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Hoiflilontbrn« n. Verlag der gelbe«« Betiefibtndtrel Lgulb« zerisprecher Vr. *

Erstes Blatt.

Fulda, Samstag den 2. November 1912.

39. Jahrgang.

In MlMkckg.

Nur vierzehn Tage haben die Balkanstaat?« ge­braucht, um dem türkischen Reich eine volle Nieder­lage beiznbringen- Diese Schnelligkeit und Gründ­lichkeit der „Abrechnung" übertrifft alle Berech­nungen und Erwartungen, wahrscheinlich auch die Hoffnungen der Angreifer. Vom menschlichen Standpunkt ist es gewiß zu begrüßen, wenn die schwere Zeit abgekürzt und die Zahl der Opfer des Krieges beschränkt wird. Für die Politiker aber wird es schwierig, zu den Ereignissen, die sich überstürzen, rechtzeitig Stellung zu nehmen.

Die europäische Diplomatie, die bekanntlich schwerfällige Beine hat, muß sich jetzt in Trab setzen, Wenn sie nicht hinter den galoppierenden Eretgrnssen weit Zurückbleiben will. Sonst kommen die Gret­chen und Serben nach Saloniki und ixe Bulgaren nach Konstantinopel, ehe sich „Europa" zu der ge­planten Vermittelung geeinigt hat.

Daß die Türken auf ihrer dritten und letzten Abwehrstellung der vielbesprochenen -eschataldscha- Linie, noch mit Erfolg behaupten tonnten, ist beim besten Willen nicht mehr anzunehmen. Der Wechsel im türkischen Oberlcmmando hat nichts geholfen. Rasim Pascha ist ebenso gründlich geschlagen wor­den, tote sein Vorgänger Abdulnh Pascha; das Türkender hat seine volle moralische und physische Unfähigkeit erwiesen, und hinter der militärischen Mißwirtschaft enthüllt sich die V e r r o t t u n g d e s ganzen türkischen Staatswesens. Nicht allein die öffentliche Meinung in Europa, sondern auch die politischen Fachmänner waren über die Schwäche der Türkei und die Leistungsfähigkeit der Valkanstaaten schlecht informiert. Die blutige Kraftprobe hat die Sachlage klar gemacht, aber leider auch sehr gefährlich.

Die nächste Gefahr hesteht darin, daß bei weite­rem Vorrücken der Sieger die bitter enttäuschten Diuhamcdaner in Saloniki und in Konstan­tinopel an der dortigen wehrlosen Christenbe- volkerung chreu Zorn auslassen.

Die weitere Gefahr liegt in dem übermäßig ge­steigerten Selbst bewußtsein d er Sieger. Die Balkanstaaten haben sich schon vor dem Beginn des Kampfes über die Mahnungen der Großmächte hinweggesetzt. Werden sie sich jetzt, nachdem sie so schnell bie größten Erfolge erzielt haben, durch gute oder strenge Worte in chrem Siegeslauf aushalten lassen? Werden sie vor Konstantinopel Halt machen und sich mit dem begnügen, was sie vor dem Kriege als ihr Ziel hinstellten? Die Versuchung, die ganze Türkenwirtschast aus Europa hinauszu­fegen, ist sehr groß, namentlich für den Zaren Ferdinand, dem anscheinend der Triumphzug bis in die Hagia Sofia schon fteisteht- Wenn Ferdinand unter diesen wahrhaft aufreizenden Umständen Selbstbeherrschung bewahrt, so würde er zu dem Ruhme eines tüchtigen Feldherrn, den er sich jetzt errungen hat, auch noch das Lob eines weitsichtigen Staatsntannes verdienen. Ob es überhaupt möglich sein wird, die siegend vordringenden Armeen zum Stillstand und teillveisen Verzicht zu bringen, das hängt von der Größe der Verlust: und dem Grade der Ermüdung ab, die sich im bisherigen Verlauf des Krieges ergeben haben und bis jetzt von den Fernstehenden nicht zu übersehen sind.

Dir Hoffnung auf eine gedeihliche Lösung der Schwierigkeiten findet zur Zeit zwei Stützen. Die eine ist die Haltung Rumäniens, das entschie­den Rücksichtnahme auf seine Würde und Sicherheit verlangt und bei der Unversehrtheit seiner Kriegs­macht die Bulgaren zwingen kann, ihren Vergröße­rungstrieb in erträglichen Maßen zu halten. Das zweite beruhigende Moment ist die jüngste Kund­gebung russischen Ministers Ssasonow, die mit einer überraschenden Ofsenheit unb Entschieden­heit sich für das einträchtige Vorgehen der Großmächte ausspricht und bie Sieger nachdrücklichst vor „Leichtsinn" warnt. Besonbers bemerkenswert ist, baß bei russische Minister sich so freunblich über Rumänien ausspricht unb dieses (bisher von Ruß- lanb wenig geliebte Staatswesen) geradezu ausspielt als Gegengewicht gegen den etwaigen Größenwahn der Sieger. Man darf aus der Erklärung Ssaso- nows wohl folgern, daß er sich augenblicklich noch fest fühlr auf seinem Posten und daß Rußland die Eroberung von Konstantinopel durch die Bulgaren nicht wünscht.

So lange Rußland und Oesterreich in derartt- gem Einklang bleiben, ist das Hoffen noch erlaubt.

Die Entscheidungsschlacht.

Rüüzug der Sürten.

Die Entscheibuna in ber großen Sckckacht Wisa- Lüleburgas ick zuungunsten der Tiü k n ausge­fallen — daran ist nicht mehr zu zweifeln; wenn man auch noch nicht überleben kann, rote gtoß der Sieg der Bulgaren ist. Die Gegner standen sich in einer mehr als 25 Kilometer langen F-ont gegen­über. Der linke roc'ilidje türkische Flügel, der bei Lüleburgas und önlich davon staub, ist zuerst ge« schlaaen werden unn ging fln blend eilig auf Tschorlu zurück. Der rechte 5 illche Flügel leistete heftigsten Widerstand. Nach den neuesten Meldungen scheint, bah auch der rechte Flügel zurückweichen mußte und io gibt es kaum mch eine andere Möglichkeit für die Türken, ms so schnell es nur geht, die Linien von Tschatalbscha zu erreichen zu fuüen. Die Seger haben jedenfalls selbst sehe schwere Verluste und muffen nach dem tagelangen Kampf erst wieder ihre Verbände ordnen, die Munition ersetzen, die zum gemeinsamen Handeln veiemlen verschiedenen Korps auseinanderziehen, um mcht auf einer einzigen Straße vorzurucken. Die Tschataldscha-Linie, 40 Kilometer westlich Konstanti. nopel, bietet, rein militärisch betrachtet, gute Aus- sichten für einen längeren Widerstand. Doch würden hier noch andere, innere Verhältnisse des Heeres den Ausschlag geben.

Adrianopel bleibt inzwischen von den Bul­garen deletzt. Doch haben sie von ber Emschließungs-

atmee um Adrianopel zur Operationsarmee heran« gezogen, was nur an Kräften entbehrlich schien und sie durch Truppen des zweiten Aufgebots ersetzt. Mt den bulgarischen SiegeSnachrichten stehen die Meldungen aus Konstantinopel wie immer, so auch jetzt wieder, in unlösbarem Widerspruch. Die Mitteilungen aus Konstantinopel habe« bisher aber niemals den Tatsachen entsprochen. Sie haben in der Regel nur den Zweck gehabt, die Bevölkerung zu beruhigen.

Bulgarische Meldungett.

W Sofia, 31. Okt. 1912, 6 Uhr 30 Min. abends. In der Schlacht, bie mit den 150 000 Mann zählen­den Hauptstreitkräften des türkischen Hreres auf der Linie Bunar Hisiar-Lüleburgas seit drei Tagen all­gemein im Gange ist, hat das bulgarisch« Heer den Feind geschlagen, und chn ge» zwungen, sich aus seinen befestigten Stellungen un­ter stürmischem Nachdrängeu der Bulgaren zurück­zuziehen. Das bulgarische Heer hat die tatkräf- tige Verfolgung de» Feindes auf ge­nommen, berin Unordnung und Panik sich a u f Rasbj und Tschorl« znrückzieht. Eine große Zahl von Kanonm, Fahnen, Munition und anderen Kriegstrophäen tft den Bulgaren in die Hände gefallen, ebenso zahlreiche Gefangene. Die bulgarischen Verluste sind verhältnismäßig unbe­deutend. Dir Dörfer Aiwali bei Lüleburgas und Marasch im Westen von Adrianopel find von den Türken eingeäschert, die gesamte christliche Bevölkerung ist niedergemacht wor­den. Auch sämtliche Dörfer in der Gegend von Melnik haben die Türken in Brand gesteckt.

Im Anschluß an die hier erwähnten Grausam­keiten teilt die Berliner bulgarische Gesandtschaft folgendes mit: Von maßgebenden Stellen erfahren wir, daß die türkifchen Soldaten die grau­samsten Greueltaten über die Bulgaren im Wilaiet Adrianopel unb Mazedonien ausüben. Die waffenfähigen Bulgaren, bie türkische Untertanen sind, sind, trotzdem sie doppeltes Lösegeld gezahlt ha­ben und nach türkischen Gesetzen militärfrei wären, in bie ersten Schlachtlinirn genom­men. Viele Bulgaren aus Adrianopel wurden in Ketten gelegt und verbrannt, sehr viele wer- den in Konstantinopel getötet Das türkische Herr setzt auf der Flucht sämtliche Dörfer in Brand. Die fliehenden bulgarischen Bewohner, Frauen, Kinder, Greise, kommen nach Bulgarien kleidungs­los.

W Sofia, 1. Nov. 1912. Die bulgarischen Trup­pen haben Dimotika besetzt. Dimotika liegt 50 Kilometer südlich von Adrianopel.

* Sofia, L Nov. 1912. Die Niederlage der türkischen Hauptmacht bei LüleburgaS scheint vollständig zu sein, denn sie hat bereits auch Tschorlu aufgegeben und zieht sich auf die Tschatalbscha-Befesügungen zurück. Auch Rodosw am Marmarameere haben die Türken bereits aufge­geben.

* Sofia, 1. Rov. 1912. Die türkische Ar- mee ist in vollem Rückzug nach der Tscha- taldscha-Linie begriffen. Der Rückzug gestaltet sich sehr schwierig, weil die türkischen Truppenkörper in der Schlacht von Luleburga» besonders ans dem west­lichen Flügel stark durcheinander geraten sind und jedes Kommando vollständig aus- hörte. Die Bulgare« drängen Par? nach. Der türkische östliche Flügel, der bei Wisa stand und sich in den ersten zwei Schlacht- tageu behaupten konnte, hat aus die Nachricht von der schweren Niederlage de» linken Flügels de» ver­such unternommen, den Rückzug des westlichen Flü­gels zu decken, wurde aber Infolge der äußerst heftige» Angriffe der Bulgare» bis über Saraj hin­aus zurückgedrängt, was zur Folge hatte, daß die Rückwärtsbewegung de» türkischen Zentrums nnd de» westliche» türki- scheu Flügels sich schließlich panikar­tig vollzog.

* Sofia, 1. Nov. 1912. Der in das serbisch- bulgarische Hauptquartier entsandte Kriegsbericht­erstatter der „Preß-Zentrale" meldet: Die am Er- gene-Fluß geschlagenen türkischen Truppen sind ohne Aufenthalt bis nach Tschataldia geflohen, wo sie Verstärkungen erhielten. ES entwi­ckelt: sich sodann eine neueCchlachtinder Ge­gend von Tschorlu, in de: die Türken aber­mals geschlagen wurden. Es ist nunmehr mit Bestimmtheit zu erwarten, daß dir Bulgaren htt Lause der nächsten Woche Vörde» Toren Kon- stantinopels stehen werden.

• London, 1. Nov. 1912. Der Korrespondent der „Times" in Sofia gibt folgende Darstellung dcS furcht­baren Ringens am Ergenefluß: Die Bulgaren stießen bei Lüleburgas auf die Armee Nazim Paschas. Abdullah Pascha befand sich, nach den in Sofia einge- laufenen Berichten, nicht auf türkischer Seite, alle an- deren türkischen Generale von Bedeutung werden aber genannt, so daß man auf bulgarischer Seite annimmt die gesamte türkische Armee hätte im Kampfe gestanden. Man schätzt die Zahl der Türken auf 150 000 Mann, die Bulgaren waren ebenso stark, sodaß also gleichstarke Armeen engagiert waren. Die Schlachtlinie war über 25 Kilometer lang; eS wurde 48 Stunden hindurch un­unterbrochen gekämpft Die Bulgaren gingen siegesgewiß in die Schlacht und mit heroischer Todesverachtung, im festen Bewußtsein, sie würden auch hier den Erfolg an ihre Fahnen heften. Die

Türken hatte» ihre Positionen mit außer- ordentlichem Geschick ausgewählt, die Stellung dehnte sich in der Linie Lüleburgas bis nach Bunar Hissar aus. Sie fochten mit außerordent­licher Hartnäckigkeit. Schließlich wurden sie aber doch gezwungen, zu weichen. Die Türken flüch­teten. ES entstand eine entsetzliche Panik unter ihnen, die Bande der Disziplin lösten sich; wiewahn. finnig vor Furcht rannten die Türken davon, zu Tausenden wurden sie von den Bulgaren, die bie Verfolgung sofort energisch aufnahmen, zu (Be­fangenen gemacht Geschütze, Munition und Gewehre, viele Fahnen, große Mengen von Proviant fielen in die Hände der Sieger.

Türkische Meldungen.

♦ Konstantinopel, 30. Okt. 1912. Dos in Wisa kämpfende Armeekorps erhielt große Nachschübe. Weitere asiatische Truppen werden hier heule abend roahlscheinlich mit derselben Vestiwmnng eingeschifft.

W. Konstantinopel, 31. Oft 1912. Vom Kriegs­schauplatz sind ernste Nachrichten eingegangen. Der Ministerrat, dessen Sitzung noch andauert, scheint sich bereits mit der Friede ns frage zu beschäftigen.

W. Konstantinopel, 1. Nov. 1912. Wie aus guter Quelle oetlautet, tarn gestern abend ein Telegramm des Generals Nazim Pascha an, wonach es ge­linge, dieBulgaren zu überflügeln und deren Rückzugslinie zu bedrohen. Heute früh verstcherie der Großwesir, der in sehr guter Stimmung ist, einer maßgebenden Periöntichkeit, daß die einge­troffenen Nachrichten für die Türken sehr günstig lauteten. Gleichzeitig kursieren jedoch auch Gerüchte, die das Gegenteil bebaup en, besonders in Bezug auf Rodosto. Da irgendwelche amtliche Ver­öffentlichungen bisher nicht erfolgten, ist die Lage nach wie vor unklar. £> er ist alles ruhig. — Eine aus Adrianopel eingetroffene Periönl chkeit versichert, in Adrianopel herrsche Ordnung, die Stadt sei gut verproviantiert und tonne eine lange Be­lagerung auShalten.

W. Konstantinopel, 1. Nov. 1912. (Amtlich.) Nach hier eingetroffenen Nachrichten deS Generals Nazim Pascha dauert der seit vier Tagen auf der Linie Wisa-Luleburga» tobende Kampf noch an. Auf dem rechten Flügel (Wisa) ist der Feind unter großen Verlusten zurückgeworfen worden. Gegen den von Norden kommenden Feind leiste» die türkischen Truppe» tapferen Wider" stand. Bei den Kämpfen um Adrianopel wur­den die Bulgaren zurückgeroorfen.

* Konstantinopel, 1. Nov. 1912. Nach offizieller Meldung telegraphiert« der Generalissimus: In der Schlacht von Bunar Hiffar halten die Bulgaren beträchtliche Verluste. Wir eroberten eine große Quantität Arlilleriemunition und Infanteriewaffen. Die Schlacht dauert fort.

W. Wien, 1. Nov. 1912. Nach einer vertrau­lichen Meldung, d.e von beitunterrlchteter Stelle auS Konstantinopel hierher berichtet wurde, sei nach der Muteilmrg eines türkischen Generals das türkische Heer nicht länger i - stände, sich bei Tschorlu zu hatten.

Die Serben

suchen ihre (Erfolge auch noch mit Sensationsmel­dungen zu verbränren. Wie sie aus Vranja melden, kam es nach der Schlacht bei Kumanowo zwischen den türkischen kommandierenden Generälen zu hefti­gen Zerwürfnissen. Tjavid Pascha, der für die Fort­setzung des Kampfes cintrat, sott von einem türki­schen Offizier niedergeschoffen worden sein.

W Belgrad, 31. Okt. 1912. Heute früh in Sofia aus Krarowo und Kriwa-Palanka eingetroffene ser­bische Offiziere berichten dem amtlichen serbischen Pressebüro zufolge Einzelheiten über unsägliche Grausamkeiten, die die Türken bevor sie das von der zweiten serbischen Armee eroberte Land verließen, gegen die mazedonischen Christen verübt haben. — Wu: ferner gemeldet wird, haben die fer- bifchen Truppen Prizren genommen.

* Belgrad, 30. Okt. 1912. Bei den Kämpfen um Kumanowo hoben die Türken fast ihre ge­samte Artillerie verloren. Man hält da­her die türkische Westarmee fürvölligver- »i ch t e t und keiner weiteren Aktion fähig.

Eine Schlappe der Montenegriner.

Die Montenegriner haben bei S k u t a r i, desien Kommandant ein tapferer Mann ist, schwere Kämpfe zu bestehen. Tie eingcschloffenen Türke» habe» ein:» erfolgreichen Ausfall gemacht, der ihnen nach Süden zu etwas Lust verschafft hat Wie nämlich die Wiener „Reichspost" meldet, haben die Montene- grinw bei Verdien, Beltoja unb Truschi in der Bojanabeue eine Niederlage erlitten. Der Angriff machte das südliche Vorfeld von Skutari frei. Die Benefianerbrücke vor der Stadt ist auf Befehl des Stadtkommandanten in die Lust gesprengt worden. — Auf einen Entsatz haben die Türken noch der jetzigen Kriegslage nicht m:hr zu rechnen, während die Verstärkung der Montenegriner durch die Serben für die nächste Zest zu erwarten steht.

Die Beschießung des Tarabosch-Berges durch die Montenegriner macht nicht die erhofften Fortschritte und bringt nicht die erwünschte Wirkung hervor.

Türkisches Nnhril z«r See.

* Athen, 1. Nov. 1912. Das griechische Tor- peboboot Nr. 12 drang in der Nacht in den Hafen von Salon ikt tut und feuerte einen Schuß gegen den türkischen Kreuzer „Feth- -Bittend" ab. Der Kreuzer neigte sich auf die rechte S ite und sank. Das Torpedoboot kehrte unversehrt nach Caterina zurück.

Eine Aktion der türkische« Flotte.

W. Konstantinopel, 31. Oft. 1912. Die türkische Flotte hat heule bie bulgarische Hafenstadt Burgas bombardiert.

W. Sofia, 31. Okt. 1912. Der türkische Kreuzer .Hamidieh" feuerte heule neun Granaten gegen den Leuchtturm auf Kap Ernineh zwischen Burgas und Warna und beschädigte ihn. Die Regierung wird gegen die Beschießung dieses Gebäudes, das ausschließlich ftiedltchen, kulturellen Zwecken dient, Protest einlegen.

Die türkischen Issel«.

W. Athen, 31. Oft. 1912. Vizeadmiral Kundurio- tis vom grieckiichen Geschwader im Aegäischen Meer depeschierte: .Thasos und Jmbros wurden be­setzt und auf beiden Inseln die griechische Flagge gehißt. Heute früh ist der Kreuzer .Kanaris" mit einigen Torpedobooten zur Besetzung der kleinen Insel Strati abgeschickt worden.

W. Athen, 1. Rov. 1912. Die Griechen habe» die Insel Samothraki besetzt

Was für Zustände in der türkischen Armer herrsche«, das laßt recht deutlich ein Bericht deS ,B. Lok.-Anz." aus Adrianopel erkennen, in dem es heißt:

Von dem hier hinter der Front Gesehenen, das mili­tärisch ro fsen-wert ist, darf n Nürlich feine Einzelheit gemeldet werden. Immerhin ist tu verraten, daß bie Taktil der Bulgaren, bie ihren Eiserning täglich enger um Adrianopel schließen, an Verachtung für den Gegner stielst und doch so richtig wie begründet tft Die Türken muffen Noch schwächer fern, als ver­mutet winde, und roerren ohne Energie geführt. Sie feuern seit zwei Tanen, und zwar in langen Zwischenräumen wenige Schüsse. Die Bulgaren ant»j warten nicht, aber rücken unter dem Schutz der natüx», lichen Deckungen nach. Heute vormittag ließen die^ Bulgaren sogar das Feuer der tärlische» MaschMtN-f gewehre uneiroibert, und ihre Haltung läßt sich oet* stehen, weil gerade hier die Türken Spuren ihrer abso­luten Unfähigkeit zurückließen. Sie wollten die lange Steindrücke über die Maritza am Eingang de» Orte» zerstören, aber nahmen nur einige Sieine heraus, obwohl fie den bulga-»schert Anmarsch durch bie- Sprengung für Tage ausgehalten hätten. Nach Abzug, der Türken setzte sich hier ein türkisch sprechender bulgarischer Offizier an den Telegraphen und lpiach lange mit Konstantinopel und dem türkischen Hauptquartier. Die gefangenen Artilleristen wissen mtt den eigenen Geschützen keinen Bescheid.

Allmählich wird es auch klarer, daß der H u n g e r, dieser furchtbarste Feind für die Schlagkraft, Man« neszuckl und Tavserkeit eines Heeres, eine erheblich« Rotte in der ununterbrochenen Kelle türkischer Nieder« lagen gespielt hat. Jetzt einlauftnbe Berichte von Augenzeugen und Ueberlebenden der Schlacht von Kirkilifse wiffen zn erzählen, daß im Feuer dieses mörderischen Treffens türkische Regimenteg gestanden haben, die seit achtundvierzir Stunden keinen Bissen mehr zu sich genom­men haben und vollständig entlräftigt waren. In rote bemitleidenswerten, alle körperlich« Kraft aussaugenden Verhättnissen bte türkische» Mannschaften sich befinden, bevor sie an den Feind heraukommen, beleuchtet grell ein dem »Daily (ibronicle* zugegangener Prioatbrief eines in St Stefano, einer Borstadt Konstantinopels, wohnende« englischen Kaufmanns. Er schreibt:

Taufende und Abertausend« von Soldat«» ströme« in Trupps zusammen und stellen auf den Feldern unb in ben Strafen ihre Zelte auf. Diejenigen von ihnen, bie nicht glücklich« Besitz?« von Zetten waren, suchte» sich ein Unterkommen, wo fie es nur finden formten. So fanb ich eines Morgens in meinem — Hühner­stall eine unerbetene Emquaitirrung von fünf tür» tischen Rekruten, die auf einer wahrlich nicht beneidens­werten Unterlage den Schlaf des Gerechten schliefen. Die me flen der Soldaten starren vor Schinutz und bieten in ihrem abgemagerten Zustande eine« tchrccklichen Anblick. Wenn fie ankommkn, finde» sie, daß fie völlig für sich selbst sorgen müssens für Verpflegung unb Nachtlager, obwohl fie keinen Piaster in ber Tasche haben. Jeden Morgen finben rott vor unserer Küchentür fünf oder sechs türkische Soldaten, di« um ein Stück trockenen Brotes betteln. Neulich ging Herr F. aus bie Jagd, und er traf auch Soldaten, die ihn ansprache» und um 20 Paras i 10 Psg.) baien. Er gab ihnen 20 Pfennige und ihre Dankbarkeit kannte keine Grenzen. Eie sagten, daß fie »hr Leben satt, hätten uns daß fie hofften, gelötet zu werden.; Sie erzählten, daß bie Regierung nichts für sie tue und ihnen nur leeie Berip-echungen mache.

So sehen die Truppen aus, die die Türke« jetzt zur Verleidigung von Konstantinopel aus den Garni­sonen Kleinasiens heranziehen.

Die französische Einignngsformel.

* Paris, 1. Nov. 1912. Zu den Verhand­lungen der Großmächte bemerkt der „TempS": „Die Frage ist fo gestellt: Sind die Re­gierungen der Großmächte einmütig der Meinung, zuzulassen, daß die Balkan staaten sich vergrößern, ohne daß irgend eine Groß­macht gleichzeitig eine entsprechende Vergrößerung beansprucht. Tiefe Einmütigkeit ist noch nicht er­zielt Wird si: nicht noch erreicht, dann wird jede Macht für sich arbeiten und ein allgemeiner Krieg wird bann nicht zu verhüten fein. Nach unseren Informationen sind Rußland, Frank­reich unb England absolut beteit, diese For­mel anzuuehmen. Auf feiten des Dreibundes zeigt man sich zögernd, aber die Hoffnung, ein: Einmü­tigkeit zu erzielen, besteht doch. Oesterreich- llttgarn, das in diesem besonderen Falle an der Spitze des Dreibundes marschiert, hat in der Tat wiederholt erklärt, daß :s keinen Anspruch, weder auf Saloniki, noch auf den Sandschak Novi- bazar erhebt. Jetzt ist bie Stunde gekommen, sich dieser Grflärung positiv konsequent zu zeigen.

Ssasonow über die Lage.

*' Petersburg, 1. Nob. 1912. Der russische Minister des Aeußern Ssasanow erklärt soeben einem Re­dakteur, die Regierung der Großmächte habe zwar bot dem Kriege beschlossen, territoriale Veränderungen nicht zuzulassen, sie habe damit jedoch nicht die Vei> pslichiung übernommen, aktiv eine Vergrößerung de» Besitzes der Balkanstaatcn zu verhüten. (Man muß schon bcrr'smäßiger Diplomat sein, um das zu ver­stehen.) Ein selbständiges Vorgehen einer einzelne« europäischen Macht, fuhr Ssasanow fort, fei nicht denk­bar. Vielmehr müßten ernste Interessen politischer wie wirtschaftlicher Natur alle Großmächte, die de« Wunsch gemeinsamen Handelns bewiesen hätten, ver­anlassen, auch künftig diese zu erhalten. Man könnq nicht von der Sonderpolitik des Dreibundes ober der