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Erstes Blatt.
Fnlda, Dlmnerstag den 14. November 1912.
39. Jahraana.
Preußischer Landtag,
Abqkardneienka»?.
Sitzung vom 13. November 1912.
Äuf der Tagesovw ur-a fickt die zweite Beratung beS Wafiergesetzes.
Hierzu liegen zahlreiche AbänderungSanträge vor. Eine allgemeine Besprechung findet nicht statt.
Die §§ l bis 6 f Begriffe und Arten der Wasser- laufe) werden ohne Debatte angenommen.
E« folgen §§ 7 bis iS fEigentumSverhält- n iS bei den Wasserläufen). Rach § 7 steht an den Wasserläufen erster Ordnung daS Eigentumsrecht dem Staate zu. Ter Paragraph, wird unter Ablehnung zweier AbänderungSanträge angenommen. Nach § 8 steht bei den Wasserläufen zweiter und dritter Ordnung den Eigentümern der llfergrnndstücke das Eigentumsrecht zu. Der Paragraph wird ohne Debatte angenommen. Nach § 9 sollen beim Inkrafttreten deS Gesetzes bestehende Eigentumsrechte an Wasserläufen aufrecht erhalten bleiben. In Hessen-Nassau soll en den natürlichen Wasserläufen zweiter und dritter Ordnung den Gemeinden das Eigentum insofern zustehen, als ihnen die Unterhaltung obliegt. Soweit dort beim. Inkrafttreten deS Gesetzes das Eigentum an einem natürlichen Wasserlauf zweiter und dritter Ordnung, der von der Gemeind« zu unterhalten ist, einem andern als der Gemeinde zustehe, bleibe es aufrecht erhalten, gehe aber nach Mei Jahren an die Gemeinde Über, wenn eS nicht in das Grundbuch eingetragen sei. — Die Konservativen wollen an Stelle dieser Mei Jahre zehn Fahre setzen.
Der Antrag wird mit 128 Stimmen gegen 109 Stimmen der Rechten abgelehnt.
Nach § 10 kann der Staat das Eigentum an einem Strom, der ihm nicht gehört, aber von ihm unterhalten wird, in Anspruch nehmen. Der Paragraph wird unverändert angenommen.
Die §§ 11 und 12, welche das Eigentumsrecht regeln, wenn die Ordnung der Wasserläufe sich ändert, das heißt also, wenn ein Wasserlauf erster Ordnung zu einem zweiten wird usw. werden unverändert angenommen. Rach § 13 kann die F est - legung der llf erlrnien binnen Mei Wochen durch Klage im Verwaltungsstreitverfahren angefochten werden. Hierzu wird ein freikonservativer Antrag angenommen, wonach die Festlegung der Uferlinien den Beteiligten bekannt gemacht werden soll.
§§ t4 bis 16 betr. Entschädigung bei Verlegung der Wasserläufe werden ohne Debatte angenommen. Tie Beratung über $ 17, der Bestimmungen über das Landwasseramt enthält, wird zurückgestellt bis zur Beschlußfassung Über § 71. der Bestimmungen t>as Wasserbauamt als Beschwerdeinstanz ent- ~16 18 bis 19 Betr. Aenderungen des Fluß-
laufce durch Anlandungen, werden unverändert ange» ttanuneu. §§ 20 bis 24a enthalten Bestimmungen
Benutzung und Reinhaltung der Wasferkäuf e.
Alg Lippmann (Fortschr. Vp.) verweist auf die Resolution der Kommission, wonach auch die anderen Bundesstaate« ziw Reinhaltung der Flüsse ungehalten sollen. Besser wäre diesem Zwecke durch ein . cgesetz gedient worden.
Abg. Wluckter (L> führt aus, der neue 24a, der die prtüatrcd^Me Haftung des industriellen llnterneh- mer» ber Beruureü-igung von Flußläusen regelt, führe zu Saiavigungen industrieller Betriebe.
Ein Regierunpsvertreter teilt di« Befürchtung des Vorredners und ist für Streichung des § 24a. wodurch au* tue Regrernngsvorkage wieder hergestellt wird,
Bbg. Gerdardus (&) erklärt, daß den Befurch, tungen des Skbg. Winckler durch die Abschwächung des ® oh mKommission Rechnung getragen fei. .. £lct,h!Cri,t <Soz.): Der Widerstand gegen
dwpe Bestimmungen betr. Reinhaltung der Gewässer dem ^ckiichtslusen Egoismus der großkapitalistischen Kreise.
i Wg. Frhr. tu Maltzahu (L): Diese Vorwürfe sind ganz unbegründet Dor Wunsch der Sozialdemokraten nach einem Rerchswafsergesetz läuft nur darauf hin- aus, den Sozialdemokraten im Reichstage einen Ein- i ^il auf Regelung dieser Materie einzuräumen
Abg., Stprznskt fPskei tritt für den Schutz der Ä“ W 96toäSer i>er Fabriken in der Pro- ’ Abg, Arnim fuatf.): Ter § 24a bietet bett wirk- Iüufe‘.en Lege« die Berunreinigung der Wasser» । Abg. Frhr. b. Clmattcn (Z.): Ich muß die in den Porten des Abg. Winckker enthaltene Beschuldiguna
Ä "7 .u»s m der Kommission industriefeindlich gestellt hätten, entschiede« xnrückweisen. An der .Grundlage te8 § 24a darf nicht gerüttelt werden, weil ^ltr hnt besten unerträgliche Zustände unwert..
,..raii0- (3-}: 3u § 24a hatten meine poli»
b«ntragt daß in Ausnahmefällen die Wafsei poltzeibeborden, nicht allein das Gauamt ssn- dern auch die Behörde des benachbarten Bezirks au. auburen habe da sich dort die Schäden oft iwch mehr bemerken, daß ein
' .toenn„” m,f s«ner Klage sicher Men "lcht einen Unternehmer als Gesamtschuldner sonder« d,e Eigentümer sämtlicher Antaaen, von broen bU^erV«le-lnfttta« ^sgeht. verklagen kann.
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«bJLSL'u1* 39 5flT,6eIn Gemeingebrauch der
Jte Abgq. Schmedding (3.) nnb Meyer (nmf.) beantragen zu § 25, daß im sportlichen In- “nd) Kahnfahren, wo es bisher üblich ge- «st- auch ferner zulässig sei.
dnß/^däs S@t,rma-at sFortschr. Bp.): Wir wünschen, oder bleibt "a^nra5ren Frieder Gemeingebrauch wird
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dieser zurückgezogen wird. ‘ Jntrag, worauf Schmedding 'angenommen." Danach'üt^daS finEnTfi™8 Ls »rtw au § 25 werden abg-Iehnt
U"d 8..W mit der durch den Antrag Schmedding her. betgesuhrten Aenderung angenommen. u 9
Tie §§ 26 bis 85 werden unverändert angenommen.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Donnerstag .vertagt. 1
Je? De» kiberake« Berherrlichern Ferrees
muß die jüngste Bluttat in Spanien auf ihr Oe» wissen gebunoen werden. ES hat sich alsbald her- ausgestellt, daß der Mora von einem richtigen Anarchisten tegangen worden ist und zwar im Sinn und zum Zweck dies« Sekte von der „Propa. ganda der Tat". Diit den Lehren und dem Vor. bild des Franzesco Ferrer steht das Verbrechen nicht allein in tnuerlichem Zusammenhänge, sondern auch äußerliche BerühninzSpunkte st-rd bereits erkenntlich.
ES ist offenbar kein Zufall, daß die entsetzliche Tat am zweiten Taz nach der „großen" Madrider Ferrerfeier b gaagen wurde. Der Pariier Stottetyoube-t der »Deutschen Tageszeitung' schre bt in Anknüp'ung an 6te Nachricht von der potizeilichen Bewachung des nach Madrid gekommenen Verbrechers:
„@4 scheint, dich die Polizei feine Spur während Der groben Lkundgevungen für Feirer am verflossenen Sonniag verlor. Die Annahme bat sicherlich viel für sich, daß Par Siner gar nicht mit der Absicht nach Madrid gegangen war, Eanrtejas zu ermorden daher vielmehr Vieles ««auch» Barhaben erst unter dem Eindrücke derHetz re den faßte, die in der Ipaniidjeu yauptstadl bet dem Ferrer-Gedenktag gehalten war »euch
Auf einen anderen Zaiammeuhang meist noch e,n Preßletegramm hirr, das in der.Deutschen Z g.' abgedruckt ist. Darin wira über eine Auslassung oes konservativen Muer- Maura berichtet. Der ehemalige Mimsterpräsideut betiuiixt ab klaififcher Zeuge:
„In den letzten Sagen wurde Canalejas äußerst scharf von den Parteien Der äuper -n Linke angegriffen, weit er eine Wiederaufnahme Des Ferr er.Pro zes f ee al* nnmSglich erhärt hatte Dieie Hetz» gegen den führenden Staatsmann Spaniens hm m trgend einem rzaltierten Gemüte den Gedanken an Die Ermordung CauatejaS reiten lassen.-
Da haben wir die Fruchte der Ferrer-Verherr. tichung. Es ist ja auch fein Wunder, wenn ange. sichts der Bewunderung und Ehrung» die bei anarchistische Altmeister Ferrer tiag uru bei dem europäifchen LiberaiiLmus gefunden hat, in heiß- olmigen kröpfen der (gebaute reift: Än bieieui Nähme werde it> auch meinen Teil haben, wenn ch ab treuer Schüler und LoDesmutiger Rächer des gqeierten Ferrer auftrete!
Die Liberalen haben durch dis Verherrlichung Ferrers für de» Anarchismus Propaganda gemacht und den heroslratischeir Trieben unter Dessen Anhang Vorschub geleistet. Ob rate Vorsatz ui;» Ueberleguitg, oas ist Nebensache. Jedenialls fallt tauen der .dolus eventualis“ zur Last, das Bewußlsein der Vtöglichkeit einer solchen schlechten Wirtung. Denn sie wurden alsbald belehrt über den wahren Charakter ihres .Helden" und auf we stilliche, soziale und politische Gefährlichkeit ihres Ferrer'Rummels aufmerksam gemacht. Jetzt hat sich gezeigt, wie sehr Diese Mahnunze» und Warnitiigen berechtigt waren, .sitzt heißt es auch von betr Ferrer-Verehrern: An hren Früchten werdet ihr sie etfrnnenI
Vom parteipolitischen Standpunkt aus betrachtet, war der liberale Ferrerismus in Deutschland em Teil der rosarote» Entwicklung, der An neun Dung und Verbrüderung des „entschiedenen^ LtberaltSnms mit der sozial.renoititlonciren Partei. Wenn man dieses Hmabzleiten auf der ।wiesen Ebene bemänteln will mit der scharieu Scheidung zwischen der »sriedlichen" Sozialdemo- tratie und dem gewalttätigen. Anarchismus, io muß dem Die Tatsache enigegengehalteu werden, daß Die Sozialdemokraite niemals zu einer klaren Vcrur» retiung von nch'.lchchcheu oder auarchtstischen Ver» orecheru stch aufgeschwungcn Hal und auch angesichts der neuesten scheußlichen Mordtat das i0>ialdemvkratische Hauptorgan nicht auf den Mörder ichtelt, desto heftiger aber auf den Ermordeten.
Zur Ausbreitung Der anarchistischen Seuche trägt nichts stärker bei, als Der Beisall, den de allen .Helden^ gesunden haben und die neuen Helden zu Mden hoffen. Wenn sie einen allgemeinen Abscheu bei allen gebildeten und anständigen Menschen be« gegue en, würde ihr Ehrgeiz nicht so leicht m das oerbrechertsche Staut schießen. Das möge» alle Liberale bedenken, die aus Berbiffenheit gegen bte rechtsstehenden Parteien und au8 Haß gegen Glauben und Kirche stch zu Schlepplrägxrn des Anarchisten Ferrers hergegeben haben.
Zer Sßltalirieg.
Auf allen kkriezsthcatcrn ist ein gewifler Still» stand nach der schnell vvrwärtsschreitenden Offensive der ersten drei Wochen etngetieten und Friedens, tauben fiattern durch Die Gewitterschwüle.
Eine ga- ze Fülle he ruht gen der Rach, richten liegt heute vor. Die Pforte soll in direkte Verhandlungen mit Bulg rien zur (fcyelung eines Wasfensiiltftandes getreten sein. Bulgarien will angeblich nicht nach Konstantinopel mar» fchiereu, was, wenn es wahr ist, namentlich in Eng. lang mit Beftiedigung anfgenommen »erden würde. Richt minder wohl auch in Rußland. Der Konflikt zwischen Oesterreich-llugari, und Serbien soll, nachdem Oesterreich schärfere Saiten ausgezoaen hat, auf dem Wege der Schlichtung sein. Eine halbamtliche russische Stimme weist die Serben auf unmittelbare Aussprache mit Oesterreich-llngarn hin, hinzusügend, daß Rußland nicht» unternehmen werde, was den Streit verschärfen könnte. Man behauptet auch, daß Serbien stch mit dem Plane der Errichtung eines selbständigen Aldanesenstaates abgefunden habe. Oesterreich verhandelt nicht bloß mit Serbien, sondern auch mit Montenegro. Der österreichisch »ungarische Gesandte in Letinse weilte im montenegrinischen Hauptquartier beim König Nikila, mit dem er eine längere Konferenz Halle. Die Budapester Beratungen mit Dem Dr. Danew, dem Abgesandten de- König» Ferdinand, scheinen sich besriedigend gestaltet zu haben.
Lauter Symptome emeS Umschwungs nach der friedlichen Seite hin. Von einem Abschluß der Rrtfe sind wir allerdings noch weit entfernt.
Der erste Schritt zum Frieden.
Die Gerüchte von direkten Verhandlungen zwi. scheu dm Türken und Pulgareu bestätigen sich.
W. London, 13. Roo. 1912. Wr dem Remerschen Bureau aus Konstantinopel gemeldet wiro, hat sich die Pforte direkt an Bulgarien gew andt, um einen Waffen stillst and herbeiznsühren.
W. Kouftantmopcl, 13. Roo. 1912. Seit beute weilt ein bu.l garischer Fr l ede ns u ni er Händler in Konstankinovel.
Oesterreich-Ungarn und Serbien.
* Wien, 13. Nov. 1912. In der hiesigen offent» liche» Meinung verstärkt sich tue Ueberzeugung, datz die Entspannung der int-rnationalen Lage sorfichreite. Tie Annäherung der englischen und der französischen Auffassung über die albanische Frage an die Oesterreich-Ungarns und Italien-, dir auch von Teutschland geteilt wird, tritt in den Preßäußerungen immer deutlicher hervor. Auch in den amtlich russischen Krrisen soll eine wesentliche Aenderung eingetreten sein. Dagegen liegen Anzeichen vor, wonach ein Einlenken Serbiens ;u erwarten steht. 2luch ein offiziöser Budapester Bericht des Renen Wiener Tageblatt schlägt friedliche Töne an. Danach ist seit Sonntag, wo man anscheinend vor ernsten und raschen Entschlüssen grstauden habe, eure Wendung eingetreten, die Aussicht auf diplomatische Verständigung bietet Die endgültige Entscheidung fei für die nächste Woche vertagt worden, weshalb auch die Reise des Thronfolgers um eine Wocheverschoben worden sei
* Wien, 13. Nov. 1912. Dir friedlichere Stimmung in Belgrad dauert verläßlichen Berichten zufolge an und zwar soll sie daraus zu- rückzusühren sein, daß Herr b. Kiderlen-Wächter nach dem herausfordernden 2lustreten eines südslawischen Diplomaten in Petersburg direkt angefragt habe, ob es wahr fn, daß Rußland das serbische Vorgehen unterstütze: darauf habe man sich in Petersburg beeilt, in Belgrad entschieden abmahnend auszutreten.
* London, 13. Nov. 1912. Durchweg gestaltet sich hier die Auffassnng der Lage hinsichtlich Oe st er- reich-Ungarns und ©.erbi:ns als dem Frieden günstiger und ruhiger Die Times erkkärt« keine Macht habe Serbiens Streben nach Erwerbungen in Albanien oder einem Hafen an der Adria- tischen Küste unterstützt, man glaube sogar, daß Rußland Serbien ausdrücklich gewarnt habe, mit dem Hinweis, daß es ihm kerne Unterstützung gewähren könne.
Rnßland ruft Serbien zur Vernunft.
♦ Wien, 13. Rom 1912. Das Mue W'-arer Taaeblall' meldet aus Petersburg vom 13. Roo. 1 Uhr morgens: Ter Mmisier des Arnßern Ssasonow hat den serbischen Gesand en »er« fianötgt, Rußland werde zur Hafenfrage keine direkte Stellung nehmen, lonDern Die Austragung lediglich den ö't erret chisch« serbischen Verhaudlungen überlasten, wobei Rußland bereitwillig freunDschastliche Unterstützung gewähren werde, jedoch unter Vermeidung jeglicher Zuspitzung der österreichisch- russischen Beziehungen.
Albanie« den Albaniern.
■* Athen, 13 Roo. ISIS. Informationen ans privater Quelle befugen, ca! die albanischen Beys tn Balona zusammengekomme» sind und die Auionomie Allauiens protlanuert babeu.
W. Wien, 13 Roo. 1912 D.e »Reue Freie Piche' erhält von bet nationalen Orgatufation Al antens aus Durazzo folgendes Telegr mm: „,ira Rumen Albaniens protestieren wir gegen die Beleim- gungen und falschen Anschuldigungen, dir der serbische Ämister Paf chitsch gegen Albanien erhoben hak. Die A bauet protestieren gegen die Gmkerlerungin und gegen die Ausrottung ö r Albaner m stostow». Insgeheim wurden auch 6« albumfchrn Kriegsgefangenen etarot»et Die Albaner werden ote Zerstückelung AlbumenS niemals zu geben, sie werden eher den Tod erleiO.it. Drei Millionen Albaner rufen die Hilfe des jtxrihfierten Eurvp und der Diplomati« für Die Integrität und Frei,eil Der Albaner an."
Oesterreich mobil.fiert nicht.
• Wim. 13. Roo. 1912. Dte Meldung über die Mobilisierung Der ösierreichifch-mtgarischen Kriegsmarine un» der Donauflottirle wird hier als gän fluch aus der Lull gegriffen ertlärt
• Wim, 13. Rsv 1912. Das i»xieg8mmt)"tetiuT g bt betannt, daß morgen Die Transporte der hier auSgebt Deien Rekimten für Die m Bosnien und uolma.ien stehenden Bataillone beginnen. An- gefichts Dieter ungewöhnlichen Ttuppenbewegungm wird Die Oeffe llichtete darüber aufgetlärt, daß es sich um teinerlei anßergewöhutiche Maß- nahmen hänselt, fonöern daß bte Wikttärzüge nichts als Rekrulentransporle (die alljährlich? Akann- schaftscrgänzuug für Truppen des 15. und 16. Korps) nach dem Süoen führen.
Die Lage tu Konstantin Opel.
• Kmistantinovel, 18. Nov. 1912. Gegen 1600 mohammedanische Familien au8 den Dörfern in der Gegend von Tschorln und Tschataldscha sirid hier angekommen. Tie Flüchllinge werden nach Sinope geschutt. Die Zahl der noch hier weilenden Flüchtlinge wird auf 70 000 geschätzt. — Nach einer amtlichen Meldung sind in den letzten 24 Stunden 18 Cholerafälle aufgetreten, darunter 8 unter der Bevölkerung der Stadt.
• Konstantinopel, 13. Nov. 1912. Prinz Sabah Ed. bin hat an den Sultan einen offenen Brief gerichtet, der in den Straßen von Stambul all Broschüre ver- tauft wird. 8t bittet darin den Sultan, sich mit dem ganzen kaiserlichen Hause an die Spitze der Struppen zu stellen, wie es die früheren Sultane getan hätten. In dem Briefe wird erklärt, wenn die Türkei eine Bolitik der Eintracht mit ihren Nachbarn
Verfolgt hätte, würde dar Balkanbund sicht unter der Führung des Sultan- stehen.
• Konstantmopel, 13. Nov. 1912. Mau hat eint Reitze Haftbefehle gegen jungtürkyche Persönlichkeiten erlassen. Auch gegen den früheren Fiuomz- mrnister Tfchawid erging ein Arrcstbesehl. doch fläch» stete der Genaunte noch rechtzeitig auf ein frembei Kriegsschiff.
W Koustantdropes, 13. Nov. 1912. DaS Kriegs» mrnifterram veröffentlicht zum vierten Make eine Auf» forderung sn die beurlaubten Offiziere, sich binnen 24 Stunden zu ihre« Korps zu begeben.
Der eturm traf die Tschataldscha-Linie.
Die Bulgaren befinden sich vor Tschataldscha in einer ungünstigen Lage als in den früheren Kämpfen, Weik sie den Nachschub von Munition und Proviant unt die noch unbezivnngene Festung Adrianopel heruiuletten müssen. Trotzdem sind fie in stetem Borrücken begriffen. Die Türken sind schon au# allen Vorposrtwuen geworfen, und der Kampf um di« Hauptlänie ist entbrannt. Nun müssen die nächsten Tage zeigen, ob es den Bulgaren gelingen wird, btt Türken von den befestigten Höhen zu werfen. Wir erhalten folgendes Telegramm:
W Wien, 13. Nov. 1912. Der Kriegsberichterstatter der „Nerchspost" meldet au» dem Hauptquartier der bulgarischen Ost-Armee vom 12. November: Der Hauptangriff gegen das Zentrum der türkifchen Stellung beiderfefls von Tschataldscha, sowie der Vorstoß im Norden sind im günstigen Vorwärts» schreiten. In den letzten Tagen wurden bte Tüv» ien aus allen Vorpositionen geworfen. Der Beginn dcS HauptangriffeS verzögerte sich jedoch um zwei Zöge. Die Ursache waren die infolge mehrtägigen Regenwetters eingetretenen Schwierigkeiten beim Munition»» Nachschub, Bei der Heranziehung der Berstärkungen von Adrianopel und der schweren Artillerie. Der Kamps ist äußerst heftig.
* Konstantinopel, 12. Not». 1912. Die Hauptmass« der auf die BefestiguugSlinie zurückgewichenen türkischen Truppe« ist in verhältnismäßig guter Ordnung hi die neuen Stellungen gebracht, verstärkt durch etoe 30 000 Mann frischer kleinasiatischer Truppen. An schweren Geschützen herrscht Mangel. Die vorhandenen Geschütze werden eingegraben und die Bespannung gut Sicherheit weggeschickt, damit nicht wieder, tote e6 bte jetzt häufig geschehen ist, die Artillerie einfach mit ihr« Protzkästen rückwärts saust. Die Kopfstärke der einstweilen in der Tschataldscha-Linie stehenden Truppen wird auf 100 000 angegeben.
Die Belagerung von Mteisnopet.
W. Sofia, 13. Nov. 1912. Der „Mir" berichtet, daß die Türken gestern einen neuen Ausfall auf llörianepel versucht hättest, jedoch zurückqeschla» g eu toorZHu seien.
Tee griechische Ferbzug,
W Athen, $3. Nov. 1813. Die Jahrgänge 1896 und 1897 der Nationalgarden find zum Dienst eiuberufen worden. — Die Zertungen melden, Admiral Kontu» riakrs habe, ehe er das Kabel von TenedoS nach stcmtinopel durchfthneiden ließ, nach Konstantinopel telegraphiert: Wir erwarten noch immer, daß btt tüe ktsche glatte au5 den Dardanellen herauskomrnt.
Ache«, 18. Nov. 1912. Gestern vormittag tarnen der König von Griechenlanb, Prinz Georg und Prinzessin Alice tm Sonderzng in Saloniki an. Bei dem Einzug in die Stadt wurden fie begrüßt von dem Jubel einer tausendkSpsigen Menge, die trotz des Regens zugegen war. Die Häuser waren mit Flaggen in de« Ratronalfarbe« trab denen der Ver» büudtteu geschmückt. Eine große Menschenmenge folgt» dem Ange deS Königs unter anhaltenden Sund» gebungen.
Die Mouleuegriurr »er ShttarL
13. Ros. 1912. Eine geftern im Haupt» quartier emgttrvffene Meldung betagt: Beunruhigt ourch Die gestrige starke Beschießung erheb bte christliche unö mohamB«Dianifche Bemshnerschaft Lkutans Durch AbgeauAe beim Kam nandanren Hatfan Rrsa Bey Pstflellung«,, weil die Ge» bäiibe beschäingtz, der Verkehr gestört uwb bte perfön- tiche Sicherheit gefähebet werden. Entweder feile Die Üsberga t s"et ein Ausfall erfolgen, nm weitere Nachteile für bte Stabt tu verhüten. Rifsa Bey sott ertträte haben, es fei Pflicht, solange als mög- lwi auszuharren, ein Augr>ff fei jedoch unttmlich, weil sich Die Türken n VcrtetDigungsstcllung be« fänben. Von einet Uebetaabe Skntaris tänne keine Rede fern. Seit Miteerna.cht herfchm Sturmi mäö Regen, mstzurch Die Operationen der MmitenegtEr erheblich beemträchiigt »erben.
— Korrftatttüropel
Was wirb aus KonftavAnopek, wen» die Buk- flaven beet letzten Widerstand der Türken überwunden haben? Am 29. Mai 1453 bte Türken von Konstantinopel Besitz genommen, nachdem der Byzantrnkfche Kaiser, Konstarrkm XI. Paläo- logus, bei dem Tor des heiligen Rormnrus, das heut» Top Kapusff heitzt, den Heldentod gefunden hatte. Der Sieger Mu Hamed H. verwaitdette dir Kirche, di: einjt Justinian der „göttlichen Weisheit" (daher der NaMe: ^Hagia Soph«a"> gchvidvret hatte, das giäu;endste Denkmcfl aitchripkicher Baukunst, iu eine Moschee, di» später das Haupiheikigluui des Mvhamedanismns wurde. Zuvor war unter Der in die Kirche geflüchteten ChrfftenMeirge ein furchtbares Blutbad angerichtet worden. Zum Hohn auf den <$ott dir Besiegten hatte man auch die Pferde hineingLführi und die Kirche zu einem Stall ge- macht. Seit das Kreuz, durch den Halbmond ersitzt i[tz dürfen die Hagia Sofia durch das Hanptrsr, die „Künigstür", nnr die ®laubigen betreten, während die Ungläubigen eineu tunnelartigen Gung, das „Schweinetor, dürchschrerteu müQeu.
Von dem kostbaren Altar ans Schmekz nnb Gold und Perlen und Edelgestem, vo.n dem güldenen Kreuz, das 75 Pfund wog, von den silbernen Prie- stersitzen ist nichts mehr zu sehen. Die herrlichen Mosaiken der Wände sind mit Kalk übertüncht. Nur die Flügel der Cherubim unter der Kuppel sind noch »rhalten, und durch 'ben dünnen, oft erneuerten Farbenüberzug schimmert eine gewaltige ChristnS- gqtalt hindurch. Dieses unsichtbar sichtbare Bild, versichern die Rriseführer, hat in den abergläubischen Muselmanen die Ahnung befestigt, daß sie einst dieses Gotteshaus den Christen werden zuruckgeben müssen. Ist es rin Slbcrglauben? Oder schlägt die schicklallchwere Stunde wo die Abnuuo in Criülluna