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2. Blatt

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und Cramer in Kassel, Grippentrog und Brinkmann r

Fulda.

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und katholische Bewerber von der Anstellung nicht grundsätzlich auSzuschließen. Bisher gab es keine katholuchen Oberlehrer in Hamburg, obwohl Vie Zahl der Kaiholiken erheblich ist, auch unter den reichsten Steuerzahlern.

Ausland.

Zs Tie französische Marine. Vor 13 Monaten, am Vorabend einer orvßen Flottenparade, flog das Panzerschiff .Liberty in die Luft. Eine lange Untersuchung ergab, daß die schlechte Qualität de? Pulvers (das Staalsmonopol in) die Schuld trug. Seither war nur eine Puluerexplosion an Bord des „Michelet" zu verzeichnen. Noch den vielen lln« olüchtällen, die in den letzten Jahren die französische Marine betroffen bat, könnte man auf 6 n Gedanken kommen, daß sich das Pulver inzwischen ver- beffert hat. .

Nein," antwortet der ,Cclar', „das stimmt nicht; die Pulvervorräle der sraniöüschen Marine sind ins Uieer versenkt worden! Wenn die Panzerschiffe nicht mehr in die Srft fliegen, so kommt es daher, weil sie keine Munition mehr haben'."

Das zweite Geschwader, das bei Bizerta ist, kann nicht einmal eme Kanone laben. Tas er le Geschwader, das auf einer Kreuzungslahrt ist, ist nicht bester ausgerüstet. Es hat gerade noch gereicht, die drei Kreuzer, die nach dem Orient abdampslen, mit einem Teil ihrer Munition ru versehen. Ter Minister war aber so wenig überzeugt von der Möglichkeit, daß er zuerst den Marinepräsekten tele­graphisch befragte. Ter Admiral antwortete be­jahend und Here Telcasts atmete auf I Wenn man aber ein Geschwader in die türkischen Gewässer hätte entsenden müffen, wären guter Rat und gutes Pulver teuer gewesen. Die bisherigen Verbesserungen des Monopolpulvers sind über das Stadium theo­retischer Versuche nicht hinansgegangen. Die Radi­kalen aber werden die Unterdrückung gewisser Pulverfabriken, welche ihre Wiederwahl gesährven könnte, nicht dulden. Die sranröstsche Preise hätte also wirklich keinen Grund zu einer Kriegshetze.

A Der Schulkampf in Spanien. Die Sozialisten und Radikalen arbeiten mit Zäbigk it daran, die Lehrer ganz unter ihre Botmäßigkeit zu bringen Erst kürzlich sand eine Versammlung statt, in der der Sozialislensührer Iglesias die Lehrer zu be­stimmen versuchte, sich nach seinen Ratschlägen zu organisieren, um so dem Staate besser ihre Wünsche auldrängen zu können. Die Katholiten haben recht­zeitig erkannt, welche Geiahr sich vorbereitete und unter der Führung des Professors Diaz Munos in Valladolid haben sie der Versuchen der Frei- denker, die Schule für sich zu monopolisieren, enet» gischen Widerstand entgegengeictzt und ertläit, daß die Lehrer der von Iglesias vvrge,chlagenen Bereinigung nicht bei treten können, ohne ihrem katholischen Ideal unUeu zu werben und ihrer Würde als Lehrer des Volkes zu entsagen 28 Bischöfe haben Munoz ihre ßuftimmunfl zu seinen Ideen ausgesprochen. Der Kardinalerzbiichof von Toledo und Primas von Spanien weist besonders darauf hin, daß die Lehrer in ihrem Wunsche, eine Bereinigung zur Verbesterung ihrer materiellen Lage zu gründen, sich außerhalb der politi,chen Parteien halten müffen und keinen anderen Herrn anerkennen dürien, als Golt, die Kirche, das Gewrsten und das Wohl der Jugend. Eine Lehrervereimguug muß sich über die politische Sphäre erheben.

Aus Nirche und Zchule.

Schulpersonalien Das Schulamtsblatt für den Regierungsbezirk Kastel enthält in seiner No- vember-Rummer u. a. iolgende Personalien: Zu Rreirfcbulmfpeftoren wurden die Pfarrer Günther in Ullendorf (M.-W.-B.) und Schmidt in Ober, weimar,zum Ortszchuliuspekior Pfarrer Schleicherl in Biittelkalbach ernannt. Mit der Verwaltung der Schulstelle in Istergiesel, Kreis Fulda, ist der Schul- amtsbewerber Weitzel beauftragt. Dem Lehrer Vcy in Rommerz wurde eme Schulstelle in Hettenhausen, Kreis Gersfeld, übertragen. Endgiltig angestelli wurden die Lehrer Walter in Kastel, Bähr in Nieder­aula, Schröder in Rommerode. Berg in Schmalnau, Münter in Niederhone, fi rote die Lehrerinnen Kircher

bella war nicht mehr krank; sie half Mary Hunter pflegen, die von einem Fieber ergriffen worden trat. Es unterlag keinem Zweifel, bafj ihre Krane zusehends abnahmen. Alle Gefangenen litten sehr unter der langen Hast; viele waren gestorben, und des Mädchens Schilderungen von den herzzerreißen- den Szenen, die sie beobachtete, wurden oft unter­brochen von ihren Seufzern und Tränen.

Einnndzwanzigstes Kapitel.

Während Bathurst mit den Vorbereitungen zu dem geplanten Fluchtversuche beschäftigt war, kam Rabda mit ihrem Vater herein.

,Hcrr", sagte sie, „ich zittere bei dem Gedanken, welcher Gefahr Du Dich ausfetzest. Mein Leben hat keinen Wert, und es gehört Dir! Vernimm meinen Vorschlag: mein Vater toitb nach Bithur gehen und von bcin Offizier für eine Frau des Harems die Erlaubnis erwirken, die Gefangmen besuchen zu dürfen. Ich werde, wie das erfte Teal, verschleiert hineingehen und dann mit der ^ame die Kleidung wechseln, damit sie an meiner stelle das Gefängnis verlassen und Euch draußen treffen tann." . . , „ , ,,

„Nicht im Traume würde es mir einfallen, solch ein Opfer anzunehmen, Rabda? Es hieße Dich dem sichern Tode weihen? Selbst wenn ich einwilligen wollte, so würde doch Fräulein Hannah Dein edel- wütiges Anerbieten zurückweisen. Es geht nicht, Mädchen, aber ich danke Dir dennoch aufrichtig; und Du wirst sehen, daß ich mit Hülfe Deines Ba- ters an das Ziel gelange."

„Ich sagte ihr Deine Antwort vorher, Herr; aber sie bestand darauf, mit Dir zu sprechen < fügte Rudschub hinzu.

Sie verabredeten nun, daß sie um neun Uhr aufbrechen wollten. Bevor dies geschah, ward Rabdr noch einmal in jenen traumhaften Zustand verietzt. In Erwiderung auf ihres Vaters Fragen berichtet« sie, Mary Hunter sei tot und Isabella habe sich niedergelegt. Torans erhielt sie die Weisung, .etz- terer zu sagen, sie solle sich eine Stunde pater un dem Fenster nahe der Tür aufhalten.

Fortsetzung folgt.-

13m Schutze des Zauberers.

68] Englisch-iudifcher Roman von E. A. Henty.

„Wie viele Soldaten sind in der Wachstube neben dem Tore?"

„Dort ist kein Soldat. Ein Offizier und vier Manu befinden sich außen vor dem Tore; abe» innen ist keiner."

„Genug", und seine Hand glitt leise von ihrer Stirn herab.

„Ist das alles wahr?" fragte Bathurst, als der Gaukler sich zu chm wandte.

„Gewiß Herr. Hätte ich meine Tochter mit mir in Dinnugghur gehabt, so wäre es mir leichter ge­worden, mich mit Dir in Verbindung zu setzen. Was wir soeben erfahren haben, wird uns sehr nützlich sein."

„In der Tat. Es ist viel wert, zu toiffen, daß der Schlüssel im Schloß steckt, und daß nur die Ge­sangenwärter sich im Innern befinden."

„Ist sie sich dessen bewußt, was mit ihr vor­gegangen?" fragte er, als fRabba sich langsam von ihrem Platz erhob.

1 „Nein, Herr. Sie weiß nichts, nadjbem sie sich von diesem Zustande erholt hat."

„Ich will morgen Stacht wachen und sehen, wann die Ablösung vor dem Gefängnistore erfolgt. Es ist wichtig, genau die Stunde zu toiffen; und vielleicht kaust Du ausfindig machen, Rudschub, toer die Wärter sind, und ob sie beständig Dienst tun oder sich einmal am Tage abtoechseln. Zwar habe ich kein Geld —"

„Ich habe dessen genug, und wenn durch Be­stechung etwas auszurichten ist, so soll es geschehen. Unsere Kasse ist reich, Herr; ich selbst bin wohl­habend und betreibe mein Gewerbe mehr aus Liebe zur Kunst, als um des Gewinnes willen. Es gibt wenige im Lande, die so mit allen Mysterien der Statur vertraut sind, tote ich es bin. Dadurch, daß die meisten sterben, ohne Söhne zu hinterlassen, wird die Zahl derer, welche in die Wiffenschaft der Alten ringeweiht sind, immer kleiner."

Deutsches Heid) '

C*) Rcchtsauöknnstorgamsatiou für das platte Land. Wie die Post erfährt, sind gegenwärtig bei ' den zuständigen Regierungsstellen Erwägungen im Gange, die ftch auf die Schaffung einer großzügigen Rechtsauskunftsorganisation für das platte Land beziehen. In Anbetracht der vielfach vertorckelten Rechtsverhältnisse auf dem Lande, der Schtotertg- keiten, die sich aus der Inanspruchnahme von teu­ren und weit entfernten Rechtsanwalten ergeben, sowie der Schädigung, die unvernünftige Prozeße aus dem Lande namentlich auch durch Verfeindung der Rachbarfamilien herbeiführen, erscheint eine solche Organisation eine dringende Notwendigkett »lmsomehr, als man auch mit der Ungewandtheit der meisten Bewohner im Schrift- und Rechtsverkehr rechnen muß. In Frage steht, die Arbeitsnachtoeis- !teilen, deren Retz sich immer weiter ausbreitet, in >en Dienst der gemeinnützigen Rechtsauskunft zu stellen, wodurch auch eine erhebliche Verbilligung der Kosten erzielt werden würde.

)( Ein Lodredner des Haniadundes. In Guben fand vor kurzem eine Versammlung des Hansa- bundes statt, in der der Redner dem Hansabunde Dank zollte für das, was er für den Ktemhandels- und Handwerkerstand getan habe durch die Be­kämpfung der Konfumvereiue. Uns ist mchl bekannt, schreibt hierzu die .Deutsche Tageszeitung', was der Hansabnnd zu dieser Bekämpfung tatsächlich getan hat. Uebenascht wurden rott aber, als der Redner seinen Hörern den Rat erteilte, ja nicht in groß- städtischen Warenhäusern einzukaufen. Bekanntlich gehören die Warenhäufer z» den opferwilligsten Freunden des Hansavundes.

= Der Magistrat zu Könitz bleibt katholikenrein. In der Sitzung der Stadtverordneten zu Könitz ist der wiederholt geltend gemachte Wunsch der dortigen katholischen Bürgerschaft, durch ein Mitglied im Magistratskollegiüm vertreten zu fein, wiederum unberücksichtigt geblieben: er ist einfach nieder ge­stimmt worden. Die Mehrheit, die ja nicht das Produkt des Vertrauens einer freiwählenden Bür- gerfchaft, sondern das Produst der Macht des Gel­des und der Ausnutzung von allerlei Abhängigketten ist, versucht nicht einmal mehr die alten Ausflüchte, Sondern sie ftimmt rin fach ab. Sic volo, sic jube o! i. h. auf deutsch: Wir wollen uns nicht im Stadt­rat in die Karten sehen lasten; es ist schon schlimm genug für uns, das: wir ein paar Schwarze auf den Bänken des StaÄvarlamentes dulde« müssen, lieber die Berechtigung des Verlangens der katho­lischen Bürgerschaft, im Magistrat vertreten zu sein, ifei nur für Fernerstehende angeführt, daß die Be­völkerung der Stadt nach der letzten VolksMlung aus 12 005 Seelen bestes; davon sind 5378 evan­gelisch, 6189 katholisch und 256 jüdisch. Die Ka­tholiken bilden auch in der deutschen Bevölkerung die Mehrheit (5491), aber nichtsdestoweniger sind sie nach der Meinung der Minderheit nur zum Stmerzahlen da, die Protestanten sind das geborene ! Herrenvolk. Vor der entscheidenden Sitzung des ^StadtverordnetenkollegiumS hatte, wie das „Westpr. Dolksbl." mitteilt, eine vertrauliche Besprechung stattgesunden, zu der nur evangelische und jüdische Stadwerordnete eingeladen waren, aber kein Ka­tholik. Der Einberufer, -Herr Kempe, betonte die >„Notwendigkeit", den Magistrat rein evange­lisch zu erhalten, wie es hunderte von Jahren gewesen sei. lieber die Forderung der Katholiken, ebenfalls im Stadtrat vertreten zu fein, entlüft »t« man sich weidlich; das sei „konsestionelle Abson­derung". Natürlich, konfestionell ist alle-, was von katholischer Seite geschieht. Wenn aber Protestan­ten die „Notwendigkeit" betonen, den Magistrat rein evangelisch zu erhalten, wenn man die Katho­liken von Ehren und Aemtern grundsätzlich aus- fchließt, wenn man konsestionelle Konventikel unter , Ausschluß der Katholiken in politischen Angelegen- ! heilen halt, das ist nicht konfestionell; das ist

brnder beherrschen wieder weiter die Stadt, für di« te fchou so Großes geleistet haben. In Könitz zahlt man ja erst 280 Prozent Steuerzuschlag zur Einkommensteuer.

.:. Anffvrdemng zu Millionen-Kirchenanstritten. In Nr. 389 macht sich der „Arbeiterradfahrer", das Organ des „neutralen" Arbeiterradfahrerbundes „Solidarität", einen Artikel der Chemnitzer „Volks­timme" (Nr. 231) zu eigen, in dem die stramme Handhabung des deutschen Bereinsgesetzes gegenüber der „freien" Jugendbewegung und den „neutralen" Aibriterradfahrervereinen besprochen wird. Es heißt darin:

„Die einzig richtige Antwott aller Arbeiter, die von irgend welchen derariigen Mobnahmen betroffen werden, beißt Kuchenauslrüt. Das tst der Wg zur Abwehr und HiUr, und auf einen Tchelnien setze men andenhalb! Wo ein Arbeiter oder sein Kmd von solchen Schikanen betroffen wird, da trete er nicht allem, sondern mit feiner ganzen Familie aus der to toleranten, christlichen Kirche aus—, wollen sehen, wer gewinnt: Millionen Kirche tustrttte gegen Hunderttausend Slrafbefcheide! Das ist der

Obwohl diese Zeilen fett und zum Teck noch gesperrt gedruckt sind, sieht sich der „Arbeiterrad- ahrer" als Sportsorgan veranlaßt, alles nochmals zu unterstreichen mit folgenden Worten:

Wir haben dem Artikel nichts weilet hinzuznfügen, als die Bemerkung, daß die Echlußsvlgerung unfeien ungeteilten Beifall findet (»ft wiedeium ,per»gedruckt,, teldst auf die Gefahr hin, daß dre flefimte reaktionäre blaue und schwatze Pteßmenie — d,« .Concordia', das Organ des christlichen RadtabierverdandeS (tn Bam- berg), eingeschlossen — uns und nuferen Bund zum so und fonielten Male als soziatdemokrakisch und kirchen-

seindlich ausschreti!"

Wenn man den Aufruf zu Millionen Kirchen- austritten in dem Organ eines Verbandes liest, der sich Pfleg« und Hebung des Sports zum Ziele gesteckt, so greift man sich unwillkürlich an bu Stirne und fragt sich: Haben wir denn seit Jahren in Deutschland geschlafen, daß wir eine Spo.tsver- »inigung zu solcher Kühnheit und zu einer Anzahl von 150000 Mitglieder auswachsen ließen. Hier ist noch eine gewaltige Arbeit zu leisten, Arbeit der Aufklärung, um jahrelang begangene Unterlas- snngsfehler wieder gut zu machen. Arbeit der War­nung, namentlich bei bet spo ttsliebcnden deutschen Jugend, aber auch in den Etandesorganisationen der Erwachsenen. Denn die Gesahr, die seitens der sogen, „freien" in Wirklichkeit rein sozialdemo­kratischen Sportsorganisationen droht, wird selbst von den Führern der christlichen Parteien noch viel zu sehr unterschätzt. Die gewaltige Zu­nahme der st^ialdemokratischm Stimmen ist nicht zum wenigsten Tril auf diese „freien" Sportsver- emigungen zurückzuführen.

• eine berechtigte Kritik. Die .Deutsche Tage?- zettung' schreibt: „Die Marathonläufer von 1912. Die ganze hellenisch« Armee eilt in ßürn>ifck"w Laus heim, um ihren letzten Sieg über die Türken hi melden." So steht auf der «men Seite des .Simplizifsimus» zu lesen, unter einer großen farbigen «e dnung Thönys. Daß unsere Witzblätter von äußerer und innerer Politik keinen Dunst haben und sich darauf beschränken, gaffenjunaent af: Fenster- scheiben einzuwerfen, ist bekannr. Früher studierten die Satiriker die Dinge, «he sie sie oe-fpoheten, und früher gingen sie mit dem Heizen ans Werk. Ent- rüstung machte ihre Verse. Heule ulien Ignoranten hundeschnäuzig, nur des Geldverdienens wegen, an Problemen herum, von denen sie fo vre' verstehen, rote daS Heupferd von Logarithmen. Aö-r das soll uns weiter nicht verdrießen. Jedes Volk verdient Die Witzblätter, die e« hat. Wenn aber nach den un- leugbaren Waffmrrfoigen der Griechen über den verlotterten, jungtürkisch angefaullee Halbmond ein deutsches Blatt dreist dehauvket, die hellenische Armee sei feige ausgeriffeu, w ist das schlechtweg ein« unanständige FÄschuuz» Dergleichen Beugungen offenkundiger Wanr'-cü wird uns draußen gehörig ankreid««, uns jwt tm« sken, dem ganzen deutsch« Volke, nicht der Handvoll Berantwortungs- loser, die die sinnlos beschimpfende Lüge drucken lasten. . . .

♦ Dir tolerante« Hamburger. Der ZentralauSschuß hamburgischer Bürgervereln« har vor einiger Zen einen Antrag angenommen, un» -war n it 55 gegen 49 Stimmen, durch den die Oberschuldehörde ersucht wird, bet der Besetzung von Obertehreistellen jüdische

die höchst: Blüte her Toleranz. — Auf die Rolle, ibie den jüdischen £.. •■' ordneten zugemutet wurde, sei eben nur hingewiesen: die Mischen Herren Ha­ide« die Aufgabe, den Magistrat „rem evangelisch" zu erhattcu. Wie aber di: Abstimmung zeigte, wa­ren acht Stadwerordnete der Meinung, daß den 250 Juden in Könitz eher ein Sitz im Stadtrat gebühre, als den 6200 Katholiken. Na, das Vater­land ist wieder gerettet, die Stadt Untitz hat wie­der einen katholikenreinrn Magistrat und die Logen-

Beinahe eine Woche verging. Rudschub hielt sich jeden Tag einig: Stunden tn Bithur auf und brachte stets neue Nachrichten mit. Vierzehnhun­dert Weiße und fünfhundert Sikhs kamen in Eil- Märschen herbei.

„Die erste Schlacht soll bei Futtehpore stattftn- den", sagte er. „Dort sieben fünszehnhundert Se- poys und ebenso viele Kämpfer auS Oude, außer­dem fünfhundert Mann Kavallerie mit zwölf Ka­nonen, und sie nehmen eine sehr vorteilhafte Stel­lung ein, zu welcher di: Engländer nur gelangen können, indem sie ritten Sumpf überschreiten. Die Offiziere sagen, daß tausend Mann gegen zehn- tausend diesen Ort zu halten vermögen."

„Wir wollen es abwarten", entgegnete Bathurst. „Glauben sie etwa, uns besiegen zu können, weil sie zwei Soldaten gegen einen stellen^ so werden wir ihnen bald zeigest, daß sie sich im Irrtum be­finden."

Arn nächsten Nachmittag, als Rudschub zurück- kam, sagte er: „Du hattest recht, Herr; schon nach halbstündigem Gefechte hat Euer Heer Futtehpore genommen. Die Berichterstatter sagen, die Feringhi seien wie die Teufel zwischen ihr« Gegner gefahren und hatten sie in di: Flucht gejagt. Die zwölf Kanonen haben sie erbeutet. Nena Sahib hat be­schlossen, dem Feinde bei Dong gegenüber zu tre­ten, wo er an der Pandubrücke noch zwei mächtige Kanonen hat. Unter die Brücke sind Sprengge­schosse gelegt, um sie zu zerstören, sobald die Eng­länder sie betreten haben. Trotz dieser Vorrich­tungen aber —", Rudschub senkte die Stimme, „hat der Rajah geschworen. Rach: an den Gefangenen für die erlittene Niederlage zu nehmen. Wenn Tu also die Dame retten willst, so muß es heut nacht noch geschehen, denn morgen dürfte es zu spät sein!"

„Du kannst unmöglich sagen wollen, daß er die Frauen und Kinder morden will?"

,„Jch fürchte, er wird es tun", antwortete der Gaukler düster.

Täglich hatte Bathurst auf dieselbe Weise durch Mobda erfahren, was im Gefängnisse vorging. Jsa-

Aus dem Nachbargebiete.

* Bom Kreuzberg, 7. Nov. 1912. Das Thermo­meter verzeichnete heute morgen 8 Uhr eine Kälte» lempera tur von 7 Grad Reaumur. Die Schnee­höhe beträgt 20 Zentimeter.

• Hana«, 7. Nov. 1912. Ein ISjähriger Tage­löhner war nie itmal» in eine Wohnung ringestlegcu und hatte dort aus einer Kommode Geld gestohlen. Er wurde auf frischer Tat ertappt.

* Frankfurt a. M., 7. Nov. 1912. In einem hiesigen Geschäft wollte ein Beamter eine bei Stacht leuchtende Uhr erproben und begab sich deshalb in den in ein» Wand eingelassenen Stahlplattentresor, gefolgt von einer zweiten Person, die sich die Uhr ebenfalls ansehen wollte. Als beide im Tresor wa­ren, wurde dem Hausdiener befohlen, dir Tür bci- zumachen und das elektrische Licht im Tresor zu löschen. Sei es nun, daß der Bursche die Tür fest zuklapfit: oder daß eine Berschlußfedcr zu leicht ging, die Tür: klappte zu und die beiden Personen saßen im Tresor gefangen, denn die In­sassen hatten selbst den Schlüssel mitgenommen. Mau telephonierte sofort an eine Kassenschrank­firma, und ein Bote ging in di» Wohnung des Di­rektors, der einen zweiten Schlüssel zum Tresor be­saß, aber verreist war. Glücklicherweise wurde der Schlüssel in dessen Privatschreibtisch gefunden, und die beiden Eingeschlossen?« konnte» nach 35 Minuten befreit werden. Beide Personen waren schneeweiß im Gesicht, als ihre unfreiwillige Gefangenschaft endete.

* Frankfurt, 6. Nov. 1912. Der russische Gene­ralkonsul in Frankfurt a- M., Kammerherr v. Baumgarten, wurde am Montag in Petersburg auf Befehl d-s Iustizministcrs verhaftet und ins Gefängnis abgesühri. v. Baumgarten wird be­schuldigt, seit Jahren große Summen, die er angeb­lich für politische Zwecke verausgabt habe, unter­schlagen zu haben. Es soll sich um Unterschlagun­gen in Höhe von 100 000 Mark handeln. Baum garten ist 50 Jahre alt, sein? Frau ist eine geborene Freiin Schenk von Schweinsberg, lebt z. Zt. in Wiesbaden und hat gegen ihren Mann die Eheschei- duuasklage eingereicht.

* Vom Main, 7. Nov. 1912. Die katholische Kirchen gemeinde von Schwanheim wurde Dom Bezirksausschuß und vorn Oberverwal­tungsgericht mit ihrer Klag: gegen eine ihr aufer­legte Wertzuwachsstcu:r von 8000 Mark bei einem Erundstücksverkauf von 50 000 Mark abgewiesen.

* Flammersfeld, 6. Nov. 1912. In hiesiger Gegend herrscht feit 6 Wochen Typhus. Tie heimtückische Krankheit hat bisher 5 Opfer gefordert. Im ganzen sind 50 Personen erkrankt, von denen der dritte Teil genesen ist.

* Wolfhagen, 7. Nov. 1912. In rinem hiesigen Steinbruch löste sich beim Losbrechen der oberen Fels- und Steinmanen vorzeitig ein großer Stein­block und stürzte hinab. Ein jugendlicher Arbeiter wurde von dem Steinblod erfaßt und auf der Stelle getötet. Der Körper des junge« Mannes wurde förmlich zermalmt.

* Beiseförth, Kr. Melsungen, 7. Nov. lUi- - unmittelbarer Nahe unseres Ortes ist ein Ton­lager bloßgelegt. Seit einigen Wochen werden an verschiedene Fabriken Proben zwecks Untersuchung des Tones auf feine Brauchbarkeit versandt.

* Kassel, 6. Nov. 1912. Am Samstag finden in Münster Beratungen des Finanzbeirats für den Rhein- Wefer-Kanal über eine Verwertung der Wasserkräfte im Quellgebiet der Weser statt. Aus den Sanlmelb ecken an der Eder und Diemel werden erhebliche Strafte entwickelt werden, deren Verwertung die Regierung in ftaatSeigeuen Werken durch Erzeugung von Elektrizität plant. Außerdem besitzt die Wasserbauverwaltung an der Werra in g , Fulda Wasserkräfte, deren gewinnbringende _riu i Nutzung durch eine Kraftanlage unterhalb Münden vorgeseben ist. Im ganzen können in allen 3 An- ■ lagen 41 Millionen Kilowattstunden jährlich erzeugt l werden. Die Kraft soll dazu dienen, die umliegen- . den Stadt- und Landkreis: mit Elektrizität zu ver- i sorgen. Der hiersür in Frage kommende Bezirk > umsaßt etwa 7500 Quadratkilometer mit 700 000 , Einwohnern. Tie Baukosten für die Einrichtung : der Kraftwerke belaufen sich auf insgesamt 7 300 000

,^hast Du einen Sohn, der Dir einst folgen wird?"

„Ja. Er ist i« Persien, nnt mit zweien unserer größten Weise«, die noch di« Kenntnisse der ältesten Magier besitzen, in Verbindung zu treten."

„Tn hast mir noch «übt erzählt, Rudschub, wie Du mit Rena Sahib fertig geworden bist?"

„ES war leicht genug", erwiderte der Gaukler. „Er hatte alles Interesse an den Ereignissen bei Tinnugghur verloren und begrüßt« mich, als toäre ich soeben von einer Reffe zurückgekehrt. Dann schien er sich plötzlich zu erinnern und fragt«, wes- balb ich seinem Befehle zuwider gehandelt und für den Friedensfchlnß gestimmt hätte? Meine Antwort daß trf) es nur getan, um die Weißen, di: sich im anderen Falle mit dem Hause in die Luft gesprengt haben würden, um so sicherer in seine Gewalt zu bringen, befriedigte ihn, unb er ließ den Gegen­stand fallen. Ich ftrije nun so fest in seiner Gunst wie früher und habe bereits Verschiedenes in Er­fahrung bringen können.

„Deine Leute, Herr, haben die Sepoys bei Delhi wiederholt qescblagen, und ht Lncknow leisten sie tapferen Widerstand. Der Rajah ist wütend, daß der Ort noch nickt genommen ist; aber sie haben dort einige feste Gebäude, hinter welche sie sich ver­schon "'n "können, und sind mit allem Notwendigen versorgt. Dennoch zweifelt jeder, daß sie sich länger als einige Tage halten werden."

„Wir werden ja sehen, Rudschub. Hat sich Tinnugghur mit seiner Handvoll Verteidiger so tüchtig gewebri, so wird Lucknow mit einem halben Regiment Weißer noch weit besser seinen Platz be­haupten. Sind sonst noch Nachrichten eingelaufen?"

„Keine, Herr, ausgenommen, daß die Feringhi jetzt Stegimenter bom Pendschab heranziehen, um denen vor Delhi zu helfen."

„Es ist klar, daß die Sache täglich eine für uns aünstiqere Wendung nimmt. Die Meuterer haben ihr Schlimmstes getan, und werden nun Schritt für Schritt von bett englischen Truppen zurück ge­drängt werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit." —