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JVs 255.

Montag 4. November 1912.

59. Jahrgang.

* Tuldaer W Zeitung

2. Blatt.

« Vrvck eitb Verlag der 5uldarr Hditibniderti ti Zutda.

(*)

Ans Airche und Schule.

». Münster, 3. Nov. 1912. Bei dem erwählten Erzbischof von KS.n, Dr. Felix v. Hartmann, fanden sich am 31. Oktober der Vorsitzende des Ver­bandes katbolischer Lehrer Deutschlands, Rektor Kamp (Bochum), ferner der Vorsitzende des westiälischen Provinzial. Vereins, Rektorats-Lehrer Hollcrmann, jowie eine Abordnung der Münsterlchen Lehrerschaft ein, um namens der tatholischen Lehrer- schast ihre Aufwartung zu mache». Rektor Kamp hob das gute Einvernehmen hervor, das ttels zwischen dem Lehrer-Verbande und dem Episkopat bestanden «abe und betonte, daß der Verband auch in Zukunlt stets Hai'd in Hand mit den kirchlichen Behörden arbeiten werde. Bischof Felix betonte m feinet'llni- wort, daß er |ür die Aufgaben der talhol. Lehrer auch in Zukunft da? größte Interesse bewahren werde.

Mauern verbergen. Wenn Cie (b. h. die an geredet en Wähler^ mich in das Parlament schicken, werden diese Mißbräuche in vier Zähren unlrrdr»cll fein."

Wie wunderbar genau dieses Wort auf Wil» wart selber paßt! Und so geht es manchem Antiultramontanen und Antiklerikalen: die Gemein­heit, die ihn selbst erfüllt, spricht er keck und kühn seinen Feinden zu, insbesondere den katholischen Priestern und Ordensleuten, am meisten natürlich den Jesuiten.

Zwecke der Landeskultur und für verstärkte Förde­rung der inneren Kolonisa ion vorbereite, die im ganzen 25 Millionen Mark fordern werde. Der Entwurf fei zwar noch nicht in den Einzel- heiten ausgearbeitet, es laste sich aber jetzt schon sagen, daß außer den 12 Millionen, die der Ministerpräsident für Zweck« der Kultivierung des fiskalischen Hochmoors m Oftsrieslond im Landtag ankündigte, 10 Mill. Mark gefordert werden sollen für erweiterte Stammeinlagen deS Staates bei ge­meinnützigen Siedelungsgesellfchasten in Ostpreußen, Pommern und Dibenbutg, sowie für Erhöhung des sogenannten Zwlfchenkredits.

Ein Antiklerikaler, der sich selbst ohrfeigte, indem er auf die „Klerikalen" schlug. Die .Frank­furter Zeitung' hat recht, wenn sie <Nr. 293) den Brüsseler Millionenschwink ter Wil mar t ein Schwmdelgenie nennt. Wilmart hat in brutalster Weis« betrogen, belogen und gelumpt. Er hat leider bei seinem 40 Miüionen-Ta windet immer Glück gehabt, und et bat auch heule noch Glück. Denn er ist kein Glied der katholischen Partei, kein .Klerikaler". Wir möchten alle die Donnerwelter krache» hören, wenn Wilmart bisher zu den Katho­liken gehalten hätte. Aber er war Freimaurer und Liberaler; so ist man sanfter gestimmt, und anstatt ihn immer und überall entschieden zu ver­urteilen, schreibt man .geistreiche" Plaudereicu über den seltenen Mann. Wilmart har freilich schon vor 20 Jahren sein Urteil selbst gefällt. Er verab­scheute nämlich die katholischen Klöster, wie das alle Freimaurer tun. 1891 sprach er z. B. zu den Wählern von Dmau-Philippeville folgende nette Sätzchen, an das der,Patriot«' vom 27. Okrober 1912 erinnert:

«Der Klenkaliklnus hat seine Hauptstütze au den K öiiern beider Geschlechter. Die Mönche uns Nonnen schrappen sich da da? Vermögen der zahl- reichen Dummköpfe zusammen, die ihnen trauen. Ich spreche nicht von den Eilten dieser Menschen, 6« ihre Laster und ihre Faulheit hinler den stillen

Deutsches Nelch.

Tie urnen Forderungen für innere floloni

In Berliner Blättern ist zu lesen, daß die

satio». .. ......

preußische Staatsregierung eine Kreditvorlaae für

3m Schutze des Zauberers.

64| Englisch-indischer Roman von E. A. Henty.

Plötzlich kam ihr die Erinnerung an den Abend hei Hunters, wo der fremde Mann ihnen seine Künste vorgeftchrt. Tas war es — da lag die Lö­sung des Rätsels! Deutlich stand ihr wieder die Szene mit der Schlange vor Augen. Es war die ^Tochter des Gauklers, die sie heut gesehen — jenes Mädchen, das Bathurst zu Dank verpflichtet war, w:il er es aus großer Gefahr errettet hatte. Wer anders aber als dieser konnte die Teilnahme für sie in dem Herzen des braunen Kindes erweckt und es zu ihr gesandt haben? Wenn es sich so verhielt, dann war Bathurst nicht tot. dann hatte auch er diese Nacht überlebt, und es war wirklich nur der läh­mende Schreck — nicht, wie sie halb »ind halb fürch­tete, ein tödlicher Schutz gewesen, der ihn von chrer Seite gerissen batte. Vielleicht war er an das Ufer geschwommen, hatte in Erfahrung gebracht, >vas aus ihr geworden, und arbeitet: nun mit dem Gaukler vereint an ihrer Befreiung. Tränen traten ihr in die Augen bei dieser beglückenden Vorstellung.

Doch ach, was vermochten sic zu tun? War sie nicht -:i«geschloffeu zwischen diesen Mauern — be­wacht von Spähern und argwöhnische« Blicken? Konnte nicht jeden Augenblick der verräterische Rafah eintreten, um sein Opfer zu verderben? Ge- wix. hatte er gehört, daß sie krank sei. Si: wollte so bleibe«. Sie fühlte, daß diese Schwäche ihr bester Schutz war, und wollte lieber sterben, als in die Hände jenes Mannes sollen. Aber obwohl sie an die Möglichkeit der Rettung nicht zu glauben wagte, lag doch schon ein unbeschreiblicher Trost in dem Gedanken, daß sie nicht allein litt — daß Freunde in der Nähe waren, die sich um sie sorgten; und sie sehnte sich darnach, mehr von ihnen zu erfahren und die Richtigkeit ihr:r Vermutung bestätigt zu hören. Verlangend sah sie nach der Tür, so oft die­selbe sich öffnete; aber nur die Hüterinnen des Ge­maches gingen aus und ein. Endlich, aut späten Äbenv. trat die erste Fran der Zenana herein, be­

gruben Sieg. Während bis dahin die Republikaner eine stattliche Mchrheü besessen hatten, kamen sie mit 162 Abgeordneten in die Minderheit gegen 227, welche die Demokraten erlangten. Nachwahlen be­stätigten, daß dieser Stimmungsumschlag d a u e r nd maßgebend geblichen war. Der Stimmungsum­schlag zugunsten der Demcckraten dauert nicht nur an, er hat sich, was selbst die Republikaner zugeben, auch noch bedeutend verstärkt.

Dazu kommt noch, daß die Demokraten in der Wahl ihres Präsidentschaftskandidaten Wilson ein: außerordentlich glückliche Hand gezeigt haben: wo er austritt gewinnt er sofort aller Sympathien, und es klingt nicht unglaublich, wenn man hin und wieder liest, daß republikanische Wähler erklärt ha­ben sollen, Wilsons Programm gefalle ihnen besser, als das Tafts und Roosevelts. Das kann man ver­stehen, wenn man berücksichtigt, daß die Demokraten, und ebenso natürlich auch chr Kandidat Wilson, die allzusehr übertriebene, auf die Fernhaltung auslän­discher Produkte abzielende Schutzzollpolitik, die im Laufe der Jahre wicherholt noch verschärft worden ist, bekämpfen nnd ein gemäßigtes Schutzzollsystem verlangen. Da die Schäden und Nachteile der allzu- fcharfen Schutzzollpolitik immer m:hr zutage treten, mehren sich auch die Gegner dieser Politik int repu­blikanischen Lager, die daher mit dem Wilsonschen Programm sympathisieren. Ebenso verhält es sich bezüglich des Kampfes gegen die Trusts, in dem sowohl Roosevelt wie Taft versagen. Außerdem verlangt der elftere unklugerweife, um den Mafien zu schmeicheln, Wahl der R ich t e r durch das Volk. Man stelle sich vor, wohin das führen müßte, welche Korruption der Justiz die Folge wäre!

Betrachtet man so die Sachlage, fo neigt man unwillkürlich zu der Ansicht, daß von den drei Kan­didaten Wilson die besten Aussichten hat, gewählt zu werden. Daß das Ausland allen Grund hat, seine Wahl zu wünschen, geht schon aus seiner Stellung zur Schutzzollpolitik hervor, unter der die ausländische Industrie und vor allem die deutsche, so schwer leidet.

Ausland.

A Tie neuesten Kulturkampsstückchen aus Frank­reich. Kürzlich hatte ein kulturkämpserisches Blatt, der „Rappel", entdeckt, daß auch heute noch der Transportdienst für Kriegsartikel durch Handels­schiffe: „3m Ramen Gottes" geschieht und ganz entsetzt veröffentlicht das Blatt die betreffende offiziell: Formel, die von dem militärischen Unter­intendanten unterzeichnet ist. Wie ist so etwas noch möglich im Jahre 1912, fragt das Blatt. Noch gehäfiiger und dümmer gebärdet sich der französisch: Antiklerikalismus in folgender Geschichte: Di- Witwe eines Steuerbeamten war um die Eröffnung eines Tabakladens eingenommen. (In Frankreich ist der Tabakverkauf Staatsmonopol.) Der Mann war im Dienste geftorbeit, da die Eheleute ab:r nicht lange genug verheiratet waren, hatte die Witwe keinen Anspruch auf Pension. Nun stand sie mit­tellos da und batte für drei Kinder zu folgen. Das Gesuch durchlief die verfchiedenen Instanzen, der U nterpräfekt. der Bürgermeister, der Präfekt befür­worteten es, cbenfo die Vorgesetzte« des Berstorbe- nen. So kam das Gesuch an die Finanzministerium in Paris und seiner Erledigung schien kein Hinder­nis im Wege zu stehen. Da machte ein Beamter des Ministeriums die fürchterliche Entdeckung, daß die Bittstellerin den Zunamen „Maria" trug, wie ihr verstorbener Mann Der Beamte schrieb auf den Rand des Bittgesuches: „Sie heißt Maria, tot: der verstorbene Mann: sie scheinen reattio- nären Familien anzugehören " Daraufhin wurde das Gesuch a b g e w i e se n. — Wieder ein Beweis dafür, was aus „Freiheit, Gleichheit und Brüder­lichkeit" in der Hand der französifchen Antikleri­kalen wird.

denken Sie auch ein wenig an Ihre Sicherheit. Ich selbst bin nun weit ruhiger und werde dafür sorgen, daß der Elende, wenn er mich einmal gesehen hick, nicht ;um zweiten Male Verlangen darnach tragen soll. Den Tod aber scheue ich nicht- Sehen wir uns nicht wieder, so segne Sie Gott! — Ihre dankbare Isabella." . L ~ „

Rabda verbarg das Schreiben in den Falten ihres KlcideS und'machte Isabella ein Zeichen, daß si: die Augen schließen und sich schlafend stellen solle.

Als nach einer halben Stunde die Frau herein- sah, schlüpfte das Mädchen zu ihr hinaus und sagte leise: „Sie schläft. Laß sie nun allein in der Nacht, damit der Trank seine Wirkung t«:„ Wenn sie am Morgen erwacht, »wird sie in wildem Fieber liegen; und die Furcht, der Rafah könne sie zur Königin seiner Zenaua machen, wird für immer aus Deiner Seele weichen."

Zwanzigstes Kapitel.

Obwohl vorbereitet auf eine große Veränderung in dem Aussehen ihrer Pfl:gebesohlenen, prallte die Frau doch entsetzt zurück, als sie in der Frühe d-S nächsten Tages an das Lager derselben trat. Der untere Teil des Gesichtes war stark geschwollen, die Lippen mit weißen Blas:n bedeckt. Groß« rote Flecken lagen auf Stirn und Wangen und zeigte« sich in verstärktem Maße an Armen und Händen, sowie an Hals und Schultern überall da, wo das Ge­wand sie "frei ließ. Die Kranke nahm kein: Notiz von dem Eintritt der Frau, sondern sprach beständig mit sich selbst und warf sich rastlos hin und her.

Es beduste keiner besonderen Verstellung, denn Isabella litt unbeschreiblich. Aus Angst, der Er­folg könne hinter ihren Erwartungen zurückbleiben, hatte sie -:ine« ausgedehnteren Gebrauch von dem Inhalt der Fläschchen gemacht, als ihr angeraten worden, und nun lag sie infolge der Verletzungen, die sie sich selbst zngefügt, in hochgradigem Ficher und vermochte nur mit Mühe laute Schmerznisrufr zu unterdrücken.

Nicht eine Spur von Mitleid Leigte sich in dem

Gesicht der Jndierin. „Run mag er kommen und sie sehen", murmelte sie mit einem Lächeln der Be- sr-eoigung, und sandte alsbald einen Boten zu dem Rajah mit der Bitte, ihr einen Besuch zu schenken.

Eine Stunde später trat der Erwartete ein.

„Was ist gescheh:», Pnmba?" fragte er sogleich; „hoffentlich betrifft eS nicht die weiße Frmi, die ich Deiner Obhut anvertraut?"

„Herr", fprach sie mit erheuchelter Betrübnis, „gerade nm dieser Fremden willen rief ich Dich her. Sie scheint von einer schrecklichen Krankheit befallen zu fein, die man nur im Lande der Weißen kennt; denn noch nie sah ich solche Veränderung in dem Gesicht eines Wlenschen."

„Hast Du sie vergiftet, Weib", rief der Rajah mit drohender Stimme, „so wahre Dein Leben!"

„Es ist kein Gift in ihrem Bereich gewesen, seit sie hier ist; doch weiß ich nicht, ob sie vorher sol­ches besessen hat."

„Führe mich zu ihr, — ich will sie sehen!"

„Aber es könnte eine ansteckend: Krankheit und gefährlich für meinen Gebieter fein, in ihre Nähe zu kommen —"

Mit einer Bewegung der Ungeduld fchnitt er ihr die Rede ab, und ohne weiteren Einwand führte sie ihn zu der Kranken. Der Rajah trat dicht heran, fuhr aber im nächste« Augenblick erschreckt zurück und starrte das Gesicht an, das er so sehr bewundert hatte.

„Es ist furchtbar!" stieß er leise hervor. Dann wandt: er den Blick und richtete ihn mit durch­dringender Schärfe auf die Frau. „Was hast Du mit ihr gemacht?" fragte er «och einmal und packte sie rauh am Arme.

„Nichts, Herr, glaube mir. Sie war schon krank, als sie ankam und lag, tote ich Dir meldete, von der ersten Stunde anteilnahmlos in einer Art Erstarrung da, toeigerte sich. Speis: und '.tränt zu nehmen, und wurde gegen Abend unruhig und auf­geregt; doch erst heut morgen nahm ich diese äuße­ren Anzeichen wahr. Was sollen wir mit ihr am fangen? Wenn die Krankh'it ansteckend ist, wird das ganze Haus davon heimgesucht werden," _ M. jj

(«) Bor der Entscheidung im amerikanische« Wahlkamp?

Heute findet die Präsidentenwahl in den Vereinigte« Staaten statt. Das heißt: nicht die Wahl des Präsidenten selbst, sondern die Wahl der W a h l m ä n n e r, die dann den Präsidenten erkü­ren; denn die Präsidentenwahl ist indirekt. Aber die Wahlmännertoahl ist so entscheidend, daß die spätere cigenllichc Präsidentenwahl nur noch eine reine Formsache ist, die nicht viel Jntereffe niehr erregt, während die Wahlmännerwahl das ganze Land in höchste Spannung und Aufregung versetzt. Diese Wahlmänner sind nämlich auf die Person des Präsidentschaftskandidaten der einzelnen Parteien so streng verpflichtet, daß ein Abweichen von der vorgeschrieben-n Richtlinie als ausgeschlofien gilt. Die Wahlmänner nehmen die eigentliche Präsi­dentenwahl am nächsten 4. Februar vor, und d:r mit der größten Stimmenzahl aus dieser Wahl hervorgehende Kandidat ist dann von dem darauffolgenden 4. M ä r z, an dem er sein Amt an« tritt, für die nächsten vier Jahre, also bis zum 4. März 1917, Präsident der Bereinigten Staaten von Nordamerika.

Es sind, da bekanntlich die Republikaner sich gespalten haben, diesmal drei Kandidaten, die um die Präsidentschaft ringen: auf Seite der Republi­kaner der jetzige Präschent Taft und fein Vor­gänger Roosevelt, und auf Seit: der Demokra­ten Wilson. Wer von den dreien hat die meiste Aussicht, gewählt zu werden? Das ist die große Frage, die nicht nur jenseits, sondern auch diesseits des Ozeans arges Kopfzerbrechen verursacht. Den Republikanern, deren Aussichten in den letz­ten Jahren ohnehin schon sich merklich verschlechtert haben, schadet die in der Partei ausgebrochene Spal­tung ganz zweifellos außerordentlich. Der Gegen­satz zwischen Taftisteu und Rooseveltiste» ist nicht geringer, als der zwischen Republikanern und Demo­kraten. Selbst wenn infolge dieser Spaltung keine Republikaner in das demokratische Lager übergehen sollten, wird dadurch doch der Wahleifer und die Agitationsfreudigkeit der Wähler und Wahlmacher stark gelähmt, sodaß der demokratische Kandidat Mindestens indirekt Vorteile von der Spaltung hat.

Ebenso unsicher lute die Frage: ob die Republi- latter oder die Demokraten Sieger sein werden, sind die Aussichten der beiden republikanischen Kandida­ten gegen einander. Taft, als der „Besitzende", die Präsidentschaft Ausübende, dem das B-amten- heer und alle an ihn wie an die Regierung sich Herandrängenden zur Verfügung stehen, hat barm ganz gewiß einen nicht zu unterschätzenden Vorteil vor seinem Nebenbuhler voraus, und er nutzt ihn auch weidlich aus. Aber es mangelt ihm die Volks­tümlichkeit und das Ansehen seines Vorgängers Roosevelt, und vor allnn dessen Rednertalent, das gerade tn Amerika von außerordentlicher Bedeu­tung ist. Und nun kommt noch dazu das kürzlich auf Roosevelt verübte Attentat, das ihm die Sympathien nicht weniger seitherigen Gegner ver­schaffen dürfte. Die wirtschaftlichen Mängel der Republikaner, di: im Volke wachsende Mißstimmung gegen diese Partei bervorgerusen haben, wie bi: Be­günstigung der großen Handeistrusts, die alles auf- saugen, und die passive Haltung gegenüber der Kor- ruptiou und endlich die maßlose Zollpolitik, find beiden Kandidaten gemeinsam, sodaß keiner dem an­dern darin etwas Vorzuwersen hat. So läßt sich auch nicht mit einiger Wahrscheinlichkeit Vorhersagen, welcher von beiden — falls die Rcpublikan>x über­haupt wieder die Mehrheit der Wahlmäanerstimme« ‘erhalten — als Sieger aus dem Kampfe hervor- 'gehen wird.

"tt-Ueickft, daß keiner von Ihnen, weder Tast ^wch Roosevelt, am 4. März nächsten Jahres tote» Der in das Weiße Haus in Washington einzieht. Die Demokraten haben nämlich seit nunmehr acht ^Jahren so bedeutend an Boden gewonnen, daß bar» gus nicht wenige den sicheren Schluß ihres Sieges b« der Präsidentenwahl ziehen. Ihr Wachstum er» Pellt am besten aus der Zunahme der Wählerstim- M«t. Es erhielten nämlich:

sie Republikaner die Demokraten 1904 7 623 000 tRoosevelt) 5 078000 (Parker)

1908 7 «78 000 (Taft) 6 609 000 lBryans

Inzwischen errangen bi: Demokraten 1910 bei Her Neuwahl ds Repräsentantenhauses einen glön-

deutete die anderen, hinauszugehen und gab Rabda, die ihr gefolgt war, einen Wink, mit ihr an das La­ger der Gefangenen zu treten. Das farbige Mädchen trug ein Tablett mit Erfrischungsmitteln, das sie auf einen kleinen eichenen Tisch, nahe dem Bett, stellte. Sie nahm einen Becher und hielt ihn Isabella an die Lippen. Dies: kostete und schob ihn zurück. Nein, sie mochte nichts genießen; der Trank war nicht er­quickend wie der vorige; ein schwacher Wohlgeruch entströmte ihm, der ihr unangenehm war.

Sie sah auf in des Mädchens Gesicht; ein bedeu­tungsvoller Blick begegnete dem ihren, und tote ein Hauch drang der Nante „Bathurst" an ihr Ohr.

Tas war genug; von ihm konnte ihr nichts Bö­ses kommen; hastig griff sic nach dem Becher und leerte ihn bis auf den Gründ. Die ältere Frau hatte mit Spaunung den Vorgang beobachtet; nun wech­selte sie in ihrer Sprach: einige Worte mit der Toch­ter des Gauklers und verließ das Zimmer.

Kaum toar sie gegangen, so legte Rabda war- nend-den Fmqcr auf de» Mund; dann flog sie nach der Tür, zog die Vorhänge fest zusammen und kehrte zu Isabella zurück, zwei Fläschchen und einen Brief in ihre Hände legend. Begierig öffnete dies: und las, las toieder und wieder, bis Tranen ihr die Brust erleichterten und sie voll heißen Dankgefühls das an ihrer Seite knieende Mädchen umschlang und einen innigen Kuß auf ihre Wange drückte.

Mit ausdrucksvoller Gebärde reichte ihr die letz­tere Papier und Bleistift, Isabella nahm es und schrieb mit fliegender Hast. „Dank, tausend Dank, mein Freund! ich werde Ihre Anordnungen be­folgen. Bitte, senden Sie mit, wenn Sie können, ein sicher und schnell wirkendes Gift, damit ich für alle Fälle gesichert bin. Fürchten Sie nicht, daß ich vor dem Gebrauch der Sachen, die Sie mir ge­schickt, gurücf beben tonnte; ich würde nicht zögern, sie hinunterzuschlucken, wenn kein anderer Ausweg bleibt. Wie glücklich bin ich, daß Sie, und auch Wil­son, dem Tode entronnen sind! Wissen Sie, daß mein armer Onkel und alle anderen im Boote, Frau Hunter unb Mary ausgenommen, ermordet worden sind? Ich flehe Sie an, wagen Sie nicht zu viel, —

Ans dem Nackdargebiek.

**» Molzbach, 1. Nov. 1912. Auf dem Basalt- werk lUmenitetn v rrunglückte gestern der Arbeiter Wiegand von hier. Beim Aussetzen eines Wagone glitt derselbe aus und trug eine erhebliche Quetschung ves linken Fußes davon.

* Schlitz, 3. Nov. 1912. Die Dampszte» q e l e i Bernshausen wurde von den Gebrüdern Jakob und Karl Lachrnaun samt Inventar käuf­lich erworbe». m . . _, _ ,

* Landenhausen, 3. Nov. 1912. Bei den Schürf­arbeiten in diesiger Gemarkung ist der Uuiernchmer Nau auf Eisensteinlager gestoßen, die den Abbau lohneu. , ...

* Lauterbach, 3. Nov. 1912. Em Gelegenheits­arbeiter, der schon wegen Diebstahls und Betrugs hinter Schloß r *) Riegel saß, stahl am Donners­tag im Steinigsgrunde einen Enterich, der sofort zu Hause angerichtet wurde. Der Entenfreund war-

tete schon mit Sehnsucht auf den herrliche^. blick, da der gebratene Bogel auf dem Ttfch« er» cheinen sollte. Doch die Männer des Gesetzes hatte» vom leeren Braten Wind bekommen und kamen ge­rade noch recht. Statt Entenbraten toirds nun für den Betreffenden etwas weniger leckere Kost hinter den schwedii^'" Gardinen geben.

* Offenbach, 3. Nov. 1912. Der 45iährige Maurcr Herrscher st ü r z t e am Samstag von dem 3 Stock eines Neubaus in der Lilistraße in btt Tiefe. Zum Glück fiel er auf einen Sandhaufen, wodurch der Sturz etwas abgeschwächt wurde; im» incrhin trug der Verunglückte schwere innere und äußere Verletzungen davon. — Ein Selb st mord» kandidat sprang am Fechenheim er Ufer in den Main, schrie aber gleich um Hilfe. Daraufhin wurde er mittete Kahn wieder aus dem Wafier befreit. _ t

* Rotenburo. 3. Nov. 1912. In der Stadwer- ordnetensitzung wurde auf Antrag des Magistrat» beschlossen, von der Erhebung eines Einkaufsgelde» von 10 zur Erwerbung des Bürgerrech- t e s abzusehen. ~ t

* Niederzwehren, 3. Nov. 1912. _ In der vorletz, tat Nacht wurde im Bahnhofsgebäude ein Ein- b r u ch beruht. Die Einbrecher zertrümmerten mehrere Türen un*1 versuchten, den Geldschrank zu öffnen, was ^’-n aber nicht gelang. Dagegen er- beuteten sie kleinere Kafienbestände, öffneten im Güterschuppen zwei Reisekörbe, und entnahmen ihnen mehrere Gegenstände.

X fiaffrl, 1. November 1912. In diesen Tagen hielt die 5. Generalsynode für den Kon. > ist orialbezirk ihre Sitzungen ab. Wie aus den Berbandlungcn zu entnehmen ist, mehren sich auch unter der evangelischen Geistlichkeit die Stimmen, welche di« Abhaltung von Kciegsspielen am Sonn­tag zur Zeit des Gottesdienstes nicht billigen, weil oadurch viele Jugendliche von berErsüllung threrSonn tagspflichten abgebalt en würden. Superintendent Dr. Klingender behauptet in einem Bericht, daß in Gegenden und Orten, wo die Evan­gelischen in der Minderheit wären, die kath. lieber- macht oft drückend u. hindernd empfunden würde, während da, wo bie Verhältnisse umgekehrt liegen, alles friedlich sei. Die Zunahme der kathol. Gemein- oen, die Errichtung von Kirchen und Kapellen in een Städtchen Kurhessens seien ein Hindernis des ttrchlich- evangelischen Ledens. Damit hat der Red­ner den Katholiken den Vorwurf bet Intoleranz ge­machte, wo ür et freilich keinen einzigen Beweis erbrachte. Man darf wohl fragen, was tun denn Die Katholiken dem Protestantismus in seinen Städten ut leibe? Nichts. Wie aber bet Evangelische Bund, dem das ehrende Zeugnis ausgestellt wurde, „den Kampf gegen den Ultramontanismus scharf ge« ; übrt zu haben', namentlich hier m Kassel ein fried­liches Ncbenemanderleben der beiden Komesttone,'. durch feine fortgesetzten Hetzereien gegen alles Feugo­tische erschwert, da? ist sattsam bekannt. Wenn dann gesagt wurde, die »Ausbreitung der kathol. k,rch« würde kräftig propagiert durch die Kranken­pflege treibenden Orden, die der taiyoi. Kircye vm Weg bereiten müßt n', so könnt» doch zur Be­ruhigung der Teilnehmer gesagt werden, daß infolge oet Mischehen bet größere Teil der Kinder der vrotestanlifche« Religion zugeführt würden, eine Tatsache, die unsere größte Beachtung verdient. Welche Anstrengungen die Protestanien mache«, um Katholiken auf ihr« Seite zu ziehen, zeigen bi« Berichte, nach denen die Gesellschaft zur Ausbreitung des Evangeliums mit gutem Eriolg arbeitete, sich auch früherer kath. Geisttlcher annabmen und auch unter den Italienern durch Predigtdienste große Erfolge erzielt habe. Dian sieht, die Propaganda der Protestanten unter den Katholiken wnd euergifch betrieben. Wenn auch der Erfolg in Wirklichkeit etwas bescheidener sein dürfte, als die Redner bar» taten, so erleidet unsere Kirche doch manchen Ab­bruch. DaS hindert natürlich die eoang. Bundes« brüder nicht, uns bei jeder Gelegenheit den Vorwurf der Proselytenmacherei zu machen. Es wäre dem Protestantismus viel besser, wenn er aus eine Ver­besserung seines innerkirchlichen Lebens binar betten wollte, statt den »Katholiken das Evangelium zu verkünden'.

* Göttingen, 3. Nov. 1912. Der Schlächter Fischer wollte auf dem Schlachthofe einen Bulle« zum Schla ten aus dem Stolle holen. Plötz.