jte 26t.
Mittwoch iS. November 1912.
39. Jahrgang.
* fuldacr W Leitung
2. Blatt.
Vruck und vrrlag ö«r Fuldaer Attirndrnärr« in 5»I-a.
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Zer MMiez.
= Das albariische WeLterleuchten
Der Balkankrieg geht zu Ende. Er verhaucht aus Mangel an Kanonenfutter. Die Türkei Hal in diesem Kriege ihre Lehensfähigkeit verloren. In Europa wenigstens hört sie tm wesentlichen auf, zu existieren. Tie Worte des englischen Premierministers Asquith vom letzten Samstag, daß die Karte des östlichen Europa umgestaltet werden soll, und den Siegern die Früchte ihrer Anstrengungen nicht geraubt werden dürfen, entsprechen der Auffassung aller europäischen Kabinette, einschließlich der von Oester- reich-Ungaln und Italien. Doch verfolgt Serbien Eroberungspläne, die über das Maß eines berechtigten nationalen Zusammenschlusses hinausgehen. Es niacht Anstalten, sich über A l b a n ie n hin auszudehnen uud da stoßt cs auf empfindliche Stellen Oesterreichs und Italiens.
Diese beiden Großmächte sehen sich um ihrer eigenen Interessen willen genötigt, dem Kleinstaat Serbien Schach zu bieten. Zwischen Oesterreich- Ungarn und Italien herrscht volle Einigkeit über den Plan der Errrchtung eines Fürstentums Albanien. T e u t s ch l an d, als dritter im Bunde, gehört mit zu dieser albanesischen Partie. Ein selbständiges albanesisches Staatswesen würde sich als Riegel quer über den Serbenweg zur Adria legen. Tas albanelische Projekt des Dreibundes bedeutet daher die Abdrängung Serbiens von der Adria.
Wir nähern uns vielleicht einer Lage wie zur git der bosnischen Annexionskrise. Danials hat Österreich mit dem starken Rückhalt, den ihm Deutschland „in schimmernder Wehr" bot, seinen Willen durchgesetzt. Italien hielt sich etwas ab- setts; es war nicht mit dem Herzen bei der Sache, die ihm eher unwillkommen als genehm war. Heute steht Italien ungeachtet mancher unfreundlichen Siimme der italienischen Presse unbedingt in Reih und Glied mit den beiden Zentralmächten, deren -Stellung infolgedessen noch stärker ist als damals.
Serbien rechnet auf auswärttge Hilfe. Im bosnischen Annexionskonflikt erfreute sich Serbien jedoch stärkerer frember Unterstützung als jetzt, ohne daß ihm das genützt hätte. In Serbiens Belieben ff«cht es, ob es noch einmal die gleiche Erfahrung wachen will. Es wird sich fügen müssen, denn trotz ferner Waffenerfolge ist seine Stellung heute schwächer, als in der bosnischen Krise. Tie Bernunft gebietet, nicht erst zu warten, bis ein militärischer Druck von außen sich fühlbar macht.
Wie die Frage gelöst werden wird, ist in diesen: Augenblick noch nicht erkennbar- Nur so viel steht fest, daß der Dreibund eine Verständigung auf diplomatischem Wege anstrebt. Die Situatton ist, da Serbien den Unnachgiebigen zu spielen scheint, ernst, aber nicht hoffnungslos. Man glaubt noch immer, daß es gelingen wird, die Serben ohne miltärischen Druck zur Umkehr zu bewxgen. Sobald Serbien erkennt, daß die Stützen zu wanken beginnen, auf die es seine eigenen Hoffnungen setzt, .wird es sich voraussichtlich ins Unabwendbare fügen. Maß der Plan, Albanien zu einem besonderen Staatswesen zu machen, fallen gelassen wird, ist Mch der ganzen Sachlage kaum anzunehmen. Das Fürstentum Albanien wird errichtet werden. Unter schweren diplomatischen Mühen allerdings, nicht lber notwendigerweise unter neuem Donner der Kanonen.
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Som bulgarische« Kriegsschauplatz.
J Sofia, 10. Nov. 1912. Nach einer beschwerlichen Fahrt sind wir Kriegskorrespondenten aus Stara-Za- gora wieder in Sofia cingetroffen. Gestern abend bin ich mit 10 anderen Kollegen, Franzosen, Engländern, SteichSdeätschen und Italienern, nach einer Llstündigen Fahrt in Sofia eingetroffen. Die Behörde in Stara- Zagora stellte uns einen Biehtransportmagen zur Ver» .fügung. Wir mutzten die ganze Nacht und den folgenden Tag in dem Wagen verbringen. Nicht genug damit, in unserem Wagen befanden sich auch 8 bulgarische sschwerverwurwete Soldaten, die bei Lüleburgas gekämpft hatten. Unser Zug führte zirka 100 Verwundete jmit. ES erregte die allergrößte Bewunderung, mit welscher Ruhe, ja beinahe Freude, diese Männer ihre »Schmerzen ertrugen. Die Beförderung in die Heimat .'dauerte 3 Tage und 3 Nächte. Sie waren 72 Stunden 'in di« Waggon« eingepfercht ohne jegliche Bequemlichkeit und dabei guter Dinge. Einer von den 8 Solda-
3m Schutze der Zauberers.
62] Englisch-indischer Roman von E. A. Henty
„Bathurst mich? mein lieber junger Freund!" und der Doktor zog ihn bewegt an seine Brust. „Kaum kann ich es glauben, daß ich Euch in meinen Armen halte! Das Bild — ja, es ist wirklich einge- troffen! Sagt, Kinder, lvelchem Wunder haben wir Eure Rettung zu verdanken?"
„Ter Gaukler nnd seine Tochter sind bei uns, Doktor", sagte Bathurst lächelnd.
„Ah, nun versteh- ich! Der Mann ist imstande. Sie durch die Lust zu tragen und durch feste Mauern und Wände zu führen, wenn er Lust dazu hat."
„Nun, wenn auch das nicht gerade, so hat er Hoch Wunderbares getan und uns außerordentliche Dienste erwiesen, ohne die wir verloren gewesen wären." Bathurst ergriff di- beiden Eingeborenen bei der Hand und führte sie zu dem Doktor der sie mit herzlichen Worten begrüßte, während'sie sich rief vor ihm verneigten.
„Aber nun zu Ihnen, Doktor! Auf welche Weise vermochten Sie sich zu retten?"
„Ich sprang über Bord, als die Schurken feuerten", erzählte Dr. Wade. „Ueberlegend, daß ich einfach niederoeschoffen werden würde, wenn ich an das senscitige Ufer schwamm, hielt ich mich unter Wasser nur hi« und wieder anftauchcnd, um Luft zu schöpfen: und ging endlich tm Schutze einiger Büsche ans Lund, wo ich dte ganze Nacht blieb. Die verdammen Kerle waren mtr so nahe, daß ich jebe§ Wort verstehen konnte; und hätte ich nur eine Waffe befassen, so würde ich nach auf sie gestürzt haben, so rutzlos das Beginnen auch gewesen wäre, ^ch wartete bis zum Morgen, wo sie mit ihren Wagen u rd Kanonen abzogen; dann erst kam ich hervor Eie hatten die Frauen mit fortgeschleppt, in das E esängnis nach Cawnpore, wie ich mir sagte; und tc । klammerte mich an die Hoffnung, sie daraus einst b: freit zu schon. Eine Meile von der Stadt wohnte ei t Landmann, dem ich früher 'mal gefällig gerne» je ! war, und der mir dafür oft seine Dankbarkeit
ten, die mit un3 reisten, zeigte mir eine Mmrsergewehr» kugel, die ihm einen Lungenflügel durchbohrt hatte. Diese Verwundung vermochte ihn nicht zu hindern, noch 40 biZ 50 Kilometer zu Fuß zurückznlegen. Von den Scheußlichkeiten des Krieges kann man sich in Europa keine auch nur annähernd genaue Vorstellung machen. Ein bulgarischer Offizier erzählt« mit_ schauderhafte Einzelheiten über die Schlacht von Lülebur» gas. Es war 2 Tage nach dieser Schlacht, das weite Schlachtfeld war bedeckt mit Tausenden von Toten und Verwundeten. Es war unmöglich, den Verletzten Hilfe zu leisten. Man vernahm herzzerreißende Rufe UM Hilfe. Der Eine verlangte nach einem Schluck Wasser, ein anderer nach einem Stück Brot. Hilfe war jedoch wegen der hereinbrechenden Dunkelheit ausgeschlossen. Tausende mutzten unter strömenden Regen in der kalten Nacht elendiglich umkommen, besonders litten die Sterbenden, die nach der Mutter, der Frau und den Kindern verlangten. Sie machten auf die Leute, die selbst nicht helfen konnten, einen herzzer- reißenden Eindruck. Ein verwundeter Unteroffizier, der mit uns reiste und die Schlacht bei Bunar Hissar mitgemacht hatte, erzählt mir, daß die bulgarischen Soldaten trotz der ungeheueren Verluste unaufhaltsam vorrücken. Ganze Kompagnien wurden aufgerieben. Die nachkommenden Truppen setzten über die Leichen ihrer Kameraden ihren Weg fort. Viele Schwerver- wundete baten mit aufgehobenen Händen ihre Kameraden, sie mit dem Säbel niederzumachen, damit sie nicht länger leiden müßten. Alle Soldaten stehen noch unter dem furchtbaren Eindruck der verheerenden Wirksamkeit der Maschinengewehre und der Artillerie. Körperteile, Fleischmassen, zersplitterte Köpfe und Glieder lagen überall umher. Es war eine Metzelei, kein Krieg. Unser Zug hiell auf der Fahrt narfi Sofia in jeder kleinen Station an. An die langen Wagen, reihen drängte sich beim jedesmaligen Halten eine nach Tausende zählende Menge, um rasch den Ver. wundsten warmen Schinken, Eier, Milch und Kognak zu reichen. In Sofia sind heute früh 3 Züge mit ser- bischm Soldaten angckommen. Von der Bevölkerung wurden ihnen am Bahnhof begeisterte Ovationen dargebracht. Die serbischen Truppen fahren noch heute abend nach Lüleburgas und Bunar-Hissar, um von dort aus vereint mit den Bulgaren die türkischen Truppen hei der Tschataldschalinie anzutreffen.
Mutlosigkeit im türkischen Lager.
Die Stimmung im türkischen Volke ist vollkommen verzweifelt. Optimistischen Auffassungen begegnet man fast nur bei Europäern. Die Verzagtheit der türkischen Kreise gründet sich auf eine bessere Kenntnis der völligen Auflösung aller Bande der Armee. Die Leute wollen nicht mehr kämpfen, sie haben es satt, für ein Vaterland zu bluten, das sie verhungern und die Verwundeten vielfach h lflos am Wege verkommen läßt. Es gibt zahlreiche Fälle, daß sich Soldaten verborgen halten, um nicht von neuem ins Feld ziehen zu müssen. Die Mutlosigkeit wird auch durch Nachrichten über den Ausbruch von Cholera und Hungertyphus gesteigert. Die deutschen Aerzte opfern sich auf, das deutsche Note Kreuz bewährt sich ausgezeichnet, ebenso die entsprechenden Einttchtungen anderer Nationen, aber sie haben mit passivem Widerstand der türkischen Aerzte zu kämpfen, di« bis zur Verhetzung der Verwundeten gegen die fremden Aerzte gehen, denen sie fast die ganze Arbeit überlassen.
Die fürchterlichsten Zustände herrschen bei den Tür- keri an allen Orten und auf allen Kriegsschauplätzen. Aus dem hungernden Saloniki schickt ein Berichterstatter einen Bericht vom 7. Nov„ also vor der Besetzung durch die Griechen, der dieselben düsteren Bilder gibt. Die Blicke der Volksmenge, welche die ankommenden Europäer mustert, sind nicht freundlich, lieber der ganzen Stadt liegt etwas wie eine Ahnung schrecklicher Ereignisse. Dazu kommt die beständig an- schtvellende Menge der halbverhungert herum- fchweifenden Soldaten, die vom Lager desertiert sind, sowie die Offiziere, die ohne Säbel und jeder Würde bar die Cafes und Bierhäuser füllen, sich um die Vorgänge vor dem Feind nicht im geringsten mehr kümmern. Tausende uird abertausende mohammedanischer Flüchtlinge kamen mit Extrazügen an. Selbst die Wagendächer und Trittbretter Ivaren besetzt. Zahllose dieser Flüchtlinge sind während der Fahri abge- st ü r z t und verunglückt. Andere Tausende ziehen zu Fuß in langen Kolonnen ein. Frauen, Kinder, Hausrat sind auf die Ochscnkarren gepackt, Väter und Söhne im Turban und in Pluderhosen schleppen sich todesmatt neben den mageren Zugtieren einher; auch viele alte und junge Frauen mit Kindern auf dem Arm oder an der Hand wandern in der düster» Prozession einher, um in den Moscheen, die für die Flüchtlinge eingerichtet siird, Brot und Asyl zu suchen. Die mohammedanischen Frauen haben in ihrer Todesangst längst die Gebote der Tradition vergessen unb denken nicht mehr daran, ihre Gesichter zu vermummen, die dumpfe Verzweiflung widerspiegeln. Zahlreiche Europäer, unter ihnen auch deutsche Flüchtlinge au8 Uesküb, zu erkennen gegeben hatte. Zu diesem ging ich. Er nahm mich gastfreundlich auf, versorgte mich mit Speise und Trank und hüllte mich in diese Verkleidung. Tag für Tag bin ich dann nach Eawn- pore gewandert; ich wußte, daß ich nichts tun konnte, und doch vermochte ich mich von dem Orte nicht zu trennen, wo man unsere Freunde gefangen hielt. Vergeblich wartete ich auf die Ankunft der Truppen. Heute nun beschloß ich, unser- Armee auszusuchen, wenig ahnend, daß ich Euch auf diesem Wege begegnen würde."
„Wir streben demselben Ziele zu, Doktor: doch da Sie bereits einen tüchtigen Marsch gemacht haben, schlage ich vor, daß wir bi» morgen früh hier noch verweilen, wenn Ihnen damit gedient ist."
„Nein, nein, lassen Sie uns gehen, Bathurst. Ich ziehe es vor, in Bewegung zu bleiben, und Sie können mir unterwegs Ihre Geschichte erzählen." Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Bathurst kannte den Doktor zu gut, um nicht zu sehen, daß trotz der Freude über ihr Zusammentreffen sein Gemüt bedrückt war. Wenn er die beiden Umstände zusammenhiest, daß jener anfangs in Eaivnpore hatte bleiben wollen, nun aber plötzlich von dort weggegangen war, so wurde es ihm nicht schwer, den Zusammenhang zu erraten. Er benutzte einen Moment, wo Isabella nicht bei ihnen war, um sich schnell Gewißheit zu verschaffen. „Rud- schub hat gestern wiederholt auf einen Racheakt des Ra;ah hingedeutet. Ist es wahr? hat der letztere seine Drohung ausgeführt?"
„Nur zu wahr!" nickte der Doktor, schwer atmend. „Sie haben alles niedergemacht, was ihnen in den Wurf kam, — nicht Frauen, nicht Kinder haben die Teufel verschont. Das Herz dreht sich einem um, wenn man an all den Jammer denkt! Der Eingeborene brachte mir heut früh die Nachricht, ehe ich meinen gewohnten Gang angetreten. Da hielt es mich nicht länger; es trieb mich fort aus der Gegend, wo so Scheußliches geschehen war, dem doch der einzelne in verzweiflungsvollem Grimme machtlos gegenüber'*»6-*•" *
haben sich im Olymphotel angesiedelt, wo neulich auch ein türkischer General Schutz suchte, jedoch verhaftet wurde und, wie es heißt, bereits füsiliert wurde. Es war ein General, der mitten in der Schlacht von Äumanonw in Bauernkleidung auf einem Maultier daS Weite suchte. Leider hat das an dem Genannten statuierte Exempel nicht viel genutzt. Denn heute soll der vor Saloniki kommandierende General Tachsin nickt einmal mehr über ein halbes Dutzend Offiziere verfügen. Alle andere warfen ihr Säbel fort und flüchteten in daS sichere Saloniki. DaS hat der Sohn des Generals Hassan Tachsin selbst erzählt.
Die deutsche Instruktion.
Eine gut unterrichtete Korrespondenz schreibt:
Ju der Preffe ist daraus hingewieffu, daß Nazim Pascha in der Kriegsichul« zu Saint-Cyr eine französisch« militäris ch« Ausbildung erhalten bat Diese Feststellung sucht die französische Presse dadurch abznschwächen, daß sie behauptet, N.izim Paschi sei nur kurze Zelt zum Zwecke ferner mililärbchen Ausbildung in Frankreich gewesen. Wir wollen uns über diese Fra e nicht mit der sranzösischen Presse herum» nretten, obwohl es naturgemäß ein leidjteS wäre, hierüber volle Klarbett zu erhalten. Das eine aber ist sicher: daß Nazim Palcha der Tä igkeit der deutschen Militäriustrulteure grundsätzlich abgeneigt ivor. Er Hielt die deutschen Offiziere gestissentlich von den Stellen fern, roo sie Ersprießliches hätten leisten können, und verwendete sie mit Vorliebe zu untergeordnete» Zwecken. Diese Tendenz bat sich beim Ausbruch des Ba kankrieges noch verschärft. Auch hier aus sieht man die Unsinnigkeit des in aller Wett verbreiteten Märchens, das deutsche Militär» iystem habe die Niederlage der Türkei verschuldet. Die Gründe lür das Geringen des türkische» Heeres trotz der militärischen Tüchtigkeit vieler Trupp-uleil« liegen in der schlechten Intendantur und dem Mangel an Verpflegung der Trupven. Dagegen oetrndgen die Vesten Lehrosfipere nicht aufzukonimen, auch wenn man ihnen riebt, wie es unter Nazim Bascha geschehen ifi. ihre Tätigkeit künstlich erschwert oder unmöglich macht.
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Ede« Hedin über die Hagia Sofia. „Bierein- halb Jahrhunderte sind es jetzt her, daß auf der Domkuppel der Hagia Sofia, der Hauptmoschee von Konstantinopel, das Kreuz durch einen mächtigen Halbmond ersetzt wurde, und allabendlich tönt noch immer von der Plattform der Minaretts, deren die Türken vier an die Kirche angebaut haben, die Stimme des Gebetrufers. Er trägt einen weißen Turban und einen lang herabwallenden Mantel. Nach ollen vier Himmelsrichtungen läßt er feine wohllautende Stimme über Stambul ertönen; sie Hingt von silberklaren, langgezogen-n A-Lauten und vollen Ls und weckt das Echo nahe und fern. „Gott ist groß", lauten feine Worte. „Außer Gott ist kein Gott und Mohammed ist sein Prophet! Kommet zum Heile! Kommt zur Erlösung! Gott ist groß. Außer Gott ist kein Gott!" — So schreibt Sven Hedin in seinem jünost bei Brockhaus in Leipzig erschienenen Buch „Bon Pol zu Pol" über diesen Bau des 6. Jahrhunderts, dessen Dom fast ofrne Stützflächen in der Lust zu schweben scheint. Noch ist in der Halbkuppel der segnende Christus zu schauen, das leuchtende Mosaikbild, das durch den Kalküberwurf schimmert, ob die Tünche auch immer unb immer wieder erneut wurde. Sven Hedin fährt prophezeiend fort: „Den Türken ist es nicht mehr geheuer in diesem ihren Heiligtum. Di« Stunde der Abrechnung wird auch für die Eroberer der Hagia Sofia einmal kommen, und immer mehr Bewohner Stambuls geben ihre Grabstellen draußen auf den Friedhöfen vor der Stadtmauer auf und überführen ihre Toten nach Skutari, um sie im Schalten asiatischer Zvpressen ruhen zu lassen. Unb die Griechen erzählen in ihren Sagen, daß an dem Tage, wo die Hogia.Sofia wieder in die Hände der Christen zurückkehrte, die Mauer droben auf der Galerie sich öffnet unb der Bischof mit dem Kelche in bei Hand wieder hervortritt. Ruhig und würdevoll steigt er die Treppe herunter, burchfchreffet die Kirche, tritt an den Hochaltar und lieft seine Messe weiter, genau von der Stelle aus, wo ibn vor vier- lmnbertfnnfzig Jahren die Türken unterbrochen haben.
Deutscher Deich.
* „Wo das Zentrum die Mehreit hat", Unter dieser Ueberfchrift liest man in sozialdemokratischen Blättern:
Bathurst preßte seinen Arm. „Still, Fräulein Hannav kommt!"
Der Doktor faßte sich schnell. „Nun, Isabella? Darf ich jetzt hören, wie es Ihnen ergangen ist?"
„Tas muß Herr Bathurst Ihnen erzählen, lieber Doktor; ich vermag noch nicht davon zu sprechen.
„Das ist eine höchst schmerzliche Aufgabe für mich", begann der junge Mann zögernd.
Isabella sah ihn verwundert an.
„Schmerzlich, Herr Bathurst, Ich hatte gedacht —" sic hielt inne.
„Nicht in jeder Hinsicht schmerzlich, Fräulein Hannay", beeilte er sich zu sagen, „aber.doch teilweise. Ich würbe deiy Doktor diese Mitteilungen lieber heute abend machen, wenn er sich so lange gedulden will "
„Ich werde es versuchen, obwohl es eine harte Prüfung ist. Eines kann ich aber doch erfahren, denke ich — womit haben Sie sich denn so übel zugcrichtet, liebes Kind?"
„Ich habe mich selbst mit Salpetersäure verbrannt. Herr Bathurst wird Ihnen alles erklären."
„Das wird ja immer geheimuisvolleri Wissen Sie wohl, daß diese Art Verletzungen ebenso schlimm sind, wie wirkliche Brandwunden, und daß Sie lieber mit verbundenem Gesicht im dunklen Zimmer liegen als hier in der Somienglut umherspazieren sollten?"
„Ich wende tägllch Heilmittel an, Herr Doktor, die mir schon sehr geholfen haben."
„Ja, ja, ich sehe, wie es steht. Machen Sie sich nur darauf gefaßt, daß Sie die 9tarben einige Jahre behalten. Hm, was werde ich alles zu hören bekommen?"
„Ich will Mitleid haben und mit Rabda und ihrem Vater vorausgehen, damit Herr Bathurst Ihnen seine Geschichte erzählen kann."
„Schön, liebes Kind; das ist der beste Ausweg. Nun, Bathurst, fangen Sie an!"
„Ist Ihnen noch in Erinnerung, Doktor, daß ich in der verhängnisvollen Nacht dicht neben Fräulein Sxmnan M als du« Schi->k.-rn
.In der Budgetkommission des elsaß-Iothttni gischen Landtage» wurde bei Beratung M Steuerreform über Lohn- und Besoldungssteuer voA Zentrum ein Antrag eingebracht, bet eine Erhöhung der Pfarrgehälter vorsieht. Ein« Erhöhung d«z Gehälter der Geistlichen war in d«r Regierurigsvorlagt nicht vorgesehen. ES scheint, daß sich die Klerikal«! zur Unterstützung ihres Antrages die Hilf« des LothriM ger Blocks gesichert haben und so di« Regierung deck anlassen, der Erhöhung der Geistlichengehälter zuz» stimmen, um die in der Regierungsvorlage vorgeseh«» Erhöhung der Gehätter der höheren Beamtenkategorst durchzubringen."
Wir finben den Antrag des Zentrums sehr aM begründet; denn im Reichsland sind die katholisch«» Geistlichen ungemein schlecht bezahlt, so schlecht, daß sie hinter allen mittleren Beamten stehen, vielfach unter den Einkommensbezügen eines gelernten A t» beiters. Wenn das Zentrum nicht für eine best feie Bezahlung Sorge tragen würde, hätte es ge* radezu seine Pflicht verletzt. Wie ist es übrigens da, wo der Radikalismus das Uebergewicht hat? Ick Frankreich hat bekanntlich das radikale Parlament nichts besseres zu tun gewußt, als di« Bezüge bet Abgeordneten auf 15 000 Franks auf zubesser»« Die Sozialdemokratte ist immer und überall bew logen. *
. Hansabund unb Bund der Festbefoldeir« hab« sich endlich gefunden. Anfangs schien es, als ei die bv.oen sich als feindliche Brüder befehden würd«tz vor allem um der Frage der Beamtenkonsumvere« willen. An sich leiben ja Hansabund und Bmch her Festbesoldeten beide an dem gleichen Mangsh daß sie Elemente zusammenfaflen, deren wirlschafA liehe Interessen zu wenig einheitlich find, als daß eine gemeinsame Organisation sich rechtfertige. Detz Hansabunb umfaßt Großkapital unb Mittelstand der Bund der Festbesoldeten umschließt öffentliche» Beamtentum und Privatangestellte. Welch« wirti schasttich gemeinsame Interessen habe« denn Glicht kapital und Mittelstand, Privatangestelllr wmM Beamte? Die wirtschaftlich« Situation bei öffenA lieben Beamten ist ein« ganz andere all d« des Privatangestellten, bei ersterem ist die Staat! HW» dar wichtigst«, beim Angestellten btt Seldsthrlßr, Daraus ergibt sich eine grundsätzliche Derschwdenhetß hinsichtlich der SJättel zur Besserung bet wirtschaW liehen Lag« beider Kategorien. Run Ul bet Bntch der Festbesoldeten dem Hansabunb beigetrrten, m* dadurch wird bet Mischmasch «och $<*&**£ Geradesogut könnte man auch noch bie Btbeiterichsßß und die Landwirte in de» große» Bund ausnehm«^ Krampfhaft bemühen fich die ,Deutsch«u Nachrichtens das Publikationsorgan der Bundes, dw Berechtig«!» des vollzogenen Auschlufles nachzuweif«. J«d»^ den ausschlaggebenden Grund scheine» fi« Überfch«^ zu haben: Hansabund und Bund der FestbesoldeWch stehen sich doch so nahe, weil fU beib« partctpoöf tische, liberal« Organisation«» finb. Dchß der Hansabund ein liberales Partcigebilb« ist, branM wohl nach all dm Norgängm nicht mehr beuütßM zu werde». Auch hinsichtlich des Bunde! bet V besoldeten kann kein Zweifel mehr über fa-A liberalen Charakter bestehen. Man lest nur beb Bortragsheff: „Der Beamte" (VolksvereinS-VetlaPhj das den Bund der Festdesoldekm eingehend etöttaß
" „Das Handwerk nnd die Gelbes^
Unter dieser vielsagenden ll eher sch rift druckte des „Fuldaer KreiSl-Iatt" auf Ersuche» hiesiger Handwerdch einen Artikel ab, der vorn »Neuen deutsche» Qaeta Werkerblatt" auS der liberalen Kölnische» ZeitMgst Übernommen worden war. Da nun eine» XFänesrf Rede keine Rede ist, erscheint «S recht unb billig ta4 die andere Seite zu hören. Diest andere Seite M nun schon am 13. Juli d. I. i» Nr. 615 der .Kölnische» Volkszeitung" auf beu gelben Handwerksartikel dch Blattes der Rhen.ifchen Jungliberalcu falgende.rrratz«» geantwortet' »Bon einem r heinischeu Hanwoettk» wird unS (bet .Köln. Volksztg.") geschrieben: tinted obiger Ucberschrift bringt bie »Kölnische Zeitung" M ihrer Nr. 770 eine angebliche Zuschrift au» KoeSoM des Handwerks, die gegen das Zentrum imb die »Ssäbti Volkszeitung" und für die »gelben" Gewerk schuft-« Stimmung macken soll. Wir muffen gestehen, daßh uns feiten etwas vor Augen gekommen ist. toal fs ht* Charakter deS an den Haaren HerbeigeMgenen trüggi wie dieser 8 lärm ruf. Schon der erste eäb fenngci* net das ganze Machwerk. »Einsichtigen Handwerkern,. sagt der Gewährsmann der »Köln. Ztg.", »ist e» längjj kein Geheimnis mehr, wie wenig ernst e» der» Zen» trurn um die wirkliche Förderung de» Handwerk» ttz
„Jawohl, und ich glaube nicht, baß trgenb et» Umstand, der sich in jener Stunde zugetragen, j»,; mals meinem Gedächtnis entschwinde» wird, w*
wenn ich hundert Jahr« alt würde. Aber wa! sag'» damit?" - 4
„Ich sprang über Bord", sprach Bathurst ger preßt. indem er seine Hand schwer auf des Doktors Schulter legte, — „ich stieß einen Schrei cm» mck sprang über Bord!" '!
„Nun ja", sagte der Doktor ganz erstaunt, „Ix* selbe tat ich auch. Weshalb in so besonderem To« davon sprechen? Wenn Sie es nicht getan hätte»,' dann wären Sie jetzt nicht hier." i
„Sie verstehen mich nicht, Doktor", erw'dertg Bathurst düster. „Ich faß nebm Isabella Hannatz — dem Weibe, das ich liebte! Wir sprachen leist miteinander, und zum ersten Male seit langer Zcü nahm die Hoffnung von meinem Herzen Besitz, daß sie dennoch, ttotz allem, was zwischen uns lag, dir Meine werden könne — da krachte der Schuß, unb ohne Uebcrlegung, ohne einen Gedanken an st«, stüizte ich in meinem wahnsinnigen Schreck m da» Wasser und überließ sie ihrem Schicksal! Hätte mich' nach Wiedererlangung des Bewußtseins — ich toai am Ufer von einer Stugel getroffen worden uni hatte lange besinnungslos gelegen — nicht bet Wunsch, sie ju retten, aufrecht erhalten, ich würde schon damals meinem Leben rin Ende gemacht haben!"
„Nun, bei meiner Seele, Bathurst", fagte_ des Doktor ernst, „ich lveiß nicht, wie Sie anders hätte« handeln sollen? Ich habe mir nicht einen Au gern blick Skrupel darüber gemacht, daß ich, wie viele aiN bete, im Wasser Rettung suchte. Man überlegt be weiter gar nicht; Verteidigung war nicht möglich «nd wäien Sie sitzen geblieben, so hätten Sie sich nutzlos geopfert, ohne Isabella helfen zu könne». Sie hätte den Schmerz gehabt. Sie an ihrer Seit« fallen zn sehen, unb läge selbst jetzt unter ben arm«, Schlachtopfern im Gefängnishofe zu Cawnporr. Nein, nein, mein Junge; Sie bürfen die Sache nicht, so schwrr nehmens