzahn (konf.) weist darauf hin, daß bti angebliche Ueberlanung bes Odetvetwallungsge-ichles lern Gtunb sein könne, e» al» oberste Instanz auszu- Kien. DaS Zentrum habe in btefer Frage tn bet miffion einem Druck ber Regierung nachgegeden BäO eine Schwenkung vollzogen.
Adg. v. Sy aalte» (Zenlr.) wendet sich gegen den Betwun, daß das Zentrum einem Druck der Regierung nachgegeden habe. SS fei zu feiner SteUungnaum« vielmehr gekommen, al» es «tage,eben habe, daß da» OververwatUmgSgerlcht sozusagen mit ein Mäntelchen fein foü.
E Jn der »un erfolgenden Abstimmung werden die | 46, 40, 60, ebenso § 71 angenommen, letzterer untei dlkhanng be» Anträge» v. Brandenstein. Zm An.
Ktjlus daran gelangt auch der gestern zurückgestellte j 17, welcher Semmmungen trifft für Öen Fall, daß feaffetläufe zweiter und dritter Ordnung tafolge natür« lieber tetetgmffe ihr Bett verlassen, zur Annahme.
I 8 »7 wird mit einem unwesentliche« Zusayantra« enge ommen, dergleichen noch im weientlichen «ach bm Kommtfftonsdelchlüffen die 88 48—69.
i Freitag: Fortsetzung.
:* Die Reichstagspräfideuten-WaHl
< Nachdem Herr Kämpf, dank der „Dämpfung' »er demokratisch • sozialistischen Gegenagttattou sein Dteichstagsmanbat wieder erlangt hat, muß er noch chaS Ptäfibialmandat stch etneuem lasten, unb dafür beanipruchen seine Freunde wieder eine hilfreiche -Dämpfung', nämlich eine Dämpfung be» Wive,« fpruchS der Konservativen und des Zentrum» gegen das abionb-rtiche Nolprästbium von 2 Fortschrittlern Uno 1 Nrtionalliberalen.
Gebä npit ist freilich durch di« bisherigen Erfahrungen sehr stark die Wertschätzung lde» PräsidialamteS. ,ES geht auch so', sagte Hlteyer - Arnswald«. Man hat sich klar ge« »nacht, daß die eigentliche GeschäfkSleilung nicht ^>eim Präsidenten liegt, sondern beim Senioren» Konvent. Der Präsident hat zu tepräfentieten Uno während Ben Sitzungen die nötigen Ordnungsrufe ober fonstigea Diszipltnarstrafen zu veroä gen. Wenn er in diesen Funtttouen sich ge- ilegenthd) etwa» weniger geschickt erweist, wie z. B. Kiäfioent Kamps bet der Ahndung der Schlwp - Xeoe «eines früheren Kollegen Schetdernann, so gibt das fteilich einen vorübergehenden Miß klang, ab«i die Sache läßi sich immer w>eder eimenlen.
DaS Zentrum hat lange Jahr: den ersten Präsidenten des Hauses gestM, und wenn eine ausrei- chende Mehrheit sich von neuem dafür erklärte, dafe die stärkste der bürgerlichen Parteien den ersten Präsidenten stelle, so würde di: Fraktion wiederum das Opfer auf sich und ihren Kandidaten nehmen. Ader es wäre wirklich ein Opfer. Eine Last und ffcine Lust. Eine Berantwortlichkett ohne Vorteil. Wir toi]| en ja alle noch, tote die Präfidialarbüt £ine» Zenlrumsmannes von dem Evangelischen stmnde und den sonstigen Hetzern jahrelang ausge- fiuyt worden ist, um durch den Hinweis aus die „ultranwntcane Herrschaft", die „päpstliche Fahn:" U,w. die konfessionellen Vorurteile und Leidenschaf- ten auszustacheln. So etwas mufe man gelassen tn den Kauf nehmen, wenn die Pflicht gebeut oder Höhere Interessen zu wahren sind. Aber unter den obwaltenden Berhältniffen können unsere Vertreter Im Reichstag ruhig ihre Hände waschen und irgend einem andern überlasten, den Knopf auf dem Seichstagsturm zu spielen, den dir Dohlen um» inien.
Auf dem Weg« zum Friede«. ' ..
W Sofia, 14. Nov. 1912. Die Stiftetet d?t Mächte machten gestern in Sofia gemeinsam Mitteilung von dem Wunsche bet Störte um Vermittelung und um Mitteilung der Fri«. denSbediugungen. Der Ministerprasidem Geschow antwortete, er werde da» Ersuchen bet Türkei dem Hauptquartier mtttnlen.
♦ Sofia, 14. 9ZO6. 1912. Zwei türkifch« Unterhändler find in Sofia eingetroffen. Der Schritt der Großmächte erscheint dadurch überslüstig.
♦ Konstantinopel, 14. Nov. 1912. Bulgarre» nahm den Vorschlag an, bi direkt« Friedensverhandlungen mit der Türkei fofo« «nzu- ttetcu.
Die Entspannung der Lag«.
• Berlin. 14. Slov. 1912. Die Lag« ist «ach tintt offiziösen Darlegung der ^Köln. Zlg.' beute im wesentlichen unverändert, und zwar nach der günstige« Sette hin. Bon Serbien liegt feine Erklärung vor. die es Oesterreich-Ungarn etwa erschweren konnte, in seiner Haltung zu beharren, noch habe« ander« Grofemächte etwa in einer Weise Partei genommen, die die ruhige Auseinandersetzung störe« tonnte Hebet bie Haltung RufetandS werden Nachrichten verbreitet, die ein falsche» Bild geben. Rußland unterstützt Serbien diplomatisch, da» bedeutet aber nicht, daß e» sich für die Forderung des Adria pofen» auf albanischem Gebiet für Svcbien einfetzt.
* Wien, 14. Nov. 1912. Die sich mehrenden Kn- zeichen dafür, daß auch Rußlano auf Serbien mäfeigcnb einwirkt, verstärken hier bie Auffassung, dafe Oe st erreich-Ungarn» Standpunkt in der albanischen Frage aufeerhalb Serbien» kein« Gegner mehr hat. Eine offiziöse Auslastung be« Deutschen Bolksblattes erklärt daher, bie Formel Albanien deu Albaniern könne heute bereit» als eine von ben Mächten angenommene, rechtliche Erscheinung gelten und Serbiens Stellungnahme werde dadurch ziemlich belanglo». Damit sei der erste unb wichtigste Punkt be» österreichisch-ungarischen Programm» gesichert. Man ist übrigen» hier bestrebt, den Eindruck zu verhindern, al» ob man Serbien» Verlangen nach einem Seehafen bekämpfe ober überhaupt Serbien» wirtschaftliche Entwickelung unterbinden wolle. Man erkennt sogar Serbien» Be- dürsnis nach einem Adriahafen an und erklärt sich bereit, an bet Befriedigung dieses Bedürfnisse» durch Gewahren eine» sehr weitgehenden Handelsvertrages mitzuwirken. Wie e8 scheint, wird man sich nicht einmal der Sickerstellung eine» albanischen Hasen» sür Serbien widersetzen, wenn e» auf bi« Besitznahme verzichtet.
* Bukarest, 14. Nov. 1912. Nach hier eingr- gangeuen authentischen Meldungen kann der ö st e t- reichisch-serbisch« Konflikt al» beseitigt gelten.
__ Pari», 13. Rov. 1919. Huf dem Mahl« be« republikanischen Komitee» für Handel unt Industrie hielt Ministerpräsident P »i n e a r 4 heute abend ctae Rede, worin er seine Balkanpolitik verteidigte. Sie bietet der politischen Neugierde wenig oder gar nichts. waS den jetzigen Stand der diplomatischen Berhandli»- gen naher andeuten könnte. Die Hoffnung be» Ministerpräsidenten auf den friedlichen AuSgan, der Arif« fand einen starken Ausdruck in der Erklärung: .Wenn aus so viel aufrichtig für bie Erhaltung de» Frieden» angedeutetem guten Willen ber Krieg hervor gehen der schrecklichste Kriea ohne Lwettel. der iemal»