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M 252.

Samstog 2. November <912.

59. Jahrgang.

fuldaer

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/1 V I 1 II 81 y ** Druck mtb Verlag bet Sulbaer MtttdNlE

und (Eiaeitnuti niemals su bewahren verstanden hat. ! Strich muß

sehr dünnem Pinsel auf das frische Email. Jeder " x-.i", da eine Korrektur durch Aus-

Fürstentitel. Jetzt aber beging Georg Wohl den grüßten Fehler. Er bat Rußland, diesen Titel an« nehmen zu dürfen. Um Haupt der Nation bleiben zu dürfen, gab er dem Sultan alles, ja mehr, als dieser verlangte. Da brach die Volkswut über ihn her und er verschwand wieder nach Oesterreich. Mi- wsch Obrenowitsch wurde nun Hospodar von Ser- bien. Jul Frühjahr 1817 erschien der schwarze ®cor9 wieder in Serbien und hielt sich bei seinem Gastsreund Wuitza auf. Dieser hackte ihm im Vchtafe, um Milosch eine Gefälligkeit zu erweisen, den Kopf ab und sandte diesen dem Hospodaren, der J5n. ?en Sultan schickte. An der Pforte des Serails wurde der traurige Ueberrest des schwarzen Georg angenagelt, darunter die Unterschrift: „Kopf des berüchtigten serbischen Kara Djordje!" Dm ^pfloien Körper ließ Milosch in der Kirche von Topola begraben und darüber „dem Befreier" Ser­biens ern Denkmal setzen.

Er war kein Befreier Serbiens dieser Kara Ge- org, sondern der Repräsentant des Untergangs die­ses Volkes das sich Wohl seine Freiheit zu erkämpfen wußte, diese icdoch durch inneren Streit, Zwietracht

löschen oder Uebermalen unmöglich ist; es gehört demnach respektable Uebung dazu, die mit so großer Sorgfalt gebrannten Porzellane nicht nachträglich durch eine ungeschickte „Pinselei" rettungslos zu verderben.

Jede, auch die billigste Tasse, die aus der Manu­faktur von Stzvres hervorgebt, wird (wie das üb­rige Porzellan der Fabrik) mit einem bestimmten Zeichen versehen. Die „Marke" hat man zu ver- Ssiebenen Zeiten verändert, so daß sich also das lter der Porzellane leicht feststellen läßt. Die Stücke, welche vor der Revolution angefertigt wor­den sind, tragen zwei verschlungene „8* mit oder ohne Krone; unter dem ersten Kaiserreich zeichnete man sie mit einem Adler; von da an gebrauchte man eine Reche von anderen Marken, deren Aufzählung zu weit führen würde. Gegenwärtig zeichnet man die gewöhnlichen kleinen Tassen und Untertassen mit einem Dreieck, das ein „S" und die Jahreszahl der Fabrikation umschließt. die Talle weiß, so trägt sie nur diese Marke, und zwar in Grün; ist sie jedoch dekoriert, so befindet t'ck» um das Dreieck ein zweites in 9M, und zwischen den beiden Dreiecken liest man daS Wort „Stzvres" sowie die Jahreszahl. Die Maler, welche die Tassen dekorieren, pflegen noch ibr besonderes Zeichen anzubrinaen. So zeichnete Vincent nut der Zahl „2000"; diese Marke ist inso- ferr originell, als „vingt cents" im Französischen „2000" bedeutet. Ein anderer kebr bekannter De­korateur, Pajou, der immer Medaillons malte, ge­brauchte als Marke ein Auge, der Landschaftsmaler Antraume eine kleine Hütte. —

Wieviel Zeit braucht man ungefähr, um eine Taste (natürlich zusammen mit hundert „Schwe­stern!) herzustellcn. Rechnen wir es aus. Zunächst: 3—4 Tage Trocknen; dann: 4 Tage erstes Backen und 5—6 Tage Atll'iblen; w-''-— Emaillieren, 2 bis 3 Tage zweites Brennen und 6—8 Tage Ab­sichten — im ganzen: über drei Wochen. Dabei ist das Dekorieren der Taste, das oft '■»'•aume Zeit er« > 1 mitgerechnet. So mö-^n wertvolle

Stücke ganz gut einen vollen Monat und länger „in Arbeit" fein.

Noch einige Worte über em ‘•"ar „berühmte Tasten", die aus b«- lanukaktur von Stzvres her­vorgingen. Ein mit Blumen, Vögeln und Arabes­ken verziertes Stück, das von dem Maler Levs (Ptzre) dekoriert worden war, wurde seinerzeit auf einer in Paris mit 7Afv> Franken

bezahlt. Die schönste und kostbarste Tafle, die in in Stzvres jemals angefertigt worden ist, soll die­jenige fein, welche die Königin Marie-Antoinette anläßlich der Geburt des Dauphins dort bestellte. Sie war zwar aus feinstem Material hergestellt und hatte zwei von Delphinen gebildete Henkel; der Deckel, den diese Tasse ausnahmsweise bekam, war mit einer Königskrone geziert. Die Untertasse, in Türkisch-Blau gehalten, trug an den Rändern gol- denes Laubgewind, Medaillons und Buketts von Rosen und Lilien. Auf der Versteigerung Double im Jahre 1881 bezahlte man für diese „Tafle der Königin" (so batte der Volksmund sie getauft) nicht weniger als 4830 Franken. Viele Stücke von ähn­lichem Wert befinden sich beute in Museen und Sammlunaeu privater Liebhaber. Gesuchr sind ins­besondere Tasten aus dem 18. Jahrhundert, denen man reizvolle Dekorierung und aparte Formen mit Recht nachrühmt.

Ler schwarze Georg von Serbien

Ein politischer Witzbold meinte einst, daß der ctzige Fürstenstuhl Serbiens nur drei Beine zu ha- ocn scheine und daß immer eine Großmacht das vierte ersetzen zu müssen glaube, um den Stuhl und den Fürsten darauf nicht fallen zu lassen.

Einst war es anders. Serbien, das paradiesische, liederreiche, heldenmütige Serbien über der Donau drüben, mit den üppigsten Feldern und Wäldern und malerischen Bcrglandschaften, blühte einst vom 7. Jahrhundert ab als großer, mächtiger Staat. Im 14. Jahrhundert nannte der serbische Kaiser Ste­phan Duschan ganz Serbien, außerdem Mazedo­nien, Thessalien, Nordgriechenland und Bulgarien sein Land, über welches er Kunst, Wissenschaft, In­dustrie und Handel aussäte. Aber einer seiner Näch­tiger, der Knees Lazar, verlor am 15. Juni 1389 die Schlacht auf dem Amselfelde, auf der Hochebene von Pristina gegen die Türken. An diesem Tage fand der serbische Landesadel auf den Feldern von Koflova sein Grab. Der gefangene Knees Lazar ward im Zelt des Siegers, Murad II., enthauptet, wofür dieser aber von einem gefangenen Serben ermordet wurde. Von da ab war es nicht die Entartung des Volkes, sondern die Herrschsucht der Großen, die das Reich durch Zerstückelung schwächte und Serbiens Macht der Vernichtung preisgab. So wurde das politische und das Natio­nalleben vernichtet. Serbien wurde eine türkische Provinz. Die Sbrins wurden von den Janitscharen von Grund und Boden gejagt, wenn sie nicht zah­len konnten. Die Türken wurden große Grund­eigentümer und besetzten alle Staats- und Verwal­tungsämter Da hatten die Sbrins das Sprichwort geprägt: „Was der Pascha nicht nimmt, das nimmt der Bey, was der Bey nicht nimmt, nimmt der Janitschar und was der nicht nimmt, das will auch der Teufel nicht mehr haben."

Das Land trug diesen Druck lange Zeit geduldig bis zum Jahre 1804. Jetzt trat Kara Georg, der schwarze Georg, auf. Er war geboren im Jahre 1769 in Wischnjewzi. Sein Vater Peter war Bauer und Schweinezüchter. Vor den Räubereien der Tür­ken fliehend hatte er sich tiefer ins Gebirg, in das Dorf Topola zurückgezogen. Hier hörte der junge Georg nur von Haß gegen die Türken reden und bald hatte er noch als Knabe mehrere Türken er­mordet. Die Janftscharen schworen ihm Rache und so entfloh der junge Bursche ins Österreichische. Sein Vater sollte durchaus mft ihm fliehen, doch weigerte d:r alte Mann aufs Aeußerste. Da erschoß der wilde Georg den Vater mit eigner Hand wie man sagt, um ihn vor Entehrung durch den Erbfeind zu schützen. Ob's grausame Heiduckentat war, well es mcht nach seinem Willen ging, wer weiß es?

Von dem österreichischen Freiwilligen Georg et« fuhr man wenig. Er kam im Jahre 1791 als Feld­webel zurück und nahm seinen Heiduckenrachekrieg wieder auf. Später wurde er Waldheger in Syr- mien. Aber es gefiel ihm nicht lange so einsam im Walde, bald kehrte er zurück und richtet: feine Wirt- Kin Topola wieder ein. Die Ruhe dauerte je- auch nicht lange, denn imJahrel804 versuchten die Janitscharen ihren unversöhnlichen Feind auf­zugreifen. Der schwarz: Georg entfloh in die Berge und sah von weitem, wie sein Gehöft in Flammen aufging. Nichts war ihm geblieben, als fein Rache­durst und bald strömte von fern und nah alles zu ihm. Sein Rachekorps verbrannte alles, was Tür­kisch stieß und Georg ward mit einem Schlage der Held Serbiens, er wurde zum Kommandan­ten Serbiens erwählt. Da warf er in kurzem die Janitscharen aus Bosnien und der Bulgarei mit gründlichstem Erfolg zurück, rückte mit reicher Deute gegen Belgrad und eroberte es. Am folgenden Mor- fen lagen die Häilpter der Janitscharenobersten zu

-inen Füßen.

Jetzt war die Bolkstümlichkeft Kara Georgs auf der Höhe und die Großen Serbiens wurden neidisch auf ihn. Knees Theodosje erklärte, keinem seiner Befehle mehr gehorchen zu wollen; — er fiel durch einen Pistolenschuß Georgs tot zu Boden, die andern knirschten und gehorchten. Doch von allen Seiten brachen die Türken über das Land herein und es kam zum blutigen Kampf bei Mischvar an b:r Save. Drei Tage dauert: dieses Blutbad und der schwarze Georg, der mit Pistol und Handschar im dichtesten Getümmel wie wahnsinnig gefochten, kam als Sie­ger aus dem Dampfe und den Leichenhaufen hervor. Alle Türken waren geflohen und Serbien war im Jahre 1807 wieder frei durch seinen Kara Georg.

Im Jahre 1808 war Waffenstillstand, doch bald ging der Kampf wieder weiter. Der schwarze Georg war zuerst siegreich, aber sodann wurde er auf allen Punkten geschlagen. Sein Freund Stevo sprengte sich verzweifelt mit all den ©einigen in die Luft und die Türken bauten aus deren Köpfen den entsetzlichen Skstädelturm bei Nifla. Wieder gelang es ihm, den Sieg an seine Fahnen zu heften und er war 1809 zum zweitenmal der Netter Serbiens. In der Neujahrs-Volksversammlung wurde er zum Haupt Oer Nation ausgerufen und der Sultan bot ihm den

iu ihre Betten zu gelangen, denn dieselben warah so hoch aufgebaut, daß man auf Stufen zu ihnen hinaussteigen mutzte. -

Eine Verschiedenheit der Betten bildete sich sväc ter unter den Römern aus, bei denen sich in bei Kaiserzeit alle Lebensformen verfeinerten. Da hab Besteigen hoher Betten für Kranke zu schwierig war, behielten sie diese Form nur für das Parade-- bett der Toten bei, stellten für Kranke niedrig« Lagerstätten her und verwendeten zum täglichen ®e-, brauch ein eigenes Schlafbett.

Das deutsche Mittelalter schuf nach dem Muster der bäuerlichen Ofenbank die gemauerten Wand­bänke, neben denen sich die pritschenartigen Spann­betten entwickelten. Bei letzteren legte man beson­deren Wert auf die starken, gedrechselten Säulen­füße, die bei Reichen von Gold und Silber glänzten, sonst aber bunt bernatt waren. Innerhalb des Ge­stells ausgespannte Gurten dienten dazu, dir Matratze zu tragen, und an Stelle von Pelzen uni sonstigen Tierhäuten trat zunächst der Leilach, unser heutiges Bettuch, das im heißen Sommer zur Be­deckung ausreichte. Der Kopf ruhte auf dem sich weich an die Wangen schmiegenden Plumit, und wurde es kälter, so nahm man noch den finiter und das aus Tuch- oder Pelzstücken zusammengenäht: Deckelachen zu Hilfe. Später btldete sich noch eine besondere Form der Kopfunterlage aus, nämlich das Rangkiflen, eine weiche, lange Rolle, die sich über die ganze Breite des Bettes legte, aus bunten Stoffen gefertigt und an den reich gestickten Enden mit bunten Quasten und Troddeln geziert war. In einem kleiner gestalteten Enkel hat sich dieser ehr­würdige Kiflenvorfahr bis auf unsere Tage als be­liebte Schkummerroll: erhalten. Das Keilpolster, das wir an seine Stelle setzten, hat sich übrigens in Frankreich nie eingebürgert; bort findet man heute noch das alte Rollenkisscn.

Im Zeitalter der nach der Höhe strebenden Gothik mußte auch das Bett seinen Himmel haben. Der Baldachin, den man über ihm ausspannte, ließ das Himmelbett entstehen. Das Bett sonderte sich dadurch noch mehr von seiner Umgebung ab, ja es wurde stellenweise eine kleine Kammer für sich, in« dun man es ganz mit Geweben umzog ober auch hölzerne Wände, in denen ein: kleine Oessnung bett Eingang bildete, ringsum aufrichtete. Diese Kasten­betten, deren Holzwerk reich mit Schnitzereien ver­ziert ward, erfreuten sich inbeffen keiner langen Be­liebtheit. Schon im 18. Jahrhundert machten sie offener. Betten Platz, die nur noch einen halb-n, zum Vorhang verkleinerten Himmel trugen. _ Von dem hölzernen Kasten blieb nur die Lade übrig, an der Deutschland und Frankreich heute noch fest- halt-n, während bei den praftischen Englän-dern und Amerikanern das gegen Ungeziefer gesicherte und leicht zu transportierende eiserne Bett allgemein in Ausnahme kam.

Die Deutschen waren eine Zeit lang überhaupt keine besonderen Bettkünstler. Eine gewifle, im Nationalcharakter begründete Gleichgültigkeit ließ ihre Lagerstätten immer kleiner und schmäler wer- den, so daß man vor 50 Jahren noch aufatmete, wenn man einmal über die französische HGrenze kam und bort feine Glieder in einem großen, ele­ganten und breiten Bette ohne Zwang ausdehnen konnte. Das Bett hat denn auch bei unseren west­lichen Nachbarn immer eine große Rolle gespielt, und besonders der französische Hof trieb mit Prun^ vollen Paradebetten den größten Luxus. Aehnlnh wie im Altertum stellte man das Bett, das bei uns immer einen intimeren Charakter trug, wieder in den Dienst des Tage-, was so weit ging, daß eS für vornehme Damen als schicklich galt, ihre Besuche im Bett zu empfangen, wovon auch der Hof keine Ausnahme machte. Seit über 20 Jahren hat man auch bti uns der Herstellung gefälliger und be­quemer Betten wieder erhöhte Äufmerksarnkett g> schenft und die zunehmende Liebe deS lärmgeplag- ten Großstädters für die einsame Stille der Natur, die allsommerliche Flucht aufs Land brachte auch das Bett im Freien, die Hängematte, in Ausnahme. Dieses luftig: Schwebebett ist keineswegs ein Kul- turerzeugnis, sondern durch die moderne Mensch­heit von den Wilde,! übernommen worden. Hollän­dische Matrosen sahen zuerst bei den Indianern der westindischen Inseln ein derartiges hängendes Saget aus Flechtwerk, das den Namen Hamaca trug. Sie korrumpierten ihn in Hangmack oder Hangmat, so daß das fetzt so urwüchsig deutsch klingende und den Begriff trefflich zeichnend: Wort ein durch und durch fremdes ist, das zuerst in den Wörterbüchern des 17. Jahrhunderts austauchte.

Leider ist unser kompliziertes Nachtbett weit schwieriger einzurrchten und zu reinigen, als dies es praktische, primitive Schwebelager und in feiner Behandlung wird zum Schaden der Benützer nur allzuviel gesündigt. Der Hauptfehler beruht darin, daß die meisten Menschen, obwohl sie stets Winter- und Sommerkleider tragen, für alle Jahreszeit:« die gleiche, gewöhnlich aus schweren Federbetten bestehende Bedeckung benützen. Das widerspricht gänzlich dem richtigen Grundsatz Pettenkofers, bah das Bett nichts anderes als unser Nachtkiew tft, und wir sollten dieses vernünftigerweise ebenso dem Wechsel der Temperatur anpassen wie unsere ub- rigen Gewänder- Einen großen Tefl des Jahres hindurch find unsere Decken viel zu warm, und die Folge davon ist ein unruhiger, häufig durch Er­wachen gestörter Schlaf. Außerdem fuhrt die zu warme Decke dadurch, daß wir uns häufig unwill­kürlich emÄößen, zu schädlichen Erkaltungen, und wären wir weniger konservativ, würden wir bte garstigen Ungeheuer von Federbetten längst für immer abgedankt haben. Eine ideale Bedeckung bieten nur Woll-, allenfalls auch Steppdecken, deren Zahl man je nach der Temperatur verringert ober vermehrt, in die man sich völlig einwickeln kann, und die auch genügend lang sind, um Schultern und Füße gleichzeitig zu schützen. Auch der leichte­ren ^Reinigung wegen verdienen sie den Vorzug, denn nichts ist abscheulicher als ein ungelüftetes, übelriechendes Bett, wie es vor allem durch die Federbetten begünstigt wird. Luft und Sonnenlicht bilden für sie bi: einzigen richtigen unb wirksamen Reinigungsmittel, aber sie sind, zumal in Groß- ftäbten, selten zu haben, unb wer daher em gutes, gesundes Bett wünscht, sollte vor allem mit dem echt beutfeben Zopf des Federbettes brechen und sich zur schlichten, leicht zu lüftenden und $8 säubernden Wolldecke bekehren.

Allerlei vom Bett.

Bou Franz Wichmann-München.,

Auf den Gedanken, sich ein Bett zu bereiten, könnt: den Menschen schon das Beispiel der Tiere bringen. Auch diese sind ja bestrebt, sich ihr Saget so bequem als möglich einzurichten. Abgesehen von den Vögeln, die sich innerhalb ihres Nestes noch wieder ein weiches Bett aufmachen, bereiten sich unter den Wintersckläfern besonders die Säugetiere wie Bäc, Dachs, Hamster und Igel ihr monate» langes Ruhebett mit ausgesuchter Sorgfalt. Der originellste Bettrnachrr unter ihnen ist der Igel, der Laub, Moos und Streu an feinen Stacheln auf» spießt und so ein weiches Material für feine winter­liche Ruhestätte zusammenschleppt. Auch bet Bär polstert sich die Höhlen und Felsspalten, in denen er für längere Zeit Quartier bezieht, mit Moos unb Hen aus, unb selbst Schlangen, Eidechsen unb Kröten, die gern unter morschen Wurzelstöcken überwintern, richten sich diese warm: Bagerftatt so behaglich als möglich ein. Dem Sager als solchem wirb also von jeder Kreatur ein erhöhter Wett bei* gelegt, es muß sich als etwas Besonderes von der übrigen Umgebung abheben, zugleich aber auch vor drohenden feindlichen Angriffen möglichst sicher und geschützt sein.

Moos und Saub, die sogenannte Streu, mft der sich selbst heute noch mancher arme Mann bescheiden muß, ist jedenfalls auch das ursprünglichste Lager des als Nomade lebenden Menschen gewesen, denn dieses Bett, zu dessen Ausmachung es nur geringer Mühewaltung bedurfte, spendete ihm die Natur selbst. Jäger waren es zweifellos, die einen Schritt weiter gingen unb die von den alte# Germanen her berühmte Bäreyhaut zur weiteren Ausstattung des Lagers verwendeten. Gegenüber dem einfachen Blooslager bedeutete sie schon einen Luxus, unb biefer steigert: sich, als man Tierfelle auch zum Zndecken benutzte. Ein weiterer Fortschritt lag darin, baß man bas Lager über ben Erdboden er­höhte, hauptsächlich wohl zu bem Zwecke, ben Schla­fenden gegen die Feuchtigkeit zu schützen. Die Aus­grabungen von Pompeji haben gezeigt, daß die Be­wohner der verschütteten Stabt ihre Betten sogar aufmauerten, was in heißen Sanbern beshalb von Vorteil ist, weil das Sager dadurch kühler unb luf­tiger wird.

Indessen verstand man bei den Sitten unter Bett keineswegs nur ben Ruheplatz für die Nacht, vielmehr bie Liegestatt zum Ausrasten zu jeder Zeit. Bett und Sosa waren also eins, ähnlich wie der Bauer heutzutage vielfach noch die Ofenbank als beides benutzt. Die Griechen nahmen bekannt­lich ihre Mahlzeiten in liegender Stellung ein und fo war die „Kline", auf der sie ihre Nachtruhe hielten, tagsüber an ben Speisctifch gerückt, zugleich der Sitz bei fröhlichen Gelagen. Auf diesen Tages­dienst war denn auch ihr reicher Schmuck berechnet, unb ausgebreitete kostbare Stoffe, Kissen unb Decken dienten dazu, die Bequemlichkeit zu erhöhen.

Umstälidlicher verfuhren die Aeghpter. Sie mußten erst eine förmliche Reise unternehmen, um

Wie entsteht eine Porzettantasie?

Skizze von Marcel Gollt.

Es liegt ehre gewisse Undankbarkeit gegenüber der Kultur in der Art und SBeifg, wie wir Gegen­stände des täglichen Gebrauchs geltz^tkenloS benutzen, ohne uns bewußt zu bleiben, welche kleinen Wunder­werke der Erfindung und Technik wir dabei in den Händen halten. „ _ ,

„eine Porzellantasse, was ist da Großes? Lohnt es der Mühe, von den Scherben zu reden, Gemach, mein Freund — es lohnt gar wohl der Mühet Die­ser unscheinbare „Scherben" hat ferne Geschichte, so­gar eine berühmte unb vielfach bewegte Geschichte, unb es genügt, bie beiben Namen Meißen und Stzv- res zu nennen, um bas zu beweisen. Sehen wir aber näher zu, verfolgen wir einmal die emzelnen Hantierungen unb Prozesse, die aus einem Klumpen Lehm eine gebrauchsfertige Porzellantafle zaubern, so können wir noch em wenig daS Staunen lernen. Der freundliche Leser möge uns nun auf einem Rundgange durch die altberühmte fran­zösische Porzellansabrn in Stzvres begleiten und mit uns der Fabrikation einer „ganz alltäglichen und gewöhnlichen Tafle" zuschauen.

Vor just hunbertsunfzia Jahren entdeckte man in der Nähe der französischen ©tobt Limoges aus­gedehnte Kaolinlager, und seit jenem Tage datiert die Porzellanfabrikation in dem Städtchen Stzvres bei Paris. Die Fabrik von Stzvres bestand aller­dings schon weit langer, aber sie hatte sich nur mft der Herstellung von Vasen und Gebrauchsgegen­ständen aus Ton befaßt. Die Anfertigung dersel­ben Kunst- und Gebrauchsobjekte aus dem neuen, bald in den verschiedensten „Legierungen" auspro­bierten Material war die unmittelbare Veranlas­sung zu dem Aufschwung der Werkstätten, die, ab­gesehen vom chinesischen Porzellan, nur in der Meißener Fabrik eine ebenbürtige Rivalin haben. Während bte Kunstporzellane von Stzvres, insbe- fonbere die Vasen, in allen Schlössern zu finden sind, begegnet man ben Tischferviees und den Tas­sen auch auf ben Tafeln der französischen Bürger; sie sind trotz der umständlichen Herstellungsmethode verhältnismäßig wohlfeil, solange es sich nicht um besonders eigenartige Muster handelt, die natürlich hoch im Preise sieben.

Jede Tasse, auch das gewöhnlichste Muster, wird einzeln und mit der Hand hergestellt. Der Arbeiter setzt durch eine starke Bewegung der Füße die unter seinem Stuhle befindliche Drehscheibe in Bewegung. Deren rotierende Achse ist durch ben Arbeitstisch ge­führt; ihr Enbe, das sich mit größter Schnelligkeit runddreht, dient dazu, einen bestimmten Klumpen Porzellanerde aufzunehmen, der z. B. in eine Tafle umgewandelt werden soll. Zu diesem Zweck setzt der „Porzellandreher" seinen Daumen ht die rotierende Masse, die alsobald einen ,,Bauch" bekommt. In wenigen Sekunden wird diese Höhlung zum ge­wünschten inneren Umfang der Tafle erweitert. Während die Drehscheibe und die oben auf d-m Ende der Achse sitzende Mobelliermafle in schnellster Be­wegung erhalten wirb, bekommt diese primftivste Form der Tafle durch ein paar geschickte Manipu­lationen der sie formenden Finger ihre endgültige Gestalt. Sie wird nun vermittelst eines dünnen Messers von ihrer Unterlage abgeschnitten und wandert zu einer zweiten Drehscheibe, auf welcher sie von allen Unebenheiten befteft und soweit fertig- gestellt tvird, daß sie für den Brennofen bereit ist. Vorher hat man noch den Henkel befestigt, der selbst- redend für sich allein fabriziert wird und der Größe unb Linienführung" der Tafle genau angepaßt sein muß. Außer der vorher beschriebenen Methode Vtabet man noch eine andere an, um speziell die leichten unb dnnnwandiaen Tassen herzustellen. Man gießt sie nämlich mft ziemlich flüssig gemach­tem Ton über einer Form, behandelt sie sodann im übriaen wie vorhin.

Während bie griechischen Töpfer ihre kunstvollen Basen in höchst einfachen Oesen buken, die nicht viel mehr waren, als gewöhnliche Feuerherde, verfügt bie moderne Porzellanfabrik über große, kompli­ziert gebaute Oesen, welche Hunderte von Tassen und Basen gleichzeitig ufnehmen können. Die zweit- ‘-m Feuer mehr entfernte Etage des Ofens ist für s erste Backen des Porzellans bestimmt. Älsdat.u werden bie Tassen in das Emaille-Bad getaucht und sind jetzt für die „atofje Feuerprobe" bereit. Dieser unterzieht man sie auf der ersten Etage des Ofens und zwar bei einer Höllenglut von 1200 bis 1800 Grad Celsius. Das Porzellan darf natürlich ben Flammen und dem Rauch nicht direkt ausgesetzt werden; deshalb schließt man es in feuer« feste Behälter ein und stellt diese in den Ofen. Zwei bis drei volle Tage dauert da? Backen; bann löscht man das Feuer und läßt das Porzellan langsam (bis zu ack>t Tagen!) erkalten. Der alämenbweißen Tasse fehlt jetzt nur noch der feine Goldrand; hat sie diesen erhalten, so ist sie fertig zum Verkauf. Eine besondere Verfiiqung berbietet, daß Tassen ohne bie­ten Golbranb ober eine sonstige Koloratur aus der Fabrik von Stzvres auSgefübrt werden; bie häufigste Färbung, die man ihnen gibt, ist die in Blau, das an Glanz urb Rewbeft des Tons mit dem berühm­ten Milchweiß des Stzvrer Porzellans wetteifert.

Einige dreißig .Künstler sind in der Manufaktur von Stzvres beschäftigt, welche die aus besonders seinem Material unb in abarten Formen bergestell- te»k Vasen, Tassen unb sonstiges Tischservice mit dekorativen Malereien versehen. Zu diesen Verzie­rungen verwendet man mit Vorliebe die Motive tun Blumen, Früchten, Arabesken, Vögeln, sodann Köpfe von Verfemen, speziell in der Art von Me­daillons. Eine solche Tasse, die seinerzeit durch die Maler Schilt und Bonnuft dekoriert wurde, kam auf den hübschen Preis von 500 Franken (400 Mk.) zu stehen: sie -einte einen Reigen von tanzenden und fhielcnben Kindern von bewunderswerter Natürlich­keit des Ausdrucks. Selbstverständlich stammt das 2,aji Ifcrt-ice des Präsidenten der Republik gleichfalls ans Stzvres. Jeder Teller des Service ist auf blauem Grunde reich mit Gold verziert und hat einen SS-rt von 125 Franken. Unter den Tee- und Mokka­tassen beftnben sich entiückende Muster, deren Preis den Tellern nicht nachstedt; einzelne, besonders schöne und von hervorragend« Künstlern gemalte Tassen haben einen Liebhaberwert von mehreren Hundert ~rcr.?en. Die Malerei auf Porzellan ist übrigens nicht so leicht, wie e$ auf ben ersten Blick schein-" könnte. Ter Künstler malt, und zwar mit