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2. Blatt.

druck ua> Verlag »er Fuldaer rletieudruSerel ie g*i»o.

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Wogrnmangcl „„h hie Verkehrsstockungen auf größeren Babnböfen — Eine Interpellation des Zentrums treffend die Sperrung des Güterverkehrs in den Ta- «cn vom 26. bis 29. Oktober auf den linksrheinischen Bahnen wird nach längerer Geschäftsordnungsdebatte nicht gleichfalls auf die Tagesordnung gesetzt.

Abg. Frhr. v. Zedlitz (ff.) begründet die Interpel­lation. Die Verkehrsstockungen im Herbst find teilweise ganz außerordentlich groß ge­wesen und haben ihre Rückwirkung auch auf die Ar­beitsgelegenheit geübt. Solche Verkehrsstockungen sind nachteilig in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung und störend für das Erwerbsleben. Daher ist es drin­gend notwendig, den Verkehrsbedürfnissen Rechnung zu tragen.

Eisenbahnminister v. Breitenbach erklärt, daß es unu oglich sei, die Beantwortung der beiden Inter­pellationen zu trennen. Tie Störungen hätten nur in ganz beschränkten Bezirken stattgefunden und sich bereits zu Anfang des vorigen Jahres infolge der Um­bauten der Bahnhöfe Wanne und Osnabrück ergeben. ES seien dann erhebliche Störungen auf der Strecke Köln-HerbeSthal und später auf der Strecke Dui-burg- 5 rMJ?eufj hinzugetreten. GHn gesteigerter Verkehr aus dem Ruhrrevier habe die Situation noch ver­schärft, daher eine viertägige Sperrung, d,e dann m- felge der notwendigen Umleitungen auch den benach­barten Verkehr stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Der Grund für die Störungen liege in der außer- ordenttichen Steigerung des Verkehrs, dre aber me- mand habe vorausahnen können. Im übrigen seren sie erheblich in der Abnahme begriffen und für die zweite Hälfte des Monats ein ordnungsgemäßer Be­trieb zu erwarten.

Abg. K d. Gröben (l.) bittet den Minister, dafür zu sorgen, daß die vorübergehende Wagenkalamität nicht in eine dauernde ausarten möge, da sonst eine große Schädigung deS Nationalvermögens zu befürch­ten sei. , .

Abg. Schmedding (Z.): Tatsächlich befinden wir uns in einer großen Wagennot, die hauptsächlich den Wester der Monarchie betroffen hat. Zur Linderung der Not kommt zunächst in betracht eine angemessene einmalige V""-"-hrung des Wagenparks, ferner der Ai-sban verschiedener Strecken u. a. eine direkte Ver­bindung zwischen Frankfurt a. M. und dem Mittel­rhein, ferner die Herstellung dritter und vierter Gleise der Moselbahn und auf beiden Rheinufern. Ich hoffe, daß sich der Herr Finanzminister den Verbesserungs­vorschlägen nicht widersetzen wird, denn die Eisenbahnen sind kein Finanz- sondern ein Verkehrsinstitut.

Abg. Graf «">ttke (ft) bittet die Regierung, nicht nur dem augenblicklichen Notstand abzuhelfen, sondern für den zukünftigen Bedarf Vorsorge zu treffen.

Abg. Hirsch-Essen (natl.) empfiehlt eine einmalige außerordentliche . achhilfe des Wagenparks, Vermeh­rung der Bahnhöfe, der Gleise und zieht weitergehende Trennung von Güter- und Personenverkehr in Er- iuagung.

Abg. Dr. Pachnicke (93p.) wirft der Eisenbahnver- Weitung vor, daß sie mit der Beschaffung der Betriebs­mittel und des Wagenparks stets nachhinke.

Eisenbahnminister v. Breitenbach erklärt sich mit den Vorrednern dahin einverstanden, daß eine Ver- stärkung deS Wagenparks notwendig fei und neue Abfuhrlirnen aus dem rheinisch-westfälischen Industrie­gebiet zu fdxtffen feien. Auf eine in der Debatte ge­fallene Aeußerung hin versichert Redner, daß für einen etwaigen Kriegsfall unsere Eisenbahnen allen Anfor­derungen gewachsen sind.

Abg. Gvbcl (Z.) schildert die mißlichen Verhältnisse, tote sie für die oberschlesische Industrie auS dem Wa­ger mangel entstanden sind und gibt der Befürchtung Ausdruck, daß bei einem Anhalten der Kalamität Feier­schichten zu gewärtigen feien.

Rach weiterer unerheblicher Debatte wird ein Schlutzontrag angenommen. Ein Antrag Brust (Z.) betr. Abänderung des Berggesetzes (es handelt sich lediglich um die Richtigstellung eines Versehens bei her letzten Berggcsetznovelle), gelangt ohne Debatte zur Annobme, eine !»eihe von Petitionen werden an die Petttionskommisfion zurückverwiesen.

Dienstag: Interpellation Bäumer (natl.) betr. Ausführungsbestimmungen zum Privatange- stelltewversicherungsgeseh, Antrag Ecker- Wrnsen (natl.) betr. Förderung deS Obst- und Gemüse­baues, Rest der heutigen Tagesordnung.

Preußischer Lauvtag.

Abgeordnetrnllauk.

Sitzung vom Montag den 4. November 1912. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist dre terpMation betreffend den

Deutsches Reich.

♦* lieber die Erzbischofswahl ta Köln geht wie­der ein ganzer Platzregen von Meldungen nieder, denen inan von vornherein anmerkt, daß sie nach dein Grundsatz verfaßt wurden: es kommt nicht darauf an, ob eine Zeitungsnachricht wahr ist, son­dern ob sie Aufsehen macht. Nach einem in verschiedenen liberalen Blättern zu lesenden Ar­tikel steht so viel fest, daß durch die Wahl die „Kölner" erledigt sind und die „Berliner" einen vollen Erfolg zu verzeichnen haben. In Köln habe ian im Dom mit den Zähne« geknirscht, als das Resultat der Wahl verkünd:t worden sei. Der .'uübige kennt diese Treibereien, die immer ein* > sobald irgendwo ein Bischofsstuhl neu besetzt vhb. Tie Erzdiözese Köln brauchte natürlich teilten »Kölner" und keinen „Berliner", sondern -inc« katholischen Erzbischof. Und den hat sie. Das ist die Hauptsache. lind tote „toahr" die sensationellen Meldungen der von. katholischen Din­gen nichts verstehenden liberale« Presse sind, sieht man aus folgendem: Diese Presie behauptete. Weih- bischof Müller in Köln sei der Kandidat der „Köl­ner" gewesen und wäre auch sicher gewählt worden, wen« nicht Rom in letzter Stunde dafür gesorgt hätte, daß ein „Berliner" gewählt würde. „Der

fV *a H-chiagen ist, wie wir dem „Bad. Beob. entnehmen, in der Lage, diese ja an sich >B?n durchsichtige und nur dem Sensationsbedürf- iu3 dienende Darstellung gründlich zu widerlegen. Er schreibt:

. ■ der Behauptung, Weihbischof Müller

1ct, auf — rangen Roms fallen gelassen, stellen wir auf Grund zuverlässiger Information fest, Weihbischof Muller toat* heute erwählter Erzbischof von Köln, wenn er nicht wegen seines Alters und seiner Kränklichkeit ganz entschieden abgele Hut hätte. Cs wird praktisch sein, in Zukunft die deutschen Bischöfe und Erzbischöfe in den 9iebaf;ionen der li­beralen Blätter kau biv'en wählen zu lassen, dann wird es nickt heißen: „ein Knirschen ging durch die Reihen des Klerus, mit Murren, offenen Widerreden empfing daS Volk die Nachricht."

Ernst ist das Leben, heiter das Interesse der liberale« Presse für die katholische Kirche!"

* Christliche Sewrrkschaste« unb floniumetrtine. Der Vorstand und Verwaltungsrat des Verbandes katholischer kau sm änni sch er Verein eDeutsch- iands erlösten zu der Stellungnahme des christlichen Gewertschaltskongreflrs tn Dresden zur Konsum- vereinssrage folgende Erklärung:

Der kaufmännische Mittelstand, insbesondere die Mitglieder der kath. kausm. Veieme haben stets sowohl die kath. ’ttrbeiterueteine als auch die christlichen Ge- werlschasten nach Möglichkeit gefördert und ihren auf Hebung des Arbetterstandes gerichteten Bestrebungen wohlwollend aepenübergeftanben. Umwmehr bedauern diese Steife, daß die christlichen Gewerkfchasten durch Die Einbestehung der Konsumgenoflenichajtsidee in tbr Programm eine Aufgabe übernehmen, die völlig aus dem Auigabenkreis der Gewerkschaften herauSfSUt und auch in keiner Weile der Erreichung deS Gewerklchasts- «eles förderlich fein kann. Die Konsumgenossen,chast kann daS Einkommen der Mitglieder keineswegs laus- kräsliger gestalten, weil nachgewiesen ist, daß der Kon­sumverein ntchtinderLage,st, billiger zu liefern, als der K-einhändler. Ebenso tste-durchausunzutreffend, daß die Konsumgenofsenschattsbewegung in ttgenüeiner Weise eher in der Lage märe, Preirlonvenlionen ent» gegen zu wirken, als die organisierte Kleinbändlerschatt. Die Dresdener Resolution ist aber vor allem um der Grundidee der christlichen Gewerkschaft willen aus das lebhatteste «ibeDauetn. Die christlichen Gewerklchaften lehnen grundsätzlich die sozialrstilche Klasienkampfidee ab. Tie KonjumgenossenfchnftSdewegung ist aber in ihrer Wnkung nichts anderes, als der Wegbereiter der Sozialdemokral'e. Aus vielem G>unde schließen sich chrinltche Gewerkschafl und Koniumgenossenschaftcbe- roegung einander grundsätzlich aus, u d ist vom volks­wirtschaftlichen Slandpunkie der Verband westoeutscher Konsumvereine in Mülheim (Rhein, nicht anders za bewerten als der Zenlralverband deutscher Konsumver­eine in Hamburg.

△ München, 3. Nov. 1912. Unter der Heber» schrift .Die derzeitige po itische Lage in Bayern* bringt die .Deutsche Tageszeitung^ tNr. 554) einen Artikel aus der Feder .Eines bayerischen Konser- vativen*. Darin wird dem derieitigen Ministerium, insbesondere dem Ministerpräsidenten Freiherrn v-Hertling ein Vertrauensvotum ausgestellt, in dem es u. a. heißt:

»Er hat der protestantischen Landeskirche ein kost­bares Geschenk in der trefflichen Kirchengemeindeord­nung vermacht. Und wenn das Gesamtministerium eine entschiedene Stellung gegenüber den So taldemo- traten etnnimmt und eine deutliche Sprache mit diesen Leuten spricht, die neueroings gedioht haben, im Kriegsfälle den Gang der Ereignisse zu einer vollstän­digen Umwälzung aller staatlichen und gesellichasilichen Verhältnt>,e tn ihrem Sinne auszunutzen, so werden unsere Staats:enter Dabet auf di« Unterstützung aller wahren Vaterlandssreunde rechnen dürfen."

Aus dem Kacbbargebiete.

♦ Frankfurt- 4. Nov. 1912. Heute nacht hat sich dec 24,ahrige Ingenieur Weiß- aus Franken­thal an der Taunusanlage erschossen. — Auf dem Sachsenhäuser Bahnhof sprang heute der 12jährige Schüler Jung aus dem fahrenden Auge und geriet unter die Räder. — Ein Lljahriges Di:ust- mädchen suchte sich aus Liebeskummer mit Kamp­ferspiritus zu vergiften. — Im Neubau der Firma Strauß stürzte heute der 20jährige Arbeiter Hartmann vom ersten Stock in die Tiefe und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung und eine Quetschung der Wirbelsäule zu. — Der Schreiber Kaiser aus Bonimcrshcim trieb sich seit einiger Zeit hier herum, verübte Diebstähle und bändelte mit einer Anzahl Mädchen an, denen er Ringe und größere GeLbeträge abzuschwindeln wußte, bis er am Sonntag zu einem verabredeten Rendez­vous nicht erschien. Mehrere Geprellte trafen sich auf der Suche nach dem Charlatan und erstatteten Anzeig:. Kaiser fvnrde verhaftet.

* Abterode, 4. Nov. 1912. Der orkanartige Sturm in der Samstag Nacht brachte dem Meiß­ner eine dicke Schneedecke, die bis an die nächsten Dörfer Germerode und Sokerode reicht.

♦ Kassel, 3. Nov. 1912. Der Deutsche Luftflotte «verein hielt heute unter dem Vorsitz des Reichstagsabg. B a s s e r m a n n hie: eine außerordentliäp! Mitgliederveisammlung ab, die sehr zahlreich aus allen Teilen des Reiches be- sncht war. Basseiniann wies in seiner einleitend:« Ansprache daraus hin, daß ton uns in einer ernsten Zeit befinden, und ging dann näher auf die Ent- toicklung de: Luftflotte und deren wichtige Bedeu­tung für die Kricgszweck: ein. Kapitänleutnant a. D. von P u st a u berichtete über seine neuesten Studien auf aviatischem Gebiet in Frankreich. Er kam zu dem Ergebnis, daß der deutsche Luftschiff­bau und die deutsche Luftflotte technisch mit denen Frankreichs auf gleicher Hohe stehen. In Bezug auf di: Zahl sei Deutschland allerdings bei weitem den Franzosen unterlege«. Eine große Aufgabe sei dem Wasserflugzeug vo:behalteiü das sich bei de« englischen Manöver« ausgezeichnet bewährt habe. Die toichtigste Aufgabe falle den Fliegern durch das Wersen von Svrengbomben zu. Die B:rsainnilung genehmigte dann Satzungsänderun­gen des Deutschen Luftftottenvereins in der Weise, daß nunmehr der Verein ;» einem nationalen poli­tischen Verein ausgebaut wird. Dem Reichstag tourbe eine Resolution unterbreitet, in der er er­sucht wird, allen Forderungen der verbündeten Re­gierungen zur Schaffung einer starken deutschen Luftflotte, u. a. auch durch Errichtung von Luft­schiffball:« und Luftschiffs,äsen, sowie von Flug­zeuge tappenstaftonen in weitestem Umfang zu ent­sprechen.

* Carlshafe«, 4. Nov. 1912. In der Schuck- urann'schen Tonröhreufabrik brach am Samstag in­folge Einstürzens einer Oseuwölbung Feuer aus. welches das Dachgebälk und sämtliche Tonwaren zerstörte.

* Göttingen, 4 Nov. 1912. Ein Riesen- Prozeß, der zwei Wochen in Anspruch nehmen wird, ist auf de« 2. Dezember vor der Sttafkammcr angesetzt. Der Bankier Schmidt-Andreasbcrg, der bereits wegen Diebstahls und Betrugs zu 3y2 Jah­ren Gefängnis verurteilt Ivorden ist, muß sich aufs neue wegen Unterschlagung und Betrugs verant­worten. Die Zeugenvernehmungen dürsten allein mehrere Tage in Anspruch nehmen.

* "K—»w. 3. Nov. 1912. lieber die

Verkaufsbediugungeu der Görnerschen Rein- Ha r d S q u e l l e an die Rkinhardsquellen-Gesell- schaft wird jetzt folgendes bekannt: Der Gutsbesitzer Gustav Görn.r bat daS ganze Besitztum mit Aus- nahine seiner Billa und eines Grundstückes mit allen ReMeu der Gesellschaft shr 920 000 Mark verkauft.

Görner bleibt mit 289 000 Mk. als Gesellschafter be­teiligt. Die anderen Gesellschafter sind die Fürstliche Wildunger Mineralguellen-Gesellschaft mit 200 000 Mark, die „Revision" Treuhandelgesellschaft in Ber­lin mit 275 009 Mark und die Kaufleute Gebrüder Dietrich in Fritzlar mit 156 «AB Mark.

* Wiesba^n, 3. Nov. 1912. Die Stadtverord­neten bewilligten für den Um- und Erweiterungsbau des Wirtschaftsgebäudes der Fischzuchtanstalt 15 000 Mark.

♦ Vom Eichsfelb, 3. Okt. 1912. Zur Bekam- pfung der Krähenplage im Kreise Worbis hat der Kreisaussckuß beschloßen, bis auf weiteres für jeden abgeliefertcn rabenartigen Vogel (Rabenkrähen, Ne­belkrähen, Saatkrähen) 10 Pfg. als Prämie zu zahlen.

* Aus Franken, 3. Okt. 1912. Der Würzbur­ger Magistrat genehmigte den Hochbauetat mit 62 225 Mk. und den Schulunterhaltungsetat mit 58 500 Mk. — Der 22jährige Taglöhner Straßen­berger von Sennf:ld stürzte vom Aufzuge am Neu- bau der Gelatiucfabrik zu Schweinfurt 3 Stock­werk hoch herab. An den schweren inneren Verletzun­gen ist der Verunglückte gestorben. — Di: Weinver- stngerung des Winzervereins in Sommerbach ist sehr schleppend verlaufen. Die ausgebotenen Nummern wurde« bei 40—55 Mk. Angebot größ­te teils zurückgezogen. — liebet die Schundliteratur in Schweinfurt schreibt Stadtschulrat Dr. Pfeiffer: „Die Schundliteratur macht sich in einem einzigen Geschäfte in der Stadt breit. D:r Inhaber dieses Geschäftes trägt den Titel „K. Hoflieferant" und ist durch keine Vorstellungen dazu zu bringen, seinen Laden von dieser verderblichen Ware frei zu halten. Es wär: sehr erwünscht, wenn von maß­gebender Stelle beftimmtc Weisungen erlassen wür­den, auf Grund deren die Schulbehörde erfolgreich gegen solche Geschäfte vorgehen könnte.

* Hameln, 4. Nov. 1912. In unserer vielbe­suchten Nattenfängerstadt wird demnächst mit dem Bau einer eingleisigen Straßenbahn begonnen werden. Tie Bahn soll Ende 1914 in vollem Be­trieb sein.

* tzilveßheim, 3. Nov. 1912. Durch den Zu­sammenbruch Der diesigen ZuckerkommissionS« firma Iünke & Giesecke, Deren Inhaber in Han­nover dezw. Köln Selbstmord begangen haben, find 40 Zucker'abriken geichädigt worden. Nrch einer in Der Gläubigerversammlung gemachten Mitteilung ist die Ursache Des Zusammenbruches Darin zu suche«. Daß die Firmeninhaber aufgehört haben mit Ver- miltelungsgeschästen in Zucker sich zu betätigen, sondern schon fett einer Reihe von Jahren eigene umsanzreiche Spekulationsgeschäfte in Zucker betrieben. Die ihnen im Jahre 1912 durch unglücklichen Ver­lauf zum Verhängnis wurden. In ver Konkurs­masse liegen rund 95000 Mark, die Dieser Maffe gegenüber angemelbeten Forderungen betragen rund 1150000 Mark.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geifa, 4. Nov. 1912 Tte Gewerkschaft Oech- s e n nud H e t l r g e n m ü h l e hat sich genötigt gesehen, 50 Mann zu entlassen, weil die in den Schacht eindringenden Wassermassen es unmöglich machen, die seitherige Anzahl Arbeiter unter Tage zu beschäftigen. Ebenso können auf der Gewerk­schaft Buttlar die Schachtardciten wrgen der gewal­tige» Wassermengen nur langsam vorwärts kom­men. Die Bohrversuche in der südwestlichen Bor- scher Flur sind wegen allzu starker Verwerfung in der Tiefe von zirka 800 Meter eingestellt worden, iveil die Leitung es für staglich hielt, daß man fün­dig werde. Dagegen machen die Bohrversuche bei G:isa, zirka 600 Meter, und besonders bei Krcm- lucken, zirka 800 Meter Tiefe, gute Fortschritte. Sicherem Vernehmen nach sollen demnächst bei Motzlar, unweit deS Hotels Ulstertal und im öst­lichen Teil der Gemarkung Borsch, in der Nähe des Lützenbachhofes, je ein Bohrturm ausgestellt wer­den. Der Bohrturm oberhalb Bremen ist vor eini­ger Zeit abgebrochen toorden, weil der Bohrversuch völlig mißlungen war.

* Trimbach, 4. Nov. 1912. Bei der Verpachtung der GememDrjagd blieb Forstmeister Voigt-Wrimar mit 410 Mart MeistbietenDer. Der bisherige jähr­liche Packtpreis betrug 170 Mark.

♦ Stadtlengsfeld, 4. Nov. 1912. Das dem ver­storbenen Postsekrctär Sieb: gehörige Postge­bäude will die Gemeinde käuflich erwerben. Es soll als N a t h a u s eingerichtet werden. Die bis­herige Ralssttibe im Erdgeschoß der Bürgerschule genügt ihren Zwecken nicht meßt. Der Kaufpreis dürst: zirka 24 000 Mark betragen.

♦ Tiefenort, 4. Nov. 1912. In der letztm Ge­rn einderatssitzung wurde« die Abrechnun­gen über den Bau der Wasserleitungs- und der Kanalisationsanlage (abschließend mit 101099 Mk. bezto. 8'1062 Mark) dem Bauausschuß zur Prüfung überwiesen. — Der mit den Gemeinden K'eselbach und Merkers getroffenen Vereinbarung, wonach 400 Mark der Besoldung des Wasjermeifters für die Beaufsichtigung der Zuleitung von den drei am Wasterlcitungsbaii beteiligt:« Gemeinden nach dem Verhältnis der Einwohnerzahl aufzubringen sind, wurde zngestintmt.

* Utiptingtn, 5. Nov. 19(12. Die Eheleute, Land­wirt Johann Valentin »eifer und rst.au, stierten gestern ihre goldene Hochzeit.

Aus Gberhefsen u. den Hess. Aemtern.

A Marburg, 4. Nov. 1912. Die letzte diesjährige Schwurgench speriode nahm heule unter dem Vor­sitze des Oderiandesgerichtsrals Haste-kkastcl ihren Anfang. Bor den Geschworenen stand als erster ein junger Wann namens Prinz aus Unterrosphe, der sich einer Meineids schuldig gemacht hatte. Das Urteil lautete out IV* Jahr Ge'änaniS.

* Kirchhain, 4. Nov. 1912. Hier kam ein Kalb mit sechs Beinen zur Welt. Es wurde für 150 Mark an den Zirkus Henri in Straubing (Bayern) verkauft.

* Geiemar, Kr. Fritzlar, 4. Nov. 1912. D:r Bau der Wasserleitung unf:rer Gemeinde sieht trotz der ungünstigen Witterung in 4—5 Wochen der Vollendung entgegen. Das Wasserwerk, das ca. 40 000 Mark kostet, entspricht völlig dem Bedarf der Gemeind«. Die Quell» liefert etwa 240 Kubik­

meter Wasser und liegt 1,6 Kilometer vom Orte entfernt

• Kernboch, 4. Nov. 1912. Bei einer Treib­jagd wurden 5 Füchse, 3 Böcke, 3 Rehe, 21 Hasen, 2 Hühner und 1 Fasan zur Strecke gebracht.

vermischtes.

• Ein Banknotensälscher. In Leipzig wurde der Maler Max «Dam feftgenotnrnen, der gemeinsam mit dem bereits im September verhafteten Gefan« genen-Ausseher Ludwig in Dresden, Chemnitz, ®ör«l litz und Laudan falsche Hundertmarkscheins an gefertigt und in Verkehr gebracht halte. In der Wohnung Avams wurden noch 26,000 Mark in salfchen Hundertmarkfrsieinen gefunden.

* Die deutschen Opfer der Fremdenlegion finb erheblich größer, als man allgemein annimmt, wenn die Berechnung richtig ist, daß alljährlich rund 4000 Deutsche für die Legion angeworben werden, von denen mindestens 2500 alljährlich in den afrikanischen Wüsten zu Grunde gehen. Demnach wurden die gesamten Opfer der Fremdenlegion fett dem deutsch» französischen Kriege mehrals 100 000 Man« betragen. Die Zahl erscheint umso furchtbarer und schrecklicher, wenn man bedenkt, daß der deutsch- stanzösiscke Krieg uns 40 743 Tote gekostet hat. Die deutschen Opfer der Fremdenlegion seit 1870 betra­gen also mehr als ztoeieinhalbmal so viel, d. h. Deutschland verliert innerhalb eines Menschenalters ein vollständiges Heer durch die stanzösische Fremden- leatott.

* Mit 8000 Mark in btt Tasche den Offenbarung cib geleistet. Der Arbeiter Ernst Jäckel aus Sieg» n i tz hatte sich vor einiger Zeit von feiner Frau ge­trennt, die daraufhin von ihrer Hettnatsgemeinbe Kl.-Heimendorf Armennnterstützungen in Höhe vo« etwa 92 Mark bezog. Die Gemeinde verklagte Jäkü auf Zurückerstattung dieser Summe, der Beklagt« leistete aber vor dem Amtsgericht Liegnitz den Offen­barungseid: seine eidlichen Aussagen lauteten dahin, daß er überhaupt kein Vermögen besitze. Wie später feftAeft'r'f werden konnte, besaß Jäkel damals noch über 8000 Mark Bargeld, ja er hatte sogar bei der! Eidesleistung acht Tanf-ndmarkscheine in seiner Klei­dung versteckt Die Angelegenbett beschäftigte jetzt! das Schwurgericht in Liegnitz. Mit Rücksicht auf baS hohe Alter und die Gebrechlichkeit des Angeklagten er»J konnte daS Gericht nur auf IV» Jahre Zucht^ haus und drei Jabr« Ehrverlust.

*♦ Warenhansbranb. Am Samstag früh' um 2 Uhr entstand ein Brand ht dem großen Waren- nagazin von John Barker in Kensington (Eng­land, besten man erst um 7 Uhr Herr werden konnte--' In dem Magaftn haben zahlreiche Angestellte ihrs Schlafräume. Wie jetzt festgestellt wurde, haben Vitt weibliche Angestellte, die aus benFenstern ge­sprungen waren, den Tob gefunben, elf Per­sonen wurden schwer verletzt, darnnter ein Feuers Wehrmann.

♦ Bon Eisscholle« zerdrückt wurde aus der Wolga der Passagier-Dampfer „Wladimir*, der etwa 80 Personen an Bord hatte. Das Schiff sank lang« fam. Die Passagiere wurden dir auf zwei gerettet. Einige Lastkähne mit Petroleum unb Bleierzen find gesunken. — Bei Zaritzin kenterte eine Fähre in« folge ber starken EiStrift. Von 8 Bauern, di« daraus, fuhren, ertranken 5. Vom oberen Lause der Wolga wird Stillstand des Eises gemeldet Zahl« reick« Schiffe liegen bereits im Eise fest.

♦ Durch einen Bergsturz in Petroutz bei Czernowitz in der Bukowina sind zwei Häuf« mit' fünf Bewohnern verschüttet worden. Drei von den Verschütteten sind bereits als Leichen geborgen worden. Da weiteren Häusern Gefahr droht, mußten fie von den Bewodnern geräumt werden.

— Ein Hochzeitssest von 1000 Ehepaaren steht im Frühjahr 1913 in Nordamerika bevor, wo 1000 Jndianrrpaare des Stammes d:r WennebagoS an einem Tage die Ehe schließen wolle«. Tatsache ist, daß die Mehrzahl ber noch vorhandenen etwa 10 Millionen Indianer sich seßhaft gemacht haben und meist Ackerbau treiben. Doch kommt es auch j-tzt noch vor, daß her eine oder ander« kriegerische Stamm auf einen Beutezug ausgebt. Bon den In­dian :rstäni«ren, die 422 verschiedene Sprachen haben, sind die Sioux, Irokesen, Aztek'n usw. bl« bekannte­sten. Die ÄinnebogaS aber hoffen durch ihre Mas« senhochzett einer ber reichste« Jndianerstämme zu werden, da fie eine Anzahl benachbarte Stämme zu der Feier eingelabcn haben unb di« indischen Hoch«' zeitsgeschenk« sehr wertvoll zu sein Pflegen.

— Gemütlich. (Im Bardiergrschäst): Barbier« lehrling: »Rasteren gefällig?* — Herr: „Bist du nicht der Bursche, der mich vorige Woche rastert hat?* — Barbteriehrling: „Ja . . . aber schön ge­heilt ist'si*

Handel nud Industrie

T) Berlia, 4. Nov. 1912. Infolge neuer polk« tischer Beunruhigung enipfindlicher Kursdruck. DaS Gelckäft vertief unregelmäßig. Die beträchtlichsten KurSkinbußen erlitten Montanpapier«. Heiwiich« Banken verloren durchschnittlich 1 Prozent. Der Privaidiskont zog auf 41/* Prozent an.

Märkte.

• Frankfurter Getrridemarttlrrlchi vom 4. Nov.' Am heutigen Markt war Wetzen und Roggen abflauend bei fehlender Kauflust. Geringere Qualitäten waren voüftändj, r^rnackläfffgt ftrembe Weizen waren gleichfalls billiger offeriert. Gerste uno Mai? unser« SnDert. Hafer bei starkem Angebot ohne Beränderung. Mehl«.Futterarirkel ruhig. Wnotierten: Weizen: hief. unb Wetterauer 21.10—21.20 Mk., aal Dem Land« abge­holt 20.40-21.50 Mk., kurheffifcher 21.20—21 30 Mk., norddeulfcher 21.75—21.90 Mk, Manitoba 23.25 bis 23.75 M., Knnjas 24.75—25.00 Mk., ruffücber Nicolaieff 24.50-24.75 M„ SnxonSka 24.50—24 75 M., Ulfa •24.25 -24 50 M., «,ima 24.0 »-24 25 M., La Plata 23.75-24.25 M.. rumän. 24.25 -25.00 Mark, IQ ort. Hern I 0000-00.00 M. — Roggen: hiesiger, 18.40 bis 18.60 M., auf Dem LanDe abgeholt 18.00-00.00 Mk., Pfatter 00 00-00.00 M. russijcher 19.00-19.25 M., rumänischer 00.00-00.00 Mk. — Gerste: hie». 20.50 bi« 21.00 Mark, Pfäfter 21.00-21 50 M., franttjche > 21.00—21.50 Pt.,Riedgerste 20.50—21.25 M.,ungarische 00.00-00.00 M., Frrttergerste 00.00—00.00 M. — ©afer: hiesiger nnb Wetternuer 19.00—21.50 M„ kurhess. 19.25-21.25 M., bayer. 19.50—2150 M., y« Plala 00.00—00.00 Mk., russischer 20.50—22.00 Mart — Mais (MixeD) 00.00- 00.00 Mark, Donau» matS 16.00-16.25 M , La «lat« 15.75—16.09 Mark,