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39. Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 7. November 1912.

Erstes Blatt

JV3 256.

Tie Serben

Privatmcldung der römischen »Tribun«'

gestern nachmittag auch M o n ast i r den serbischen

Truppen ergeben haben.

.uppcn ciytvvn yuwn. liuaj vcl vv*t ****«>-. —o . . .

Die nach Süden vordringenden serbischen Truppen geschichte einzig dastehenden Ereigms, '*y.•?

W Konstanza. 6. Nov. 1912. Nach den Kämpfen

bereits Seres cm

haben die Balkanstaaten weitere Erfolge zu verzeich­nen. Der gemeinsame Vormarsch drängt auf Salo­niki zu. Eine westliche bulgarische Armee eroberte

Der neue Präsident der Ber­einigten Staaten.

deagatsch, einem i , „ . ,

der Türkei, nordöstlich von Saloniki.

Tie Sorge um die Christen in Konstantinopel.

Die Besorgnis um die Sicherheit der christlichen Bevölkerung Konstantinopels versucht jetzt die tür­kische Presse als unbegründet hinzusteUen. Am aUetroen gsten könnten relig öse Momente die Massen ausstachrln. Es fragt sich nur, ob dies« Zuversicht nicht an der Macht der Verhält»,sie scheitern wird. Die beste G währ bietet jedenjalls di« Anwesenheit der fremden Schiffe.

• Konstantroopel, 6. Nov. 19!2. Die Botschafter haben darum ersucht, einem zweiten Panzer­kreuzer die srere Durchfahrt durch die Dardanellen zu gestatte«.

♦ Koastautinopel, 6. Nov. 1912. D r heute früh aus Konstantinopel e»ngelroffene rumänische Post- dampser hatte viele europäische Familien an Boro, welche die türkische Hauptstadt ans Furcht vor einem Massaker verlassen haben. Di« Lent« berichlen, bah ein Teil der Fremdenkolonie in Konstantinopel seit einiger Zeit von einer wahren Panik ergriffen worden seien. Der ö ierrerchische Botscha'ler hak, wie cs heißt, die österreichische Ko­lonie gewarnt und ihr empfohlen, die Fra-en und Kinder auf den Schiffen in Sicherheit zu brinaen. Samstag wurden m Konstantinopel 16 vom Unter» oifijier aufgerückte OMere gefesselt erngebracht, di« zu den Soldaten gesagt hatten, es sei unnötig, sein Leben zu opfern, da die Negierung das Land an die Christen oettauie. Sonntag nachmittag wurden mehrere Sof ias und kurdische Hamale, die Drohungen gegen di« Christen au-gestoßen hatten, von Gen­darmen mit aulgepflanzlem Bajonett nach dem Ge­fängnis gebracht.

Auf dem westliche« Kriegsschauplatz«

Üei Mila und Lülrburqas haben die Türken beim auf das Erscheinen der verbündeten bulgarischen Ser- ■ • - .cr.-cj. .—r.Ä,„_k « s „ft n den, um gemeinsam mit diesen in die Stadt elnzu-

t> ringen. Tie türkischen Truppen in der Sladt haben keine Artillerie und sind vollständig demoralisiert.

W Konstantinopel, 6. Nov. 1912. Ein amtliches Telegramm des Kommandeurs der Westarmee vom 5. Nov. meldet: Nach zweitägigem Kampfe ist eine griechische Tivision zersprengt worden. Wir haben eine große Ni enge Kriegsmaterial erbeutet und Soroniecvo wieder genommen. Ein serbisches Kavallerieregiment nebst einer Maschinengewehrabtei­lung wurde bei D r e n o w o nördlich von Prilep zer­streut. 48 Pferde wurden genommen.. Ter Kampf dauerte den ganzen Tag und verlief günstig für uns. Ein anderer Kampf, der ebenfalls den ganzen Tag dauerte, spielte sich in der Gegend von dem Gute Abdi Pascha ab und zwar zwischen einer türkischen Abtei­lung und einer aus Kruschewo stammenden Bande, die zersprengt wurde. Bei Janina erlitt der Feind große Verluste und wurde bis Pentepigadia zurück-

aeiauaiie einzig uugcyeuvc» ......

fache festgestellt werden: Das befestigte Kirkiliffe tf, niemals in einer Schlacht von den Bulgaren genom men und auch niemals, wie das die offizielle türkisch, Nachricht mitteilt, wieder von den Türken zuruch erobett worden. Ohne einen Schwertstre,st sozusagen ist der befestigte dem Feinde m du Hände gefallen, vermutlich am 23. Oktober, nachden anderthalb türkische Armeekorps in wilder ttluch. südwärts in der Richtung nach Baba Eski gefwhe,

verhatt durchaus nicht entsprechen. . . ..

Vor allem muß bei dem Fall von Kirkilisse, bt& fern nach der Aussage von Augenzeugen m der Kriegs. 1 . - . - . i r. n-to pinp an

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Nach einer verlorenen Schlacht zogen die Dulgars in das geräumte Kirkilisse ein, ohne von dem plotz lichen und bis heute räch unaufgeklärten Ruckzu» der türkischen Truppen Kenntnis gehabt zu Erbest Dies erklärt auch durchaus den Umstand, daß bu fliehenden türkischen Truppen von dem Feinde, da sich selbst als besiegt erkannte, nicht verfolg

Rückzüge, wie glaubhaft versichert wird, Rod ost o verwüstet und teilweise in Brand gesteckt. Abdullah Pascha ist angeblich abgesetzt worden, weil er vollkommen versagt habe, dafür sein Hamid Pascha mit der Führung des linken Flügels beauftragt worden. Ein türkischer Offizier, der von T f ch a- taldscha zurückgekehrt ist, behauptet, dort sei nichts zur Verteidigung vorbereitet. Die türkischen '-Beamten und bie Pforte scheinen nicht mehr an Wider st and gegen die Bul­garen zu beulen. Es herrscht allgemeine Mutlosigkeit- Die Soldaten sengen und brennen beim Rückzug alle Dörfer nieder. Da­bei sollen viele bulgarische Bauern erschlagen wor­den sei». Allerdings wurde vorher aus allen bul­garischen Dörfern auf die Truppen, vor allem auf allein reitende Offiziere, von Komitadschis und Bauern oft mit Schrot und Jagdmunition geschos- en. — Auf dem Rückzüge von Wifa und Seraj sind viele Soldaten in der Panik nie»

sind bis Gumendje, 80 Kilometer von Saloniki entfernt, gelangt. Von Prizrend au3 dringt eine andere serbische Kolonne über die Ljuma nach dem Meere vor, dieser Sehnsucht aller Serben. Tie griechische Lstarmee hält sich bei I e n i d z e un­mittelbar vor den Toren von Saloniki und wartet nur

Ier SülMricg.

Die neue Schlacht bei Tschorlu und Tschadaldscha.

W Konstautinovcl, 6. Nov. 1912. Offiziös wird bestätigt: Eine S ch l a ch t ist zwischen Tschorlu und Tschadaldscha im Gange. Die Bulgaren drin- gen vor. Die Türken leisten mit äußerster Energie Widerstand. Ein Gerücht spricht von mehr als 40 000 Toten.

Die verlodderte Türkei.

Mehrheit.

Nach dem Ausfall bet diesjährigen Wahlen geht mm bet BolkSwille entschieden auf eine durch­greifende Reform, nicht bloß in bet Verwaltung, fonbern auch in der Gesetzgebung. Der gelehrte Profeffot Wilson hat nicht durch seine hmrelßend« Persönlichkeit, sondern durch sein Part ei pro- aramm den Sieg errungen. Wenn es nach dem Setsönlichen Zauber gegangen wäre, so würde gewiß loosevelt, früher Rauhreiter und jetzt ,ange- tooffener Elchbulle", die meisten Stimmen erhalten haben. Ader Roosevelt blieb doch weit, weit hinter Wilson zurück, obschon der Exprästdent sich demon- »ratio von der alten republikanischen Parteileitung getrennt und dem unverkennbaren Resormbevürjnis der Volke» durch seine Antitrustteben entgegen- «gekommen wat. Da» Mißtrauen gegen die tepu- blckanische Partei wegen ihrer Verbindung mit ben Trust» übertrug sich auch auf die Roosevelt sche «bspringnng von dieser Partei. Man hiAt die persönlichen Versprechungen Roosevelts m Sachen bet Trustbeschränkung nicht für eine genügend« ^Garantie, sondern wollt« das Heil bei der entgegen» Gehenden Partei suchen. Wenn di« geschlagenen Republikaner jetzt sagen, ihre Niederlage s« nut 'durch di« Spaltung in ihrem Lager herbeigeführt, ifo täuschen sie sich oder die Zuhörer. Ein einzelner irepublikanischer Kandidat hätte auch nicht mehr Stimmen erlangt, als jetzt Taft und RooseveU zu­sammen. Die alte republikanische Parket, die fett mehr al» einem halben Jahrhundert die Herrschaft behauptete (von dem flehten Cleoeland'schen Zwischen- ,iel abgesehen), hatte in der Tat abgeroirt» Aaftet, und zwar hauptsächlich durch die Hebet» pannung bei Schutzzollsystem», deren

_ der Raubzug der Trust» war.

inen ganz neuen Kur» verlangt nun die DolkSmehrheit. Wird Herr Wilson, wenn er im MSr, sein vierjährige» Amt antritt, die verlangte HerkuleSarbeit leisten können? Seine nächste Auf­gabe wird, wie er selbst sagt, die Tarifreform fein. Nicht zur sofortigen Einführung deS Frei- handel» kann e» kommen, sondern nur zur Er- Mäßigung de» Schutzzoll» und zur Abmilderung de» Verwaltungssystems, das bisher zur Ab» schteckung der Einfuhr und zur Beförderung der mländifchen Preistreiberei beliebt wurde. Für den deutschen Handel ist jede Erleichterung schon mit Freuden zu begrüßen. Ob wir aber schon in den nächsten Jahren zu einem regelrechten Handelsver­trags mit den Vereinigten Staaten gelangen werden, ist doch noch sehr zweifelhaft. Auch in Amerika !werden die Reformen nicht so heiß gegessen, wie sie ^während der Wahlagitation gekocht sind. Die Trust» inagnattn und ihr kapitalistischer Anhang haben Mach Hintertüren genug, um für ihre Interessen zu wirken. ®it werden die nationale Wohlfahrt und namentlich den amerikanischen Arbeitslohn oor- schieben, um von dem Schutzzoll möglichst viel zu ■letten. Also keine überschwänglichen Erwartungen! i Eine besondere Erleichterung kann unS der

Systemwechsel in Nordamerika für unier Petro» leummonopol verschaffen. Jetzt ist wohl die Gefahr ausgeschlosfen, daß Regierung und Gesetz, 'ßebung der Vereinigten Staaten den Handschuh iaufncbtncn, den das deutsche Reich dem amerikani­schen Oettrust hinwerfen möchte. Allerdings können dadurch nicht die Bedenken ausgeräumt werden, die sich bei uns mehr und mehr gegen die Durch'ühr- barkett und Zweckmäßigkeit des vorliegenden Mono- polpianes erheben. Der Ausgang der Reichstags» bera ungen wird immer zweifelhafter.

Sehr erfreulich wäre es, wenn der neue Präsident den Streit wegen der Panamakanal-Gebühren aus der Welt schafft. Die Uebrrweisung der Frage an das Haager Schiedsgericht wäre der beste Aus­weg. Viele hoffen sogar, daß der ganze welipolilische Zug der nordamerilanifchen Politik und namentttch bie schroffe Vertretung der Monroe - Doktrin jetzt verschwinden würdeu. Aber da muß man wieder zur Vorsicht und Mäßigung ht den Erwartungen mahnen. Die demokratuche Partei kann nicht gleich alles aus dem alten Gleise werfen.

Die Anzahl der Siimmen, die Wilson erhalt, in wahrscheinlich die größte, d e je ein Präsident- schaftskandidat erhalten hat. Sicher hat er 404 Wahlmännerstimmen aus 38 Staaten. In allen Staaten, über deren Ergebnis man zweifelhaft war, hat Wilson gesiegt. Besonders bemerkenswert ist sein Sieg in den republikanischen Hochburgen Maine und Massachusetts. An Tast hüben nur vier Staaten festgehalten: Idaho, Utah, Vermont und Wyoming, an Roosevelt sechs: Illinois, Iowa, Michigan, Pennsylvania, Süddakota und Washington, während W i l s o n 38 Staaten gewähtt haben. Nach den jetzt vorliegenden Ziffern würde Wilson von 531 Wcuft- wännern 409, Roosevelt 107, Taft 15 erhalten.

1 Der nunmehrige Präsident, Thomas Woodrow Wilson ist 56 Jahre alt und der Sohn eines Pastors. Dem polüischen Leben gehört er erft Jett wenigen Jahren an. Vorher war er ausschließlich Gelehrter und bekleidet« auch da» Amt emes Rektors an der Princeton-Univerfität in New I.-rsey. Durch feine volkswirtschaftlichen Reformstuvicn lenkte er bie Aufmerksamkeit der Demokraten aus sich.

Zugleich mit der Wahl des Kandidaten der bemo- knitschen Partei ist auch die demokratifche Mehrhett im Repräsentantrnhaus - bestatt^ und nach den letzten Berichten auch bte demokratische Mehr- beit im Senat erobert worden. Um den P asr- bentenwechfel richtig zu würdigen, muß man blasen Ausfall der ParlamentSwahlen nut in Betracht ziehen. Ein demokratischer Präsident mit einer republikanischen Parlamentsmehrheit wäre ein Heft ohne Klinge. Der Präfident hat nur die Exekutiv» aeroalt und ein gewisses Veto gegenüber der Gesetz­gebung; aber neue Gesetze schaffen, wie sie das demokratisch« Resormprogramm verlange, kann er nur mit Hilf« einer gleichgesinnten Parlaments»

gewo rfen. i

W Sofia, 6. Nov. 1912. Serbische und bulgarische > Truppen haben die Stadt Bonck besetzt und damit die Verbindung zwischen Thrazien und Mazedonien hergestellt. Die zurückgebliebenen Türken sind bamit völlig von Konstantinopel abgeschnitten.

W Belgrad, 6. Nov. 1912. Der Kampf, der gestern bei D e m i r k a p u stattfand, war hartnäckig und endete mit einer Niederlage der Türken und der Einnahme des Platzes durch die serbischen Truppen.

u Milenlnm Weuikll.

Die Aufmerksamkeit war während der vergan­genen zwei Kriegswochen in der Hauptsache aus die Kämpfe zwischen Türken und Bulgaren gerichtet. Wichtiger und folgenschwerer sind aber wohl die durchgreifenden Siege der Serben über die Türken auf dem westlichen Kriegsschauplätze. Ten vor dem Kriege ausgestellten Grundsatz der Beibe­haltung der bestehenden Ländergrenzen auf dem Balkan haben die Kriegsereignisse hinweggefegt. Alle Mächte haben ihn fallen lassen.

Oesterreich, das aus dem Balkan gewichtige In­teressen wahren muß, hat sich mit dem Gedanken, daß Serbien mit neuem Landbesitz aus dem Feld­zuge hervorgchen wird, auch bereits abgesunden. Aber eine Erklärung völliger Selbstlosigkeit gegen­über den Besitzveräuderim.qen auf dem Balkan kann und will Oesterreich nicht abgeben, die 'Mächte, die rs dazu drängen wollen, Niüsseu sich mit Oesterreichs Versicherung zufrieden geben, daß es s e l b st irgend- ivelche Neuerwerbungen nicht an strebe.

Dagegen tritt Oesterreich mit zwei Forderungen hervor. Die eine ist handelspolitischer Natur und betrifft die Freiheit des V e r k e h r s w e g e s durch Novibazar und Mazedonien nach Saloniki. Die andere trägt rem politischen Charakter und bezieht sich auf die Regelung der staats- und völkerrechtli­chen Stellung der albanefischeu Nation. Oesterreichische Blatter haben den Serben bereits ein nicht mißzuverstehendes „Halt!" in ihrem Sie­gesläufe zugeruscu. Sie bemühten sich, den Serben klorzuyrachen, daß die Grenzen jenes Altserbieus, das dem Königreich Serbien als Siegesbeute ein­verleibt werden soll, dort enden, wo Albanien beginnt.

Albanien, das Italien gegenüberliegende Ge­biet des türkischen Balkans, ist kein sest uruschrie- beaer Begriff. Die politischen Grenzen müssen erst vereinbart werden. Doch das ist eine spätere Sorge. In diesem A'.igenblick ist jedenfalls mit der wich­tigen Tatsache zu rechnen, daß Oesterreich daraus ausgeht, ein neues Staatswesen auf dem Balkan zu errichten: das Fürstentum Albanien, und daß der größte und wichtigste Teil dieser Ncuschöpf- ung (Nordalbanien) dem Gebiete entnommen wer- den muß. auf das Serbien und Montenegro ihre Hand zu legen im Begriffe sind. ,

Wie die „Boff. Ztg" von gut unterrichteter Seite erfährt, bildete Albanien auch den Hauptpunkt der Besprechungen mit dem italienischen Minister des Arußern in Berlin. Es wurden Mit- tcl und Wege erörtert, wie Albanien zu einem selb- stäildigen Fürstenttlnl zu geflohen fei. Vorbedin­gung einer solchen Gestaltung wäre natürlich eine Eimcmng zwischen Italien und Oesterreich» Ungarn; diese soll aber so gut wie.erreicht sein. Die Balkanftaaten selbst kommen in dieser Frage nicht in Betracht. Unter ihrer eigenen Devise: „Der Balkan den Balkanvölkern" hätten sie keine Ursache, sich in die albanestsche Frage zu mischen.

•

Eine deutsch» Mittclmecrdivision. Ans Berlin wird gemeldet' Koittreadmiral T r u m m l e r. bis­her zweiter Admiral des Ersten Geschwaders, ist zum Chef der zu bildenden Mittelmeerdivision er­nannt worden.

flonftamtnopel, 6. Rov. 1912. W,e verlautet, sind bei Midia Trümmer des türkischen Schisses .Tschamly" getunben worden, das aus ein« von den Bulgaren im Schwarzen Meer ge« waten Minen gestoßen und gesunkenlein soll.

W. fltlftn, 6. Nov. 1912. (lelcar.) Admiral Kunduriolis melde!: die Insel Tenedos ist durch ein grie-sifi-bes Geschwader beirtzi worden.

Ti« Räumung von Kirkilisse.

oergetreten worden oder vor Hunger er­schöpft. im meterhohen Schlamm stecken geblie­ben. Die Gefechtsverluste felbst sind anscheinend nicht sehr hoch. — In Konstantinopel ist es noch ruhig, doch ist die Verängstigung der Bewohner vielsach sehr groß.

* London, 6. Rov. 1912. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Lüleburgas berichtet übe: die Schlacht: Der Hunger hat die Türken ver­nichtet. Der türkische Generalftab erwies sich abso­lut untauglich und unsähig, einen modernen Krieg zu leiten/ Die Armee besaß weder Cadres noch eine genügende Ausrüstung. Im Besitze einer Eisenbahnlinie zeigte sich die Heeresleitung außer Stande, eine Brigade eine Meile weit zu befördern. Mit orientalischer Gleichgültigkeit wurden die Sol­daten dem Hunger preisgegeben. Die Armee war zur Schlacht nicht im geringsten vorbereitet. Tie Truppen hatten keine Ausbildung genossen. Rur wenige Aerzte und Ambulanzen waren auf dem Schlachtfelde. Die wenigen Aerzte waren nicht im Besitze ihres Materials. Jeder Soldat wußte, daß, wenn cr einmal verwundet war, keine Ausficht vorhanden war, weiter zu leben. Die Ar­tillerie war ohne Gefchoffe und konnte nicht einmal einige Stunden ein Feuer unterhalten. Es fehlte die Aufftellung der Reserven. Vom zweiten Tage der Schlacht an war das Heer seiner Ka­nonen beraubt Unwissende Bauern waren nach Konstantinopel gebracht und eingekleidet wor- den. Sie wurden aus dem Bahnhof einer flüchtigen Parade unterzogen und unter die Armee gesteckt. Tausende von Slännem hatten vorher nie ein Mansergewehr in den Händen gehabt. Manche Bataillone hatten vorher nie Schießversuche gemacht und in der Schlacht in weniger als einer Stunde die gesamte Munition verschos- f en. Ich habe keine einzige Riitrailleuse der Tür- len in Tätigkeit gesehen.

* Sofia, 6. Ätov. 1912. Heber die neue Schlacht in der Linie Tschorlu-Wisa fehlen noch Einzelheiten. Man weiß mir, daß die Türken nach zweitägigen mörderischen Kämpfen in der Nacht auf Dienstag sich vom Kampfselde zurückge­zogen und die bulgarische Armee gestern früh deffen Verfolgung ausgenommen hat.

♦ Star« Zagora, 6. Nov. 1912. Wie man von orientierter Seite hört, erfolgte die Einnahme von Tschorlu nach furchtbarer fünf­tägiger Schlacht. Es sollen 15 000 B u l» garen und 40000 Türke» gefalle» sein.

«hier tief».<•!•••»• zell«, 47 mm bt* Wßtt lSPsg Rtfla*«: Bet Kaum ehttt »elitiie, 74 mm bc«M, IoS«t 40 Pfg. vri wt» -««Holungen Rabotfc Mr®|«rt»u »u«ftin> Luzclgrrr 2? P?3- «iWL

wichtigen DerkehrSpunkt im Herzen Berichten wetteifernd und Wohwewacht ton bet frre» der Luriei, nordöstlich von Saloniki. Tie Serben gen Zensur, den Fall von ^rlilis e mit einem u haben Prilep, nördlich von Monastir, erobert, über durchsichtigen Lügengewebe und auch> die hier baS sie gleichfalls nach Salomti vorrückcn. Nach einer treffenden europal^en Zeitungen enth ch

- ^ll sich derungen von den Vorgängen, die dem wayren «aa*

u. Verlag 6« »uldaeK nwtsMiase: „Zuldarr GeschichtrrMer" "JSSSSH»*

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Ter Bericht eines Augenzeugen gestattet es mit, einigermaßen den Schleier über diesen in tieffte», Dunkel gehüllten Vorgang zu Liften.

Die Stellung der türkischen Armeekorps, d. h. bet ersten Verteidigungslinie, war am 21. Oktober sol, gende: Es standen in Front gegen Kordwesten zwischen Baba Eski und Kirkilisse das 3„ 1. 2. und 4. Armee- korps und zwar so, daß der linke ^lugel der von Mah­mud Mnktar Pascha befehligten Division des 1. meekorps mit dem linken Fli gel der von Prinz Slftll Pas»a befehligenden Division des 1. Armeekorps zu- fammenfiel. In dieser Stellung rückten am 22. Ob tobet die Armeekorps langsam vor, und zwar beaö». sichtigte besonders Niahmud Muktar Pascha mit fe.nenn äußersten Flüael an. Kirkilisse vorbei, um Petra her», um, die bmtzar"^»^ Streitkräfte einzuschließen, uum so, wie er sich selbst geäußert haben soll, ein zweitE Sedan vorzubereiten. In der Nacht vom 22. zuM 23. Oktober traf jedoch der unerwartete Befehl d« Lberkommandierenden der Armee, Abdullah Pascha ein, die Armeekorps sollten zu einem nächtlichen An­griff vormarschiereii und die feindlichen Positionen,^ in welchen Richtungen eS sei, angtetfen._ Der Vor- rnarfch der bereinigten Armeekorps ging äußerst lang­sam vor sich, er glich mehr einer Völkerwanderung, als einem regelrechten Vormarsch zum Angriff. Ord­nung fehlte in jeder Beziehung, es war der Auf­marsch halbverhungerter Menschen, bte, bedürftig und bedürfnislos, infolge der durchaus un- znreicbknden Organisation seit Tagen kernen Vifien Brot genossen hatten. MutloS gingen sie m» Ge­fecht, mutlos wälzten sie sich im strömenden Regen durch die schlammigen Tabakfelder, langsam, m u h» fam, halb zögernd, an dem Erfolg ihrer Sach« verzweifelnd, noch bevor es zum Kampfe gekommen war. So zogen sie in die Schlacht. Die ganze Nackit hindurch wurden leichte Vorpostgefechte gefochten. A« 23. Oktober morgens stand Mahmud Muktar Pascha mit feiner Suite auf brn Höhen von Petra, von wo aus der Kommandeur selbst, die einzelne» Batterien zum Kampf anfeuernd, die Schlacht und da» heftige Feuer der türkischen Artillerie verfolgte, deren Let•> ft ungen hervorragend gewesen sein sollen.

Ten ganzen Tag hindurch rollte bet Kanonen, donner unaufhörlich durch die Täler, rollte bi» in da« späten Abend hinein, der untergehenden Sonnt eaM gegen. Dann sprengte ein Artillerieoberst in ba^ Lager von Mahmud Muktar und meldete dem Statt» mandeur den Sieg der türkischen Truppen,^ den Sieg, den sich die osmanischen Truppen, wenn- auch mit großen Verlusten, erfochten hatten» Dim Nacht vom 23. auf den 24. Oktober tourbt in baq Positionen biwakiert und am I4. früh machte sich dey Stab auf, um nach Kirkilisse zurückzureiten. UbK bann trat da» llnbeareifliche ein: B i«i von Furien getrieben türmten Off in ziere und Mannschaften von anderthnIN Armeekorps rückwärts, alle» mit siM reißend, wild rasten sie durcheinander, teil» bie. Gewehre von sich toerfenb, Offiziere erschießend, teil» die Gewehre in die Lust feuernd. Bie Verzweifelte stürmten sie zurück und jammerten: »Allah il Allahl , Mahmud Muktar selbst, über den und) den Cor»; gangen in Kirkilisse in Konstantinopel dir seltsamst«, Gerüchte erzählt wurden, soll sich nach den Aussagen eines Augenzeugen wie ein grofeer Feldherr gehalten haben. Mitten unter den zurückfliehenden rrügten, hieb er und sein Stab mit dem Säbel auf die Köpfe der an ihnen vorüberfliehenden Soldaten ein, feuerte, sie zum Stillstehen an, mahnte sie an Gott und den Propheten und an den Padischah. und nut feinen! Anstrengungen ist es zu danken, daß diese verrottete Hord« endlich zum Stillstehen kam und daß Mahmud Muktar Pascha mit einem kleinen Häufleins nach Kirkilisse zurückkehren und im Rordweften der Stadt einige Stellungen befestigen konnte.

Aber trotzdem: Tie Flucht der in immer dichteren Scharen zurückeilenden Soldaten war nicht mehr zu­rückzuhalten. Das Gepäck des StabeS, das im Haupt», quartier von Kirkilisse zurückgelassen worden toat, war bereits abhanden gekommen, von den fliehenden Soldaten gestohlen. Tie Geschütze standen bet» lassen auf den Gräben, die Pferde waren von den Fliehenden ausgespannt und zur Flucht benutzt wor­den. Eine lange Reihe Flüchtiger zog sich von Kir­kilisse nach Baba Eski herunter bis zur Bahnlinie. E« waren besonder? Soldaten des 2. Armeekorps und der Division des Prinzen AsiS Pascha, der selbst an der Spitze der Fliehenden als einer der ersten auf der Station sich eine Lokomotive heizen ließ, um dem Unglück zu entrinnen. In Baba Eski selbst droh, ton zurückfliehende Offiziere und Mannschaften dem Lokomotivführer eines bcreitstehenden Zuges mit dem Revolver, daß er die Soldateska rückwärts fahre» solle und nur dem Drängen nachgebend, entschloß sich der Maschinist dazu, den Zug außerordentlich fahren zu lassen, da kurz vorher ein anderer Zug mit Fluch» tigen aus Kirkilisse abgegangen war. Das Eisen­bahnunglück, das kurz darauf südlich von Baba Eski stattfand, ist mit diesen Vorgängen in Zusammen­hang zu bringen. Ter Lokomotivführer wollte zwar so langsam als möglich fahren, um nicht in ben vor­herfahrenden Zug hineinzugeraten, es ist ihm das aber — nicht gelungen. Auf der Strecke bei Baba E-tt joll e»

j Konstantinopel, 30. Okt. 1912. Spärlich sickern zu den schlimmsten Szenen gekommen sein. Die die Nachrichten vom türkischen Kriegsschauplätze hier baten stürmten das Lokal des StationsvorstandeS, so« durch und noch heute steht eine genaue und wahrhcits- betten Essen von ihm unb bemächtigten fito bet getreue Darstellung der Vorgänge aus, die die Nie-, Kasse, in der sich eine Summe von &0O turt

Verlage bet türkischen Ostarmee bei Kirkilisse zur i Pfund befand. In langen© to« *e ” .9,^

Folge hatten. Die Zeitungen der türkischen Haupt»' di e Verwund et en befleckt

miete vmgariicye Armee eroucrie stadt, sowohl die türkischen, als auch die europäischen,^ einer ben anbeten. Je l, r„„h„ns „bne Schutte

der Eijen^nlinie Sataiilt-De-1 umhüllen seit Beginn des Krieges in phantastischen 1 an Stocken sich weiterschleppend, zogen sie ohne ^cbuiq