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fuldaer!
Flucht, wie etwa nach Kirkilisse, auch kein Rückzug d-S ' Erbliche Teil infolge der vorgelagerten ansae- ttnm immPT frrhrpr rrrrrrhrrnnrn xSppypä rtnpr hirftpirm . ___’ . . ' ° *
noch immer tapfer kämpfenden HeereS, aber vielleicht
Bulgaren genommen sei und deshalb auch wir nach
zur Anwendung bringen!
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Flüchtlinge bewundernd, schießen mit e r st a u n. licher Präzision und Treffsicherheit, ihre Kanonen treiben Verschwendung, sie schießen auf jeden einzelnen Mann, ober fast jeder Schuß ist ein Treffer, während die Mannschaft der guten türkischen Krupp- Geschütze, obwohl diese funkelnagelneu sind, oft weit hinter der Feuerlinie untätig unter dem Kommando
teidigers beherrscht werden kann und die schmalen Landungen zwischen den Seen und dem Meer mit Unterstützung der Flotte leicht zu verteidigen sind, einen idealen Flügelabschluß. In der Front sind । das Zentrum und der südliche Abschnitt am stärksten
Tschataldschalinie ein Projekt, das sieben permanente Werke versah. Bon diesen Forts wurden iedoch nur drei ousgebaut und fast alle übrigen Werke sind die aus dem Jahre 1878 stammenden runden Erdwerke, denen heute kein großer Kampfwert zu- gesprochen werden kann. Die Ausrüstung bestand bisher aus etwa 180 Festungsgeschützen, zum Teil veralteten Systems. In den letzten Tagen sind natürlich große Anstrengungen gemacht worden, um die fortifikatorischen Anlagen und die Armierung der Tschataldschalinie zu verstärken. Es ist aber mehr oli fraglich, ob es den Türken in der kurzen
Frist, die ihnen zur Verfügung steht, gelingen kann, in dieser Beziehung Nennenswertes zu leisten. Eben
dehnten Waldzone, die bis unmittelabr an die Werke heranreicht, schwächer. Der bekannte Festungs- baucr Brialmont entwarf für die Befestigung der
von Trainoffizieren vergeblich Befehle zum Eingreifen erwartet.
Der Donnerstag begann bei Sonnenaufgang wieder mit wütendem Geschühfeuer aus der Richtung Lüleburgas. Unser Rückmarsch vollzieht sich wieder ' unter der Massenbegleitung von Flüchtlingen, die ihre Kampfscheu durch den Vorwand, Verwundete heim, zuführen, maskieren, aber auf jeden der Leichtverwundeten kommen vier bis sechs solcher verdächtiger Begleiter. Wirklich Schwerverwundete liegen häufig gänzlich verlassen am Straßenrand und bitten flehent-
lich, in der Meinung, wie seien Aerzte: .Guter Doktor, nimm un8 mit!" Halbverhungerte Soldaten, auch Unteroffiziere, betteln um ein Stück Brot oder Zigaretten, aber alles in bescheidener Demut. UnS ist kein Versuch, zu plündern, bekannt geworden. Nur einmal hielten zwei Gendarmen ziemlich energisch unseren Gepäckwagen an, nicht für sich, sondern für einen hülflosen Schwerverwundeten, dessen Kinn, durch Granatsplitter zerschmettert, unter dem schlechten Verband unaufhörlich blutete; gerne beförderte ich ihn bis zur nächsten Patrouille des Roten Halbmondes.
Erst mittags kam in daS Bild deS fluchtähnlichen Rückzuges eine neue Note. Von Tschorlu her kamen ununterbrochen lange Kolonnen, Ochsenwagen mit Zeltgerät, Proviant und Munitionskisten für Lüle. burgaS und bewiesen, daß dieses keineswegs aufg •• geben sei. Gleichzeitig sprengten von rückwärts Ka. valleriepatrouillen heran und trieben die noch wehr- haften Flüchtlinge unter den fortwährenden Rufen: »Schande über euch, Allah wird euch verdammen!" und noch wirksameren Säbel- und Peitschenhieben energisch wieder zurück. Ungefähr 2000 Mann aller Waffengattungen sahen wir so während unsere- sechsstündigen Marsches an uns vorübertreiben. Bloh die am Straßenrand von Wagen des Roten Halbmondes autgelesenen Verwundeten wurden in der Station Tschorlu auf Tragbahren in zwei großen Spitatszelten und zu Spitälern hergerichteten Kaffeehäusern abge- laden.
Tie Berteidiaungslinie von Tschataldscha.
Die Verteidiunggslinie führt ihren Namen von der Ortschaft Tschataldia (Tschataldscha), die an dieser Linie liegt. Sie befindet sich auf dem Höhenrücken, der ungefähr 35 Kilometer westlich von Konstantinopel vom Marmara-Meer bis zum Schwarzen Meer sich hinzieht. Der militärische Mitarbeiter der Wiener „Reichspost" beschreibt die Linie wie folgt:
„Die eigentliche Verteidigungsstellung im Norden hat eine Ausdehnung von etwa 40 Kilometer, reduziert sich jedoch infolge der den beiden Flügeln vorliegenden Seen auf etwa 25 Kilometer Land- Sont. Bor dieser Front fließt der in den See von üjük-Tschekmedsche mündende Karasn, besten Talniederung namentlich im Unterlauf in einer Ausdehnung von 12 bis 15 Kilometer versumpft ist. Die Stellung hat somit, da sowohl dos Schwarze wie das Marmara-Meer von der Flotte des Ver-
die aus Asien herangezogenen Verstärkungen sind auf einem so geringen Ausbildungsniveau, daß man von beiden Teilen keine besonderen Leistungen erwarten darf.
Die türkische Ostarmee steht nunmehr in der Tschataldschalinie und ist bestrebt, durch eilige Bor- krhrungen die Befesttgnngswerke in einen bettet» digungsföhigen Zustand zu setzen. Es verlautet nun aber auch aus türkisck)en Heereskreisen, daß die Berteidigungswerke in schlechter Beschaffenheit sind, ja, daß sogar die Verteidigung dieser letzten Schutzmauer vor der Hauptstadt undurchführbar und zwecklos sei. Wenn so etwas in Heereskreisen gesagt werden kann, so ist dies ein neuer Beweis für die Disziplinlosigkeit im türkischen Heere.
Aus Kirche und Schule.
△ Die Rente bei Papstes. Dem Papste rmnd» durch die italienischen Garanliegesetze bekanntlich ein» jährliche Pension von 3225000 8tte ausgesprochen. Weder PiuS IX., noch Leo XIIL, noch Pms X. hab« je einen Pfennig von diesem Geld« beansprucht. Mittlerweile sind 41 Jahre seit der Einnahme Rom» und der Pensionsgewährung verflossen, und eS iff schon öfters die Frage aufgeworfen worden, ob durch die Verjährung die Rente selbst oder nur di« Zins« auS der Rente verfallen seien. Rach einer These würde der Papst, wenn er heute seine Revenue wie sie im Garantiegesetz aulgesprochen wurdet^ verlangen würde, weder die heutige Rente, noch di» rückständige Summe beanspruchen können. Als unter; Pius X. die Frage neuerdings aufgeworfen wurde, hat die italienische Regierung erklärt, daß sie dem Papst in diesem Falle nicht nur die fällige JahreSrente, sondern auch Rückstände, die sich auf 109 Millionen belaufen, auszahlen ließe. Die gegenteilige Ansicht wurde also von der Regierung verworfen. Aber auch vor d'esem Berge Gold bleibt der Papst seiner Pflicht treu. Und wenn man ihn in Frankreich und in Portugal da und dort tadelt, weil er die Millionen jener Kirchen opferte, indem er di« kirchenseindlichen Kulrusgenossenschaften zurückwies, kann er mit gutem Rechte sagen: »Ich gab Euch ein Beispiel", denn auch er hat mehr als 100 Millionen geopfert, die ihm ein Federstrich gewähren könnte.
schlimmer als beides: deutlichste Anzeichen der einge- rissenen Demoralisation. Aufgedunsene Ka- daver bereits enthäuteter Büffel und Trümmer zerbrochenen Fuhrwerks liegen unterwegs. Bloß Schnee und Winterfrost fehlen, um die Vorstellung von Napoleons Rückzug von der Beresina zu vervollständigen.
Gegen Abend schwenken wir von der Landstraße nach LüleburgaS ab, gegen eine Anhöhe beim Dorfe Karisdiran. Die obgeschossene Spitze deS Minaretts, Ruinen abgebrannter Häuser und Rauchsäulen noch brennender Gebäude zeugen für den gestrigen Kampf um daS verlassene Torf und scheinen zu bestätigen, daß die Bulgaren auS Lüleburgas zurückgeworfen wurden.
Der Morgen bringt bittere Enttäuschung durch die offizielle Mitteilung, daß die türkischen Truppen trotz des Erfolges am Tage vorher während der Nacht den Rückzug antreten muhten, Lüleburgas wieder von den
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kam,tag 9. HoeemWr 1912.
»9. Jabrgeng.
— AuS bet Schule. Im Unterricht ist das Eber» tal besprochen und selbstverständlich auch die Rede von der „golbftutigen* Eder gewesen. Als im weiteren Verlaufe der Lehret vom Fischreichtum der Eder spricht und nach einer besonders wohl« Ichmcckenden Fischart fragt (gemeint waren bi« wohlschmeckenden Hechle) hebt ein Knabe den Fluge» und sprich«: .Der Goldfisch, Herr Lehrer!* Rach' seiner Meinung lebt derselbe in goldig« Flut« und nimmt davon ferne Färbung tut. [•]
tausend erreicht, drei Jahre später überstieg die Einnahme das zweite Hunderttausend, im Jahr 1899 das dritte und jetzt hält sie sich andauernd auf der Höhe von 400 000 Mark jährlich. DaS hätte mau vor 25 Jahren auch nicht für möglich gehalten, daß die Einnahme sich mehr als verzwanzigfachen würde, und doch ist es erreicht worden.
Möge das für die Diözese Fulda ein leuchtendes Vorbild sein. Die Katholiken bet Diözese haben immer gezeigt, daß sie ein williges Herz haben und eine stets offene Hand für alle guten Zwecke, für die die Kirche sie gewinnen will. Wohl auf alle, selbst auf die weniger gut gestellten Ge- mcinben läßt sich bas lobenbe Wort des Apostels an bie Korinther anwenben: ,„Ich kenne eure Bereitwilligkeit, ob t welcher ich mich' eurer rühme. Nach Vermögen, ,a über Vermögen selb ihr bereitwillig." Möge biefe Bereitwilligkeit so weit als möglich auch für ben Bonifatiusverein sich betätigen. Auch bort, wo große eigene Bebürfniffe vorhanben sinb, möge man in bet Sorge barum bas BetheißungSwort des Erlösers nicht vergessen: Gebet, und es wird euch gegeben werden! Mit demselben Maße, womit ihr mesiet, wird euch wieder gemeffcn werden. <Luk. 6, 38.)
„Möge darum" — diese Worte des Hochw. Herrn Bischofs in seinem Hirtenbrief vom 7. Dezember 1911 möchten wir allen Katholiken bet Diözese erneut gitrufen — „ein hl. Wetteifer bie einzelnen Pfarreien unb beten Mitglieder ergreifen in dem Anschluß an den Bonifatiusverein und der besonderen Pfleg: desselben in den Einigungen, bie so wirksam sinb." Tann wirb gewiß ber Bonifatiusverein auch in unserer Diözese noch bebeutenb erstarken unb sein Segenswerk zur Rettung ber Seelen unb zur Erhaltung unb Ausbreitung unseres bl. Glaubens irt Deutschland mächtig gedeihen, trotz allen sich auftürmenden Hindernisien und Schwierigkeiten. DaS walte Gott!
— Schweineschlachten int eigenen Haushalt ist nickst nur ein großes und besonderes Fest, sondern mich eine sehr vorteilhafte Sache, gerade bei b*v
dieser auf, um ihr Feuer gegen die Stadt zu richten, dessen Wirkung geradezu furchtbar war. Bald nach den ersten abgegebenen Schüssen sah man auS dem nordöstlichen Teile Adrianopels Flammen aufgehen unb binnen 2 Stunden war die türkische Artillerie durch den Brand und durch das unausgesetzte bub garische Artiüericfeuer zum Schweigen gebracht. Nach Einbruch der Dunkelheit nahm das furchtbare Geschütz- feuer fein Ende. Auf meinem Rückwege nach Mustapha- Pascha wurde ich auch Zeuge der Aufopferung und Bravour, welche den bulgarischen Truppen alle Ehre macht. Eine Artilleriekolonne konnte wegen der durch den fortwährenden Regen gänzlich aufgeweichten Straße ihren Weg nicht fortsetzen. Ich sah, wie die Soldaten, die feit 18 Stunden nichts mehr gegessen hatten, die einzelnen Teile der Kanone auf die Schul- ter nahmen und mit dieser Last weiter marschierten. Die anderen dagegen spannten die ermüdeten Pferde auS und zogen selber die Lafette weiter. Heute taucht hier das Gerücht auf, daß die türkischen Truppen bei Lüleburgas vollständig geschlagen wurden. Es ist mir unmöglich, hierüber genaue Informationen zu erhal- ten, da man im Hauptquartier über die einzelnen Ereignisse strengstes Still säumigen bewahrt. Die Zensur arbeitet mit einer ungeheueren Strenge. Auch die wenigen Telegramme, die durchgelassen werden, kom- versiürnmelt und verspätet an.
- Auf dem Rückzug von Lüleburgas.
Der Vertreter der „Neuen Freien Presse" schildert Szenen aus dem Rückzug der Türken am 1. Nov.:
Wir waren endlich nach fünftägigem, zwangsweise untätigem Stillsitzen im Biwak von Tschorlu unter Führung unserer Offiziere ausgeritten, um womöglich in die Nähe des etwa 70 Kilometer entfernten Lüleburgas zu gelangen, wo der Kampf angeblich für die Türken günstig stand. Während unseres Rittes über die schier endlosen sanften Bodenwellen der thra- zischcn Hochebene durchzitterten ununterbrochen, gleich dem Dröhnen eines gigantiscken Hammerwerkes, die Geschützsalven heftigsten Artilleriefeuers die sonneriwarme Luft.
Durch die freundliche Heidelandschaft zogen uns bereits die ersten traurigen Vorboten des blutigen Völ- kerkampfes entgegen: regellose Scharen Verwun- betet, begleitet von Netzten und Soldaten des Roten Halbmondes, aber auch auffallend viele n i ch t verwundete, kampffähige Soldaten mit Gewehren und vollen Patronengürteln, die sich mit stumpfer Apathie in zerfetzten Kleidern, häufig barfuß, auf Stöcke gestützt, mühsam humpelnd über die Heeresstratze schleppten. In dichten Haufen umlagern die zumeist leicht Verwundeten sowie die Ausreißer die wenigen Wasserstellen oder stillen auch an schmutzigen Tümpeln ihren brennenden Durst.
So ziehen sie viele Stunden lang zu Tausenden an uns vorüber. Es war gewiß noch keine panikartige
Zer Mmkrieg.
Ans dem bulgarischen Hauptquartier.
J Stara-Zagora, 5. Nov. 1912. Sämtliche Kriegs- korrespcndenten wurden von Mustapha-Pasch ch Stara-Zagora zurückgeschickt. Wir^werden h.er mit Argusaugrn bewacht, und nur die von ^Zensur ge- uchmigten Berichte dürfen weitergegeben werden vor Bunnar-Sisar und LuleburgaS standen 80 000 Vulgaren 150 000 Türken gegenüber. Trotzdem gelang es den Bulgaren, die türkischen Truppen zu werfen. Am 1 November versuchten bie Türken den linken Flügel' der bulgarischen Armee, der südöstlich von Kirkilisse stand, anzugreifen. Auch hier wurden die An- greiser nach einem heftigen Kampfe zurückgeworfen und verließen in wilder Flucht den Kampfplatz, 2 Batterien, mehrere Maschinengewehre und zahlreiche Kriegsbeute dem Feinde überlassend. Die Bulgaren machten 1300 Gefangene, darunter auch zahlreiche Offiziere. In der Nähe von LLIeburgaS gelang es den bulgarischen Truppen, zahlreiche Depots von Monturen, Lebensmitteln und Munition mit Beschlag zu belegen. Auch zahlreiches Material zu Telephon- und Telegraphenzwecken fiel den Bulgaren in die Hände. Ein Regiment bulgarischer Infanterie, das zur Rekognoszierung des TerrainS ausgesandt worden war, nahm eine ganze Proviantkolonne der Türken gefangen. Die Türken suchten ihre Wut über die erlittene Niederlage mi Unschuldigen auszulassen. So passierten türkische Truppen das Dorf Ainot. an dessen Bewohner sie die scheußlichsten Grausamkeiten verübten, 78 wehrlose Greise wurden verstümmelt oder nieder- gemacht. 10 junge Frauen wurden gepfählt und 27 junge Männer durch Bnjonettstiche zum Tode befördert. Selbst Kinder von 1—5 Jahren wurden von den Türken niedergehauen. Ich bekam heute vom Hauptquartier die Erlaubnis, die verwundeten bulgarischen Sol- baten, bie in ber Schlacht bei Kirkilisse verwunbet worben waren, zu besuchen. Die Verwunbeten stehen in ber Pflege österreichischer Aerzte unb sinb über bie» selben voll bes Lobes. Hier befinben sich auch sehr viele Schwestern vorn Roten Kreuz, sämtliche aus Österreich-Ungarn. In Stara-Zagora sinb vom österreichischen Roten Kreuz mehr als 1000 Betten aufgestellt worden. Ein verwundeter Offizier, mit dem ich über die Schlacht von Kirkilisse sprach, sagte mir, daß bie Türken nirgends ernsten Widerstand geleistet haben und auch nicht leisten konnten, da das türkische Artil- leriematerial ein schlechtes ist unb ihm die nötige Beweglichkeit fehlt.
J Mustaplia Pascha, 31. Okt. 1912. (Durch die Zen. für zurückbehalten und verspätet eingetroffen.) Tag und Nacht ziehen durch Mustapha-Pascha bulgarische Truppen in ber Richtung nach Lüleburgas. Der Empfang, ber ben Truppen überall Bereitet wirb, ist überaus herzlich, ja fast festlich zu nennen. Frauen unb fi'inber gehen ben Soldaten mit Blumen entgegen, ihnen begeisternde Ovationen bereitend und sie mit Liebesgaben aller Art überschüttend. Der Geist der Truppen ist ausgezeichnet und die Kriegsbegeisterung ist durch die errungenen Erfolge noch gestiegen. Gestern gelang es mir, bis zu 10 Kilometer vor Adria- n o p e l vorzudringen, und ich hatte Gelegenheit, mich zu überzeugen, daß die Belagerung durch die Buk- garen günstige Fortschritte macht. Es unterliegt keinem Zweifel, daß den Bulgaren kein Opfer zu groß sein wird, um diese starke Festung in ihre Hände zu bekommen. Unter den bulgarischen Belagerungstruppen herrscht eine ausgezeichnete Disziplin, ebenso ist auch ihre Verproviantierung vortrefflich. Zu Rekognoszierungszwecken stehen den Bulgaren zahlreiche Fesselballons zur Verfügung, mit Hülfe derer es ihnen ge- lunflcnjft, sich über die Hauptst-lämg und die Art ber bon Türken angelegten Befestigungen zu orientieren. Ebenso war e? bcn_ Bulgaren mit Hülfe ber Ballons möglich, bie Sckuväckicn in den Befestigungen von kldrianopel anSzukundschaften, gegen die sich jetzt ganz besonders die Angriffe richten. Daneben entfaltet die bulgarische Artillerie eine geradezu staunenswerte Präzision in der Treffsicherheit. Die von den Piloten der Fesselballons bezeickmeten Anqriffsobjekte waren bin« nen kurzer Zeit zusammengeschossen .... Dank dem Entgegenkommen eines mir befreundeten bulgarischen Offiziers, wurde mir Gelegenheit geboten, einem ge» robeju furchtbaren Artillerieduell anzuwohnen. Auf ein gegebene« Zeichen begannen bie in ben Forts ton Adrianopcl untergebrachten Kanonen ein reifen« beS Feuer auf die Belagerungstruppen. Durch eigenen Augenschein war ich in der Sage, mich zu überzeugen, daß die türkische Artillerie sehr schlecht zielt. Die Granaten schlugen entweder zu weit oder zu kurz ein. Die bulgarische Infanterie rückte, ohne sich um das Feuer der türkischen Forts zu kümmern, mutig unb toü TobeStorochtiing vor unb es gelang ihr auck>, ben nördlichen Hügel, welcher bie Stadt Adrianopel beherrscht. einzunehmen. Kaum war die Anhöhe in bul- «arischen Händen, fuhr auch schon die Artillerie auf
Ans dem Nachbargebiete.
* Schotten, 8. Nov. 1912. Aus Angst vor der Zahl 13 hat der Kriegerverein zu Stornfels darauf verzichtet, für kommendes Jahr das Bezirks- fest des Hassiabezirks Bogelsb:rg zu übernehmen.
* Hanau, 8. Nov. 1912. Der Mörder Georg Koch aus Bergen hat durch feinen Verteidiger^ Rechtsanwalt 5)r. Klemm, gegen das über ihn bei» hängte Todesurteil Revision beim Reichsgericht eingelegt. Sollte diese erfolglos bleiben, dann will er ein Gnadengesuch an den Kaiser richten. Die Verurteilung scheint wenig Eindruck auf fein Gemütsleben gemacht zu haben; er zeigt in feiner Zelle verhältnismäßig gute Sttmmung und verzehrt seine Gefängniskost mit großem Appetit. Auch als er nach seiner Verurteilung wieder in das Gefängnis zurückgeführt worden war, ließ er sich bald das bargereichte Essen wohlschmecken.
* Frankfurt, 8. Nov. 1912. Während der Ab- Wesenheft seiner Mutter erstickte gestern ein 10 'Monate altes Kind im Bett. Das Kind war in die Bettdecke verstrickt und konnte sich nicht mehr an$ dieser Lage befreien. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. — Der Konflikt um die Zu- lasiung der Landgenchtsanwälte am Oberlandesgericht hat eine neue Verschärfung erfahren- Der Oberlandesgerichtspräsident soll gegen Rechtsanwalt Dr. Ebernheimer Strafantrag wegen Beleidigung der Richter des OberlanbeSgerichts gestellt haben. Rechtsanwalt Dr- Edernheimer hat am 28. Okto» ber in einer Sitzung des dritten Senats sämtliche Richter des Oberlandesgerichts, mit Ausnahme Ko- Präsidenten Kretschmar, abgelehnt und diesen An» trag in öffentlicher Sitzung recht eingehend begründe^ sodaß der Senat schließlich durch Beschluß die mündliche Begründung unterbrach. In der daraufhin erstatteten schriftlichen Begründung des Anwalts sind Stellen enthalten, durch die das Richterkollegium des Oberlandesgerichts sich beleidigt sühtl. Dr. Spahn hat daraufhin Strafantrag gestellt. Dr. Edernheimer wurde bereits vernommen.
* Oberursel, 8. Nov. 1912. Ein Schüler stürzt» beim Spielen so unglücklich, daß ihm die Spitze eine» Holzpflocks inS Auge drang, daS infolgedesiev sofort auslief.
* Groß-Gerau, 8. Rav. 1912. I« seiner Wohnung in Dornberq wurde heute der Landwick Ewald [I. erschossen ausgefunden. Ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt, ist noch nicht sestgestellt.
♦ Katzweiler, 8. Nov. 1912. AuS unbekannter Ursache entstand im Anweten des Bürgermeisters Riefbaber Großfeuer, das sämtliche lanbwirttchaft»
jetzigen Fleischteuerung. Denn es macht natürlich nichts aus, ob die Schweine teuer oder billig sind; Vorteile hat man stets. An ein Zurückgehen der Fleischpreise ist vorläufig nicht zu denken. Wer es irgend kann, sollte sich alljährlich ein Schwein schlach- ten. Es ist nützlich, zu wissen, daß bei Schweinen das f»genannte Schlachtgewicht 86,5 Prozent vom Lebendgewicht ausmacht. Kaust jemand also ein Schwein von 2 Zentner Lebendgewicht, so gewinnt er 173 Pfund Fleisch, Wurst. Speck, Schinken usw. Der Rest ist Abfall. Bei anderen Tieren beträgt der Abfall bedeutend mehr, beim Rind z- B. 53 Prozent. Man spart beträchtlich beim Selbstschlachten, nur darf man natürlich in seiner „schlacht-festlichen" Stimmung nicht gar zuviel an Freunde und getreue Nachbarn verschenken. h£-
— Ter Hase als Schönheitsmittel. Zur Hafenzeit möchten wir daran erinnern, daß, was viel« nicht wissen, Meister Lampe in der alten Welt und noch Jahrhunderte später als ein unfehlbare» „Schönheitsmittel* gegolten hat. Schon Pliniu» sagt, daß man, um schön zu werden, Hasenwildpret essen müsse. Und von dem 233 im Lager von Sicilia, dem heutigen Boetzenheim bei Mainz ermordeten Kaiser Severus wird in einer Chronik berichte, daß er ein sehr schöner Mann gewesen fei, weil er bie Jagd liebt: und „täglich ein Häslein verspeiste". Versuche man es also einmal mit diesem schmackhaften Schönheitsmittel, wenn andere Mittel nicht helfen wollen. Man kann es ja ganz unauffällig
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wtenstv gepflegt und gefördert werden, wie in Pfarreien, die in Bezug auf Gotteshaus, Gottes» dienst und ©ielforge durch die reichliche Fürsorge der Borfahren auf das Beste bestellt sind. Aber wenn hier auch nicht 25 oder 30 Mark für 100 Seelen geleistet werden können, so ist es doch möglich. daß 10—15 aufgebracht werden. Es gibt sogar Pfarreien, die trotz der oben angegebenen Grunde auch in der Opserwilligkeit für den Bonifatiusverein mit an erster Stelle stehen. Natürlich spricht auch die größere oder geringere Wohl- habenhett bei den Anforderungen, die man wegen Pflege des Bonifatiusvcreins an eine mcinbe stellen kann, mit, wobei man oft di: merkwürdige Tatsache konstatieren kann, daß gerade weniger gut situierte Gemeinden an Opferwilligikeft die finanziell besser gestellten weit übertreffen (was nicht nur für den Bonifatiusverein. sondern allge- mein gilt). Tas aber ist sicher: Die Einnahmen des Bonifatiusoereins kann auch in der Diözese Fulda noch vermehrt werden. „Ich weiß,' daß überall Bedürfnisse sind, daß die Taschen der ein- zelnen Katholiken sehr in Anspruch genommen werden; aber ich m-ine, wir sollten den Bonifatius- Verein noch besser "unterstützen als bisher. Wir müssen unsere Gaben verdoppeln, und wer es kann, vervierfachen. Denn das Maß der Anforderungen für .Kirche und Schule, welch: der Verein zu befriedigen hat, ist täglich wachsend." So sprach auf ber Katholikenverfammlung zu Bochum — Winbt- horst und in feinem Jubiläumsjahr dürfen wir uns diese Worte des großen Mannes gewiß wieder einmal ins Gedächtnis zurückrufen. Würden sich b'i uns die Einnahmen vervierfachen dann kämen wir auf über 60 000 Mark. Doch wir wollen vorerst schon zufrieden fein, wenn der erste Wunsch Windthorst' in Erfüllung geht und dir Einnahmen sich verdoppeln. In der Erzdiözese Freiburg (di» ungefähr sechsmal jo groß ist wie Fulda) kamen für bcn Bonifatiusverein im Jahre 1886 nur 17 000 Mark ein. Da wurde durch Weihbischos Knecht der Bonifatiusverein organisiert. Die Einnahmen stiegen bald auf das Doppelte unb Dreifache: im Jahre 1890 war das erste Huubert-
-t. Der Bonifatiusverein in der Diözese Fulda.
Bei ben rund 200 000 Katholiken der Diözese Fulda sind im Jahr: 1911/12, d. h. vom 1. April 1911 biS 1. April 1912 17 273,53 Mk. aus Kollekte» u. Einigungen für den Bonifatiusverein eingegangen, was gegen ba$ Vorjahr (1. April 1910 bis 1. April 1111), wo nur 15 694,66 Mk. eingcaangen waren, e t Mehr von 1578,87 Mk. bedeutet." Es laßt sich tue erfreulich- Tatsache konstatieren, baß fast in allen Dekanaten (in 11 von 15) bie Einnahmen gewach- [cn fmb. Der geringere Ertrag in 4 Dekanaten hat ropl hauptsächlich barin seinen Grund, baß hier aus kinigen Pfarreien, bie für bas Jahr 1910/11 zum- !cil mit ganz ansehnlichen Beträgen vertreten sinb, K'aü Jahr 1911/12 bie Gelber erst nach bem 1.
eirmefanbt worben sind, sodaß sie erst für das fjafyr 1912/13 nachgewiesen werden können. Auf fOO Seelen kommen ht der Tiöz:se jetzt im Durch- chnitt ca. 8,6 Mk In Pfarreien, wo bei Verein ptt organisiert ist, wo vor allem bie Einigungen ingeführt sinb, steigt ber Betrag auf 20—30, viel» hdj sogar 80—40 Mk. für je 100 Seelen. Das ann gewiß nicht überall erzielt werben. Es ^irb immer Pfarreien geben, wo bie Umstänbe das unmöglich machen. Da ist eine kathol. Gemeinbe, die aus eigener Straft ohne jebe frentbe Unterstützung i Tt$e bauen muß; in einer anderen
katholischen Pfarrei, wo infolge Einführung der In- dnstne die Seelenzahl sich vergrößert und die Pa- ftorane schwieriger geworden fft, muß eine K ci- p i a n e i gegründet werden, bort will man im ?intcrc|fc einer stabilen Seelsorge eine Ruratie w eine Pfarrei umwanbeln, hier ist bas Kirmenverniogen sehr gering unb bie Parvchianen muffen Hetze Kirchensteuern zahlen. (So ist uns eine Rhonpfarrei bekannt, in ber bei 900 Seelen jährlich atleti 1600 Mark Kirchensteuern — für Kirchenbaufchuld-n usw. gehoben werden, ohne die freiwilligen Gaben zu gleichen Zwecken, die auch noch auf 600—800 Mark sich belaufen). In solchen Fälle» kann natürlich ber Bonifatiusverein nicht so
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Tsckorlu zurückkehren müssen. Die Niederlage ist also unwahrscheinlich ist, daß ber Geist bei türkischen nicht mehr zu verheimlichen. j Truppen eine lanaete $erteibtaung ber Lünen von
Die Bulgaren, so berichten auch türkische! Tschataldscha gestatten wird. Tie Armee fft durch . die b'sheriqen Niederlagen derart demoralisiert und