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39. Jahrqau .
^ulda, Montag den 4. Rovemoer 1912.
Erstes Glatt
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Zer Maalirieg.
• Die tni'fen geschlage»
Au der völligen Niederlage der Türken 1 de^' großen £ lacht von Lüleburgas—Bunar Hif- it läßt sich nicht mehr zweifeln. Tie Meldungen türkischen Oberbefehlshabers von Erfolgen seines echten Flügels sind deshalb nicht falsch gewesen, nur ezoaen sie sich aus einen Teil des gewaltigen «aiupfes und wurden durch die späteren Ereignisse \ das Gegenteil verwandelt. Die Bulgaren hat- -n mit rücksichtsloser Kühnheit olle verfügbaren ktreitkrüste berangczogeu. Dos Eiirschließungskorps vr Adrianopel wurde zum größten Teil in Eilmar- he» zur Unterstützung in Betvegung gesetzt und traf wch rechtzeitig ein, während die Beobachtung der kfUtitg Landirurmfornrationen überlassen wurde und Gleichzeitig von den verbündeten Serben stärkere -rüste mit der Eisenbahn herankamen.
Die beiden Heere standen am Montag in der Linie üleburgas-vesküb östlich von Kirkiliffe gegenüber, .m einen bulgarischen Borstoß gegen ihre Rückzugs- mir des rechten östlichen Flügels, der augen- cheinlich angesetzt war, entgegcuzutreten, gingen die Gurken unter Befehl von Machmud Muchtar Pascha u nt Angrisf über und drängten ihren Gegner kn Stück z u r ü ck, mußten jedoch einem mächtigen öeacnstoß des Kindes weichen. Da sie genügend Re- >rven hatten, die sie alle einsetzten, konnten sie sich rdoch Haltern Unterdes batte ihr linler^w est» Ücker Flügel bei Lüleburgas seine Stellung vr dem bulgarischen Angriff nicht halten kön- j e n, eine Entscheidung brachte aber erst ein Stoß jus die Mitte des türkischen Heeres, zudem von ter Einscklich',nmKarmee um Adrianopel in Eil Märchen Berstärkungen heranqekommeu waren. Er ge- hng und nun schwenkten die Bulgaren mit der Mitte fach Süden ein und rollten den feindlichen w e st - sichen Flügel von der Flanke auf und warfen )n auf Tschvrlu zurück. Auch den ö st l i ch e n 'ürkischen Flügel ereilte jetzt fein Geschick, «mfaßt von Norden her, konnte er feine natürliche H'ickzuasstraße nicht mehr gewinnen und wurde zum kückzug in der Richtung des Stoßes direkt nach Sü- en auf Tfchorlu gezwungen, so daß die g e s ck l a - enenHeeresteileineinanderstießen.
Wien, 3. Rav. 1912. Der Kriegsberichterstatter er „Reicksvöst" bei der bulgarischen Armee meldet xm gestern: Die in der Schlackt von Lül,-buroas- knsa geschlagene türkische Armee setzt hren Rückzug entsprechend den beiden Haupt- pmvfornppeu im grüßen und gamen auf zwei inte«, nämlich über Tschvrlu und westlich van Morris fort. Die nördlicke Kolonne versucht die Linie jiber Sarai ans Stranza, die südliche iene aus Ta- aldfcka z« gewinnen, um in den dortiaen befestigen Stellungen nochmals einen Widerstand zu ver- stchen. Die unmsttelbar nack dem Kamake inv 0 l- er Auflösung geflüchteten Truvven ,aben, durch das Eintreffen Wörter tstrs^er Divi- chnen Westlich von Stranra und bei .Kerkeskoej nnter- chitzt, stck teilweise zu sammeln begonnen, die Bnlmren st"d bestrebt, dnrck Borsckieben ibrer sorchokten über Sarai nack Stranza nnd Kerkeskoes Vn Tü"ken den Röckrugzu verlegen. Das Zow-"'cken der Bnt-mren erlitt eine Bermwruna durch ie Kän-rW im Waldaebiet südöstlich WEa, es wird j-doch nach stnrückwerfen der dort befindlichen Trrtv- >XX 1**^* fr-.
fym .Kampfe bei Lüleburgas wurde eine türkische j)ivstsan von dem P'-na der Armee nach Sicken ab- iedrän»» und rerckren^t. Die Eisenda'-"veibt''dnna Ict Dürstm nack Twackscko und mebmrxn anderen kf -Tfen ist unt-rbrocken. Die Grausames t e n. die die Türken auf ibrem Rück- 'uge verüben, sind rntset>lick. Alle Dar» dr werden rriederacbrannt, alle Ebristen ermordet.
—*’’«*> die anatoliscken Redifs Hansen wie vild"wtx»p
* ?. 191Q. Das Bckatt . 'TT)4rn six-
)scht-t ans riw-mtgnriaer O Neste, daß di» Türken, ch», gr Ttr Demir-Hstt^. h»rTt(>F>m, in einer Kaserne ^00 ^ulaaren einsckkoffen und die Kn« erueinBrandaestecktbätten. sodaß sämt- ficke ttMmvnm nwnP1fnmmpn Kien. Fm Strrmd- /af böt»en die Türken bnlaariscke Einw-chner grup- icnwcks» ar>^-4mndon p-nh niederaernetzelt.
w KonNai-tiu-mxs 9 9?ob. 1912. Die im Ans- erb verbreiteten ststeckunoe«. General Brinz A si s stzierf-^offenbvrden, sind uumtrefsend.
W Konst«»tinovel. 4. Nov. Amtlich wird icdt'gnch von tii kiicher Seite bestätigt, daß die tür- ^che Armee genötigt ist, sich <mf die Tlchataldscha- Linie ruri'ckmüeben. — Die Tfchataldscka-Linie ist sie l e tz t e Verteidigungsstellung vor Konstantinoves. Sie ist eine etwa 40 Kilometer westlich von der daiwDodt rwiscken denk Schwarzen und dem Aegäi- Öjett Meere liegende Reihe von Erdwerken.
wb. Konftantmopel, 4. Nov. 1912 (Tel.) Vkrläsilicke Informationen be- ftätiqcn, daß die Schlackt bei Lnle' b nra a s sichzu einem furchtbare» Schlag ‘itr die Türkei gestaltete. Die Bulgaren, 'n deren Reihen zahlreiche 17 jährige kiiekrute« waren, griffen mit großem llngeltüm au, sodaß die Türken nach üb erans sAweren Verlusten — man fprickt von 49009 Toten und Ber- chun^eteu bei einer Gesamtstärke von Ä0000 Mann auf türkischer Seite — sich znrückzrehs« mußten. Auch die bulgarischen Verluste sollen überaus zraß sein.
Die Belagerung von Adrianopel.
W Sofia, 3. Nov. 1912. Seit geswrn früh wird Adrianopel beschossen. Mehrere bnlgart- schc Aeroplane umkreisten Adrianopel ztvecks Rekognoszierung. , .ix
XV Koustauiinopel, 2. Nov., 1 Uhr nachmittags. Aus Adrianopel eingetroffeue Nachrichtm be« ftätlgeu, daß die Stadt in der Linie von Akbunar nördlich, von Kemal nordwestlich und von Kujunli westlich von Adrianopel emgeschlossen ist. Es herrscht verhältnismäßige Ruhe. Es kam zu einem Zv'ischeufa'l, als gefangene bulgarische Flüchtlinge ausbrechcn wollten. Die türkischen Truppen hinderten sie durch Getvehrfc.uer an der Ausführung ihres Vorhabens. Der österreichisch-ungarische Konsul hat Maßnahmen getroffen, um die österreichisch- ungarische und deutsche Äolonie im Notfälle zu schütze». Es heißt, daß türkische Soldaten auf der Flucht die Geschäfte in Haskoj geplündert hätten und daß ein türkischer General von seinen Soldaten mißhandelt tourbe.
W Kou.stautinopel, 2. Nov. 1912. Die Zeitungen berichten von einem neuerlichen Ausfall aus Adrianopel auf der Seite gegen Marasch. Der Kampf dauerte zehn Stunden.
Tie Serben.
I dampfte heute in zwei Abteilungen ostwärts. Fer- ! ner geht in Portsmouth das Gerücht um, daß sogar dir dort liegenden Abteilungen der Schlacht« flotte, vier Schlachtschiffe und neun Kreuzer, sich zur Abfahrt bereit machen. Wahrscheinlich sind ine bedrohlichen Meldungen von den Christen in Konstantinopel und den anderen türkischen Häfen bevorstehenden Gefahren der Grund dieser Maßnahmen.
W Rom, 3- Nov. 1912. In Verbindung mit den Nachrichten von der Entsendung von Kriegsschiffen durch di: Großmächte nach türkischen Häsen weist die „Tribnna" darauf hin, daß Italien im Aegäischen Meere durch die erste Division des zweiten Geschwaders, bestehend aus den Schifien „Regina Margherita", „Emauuele Filiberto", Ammi- raglio di Saint Bon" und „Coatit", unter dem Admiral Am.wo Taste vertreten ist.
* Konstantinopel, 2. Rov. 1912. Die französische Botschaft sandte einen Dampfer^ nach Rodosto zur Aufnahme der dortigen französischen Kolonie.
W Konstantinopel, 3. Nov. 1912. Wie es heißt, haben die Botschafter an die Pforte das Ersuchen gerichtet, einem Kreuzer jeder Nation die Durchfahrt durch die dNeerenge zu gestatten.
0 Tie diplomatische Lage.
W Wien, 3. Nov. 1912. Das „Fremdenblatt" veröffentlicht folgende Notiz mit Ueberschrift: „Einnahme von Prizrend: „Falls sich die aus Belgrad gemeldete Nachricht von der Einnahme P r i z - rends durch die serbischen Truppen bestätigen sollte, dürften letztere, wie angenommen werden darf, das Ziel ihrer siegreichen Operationen gegen Westen erreicht haben. Weder militärische noch nationale Nlotive liegen dafür vor. daß das serbische Heer in die jenseits von Prizrend gelegenen, ausschließlich von Albanesen bewohnten Gegenden, also in das unbestrsttene Territorium eines anderen Balkanvolkes, eindriuge.
XV Belgrad, 3. Nov. 19T2._ Die.Einnahme von Prizrend lvird amtlich b e st ä t i g t.
» Belgrad, 3 Nov. 1912. Es verlautet, daß Issa Boljetinae sich mit 15 000 Albanesen den serbischen Truppen ergeben habe.
* Konstantinopel, 2. Nov. 1912. Die Lage Mazedoniens gilt als hoffnungslos, nachdem das fünfte Korvs durch die Serben bei Kumanowo vernichtend geschlagen und das zu Hilfe eilende sechste Korps von den Bulgaren besiegt ist. Die Trümmer beider Korps sind später infolge Müder Panik geflohen, so daß der Weg nach Saloniki offen liegt. Zugleich mit der Vernichtung .der Warda- Strnmitza^lrme- wurde die den Griechen gegen» überstehende Armee besiegt, so daß am Mitrwoch den Griechen keine irgendwie nennenswerten Streitkräfte eutgegengestellt werden konnten. Dazu kommt, daß die "griechische Flotte bedeutende griechische Banden mif der Halbinsel Chalkidike organisierte, deren Wachtfeuer bereits auf den Höhen über Saloniki zu sehen waren. Sie erwarteten allem Anfcheine nach den Anmarsch der griechischen Armee, um in Saloniki einzudringen. Dort sollen sehr bedenkliche Zustände herrschen. Verschiedene Mordtaten versetzten die Bevölkerung in Angst. Auch die europäische Kolonie besürchtet das Schlimmste und erwartet deshalb sehnsüchtig fremde Kriegsschiffe. Angeblich sind 30 000 Flüchtlinge aus Mazedonien in Saloniki, meist Gesindel, von dem man Plimderungen befürchtet.
Panik in Koustautinopel.
Landon, 2. Rov. 1912. Aus Konstantinopel liegen hier angeblich Depeschen vor, die denr Zensor entgangen nnd über Conftanza geschmuggelt, worden sind. Die in diesen Telearomnum geschilderten Zustände lasten, wenn die Tatsachen wahr sind, das Schlimmste sür die türkische Hauptstadt vermu- ten, wenn das geschlagene und demoralisierte türkische Heer nach dem Bosvonis zurücksluten wird. Die Regierung tut ja ihr Möglichste?, um der Kata- strofche. vorzubeuacn, aber man ist in Konstantinopel allgemein der Ansicht, daß sie ibr kaum noch gewachsen sein wird. Schon jetzt ickwürmen Kurden, Baschi- bcsuks und anderes zweifelhaftes Gesindel mastenboft fiLcr KonstantiuovA brr ein, Taufende kon Flüchtlingen treiben sich mittellos, buogernd in den Straßen umher und zu gleicher Zeit ergießt sich ein Strom von Landt-wot'nern über die Steckt, die aus den Dör- fern am Bosporus fließen, weil sie Mord und Raub von beu eigenen ? 'Idolen kürchwn. Die Stcckibewebner haben ihre Fensterläden aeschloffen und ihre Türen verbarrikadiert. Die Kiu-de von den der« Heerenden Nwderlaaen bat die Mobammedaner auf das Höchste geaen die Euroväer aereizt, viele Cbri- ften wo—n c? »H mehr, ibre .Häuser zu verlaistn. Es beißt, daß 15 000 Monn von bar bei Kirkiliste geschlagenen Trn^u-n sich mordend und plündernd der Han''U^adt näbern. Cb etwas wahres daran ist oder nicht, dos Gerücht hat einen panischen Schrecken hervor-rerufen.
Die Flotten der Mächte.
W Berlin, 3. Stov. 1912. Die zur Zeit sich im Mittelmeer befindenden drei Kreuzer „Hertha", „Mneta" und „Geyer" erhieüen den Befehl, sich zirm Schutz von geben und Eigentum der Deutschen in die türkischen Ge- wässer zu begeoen. Außerdem werden der Panzerkreuzer „Goeben" rmd der kleine Kreuzer „Breslau" in Kiel bereit gemacht, um binnen 24 Stunden in See zu gehen.
* London, 3. Nov. 1912. In PortSmouch wurde die sechste Torpedoboot-Fl otille, be« stehend aus drei Kreuzern und 20 Torpedobooten, plötzlich mobilisiert. Alle Mannsch aften wur- den vom Lande zurückbeordert, die Öfsiziere teilweise telegraphisch an Bord berufen. Es wird offiziell angegeben, daß Montag Manöver stattfinden fallen, doch wird vermutet, die Schiffe würden heut» Nacht nach dem Balkan abdampfen. Auch von der fünften und siebenten Torpedoboot-Flottillr in Chatham und Tevonport wird die Rkobilisierung gerne!» bet. Die dritte Schlachkfiotte in Gibraltar
Am Samstag gab es zum Schluß noch Siege?« Nachrichten aus Konstantinopel. Wenn sie dock wahr wärenl wünschte jeder Friedensfreund; denn der Ausgleich und die Neuordnung der Dinge werden erleid) tert durch jeden Eriolg der Türken, der den Balkaustaaten eine genuffe Mäßigung ankert egt. Sic sind aber nickt wahr gewesen; es hat sich nur um zeitweilige Teilerfolge gehandelt.
Der Sultan hat feine Genera e zu den Teil« erfolgen demonstrativ beglückwünfcht. Dadurch follie offenbar die Vviksstimmung in der Hauptstadt auf. geirstckt werden. Der Sultan sprach dabei auch von einem ,d iplomatischen Ersolg". Ob das Blmisterium Kiawil wirklich etwas Tröstung und Stärkung im Berkehr mit den großmächtlickien Ver- tretern ei gebemist hat, ist vorläufig noch dunkel. Was aber sonst über die Stellung Bet Großmächte zur breimenden Balkansragc bekannt geworden ist, läßt sich als günstig bezeichnen.
Allerdings hat der etwas übereifrige Poincaro mit einer neuen Vermittelungssormel tem Glück gehabt. Er wollte eine gemewfame Ver- mittcluüg in Gang bringen auf der Grundlage einer atlgemcinea europäischen Unbeteiligthei1s«Er- klarung. Vielfach ivird der in der Formel gebrauchte Ausv nck dkinteressement in „rlneigennütz gteü* üoerseh; das Hingt so, als wei n man nur auf Eroberungen verzichten sollte, während doch schon die Wahrung bestehender Interessen das d6sinteressement unmöglich machen könnte. So hegt die Sache z. B. da Oesterreich, das nichts Haden, aber auch nicht? verlieren will, namentlich nickt seinen freien Handelsweg nach Siwostcn Also kann fick Oesterreich nicht für unbeteiligt oder tuterestmiss erklären. Das Hätte Herr Powcars auck vorder nr.fp-n können.
Andererseits Hast Oesterreich nicht an der alten Formel vom Status quo fest. Rechtzeitig Hat auch die österreichische Regierung schon Halbamtlich erklären lassen, der Status quo sei nicht mehr im stren- qen Sinne der unveränderlichen Besitzverhültnisie, fondern inr Sinne des billigen Interessenausgleichs zu verstehen. Neuerdings lautet die Formel, die Oesterreich dem französischen Vorschläge entgegensetzt: ungestörter Fortbestand der Interessen der europäischen Mächte auf dem Balkan. Damit läßt sich ein Gebietszuwachs für die Balkaustaaten im Verhältnis zu ihren kriegerischen Erfolgen wohl vereinbaren.
Die Hauptfrage ist freilich, ob Rußland mit der notwendigen Besckränkung der Ansprüche der Balkanstaaten einverstanden ist. Und das scheint der Fall zu sein, — wobei allerdings vorauszusetzen ist, daß Herr Ssasanow am Ruder bleibt. Eine Rede Ssaiano»"? aus bett letzten Tagen denket darauf hin, daß Rnßland durch die überraschenden Erfolge der Bulgaren beunruhigt ist und diesem groß gewordenen Pflegekiude weder die Eroberung von Konstantinopel, das die Rusten sich selbst als Fu- krmstsbeute machen wollen, noch eine zu große Aus- debnunz m't den unvermeidltckeu Selliständiakeits- trieben gönn'. Daher die Annäherung an Ruma n i en , das man al? Gegengewicht gegen Groß- bi-lgarien in Reserve hält, sowie das ze'rtiae Einverständnis mit Oesterreich, das ebenfalls auf die Beschränkung der SiraeSbeute hingrbeiten muß, nnd zwar seinerse' l Zunächst hi der Richtivw auf Serbien. Tie Verbcmdlungen zwischen Wien und Belgrad, die ollem w-f'Mn nach im Ganae find, werden gewiß zum Ziele fiibren, d. b. zur Sickerung der. österrei bi' hen Handelsstraße, wenn nur die Serben willen, daß fie auf ein Eingreifen Rußlands nicht rechnen dürfen.
Exsultan Abdul Hamid in Konstantinopel.
Rbdnl Hamid ist am Samstag früh an Bord des deutschen Stakionssckiffes „Loreley" in Konstantinopel anaeromwn und dnrck ein türkifckes Dampf- boot nach dem Paläste Bevlerbey gebracht worden. Ain Mittwoch creaen Mittag hatte ein von Oberleutnant zur See Becker befebliates Boot in Saloniki ibn mit keinem Harem vom Kai abgebolt. Bevlerbey diente seinerzeit Kaiserin Engenie und Kaiser Friedrich zum Aufenthalt.
Das Ende nahe?
wb. Konstantinopel, 4. Nov. 1912. (Tel.) Die Pforte bittet die Mächte um ihre Vermittlung zwecks Einstellung der Feiudfeligkeilen und Einleitung von FriedensverhanÄlungen.
2lus Kirche und Schule.
f Fulda, 4. Nov. 1912. Ter Hochwürdigste Herr Bgcvos yat die Piarrei Kämmerzell vom 1. Dezember ab Bem Herrn Pfarrer Friedrich G u t» beriet in Nlackenzell übertragen.
V Zur BischoMouserenz treffen im Laufe des^ heutigen Nachintttags in FulBa ein: Euuueuz Kar» btnal Kopp, Fürstbischof von Breslau, tir eilen», Tr. 'Ji ör ber, Erzdilckof von Freiburg, lernte die Hochwürdigsten Herren Bischöfe Dr. Keppler von Roitcnhurg, Tr. Ben zier von Metz, Tr. Fritzen von Straßburg, Dr. Korum von Trier, Dr. Kn- stein von Nkatnz, Dr. Schulte von Paderborn, Tr. v. Hartmann von Münster, Tr. Bertram von Hlldrshkim, Dr. Voß von £).raotud,*x)r. Btudau von Ernt land, Dr. v. L i ko w s k i, dischof von Posen, Dr. Schaefer von Sachsen, Dr. Koppes von Luxemburg, sowie Herr Kapttular« AVikar Dr. Kreuywald als Vertreter der Erzdiözese Köln. Am Erscheinen sind durch Urrwohl«
Deutsches Ueich.
Mim'ster Sau Giuliano in Berlin.
Der italienische Minister des Aeußer, Marquis di San Giuliano, traf Sonntag abend 11,50 auf dem Anhalier Bahnhof in Berlin ein, um den Besuch des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, v. Kiderlen-Mächtrr, zu erwidern, den dieser im Frühjahr dieses Jahres in Rom ihm abgestattet hat. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnhof sämtliche Herren der italienischen Botschaft und auch der italienische Militärattachöe, der Marine- und Handelsattachse eiugesunden. Der Minister war von seinem Kabiuettsches und seinem Kabinettssekretär begleitet.
San Giuliano wird heute dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter einen Besuch abstatten, aui Dienstag wird der Minister vom Kaiser in Pots» denn in Audienz empfangen.
» Rom, 3. 9wv. 1912. (Tel.) Der „Sortiere d'Jtalia" schreibt zum Bestich San Giulianos in Berlin, daß der Besuch, obgleich er nur als Höflich» keitsakt angeküudigt war. hinsichtlich der internationalen Lage, besonders des Friedens, eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben könne, umsomehr, da die Kabinette von Berlin und Rom seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten aus dem Balkan eine einträchtige (concorde) diplomatische Aktion verfolgt haben, um den Konflikt möglichst z« lokalisieren.
♦♦ Berlw, 3. Nov. 1912. Die Einnahmen des Reeckes aus Zöllen, Gebühren und Steuern Halen in der ersten Hältte des laufenden Rechnungsjahres tttiiB 820 Millionen Mark betragen und damit denVoranichtag um 14MtÜ!vuen überschritten. An dem Mehrcrirage find dr« Börsensteuern mit 3,5 MtÄonen Mat! beteiligt — König Friedrich August von Sachsen har dem preußischen Krieg-« Minister v. Heeringen den Hausorden der Rauten» hone verliehen.
" Wir Schisser Schkidcniann wähle« ließ. Zur veiflosteuen Präitdentenwahl im Reichstag bringt das ,Berl. Tagedlck auf Gründ »sehr guter Jnsormattrnen" eine Darstellung, die zunächst den Laut der Dinge bis zur Wahl deS Abg. Spcchn zum Ersten Präsidenten schildert, um dann weiter {ort» zchahieu:
N-lckdem nun als Erüer Präsident ein Mitglied der ichwarMauen Parteien gewählt war, mutzte die lutitonnUiberale Fraition von ihrem Elandpuntt <xu8 6a)üi Smge nagen, das Bild eine« rein schwär,blauen Präsidiunis zu verhindern. Das Gegebene war daher die Bildung em es Präsidiums ans den Närttten ‘gatteten: Zentrum. SuziatSemokraien und Stmionatltberale. Um einen Solchen Forigung ett Wahl zu exmögiidien, war eine Beriiändigung mit der SoziatBemokratie triorBeilid). Die Verhandlung hat der Hr. Adg. Schistet nut Ben Sozialdemokraten geführt, und zwar gmg Der nationalliberale Vorschlag dahin, Htn. Paasch« durch Die gtinmle Linke zum ertten und alebann den von der Sostaldemotralie ptaieniierten Htn. Scheidemann gteichiaUS Durch bte gesamte Linke zum zwe ien BizevräftDenien wählen zu lasten. Die Herten von der Sochr Demokratie ettlärten grundsätzlich hiermit et n • veruanden zu )em, wünschten aber mit Rückncht auf ihre MiiglleDerzahl für sich den ersten Bi eprästDen- icn und für Die nanonallideraie Fraktion Den zweiten. Da das |o zu bildende Präsidium aucsch!,ebllch dem Stärleverhästnis der Parteien entiptechend war, so tmmten von nationalitöetaler Seite hiergegen (Sm« wenDungen Nicht gut erhoben werden. Es ronroe daher vielem Vorschlag zugetzimmt und Abg. Schiffer filbft, unierstützi von einigen anderen Herten der Fraktion, beeilte sich, die Mitglieder der nationalliberale« g-raUion m Den wenigen, »och zur Verfügung neheude« älitnuten dahin zu verständigen, das nunmehr tteit ScheiDemann zum rsten unv alsdann Herr Paaiche zum ZweNen VizepräilDenteii zu wählen wären. Nachdem Schiffet leibit Die geidjloflene Liste der Nation libeta'en KrattionsmrtotieDer, aus Bte mit Bleiftist bte« jentgen eetmettt waren, die sich bereit ei klärt hatten, süt Herrn Schewemann zu stimmen, ttt der Hand batte, begab sich Der Abg. Schiffer lotecer im nut dieser Liste zu den Herren von der |o,talbemo£tatiid)en Fiakiwu, um diese zu informieren, daß die auf Herrn Scherve- maim entfallenDe Stimmen zahl unzweifelhaft ausreichend sein würde. Tatlächlich stnd denn auch Vie Mngtieder der nationalltberaen Fraklivri dieser Jnnrukiwn, wie sich aus der für Herrn Scheidemanii abgegebenen Sttmmeinahl von 18« ergibt, mtt nut ganz wenigen Ausnahmen nackgekoiumen. _®a6 der Abg. Schiffer «ach dem Vorausgkgangenen sich unter Dttlen Arn nahmen befinden sollte, dürste als ausge» schlossen gelten.
Abg. Schiffer gilt un Reichstag als Führer des reckten Flügels der NationaUiveralen Wie weit muß da erst der luike Flügel der Nntional- Itberalen stehen, wenn selbst der Führer des rechten Flügels, die Richtigkeit dieser Tatstellung voranS- geietzt, in der Annäherung au die Sozialdemokratie soweit ge angen ist?
* Aachen, 3. Nov. 1912. Tas frühere Mitglied des Reichstages und Abgeordnetenhauies, päpstlicher Geheimlämmerer Dr. jur. Bock, ist hier, 82 Jahr« alt, gestorben.