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Donnerstag 3L ©ttober

39. wn-

* fuldaer gf

Zeitung •

2. Blatt

~-af !nd Verlag -er sHlbaet Lttit»tz«fiss«t is Snlta.

ge­ben mit

bei die

Zeit mit dem Bruch von Basalt as der Sach)«» butfl begonnen werden.

• ttrnlbaelra, 30. Ott 1912. Im Garten des lltentier Ziegler wurde vorgestern eine r <i f< Kirsche gepflückt. 1

♦ Fischbach, 30. Ott 1912. Das Automobil de» Rittergutes in Farnroda fuhr am Dienstag zwischen hier und Wutha infolge eines Defektes an der Steuerung mut großer Heftigkeit gegen eineu Bau» und wurde jchwer beschädigt Die Insassen kam« mit dem Schrecken davon.

felbtrn von Königgratz und Dijon für Preußen fochten haben. (Stürmisches Hort! Hört! bei Polen.) Die Besitzerin eines anderen ist Witwe unmündigen Kindern. (Entrüstetes Hört! Hört! den Polen.) Wegen ein paar Hektar will man

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa. 30 Oft 1912 Im (Nroßherzogtnm werden rund 85 000 wecmarische Acker Kartoffeln angebaut, von denen in normalen Jahren rnnd 8,5 Millionen Zentner Kartoffeln geerntet werden. 21:8brenb sich bei dieser Berechnung allo auf dem weimarischen Acker 100 Zentner Ertrag ergeben, beträgt er heuer auf der eiben Ackerfläche gegen 150 Zentner. Demnach wurden in vielem Jahre un Großherzogtum gegen 13 Millionen Zentner Kartoffeln gebaut.

• Ascha, 80 Oktober 1912. Ein auswärtiger Arbeiter ftabl gestern in einem hiesigen Hotel dem Kellner die am Büffet stehende Geldkaffe. Schon tu ze Zeit danach wurde er ergriffen und der Polizei übergeben.

• Oechseu. 80 Oft 1912. Die Vorbereitungen für den Wafferandrang rach Durchbruch de- Dolo­mit sind auf den beiden Schächten eifrig im Gang. D,e Schocktbongesellschatt wird dann etwa ffinfjgg Monn entlasten wüsten. Desto mehr Arbeils- gelegenbdt stnden Arbeitsuchende auf dem Basalt- werk am Dietriche berg. Grote Bestell uv gen nach auswärts find zu liefern, so daß nun tit drei Etagen Basalt gebrochen wird. Auch wird m absehbarer

heiligsten Grundrechte jedes geordneten Staatswesens verletzen. Um angeblich 75 Bauern anzusiedeln, ver­greist sich die Staatsregierung trotz des kolosjalsten Angebots von Grund und Boden aa die NntzedlungS- lommifftonen, an unserem Eigentum, und baS alles nur. weil sie dem Toben der Hakatisten nicht mehr Stand halten kann. Ein Mangel an Land war nicht vorhanden, die Deutschen gehen nicht zurück — und trotzdem hat man der schimpflichen Polenpolitit, den jahrzehntelangen Verfolgungen durch Beamte, die durch die Oftmarkenzulage korrumpiert werden, der preußischen Gewaltpolitik die Krone aufgesetzt Man verlangt von uns für die Drang- falieningen des preußischen Hasses Hundedemut. Dir werden-wir nicht beweisen. (Stürmische Zujttin» rtung bei den Polen.) Ein Skandal ist es, daß ein

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung non 30. Ostober 1912.

Die zweite Beratung deS Sparkasseng«s«tz<i wird fortgesetzt. , K. .

Abg. Wamhoff fntl) spricht *•

aus, da die Spartaffen nicht dafür da seien, de« Kurs der Staatspapiere in die Höhe zu treiben.

Abg. Wald stein (Vp.) steht aus dem gleichen 6tm«ad)n£*nnabme eines Antrages ans Schluß der Oeneralbebatte wird ber S.mpremi&antiag unter Ablehnung aller übrigen Anträge und in dieser Fassung ber 4 1 angenommen.

§ 2 besagt, daß von den nach § 1 von den einzelnen Eparlasten zu haltenden Mindestbeständen an mündel- sicheren Schuldverschreibungen auf den Inhaber drei Aünst.l in Schuldverschreibungen deS Deutschen Reichs oder Preußens anzulegen find.

Abg. Frhr. o. Zedlitz freikons.): Ist mit den Be» stimmungen des Paragraphen eine Senberung, m den festgesetzten Beständen der Sv ar lassen gegeben *<

Die §§ 2 und werden nach unwesentlicher Debatte unverändert angenommen. § 4 steht vor, das bet Ober- präident Sparkassen von den B»rfchtisten des Gesetze» befreien kann. .

Nach längere. Debatte, in der MinMer Dallwitz erkiärt, tafc für die iledergangszrit «««reil »ririchte- TilUirru iscrben, unö daß i>u fietßficicn

gteote md)t anders behandelt werden sollen, als die Übrigen, zieht der Abgeordnete Johanßen einen Antrag, daß schon der Prästoialrat Erleichterungen gewähren könne, zw ück. Die §§ 4, 5 und 6 werden völlig unver- ändert ange ’ommen.

§ 7, der die Verwendung der Uetzer s chus se der Sparkaffen nach ®rfüüunq der Berpflichlung, Staats- papiere in kaufen zu öffentlichen, dem Gerne nnntzen dienenden Zwecken des Garantieoerbandes vorsteht, wird nach längerer Debatte m der Form eines Kom» proini^antrages angenommen, wonach für soche Zwecke ein Biertet verwendet werden darf, wenn der Sicher- heitssvnds 2 bis 5 Prozent der Jahreseinlagen beträgt, die Hälfte bei S bis 8 Prozent, und die gesamten Jadresübe: schstffe bei erhöhten Prozentiätzen. Ferner bedarf bie Berwendrmg der Jahresüberschüffe der Ge- netzmigirnq der Aufstchtstzehörde, wenn die Urberschüife zur Deckung von auf gesetzlicher Berpfiichtung beruhen­den Ausgaben des Gaiunttevertzandes verwendet werben sollen. Im übrigen soll es bei der Berwen- buag der Sparlaffenüberschüffe bei den bestehenden Bestimmungen verbleiben. Aach § 8 wirb mit nur geringfügigen Lenderungen angenommen. Damit ist b.e Zweite Le'uug beenbet.

Es folgt die Beratung der polnischen Interpellation tetr, die

Enteignung.

Abg. Korfimttz (Pole) begründet die Interpellation: >n Augenblick, wo auf dem Balkan die Kano- sen donnern, hat man den Augenblick für geeig­net gehalten, gegen unS eine Maßnahme zu treffen, die wie ein elektrischer Schlag gewirkt hat, nicht blo; ruf unS, sondern auch auf die deutschen Bürger und au : Ute umwohnenden Völker. Jetzt, wo die Balkanvölker, ton den Sympathien aller anständigen Elemente be­ileitet (Lebhafte Unruhe) gegen die Türkei, die die okechte der christlichen Bevölkerung brutal mit Füßen getreten hat (Erneute lebhafte Unruhe, stürmisches Sehr richtigl bei den Polen) Vorgehen, will man gegen uns die Enteignung anwenden. Die Anfiedlungs. kommissio« hat am 10. d. $L beschlossen, polnische Güter zu enteignen. Die Besitzer zweier derselben sind dlachkommen von Männern, die auf den Schlacht­

urkunde für den preußischen Staat und au8 bet Ster» sirssung de» Deutschen Reiches hergeleiteten Bedenken eingehend widerlegt worden, l Lebhafte» Lachen bet den Polen.) Ich kann mich auf eine nodjmaltge ffit- drrholnng dieser Bedenken nicht einlassen, koeil diese gegenüber dem verfassungsmäßig zustande gekommenen Gesetz nicht mehr in Betracht emmen. (Lebhaftes Bravo recht»! stürmische, ich mehrmals wiederholende Pfuirufe bei den Wien.)

Präfidenk Graf Schwerin: Ich bitte Sie, berartige Zwischenrufe zu unterlassen. Sie können ja Ihrem Widerspruch in anderer Weise Ausdruck geben. (Leb­hafter Steif all recht-.)

Abg. v. Gotzler (lauf.): Der Interpellant hat die ganze Polenfrage aufgcrollt (lärmende Zwischenrufe bei den Polen, Rufe recht»: Ruhe). Da» Enteignungs- gesetz ist berfaffu n.g mäßig zustande gekommen. Tie versaffungSrechtlicben Bedenken find damals ein. sehend geprüft und nickt als stichhaltig anerkannt wor» >en. (Heftiger Widerspruck bei den Polen und So. ialdemÄraten.) Wir halten deshalb eine eingehende Erörterung ber Polenfrage für überflüssig. (Oho! bei den Polen.) Wir wollen hier keine grundsählicke Bclenbebatfe herbei führe--., und der Regierung nicht in den Arm fallen. (Lebhafte» Bravo rechts, sturm. Lachen bei den Polen und Soz.)

Abg. Dr. Friedberg (nalL): Auch wir haben keine Veranlassung, hier in eine ausführlich« Erörterung der Polenftage einzutreten. Der ber Verabschiedung des Enteignungsgesetzes haben wir bie ff rage der Ster- fassungSmäbigkeit eingehend geprüft und find zu bet liebe r^mgiing gekommen, bafe bad fc£

nickt im Widerspruch zu den Bestimmungen ber Ver­fassung steht. Da» ist alles, was ich zu sagen habe. (Beifall rechts und bei den Ratl- — Lachen bei den Polen und Soz.)

«bg. Frhr. v. Zedlitz (flons.): ES ist von Wert, kestzustellen. daß in dieser Frage alle Parteien einig sind, bi« deutsch-nationale Politik betreiben. (Stürm. Beifall recht« und bei den Ratl.. Pfuirufe bei den Pol.) ®fr haben mehrfach unser« Stellung zu der Frage ber Enteignung bargelegt und haben absolut kein Bedürf- niS, darüber heut« noch eine langer« Unterhaltung mit den Polen zu führen. (Zustimmung-, Zuruf des «bg. Korsanttz: Da« ist da» böse Gewissen!) Den Beschwerdeführern wirb, wenn sie reckt haben soll- ttn, ihr volles Recht zuteil werden. (Sachen bei den Polen und Stufe: Preußisches Recht!) Preußi­sche» Recht ist da» beste Reckt der Welt! (Stürmischer Beifall recht» und bet den Ratl., Pfui- Rufe und Gelackter auf ber äußersten stinken, «bg. Hoffmann (Soz.): Und da wollen Sie noch mehr Jesuiten?) Wir haben keinen Anlaß, über die grage ber VerfassiingStnäf iakeit deS EnteignuvgSgesetzeS auch nur ein Wort weiter zu verlieren. (Großer Beifall reckt» und bei den Ratl., Gelächter und Pftri-Kuft bei den Polen und Soz.)

«bg. Graf Praschm« (Z.) (zur Geschäftsordnung): Da ich mich leider nickt so kurz fassen kann, wie die Vorredner, möchte ich bitten, daß vielleicht jefct der- tagt wirb.

Da» Han» beschließt die Vertagung.

Donnerstag: Fortsetzung ber heutigen Beratung, Petitionen.

2lus®b«W«t u. den Hess. Aemmt,

* Marburg, 30. Oft. 1912. Der Lehrstuhl des Marburger Archäologen Prof. v. Spbel wurde dem außerordentlichen Proseffor der klassischen Archäo­logie Dr. JacodSthal in Göttingen übertrage» — Etwa zwei Stunden südlich unserer Stadt, ba dem Dörfchen Ha s s en h a u s e n, befindet sich allem Anschein nach ein großes prähistorische» Gräberfeld. Von dort nn Walde befindliche« 24 Hügeln wurden in Gegenwart der Direktors bei Kasseler Landesmnseums und anderer Herren aus den' Nachbarorten zwei der Hügel geöffnet. Ma« and zwei Urnen mit Asche, sowie einen Brones- ring. Der Schätzung des Sachverständigen nach dürsten bie Grabstötten 8000 Jahre alt fein und ans der feltifdjeit Zeit stammen. Wie man hört, soll im nächsten Jahre das ganze Gräberfeld auf- geschlossen werden.

△ Warburg, 30. Ott 1912. Die Zahl bet immatrikulierten Studierenden erreichte heute rund 2000, obre bie nur zum Dören der SBo» lesunoen berechtigten Damen und Herren. — Am Samstag und Sonntag, finde! in der städtischen Fest­salle die 4. hessische JunggeslfigeNchau statt Die Zahl ber Anmeldungen beträgt 630. — Die Vertrauensmänner-Wahlen zurAugesteüten- Veisicherung können hier eigentlich al* Verl rauens- bauten - Wahlen berechnet werden, denn der kauft männische Verein für weibliche Angestellte einschließ­lich deS Privatlehrerinnen - Vereins errang ber enormer Deleiliauna von 9 Sitzen 4.

» Ziegenhain, 90. Ott. 1912. Unter den Ge. flügelbestanden mchrerer Gchöste ist dre Huh- uercholera ausgebroche«.

• Kirchhain, 30. Ott. 1912. Em hiesiger Ein­wohner, deffen Sohn mit Steinen nach in der Wohra sich tummelnden Ente« geworien und dabei ein Tier verletzt hotte, sodaß es geschlachtet werden mußte, hatte den Schaden mit 25 Mark zu bezahlen. Teuer« Flestckprn'e^ fllrdjj)ahl go. Ott. 1912. Di« Eei einden im Kreise Kirchhain haben im Jahre 1912 lüi O b ft 17190 M. eingenommen. Die Einnahmen im Vorjahre betrugen 20594 Mark. — ®ieStetü Idjuliul'peftiüii über bie katholischen Schul« der Kreise Kirchhain und Marburg ist dem Psarr« Günther in Allendors übertragen.

* Oberaula, 30. Ott. 1912. lieber daS Vermög« oer Ziegelei Breitenbach, G m. b. H., ist Konkursverfahren verhängt worden — Ans 6 hiesigen Gehöften ist dre Geslügei-Choler« auSgebrochen. ~

* Ebrdors, 30. Ott 1912. Dem Ehepaar Bo« benbenber wurde anläßlich seiner goldenen Hoch­zeit bie Zubiläumsmeba-üe überrtickt.

*Tiktzfii,30.Ott. 1912. Die Schmiedeinnuug eröffnet demnächst «inen Fortbildungskursus für Lehrlinge und jüngere Gesellen.

4 Fritzlar, 30. Oft. 1912 Am Montag fand i« „Wittelsbacher Hof" zu Rassel unter dem Vorsitze^ des Kreis;chulmsveklorS, Herrn Dechant Jestädt»^ Fritzlar bie amtliche Konferenz des Kreisschnlln^ speteionsbezirkes Anstel (falb.) statt. Den Vortrag hatte Herr Lehrer Beck-Rinteln übernominen über die Frage: Wie erziehen »tr b« Mädchen für das Leben? Die fleißige, von liefern religiösen und sitt­lichen Ernste durchdrungene Arbeit war auS dem praktischen Leben geschöpft unb gab eine Fülle von Anregungen. Rach Bekauntgat e ber wichtigsten amt» hüben Verfügungen des verflossenen JahreS schloß ein gememschastftches Mittagsmahl in echt kollegial« Weise die Konlerenz.

Herrenhausmitglred bedauerte, daß »an und nicht mit teuer und Schwert germanisieren kann. 1846 tief Friedrich Wilhelm IIL den Polen zu. .Ihr werdet meinet Monarchie einverleibt, ohne daß ihr euer Na- tionalität verleugnen müßt, euer Eigentum kehrt wie­der in den Schutz d«S Gesetze» zurück." Deshalb ver­greist man sich an unserem Eigentum, um den Wett von Königsworte» zn befräftiaee. Welch« Achtung sollen wir vor einem solchen Staat« h<ck«i. in dem KönigSworte einen solchen Wert haben? l (L«ht richtig! bei den Polen.) Ein« Milliarde hat Preußen ausgegeben, um unser Bott vom Land« zu wtirtewea — und in den Städten verkümmert man wm Oie Erwerbsmöglichkeit. Fast di« ganze deutsche Bevolle- rung in den polnischen LandeStc.len besteht au« StaatSstipendiate» für unser Geld drang- altert unS die Regierung im Widerchrilch gegen die Verfassung. Mit unmoralischen Mirtelnbekam^t man unS verächtlicher Subjekte bedient sich Ine Rnsi'edlnngskommission. Macht geht dar «echt ist ihr Prinzip. (Unruhe.) TaS EnteigmmgSgesetz soll aus besonderen WunschderKrone errolgt fern. (H^t. hört') Fürst Bülow hat aber versprochen, diese» <Se- waltgesetz nicht anzuwenden. Ich will die Handlung», weise der Regierung moralisch nicht yualifizieren, jeder wird sich selbst ein Urteil bilden. Da« Gesetz steht im Widerspruch mit der Verfassung. Wir gehören zur Gesamtheit. Aber man enteignet unt nur, weil wir Polen sind! Sie müssen da» Bewußt- ein haben, daß Sie dem Gesetz Gewalt mdun. Herr

Rheinbaben hat im Herrenhause offen erklärt, man denke nicht daran, deutsche Großgrundbesitzer gu enteignen. Da» ist ein offenherziges Bekenntni» zum Verfassungsbruch. (Unruhe.) Die neue Tai der Anfiedlungskommission verstößt aber sogar gegen dieses Gewaltgesetz. Denn enteignet soll nur werden, wenn daS Deutschtum gefährdet ist, und wenn deutsche Sieberlaffungcn abgerundet werden sollen. Bei den jetzt Enteigneten trifft keine der beiden Porbedingun. gen zu. (Hört, hört!) Sie (zum Minister) der- höhnen ja ihre eigenen Gewaltgesetz«. Man erzählt allerlei von dem Zustandekommen de» Enteignung». beschluffeS. Herr v. Dallwitz soll dagegen gewesen sein. (Zurufe: Na. na!) Wer überstimmt ist in einer ffrage. in der die Grundfesten de» Staate» erschüttert worden sind, ber sollte nicht weiter in seiner Stellung verbleiben. (Lachen rechts.) Dieser Kampf gegen die Polen ist eine Feigheit, eine Heuchelei. Man glaubte, bei dem Kanonendonner auf dem Balkan würde daS Ecko diese» Gewaltakt» in Europa keinen Widerhall finden. Dann al» da» Gesetz angenommen wurde, erscholl in der ganzen zivilisierten Welt ein einzige» Pfui. (Lachen.) Sehen Sie doch wie Ihre hakatistische Presse feige lügt! (Unruhe.) Sie erzählt Märchen von begüterten Polen, während «S fick um Leute von 50 Hektar und Witwen und Waisen handelt. Da» Gesetz ist ein Marterinstrument wie die mittelalterliche Folter. Die alldenffcken Hetzer (tö­ten fortwährend den Frieden. Ti« Regierung bat sich an dem Privateigentum der Staatsbürger vergriffen. Niemand ist seines Einkommen» mehr sicher. Ti« polnische Bevölkerung hat vollständig da» Vertrauen zur Regierung verloren, auch zu den Richtern, Ein Schorlemer-Alst hat einmal hier erklärt, man dürft das Wort ,Expropriation" nicht in den Mund nehmen, und ein Schor!emer-Lieser verteidigt diese Maßnahme hier. (Hört, hört! bei den Polen.) Gegen die ®nt- eignung hat sich auch mit aller Schärf« bie .Berliner Volkszeitung" ausgesprochen und bte .Frankfurter Zeitung", da» Leiborga» des Fürsten Bülow. (Hei­terkeit.) Dft rote Flut wird ansteigen. Die Sozialdemokraten werden in derselben Stärke, wie sie im Reichstag sind, auch hier in diese» Hau» «in- ziehen. (Lachens Diese geschworenen Feinde de« P rivateigen tum» werden dann sihre Güter verlangen. (Gelächter.) Sie haben bei der polnischen Devölke- rung Haß, Erbitterung und Verachtung gesät. Wir sind ein Volk, da» eine Kultur und ein« Geschichte

bat, da» Europa vor den Türken gerettet hat. Wir werden unser« Güter bi» auf da» Seutzertze verteidigen. Wir führen den Kampf auf Leben und Lod, den Sie un» auftezwungen haben, mit allen Kräften und der Sieg wird unser sein. Gottes Müblen mahlen langsam. Für uns«« Henker uno Peiniger nnro tue gerechte Straft kommen. (Stür- mffcher Beifall bei be« Polen. — Lachen.)

Landwirtschaftsminister Frhr. K Säwrlemee: Nack den von dem Präsidenten der Anfiedlungskommission abgegebenen Erklärungen kann aber fein Zweifel da­rüber sein, daß von der Enteignung nur Güter be­troffen worden sind, welche in letzter Zeit durch Set- äußerung den Besitzer geändert haben. Dem- zufolge entspricht insoweit ber Beschluß ber Anfied­lungskommission ber Erklärung, welche ich in der Bnd- getkommission nm 17. April 1912 abgegeben und spä­terhin wiederholt habe. Bei der Beratung de» Ge­setze» vom 20. März 1908 sind die aus der Verfassung»-

3m Schutze des Zauberers.

52] Englisch-indischer Roman von 8. Ä. Heaty.

Ihr« Fahrt war nicht lang, die Straße aber» die sie passierrn mußten, belebt von den artigsten Gestalten, Offizieren, Soldaten, Landleu­ten unb Boten, die teils einzeln, teils in größeren Gesellschaften nach Bithur wanderten oder von dort­her kamen. Als sie sich dem Palaste bis auf eine Biertelmeile genähert hafte», ließ Rudschnb halten und befahl dem Knaben, auf einen Nebenweg zu fahren und dort zu warten. „Sind wir bis zum Abend nicht wieder hier, so kehrst Du nach Hause zurück."

Sie begaben sich zu Fuß nach dem Palast, bahn­ten sich durch die in Gruppe» umherstehende und über die neuesten .Kriegserlebniffe schwatzende Menge einen Weg und stellten sich der T^raffe ge­genüber in dem verborgensten Winkel des Gartens auf.

Bathurst betrachtete forschend die Reihen der Fenster, in der vergeblichen Hoffnung, Jfabellas Geficht an einem derselben zu erblicken. Sebhast mußte er jenes Tages gedenken, da Nena Sahib in diesen Räumen der Garnison von Cawnpore ein Fest gegeben.

,Rudschub", wandte er sich an seinen Gefährten, „ich bin kein Prophet, kein Seher und Zauberer wie Tu, der die Zukunst vorherverkündeu kann; aber soviel vermag ich Dir doch heut schon zu sagen, daß jenes stolze Gebäude dort unwiderruflich dem Untergänge geweiht ist!"

Der Gaukler nickte. „Ich weiß es; ich sah den Palast vorhin von einer Wolke verdunkelt, die nichts Gutes zu weissagen schien: doch dachte ich eher an einen Unfall als an die Rache der Engländer."

..Möglich, daß der Rajah das Zerstörungswerk selbik in die Hände nimmt: wenn aber nicht, so wer­den es sicher andere für ihn besorgen."

„Ich habe Dir noch nicht erzählt, Herr", sprach Rudschub, den Gesvrächsgegenstand wechselnd, „wes­halb ich den Angriff auf die Boote weder verhindern,

noch Dich vorher warnen konnte. Ich wußte, daß I man Nachricht hierher gesandt hatte, und ich brock I sofort nach Lawnpore auf, um das Unheil, wenn möglich, von Euch nbzuwenden- Hier traf ich mein« Dvchter und vernahm, daß des Rajahs Zorn gegen mich keinen Gedanken an eine persönliche Bespre­chung mit ihm aufkommen lasie Daß ein Uebtr- fall geplant war, blieb mir nicht verborgen: aber al» uh Ort und Stunde erfuhr, war e» zur Warnung für Euch zu spät."

„Sie wäre auch nutzlos gewesen", erwiderte Bat­hurst. „Borberestet mußten wir ja auf eine Treu­losigkeit der Sepotz? sein; und daß Du.Dich mit unserem Schicksal beschäftigtest, merkte ich an der Unruhe, die mich den ganzen Nachmsttag verfolgte. Aber selbst wenn wir die Gesahr genau gekannt hät­ten und noch früher an das Land gegangen wären, so würden sie uns auch dort ereilt und übertoältigt haben, und das Resultat wäre dasselbe gewesen. Sage mir, stiudschub, bleibt Deine Tochter nicht recht lange aus?"

^Du mußt Geduld haben, Herr. Eine Gefan­gene, die von Frauen und Wächtern behütet wird, aus einer der Zenanas zu entführen, ist wahrlich eine schwierigere Aufgabe, als einen jungen Vogel aus seinem Neste zu rauben. Doch sieh, hier kommt Rabda!"

„Flüchtigen Fußes eitte das Mädchen herbei und blick mit auf der Brust getreusten Armen und de­mütig gesenktem Hauvte vor Bathurst stehen. Sie war gekleidet wie eine der ersten Dienerinnen in der Zeuana eines Hmdufürsten.

„Was bringst Du für Nachrichten, Rabda?" fragt: der junge Mann hastig.

„Die weiße Taube, das Licht Deiner Seele, o Herr, ist krank! Sie hielt sich aufrecht, bis sie hier ankam und den Händen der Dienerinnen übergeben wurde. Tann schwand ihre Kraft und sie ward be­wußtlos. Nun liegt sie da — schwach und erschöpft von allem, was sie gelitten."

„Wo ist sie nun?"

„Sir ist üi der Zeuana nach dem Hofraum hin­aus den keines Ällannes Fuß jemals betreten darf."

„Hat der Rajah sie gesehen?"

„Rein, Herr. Man hat ihm gesagt, in welchem Zustande sie sich befindet, und daß er sie erst in zwei bis drei Tagen sprechen könne."

„Das ist immerhin etwas". Jagte Bathurst er­leichtert. „Run haben wir wenigstens Zeit, einen Plan zu ihrer Befreiung zu entwerfen."

„Du bist selbst in der Zenana, Rabda?" fragte Rudschnb.

„Ja, Pater: die Herrin desselben ftnnt mich und ist mir freundlich gesinnt. Als sie hörte, daß Du eine Reise unternehmen wollest, und ick sie bat, mich bi» zu Deiner Rückkehr als Dirnerin im Hause zu behatten, willigte sie sofort ein. Dann trug sie mir auf, Dich zu fragen — falls ich Dich noch vorher sehen sollte — ob Du ihr nicht ein Mittel geben könntest, wodurch des Rasahs Gedanken von diesem weißen Mädchen abgelenkt würden. Sie fürchtet, dasselbe werde, wenn er es zu seiner Lieblingsfrau erwählt, alles nach englischer Art einrichten und die anderen Frauen verdrängen. Ich bestärkte sie in dieser Annahme und versprach ihr. Deinen Beistand zu erbitten."

„Wie durstest Du das, Rabda?" rief ihr Vater unwillig. „Was habe ich mit Zand irsprüchen und Liebestränken zu schaffen?"

„'Rein, Vater, ich weiß wohl, daß Du von diesen Dinaen nichts hältst; aber ich hoffte auf diese Weise Zutritt zu der Dame zu erhalten."

„tzsewitz, das ist eine ausgezeichnete Idee", ent- gegnete Bathurst, „kannst Du nichts tun, Rudschnb, um sie ihrem Entführer gleichgültig oder verhaßt zu machen?"

„Richt?, Herr. Ich könnte vielleicht auf ihre Umgebung einwirken und den Leuten den Glau­ben beibringen, daß sie mit einer häßfichen Krank­heit behaftet sei, — ober bei dem Rajah würde dieses Mittel gänzlich fehlschlagen. In dieser Hin- sicht entzieht er sich meinem Einfluffe durchaus, denn er ist ein entschlossener und herrischer Charakter, und es existiert keinerlei Shmpathie poischen uns."

„Rudschub", sagte Bathurst plötzlich, „ich erin­nere mich, daß wir in unserem Lager einen Kasten mit Medikamenten hatten. Könntest Du Wohl in Ersahrung bringen, wohin derselbe gekommen ist, als man jenes erbeutete?"

„Ich zweifle nicht, daß es mir gelingen wird. Herr. Die englischen Arzn «waren stehen hoch bet uns im Preise, und es ist daher mit Sicherheit anzunehmen, daß die Plünderer sie au eine» unserer Händler verkauft haben Befand sich darunter ei» Trank, wie jenes Weib ihn begehrt?"

„Nein; aber der Kasten enthielt Stoffe, die rich­tig angewendet, furchtbare Verheerungen im Aeuße- ren des Menschen anrichten und ein schönes Gesicht bis zur Unkenntllchkeit enfftellen können."

„Und würde «8 seine frühere Schönheit wieder erlangen?"

„Tie Spuren berbleiben ost lange Zeit, ja, laffe« sich zuweilen, wenn ein zu starker Gebrauch von dem Mittel gemacht worden ist, nie wieder ganz ver­wischen; aber ich bin überzeugt, Fräulein Hannah U-ird durch solche Bedenk m nicht von dem Versuche sich zurückschrecken laffen."

„Aber Du selbst, Herr — fürchtest Du nicht, sie für immer erttstellt zu sehen?"

„Wie kann ich an mich denken, wenn es gilt, sie vor Schmach und Verzweiflung zn bewahren? Wäre es nicht traurig, wenn wir an der Frau, die wir zu unserer Gattin wählen, nur ihre äußeren Vor­züge liebten? Verschaffe mir den Kasten, und ich will Dir dankbar sein! Eines der Mittel, Salpe­tersäure, kannst Du gewiß erwerben, denn rs wird, wem- ich nicht irre, von Gold- und Silbcrfchmieden gebraucht."

„Ohne Sorge, Herr; ich toc rj, wohin ich mich zu wenden habe."

„Dann laß uns sogleich aufbrechen. Du kannst einen harmlosen Trank präparieren, den Rabda der Herrin der Zenana übergeben soll mit dem Be­merken, derselbe bringe einen hätzsichen Haulaus­schlag hervor. Wir können noch heut abend wieder zurück sein- Willst Du nach Sonnenuntergang hier­herkommen, Mädchen, und uns erwarten? Sage, Du habest Deinen Vater gesehen, und er habe Dir ver­sprochen, das Erforderliche zu bringen; sprich auch von Deiner Neugierde, die Frau, die den Rajah b^ zaubert hat, kennen zu lernen, und wenn man Dich zu ihr läßt, so slüstere ihr die Worte zu: „Verzag« nicht; Freunde find Dir nahe!"

gorisetzuno folgt)