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Zer »miklieg.

Die türkische Regierung hat jetzt ihre Niederlage und ihre O mmacht eingestanden. Das Volk wird aus den Hoffnungen, welch« die Siegesnachrichten aus Lül-.burgas und Wisa erweckt hatten, jäh herausgerissen durch die amtliche Ankündigung, daß die türkische Armee sich auf die Tschatalbscha- Linie rückwärts konzentriere. Ja, das Ministerium betrachtet sogar diese letzte Verteidigungslinie als unhaltbar; denn es hat sich bereits mit einem 93et« Mittelungsgesuch an die Großmächte gewandt. Das ist die förmliche Bankerotterklärung.

lieber die europäische Türkei ist der Konkurs eröffnet. Ob der asiatische Besitzstand auch in den Strudel geriffen wird, bleibt abzuwarten.

Brennender noch als die Fragen der Vermittelung und der Lquidatton ist augenblicklich die Sorge um die Sicherheit der Christen, die in der Türkei leben. Der Mob in Konstantinopel steht schon aus der Lauer, um seine mordbrennerischen Triebe mit dem mohamedomschkn Fanatismus zu oeiquicken. Wenn die geschlagenen türkischen Truppen, die alle Manneszucht ver oren haben, in die Hauptstadt jurückfluten, so wird die Polizei ohnmächtig sein. Gegenüber dieser Gefahr ist schon der Plan aus­getaucht, den Rest der tückischen Armee nach San Stefano oder sonst einen Nebenort abzu« lenken und dort aiifjulocn. Aber ob sich die verwilderten Masten ablenken lassen? Die euro­päischen Mächte schicken schleunigst ihre Schiffe in die türkischen Häfen; ja ein Kriegsschiff soll auch durch die Dardanellen Einfahrt erhalten. Doch ist bei der überraschenden Schnelligkeit, mit der sich die Ereignisse im sonst so bedächtigen Orient abspielen, noch nicht sicher, ob die Hilfsschiffe rechtzeitig an* kommen. Im besten Falle ist ihre Wirksamkeit auf die betreffenden Hafenstädte beschränkt, während viel­fach bejürchlet wird, daß eine allgemeine Christen- metzelei ausbrechen könnte, die sich nicht bloß gegen die westländischen Fremden, sondern auch gegen die ansässigen christlichen Elemente richten würde. In dieser Hinsicht wird auf den beunruhigenden lkmstand hingewiesen, daß in der türkischen Bevölkerung sich der Glaube verbreitet hat, die christlichen Sol­daten hätten durch Feigheit oder gar Verrat die Niederlagen verichuldrt. Sollte in Konstantinopel die Anarchie ausbrechen, so kann man schließlich im I itereste der Menschlichkeit zu dem Wunsch gelangen, die Bulgaren möchten schleunigst umziehen, um wieder Ordnung zu schaffen. Dir Anarchie in Kon* stantinopel gäbe ein Seitenstück zu der Pariser Kommune, die un Anschluß an die französische Niederlage ihre bestialischen Orgien feierte. Damals waren die Reste der französischen Armee noch start genug, um oyne Hilfe der Deutschen Paris wieder in s^ucht zu bringen. Die gegenwärtige Türkei scheint aber die nötigen K äste zur Bezwingung der gefährlichen Massen nicht mehr zu besitzen.

Was nun das Vermittelungsgesuch der Pforte angeht, so liegt augenblicklich nur aus Paris eine halbamtliche Meldung über die ablehnende Haltung der französiichen Regierung vor. Herr Poiucarö hält offenbar sich für berufen, bei aller und jeder Gelegenheit die erste Geige zu spielen. Er läßt alSbald erklären, seine Re ziermrg könne das Vermiltelungsgejuch der Türkei nicht annehmen, ohne das Völkerrecht zu verletzen und ohne den Anschein einer Stellungnahme gegen die Balkanstaaten zu er­wecken. Sie will also em Ersuchen von beiden Parteien, und daS soll dann in Uerereinstimmung Bitt den Großmächten geprüft werden. Es muß sich rost noch zeigen, ob Frankreich diese Antwort ,um­gehend" auf eigene Faust gegeben, oder sich vorher nut den Gro.machten besprochen hat. Wenn man auch das einseitige Vermittelungsgesuch nicht förmlich anirehmen kann, so ließ es sich doch immer­hin zum Anlaß nehmen, um mit Bulgarien und dessen Bundesgenossen in einen Meinungsaustausch

zu treten. Tie glatte Ablehnung deS türkischen Hilfe­rufs droht den Uedermut der Balkanstaaten zu steigern, und deren Selbstbewußtsein ist doch wahr­lich schon beängstigend groß geworden durch die verblüffenden militärischen Erfolge. Wir setzen unser« Hoffnungen weniger auf die Geschäftigkeit des Herrn Poincarö, als aus die friedliche Haltung der russi­schen Regierung.

Gerade an demselben Tage, all die Bankerott, erklärung der türkischen Regierung eintraf, langte der italienische Minister des Auswärtigen dt San Giuliano in Berlin an. Er hat bereits mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär Unter­redungen gehakt, und die,Nordd. Allg. Zig/ weist auf die „verantwortungsvolle Aufgabe einer fried­lichen Liquidierung des Balkankrieges" hin, die genug Stoff zu politischer Aussprache biete. Schließen wir uns der Hoffnung an, da« diese sehr „zeitgemäße" Begegnung sowohl der Drelbundsestig- keit als auch dem europäischen Frieden förderlich fein werde.

Neuer Vorstoß der Bulgare«.

W Wien, 4. Nov. 1912. Aus dem Hauptquar­tier der bulgarischen Ostarmee meldet der Kriegs­berichterstatter der „Reichspost" unter dem 3. No­vember: Tas glänzende Zusammenar­beiten der bulgarischen Führer im Verein mit dern Heroismus der Truppen bringt den Bulga­ren täglich neueErfolge. Der Versuch der Türken, nördlich von Sarai und bei Tschorlu unter Deckung des Rückzugs erneut Stellung zu nehmen, ist vollkommen g e s ch e i t er t, ebenso das Eingreifen türkischer Truppen westlich von Wisa, die von Midia aus über Sultan-Agke herangerückt waren. Die Verfolgung wird bulgarischer­seits mit größter Energie fortgesetzt, um welche die Schlag: von Kirkilisse und Lüleburgas und Sarai die A b d r ä n g u n g eines möglichst gro­ßen Teils der geschlagenen türkischen Armee von der Rückzugslinie nach Tschataldscha zu erreichen. — Die gewaltigen Anstrengungen und großen Opfer, welche die Schläge von Kirk Kiliff: und Lüleburgas forderten, rufen naturgemäß ein vorübergehendes Ruhebedürfnis bervor, das aber zu keinem längeren Operationsstillstand führen wird. Der Vormarsch gegen Tschataldscha wird vielmehr noch im Laufe dieser Woche ausgenommen. Gegenwärtig werdm alle Anstrengungen gemacht, um den Fall Adriano pels zu beschleunigen, damit namentlich die bulgarische Belagerungsartil­lerie für die etwaige Verwendung vor den Tscha- taldscha-Positionen frei werde. Die Widerstands­fähigkeit der Festung nimmt täglich ab. Das heftige Feuer der bulgarischen Artillerie wird nur schwach und unregelmäßig erwidert. Die türkischen Werke auf der Nordwestfront litten stark seit dem letzten Ausfall gegen Marasch Auch die Aktivität der Be­satzung scheint bedeutend nachgrlafsen zu haben. De: bevorstehende Fall Adrianopels wird hier als ein Ereignis von großer militärischer und politischer Bedeutung angesehen, weil er beweisen würde, daß auch die Befestigungen von Tschataldscha Konstantinopel nicht retten können.

♦ Sofia, 4. Nov. 1912. Die Türken versuchten gestern zwischen Bunar Hissar und Wisa einen Vorstoß gegen die dort stehenden bulgari­schen Strafte und hatten auch anfangs einigen Er­folg. Im Verlaufe des Kampfes tarnen sie aber in ein Kreuzfeuer und hatten große Verluste. 1300 Mann und Offiziere wurden gefangen genom­men und eine Schnellfeuer-Batterie erbeutet.

Die Uneinigkeit der Mächte.

Die österreichische Regierung hak, wie wir vorau-fagten, dem Vorschläge des französischen Mmisterpräsident n Poinealö nicht zugestimmt, worin gefordert worden war, daß die Mächte eine Erklärung des Nichtinlereffiertfeins abgeben sollten, aus Grüns deren dann die Intervention vorgenommen werden tonnte. Die beiden anderen Dieibundmächte

Deutschland und Italien sind diesem ablehnen­den Bescheide Oesterreich-llngarnS beigetreten. Die Dre dundmächte werden m Paris jede für sich eine gleichlautende Note abgeben, in der sie ihre Bereitwilligkeit, im Vermittlungswege zur Beendi­gung des Krieges milzuw>rken, betonen und weiter jagen, sie sähen einem Vorschlag Frankreichs, in dem auf die Interessen aller Großmächte Rücksicht ge­nommen wird, erwartungsvoll und voller Sympathie entgegen.

W. Paris, 4. Nov. 1912. Die ,Agence Havas' veröffentlicht folgende offiziöse Erklärung: Die tür­kische Regierung hat bei der französischen Regierung einen Schritt unternommen, um die Vermittlung der Mächte herbeizuführen, damit die Feindselig- teilen eingestellt werden und den Baikanftaaten em Waffenstillstand auferlegt werde. Die französische Regierung antwortete, daß sie ein solches Ersuchen ohne das Völkerrecht zu verletzen und ohne den Anschein der Stellungnahme gegen die Balkanstaaten zu erwecken, nicht entgegennehmen könne. Sie könne in Uebereinftimmung mit allen Großmächten nur ein direkt ausgesprochenes Ersuch: n um Ver­mittlung prüfen, wenn es an sie gerichtet würde.

Die Zertrümmerung der türkischen Westarmee.

W Konstantinopel, 3. Nov. 1912. Die Sage in Mazedonien gilt als hoffnungslos, nachdem das fünfte Korps durch die Serben bei Ku- manowo vernichtend geschlagen und das zu Hilfe eilende sechste Korps von den Bulgaren b e- fiegt worden ist. Die Trümmer beider Korps sind später infolge blinder Panik ge­flohen, sodaß der Weg nach Saloniki den Verbündeten offen ist. Zugleich mit der Vernichtung der Warda- und Strurnitza-Armee wurde die den Griechen gegenüberstehende Armee besiegt, sodaß am Mittwoch den Griechen keine ir­gendwie nennenswerte Streitkräfte entgegengestellt werden konnten. Dazu kommt, daß die griechische Flotte bedeutende griechische Banden auf di- Halbinsel E h a l k i d i k e organisiert hat, bereu Wachtfeuer bereits auf den Hohen über Saloniki zu sehen waren Sie erwarteten dem Anscheine nach den Anmarsch der griechischen Armee, um in Salo­niki einzudringen. Tort sollen sehr bedenkliche Z u st ä n d e herrschen; verschiedene Mordtaten ha­ben die Bevölkerung in Angst versetzt, und auch die europäische Kolonie befürchtet das Schlimmste. Man erwartet deshalb sehnsüchtig fremde Kriegsschiffe. Angeblich sind 30 000 Flüchtlinge aus Mazedonien in Salonik'., meist Gesindel, von dem man Plünde­rungen befürchtet.

Serbische Meldungen.

W. Belgrad, 4. Nov. 1912. In Nesküb be­schlagnahmten die serbijchen Truppen bisher 20000 iS-mehre. Unter den heute in Belgrad eingetroffenen 1069 Kriegsge'aogenen befanden sich 200 Soldaten. 800 Albaneien und 69 Christen. — Nach einem amtlichen Bericht gestaltete sich der Einzug des Königs Peter in Uesküb sehr feierlich.

Tie Flottenaktio» der Machte.

W. Saloniki, 4. Nov. 1912. Der englische Kreuzer „Hamlhire" und der ffan ösijche Kreuzer .Bruix" sind hier angenommen. Andere fremde Kiieqsfchiffe werden erwartet. Die Stimmung der Bevölkerung ist ruhiger aerooiben.

Wien, 4. Roo. 1912. Die erste Geschwader- Division, bestehend aus den Linienschiffen „Erzherzog Franz Ferdinand", „Raoetzly" und »Zrinyl", wird mit dem Kreuzer »Admiral Spann" und den Tor- pedobootszeistörern »Scharfschütze" und »UlSfote* demnächst zum Schutze der österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen in die türkischen Gewässer gehen.

W. Konstantinopel, 4. Noo. 1912. Der Kreuzer ..Vineta" ist von ftotiu hier angekommen. Der Kreuzer »Hertha" begibt sich nach Saloniki, der Kreuzer „Geier" nach Haifa.

Sknlari behauptet sich.

Wien, 4. Nov. 1912. Der Berichterstatter der ,Relchspostt meldet aus Skutari vom 2. November: Die Montenegriner waren nicht imstande, ihre Stellung am Tarabosch, die sie in Höhe von 497 Meter besetzt hatten, zu halten. Sie wurden durch das türkische Feuer herunter­geworfen und mußten unter Zurücklassung mehrerer zerstörter Geschütze diese Stellung räumen. Di« Iütfen haben nordöstlich von Skutari loaar einen kleinen Erfolg errungen, bei dem sie 80 Gewehr« erbeuteten. Es zeigt sich immer mehr, di.ß die Montenegriner ohne Bewältigung des Tarabosch keinen Er;olg behaupten können. Dieie Werke sollen aber, rote türkische Offiziere erklärt haben, sich noch' einige Zeit behaupten können.

Konstantinopel vor erustcn Ereignissen.

W Konstantinopel, 3. Nov. 1912. Langsam wächst hier die Spannung und noch mehr dir Furcht. 2liü sangs lachte man "darüber, machte sich lustig, wenn die erfahrenen Leute ernste Gesichter zur Schau trugen und von Gefahren für die Fremden munkel­ten. Schließlich aber wirkte es doch ansteckend, und heute steht den meisten das drohende Schreckge­spenst der F r e m d e n g e m e tz e l greifbar vor Augen. Tie Furcht fchleicht durch die Straßen, und es bedarf nur eines unbedeutenden Anlasses, um eine Panik hervorzurusen. Ein solcher Fall ereigne» nete sich gestern. In einem Kino begann ein Be­trunkener zu toben. Im nächsten Augenblick hieß es: „dir Massakrcs beginnen", und wie die Wil­den liefen Hunderte von Menschen, ausschließlich Griechen, mit angstverzerrten Gesichtern, schreien!) vor Todesangst, die Perastraße hinauf. Die Situa­tion ist sehr ernst geworden, das läßt sich schon daran erkennen, daß die Botschaften über Schutzmah- regeln beraten, daß eine ganze Reihe fremder Kriegs­schiffe in der Nähe der Dardanellen liegt. Die hie­sigen Griechen haben die größte Furcht. So werden in den letzten Tagen die Laden der Waffen- Händler geradezu gestürmt. Man geht abends nur auf die Straße, wenn man dazu gezwungen ist. Di« meisten sehen schon trotz allen Vorsichtsmaßregeln der Regierung die geschlagene Armee hierher zurück­fluten und plündern und morden. Seit ge­stern sind wieder mehrere tausend Be rwundete hier eingetroffen. Fünfhundert Mann wurden auf dem nackten Boden in der Kaserne untergebracht, wo sie ohne Arzt, ohne Brot, ja ohne Wasser liegen blieben. Schließlich konnte für diese fünfhundert Mann ein Arzt auf getrieben werden und dieser weinte vor Einpörung. als er mir von seinem Be­such dott erzählte. Nicht im geringsten wurde für den Sanitätsdienst Vorsorge getroffen und habet sollen heute und morgen noch über 8000 Verwundete hier eintreffeu. Besondere Besorgnis herrscht um das Schicksal der im Innern des Landes le­benden Christen, da di- milttärischen Kreise es ver­suchen, das klägliche Versagen der Armee ausschließ­lich auf die Unzuverlässigkeit der christlichen Solda­ten zurnckzusühreu, die nach ihr-r Behauptung in allen Schlachten das Signal zur Flucht gegeben und die Reihen in Unordnung gebracht haben. Selbst die gebildeten Türken scheinen mit der fanatisch auf« gestachelten Menge zu sympathisieren, und bart» erblickt man hier bie größte Gefahr.

W Konstantinopel, 4. Nov. 1912. Unter bem Vorsitz bes Ministers bes Innern hat sich eine Kom­mission gebilbet, bie sich mit bcn Maßnahmen befas­sen soll, bic zur Aufrechterhaltung der Orbnuug in b-r Hauptstabt erforberlich sind. —< Angesichts bet Meldungen über den Rückzug des türkischen Heeres rät bie türkische Presse bem Volke Festigkeit, Ergebung und Kaltblütig­keit zu zeigen.

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* Ter Niedergang der Türkei und die Zttnglürke». In einem Artikel der Wiener .Reickist'ostt lesen wir:

„Für immer wird eS eine der beißendsten politischen Jrrnien bleiben, daß eine Gesellschaft, eine Partei,

Lnzrka««: ver wm< einer «inh>.4*l»eele teile, 47 mm dretz kefletlSpss ReZIamat Der Beern einer C»l* tteheite, 74 mm dreig, kostet 40 PsS- Bei®* derhslangr« Babatt zSrGffrrt-« leitai* anzeige» 20 Pf-. «P**

»Station »druck x. Verlag der L»l»aM gdienbtederei i-Zuldg

Zersfpttcher Br. »

Erstes Blatt.

39. Jahrqanx.

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^parzrlier in Kulda. WoliMbkws-.- ,,3nu|trierte Somltagrzeiütng"

^scheint täglich mtt Mmtahmr der Zo.m- Mtd Zetert«-«. vlertel- jähelichtrSettwtpreir ,hnr «rlnarrlshn tmb SeLtllgewtit Mda so- wie auswärts 1-60 litt.

Veranttv. kedatteurr «ar-' Schütte,

Fulda, Dienstag den 5. November 1912.

Momtrbellage: „Zuldaer SeschichtrblStier"

Schutze -er Zauberers, öoj Englisch-Mdim er Roman von E. Ä. Henty. „Laß einen geschloffenen Palankin kommen, tragt sie hinein und schafft sie nach Cawnpore tns Gcsängnis. Dort übergebt sie den Frauen. B-r- brennct alle Gegenstände in diesem Raume, sowie die Kleider derer, die ihn betreten haben. Später will ich die Sache genau untersuchen, und finde ich, baß man falsches Spiel getrieben, so sollen alle die- jenigen, bic baian beteiligt gewesen, wünschen, baß sie nie geboren wären!"

Sowie er fort war, rief bie Frau Rabda herbei.

„Alles ist gut gegangen", sagte sir. „Deines Vaters Mittel ist wirklich stark. Sage ihm, ich sei zu jebem Dienst bereit, bcn er von mir verlangt. Sieh hin, Ivie sie entstellt ist! Der Rajah hat sich mk Abscheu von ihr gewandt uub befohlen, daß sie nach Cawnpore gebracht werde. Halte Dich bereit, rhr dorthin zu folgen, denn da, wie Du sagst, Dein Vater augenblicklich in Ungnade gefallen ist, fo könnte Nena Sahib leicht Verdacht schöpfen, wenn er Dich hier fände."

„Ich will mit ihr gehen." erwiderte Rabba: „aber es betrübt mich zu sehen, wie sehr sie leibet. Greb mir etwas, was ihre Schnierzen Hubert."

„Wozu," fragte bie Indien« mit harter Stimme; ooep stw sich Rubschnbs Tochter gefällig zu erweisen, ??? bas Gewünschte. Rabba flog hinein zn i'sabella, uub wahrend Tränen des Mitgefühls über *^tc Eilert, bestrich sie ihr- Wunden mit

einer kühlenden,^'ibe und reichte ihr einen erfri­schenden, sieberstittendcn Trank Es trat sofort Er­leichterung em, denn dre Kranke schlug die Augen auf und sah das Mädchen fragend an. Rabba nickte uub suchte ihr auf alle Weise klar zu machen was geschehen war, tnbent sie nach ber Richtung von Cawnpore zeigte unb bas Wort mehrmals wieder- holte bis ein frohes unb dankbares Lächeln das Gesicht der Leidenden erhellte und ihr zeigte, daß sie verstanden sei.

Bald war alles zur Abholung bereit; sechs Die­nerinnen traten herein, legten Isabella aus ein lan­

ges Polster, bedeckten sic mit einem leichten Shawl und trugen sie hinab vor die Pforte des Gartens, wo der Palankm mit seinen Trägern bereit stand. Rabda uub bic Herrin ber Zcnana waren tief ver­schleiert gefolgt, uub nachdem man bie Kranke hin- eingehobeu unb Rabda sich neben sie gesetzt hatte, sagte die Frau laut:

„Ich erwarte Dich also hent nicht zurück. Bleibe bei ihr, so lange es nötig ist; später magst Du Deine Freunde in der Stadt besuchen. Sobald ich höre, daß Tu wieberkommen willst, werde ich Dich holen lassen."

Die Gardinen des Tragbettes wurden zngezogen, die Mänucr hoben es auf und traten ihren Weg an. Vier Soldaten und ein Offizier schritten ne­benher.

Das mächtige Gebäude, das den Weißen Frauen und Kindern in Cawnpore als Gefängnis biente, war stark bewacht; boch würbe ihnen bei ihrer An­kunft auf Befehl des Offiziers sofort das große Tor geöffnet, und sie gingen über den Hof bis zur Tür des Hauses, wo man Isabella mit bem Kissen her­aushob uub sic in einemgroßen gewölbte» Raum im Innern niebcrlegtc.

„Wir bedürfen Euer nicht mehr", sagte Rabda in besohlendem Tone zu den Trägern; ,^Jhr könnt sogleich nach Bithur zurückkehren."

Als die Tür sich hinter ihnen geschloffeit hatte, traten einige der Damen heran, um den neuen An­kömmling zu sehen. Rabda blickte suchend umher, bis ihr Auge auf Frau Hunter fiel, die ein wider­spenstiges Kind zu bcschwichttgen strebte. Sic legte die Hand auf ihren Arm und bedeutete sie, mit ihr zu kommen. Erstaunt leistete die Dame der Auffor­derung Folge: Rabda führte sie zu der Siegenden und zog den Shawl vom Gesicht derselben. Einen Moment schaute Frau Hunter darauf hin, ohne cs zu erkennen; als aber Isabella sic ansah und ihr lächelnd die Hand reichte, erkannte sie lhre Leidens- gefährtiu, und mit einem Ruf des Erstaunens sank sie neben ihr nieder.

„Mein armes Kind! was haben diese Menschen Ihnen getan?"

„O, nichts, Frau Hunter, Sie sollen es gleich erfahren", flüsterte sie „Es steht nicht so schlimm mit mir, wie es den Anschein hat. Ich war nach Bithur in Nona Sahibs Ze na na gebracht worden und habe selbst mein Gesicht mit beizenden Flüssig­keiten verbrannt, um mich vor ihm zu retten. Er denkt nun, ich habe eine ansteckend« Krankheit, und schickt mich hierher "

„Tapferer Mädchen, das war brav gehandelt! Aber lassen Sie uns dies als Geheimnis bewahren; wir sind auch hier von Spähern umgeben, die an Suren und Fenstern horchen, und von denen der eine oder andere vielleicht Englisch versteht." Und zu den Dauien sich wendend, fügt- Jic hinzu:

„Dies ist Fräifieln Haunay, die mit uns in den Booten war. Bitte, Helsen Sie mir, sie nach der Wand dort zu tragen; meine Tochter und ich wollen sie pflogen. Es sicht aus, als hätte sie sich schrecklich verbrannt, die Arme."

llkehrere der Damen hatten Isabella in den glücklichen Tagen, ehe die Unruhen ausbrachen, ge­kannt, und groß war das Mitleid, das ihr Aussehen erregte. Sie wurde in die ruhigste Ecke dos Zim­mers gebracht, und Mary und Frau Hunter suchten es ibr so bequem tote möglich zu machen. Rabda, die ihren Schleier zurückgeschlagen hatte, holte unter ihrem Gewände ein Netz mit Simonen, kleinen, hell­gelben, den Zitronen ähnlichen Früchten zur Berei­tung von Limonade, hervor und händigte sie Frau Hunter nebst einer Büchse Salbe ein.

„Sie hat »uich gerettet!" sagte Isabella; „es ist die Tochter des Gauklers, den toir in Ihrem Hause sahen. Bitte, Frau Hunter, danken Sie ihr in mei­nem Namen und sagen Sie ihr, daß ich nie vergessen werde, was sie für mich getan hat."

Frau Hunter nahm Nabdas Hand unb bankte ihr in indischer Sprache für alle Isabella erwiesene Freundlichkeit.

„Ach tat nur, was man mir befohlen", sagte das Mädchen einfach, und erzählte in ihrer schlichten Weise, wer ihr den Auftrag, dir Dame zu retten, gegeben und wie sie es angefangen habe, denselben auszuführeu.

„So ist Bathurst entkommen?" dzf Frau Hun­ter freudig bewegt Isabella zu.

„Ja, tch habe einen Brief von ihm; er ist «S, der das Mädchen mit den beiden Fläschchen zu mir " schickt unb mir ben Rat gegeben hat, mich mit be« ätzenden Flüssigkeiten oinzuroiben. Auch Wilson ist entfloh-n, unb vielleicht auch noch onbete, obwohl Herr Bathurst nichts bavou erwähnt."

„DaS ist eine frohe — eine unerwartete Nach­richt; fürchtete ich boch,' toir allein seien übrigge- bliebon. Aber war es beuu nötig, lieb: Isabella, baß Sic sich so schreckliche Wunden beibrachten? Die Warben werden vielleicht nie ganz verschwin­den."

„Das schadet nichts, Frau Huntrr; es ist auch nach b*t Salbe bereits besser geworden. Ich bin so glücklich, hier bei Ihnen zu sein, daß ich mir nichts daraus machon würde, wenn es immer so schlimm bliebe, wie es augenblicklich ift"

„Tas sagen Sw jetzt, mein Kind; sollten Sie aber einst ans diesem Gefängnis hinausg-langen, so werden Tie anders darüber beuten."

„Ich muß nun gehen", sagte Rabba. „Hat bic Dame noch irgenb eine Botschaft an ben Herrn zu fenben?" unb wieder reichte sie Papier und Blei­stift hin.

Isabella nahm es und schrieb mit einiger An­strengung folgende Zeilen:

„Tank Ihnen und dem Beistände Gotl-S bi« ich gerettet. Vielleicht ist es mir eines Tages ver- gönnt, Ihnen meine tiefe Erkenntlichkeit auszudrü­cken; hat die Vorsehung es aber anders beschlossen und steht mir das Schlimmste bevor, so werd- ich Sie noch mit meinem letzten Atemzuge segnen um der aufopfernden Freundschaft willen, die Sie mir bewiesen. Bitte, bleiben Sie nicht länger in Cawn­pore. Sie könnten entdeckt werden: mir aber wurde cs jede fernere Stunde meines Daseins — falls ich wirklich dem Leben erhalten bliebe verbittern, h übte ich, daß Sie für mich in den Tod gegange» sind. — Für immer Jhrr dankbar ergebene

Isabella*, .Fortsetzung folgt,)