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Betettnflibrnt u. Verlag d-r ZnlbaM aditttbiedtrd t-ZtUbtz Sctnfptcd)« llr. U

39. Jahrgang

Fulda, Freitag den 8. November 1912.

Erstes Blatt.

257

bdt" hat. Inkonsequent sei lediglich wieder einmal

bei gekommen.^ Wo diese stattgefunden haben, J>at«__gewesen.

Es bestätigt sich, daß der türkische Rückzug nach der Niederlage von Lüleburgas—Wisa in der Rich­tung auf di: Tschataldschalinie vor Konstantinopel doch nicht, wie es die bulgarischen Siegesnachrich- tcn wissen wollten, in entsetzlicher, regelwser Flucht vor sich gegangen ist, sondern es ist, tote wir schon vermuteten, zu neuen heftigen Rückzugskämpfen da«

telegraphiert: ... .

In einem inspirierten balbofftjiöfen Artikel m't der Ueberschrift .Die Zeiten ändern sich', richtet beute abend die.Birsherviji Wedomostll eine Warnung an Oesterreichs Adiesse, die ,>emtich herausfordernd tormuliert tft. Es wird in dem Artikel mit nicht mi6» »nverttebender Deutlichkeit darauf hinqewiesen, daß Rußland wohl gerüstet fei und über ein mäch­tige? Heer verfuge. Ruß and fei nicht mehr in einer ohnmächtigen Lage wie im Jahie 13 8. Es heißt weiler, daß Serbien durch feine siegreichen Waffentaten neugestäikt ,ei und sich ve'glößert habe, und daß es einen eigenen Hafen am Adriatifchen Meere haben müsse. Darauf werde Rußland be­stehen. Die Stimmung in Petersburg und im Lande gegenüber Oesterreich roiib <r genbl'ctUch beton bei 8 durch die Agitation der po»s!aivtsti,cheu Kreise ungünstig

graphen-Agentur veröffentlicht iotgenden. Bericht über die Kämpfe auf der Linie Lüle'vurga?—Bunar Hisiar zwischen dem ii9. Ohober und dem 2. November: Die türkische Armee war übet 120000 Mann Infanterie stark, zählte 65 Eskadronen und verfügte über 200 Ge- Ichützo. Während der fünftägigen cibilterten Kämpte griff der türkische rechte Flügel unaufhörlich den linken Flügel der Buigrren an. Den Bulgaren gelang es sedoch, durch tapferen Angriff und dank ihrer m äch ttgen A rtrl kette den Feind z im Rück­züge zu zwingen; er wurde unter mörderischem Feuer verfolgt. Am dritten Tage nahm das b«!- garische Zentrum, vou der Artillerie milerstütz', energisch den Angriff auf. Die Infanterie ging im Bajonettangriff gegen die uneinnehmbar scheinenden Befestigungen vor. Es gelang ihr, diese zu besetzen, woraus sie sich an die Verfolgung des Feindes machte, der unter dem Feuer der bulga­rischen Artillerie in Panik sich zerstreute. Am fünften Tage schritt der linke Flügel der Bulgaren, durch frische Truppen verstärkt, zum ent'cheidendeo An« giiff vor und zersprengte den Feind aus der ganzen Linie, so daß dieser seine starken Stellungen aufgab und die Flucht ergriff. Die Bulgaren erbeu­teten 4 2 Schnellfeuer geschützt, mehrere Fahnen, 150 Waggons mit Lebensmittel» und Muni­tion, zwei Lokomotiven. Außerdem machten sie 2800 (gelungene. Die bulgarischen Bertuste be­trugen 1 5 000 M ann an Toten und Berwundeten, die der Türken mehr als 40000 Mann. In dieser Schlacht, die sich mit der bei Mnkden vergleichen läßt, wurde die türkische Armee fast gänzlich vernichtet. In Unordnung zog sich der Feind, der die beteiligten Stellungen von Tjchorlu und Saras nicht halten konnte, gegen Tschataldscha zurück. Durch die Niederlage deprimiert und ohne Artillerie wird die türkische Armee schwerlich die Hauptstadt verteidigen können.

Um Abtianopil.

Konstantinopel, 7. November 1912. Die türkischen Blätter veröffentlichen Privatdepeschen aus Adrianopel, wonach die Garnison am gestrigen Tage erfolgreiche Änssälle unternommen habe. Die Artillerie der türkischen Position Iafsitepe beschoß die Stellungen der Bulgaren d e i M ar a s ch. Das türkische Feuer zerstörte die bulgarischen Kanonen und ein Lebensmittel- depot. Ein türkischer Fesselballon unternahm gestern einen Relogno-zierungsausstieg.

Für etwaige Forljchr tte der Bulgaren wird es von giötiiem Einflüsse sein, ob ihnen die Einnahme Adtianopels bald gelingt, da es für ihre durch die Schlachten mitgenommene Armee von größter Wich­tigkeit ist, ob ihr mit der Eisenbahn dte nö.igen Lebensmutes, Munition usw. zugesührt werden iönnen. Es scheint ober nicht, als ob eine Einnahme

halten? Durch einige Blätter lief schon am Don­nerstag eilt Telegramm aus Sofia, wonach die Bui- garen bereits an einer Stelle die Türken ans den Stellungen von Tschataldscha Vertrieben hätten. Tas klang aber höchst unwahrscheinlich; es handelt pch wohl um Stellungen vor Tschataldscha. Nach onderen Berichten hat ja in den letzten Tagen noch ein lebhaftes Rückzugsgefecht stattgefunden, wobei der rechte Flügel des bei Lüleburgas-Wisa geschlagenen Türkenheeres den nachdrängenden Bul­garen zähen Widerstand geleistet zu haben scheint. Die Bulgaren haben nach zweitägigem Rinaen bas Feld behauptet: aber das war keine neue Entscheid dtingsscblacht, sondern nur ein Zwischenspiel zwi­schen der setzten Schlacht und dem bevorstehenden Tschataldscha-Kampf.

Tie Berteibiqungswerke auf der kriti­schen Linie werden als gut angelegt geschildert; doch wer Weitz, in welchem Zustand sie sich befinden, nachdem die türkische Schlamverei Jahrzehnte lang gedauert hat. Bei der Nähe der Hauptstadt wäre auch der Nachschub von Lebensrnitteln und Munition ans türkischer.Seite sehr erleichtert, —' wenn nur überhauvt dort noch eine ordentliche Verwaltung möglich ist. Auf jeden Fall hat die türkische Armee auch dort weiter zu leiden unter dem Mangel an Ofsizieren und der schlech­ten A u s b i l d u n a der Soldaten, die zumeist weder mit den modernen (Gewehren noch mit den modernen Geschützen richtig umzugehen wissen. Es wird also »n der dritten Verteidigungslinie sich Wohl dasselbe grausame Spiel wiederholen: die Buwaren werden unter großen Opfern stürmisch angreifen, und die Türken werden, nachdem sie ihre Munition aufs gerrdewobl verknallt haben, wieder den Rückzug an­treten. Tann stellt König Ferdinand der Weg nach Konstantinopel offen, — wenn nicht die russische 6iferbfAt ihm Halt zu gebieten vermag.

Nach dem Zusammenbruch der Tschataldscha- Stellung würde die Pforte vermutlich wieder einen «Hilferuf an die Mächte erlassen. Aber bei dem zweiten Hilferuf wird sie noch weniger Mitleid fin­den. als bei dem fchnell widerrufenen ersten Not­schrei. Je länger der Kampf fortgesetzt wird, desto weniger Raum bleibt für Halbheiten. Tie enro- 'päische Diplomatie hat eine Aufgabe zu lösen, wie sie in dieser Schwere seit Menschengedenken ihr nicht gestellt war. Das einziae, Was die Diplomatie bei der Fortsetzung des Kampfes gewinnt, ist das bischen Zeit. Doch werden die Herren sich trotzdem beeilen muffen, denn die Buliare" ’M-Hben, Wie die Er- fallrunaen ae-eiik llalle" ^riegsgeschick mit affenartiger EM Bindigkeit, sie werden auch die Auffrischung ihrer Armee und den weitern Vor­marsch gewiß schneller durchführen, als den Türken und den Diplomaten lieb ift

Bor der Tschataldschalinie.

bald in Aussicht steht, da die Türken bereits vier Ausfälle gemacht haben. Ausfälle find aber bisher stets ein Zeichen guten Geistes der Besatzung

solgende Erklärung: , ___

($5 enNpricht vkN Tatsache» nicht, daß . . . »um seiner liberalen llebrrz-ugung willen nicht beerblgt und ihm das G ockengeiäuie eetiagt wurde. Wahr tft vielmehr, daß ihm die Beerdigung nach den Borichriften der kaiholifchen Kirche vertagt wurde und vertagt werden mutzte, wert ... 1. fett mehr als 36 Jahren feine Ostelpflicht nicht mebr erfüllte und keinen Gottes- dienst mebr betiickste; 2. wett er m feinet langen Krank- heil in Gegenwart des Unterzeichneten Glaubenrlehren der Kirche teuaneie, z. B. die Gottheit Christi; 3. auch auf dem Toddelle m Gegenwart der Frau dem Unter­zeichneten ettiäue: »ich beichte nicht, rch beichte nicht und lein Pater Unser an fernem Sterbe bet e duldet«.

Tiefe Erklärung hatte bezeichnender Weise die : liberale Schwarzwälder Zeitung in Bonndorf zurück- getoiefen. Ihr lag daran, ihrem verstorbenen Par- teimann, dem die liberale Presse bereits das Zeugnis eines „frommen religiösen" Mannes ausgestellt hatte.

Deujsches Neich.

♦* Berlin, 7. Nov. 1912. Prinz Heinrich von Preußen stattete dem Reichskanzler heute einen Bewch ab. — Zur Förderung des B a u m w o l l- banes in den Kolonien hat der Staatssekretär des Innern eine Konferenz auf den 25. November au- beraumt, zu der eine große Reihe amtlicher Körper- schäften, privater Berbände und Einzelpersonen ein- geladen' worden sind. Im wesentlichen handelt es sich um die Beschaffung von fDtitteln, die die Fort­führung der Bauwollbauuutcrnehmungen der Baumwollkommisiion des kolonialwtrtschaftltche't

Vom westlichen Kriegsschauplatz» liegen Privatmeldungen aus Belgrad vor, wonach Skutari gefallen fei und Essand Pascha sich mit der gesamten Besatzung ergeben habe. Eine Bestätigung der Nachricht fehlt aber noch. Ebenso­wenig ist noch die wei ere Meldung bestätigt, daß Saloniki fich ergeben habe und die fcrbifchen Truppen dort eingerückt feien. Auch die Einnahme Monastirs nur 6 nur privatim, nickst amtlich ge­meldet. Dort soll der türkische Widerstand un- bedeutend gewesen sein.

Die serbisch-albanische Frage.

In welcher Richtung sich die Entschädigungsan­sprüche der Balkanstaaten bewegen, ist bis jetzt eigent­lich nur bei Serbien genauer bekannt. Griechen­land und Bulgarien halten sich aus wohlerwogenen Gründen noch zurück. Tie Serben wollen, wie einst Pcter der Große von Rußland, ein Fenster noch dem Westen, einenZuqangzumMeer, einen Hafen an der Adria, als Endpunkt der geplanten Tonan-Adriabahn.

Wie inzwischen bekannt geworden ist, steht als Ergebnis der Besprechungen in Pisa und Berlin zwischen den leitenden fVtännem des Dreibundes scst, daß sie in der Frage der Gebietsveränderungen auf dem Balkan durchaus einig und geschlossen vorgehen wollen. Oesterreich-Ungarn und Italien wollen (wir haben das bereits dargelegt), ein selbständiges Albanien, unter der Sujeränität des Sultans, iund sind deshalb gegen jede Zerteilung dieses Ge- ; bietes, die ein euer hiudurchgehender Streifen serbi- ! scheu Landes notwendigerweise herbeisühren müßte, i SS wurde überdies daraus hingewicsen, daß der ! natürliche Weg zum Meer für Serbien durch das Tal des Wardar nach Saloniki gehe, der ihm unverwehrt bleibe, da Ocfterreich-Ungarn nur han­delspolitische Sicherheiten beanspruche.

Diese Ablehnung hat in Belgrad und Peters- bürg, wo man Oesterreichs Balkanpolitik mit eifer­süchtigen Augen verfolgt, große Enttäuschung hervor- gerufen. Tie allsiawifche Bewegung drängt die Re­gierung, zugunsten der Balkanstaaten einzugreifen, und in der 'Presse macht sich immer lauter und un- verhüllter eine drohende Sprache geltend. Ein bekanntes, sonst maßvolles Petersburger Blatt veröffentlicht einen heftigen Artikel gegen O e st er« reich und damit auch gegen die Dreibund-Politik, der unliebsames Aufsehen Hervorzurusen geeignet ist. Der „Nationalztg." wird nämlich aus Petersburg

Tie Schlacht bei LülcburpaS

ßtim ersten Male geben die Bulgaren einen offiziellen Bericht über ihren Erfolg bei Lüle- Vargas. Rückhaltlos g<ben sie ihr« eigenen enormen Ve> lulle zu, der 15 000 Mann an Toten und Bei« munbetcH beträgt. Die sonst so Wortkargen stellen zugleich fest, daß die türkische Armee naq dieser Schlacht kaum imstande fein würde, dieTichalaldfcha- l-.nie zu verteidigen und d'r'u Weg nach Konstanti­nopel zu y rfperrcn.

Sofia, 3. Nov. 1913. Die Bulgarische Tele­

rechnung des Reiches soll in kurzer Frist zum Ab- chluß gebracht werden. Der Etat wird dem Reichz­ag wahrscheinlich noch nicht gleich bei seinem Zu- amnientritt botgelcgt werden, es werden aber be­reits in nächster Zeit Auszüge aus den wichtigen Etatskapiteln veröfsentlicht werten. Der fertige Etat wird in den ersten Tagen des Dezember den Reichsboten vorgelegt werden. Im Reichstag soll noch vor den Weihnachtsferien die erste Lesung de» Etats stattsinden.

• Der Daul deS Königs von Italien. Die ,Rordd. Allg. Zig/ schreibt:

In dem eigenhändigen Schreiben S. M. des König» von J'.alien, das S. M. dem Kaiser von dem Marches» di San Giuliano bei bet Audienz im Neuen PalaiS am 5 b. Mts. überreicht wurde, ist für den während des Tripolis krieg es den Italienern gewährten deulfchen Schutz warm gedankt worden. Ä. M. der Kaiser hat noch am selbe» Abend mit einem sehr herzlichen Telegramm gedankt.

• Kiderlen und Giuliano. Staatssekretär v. Ki* derlen-Wächter be,uchte gestern nachmittag den Marquis di San Giuliano aus der italiemfchen Botschaft. Die Staatsmänner hatten eine Unter­redung, die langer als eine Stunde währte.

4. Gegen dm Zudrang Mw höheren Lehramt sollen neue Rias,nahmen getroffen werden, denn für die nächsten Jahre dürfte eine bedenkliche Heber- lüllung des höheren Lehramtes zu erwarten fern. Schon jetzt sind 871 ansteüungsfähige Kandidaten deS höheren Lehramtes vorhanden, von denen nut 600 Verwendung finden können. Im Jahre 1913 würde bereits nut 1056 Kandidaten zu rechnen sein. Die Zahl der Kandidaten, die poch zwei Jahre bis zur erwarteten Anstellung gebrauchen, beläuft sich bereits auf 1290. Deswegen ist in Erwägung ge- logen worden, bei den Kandidaten des höheren Lehramts ähnlich zu verfahren, wie bei btn Assessoren, nämlich den Kandidaten, die sich weniger bewährt haben und minder gute Zeugnisse auf- weisen, sofort die Eröffnung zu wachen, daß sie in absehbarer Zeit auf eine Anstellung nicht rechnen können. ......

4- Ter Entwurf drS neuen Postscheckgesetzes ist dem Reichstag zngegangen. Et enthält in der Hauptsache solgende Veränderung gegenüber bet alten Postscheckordnung: Die Gebührenfrage ist im § 5 dahin geregelt, daß für jede Einzahlung mittel» Zahlkarte eine vom Einzahler zu erhebende Gebuht von 10 Psg., für ,cde Auszahlung eine vom Aus- traggeber zu entrichtende Gebühr von 5 Pfg. mit einer Steigerungsgebühr von 1 Zehntel pro Tausend des auszuzahlenden Betrages verlangt wird. Für dir Uebertocijung von einem Postscheckkonto auf ein anderes sollen 3 Pfg. vom Auftraggeber gezahlt herben. Wichtig ist, daß di: Gebühren mit Zu­stimmung des Bundesrats durch den Reichskanzler herabgesetzt werden können. .

*♦ Die Dienst- und Ruhezeiten der Betriebs­beamten der deutschen Eisenbahnen sollen demnächst einheitlich geregelt werden auf Grund der Vor- schlüge, die zu Beginn d. I. von den Vertretern der Bundesstaaten dem Reichseisenbahnamt unterbrel-

Der Milnkrieg.

Die Türkei setzt de» Kamps fort.

w. Konstantinopel, 7. Rov. 1912. Gestern nahmen ungefähr 30 Marschälle und Generäle an einem Kriegsrale teil, der beschloß, all« Maß­nahmen zur Verteidigung des Landes und zur Fortsetzung des Kriegs zu treffen. Dir Beschlüsse des Kriegsrats wurde» dem Mrnisterrat vorgelrgk, deffen Sitzung biS Mitternacht dauerte. Der Kriegsrat beschäftigte sich auch mit der Zweckmäßigkeit des Wechsels tm Posten deS TeneraltsstmuS und beschloß, Nazim Pascha in feiner Stellung zu belassen. Der gewesene Arbeitsminister General Salih Pajcha wurde zum Gehilfen des Generalissimus ernannt.

W. Paris, 7. Nov. 1912. Die ,’Hgence Hao äs' melde! au; Konstantinopel: In dem gestrigen Minister« rat wurde die Lage keineswegs al» verzweifelt angesehen und die Fortsetzung de» Krieges be­schlossen.

Der Papierkorb der Weltgeschichte hat das tür­kische Vermittelungsgesuch verschlungen. Die Staats« lenker von Konstantinopel haben sich zur Fort­setzung des Kampfes entschlossen. Nicht von der Gunst der Großmächte, sondern von der Festigkeit der Tschaltaldschalinie wollen sie die Rettung erwarten. Es heißt, daß die Generäle das Beharren int Kampf geforbert hätten, aber sehr bezeichnend ist die gleichzeitige Meldung, daß auch jungtürkische Politiker das Ministerium scharf gemacht hoben. Anscheinend haben die bedäch­tigen Minister mit der Gefahr rechnen muffen, daß Unruhen entständen, wenn sie ihre Friedenspolitik fortsetzen wollten.

Die Fortsetzung des Krieges ist bedauerlich, aber nicht überraschend. Das Gesuch an die Mächte um Vermittelung hatte ohnehin schlechte Aussichten. Er- Stens mußten die Mächte sich noch einig werden über sie Art und Weise, wie sie das Gesuch an die Balkan- staaten „toeitergeben" sollten, und zweitens hätten die Balkanregiemngen das Gesuch entweder geradezu ab- gelchnt oder doch verschleppt. Denn nach den über­raschenden Erfolgen der Vulgaren, Serben und Grie­chen ist das Selbstbewußtsein und die Rauflust natür-" lieb hoch gestiegen und der Drang nach einer gründ­lichen, vollständigen Niederwerfung des Gegners übermächtig geworden. Es ist begreiflich, daß König .Ferdinand das Kriegsglück bis zum letzten Tropfen ousschöpfen will. Ehe er auf halbem Wege stehen bleibt, muß eine ganz andere Bremse angezogen wer­den, als ein papierenes Vermittlungsgesuch.

Tie Tschataldschalinie ist also das Haar, an dem das Leben des Türkenstaates hängt. Haben die rück­wärts konzentrierten Truppen Aussicht, sich dort zu

tct worden waren.

* Liberaler „Toleranz"-Nnsinn. Für dre seicht« Oberflächlichkeit und Begriffsverwirrung, die in reli- giöfen Tingen von dem Gros der liberalen Press« gepflegt wird, ebenso wie für die blinde antikatho­lische Intoleranz gewisser „toleranter" liberaler Geistlichen ist ein Fall, der sich jüngst in einem Orte des badischen Amtes Bonndorf ereignete, unge­mein bezeichnend. In Riedern starb ein Mann, der schon dreißig Jahre mit seiner Kirn zerfallen, keine Osterpflicht mehr erfüllte und während seiner Krankheft wie auf dem Totenbett den geistlichen Beistand zurückwies. Der katholische Pfarrer konnte ibn darum nicht kirchlich beerdigen. Obwohl nun der Verstorbene im Leben vom Protestanttsmus so wenig wissen wollte wie vom Katholizismus, sand sich der protestantische Pfarrer bereit, btt Beerdigung vorzunehmen. Man hatte sich, bemerkt die „Äugsb. Postztg." mit Recht, um dieses sonder- bare Verhalten in der Oeffentlichkeit nicht Wetter gekümmert, wenn nicht der protestantische Geistliche die Grabrede zu Ausfällen auf dtekatho- lisch e Kirche benützt und diese Grabrede der- äffentltcht hätte. ES genügt folgende« Satz daraus anzusuhren: _ t .

Der ^elm. egtinsiepr war tiit Mann, bet auittt fia) ,u seiner lieber,euaung bekannt hat, dem nun, um feiner liberalen lieber zeu g»»g [!| willen, bi» talholi che Kirche — deren Angehöriger «r trat — btt taiholi'ch-tirchlick» Becrdituug verweigert Hat. Doch M.nschenuiteil ist nicht Golle-urteii — und wenn auch nach engherziger V riestet au ssafsung keint Glockenllänge den Entfchlafenen auf fernem letzte» Gang geleiten dürfen, so steigt feine unsterbliche eeelt doch empor in ewige Fernen, und der mmmlt'cht Paler wird tie hetmlehrende Mewchenscele g ulen, ohne danach zu fragen, ob sie auf Erden kmholtfch oder evan^eg'ch aeweien ift.

Darauf erließ der katholische Pfarrer von Rieder» im „Bonndorfer Volksbl." unter dem 24. Oktober

über gehen die Nachrichten allerdings noch immer auseinander. Nach den einen sollen sie etwa 30 Kilometer südöstlich der Linie Lüleburgas—Wifa tn der Gegend Sarai—Karischtiren—Seidler (an b:r Eifenbahn Lüleburgas gelegen) stattgefunden haben, nach den andern etwas näher an der Tschataldscha- Linie in der Linie Jftrandscha-Janiköl—Tscherkes- tWJ* Konstantinopel, 7 Nov. 1912. Die strategisch bedeutsame Tschataldschalinie ist zur Stund: noch in der Hand der Türken. 30 frische Bataillone sind zur Verstärkung dort eingerückt. Nlit einiger Ener­gie und etwas Zielbewußtsein müssen sie, so glaubt man hier, auch ohne die Mitwirkung Europas die ehr ermüdete bulgarische Armee von der Einnahme Koustantinopels abzuhalt:» imstande sein. Es liegt im türkischen Charakter, oft erst im entscheidenden letzten Augenblick die Willenskraft zufammenzuraf- feit. Versagt die Armee vollends, so würde auch die europäische Intervention fruchtlos bleiben. Das türkische Hauptquartier befindet sich diesseits der Tschataldschalinie in Hademkoi.

» London, 7. Nov. 1912 Die heute früh aus Sofia hi:r eingetroffenen Nachrichten besagen, daß es zu einer weiteren Schlacht auf der Linie Seraj- Jstrandscha-Tfchorlu kam, die noch schlimmer und heißer war, als das furchtbare Ringen bei Lüle­burgas. Bier Stunden lang schwankte die Entschei­dung hin und her, bald schien es, als ob die Bul­garen, bald als ob die Türken siegen würden, ja eine eine Zeitlang befanden sich bi: Bulgaren sogar in arger Bedrängnis, aber schließlich trugen doch ihre überlegene Führung und ihr guter Wille zum Siege die Frucht des Erfolges davon, und die Türken wurden nach Tschataldscha z u r ü ck g e w o r s: n. Ter Kampf war noch verzweifelter gewesen als bei Lüleburgas, auch die Verluste waren noch größer. Man nimmt an, daß die beiden letzten Schlachten auf türkischer unb bulgarischer Seite zusammen 100 000 Man» an Toten und Verwunde- teil gekost:t haben. Die Berichte aus dem bul­garischen Hauptquartter heben immer wieder her­vor, daß der gemeine türkische Soldat, soweit er halbwegs ausgebildet ist, sich todesmutig schlägt, daß aber das türiische Offizier­korps, von wenigen Ausnahmen abgesehen, g ä n z l'i ch d e m o r a l i s i e r t und u n f ä h i g sei.

b«etnfl>6f. ,

* Belgrad, 5. Nov. 1912. Dem österreichischen Noten Kreuz wurde das neue SpitalSgebäude, das für Tuberkulefe bestimmt war, zugewiefen, doch ist es bis jetzt weder von Verwundeten belegt, noch ein­gerichtet. Dazu bemerkt die „Neichspost": TaS Ver­halten Serbiens dem Oesterreichischen Roten Kreuz gegenüber, wie es durch obige Depesche be­leuchtet wird, j st v i e l s a g e n d. Als Serbien drin­gende Ausbülse auf sanitärem Gebiete bedurfte, wandte es sich nach allen Richtungen — nur nicht nachWien. Nachdem die internationalen Satzun­gen der Gesellschaft vom Roten Kreuz das „Anrufen" der Hülfe für jede Entsendung von Hülfsexpeditionen zur Voraussetzung hat, konnte das österreichische Rote Kreuz nichts anderes tun, als auf den Aufruf aus Belgrad warten. Es wartete. Es kam zwar kein Aiisuchen der Serben, dafür hagelten von slawifch- radikaler Seite in- und außerhalb der Monarchie wüste Vor würfe auf die angebliche Parteilich­keit und Hetzlofigkeit der österreichischen Gesellschaft vom Noten jkrcuz herab. Um diesem unbehaglichen Kesseltreiben ein Ende zu bereiten, unternahm die Buudesleitunq in Wien eine Reihe von Jnitiativ- schritten, die weit über den Nahmen des üblichen binousginn-n. Ter serbische Gesandte in Wim, Dr. Simic, erklärte schließlich, man werde sich in Serbien sehr freuen usw. . . . Von der serbischen Negierung stand die Antwort noch au?, als die Expedition ab­reisen sollte. Tie Hülssexvedttion ginn trotzdem ab. Was ihr in Serbien widerftihr, daS schildert deutlich gentm die eincianas,ouaefeuhrte Devesche. Wo einmal die Abneigung von Staat zu Staat, wenn auch nur einseitig, solchen Umfattn anaenommen haft wie in diesem Falle,' dort wird auck, die fteimdschaftttche Veiftäudiaunq in wichtigen politischen Fragen leider großen Schwierigkeiten begegnen.

Komitees gestatten. cine5 „frommen rcligtofen Mannes au«g.freut yuccr,

)( Der Neichsctat. Tie einzelnen Reichsärnter die Märthrerkrone zu erhalten. Sogar die foztm- sind emsig damit beschäftigt, ihre voraussichtlichen demokratische „Volkswacht" sindet, daß der katholtfcy« Ausgaben für das Etatsjahr 1913 aufzurechuen und Geistliche in diesem Falle „durchaus korrekt gchau- ihre Forderungen an den Neichssäckel in bestimmte Mt" hat. Inkonsequent sei ledtgttch wieder einmal Zahlen -u kleiden. Tenn die große neue Wirtschafts- i die liberale Presse, die bet der Stellung ohme m