Einzelbild herunterladen
 

Jß 252.

SdiHi(fl3 2. Vovemoer 19(2- 59. Zahrsang.

»Tuldaer S Zeitung

2. Blatt

Brock un) Verlag der Ktldaer IdteuinKftrti ie $ul6a.

= Die Ursachen der türkischen

fett, als daß sich das ganze Heerwesen hätte von Grund aus nmgestalten lassen, auch War die Zahl der deutschen Offiziere im Verhältnis zu der Grüße der Armee viel zu gering, als daß ihre Tätigkeit hätte von durchschlagendem Erfolg sein können.

Aehnlich verhält cs sich auch mit dem Geschütz- Material. Ohne weiteres kann man die beider­seitige Artillerirausrüstung gar nicht miteinander vergleichen. Ein modernes französisches Schnell- feuergcschütz neuester Konstruktion muß natürlich einem älteren Krupp-Geschütz überlegen sein. Bei den grcßen und schnellen Fortschritten, dir die Mas­senfabrikation macht, kann da schon ein Unterschied von einigen Jahren von ausschlaggebender Bedeu­tung sein. Mas Helsen aber die besten Geschütze, I wenn der Soldat nicht ordentlich ausgebildet ist, sich ihrer nicht richtig zu bedienen weiß! Gerade über die mangelhafte Ausbildung der türkischen Artillerie ist schon lange geklagt worden. , ES ist deshalb ein vergebliches Bemühen, daraus die Min­derwertigkeit des deutschen Geschützmaterials ab-

wochen-Uun-schall.

[:] Fulva, 31. Oktober 1912.

Das preußische Abgeordn etenHaus hat in der Person des früheren Präsidenten des Reichs­tages, Grafen von Schwerin-Löwitz, einen neuen Präsidenten bekommen. Bon den Berhandlungs- gegenständen erregten das meiste Interesse btc Aeuc= ruuasfrage. Sie brachte dem Ministerpräsidenten einen vollen Erfolg, sein Zweifrontenkrieg nach rechts und nach links war so geschickt, daß er seinen Gegnern fast allen Wind aus den Segeln nahm. Die Linke war ob ihrer Niederlage sehr enttäuscht, noch mehr aber Wohl darüber, daß die Rechte sich nicht in ein Duell mit dem Reichskanzler einließ, sondern im Gegenteil sich mit den getroffenen Maß­nahmen im Großen und Ganzen einverstanden er­klärte. Tas Abgeordnetenhaus beschäftigte sich wei­ter noch mit dem Schleppniouopo.lgesetz, das für den Rhein-Weserkanal und den Lippekanal ein staatliches Schleppmonopol einführen will. Der Mehrheit der Zerttrumsfraktion kam es hierbei darauf an, daß die alte Wasserstraße Dortmund-Bevergen vom Mo­nopolzwang im Interesse der westfälischen Industrie befreit weä>e. Auch die Sparkassenvorlage kam am Dienstag zur zweiten Lesung int Plenum. Es war dazu ein von bürgerlichen Parteien be­schlossener Kompromißautrag cingebrachl worden, der fedoch nicht die Billigung des Zentrums gefun­den hat. Im Gegenteil steht das Zentrum nach wie vor auf dem Standpunkte, daß die Vorlage überflüs- gj sei, da die Sparkassen auch jetzt schon dafür arge trügen, für eintretende Fälle flüssige Gelder in Bereitschaft zu haben und daß auch durch dieselbe der Kurs der Staatspapiere nicht gehoben wurde; tm allgemeinen b Heute sic einen unberechtigten Ein­griff in die Selbstverwaltung der Sparkassen.

Seit Dienstag hat die Kölner Erzdiözese einen neuen Oberhirtcn in der Person des bisherigen Bi­schofs von Münster Dr Felix von Hartmann, der als Nachfolger des am 31. Juli verftcrbenenen Kar­dinals Dr. Fischer zum Erzbischof von Köln et« wählt worden ist. ^efe Wahl hat nicht nur in der Erzdiözese .tmu, |onoern aucy im ganzen katholischen Deutschland lebhafte Freude bervoraerufen, gilt Dr. b. Hartmann doch als ein sehr befähigter und ge­wandter Mann, den die Diözese Münster nur un­gern scheiden sieht, nachdem er kaum rin Jahr den Stuhl des hl. Ludgerus inne gehabt hat.

terdessen an der Arbeit, eine neue Formel für eine Intervention auf dem Balkan zu finden.

Zwischen Frankreich und Italien ist nun endlich die Verständigung über Marokko zu­stande gekommen. Auch vom deutschen Standpunkte ist diese Tatsache erfreulich. In dem Vertrage wird vor allem die Tätigkeit bestimmt, die Spanien in sei­nem Einflußgcbiet auszuüben hat. Sie soll vor allem darin bestehen, daß Spanien die marokkani­schen Behörden bei der Durchführung von Refor­men in den genannten Gebieten unterstützt und dort für Aufrechterhaltung der Ruhe sorgt.

ctzn den Vereinigten Staaten Nord­amerikas nimmt der Kampf um den Prasidenten- stuhl seinen leidcnschastlicken Fortgang. Neber den Ausgang der Wabl herrscht noch völlige Ungewiß­heit Die republikanische Partei ist gespalten und auch die Demokraten scheinen nicht entschlossen zu sein, restlos für Wilson einzutreten. Roosevelt hat neuerdings, besonders seit dem Attentat, an Ans­ichten gewonnen. Die wenigsten Aussichten dürfte

• Worms, 30. Oktober 1912. Die katholisch« Vereine der Stadt Worms veranstalteten am Sonn­tag eine Festversammlung zu Ehren des Hoch«. Herrn Bischofs Dr. Kirstein,derzm Spendung der hl. Firmung hier weilte. Redakteur Kleinstreuer begrüßte den Oberhirten und gab in kurzen und treffenden Strichen ein anschauliche-, erschöpfender Bild von der Tätigkeit der katholischen Geistlichkeit und der Laien für die katholische Sache in der Stadt Worms. Herr Bischof Dr. Hirstein betonte die Notwendigkeit, daß in unserer sturmbewegten Zeit alle Katholiken sich in den einzelnen katholischen Vereinen zusammenschließen. Den Arbeitern im besonderen empfahl der Diözesan« bffchof den Anschluß an die christlichen Ge­werkschaften, welch» Worte den Beifall der Versammlung gesunden haben. Ader auch den Wunsch des Papstes und der Bischöfe möchten die Arbeiter erfüllen und einem katholis chen Arbeitervereine sich anschließen. Hierdurch könnten sie sich am besten gegen die Gefahren schützen, die man in den letzten Wochen als von den christlichen Gewerkschaften drohend erwähnt habe.

* Bamberg, 31. Okt. 1912. Beim 21. Stiftungs- feste des Katholischen kaufmännischen Vereins Merknria hielt Erzbischof Dr. Hauck eine längere Rede, in der er darauf hinwies, daß er als Stadtpfarrer in Nürnberg zwölf Jahre lang als Mitglied und Ehrenpräses des dortigen Bruder­vereins Gelegenheit gehabt habe, Freud und Leid eines Vorstandes zu teilen, mitzuraten und mitzu­taten um das Schifflein des Vereins durch alle Fährnisse durchzulotsen. In dieser Zett habe er diesen Verein liebgewonnen, wie nur die Mutter ihr Sorgenkind liebgewinnen kann. Bei dieser Ge- legenheit habe er dir große Notwendigkeit der Ka­tholischen kaufmännischen Vereine erkannt. Der Ober Hirte sprach sodann in markanten Worten über die Grundsätze dieser Vereine (Pflege der Religiosi­tät, Hebung des Standes, Pflege der Geselligkeit) und schloß mit der Versickerung: „Wenn es m meiner Macht steht, etwas zu tun zum Besten des Vereins, dann werden Sie nicht vergebens bei mir anpochen. Ich habe oft in Nürnberg das schön« Bundeslied mitgesungen, ich habe es mit Heller Bc- geisterurig mitgcsungen. Und was ich dort mttge- ungen, das möchte'ich Ihnen auch heute zurufen: Treu will ich sein Ihrem Verein und Treue soll unS alle miteinander verbinden. Als ich einmal tn Italien weilte, da erzählte mir ein Italiener von bet Größe des italienischen Staates und begeistert riff er aus: „Sempre avanti Savoia!" Das möchte ich Ihnen heute zurufrn: Immer vorwärts, Mer- turia' Sempre avanti!" (Stürmischer Beifall.)

Deutsches Reich.

X Prenhisch-hessischeS Schnlabkommen. Zwischcn der königlich preußischen und der großherzogl'ch hessischen Regierung ist mit Gültigkeit vom 1. Januar 1912 ab eine neue Vereinbarung dahin getroffen worden, daß die Zeugnisse über die bestandene Lehramtsprüfung an den Oberlyieen in Preußen und die Zeugnisse über die bestandene Nachprüfung an den ' hessischen höheren Lehrerinnenseminaren gegenseitig als gleichwertig anerkannt werden, und zwar berechtigen die erwähnten preußischen Zeug­nisse auch zur Anstellung an Volksschulen im Groß- berzogtum Hessen, während die erwähnten hessischen Zeugnisse auch zur Anstellung an Volksschulen im Königreich Preußen berechtigen sollen.

)( Zwei neue Kreuzer für die deutsche Flotte. Zwei neue Kreuzer wird im Lause des Monates Novem­ber die Flotte erhalten, und zwar die Neubauten .Ersatz Seeadler" und „Erwtz Geyer", die beide in Kiel von Stapel laufen werden. Beide Kremer er­dalten Turbinen - Ausrüstung und werden als ge­schützte Kreuzer nach dem verbesserten Dreadnought- Typ erbaut. Die Geschwindigkeit soll mindestens [28—29 Knoten in cet Stunde betragen.

Ausland.

** Der Teutschcnhetzer Lord Roberts von bet englischen Regierung abgeschüttelt. Im englischen Unterhaus richtete am Dienstag Whitehouse an Sir Edwarb Grey bie Anfrage, ob vonseiten Deutsch, lanbs keine Vorstellungen gemacht worden. Ich muß den Gedanken durchaus ablehnen, e8 könnte eine Regierung bei einer anderen offizielle Vorstellungen erheben wegen unkluger und prov g. zierender Reden (Beifall bei den Ministeriel­le n), die in Deutschland oder England von Perso- nen gehalten worden sind, die nicht in der Lage find, die Politik der Regierungen zu beeinflussen.

△ Die italienischen Republikaner Haden ihre Un» duldiamkeil in religiösen Dingen wieder auf tute eigentümliche Art bewiesen. Zwei Mitglieder bat republikarmchen Partei, Marchese Gugliemi und Advokat Sansom hatten neben der Zwittrauun- auch in dir kirckliche Trauung gewilligt. Die beiden .Schuldiger " sind alsbald vonder Direktion der Partei wegen .politischer Unzuverlässigkeit" aus­geschlossen worden. — Es ist gut, daß d« italienische republikanische Partei nicht z. -o. über das republikanische Gewissen der französischen Brüder zu entscheiden hat. Trotz be8 .Antiklerikalismus sind so ziemlich alle französischen Familienväter kirchlich getraut und wären nach der Logik der italienischen Republikaner royalistischer oder bona« panischer Gesinnung verdächtig. Immer und überall sind sie gleich lächerlich und kleinlich diese antitien« kale - Witter der Republik.

* Rückbeförderung türüscher Truppen aus Tri­polis. Der Berichterstatter deS „Eclair" meldet au» Stelle, wo anfangs das BonifatiuSgrab gewesen im Ostchor neben dem Kreuzaltar beigesetzt.

In der Gegend, wo dieser Altar in der karolm« gischen Basilika stand, hat der Hessische GeschichtS- verein eine Sandsteintafel angebracht, die unter einer Königskrone die Inschrift trägt:

,Conradus rex obiit X Cal. J^n. DCCCCVÜ1 sepultua egt in Fulda monasterio juxta altar« sanctae crucis." Diese Worte hatte vor bald tausend Jahren ein hrrr als Geschichtsschreiber lebender keltischer Benäuktin-rrnönch in seine Chronik nie- dergcschriebcn. Sie erinnern den, der in unsere Kathedrale tritt, daran, daß in dem Grunde, wo so viele Heilige schlummern, auch ein König tm ewigen Frieden ruht: Konrad der F ran ie. Kein Heiliger zwar, aber eine der edelsten KonigS- gestalten, welche die Geschichte kennt.

Wie die Karolinger erwiesen sich auch die säch­sischen Kaiser als Fulda's große Gönner. Hernrichl, der Städtegründer und Ungarnbesieger, pflgerie, nachdem ihn Konrad's großmütiges Bermachtm» aus den Thron erhoben, schon am 3. April 9l0 zum Bonifatiusgrabe.

Noch reichere königliche Huldbeweise aber ge- währte sein Sohn Otto I. der Abtei.

Im Jahre 937 weilte der junge Herrscher, dem erst ein Jahr vorher zu Aachen die Krone aus da» blond- Haupt gesetzt worden, in der Benediktiner- abtei Hersfeld. Da kam ein Eilbote mit der Schreckenskunde, daß das eine Tagesreise entfernte Gotteshaus des hl. Bonifatius in Flammen stehe. Nicht nur Kirche und Klosterqebäude brannten zum großen Teil nieder, auch viele heilige Reliquie» gingen in den Flammen zu Grunde. Qa,Jelbft di« unter Lebensgefahr gereiteten Reste des hl. Boni­fatius blieben nicht unversehrt

Groß im Unglück zeigte sich der tatkräftige Abt Hadamars. (927-956.) Bald gelang -schuld« i Mittel zum Wiederaufbau zu beschaffen, indem « i von Gau zu Gau ziehend, die Einkünfte d-r Kloster- i tritt« zu ve, mehren verstand^ Pacht und Kaiser : sieben ihm ihren machtvollen L>chutz und bereits nach

leiten zu wollen

Dir Gründe der Mißerfolge liegen im türkischen Volke selbst. Es machen's nun einmal nicht allem Taft haben. ' I bie Kruppschen Kanonen, die schärfsten Bajonette,

In Mexiko ist es der Regierung gelungen, die Massen der angesammelten Truppen, die ge­ben General Porfirio Dia;, den Anführer der Re-1 schickten Fürsten und Feldzugspläne, die mcchain- l«llen, gefangen zu nehmen. Ob indessen damit scheu Handgriffe. Eine Armee, die den von allen Ruhe ins Land ziehen wird, ist eine andere Frage. Sritcn anstürmenden Feind bezwingen soll, braucht I vor allem Eines: den stählenden, alles mit sich fort- ——————— I reißenden Geist, die lückenlose, bedingungslose Dis­

ziplin. Nickt nur die mechanische Disziplin, nicht ™., . . . nur den Kasernenhof-Pfiff, der die Leiber wie Pup-

I pxu kommandiert und im friedlichen Kriege _ mit Bevor das Kriegsspiel drunten auf dem Balkan Platzpatronen unter Hurra gegen harmlose Klapp- begann, hatte man die militärische Leistungsfähig- scheiben wirft: der Sieger tn den Schichte» ist leit der Türkei viel höher eingeschätzt, als sie es tat- neben her uitbg mobernen

ächlich verbiente, unb jetzt ist man vollkommen über- moralische Bewußtsein. An di sem s I ) rascht baß es ben Bulgaren, Serben unb Griechen der türkischen ,3trmee; <Ste besaß ihn ernst l gelang, bte Türken beim ersten Ansturm über beit Fanatismus, wnerKi.m^Tapftrkeit und lachenden kaufen tu werken Todesverachtung, die für Mohammed und den Sui-

Man hatte, namentlich bei uns, die Widerstands- tan den Tod vor dem Feircke als Ehre und Selig- ähigkeit des türkischen Heeres vor allem auch beson- kett hunrahm. Sie tnneren Dampft, ^er, Die er >er8 hoch bewertet, weil eine große Zahl deut- Türkei den Todesstoß verseht, haben auch die Avn cher Offiziere jahrelang an dem türkischen angesteckt und da - Band ^erschnüten, das die £),fv Heere gearbeitet hatten, um es nach deutschem Mu- I flere und Mannsckallen umschlang.

ter auszubilden. Zahlreiche türkische Offiziere hat- °lt mittclmah ye L h-

ten im deutschen Heere ihre milttärische Ausbildung rer gescheite Schuler, noch öfter aber h aren t.n 3 - erhalten, die Vorschriften der einzelnen Waffen I folge großer Erzieher minderwertige Fruchte So lehnen sich eng an dir deutschen Vorbilder an. Dazu auch hier. Die Japaner, bte in ®etritartb bie ist bie Artillerie mit Kruppschen Kanonen Kriegskunst studierten, konnten bte empfangen., ausgerüstet. Die siegreichen Bulgaren hatten Fran- Lehren verwerten, weil bas Santenkorn tn bcn ge- zosen als militärische Erzieher, schießen mit franzö-1 suuden Boden der alten, Konservativen Traditionen fischen Creuzot-Kanonen. Di; geschlagnen Türken aber fechten nach deutschem System, mit Krupp'schen

Vom Kriegsschauplatz hat man in den letzten Tagen nur von Siegen des Balkanbundes und nur von Niederlagen der Türken gehört. Die türkische Ostarmee hat ihr Kirkilisse, die türkische Westarmee ihr Knmanowo gehabt. Bulgaren und Serben Jind in siegreichem Vordirngen begriffen und auch ne Griechen haben ihre Feinde auf türkischem Ge­biete geschlagen und zurückgeworfen. Bei Sienitza haben die serbischen Truppen sich mit den Monte­negrinern vereinigt; Ueskub ist in Händen der Ser­ben, Skutaris Fall kann jede Stunde melden. Die ungeahnten Erfolge der christlichen Balkanstaaten haben selbst die Erwartungen dieser Völker über­troffen. Seit drei Tagen hat am Ergenefluß der große Kampf zwischen der türkischen Ostarmee und der bulgarischen Hauptarme« begonnen, Der die Ent­scheidung des ganzen Feldzuges bringen wird. Nach den bulgarischen Meldungen, die sich bisher hu. all- Sientemen als zuverlässig und richtig erwiesen haben, st die bulgarische Armee in diesen Kämpfen siegreich geblieben. In Konstantinopel hat sich trotz der ängstlichen Verfchleierungsbemühungen der Offi­ziösen die Unruhe über das Schicksal der Truppen und den Aus gang des Krieges eingestellt. Man beginnt dort nervös zu werden, sucht — wo man doch weit besseres zu tun hätte — nach einem Sün­denbock für die erlittenen Niederlagen und hat 800 Soldaten wegen Feigheit niederschießen lassen. Die Türkei fühlt immer mehr, daß es sich jetzt um einen Kampf um ihre Existenz handelt. Nicht un« wahrscheinlich sind auch die Meldungen, daß sich die türkischen Botschafter in den Hauptstädten schon seit einiger Zeit bemühen, die Mächte zu einer In­tervention zu bewegen. Inzwischen hat der Mi­nisterpräsident, der greise Achmed Muktar Pascha, Vater des bei Kirkilisse geschlagenen Mahmud Muk­tar Pascha seine Entlassung genommen und der auch schon über 80 Jahre alte Kiamil Pascha über­nimmt das Großwesirat. Kiamil ist ein Freund

Geschützen.

Es war zu erwarten, daß man im Auslande dies mit einer gewissen Schadenfreude feststrllt, und es wird daraus brr Zusammenbruch des deutschen Systems gefolgert. Namentlich in Frankreich ruft man schon Viktoria und meint, es sei nicht mehr nötig, daß sich Frankreich audj fernerhin durch Deutschland und seine Verbündeten imponieren zu lassen brauche, es sei nicht nötig, daß es ohne Not noch einmal nachqebe.

Richtig ist ja, daß seit langer Zeit deutsche O f- fiziere im türkischen Heere tätig gewesen, um dessen Ausbildung zu leiten. Aber so lange das alte Regime bestand, waren alle ihre Bemühungen umsonst, und die meisten dieser Offiziere kehrten unbefriedigt wieder zurück. Sie konnten nichts durch- e, wirkliche Reformen wurden nicht eingeführt:

, e doch z. B. lange Zett nicht scharf geschaffen werden, weil der Sultan fürchtete, es könne sich eine Kugel in sein Palais beritten. Auch Hebungen mit gemischten Truppen in größerem Rahmen fan­den nicht statt, auS Angst, es kann daraus eine Re­volution entstehen. Was halfen unter solchen Um­ständen die schönsten Vorschriften? Die jungen tür­kischen Offiziere, die nach Deutschland zur Ausbil­dung geschickt waren, hatten von ihrem Kommando auch nicht immer vielen Nutzen. Sie amüsierten sich Wohl in Berlin und in den größeren Garnisonen, aber — mit wenig Ausnahmen — haben sie nicht allzuviel gelernt. " Im allgemeinen hielt sie ihre natürliche Bequemlichkeit ab, bie körperlichen An­strengungen bes Dienstes auf sich zu nehmen.

Mit bem neuen Regime wurde manches ander» und bester, aber die Zett ist bis jetzt zu kurz gewe-

der Engländer unb wirb wahrscheinlich versuchen, burch Tiplomatenkunft wieder gutzumachen, was die Waffen verdorben haben. Die Mächte sind un-

Sie umgab das Ehrengeleit der übrigen Priester Im Gedränge des Volkes, das ringsum mit brennenden Kerzen

Sich mit vieler Gewalt bemüht, den Sarg zu berühren."

Das Glasgemälde in der Gruft aus der A. Maverschen Kgl. Hoskunstanstalt in München zeigt in leuchtenden Farben diesen Moment.

So ragte denn Über dem hehren Grabe rin groß­artiges Denkmal karolingischer Baukunst auf. Und zu diesem Rationalheiligtum kam das deutsche Volk aus allen Gauen gepilgert. Auch die Mächtigen und Großen Germaniens zog es in treuer Verehrung zu der Gnadenstätte: Karl der Große, Ludwig der Fromme, Ludwig der Deutsche, Arnulf, Konrad der Franke haben hier tn Demut gekniet."

Zur Zeit, als jiöitig Arnulf regierte, wurde Hugo, (891—915) ein Mann strenger Zucht, auf Sturmi’» Stuhl erhoben. Er schmückte das Apostel­grab mit Gold und edeleu Steinen. Von diesen Kostbarkriten ist nichts aus uns gekommen. Ein Kleinod aber hatte er von dem ihm so wohlgeneigten König zurückerlangt, das noch heute zu Fulda's größten Schätzen zählt: jenes hochchrwürdige Buch, das dem Apostel im Augenblicke seines Märtyrer- todes als Schild gedient.

Während Hucw's Regierung wurde nach des jungen Königs Ludwig Tod (911) ein frommer, kraftberühmter Frankenherzog und Enkel Arnulfs, der tm Hestengau an den durch Bonifatius, Wig­bert, Witta, -Sturmi geheiligten Usern der Eder feinen Grafensitz hatte, zum König gewählt. Gleich nach feiner Thronbesteigung kehrte er — am 12. April 912 — in Fulda ein, dem Altäre des hl. Bo­nifatius reiche Gaben spendend. War ihm doch diese begnadete Stätte so teuer, daß et sie laut einer Schenkungsurkunde „als Ort der Ruhe nach dem Lebensende" erwählte.

Und als er, Deutschlands erster Wahlkönig, nach nur siebenjähriger Regierung in seiner Burg zu Weilburg sein schwergeprüftes Leben beschloß, da wurde sein Leib nach Fulda gebracht und an der

± Zur Zweijahrhrm-ertfeier der Einweihung des Domes in Fulda.

„Lieb und heilig, wie dem Kinde die Züge der Mutter, sind bem Diözesanen bie ehrwürdigen Züge und Formen, die seiner Mutterkirche den ihr eigenen Charakter verleihen, und die Nachrichten, die gleich einer durch Jahrtausende geheiligten Familien­chronik von der Geburt, Entwickelung und den Ge­schicken des heimatlichen Domes erzählen." Dieses tn der Vorbemerkung zu „Beiträge zur Geschichte der Grcibcskirche des hl. Bonifatius" von Prof. Dr. G. Richter zitierte Wort klingt uns wieder durch die Seele bei dem gegenwärtigen Domjubiläum Und die „Fnld. Ztg." will nicht ermangeln, ihren Lesern einiges von dem mitzuteilen, was über die Geschichte unseres altbcrühnttcn Gotteshauses fest­steht.

Jeder einigermaßen Gejchtchtskundige weiß, daß sich der Bonifatiusdom an der Stelle erhebt, wo St. Sturmi am 12. März 744 das Erlösungszeichen in den Waldbodcn ein rammte. Wir sehen diesen Vor­gang auch auf dem Portalslügcl des Toniportctts in Holzschnitzerei jedenfalls von dem Bildhauer An­dreas Weber dargestellt. Ter Platz für die Kloster­kirche. seine zukünftige Grcibcskirche, aber wurde vom hl. Bonifatius in der von Sturmi und besten sieben Genossen geschlagenen Lichtung selbst be­stimmt. Brachte er doch auch selber Werkleute mit, welche, die K irche aus Stein erbauten, was in der damaligen Zeit ganz ungewöhnlich war. Zehn Jahre später, nachdem der Apostel im Lande der Friesen die Märtyrcrkrone sich erkämpft, wurde sein Leichnam in feierlichem Trauerznge zu der Schö­pfung gebracht, die er geliebt w,e keine andere. Mit­ten in btnt Gotteshaus:, das er selbst dem Salvator Mundi geweiht, fand e: seine erwählte Ruhestätte.

Bald kamen, den Himmelsschntz mehrend, noch zwei andere Hciligengräber hinzu: südwärts das Stunul'S, des Vaters dcr frommen Klostergcmeinde, und nordwärts das der großen Aebtijfin von Bi­sch^sheim, .Lioba, die bekanntlich in Schornsheim

bei Mainz aus dem Leben geschieden und nach des Apostels Willen in der Klosterkirche zu Fulda beige­setzt wurde. Getragen von der Liebe der Papst: tote von der Gunst der Könige Karlmann und Pip­pin und besonders des großen Karl, besten spät- golhische Bildsäule uns noch heute in unserem Dome grüßt, nahm das Erlöserkloster von Jahr zu Jahr an Macht und Bedeutung zu.

Herrlich blühten nicht nur die Wissenschaften sondern auch die Künste darin, besonder- die Bau­kunst unter dem wohlerfahrenen Klosterbaumeister Ratgar. Als dieser aber ben Abtsstuhl bestieg (802 bis 817) ba setzte er alles an seinen stolzen Bau- gebanken: ein Gotteshaus von gewaltiger Anlage über bem Bonifatiusgrabe erstehen zu lasten.

Dem liebenswürdig-nAbt Eigil(812—822)war es Vorbehalten, dieses großzügige Werk: eure mit Doppclchören und Doppelgrüften versehene Basilika, zu vollenden. Am Allerheilig eusest des Jahres 819 ist die herrliche Munsterkirche vom Erz­bischof Hcistulf von Mainz zu Ehren des aller- heiligsten Erlösers, der seligstm Jungsrau Maria, der hl. Apostel, des hl. Märtyrers Bonifatius und vieler anderer Heiligen eingnveiht worden.

Candidus, der begabte Schriftsteller und Ma­ler des Klosters, hat dieses glanzvoll; Kirchweihfest in lateinischen Hexametern besungen. Auch erzählt er uns. wie dabei „Bonifatius köstliche Reste" vom Ostchor nach dem Westchor übertragen wurden; bet» langte doch alter römischer Brauch der Heiligen Ruhestätten gen Sonnenuntergang gerichtet.

„Ehrerbietig wird nun de» Heuigen Körper ge­hoben,

Heistuls unb Eigil sind di- vorderen Trager der Bahre,

Deren Mitte die Priester Theotgar und Eckanberct stützen,

(Jener ein Abt und dieser ein Bruder des seligen Bangitls.)

Ihnen zunächst als Hintere Träg« bie Priester unb Mönche

B r u n n to a r, bet Bildner, unb Raban, der Meister io vieler Gelehrten

b-s japanischen Volkes fiel, unb bie Siege vom Mu, von Mulden und Port Arthur haben den deutschen Lehrmeistern alle Ehre gemacht. In der Türkei siel das Samenkorn der deutschen Kriegs­kunst zum großen Teile auf sumpfiges, verwesendes Terrain. Die wenigen tüchtigen Offiziere, die Kerntruppen, die von der deutsch-militärischen Er­ziehung profitierten, haben sich in den Wirren der letzten Jahre nicht durchsetzen können