Zeitung
Aus dem Nachbargebiete
Reklamen- nnd Anzeigenteil.
vermischtes.
N« 5785»
üJlitlctb verdiene.
gehende Dame», btt seinerzeit unsere Stadt m Aufregung versetzten, fanden gestern vor dem Göttinger Schwurgericht ihre Sühne. Der Angeklagte wurde des vierfachen Raubes und des Straßenraubes, sowie der Notzucht für schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von 12 Jahre» und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.
* Göttingen, 13. Nov. 1912. Noch vor entern Jahrzehnt waren im Landkreise Göttingen Dutzende , von Sand st Einbrüchen in Betrreb, die zahl- viele I reichen Steinmetzen in den Ortschaften Ahnenden
°"^B»shei«, 13. Nov. 1912. In Bürstadt wollte der 4jährige Sohn des Sebastian Wüst die Kaffeekanne vom Herd nehmen und goß dabei den heiß en Inhalt seinem einjährigen Brüderchen über Kopl und Körper, so daß es an den Brandwunden noch in der Nacht starb.
* Eltville, 13. Nov. 1912. Hier wurde dte Gründung einer Vereinigung Rh eingauer Bürgervereine beschlossen. Die Vereinigung bildet eine Unterabteilung des Verbandes nassauischer
* Folgen des versagten Heiratskonsenses. Etne Verkettung tragischer Umstände hat in Köln einen erst 21 Jahre alten Unteroifizier vor das Kriegs- gericht gebracht. Er unterhielt ein Ltebesverhältnis mit einem Mädchen und sah sich schließlich verpflichtet, es zu heiraten. Der Vater des Mädchens war bereit, die nötige Kaution zu stellen. Ter Unteroffizier suchte daher um Heiratslonlens nach, der ihm aber nicht erteilt wurde, weil er einige kleine Strasen erlitten hatte. Auch ein persönlicher Besuch des Mädchens bei dem Oberst batte keinen Erfolg. Das Mädchen wurde durch den adlehnen- den Bescheid so erregt, daß es kur, vor der Abreise auf dem Bahnhose ohnmächtig zusammenbrach. Dadurch verzögerte sich die Rückkehr des Unterosfi- riers in die Kaserne. Für die UeberschreUuna seines Urlaubs erhielt er zwei Wochen Arrest. Da der Angeklagte das Mädchen bald heiraten wollte, entfernte er sich von seinem Truppenteile und reiste nach Holland, wo er sich trauen taffen wollte. Von Dieben wurde ihm dort fein ganzes Geld gestohlen, io daß er gänzlich mittellos dastand. In seiner Not stellte er sich selbst der Behörde. Der Gerichts- hof nahm nur unerlaubte Entfernung, nicht Desertion an und erkannte gegen ihn aus drei Monate Gefängnis und Degradation. Der Gerichteherr sp'ach
zwecks Schaffung eines großen Wirtschaftsgartens.— Mit einem Kostenaufwand von 1200 Mark hat die Stadtverwaltung in Kissingen den Ludwigturm- tahrweg ausgedeffe t und hierdurch eine gefahrlose Rodelbahn geschaffen. — Die Eheleute Christoph in Kissingen feierten in körperlicher und geistiger Rüstigkeit bas Fest der goldenen Hochzeit.— Die Kreiskilchensammlung zu Gunsten des unterfranklschen Kreistaubstummen - Unterstützungsvereins Würzburg ergab 4241,68 Mark. — Die Franziskanerinnen m Weibersbrunn feierten am Sonntag das 25jährige
Handel «ui» Industrie.
M. Berlin, 13. Nov. 1912. Die Böne ver zeichnet bescheidene Preisbesserungen. Am Mcmtan', markt betrugen sie */«—’M Pro ent Der Kassa, markt bewahrte eine recht feste Haltung. Ban en still, aber fest. Der Privatdiskont zog aus 5 Pro zent an.
von Creidlitz nach hier.
* Dietlas, 13. Nov. 1912. Eine rege Bau- lätigkeit herrscht zurzeit hier und auch in Dorndorf. Die Kaliwerke „GroßHerzog von Sachsen", A.-G , lassen eine größere Anzahl Ardeiterwohnhäuser er- . .. — „
bauen. Durch Errichtung dieser Häuser schaffen sich es selbst in der Begründung aus, daß der Angeklagte die Werke neue ansässige Arbeitsträfle. 1 Mitleid verdiene.__
wirkt für manche Landorte geradezu rumos.
* Kastel, 13. Roo. 1912. In der Nackt zum Dienstag brach in dem Spezereiladen von Graßer Feuer aus. Die Feuerwehr rettete die Bewohner mittels Leiter. . , , ,
* Darmstadt, 13. Nov. 1912. Durch Vitriol hat sich die 40 Jahre alte herzleidende Ehefrau G.
V HoiMtr-lai 14. «oMmta t«l
Na weisst du, Paul, das ist ne Sache!
Ich hab wahrhaftig gedacht, ich würde ernst» hast krank werden. Nun hab ich erst lii Stück von deu Sodener Pastillen genommen und ich fühle mich wahrhallig schon um dieses »voller. Aber von nun an sollen die Sodener mir nicht mehr ausgehen und ich will mich nn den regelmäßigen Gebrauch gewöhiien, zumal die kleinen Dmger ja wohl auch vorbeugend roiilen. Fays ächte Sodener Mineral-Panillen find für 85 P,g. in den Apotheken und Drogerien rc. zu haben.
*x> Verlag der $*lbaer in 5»ld»
Bürgervereine.
* Dillenburg, 13- Nov. 1912. Gestern morgen wurde der Bergmann Zoll aus Oberscheld in der Grube Stilling von Gesteinsmassen getötet. Zoll war Familienvater von sechs Kindern.
* Weilburg, 13. Nov. 1912. Der Deutsche Werk- nrrraa rail)Kltueil Meisterbund hat in der Nähe unserer Stadt ein Ge- orisi und an den lände für ein A l t e r s b e i m anoekaujt.
W? srM und an oen . U-tzlar (Lahn), 13. Nov. 1912. Der 12iahr.
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* Schtttsternmord. Der 81 Jahre alte Klempner Falkenberg in Berlin, der bei seiner Mutter wohnh ermordete seine 24 Jahre alle Schwester Frieda durch mehrere Dolchstöße in den HalS, nachdem « vorher versucht hatte, Mutter und Schwester durch Gasvergiftung zu töten, uns verletzte sich dann selbst durch Messerstiche sehr schwer. Falkenberg hatte seiner Schwester 100 Mark gestohlen. Er beging den Mord, weil er die Anzeige des Diebstahls befürchtete.
* Ei« verwegener Einbrrtchsdiebstahl wurde in Großengottern (Prov. Sachsen) verübt. Die Einbrecher drangen nachts in die Geschäftsräume der Konservenfabrik von Litze ein, nachdem sie den wachsamen Hofhund, einen großen Bernhardiner, vergifte hatten. Ans dem Kontor schleppten sie den sechs Zentner schweren eisernen Geldschrank auf den Hof, luden ihn auf einen Wagen und fuhren ihn an eine ungefähr zehn Minuten vom Ort entfernte Stelle. Dort sprengten sie den Geldschrank mit Pulver und kamen so zu seinem Inhalt. Sie nah- men 121*0 Mark Bargeld mit. Um von dm Hausbewohnern nicht bemerkt zu werden, hatten bü Gauner die Gänge mit leeren Säcken ausgelegt.
* Friedensschlnß zwischen Telefuuken nnd Marroni. Seit mehreren Jahren wird zwischen den beiden größten Gesellschaften auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie, der deutschen Telefunk m- Gesellfchast, ein hiffliger Patentkampf ausgefochlen. Die beiden Gesellschaften haben sich in verschiedenen Ländern gegenseitig Verletzung von Patentrechten vorgeworfen und die Gültigkeit ihrer Patente bestritten. Es schweben zurzeit noch 7 Prozesse, welche die Gesellschaften in verschiedenen Ländern wegen Patentverletzung gegeneinander angestrengt haben. Dieser Kampf welcher große Summen gekostet und die weitere Entwicklung der Funkentelearaphie seht gehemmt hat, ist nunmehr beigel.'gt. Die deutsche Telefnnken-Gesellschast und die englische Marconi- Gesellschaft veröffentlichen übereinstimmende Erklärungen, in denen beide Parteien die von ihnen angestrengten Prozesse zurücknehmen und die Gültigkeit ihrer Patente anerkennen.
* Rach 29iiuii6iger Fahrt ist in Topanfaln (Siebenbürgen) ein Luftballon aus München mit dem Ingenieur Otto Pflingeu und zwei anderen Insassen gelandet.
Fuldaer:
r. * HrrSftld, 13. Nov. 1912. Die Stadtver- ordneten befaßten sich am Montag mit dem Plane, innerhalb des städtisch!« Gemarkungs-GebteteS eine größere Grundfläche zu erwerbe«, diese öft parzellieren und an Arbeiter zum Selbstkostenpretse adzu- geben, damit diese nicht gezwungen wären, die hohen Sodenpreise in nächster Nähe der Stadt zu be ahlen vnd leichter die Möglichkest hatten, sick em etgenes
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fesÄÄÄÄ SSSSfes ää den Magistrat zu ersuchen, wettere Schritte wegen fft vae der Sanoftetn u i ^andststnindustrie Ankaufs eines zur Bebauung von arbeikWent ^na^t^ ?^eigneten Geländes zu unternehmen. Es wurde odann mitgeteilr, daß Fabrikbesitzer Braun sich bereit erklärt habe, einen größeren Gelände-Komplex (83 Acker) der Stadt zu diesem Zwecke zur Ber- fügung zu stellen, und zwar zu dem sehr billigen Preise von etwa 35 Pfg. für den Quadratmeter.
+ Oberndorf (fit. Gelnh ausen), 18. Nov. 1912. Versammlungen des Volks Vereins sanden statt am Sonntag in Mernes und am Montag in Oberndorf; in beiden Versammlungen sprach Seit Benefiziat Krieg über christliche Sozialpolitik.
ebner betonte, die soziale Frage sei brennend und könne nur gelöst werden auf dem Fundamente der christlichen Nächstenliebe und dem der zehn Gebow Gottes. Die Darstellung war originell, volkstümlich und vor allem auch sehr überzeugend. Sehr er- sreulich war der zahlreiche Besuch beider Ver- sammlungen. m „
• Hanau, 13. Nov. 1912. In der Nußallee wurde gestern abend die 59 Jahre alte Witwe Karo- line Ritter von einem Schlaganfall betroffen, welcher den sofortigen Tod zur Folge batte.
* Offenbach, 13. Nov. 1912. In einem am Hafen gelegenen Kohlenschuppen der Firma Hengsten- berq u. Wiemer ist gestern mittag G r o ß f e u e r ausgebrochen, das schnell um sich -■-«—-*> -•* s*"
Ä. Ü Ä Ä W* * — Obertshausen wird demnächst den Anbau zur kannt. 1912 Der Eilenbahn-
neiten Schule und ebenso Wohnungen für echs Leh- Schacht aus Dehrn, der bekanntlich unter
ter bauen. Dieser Tage war etn auswärtiger Bau- 1 )_ 11 I verhaftet worden war, seine Braut
fünfhundert Mark. r » «»« m snnn 1910 Der Verein
I
jedoch. Nachdem K. sich wieder erholt hatte, schoß er sich in die rechte Schläfe. Die Tat soll infolge von Hunger und Stellenlosigkeit erfolgt fein. Auf dem Bockenheimer Güterbahnbof wurde der Hilfsarbeiter Langnitz aus Okarben derart zwischen einen Güterwagen und eine große Kiste gequetscht, daß er einige Rippenbrüche und schwere innere Verletzungen davontrug. — Dem Laufburschen einer hiesigen Bank wurden beute mittag von einem jungen Mann aut offener Straße eine Tasche mit Banknoten und Geld entrissen. Es entspann sich eine wilde Jagd nach dem Räuber, der schließlich ge- faßt und der Polizei überliefert wurde.
» Witzenhaufen, 13. Nov. 1912. Seit einigen Tagen ist die Werra bedrohlich gestiegen. Die Ufer sind an verichiedenen Stellen überschwemmt, es scheint ein weiteres Steigen wahrscheinlich.
• Rotenburg, 13. Nov. 1912. Infolge aus- strömender Kohlengase war tue junge Frau eines hiesigen Kaufmanns, der sich gerade tuf einer Geschäftsreise befand, in dw Sonnlagsnacht so start betäubt, daß sie erst nach lOstündigen Bemühungen mehrerer Aerzte das Bewußtsein wieder erlangte. ; • Merzhausen i. T.. 13. Nov. 1912. Auf der
j Landstraße nach Usingen wurden am Sonntag abend zwei Arbeiter von einem Automobil überfahren. Die Schwerverletzten wurden dem Ufinger Krankenhause zuaeiübrt.
• Hann. Münden, 13. Nov. 1912. Die Raubanfälle des Arbeiters Henne von hier auf allein-
* Geisa. 13. Nov. 1912. Dom L Januar 1913 ab ist die Aufhebung der G r « n d st e « e r int Großherzogtum gesetzlich bestimmt. Damit gleichzeitig aufgehoben wird auch die Gebundenheit bäuerlicher Grundstücke.
• Bacha, 13. 'Nov. 1912. Versetzt wird mit dem 1. Dezember Eisenbahnafststent 58tarn berg von hier nach Erfurt und Etsenbahnunterasflstent Schaar
Bestehen ihrer Niederlassung.
Amt Geisa und Umgebung
• Pferdskopf, 13. Nov. 1912. Vorige Tage hat hier di; behördliche Abnahme der neuerbauien Wasserleitung stattgefunden.
Aus Gberheffen u- den Hess. Aemtern.
(•) Marburg, 13. Nov. 1912. Das hiesige Kur- hessische Jäger-Bataiüo« Nr. 11 beabstchtigt, ferne Hundertjahrfeier am 9., 10. und 11. August 1913 zu begehen. Das seit dem 27. September 1866 als preußischer Truppenteil bestehende Bataillon hat als Stammlruppen das vormalige Kuriürstlich- Hessische Jäger-Bataillon, daS vormalige Kurfürst- lich-Hesstsche Schützen-Bataillon und das vormalige Herzoglich Naffauische Jäger-Bataillon. Die ehemaligen Angehörigen deS Bataillons und feiner Stammtruvpen werden um Beteiligung an der Feier gebeten. Anmeldungen dazu sind unter Angabe der Dienstjahre dem Bataillon möglichst bis zum 1. März 1913 erwünscht.
* Marburg, 13. Nov. 1912. Der fett einigen Jahren in Höringhausen ansässige Selterswasser. Händler Schüttler kam am 27. Juni in die Frehseiche Gastwirtschaft. Der Gastwirt Frehse verbot thm nach kurzem Wortwechsel die Gaststube. Als schüttlet nicht ging, sondern das Messer drohend erhob, begleiteten ihn Frehse und dessen beiden S^hne zur Türe hinaus. Unten angelangt, drehte sich schüttlet plötzlich um und riß dem Gastwirt Frehse mit dem Schälmeffer den Unterleib auf. Dann ergriff der ! Täter eiligst die Flucht. Frehse ist bald daraus gestorben, und Schüttler wurde in Vöhl verhaftet. Er wurde vom Schwurgericht zu drei Jahren und drei Monaten, sowie einer Woche Gefängnis verurteilt.
* Frankenbet«, 13. Nov. 1912. Untere Höhen ringsherum sind feit Dienstag nacht in eine Winterlandschaft umgewandelt und mit Schnee belagert, insbesondere die Bergzüge in der Winterberger Umgebung. Daselbst lagert der Schnee bei mehreren Grad unter Null annähernd 40 Zentimeter hoch. — In der Nacht zum Dienstag wurde bei dem Metzgermeister Loderhose ein E i n b r u ch s d i e b st a h 1 verübt, bet welchem den Dieben ungefähr 16 Mart m die Hände fielen. Auch bei verschiedenen anderen Einwohnern wurde ein Einbruch versucht, die Diebe I wurden jedoch verscheucht. — Die Eder ist seit einigen Tagen gewaltig im Steigen begriffen. Sie ist bereits aus ihrem Bett getreten und hat die anliegenden Niederungen überflutet.
"'Kleinenglis (fir. Fritzlar), 13. Nov. 1912. In ber Gegend von Werkel scheute ein von dem Knecht des Pferdehändlers Sauer geführies Pferd vor einem Automobil-Leichen» agen, der die Leiche eines I Selbstmörders ans Kassel in das Marburger ana- tomische Institut übenübrt. Der Knecht wurde etne Strecke mitgeschleift und erlitt bedenkliche Kopfwunde«.
3m Schutze des Zauberers.
83] Englisch-indischer Roman von E. A. Henty
„Es lag fein Grund vor, Doktor, weshalb Sie und die anderen nicht auf diese Weise fliehen sollten. Aber ich hatte das Weib neben mir, das ich liebte. Ich hätte es in meine Arme nehmen und mit ihm vereint in die Finten springen Hollen, um es zu retten, oder ich mußte an seiner Seite ausharren und Schmach und Tod mit ihm teilen. Aber ich dachte nur an mein eigenes elendes Leben und zeigte mich von neuem als ein Feigling in der Stunde der G:fahr!"
„'"'lein lieber Bathurst, Sie dachten nicht im geringsten an Ihr Leben, darauf will ich wetten. Der Cckreck hatte Sie überwältigt, wie das eben leider In Ihrer Konstitution liegt, und indem Sie in das Wasser sprangen, folgten Sie einem augenblicklichen Impuls, für den Sie nicht verantwortlich zu^uachen sind, und ber in diesem Falle für Sie und Isabella segensreich geworden ist. Es ist geradezu llnsinn, daß Sie es sich so zu Herzen nehmen, da Sie doch sehen, wie gut alles abgelaufen ist!"
„Ja, es hat diese.Wendung genommen, Doktor, und ich danke Gott dafür; das ändert indes nichts in der Tatsache, daß ich, ein englischer Gentleman, ,ö verächtlich gehandelt habe. Aber lasten Sie uns nicht mehr davon sprechen; es ist geschehen und vorbei! Ich will Ihnen nun den Hergang berichten."
Der Doktor hörte schweigend zu, nur hin und wieder di? Erzählung durch einen Ausruf unterbrechend, wie: „Ter elende Schurke! hätte ich ihn doch bei Zetten vergiftet!" oder: „Tapferes Mädchen! Es gehört Mitt dazu, sich so zu verbrennen, nicht davon zu reden, daß sie ihre Schönheit zerstört Hal. Kein kleines Opfer für eine Frau!" Als Bathurst Über den Kampf im Hofe leicht hinweg geben woltte, zwang ilm der Doktor durch seine Fragen zu ausführlicher Darstellung.
„Nicht so übel für einen Feigling, Bathurst", bemerkte er trocken. - ■ - -
„Sie wissen ja, Doktor — es war kein Lärm dabei! Weiß der Himmel, welchen Ausgang >rs genommen, wenn sie Pistolen gehabt hätten. Aber ich kann jetzt nicht glauben, daß meine Nerven mich im Stiche gelas'en haben mürben, wo so viel auf dem Spiele stand und alles von meiner Geistesgegenwart abhing."
„Sicherlich nicht; ich bin überzeugt davon! Doch fahren Sie fort."
„Nun, wie fühlten Sie sich denn da?" fragte der Doktor, sobald Bathurst in seinem Bericht an dem Punkte angelangt war, wo die Soldaten mit Gewehrschüssen an ihm vorüber in den Hof stürzten. „Tas war doch Lärm, Geräusch! Blieben Sie nun betäubt liegen?"
„Ich dachte gar nicht daran", entgegnete Bathurst mit einiger Ueberraschnng. „Erst jetzt, indem Sie mich darauf Hinweisen, sällt es mir auf, daß meine Willenskraft nicht einen Augenblick gelähmt fr-ar, und daß ich Fräulein Hannah sogleich an« faßte und mit ihr hinauseilte."
„Es ist wohl möglich", sagte der Doktor nachdenklich, „daß Sie von nun an für immer von Ihrem Leiden kuriert sind! Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, hoffe aber zuversichtlich, daß, da Sie einmal den Schreck überwunden haben, es Ihnen auch künftig gelingen werde. Wie Menschen häufig durch einen plötzlichen Unfall, einen schweren Sturz oder eine heftige seelische Erschütterung derartige Nervenzufälle bekommen, so fft es andererseits sehr gut denkbar, daß in Ihrem Falle der schnell erfolgende Sprung in das Wasser und die nachherige Verwundung eine entgegengesetzte Wirkung ausgeübt und Sie für alle Zeit von Ihrer lähmettben Schwache befreit haben."
„Wenn sich diese Hoffnung als wahr herausstellt, Doktor", sagte Bathurst in großer Erregung, „so will ich meinem Schöpfer dafür danken! Sowie wir nach Allahabad kommen, werde ich die Probe machen und, wenn ich sie bestehe, mich sofort als Volontär anwerben lassen, um am Werke der Ber- aeltuna reilLUnehmeu.^ Ist es mir nur jkttdnAÜieä.
Mal vergönnt, meinen Platz als Mann auszufüllen, so soll mir nachher jede Kugel willkommen fein!" „Sachte, sachte, Mann! Die Borsehnng bat anderes mit Ihnen im Sinne. Nachdem Sie Ihren wllkühnen Ausfall in Dinnugghur überlebt haben und dem Angriffe auf die Boote entronnen sind, glaube ich nicht, daß Ihnen der Tod auf dem Schlachtfelde bestimmt ist. Aber es ist Zeit, daß wir abbrechen; Isabella wird nicht begreifen können, was wir so lange miteinander zu reden haben, und sie kann kein Wort mit den Eingeborenen wechselns das ist unangenehm. Sie ist übrigens magerer geworden und hat ganz ihren elastischen Gang verloren. Letzteres freilich hat wohl darin seinen Gnmd, daß sie auf bloßen Füßen geht — Schuhe haben großen Einfluß auf den Gang. Sehen Sie sich einen Herrn an, ver immer feines, “gut sitzendes Schuhzeug trägt, und auf der anderen Seite einen Landmann, der in dicken, eiscnbeschlagenen Stiefeln eii.herstampft, — die Art, wie sie gehen, wird sehr c verschieden sein. Ja. ja, Erziehung ändert den Gang des Menschen ebensowohl, wie den des Pferdes."
Bathurst konnte nicht umhin z« lachen, als der Doktor so in seine gewohnte Redeweise verfiel.
„Sind Ihre Füße nicht zu zart, Isabella?" fragte der letztere neckend, als er das junge Mädchen eingeholt hatte.
„Wein", antwortete sie mit einem Lächeln, „es kommt mir nur etwas seltsam und ungewohnt vor. Ich hätte nie gedacht, daß ich für Staub und Sand so dankbar sein würde; es geht sich so weich wie auf einem Teppich."
„Sic brauchen sich nur vorzustellen, See waren an der See und schritten über die Dünen, so werden Sie sick vollkommen behaglich fühlen."
Isabella lachte. „Es würde allzuviel Phantasie erfordern, Herr Doktor, wenn man sich bei dieser tropischen Hitze an unsere englische Küste träumen und sich einreden wollte, erfrischenden Seewind zu atmen. Leichter scheint es mir, daß ich alle Unbr- quemlichkeiten zu vergesten suche und mir einbilde, ein wirkliches, Hindumädchen ru kein."
Sie trafen nut selten Leute auf dem Wege, 1 nd niemandem fiel die kleine Gesellschaft auf. Mit Dunkelwerden machten sie Halt, nicht weit von einem Dorfe, das sie in ber Entfernung liegen sahen. Rudschub ging hm, um Lebensmittel einzukaufen und zugleich Erkundigungen einzuziehen, und brachte die Nachricht mit, daß die Engländer Dong eingenommen und beide Schlachten gewonnen hatten. An der Brücke war der Sieg ein so schneller und vollständiger gewesen, daß die Sepoys nicht Zeit gefunden hatten, ihr Borhaben, die Brücke in die Lust zu sprengen, zur Ausführung zu bringen.
Es wurde nun beratschlagt, ob sie das britische Heer auffuchen ober sich nach Allahabad wenden sollten. Sie entschieden sich für das letztere, und setzten am nächsten Tage ihre Reise in der Weise fort, daß sie nur kurze Mächte wahrend der kühleren Morgen- und Abendstunden machten, um die Frauen nicht zu sehr zu ermüden. Nach drei Tagen langten sie bei dem F"tt an. Sie fanden es angefüllt mit Damen, die sich aus der Umgegend hier zusammen- gefunden hatten. Die Männer taten Dienst bei der Garnison; dreißig junge Leute hatten sich Havelocks Retterkolonne als Frettvilliqe angeschloffen.
Sobald der Dokwr sich selbst und seine Begleiter zu erkennen gab, wurden sie mit großer Teilnahme und Freundlichkeit begrüßt. Die Damen nahmen, sogleich Isabella in ihr: Mitte, und Bathurst und. der Doktor sahen sich schnell von einer eifrige«! Gruppe umring^ die begierig war, Näheres über Cawnpore zu erfahren. Der Sieg bei Dong mar) bereits bekannt; denn am Tage des Gefechts hatte Havelock einen Boten nut der Bitte um Verstärkung gesandt; und General Neil, der das Kommando in Allahabad führte, war mit zweihundertdreißig Mann vom 84. Regiment aufgebrochen und hatte bet der Entscheidung der Schlacht mitgewirkt. .
„Ich habe absichtlich nichts von der Metzelet in Cawnpore erzählt", sagte der Doktor nachher zu La- hurst. „Sie hätten es ntcht geglaubt oder mtch mit Fragen totgemacht. Schlechte Nachrtchten VöxsM men immer noch früh genug."
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