Erscheint tff-Nch E Uurnahm« 6et 8o.m- Ksä ,sei«iG<t- Viertel» M.üche'Seivo'Meir ohue «riiLerkrhi? «sh BetfeBflelewjisliafe* Bk miswMtoX-SeSlt
Nerantw. Hebotttittt <*n S**iie|
z parzrSer M Lulda.
Zeitung
Msimkdeiiagt: ,,8«lda« Geschichtrblätter"
teilt, <7 ma U*t !e|r«ll5Ptg.Bzß«*W V« Inn einet <*» «elzeile, 74 a» k* Met 49 Pfo. Bei»* drrhalungen Hoboo, n Xnstiin*
««zeige» r» PIS- «$lte lef«itee«lre<
e. Verlag der »«»•* Heüe«dr»ckererl.Ki»G
-entsprech« Ur- • ;
SS. Jahrzanz
Fulda, Mittwoch den 6. November 1912.
Erstes Blatt.
hat.
Nnmänisch« Kompensationen
der Be-
Be-
die Debatte. Hinsichtlich der ganzen Kategorie Journalisten herrschen allgemein Zweifel, da der griff Journalist em sehr dehnbarer ist.
3?ad) weiterer unerheblicher Debatte wird die sprrckung geschlossen.
Verhältnis des Erzherzog-Thronsolgers zu dem Lenker der auswärtigen Politik zum Ausdruck kommt, wurde sicherlich in dieser wichtigen Untet- rcdung neu bekräftigt, so daß das vol 1 eEinver- ständniS zwischen dem Thronfolger und dem Minister des Aentzerrt auch m den chwebenden wichtigen Fragen sich nicht verändert
bat türkische Ersuchen emgeftandener Mähen auf eigene Faust gegeben, ohne vorherige Berständigung mit den anderen Regierungen, ©ernt Osfizwsen behaupten freilich, „die franzöfische Regierung fet sicher, daß Rußland und England der gleichen «uffaffung feien". Mit dieser „Slcherheit"lst rs aber schlecht bestellt: denn ans London meldet daS Reuterlche Bureau, daß die britische Regierung mit den anderen Mächten sich berate, ehe sie ernt Antwort aus daS Ersuchen der Türkei gebe. Bon PeterS- bürg liegt zur Zeit noch keine Meldung vor, was die Vermutung bestärkt, daß auch die russische Regierung die Sache nicht so schnell, schroff und einseitig abtuen will, wie der hitzige PoincarS.
Der Wortlaut des türkischen Ansuchens ist noch nicht bekannt geworden. Heber seinen Inhalt und zugleich über Die Haltung der deutschen Regierung, spricht sich folgende halbamtliche Notiz an der Spitze der,Rordd. Allg. Ztg/ aus:
„Der türkische Botschafter Hal gestern (am Montag) dem Auswärtigen Amt das Ersuchen seiner Regierung milgeteilt,aus Einstellung der Feindseltgkeiteu hrnzuwirken und damil den Frieden vorzube- reiten. Daraus ist geantwortet worden, die deutsche Regierung würde bereit sein, den Wunsch an die Regierungen-der gegen die Türkei Krieg sührenden Staaten weiter zu geben, wenn auch die anderen ©ros» möchte hierzu geneigt seien. Allerdings stände es bei den Regierungen der Kriegführenden, ob sie auf den Wnntch entgehen wollten oder nicht.*
Es treten da gewaltige Unterschiede zwischen der Berliner und der Pariser Diplomatie zutage.
Konstantinopel feinem Schicksal übe,lasse«.
• Fk«„kfi»rt ft. Bi-, 5. Roo. 1912. Ter.Franks. Htg/ wird ans Konstantinopel telegraphiert: Die Psorte trifft umfassende Vorbereitungen zum Schutze der Bevö.lernng. Die Aufregung, besonders tn Stambul, ist bedeutens. Starke Patrouillen durchziehen überall die Stadt. Rach verschiedenen Punkten, wohin man die zurückkehrenden Truppen führen will, feubet die Piorte enorme Vorräte an Brot. D,e' Lage ist äußerst gespannt und die Gefahr wrrd von gut unterrichtet« Seile als drohend bezeichnet. Die Psvrte setzt ihre Bestrebungen um eine allgemeine Intervention der Großmächte fort, die de» Einmarsch der feindlichen Armee in bte türkuche Hauptstadt verhüten soll. Falls diese Bemühungen erfolglos bleiben, so scheint man ent» schloffen zu sein, Konstantinopel sein em Schick» sale zu überlassen. Welchen Möglichkeiten dann
keinen Schaden erleiden.
* Wien, 5. Rov. 1912. Der „Retchspost" zufolge empfing Erzherzog Franz Fer bin an d den Grafen Berchtold in filnfviertelstündrger Audienz. Das Blatt bemerkt- Man kann annehmen, daß in dieser wichtigen Nnterredung auch die wichtigen, die Zukunft des Reiches nahe berührenden Fragen, die jetzt für die Monarchie durch die auswärtigen Eretgniffe auf die Tagesordnung gestellt wurden, zu eingehender Besprechung gelangten. Das hohe Vertrauen, das Graf Berchtold bn
Bukarest, 5. Roo. 1912. Heute vormittag fand hier im Ministerium des Aeußern eine Beratung Natt, an der der österreichisch-ungarische Ge. sandte in Bukarest und der russische Gesandte teilnehmcn. Die Beratung dauerte zwei Stunden. Wre verlautet, bandelte es sich bei dieser Besprechung um die Kompensationen, b*e Rumänien bet Friedensschluß gewährt werden sollen. Im Laufe dieser Wollte soll noch eine zweite Berat, nz ftatt- findcn. Das Organ der bulgarischen Parte, erfährt von aukorisierler Seile, daß Rußland auf den Bo>» schlag des französischen Ministers des Aeußeren Paincar« be üglich der Einberufung einer europäischen Konferenz geantwortet habe, daß es diesem Vorschläge deipsttckte und gleichzeitig verlange, daß auch Rnmänien an dieser Konferenz teilnebme.
Auf dem westlichen Kriegsschauplätze spielen sich nur noch kleine Kämpfe ab. Serbe« und Griechen rücken näher an Saloniki heran, die Serben stehen nur noch 50 Kilometer von dieser wichtigen Hafenstadt, in der bedenkliche Unruhen und eine Hungersnot ausgebrochen sein sollen. Bei Z a n t b i an b« Hauptlinie von Westen nach Osten «von Saloniki resp. Uesknb nach Konstantinopel) hatten die Türken einen Erfolg, indem sie den Vor- marsch ihrer Gegner, wahrscheinlich kleinere Abteilungen von vereinigten Serbin und Bulgaren, aufhielten. Ebneso glang es ihnen nach den gestern mitgeteilten Depeschen, den Vormarsch der Gfi'chen von Süden her auf Monastir, wo sie sich mit den Serben vereinigen wollten, auszuhalten. Diese Siege in kleineren Gefechten könne die moralische Kraft der Türken wohl heben, werden aber auf bte allgemeine Kriegslage keinen Einfluß habe».
Die bulgarischen Verluste.
K Der türkische Notschrei.
Herr Poinearä, der ehrgeizige Diplomat mit dem Reulmaseifer, hat die ablehnende Antwort auf
Tür ,md Tor geöffnet werden, ist unnütz hiuzuzu» fügen.
♦ gm belagerte» Skatsri.
Ter KriesÄerichkerstatter des .J-mrn-ll" berichtet seinem Blatte Über die Lage in Skutarr: Die SW brach sch« herein, al» er die Stadt erreichte. Ern» samkeit auf allen Gassen, Die Tür«,, derranmrett. dar den Pforten Seiten. Eine beängstigende Stm« rings. Nur wenn man an die Häuser heranschleicht, und durch bte kleine Luke in das Innere schaut, M» wahrt man die gedämpften Zeichen des Lebens. An der Zimmerdecke huscht das Licht «neS flackernd« LämpchenS hin und her, irgend etx Vorhang wttoeA sich, ein Schatten gleitet vorüber: und wieder ist el tateustiL Und f» schlummert Siutarr emen joff« nunaslosen Scklaf inmitten seiner betdeu hohen Schien, inmitten Tarabosch und T e p°. Dort sie vor uns mit ihren gewaltigen Wällen, thren Schutz- wehreu, ihren Böschungen und Gegenböschungen« Hutter denen 60 Geschütze lauem: zwei wirklich moderne Fortk. Aber wem, man die Zugbrücke «berschrertet. dann sicht daS Sluge nur noch die nncrtmmg, eut Hm» herirren von Gruppen, ein Chaos niaherliegender Dinge, Orient, reiner Orient. Und man mutz saft an eine mittelalterliche Burg denken. Gegen 15 000 Soldaten bilden die Besatzung. Vom »Nizam aus Konstantinopel, vom albani scheu Daschibvzuk bis htnao zum Jeger aus Kleinasien: alle Stamme des -jslam scheinen hier in bunter Zusammenhäufurkg vertreten. Ta p fer sind diese Soldaten, ft-rchtws und von einer Grausamkeit, die fast s-^m Wied« Große wirw Der Krieg ist chuen Lebensgewohnheit. Lebensinhalt und auch Lebensschicksal. Der Mut istchaen natur, gleich, wie die Verachtung des Todes. Aber urrgends waltet Begeisterung, kein Lachen «klingt, ketne Freude entfaltet sich Resignation herrscht überall und eine dumpfe Melancholie, hinter der bange Srregung ztttert. durchwände» die Stätte. Am Tage entsteht dann ein Problem, das gelöst werden soll: man will, man mutz etwas essen. Alle Straßen find abgeschnttten, eine Woche ist vergangen, bte Brücken stürzten unter »P- schtägen zusammen und jetzt umgurt en Geschütze und Dynamit Skutari mit einem furchtbaren Gürtel d rt. terster Not. Am Seerand kaum hundert Met« vom Hfcr, walten Greise als Fischer, werfen die Netze aus, machen schöne Bente: aber was bedeuten diese paar Fische für eine Stadt und für Tausende von Sok. baten, die leben sollen? Ileberakl fehlen bte Nahrungsmittel. Uns« Brot ist nur noch eine undefinierbare Masse aus Mehlresten, Reis und vielleicht e« wemg Roggen; das Fleisch ist eine Seltenheit, trnerschnnng. lrch teuer, ein Huhn nicht zu bezahlen. Man hält sich an Zuckerwaren und Eingemachtes, wovon jedes Haich seine Vorräte Bat Und in der Küche wärmt man stch. Zum Feueranzünden ist alles gut genug, die Holz» ballustraden vom Hause, die Pfähle des Gartenzaunes. Myrten- und Mtronenbäume werden gefällt, um als Nrennhcckz zu dienen. Und wie ernähren sich bte Truppen? Undurchdringliches Geheimnis. Die Herden von Hämmeln und Ochsen, die man in den ersten Togen in aller Hast aus der Umgebung berbeitriek sind bis auf die Knochen abgenagt .3* »Welf Stunden erobert der Soldat nur eine Mahl, zeit die da heißt: SB a f f er «»b ein wenig »ei». Hin und Wied« schafft ein glücklicher Zwischenfall Er- lefibteruny. Draußen auf dem See dampfen kleine Barken oder Boote einher; mit Maschinengewehren ausgerüstet suchen sie die nahen Ufer ab. Manchmal gelingt eft ihnen, em paar Hammel, em paar Ochsen zu treffen und mit dem Maschinengewehr zu erlegen. Dann feiert die Garnison ihr Fest. Und man erfährt, daß auch einige Häuser geplündert wurden, die Häuf« von Bewohnern, die NahrungSmitkel verborgen unb nicht Herausgeber: wollten. Rur fetten eine Abwechselung. Irgend eine alte Frau hat sich durch die Postenkette geschlichen, bringt wilde Gerüchte traft der Well, die Bulgaren find vernichtet, oder die But» garen haben Konstantinopel besetzt Durch die Harem» ziehen die Kartenlegerinnen, bürte, alte Hexen mH vergilbten Fingern, weissagen die Zukunft loben Allah. Unb wenn sie weiterziehen, bleiben die Haremsfrauen noch schwermütiger als zuvor zurück Und der Krieg? Ach, « ist da draußen irgendwo zwischen befestigten Hügekgruppen. Heute, in der Abenddämmerung, et» reicht uns wieder sein Ruf. «cm Hügel zu Hügel donnert es, Gewehrten« knattert im Halbdunkel seien wir e» weiß und gelbrot aufblitzen. Dann Plötz, sich Wied« atembellemmende Stille, bis mit einem Schlage 20 Geschütze zu gleicher Zeit ihre Stimme aufs neue erheben. In solchen Stunden ist Skutari ein Grab. Kein Mensch auf der Straße; in den Zimmern knien in dunklen Winkeln betende Frauen, in den Kellern lauschen furchtsame Gemüt« dem Rollen des Gesckntzfeuers, Greise packen mit zitternden Händen ihre Steinschkoßflinte und schieben einen Dolch i in den Gürtel: für alle Fälle. Später, vier ob« fünf
Ständen nach ha Kanonade, bringt man auf bei
255.
Es folgt die Beratung eines Anträge» Ecker- Winsen snatl.f zwecks Förderung des Obst-, (Sorten« und Gemüsebaues, weitere Hunderttausend Mark in den Etat einzn setzen.
Abg. Ecker-Winsen (natl.) begründet feinen Antrag in Hinsiclst auf bte Fleischteucrung und fordert zwecks ratwneller Verwertung rmd Zubereitung von Obst und Gemüsen die Anstellung von Wanderlehrern und die Einrichtung von Kockikurfeu.
Abg. Wallenborn (31t.) «klärt die Zustimmung seiner Parteifreunde zn dem Antrag und begründet auch seinerseits die Notwendigkeit vermehrten Obstund Gemüsebaues.
Abg. Etroster llonf.) bedauert, bei Beratung dieser für die Volksernährung so wichtigen Materie keinen SegienmgSttettreta anwesend zu {eben und betont bte 3‘0*n^'‘bigfett ein« weiteren Steigerung bei Obst- nnb Gemüsebaues. Ter Masfenatibau derjenigen Ge- Obstarten, die bei unseren klimatischen Vergünstigen ^deihen. ist durch Zollmaßrmhmen zu be. weiterer Debatte, an welcher sich die Abgg. Lüders, Dr. Hanptmann fZtr.f, Hoffmann
e,r,6,r (kons.) und Dr. Foß- ^nder (Ztr.) beteiligen, wird da Antrag Ecker ein« stimmtg angenommen.
Montag: Sparkofseng-setz und Antrag Hammer betr. Warenhaussteuem. °
schmalen Steigen von bat Forts die Verwundeten hinab. Auf Laub gebettet oder m einen buntleuch» tenden orientalischen Teppich gehüllt, der vielen gleich znm Sarge wird. Im Hofe des Hospital» liest bet Kodcha in seinem weißen Turban heilige Sprüche und Gebete für die Leidenden. Nirgends hört man ein Wort der Klage. Die Verwundeten liegen attf Stroh, auf Matten, fein Chirurg ist da. der diesen schweig- famen und resignierten Patienten Hilfe brächte. Und so liegt hier hilflos, der bernnmMe Soldat, starrt auf feine Wunden, bis das Wundfieber kommt, dann dv Braud, und endlich der Tod.
(ftn neues Ersuchen der Ps-lte.
* Pftr», 6. Roo. 1912. Der türkisch« Bok» schsiter in Pari» hat beute abend de« Mmisier- prästdenie« Paine ar ö im Lustrage seiner Regie- rung ettudft, die Großmächte zur Vermittlung des Friedens zwischen btt Türkei und den Ba kanbaaten eiuzuiade«. Aus b« türkischen Note petzt der vor, daß die Türk« die Vermittlung bet Großmächte anruft, um hie Friedrnsbe ding un gen ba Battanstaate« zu erfahren. Poivearö bat dem Bottchgtter geantwortet, daß eine Vermtttiuns ubl« diesen Bed'.ngnuE im Prinzip möglich fti, und hat den Wnnfch der Türkei auch sofort den übrigen Großmächtm ftbeimiUelt
♦
Gras Berchtvstz über die Lage.
♦ Vudapest, 5. Nov 1912. Der Minifler des Acnßern, Gras Berchtold erklärte im Ausschuß für Aeußeres der äffet reichrschen Delegation, daß die Lage auf dem Balkan sich sehr ernst ge- skaltct kmbe. Wir haben in bestem Einvernehmen mit unferat Verbündtten mid in reger Fühlung mit stititzland, Frankreich und England an dem von Herrn Poincar« angeregten Gedankenanstausch teil» genommen und befinden «ns auch derzeit in Fühlung mit den Mächten, überzeugt, auf diesem Wege dem auch bei uns allgemekn gehegten Wunsch zu dienen, daß der Brand tunlichst bald gelöscht werd«. Der bisherige Verlauf d^s Krieges hat den Balkan
staaten Erfolge gebracht. Erfol«, unter deren Einfluß die Bcrlkanstaateu ihr selbstgewähltes Programm wesentlich verrückt haben. Gegenwartrg sind die Wünsche der Verbündeten sehr weitgehend« Natur und mit dem Prinzip der Unverlrtzlrchkeff da Türkei nicht mehr vereinbar. Für unsere Politik, die von kein« Ausdehnungstendenz beeinstutzt wird, kann nur die Sorge maßgebend sein, die Erhaltung des Feindes mit der obersten uns auferlegten Pflicht zu Vereinen, die Interessen der Monarchie vor jeder Einbuße zu schützen. Wuc haben durch unsere bisherige Haltung gegenüber den Kriegsereignissen eine Zurückhaltung und Mäßigung bewiesen, die allerorten gewürdigt worden ist. Wir gedenken auch weiterhin auf diesem Wege zu vaharren, im Bewußtsein der uns innewohnenden Kraft, die die volle Sicherheit gewährt, daß wir unserer Stimmung Geltung verschaffen können.
zweifle nicht daran, daß dieses uns ^möglich sein wird, ohne mit den berechtigten Ansprüchen anderer in Widerstreit zu geraten. Wir sind bereit, der durch die Krise der Bakkanlända geschaffenen neuen Lage in weitgehend« Weise Rechnung $n tragen und so die Grundlage zu einem dauernden freund- schaftlichen Einvernehmen mit den Serben zu schaffen. Andererseits haben wir auch das Recht, zu verlangen, daß die legitimen Interessen der Monarchie durch eine Neuregelung der Dinge
Tie Wirkung der modernen Gevehrgeschsffe. D« Vorsteher der chirurgischen Abteilung im französischen Krankenhanfe von Pera Dr. de La c o m 12, der zurzeit 150 türkische Verwundete ans der elften Schlacht von Kirkilisse behandelt, bestätigt alle japanischen Erscchrungeu üb« die derhältnis- mötzig harmlos« Wirkung der modanen Gewchrgeschoffe. Tw Stahlkugelu, durch die neuen Pulvergatttlngen beim Abfeueru stark «hitzt, sind vollkommen aseptisch und infizieren die Wundm nickt. Da sie aus Stahl sind, «leiden sie beim Aufschlagen keine Formveränderung und gehen durch die Gewebe glatt durch. Egrlo- sionswirknngen rufen sie nur hervor, wenn sie auf einen Röhrenknochen treffen. Dann allerdings zersplittern sie ihn in seiner ganzen Länge und verwandeln ihn in eine Art B r e i. Organ- und Muskelverletzungen aber heile n tn der' Regel in höck)stens vierzehn Tagen ohne Verwicklungen und meist o h n e F r e b e r unb ge- statten dem Geheilten, wieder in bte Front ernzu» rucken. .
Die deutsche Kolonie ui Konstantinopel zahlt hb« gesähr 2000 Seelen. Es sind außer den Angehörigen des diplomatischen Korps, an dessen Spitze zur-
Cofia, 5. Nov. 1912. Die Zahl der bulgarischen Verluste in den letzten Kämpfen ist sehr groß.
den letzte« fünf Tagen sind allem 20000 Bulgaren verwundet worden. 10000 davon befinden sich schon in Sofia im MMärbospiia. Da» ungarische Role kkreuz hat allein 1500 Verwandel« überwiesen erhallen. Bei Riiüliffe wurden 7000 Bulgaren verwundet. Ein Arzt des ötler- terchrschen Roten Kreuzes erklärte auf dem Schlacht- selbe, daß jeber dritte dies« Verwundeten schwer- verwundet fei. Trr Krregsminist« hat in fein« Tolertikste btsh« 4000 Namen. Die bulgarische Infanterie batte besotwers in den bisherigen Kämpfen bet den Sturmangriffen zu leiden, die sie selbst auf bte linkischen Stellungen unternahmen. Die Gesamlzahl der Toten st ht noch nickt fest. Wie grob dir bulgarischen Verluste find, geht abet daraus hervor, daß das «st« und »weite Infantmeregiment in Sofia, die beide au8 7200 Mann bestehen, nut noch 700 Unverwundete auszuweisen haben
PreuWcher Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung ton 5. November 1912.
Erster Punkt b« Tagesordnung ist bte Interpellation Dr. Bäumer (natL) betr. bte Ausführung be» RcicksgesetzeS über di« Lerßäseruug bet Privattutge- fteUtcn.
Abg. Bäumer (netf.j begründet bte Interpellation. Das Prwatangestelllengesetz ist mit großer Heber» Haftung im Reichstage verabschiedet worden. Man überläfet es den AasführimgsbchörSen, die Lücken der Gesetzes auszufüllen. Der Kreis 6er zu versichernden Verfetten ist nickst scharf begrenzt. Zahlreiche Un- florheiten herrfchett über die Beitragszahlung, über bte Wartezeit, über die Wahl der HiertrauenSinämier. Es ist auch eine klare Beftiinmung darüber getrorjen, uj welchen Fällen die Privatangeftellten. die bei einer Lebensversicherung oder bei einer anderen privaten Gesellschaft versichert sind, von der Angeftellterwer- .iebtrung befreit fein sollen. Am 1. Januar 1913 soll das Gesetz in Kraft treten unb heute ist die Materte noch so wenig geklärt. Schuld daran ist die Retchs- v e: fick! er u n gSau statt.
Hanbelsminister Svd-w: Ich muß e§ avlehneu, eine Srihf an der Schnelligkeit, mit der die Reichs- esetzgebung arbeitet, zu üben. Seit zehn Jahren ist Ms Persicherungsgesetz für die Privatangestellten alljährlich im Reichstage verlangt worden. Die Rekchs- lettung hat die finanzielle und wirtschaftliche Seite der Frage geprüft. Insbesondere haben im Reichstage bi« Freunde des Abg. Stoffe mann auf das baldige Zustandekommen des Gesetzes gedrungen. Der Jnter- peBant hätte daher sein Klage über lleberhastung der Beratung nicht an bte Regierung, sondern an seine Freunde im Lande richten sollen. Wenn nun in der Interpellation verlangt wird, der Bundesrat solle die vielfachen Unklarheiten des Gesetzes befeitigen, so steht dem Bundesrat an sich diese Befugnis nicht zu, betrn zur Ausführung des Gesetzes sind teils der Retchskanzler, teils bte Landesbchörden beugt. Daß nicht alle Zweifel über das Gesetz gelöst ind. ist zuzugeben. E» sind aber im Gesetze selber beende re Jnstmtzen zur Entscheidung über zweifelhaste Fragen vorgesehen, das Schiedsgericht unb das Ober- fchicdsgericht. Die Zweifel und Mißverständniffe sind nicht so erheblich, daß bas Gesetz vor ihrer Lösung nicht in Kraft treten sollte. Das Gesetz tritt am 1. Januar in Kraft. Es ist zu hoffen unb zu wünschen, daß Arbeitgeber und Angestellte an der Durchführung des Gesches Mitarbeiten werden. Die Schwierigkeiten werben in einigen Jahren überwunden fein. Auch dar Jnvalidengefetz hat einige Jahre gebraucht, um sich zu bewähren. Sind die Sckiwierigkeiten Lberwunden, Werden wir ein großes Stück vorwärts sein.
Abg. Jakobi (kons.) empfiehlt befonders die Frage her Erfohkaffen einer gründlichen Behandlung.
Abg. Dr. Wagner (fretfonf.) erörtert eingehend den 8 9 des Gesetzes, der sich mit der Befreiung von der Perficherungspflicht befaßt. Insbesondere kämen hier weibliche Becraite und katholische Geistliche m betracht. Im ganzen handelt es sich um etwa 100 000 Personen, bereu Verhältnis zur Versicherung nicht geklärt ist. Er hält eine Novelle zu dem Gesetze für unausbleibkich.
Abg. Giesberts (Ztr.): Trotz her Schwierigkeiten und Unzuftim m igkeiten bei der Dnrchflhrung ist da» Gesetz eine große politische Tat. Zunächst möchte ich bei der Frage ber Werkmeister unb Partierneister bitten, möglichst Weit diese Leute in die Versicherung ebenfalls einznbeNehen. damit nicht eine Gruppe Unversicherter fcftelym bleibt. Bei Stenographinnen unb Waschinenschreibernmen möchte ich die in ihrem Be» rrffe betätigte geistige Tätigkeit al» einen Grund zur Einbeziehung betrachten, ebenso bei den Korrektoren in Buchdrucker ei en. Was die Kommunalbeamten anbefrifft, die nicht auf Lebenszeit angeflellk find, so soll ohne weitere» bte Dersicherungspflicht eintreten. Die Versicherung in eigener Kaffe halte ich für bedenklich für den Fall eines Ausscheidens unb bin für die Gewährung eine» Rechtsanspruches an bte Reichsan. statt. Im Falle von Befreiung durch Erftchkassen oder Lebeiisverficherimgsgefellschasten müßte den Beteiligten, falls sie zur Reichsversickernng zurückkehren wollen, die Anwaltschaft erhalten bleiben. (Beif. und Zust. im Ztr.) Eine LebenSverficherung von 2—3000 Mark kann niemals »>kS Ersatz für die Garantie der Reichsanstatt angesehen werden. Verpfändete Lebensversicherungen Sinnen unmöglich Befreiung rechtfertigen, da der Genuß der späteren Leistungen zn sehr in Frage steht. Zweifelsfragen können im Einvernehmen mit Berus-. verbänden der Arbeitgeber unb Arbeitnehmer gelöst werden.
Abg. Dr. Mngdau (Vp.) stimmt im allgemeinen den Ausführungen des Vorredner» zu und toirft noch bte Frage ber Versick'erungspfkichk der Journalisten in
In Paris legt man ohne zwingenden Grund den Hilferuf der Pforte so aus, als ob sie verlange, den Balkanstaaten solle ein Waffenstillstand a u f gezwungen werden, während man in Berlin das Ersuchen als einen Wunsch aufsaßt, den man unter Umständen weit« geben kann. In Pafis beliebt man die schroffe Auslegung, «jn sich als Lchr- meiftCE der Türkei tu Sachen des Völkerrechts und -------------- ------ .
der Neutralität aufzuspielen und zugleich als Schu- der Krone genießt und das auch m dem warmen y« der Halkanstaaten gegen die vermeintliche Bedrohung ihres Siegeszuges; in Berkin begnügt man sich damit, die Pforte auf die Entschluß freiheit der Kfiegsüprenden aufmerksam zu machen, also höflich dem Gedanken an eine Zwangs einmischung vor- znbeugen, ohne die geschlagene Macht zu kränken. Wichtiger aber ist noch der andere Unterschied, daß Deutschland die Rücksicht auf die europäische Gemeinschaft sorgsam wahrt, während Frankreich in seinem heißrn Liebeswerben um die Gunst der Sieger (und vermutlich auch um die Gunst von deren Gönn«» in Rußland) das europäische Konzert' links liegen läßt und ein vorlautes Solo bot» trägt. Das ist um so cmffällig«, als Herr Poin- cars sich bisher gerade als bett berufenen Erfinder von Änignngsformeln anfgefptilt hatte, « wat der Bat« der von den bulgarisch-serbischen Massen tot- geschlagenen Formel des Status quo, und er brachte vorige Woche noch di» lebensunsähige Formel von d« „Nninteressierthfit" aufs Tapet. Man muß vermuten, daß das arge Mißgeschick der letzteren Aktion Herrn Porneats auf die Nerven gefallen ist. Nachdem er so schnell ans dem einen Ertrem in's and«e geschwenkt ist, wird es mit sein« Führerrolle in der europäischen Politik wohl zu Ende sein.
Ans den Besprechungen der Großmäckte über den türkischen Hrlfenif wird vorläufig wohl nichts besseres herauskommen können als die Erkundigung, ob die Balkanftaaten überhaupt dem Gedanken eines Waffenstillstandes näh« treten wollen. Natürlich ist ein Waffenstillstand «ft möglich, wenn die Türkei faßbare Angebote macht, die als Grundlage eines Friedens dienen können.
Zur weiteren B«hütnng eines europäischen K o ns li k t e s ist augenblicklich die Wahrung des Einvernehmens untet den Großmächten das dfingendste Bedürfnis, und gerade deshalb ist der Sondervorstoß Poinearä's zn bedauern. Der Eindruck wird noch dadurch verschlimmert, daß seine Offiziösen sich nur auf die vermeintliche Zristim- nmng von England und Rußland berufen, also wieder den Dreiverband gegen den Dreibund parodieren lassen wollen. Damit bient man nicht dem Ausgleich zlvischen den »sterr ichi- schen Int«efsen und den russischen Wünschen, von dessen Gelingen der eutopäisckr FtiÄe abbänqt Bisher dürfte man nach bett Erklärungen Ssaso- now's an der Hoffnung fist hallen, daß Rußland mäßigend -auf die Balkanstaaken einwirke« unb sowohl für den österreichische« HandelSweg nach Saloniki aks auch für die Antonomie Albaniens eintreten werde. Di« schroffe Halttmq Poinearr's, die den flebcrmnt ber Sieger noch m steigern droht, entspricht d« bisherigen Haltung Ssasonow'S nicht.