iwi?ML wochenbeirager „^llustrierie bormtagzzeiümg"
Erstes Blatt.
Fulda, Montag den 11. November 1912.
M 259.
39. Jahrgang
treben. Dem Heinen
er!er» und Bauer»
i tt» tft iem Boll«
wer
en.
bU
uldaer
tand oder dem Arbeiterstand entstammend, habe« ie keinen wohlhabmden Vater, feine gute Lant^
setzes über Kindersaugflaschen veröffentlicht. De« Inhalt des Gesetzenttvurfs haben wir bereits früher mitgeteilt.
Aus dem Wahlkreise Geluhausen-Schlüchteru.
* Hanau, 9. Noo. 1912. Als nationalliberaler Kandidat für den Landtagswahlkreis Gelnhausen» Schlüchtern ist der Rektor Schwarzhaupt» Frankfurt a. M. aufgestellt worden. — Der Wahl» kreis wird jetzt durch den konservativen Pjarrrr Mcyenschrin vertreten.
NWtWWwt
Atmiahme der So.m« ««dZeiertase. viertel-
,h«e Brittfltriofin und vepellgewm Hulda fs» Wie auzwörtk 1.50 IM.
verantw «edakteim 4««? Schuttes
Konstantinapel, 9. -tRoo. 1912. Unter den aus Siliori eingetroffenen Flüchtlmgm wurden drei Lholerasälle festgestellt. Andauernd kommen muselmanische Familien au» den Dörfern der Tschataldscha-Lmie i» Konstantinpel an. Die Straße vor der Hohen Piorte hat dar Aussehen einer Lager- von Flüchtlingen. Mehrere Personen, die choleraverdächtiq erscheinen, wurden isoliert.
10. Nov. 1012. In allen Städten Oester, i der sozialdemokratischen Par-
Der Saltolirieo.
Vor Konstantinopel.
J Neber den Kampf um die Tschataldscha» Linie kann der so gut unterrichtete Kriegsberichterstatter der Wiener „Reichspost" mitteilen, das, die
Hunderte begabter junger Leute gibt es. die sich dm» Studium totbmen, die in einem wissenschaftlichen Beruf ihren Lebensberuf zu erblicken glauben, VW unbemittelt aus edler Absicht mutvoll aufwärts
terzeichnet worden. 26000 Mann hab e n si ch ergeben.
Ueoet die Kapitulation von Saloniki erhielt das Kriegsministerium von dem die Truppen besehligenden griechischen Tdioniolaer folgenden Bericht:
Während des ganzen gestrigen Tages überschritt die Armee den Exiesfluß, die Generalkonsuln von England, Frankreich, Deutschland und Oesterreich, der Platzkommandant von Saloniki und ein Vertreter Tach- stn Paschas, des Befehlshabers der türkischen Armee, kamen nach meinem Hauptguartier in Topsin, um mir Vorschläge über die Kapitulation der Stadt und des Heeres zu machen. Sie verlangten, daß die Armee gegen die Verpflichtung, bis zum Ende des Krieges neutral zu bleiben, die Waffen behalten sollte. Ich lehnte dies ab und forderte die Uebergabe der Waffen, wobei ich nur das Zugeständnis machte, daß die Waffen nach Beendigung des Krieges zurückgegeben werden sollten. Um 5 Uhr morgens kam der Platzkommandant von Saloniki, begleitet von einem diplomatischen Unterhändler, zurück. Er überbrachte einen Gegenvorschlag, nach dem die Auslieferung der Waffen im Prinzip zugeftanden, jedoch eine Ausnahme mit 6000 Flinten gemacht werden sollte, die zur Ausbildung der Rekruten bestimmt seien. Da dies nicht zugelassen wurde, kehrten sie wieder zurück, nachdem sie eine neue Frist von zwei Stunden erhalten hatten, um sich mit dem Oberkommandierenden zu verständigen. Da die Frist verstrich, ohne daß eine Antwort erfolgte, so gab ich den Befehl zum V o r m a r s ch, der um 9 Uhr morgens begann. Als sich gegen %5 nachmittags unsere Linien den Vorposten des Feindes näherten, entsandte Tachsin Pascha einen Offizier mit einem Briefe, in dem er erklärte, er nehme die Bedingungen an. Ich ließ infolgedessen den Vormarsch unter- brechen und entsandte zwei Offiziere, um das Protokoll der Uebergabe der Waffen und der Kapitulation der Stadt au^usetzen. Unsere Truppen stehen vor der Stadt.
Englische Kriegsschiffe nach Saloniki.
Die Tatsache, daß Saloniki den Griechen in die Hände gefallen, hat, wie es scheint, ungewöhnlichen Eifer in der englischen Mittelmeerflotte erregt.
* Malta, 9. Nov. 1912. Die englischen Linien- schiffe „Hibernia", „Brilannta", .Commcnwealth" und „Dominion" und die Kreuzer „Black Prmce" und „Cumberland" erhielten Befehl, sofort von Malta adzu- gehen und sich n-ch Häfen des Orient» zu begeben. In Malta befindet sich jetzt kein Schiff mehr, außer einigen Torpedobootszerstörern. Die unerwartet ichnelle Abfahrt der Kriegsschiffe wird hier auf die Kapitulation von Saloniki zurückgesührt. Man glaubt, daß die Schiffe nach Saloniki fahren.
Die Siege der Serben.
Die überaus blutigen Kämpfe, btt die Serben den Türken auf dem westlichen Kriegsschauplatz liefern mußten, erhärten, daß die Dämonen heftigen Widerstand geleistet haben. Falls die Türken durch öie Einnahme der Tschataldscha-Linie nicht zum Waffenstillstand gezwungen werden, dürften ste versuchen, ihre Feinde auch weiterhin durch einen Guerilla-Krieg in Atem zu halten, wozu dar schwer beschreitbare, bergige Gelände sehr geeignet ist. Schon die meisten Gefechte der letzten Tage tragen offensichtlich diesen Stempel. Wir erhalten folgendes Telegramm:
* Belgrad, 9. Noo. 1912. Heute werden aus UeSküb Einzelheiten über d,e Kämpfe der letzten vierzehn Tage gemeldet. Danach hatten in dem Kampfe um Novi- b a z a r kste Serben 500 Tote und Verwundete, die Türken 300 Tote und Verwundete. Dre Serben er- beuke'en 67 Geschütze und zahlreicher Kriegsmaterial. Die Kärnpfe bei Krujschevo und Prtlep verliefen äußerst blutig, da die serbische Infanterie ohne Unter- stützung der Artillerie Bajonettangriffe unternehmen mußte. Schließlich gelang et den serbischen Truppen, dre Türken gegen Mouastir und Dibra zu verdrängen. Die Einna'ime von Mouastir steht bevor. Die Albaner- sührer Sabrija, Joris, Sefer und Kasumo haben stch den Serben ergeben. Die serbischen Verluste bei Prilep betrugen 2500 Tote und Verwundete, die Verluste der Türken 6000 Tote.
England für di« Balkansitger.
* London, 9. Nov. 1912. Beim Lordmahor» Bankett hielt Ministerpräsident Asquith eine Rede, in der er prnächst heworhob, daß die Be- ziehungen Euglands zu allen Machten ausnahmslos ausgezeichnet und die allerbesten seien. Er kam sodann auf die Erngniffe auf dem Balkan zu sprechen und sagte, es sei zweifellos, daß die Kari« Europas umgestaltet werden müsse, und es sei nicht ausgeschloffen, daß gewiffe Ideen und Projekte, die bereit» der Vergangenheit ange- hören, ebenfalls eine Aenderuug erfahren, ja vielleicht vollständia fallen gelassen werden müßt«. Wie dem auch sei, schloß der Ministerpräsident, gibt 2» einen Punkt, über den Europa sich einig ist, und da» fft, daß die Sieger um d,e Frucht ihre» Sieges, der ihnen soviel kostete, nicht beraubt
Albertus Magnus-Berein.
Es ist wieder an der Zett, diesem Berettt, der, wie der Zentrumsabgeordnete Gröber <nq einer Katholikenversammlung sagte, an Wichtigkeit gleich nach bem BonifatiuSverein und beet Volksverein rangiert, einige empfehlend« Wort» zu widmen. Groß ist die Zahl benenigen, btt für das eben begonnene Semester aus eine Beihilfe durch den Verein rechnen. E» sind ja unter jenen hosfnuugSfrohen jungen Menschen, di« b«n Beruf in sich fühlen, höher zu streben, viel«, die von Sorgen nicht» kennen, btt sich um da» Alltag-leb« nicht zu kümmern, bit kein Familienbudget int Gleichgewicht $tt hatten brauchen und vorläufiD
* Die neue Enzyklika otgegnet in der kirchenseindlichen Preffe berestS den üblichen Entstellungen. Und doch bringt daS päpstliche Rundschreiben für jeden, der mit den kirchlichen Grundsätzen und den obwaltenden Verhält- niffen vertraut tft, nichts neues und überraschende».
Da die soziale Frage, wie schon Leo XIII. aus- geführt hak, in erster Linie eine sittliche und reli- giöse ist und deshalb vornehmlich nach dem Sittengesetz und vom Standpunkt der Religion gelöst werden muß, so geht der Wunsch der Kirche dahin, daß die Arbeitervereinigungen auf der Grund- läge der katholischen Religion sich aufbauen, allo konfessionell katholisch seien. Der hl. Vater erkennt aber an, daß unter den eigenartigen Verhältnissen Deutschlands und der tatsächlichen Entwickelung der deutschen Arbeiterorganisationen die bestehenden christlich en Gewerkschaften, tn denen Katholiken mit Nichtkatholiken zur Erlangung defferer Arbeitsbedingungen zusammenwirken, zuläffig seien und den katholischen Arbeitern nach rote vor der Beitritt gestattet sei, — natürlich unter der Voraus- setzung, daß daS Glaubens und Sitten leben keinen Schaden erleide.
Die Enzyklika will Klarheit und Rechts Jicherheit schaffen und dem Frieden dienen, owohl dem Frieden unter den Katholiken selbst, ah- auch dem Frieden unter den Konfessionen. Die gegnerisch« Preff« aber ist aus allen Kräften bemüht, bi« väterlichen Absichten des Oberhauptes der Kirche zu entstellen und zu ihren kulturkämpferischen Zwecken „Uebergriffe aus das weltliche Gebiet, Unduldsamkeit, konfessionelle Absperrung, Verurteilung oder gar Vernichtung der gemischten Gewerkschaften" und sonstige ultramontane Schrecklichkeiten aus der Enzyklika herauszulesen oder vielmehr hineinzulesen. E» setzt hier wieder da? alt« Verfahren ein, dem wir so oft schon entgegentreten mußten: die Gegner suchen mit Uebertreidung und Fälschung alle Maßnahmen zum Schutze des Glaubens und der sittltchen Ordnung als staats- und friedensgefährlich hinzu- stellen und beuten mtt skrupelloser Tendenz jedes Wort und jede Einzelerscheinung aus. Die zur Hetze und zur kirchenpolitischen Scharfmacherei verwertbar erscheinen, ohne sich um den wahren Sinn und Zusammenhang der Dinge zu kümmern.
Die Enzyklika enttätt keinen Uebergriff in das .elt liehe Gebiet, sondern der hl. Vater ist, rote auch die Bischöfe in ihrem Ausschreiben besonders hervorheben, einzig und allein durch die Pflicht seines Lehr- und Hirtenamtes geleitet worden. Von den Katholiken sollen die Gefahren für die Glauben»- und SiUeulehre, die sich unter den neu« Seitlichen Verhältnissen ergeben können, möglichst erngehalten werden. Das ist zweifellos das gute Recht der Kirche, und die Mittel der Belehrung Und Mahnung, di« zu diesem Zwecke angeroenöet werden, bleiben im Rahmen des kirchlichen Lehr- und Huctenamtes.
\ Da» friedliche Zusammenleben der Kn- fholiken mit den Andersgläubigen wird durch die Enzyklika nicht gestört oder irgendwie gefährdet, sondern geradezu gepflegt und gefördert. Der hl. Vater sagt ausdrücklich:
„Wir wollen und wünschen, daß die Unftigen mit den mchtkathotischen Mubürgern jenen Frieven pflegen, ohne den weder die Ordnung der menlchlichen Gefell- schast noch die Wohlfahrt des Staates bestehen könnte." t Und zu der prakttschen Frage, der Teilnahme an oi.» gemtschien Gewerkschaften, lautet der Kern- jatz der Enzyklika:
„Wne leugnen nicht, daß es den Katholiken zusteht, lut Erstrebung besserer Lebensverhällniffe für den Ar- petter billigere Bedingungen für Lohn und Arbeit oder inm Zwecke anderer berechtigter Vorteile gemein» Ichaftlich mit Nichtkatholiken, unter Anwendung von Vorsicht, für chre gemeinfamen Interessen zu arbeiten."
i Diese von der höchsten kirchlichen Stelle feierlich verkündeten Grundsätze müffeu doch alle wahren Freund« deS kovf-sstouellen F'iedens begrüßen. Wer trotzdem die Enzyklika als sriedensseindlich hin- fteflen will, der ist selbst ein Feind des Friedens.
Der hl. Vater ist nicht gegen die geweinschafl- liche interkonfessionelle Arbeit auf dem weltlichen Gebiete, sondern nur gegen bi« sogen, .interkonfessionelle Religion*. En solches vermischtes und perwischte» „allgemeines Christentum" Haden aber fveder die katholischen Mitglieder in Gewerkschaften, stoch sonstige Katholiken Deutschlands angestrebt. Auch die überzeugten Andersgläudigrn, die mit Katholiken auf wzialem, kommunalem oder poltti» schem Gebiete zuiau menatbeiten, hallen mit Recht an ihrer Konfession fest. Keine Religionsmengerei, aber Arbeitsgemeinschaft dort, wo die verschieoeuen Wettanschauungen aus dasselbe Ziel Hinweisen, i Sehr verfehlt ist ferner der Versuch der kaltur kämpferischen Preffe, die Mitglieder der Gewerk- schäften aufzuhetzen unter dem Vorgeben, daß ihnen nur eine .entwürdigende Duldung* zuteil werde. Rein, bit katholischen Mitglieder werden «S zu wür- btgett wissen, wenn von der höchsten Stelle in feierlicher Form ihnen die Zulässigkeit be» Bei- trittes vorher verbrieft wttd. DaS ist eine Sicherung de» Bestandes der christlichen Gewerkschaften in Deutschland. Die geforderten Vorsichtsmaßregeln für die Wahrung der Glaubens- und Sitten lehre find durchaus keine neue Belastung. So ist die Sorge für die Teilnahme in den konfessionellen Arbeiter-Vereinen noch jüngst auf bem Dresdener Gewerkschafts-Kongreß betont wor- v**-, Di« Enzyklika gewährt den katholischen Gewerkschaften noch einen besonderen Schutz vor der Anzweifelung ihrer Glaubrnstreue.
Eie ist ein Wort und Werk bei Frieben».
>rr bezahlen und bei benen jederzeit angeklopft werden kann, wenn'» nicht mehr langt. Ihre Hofftuoeß ist der Albertu»-Magnn»-Btretn, bet katholische Studenten unterstützen will, die sich deck Laienberufen zugewandt haben und zugleich bet Unterstützung würdig und bedürftig sind. E» ist ja sehr wünschenswert, daß Barte an» dem Bolle im heiligen Amt de» katholischen Priester» Wied« für da» Ball wirken aber ebenso notwendig sind uns rechtschaffene, wackere Leut« im Lehrer-, Aerzt», Juristen-, Journalistenstand usw. such in bem heutzutage immer mehr an Bedeutung und @influfc gewinnenden technischen Berufen. Auch für sie soll uns ein Opfer nicht reuen. Der Wert be» Albertus»
Magnus-VereinS ist in stch gut, er trägt al» Wert der Barmherzigkeit seine« bleibenden Wert i* sich. Er kann auch den vergleich mit anderen guten Werken anShatten. Auch dir Kirch« wertet e» so- Im Mittelatter hat sie die vielgestaltigen Btle dunaSbedürf«iss« durch den Appell an bit Mildtätigkeit zu befrieden berftanbe». Volksschulen, Mittelschulen, Hochschulen erstanden, ermöglicht durch milde Gaben unb Stiftungen. Zahllose Stiftungen für Bibliochekeu und wiflenschastliche« Bedarf, zahllose Bursen für arme Studenten wurde« ins Leben gerufen. Heute muß diese Aufgabe, toens auch den veränderte« Berhältniffea entsprechend ttr anderer Jtorm, wieder in Angriff genommen werden. ES geschieht u. a. ttn AlbertuS-Magnus-Berettt. Durch seine Hilfe erwachsen der katbol. Welt« anschauung in den Rechen der Gebildeten B«v- tretet, die selbständig in der Zukunft Wetter wirke«. Wir sind verpflichtet, auch mitzusorgen für die Zukunft der Kirch«. Dies« cw«r hängt nächst drm göttlichen Beistand an de« lebendigen Personen, die katholisch fühle«, denke» wollen und handeln. Große Kämpfe stehe»
Erhaltung bei Friedens veranstaltet. In Wien zogen große Arbeitermassen unter Absingung von Arbeiter- Hebern nach den Sophiensälen, wo die Versammlung stattfinden sollte. ES wurde ein Anzahl Verscnnmlun- gen unter freiem Himmel abgehakten, in denen sich die Redner in der schärfsten Form gegen einen Krieg und für die Erhaltung des Frieden» aussprachen. Nach den Versammlungen zogen die Teilnehmer in langem Zuge durch die Hauptstraße.
• Wien, 10. Nov. 191
reichS wurden heute von . ...
tei DemonstrationSversammlungen $ur
Deutsches Reich.
* Berlin, 10. Nov. 1912. Der Kaiser ist gestern abend auS Letzlingen hier eingetroffen. — Da» Herrenhaus hält seine nächste Sitzung am 26. November nachmittags iy2 Uhr ab. — Der „Reichsanzeiger" hat den Entwurf eines Reichsge-
Ausland.
* Die ungarische Opposition hat von der Stadt Budapest das Gebäude des alten ungarischen Parlaments gemietet, wo fie am Dienstag eine .Kontra- Delegation" der Opposition einberufen wird. Hierbei wird Graf Apponyi über die auswärtige Politik sprechen. Journalisten und Publikum haben Ett». labungen zu dieser Delegation erhalten.
* Belgien und die allgemeine Dienstpflicht. Da» belgische Ministerium, das sein Verbleiben im Amt« von der von ihm vertretenen Militärreform abhängig zu machen erklärte, beschloß soeben, den Kammern He Einführung der allgemeinen Wehrpflicht vorzuschlagen.
* Unruhen in Brasilien. In Leara solle« sich schwere Ausschreitungen ereignet haben. Die der Familie des ehemaligen Präsidenten Acciolh gehörende« Fabriken sollen eingeäschert sein. Die Deputiert« werden vom Pöbel verfolgt, wenn sie stch sehen lasse«. Viele Familien verlassen die Stadt, in der vollständige Anarchie herrschen soll. Die Unruhen werden zurück- geführt auf die Kämpfe der politischen Parteien w*. die Vorherrschaft im Parlament.
Kampfplatz ab, da gitt «S zu sorge« und dahin zu streben, daß der aktiven Armee immer neue Kämpfer emgegliede.-t werden, damit di« alte Schlagfertigkeit und Kraft ungeschmälert vorhält. Die Unterstützung b>» AlbertuS-Magnus-Berein» ist eine Saat, bereu Frucht schon hier auf Erben für unfett Kirche eingeheimst werden kann. Diejenigen, bh der Verein unterstützt, sollen in de« gelehrten Berufen als treue katholische Christen die hl. Sache der Kirche vertreten. Es ist gleichsam werden« des Kapital, das wir im AlbertuS-MagnuS- Verein anlegen. Und wenn auch vielleicht nicht olle treu bleiben, so darf uns da- nicht mutlo» machen; es lväre jedenfalls sehr versehlt, nur we- ;en der Möglichkeit von Enttäuschungen — die auch sonst gar oft Vorkommen — die Hände in den Schoß zu legen. Der Diözesanvorstand wird sein Mög» lichstes tuen, daß nicht Unwürdigen und Unfähig« i)ie Gabe deS Vereins zugute kommt. ES er bantm an Alle, die für die großen Zwecke Albertus-Magnus-Vereins Verständnis haben Bitte, freudig ein Scherslein, klein oder groß
penden. Besonders diejenigen, bit mit Glu»»- gütern gesegnet stnd, sollen bei biefem Werk der
bulgarische Angriffsaktion erfolgreich fortfchrettet. Tic Bulgaren haben weitere Vorpositionen genommen. Der entscheidende Swtz soll mit solcher Gewalt geführt werden, daß die Bulgaren gleichzeitig mit den fliehenden Türken vor den Forts Konstantinopels eintreffen. Durch die unverzügliche Besetzung der Stadt sollen sowohl die diplomatische Einmischung, wie die drohenden Christenmetzeleien verhindert werden.
Daß die Bulgaren in Konstantinopel einzuziehcn gedenken, steht ziemlich fest Rußland jedoch macht ein böses Gesicht dazu, da eS sich alte -Hoffnungen abgewöhnen muß, wenn das alte Byzanz erst in bulgarischen Händen ist.
Nach einer Meldung der „Franks. Zig." aus Sofia will nach dortigen Informationen Rußland nicht nur auf Konstantinopel, sondern auch aufkleinasiatischeGebietedcr Türkei Ansprüche geltend machen. Uebrigens wird in diesen Kreisen auch erzählt, daß England bereits entschlossen sei, in diesem Falle zur Wahrung der Integrität der asiatischen Türkei mit der Entsendung seiner Mittelmeerflotte durch die Dardanellen zu antworten. — lieber Wien kommt die weitere Meldung, daß Rußland gegen einen Einmarsch der bulgarischen Truppen in Konstantinopel Einspruch erhoben habe. Mau kann verstehen, daß für die Russen, die seit zweihundert Jahren auf di: Verwirklichung des Testamentes Peters des Großen hoffen, der bulgarische Besitz Konstantinopels ein schwerer Schlag sein würde. Bulgarien ist heute auf dem Vormarsch nach Konstantinopel nicht m:hr, was es 1878 sein sollte, der Schrittmacher Rußlands. Heute ist es ein starkes, unabhängiges, siegreiches Großbulgarien, das nicht mehr daran denkt, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen Bulgarien wird sich an den russische» Protest voraussichtlich nicht viel kehren. An maßgebenden Stellen in Berlin sieht man, wie versichert wird, dem siegreichen Einzuge des Zaren Ferdinand in Konstantinopel bereits wie einer unabänderlichen Tatsache entgegen. Man erklärt dort, es sei nicht einzu- sehen, welche Macht heute Bulgarien hindern wollte, wenigstens vorübergehend Konstantinopel zu besetzen. Es gilt allerdings als wahrscheinlich, daß sich die verbündeten Balkanstaaten mit diesem Erfolge begnügen und Konstantinopel freiwillig dann wieder verlassen werden.
Die Lage in Konstantinopel.
W. Konstantinopel, 10. Nov. 1912. Wir es heißt, roird die Regierung gegen die Blätter vor- qehen, die die Mitteilung des Scheich-ül-JSlam veröffentlicht haben, in denen die Ulemas ausgesordert werden, zur Arme« zu gehen unb ben »Heiligen Krieg" zu predigen. Man behauptet, bie Regierung glaube, baß eine solche Sprache unbewußt her Sache jener dienen könnte, bie Unruhen in bet Hauptstadt Hervorrufen wollten.
W. Konstantinopel, 10. Noo. 1912. Die Kommandanten der hier etngettoffenen fremden Kriegsschiffe stnd gestern nachmittag unter dem Vorsitz des französischen Admirals zusammengekom- men, um über den Aktion °>plan zu beraten, der im Falle von Unruhen in Pera zum Schutze der Fremben-Kolonien zur Ausführung gelangen soll. Wie verlautet, stnb bereit8 Einzelheilen Über bie Lanbung von Truppen unb Maschinengewehren ausgearbeitet.
Di« letzte« Kämpft vor Adrianopil.
Wim, 10. Nov. 1912. Der Kriegsberichterstatter bet ,Reichspafi' melbet aus bem bulgarischen Haupt- quartier vom 9. November: Die gemeldete Einnahme trotier türkischer Positionen auf bet Süvostfront bei Adrianopeler For tsgürtel» butdi die Bul- aaten erfolgte in der Nacht vom 7. zum 8. November. Rach einem furchtbaren Arttlleriefeuet wurde eine Brigade, der weitere Reserven folgten, zum Sturm auf bie beibt« Forts Kartaltepe unb Papztepe angesetzt. Trotz bet lürkilche« Scheinwerfer unb de» Geschoßhagels, d«r ben Angreifern entgegenschlug, gelang es ver bulgarische« Infanterie schließlich, bie beide« Forts zu stürmen. Die Bulgare« zogen sofort Verstärkungen nach, namentlich Artillerie, wies« alle Gegenangriffe bet Türken zurück unb begannen, bie genommenen Stellungen auf bet Keht- frout gegenüber Adrianopel zu befestigen. Von ben eroberten Forts wurde besonkrts Kartattepe seht stark befestigt. Das Fort liegt auf einem 143 Meter hohen Hügel und beherrscht sowohl die Stadt wie bie anschließenben Gürtelwerk«. Die Einnahme bieset Forts, sowie bie gleichzeitig erfolgte Erstürmung des Forts Karkastepe mache« die weite« Detteidl» gung aussichtslos. Die Kapitulation der Festung wird stündlich erwartet
Die Belager«z »m Skutari.
W. Rieka, 9. Nov. 1912. Gestern wurde die Beschießung vonSku tari mttbenBelagetungs- geschützen fortgesetzt. Den Berichten zufolge herrscht in der Stabt eine Panik. Die Katholik« flüchteten in bie Kathebrale, wo auch bet Erzbischof weilen soll. I« Skutari stnb bie Preise aller Bedarfsartikel unerschwinglich. Der franzöflsch« Konsul soll von seiner Regierung bie Weisung erhatt« haben, mit ben französischen Staatsangehörige« unb etwaigen Schutzbefohlenen bie Stadt zu verlassen.
W. Rieka, 10. Nov. 1912 (Tel.) Gestern und heute war heftiges Gefchützfeuer vo» Tara- bosch unb auS Skutari hörbar. Den Montene- griner« ist eS gelungen, einige Forts an bet Süb- feite von Tarabosch zu zerstöre». Geste« konnten, trotz be» ununterbrochenen Geschützfeuet» der Türk«, nach Anordnung be§ Kronprinzen mehre« schwere Angriffskanonen in Stellung gebracht weichen. Seit hmte sind auch Aetoplane bei der montmegrini- ch« Armee in Verwendung. I« Skutari soll die Not aufs höchste gestiegen fein. König Nikolaus ist heute nach Antivari abgereift
Die Uebergabe tum Saloniki.
Die bereits gemeldete Einnahme von Ealoniki wird durch folgendes amtliche Telegramm bestätigt:
Athen, 9. Nov. 1912. Die Kapitulation von Salo- niki sowie deS Forts Karaburun ist gestern abend un-
« e S«z«ks«r ver
- ▼ J eines eMM»l»««le
& 11II ilil tb'KWll'Wl
w o1elge»20pfe. eflW
Setetienslref „ «- Derleg der Zeldee»
nioimtsbtilage: „Md«« GeschichtsblAter"