Einzelbild herunterladen
 

NochEaee: «Muflrierte sonntagtzettung"

39. Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 31. Oktober 1912.

Erstes Blatt

Jv5 251.

gestern

»lürtirt lägst® «i# Abnahme bet $o.m= ttitv Feiertage vieriei- |ShrIich«?Ve;r!-'prei5 »hne 6rinaeriö‘:r und vrsteSgelomMdafr,- »iemi$wärfsi.5(Mlit

Verantw. üersttEr

fflt Mr feigen: I.parzeLer m-rulda.

r Der König von Spanien erkrankt. König AlfonL von Spanien ist seit geint« vormittag Durch einen Anfall von Grippe ans Bett gefesselt.

♦* Tas Befinden des russischen Thronfolgers. Nach dem gestern vormittag ausgegebenen KranlheitS« bericht nahmen die Kräfte fichltich zu. Das ,Soturg. Tageblatt' ist von einer dem russischen Hofe ver­wandten Seite ermächtigt, mitzuteilen, die Gerächt« über einen Mordanschlag auf den russische« Thronfolger seien unwahr. Die Kaiserfamilie habe die Kaiserjacht .Standard' Ende August verlasse» und habe seitdem nicht wieder auf ihr geweilt.

Aus Nirche und Schule. .

• Münster, 30. Okt. 1912. Als Vertreter bet Kölner Metropolitankapitels kamen heute General­vikar Dr. Kreutzwald und Prof. Dr. Schnütge« hierher, nm Herrn Bischof v. Hartmann di« Nachricht von der auf ihn gefallenen Wahl zu» Erzbischof von Köln zu überbringen. — Gestern hat das gesamte Domkapitel dem Herrn Bischof sein« Aufwartung gemacht, heute wurde das Kollegium der Domvikare im bischöflichen Palais empfangen. Der Bischof betonte in seiner Antwort auf di« Glückwünsche, wie schwer es ihm sei, zu scheiden von seiner Vaterstadt und von seiner Diözese, d« ihm so sehr ans Herz gewachsen sei. Er sei jedoch bereit, jedes noch so große Opfer zu bringen, »ach dem Willen und Wunsche deS hl. Vaters.

wieder zusammengetreten. TaS Haus war von Militär umringt, daS verhindern sollte, daß die 63 Abgeordneten, die in der letzten Sitzung vom 17. September wegen Ruhestörungen aus dem Parlament ausgeschlossen wurden, in das Haus eindringen könn­ten. Die oppositionellkn Abgeordneten erschienen unter Führung der Abgeordneten Apponyi und Battianh. Der Kommandant der Militärabtcilung, 4>ie den E i n» gang abgesperet hielt kommandierte: «Bajo- nett auf!' ES entspann sich ein knrz-r Wortwechsel zwischen den Abgeordneten und dem Offizier. AuS der Menge von Neugierigen, die die Abgeordneten be­gleiteten, erschollen Rufe gegen die Soldaten: »Schämt euch, Jbr seid ja auch Ungarn, Ibr seid ja unsere Brü- der!' Man hörte auch Rufe: »Es lebe die Republik!' Sckliestlikb entfernten sich die Abgeordneten. Um 10% Uhr eröffnete Präsident Graf Stephan Tisza die Sitzung. Die Regierungspartei und das Kabinett waren vollzählig erschienen. Nur zwei Oppositionelle, Graf Andrassy und Ignaz Daranyi, waren anwesend. Graf Andrassy bekämpfte das Vorgehen der Regie­rung, welche daS Parlament mit einem M'litärkordon umgeben habe. Es erregte einiges Aufsehen, daß feine Rede auffallend friedlich auSklang. Andrassy lietz sogar die bekannte Forderung der Opposition nach dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Lukacs fallen und erklärte, daß die Regierung bleiben könne, sofern Bürgschaften dafür geboten würden, datz die Berge- waltigung der Minderheit sich nickt wiederholen wird. Die Antwort TiSzas klang schroff ablehnend. Schon seine ersten Sätze schnitten die Friedensbemühungen so scharf entzwei, daß Graf Andrassy den Saal verließ. Später führte dann Tisza aus, daß der im Sommer begonnene Kampf nicht abgebrochen werden dürfe, he­bet die Herrschaft der Mehrheit dauernd gefestigt und die Durchführring ihres Willens endgültig gesichert fei. Schließlich erklärte Ministerpräsident v. Lukacs, daß

.ES. njäiJx?Xß«. denke, leinen Vlatz 411 verlassen.

Ausland.

*• TaS ungarische Abgeordnetenhaus ist

Deutsches Reich.

• Berlin, 30. Okt. 1912. Zum ReglerungS- jubiläum des Kaisers wird das Landwirtschasts- Ministerium ein Album heraurgeben, das Phnto- graphicn laudwirlschattlicher IHufierbetriebe enthält, die u ster des Kaisers Regierung entstanden. — Das schwedische Königspaar wird am Sonntag auf seiner Durchreise durch Berlin dem Kaiserpaar tm Neuen Palais einen kurzen Besuch abftattten. Am Sonntag abend erfolgt die Weiterreise nach Karlsruhe, "" ? ?

die Schlacht am Ergenefluß von entscheidender Be­deutung. Auch nach einem türkischen Siege würde nicht alles, was verloren ist, zu retten sein, immer­hin würden sich die Einbuhen wesentlich verringern. Die Großmächte ihrerseits warten den Ausgang die­ses Kampfes ab. Unterliegen die Türken, so ist je- densalts der Moment für einen Vermittlungsversuch gekommen; und auch wenn die Türken siegreich aus der Schlacht hervorgchen, würden sich Handhabe« für eine Friedensvermittlung biet:«.

W Sofia. 30. Okt. 1912. Die Bevölkerung war- tet hier mit wachsender Ungeduld auf Nachrichten über den Ausgang der großen Schlacht am Ergene, die bereits im Gange ist. Die Bulgaren habe« die Türk:« angegriffen. Ma« gibt sich keinem Zweifel darüber hin, daß die Kämpfe, die schon jetzt äußerst heftig geführt werden, viel heißer fein werde«, als die bei Kirkilisse. Denn die türkischen Führer wer­den all: Energie aufbieten, um den Geist der demo­ralisierten Truppen wieder zu heben und sie zum äußerste« Widerstand anzuspornen.

* Konstantinopel, 30. Okt. 1912. Der Kriegs­minister sandte dem Palais zwei Telegramme Das eine lautet: Truppen unternahmen westlich von Adrianopel bei Marasch einen Ausfall und warfen eine bulgarische Brigade jenseits Seraikeu und Ke- malk:u zurück. Das zweite Telegramm besagt, daß bei Wisa die rechte Flanke mit vollem Erfolg die Bulgaren in der Gegend von Tschouka zurückwarf.

* Konstantinopel, 30. Okt. 1912. Anstelle Ab­dullahs übernahm Nasim Pascha das Kom­mando der Ostarmee.

* Frankfurt a. M., 31. Okt. 1912. Die „Frank­furter Ztg/ meldet aus Konstantinopel von 1.20 Uhr nachmittags, daß der rechte Flügel der tür­kischen Armee unter Mahmud Mukdar Pascha, wie nach Koustanlinop:l berichtet wurde, nach ^stündi­gem Kampfe gestern abend die Bulgaren un­ter starken Verlusten zurückgefchla- g e « habe.

* Sofia, 30. Okt. 1912. (Tel.) Adrianopel wird stark beschossen und soll umsomehr leiden, als die Stadt eine große Zahl von Flüchtlingen enthält, die dort Schutz gesucht hatten. Die Türken sollen sich tapfer schlagen, aber der Ausgang ist nach hie- siger Ansicht nicht zweifelhaft. Die türkische« Trup­pen machten mehrere Ausfälle nach verschiedenen Richtungen, wurden aber zurückgeschlagen.

* Ein Flieger heruntergeschossen. Nach einem Telegramm aus dem bulgarischen Hauptquartier wurde der in bulgarischen Diensten stehende russische Flieger Popow, der vor Adrianopel zu einem Erkundungsflug aufgestiegen war, durch einen K a- « 0 « euschutz aus einem der Forts herunter­geholt. Man holte ihn unter den Trümmern seiner Flugmaschine tot hervor.

Der serbische Vormarsch.

* Belgrad, 30. Okt. 1912. Die dauernden Siege des fetbt;d)en Heeres schreibt man der guten Zucht in allen Waffengattungen zu. Man glaubt, die Türken müssen eine sehr schlechte Be­dienung der Geschütz« gehabt haben, sonst wären auch nicht so viele vollständig tadellos ge­bliebene Krupp'sche Kanonen den Serben zur Beute gefallen. Von Köprülü, das gestern genommen wurde, wird gemeldet, daß der Kampf dort schwer gewesen sei, weil die Türken, wie bei Rumanoroo, alle günstigen Stellungen vor dem Anmarsch der Serben hätten besetzen können. Erst nach hartem Kampfe fei es gelungen, de« Rest des große» tür­kifchen Heeres vollständig zu schlagen.

* Belgrad. 30. Okt. 1912. Aus Branja wird amtlich gemeldet: Die ganze türkische Armee Maze- doniens in einer Starke von 80000 Man« hat an der Schlacht von Rumanoroo teilgenommen. Die Serben hatten 400 Tote und 2000 meist leichte Verwundete, Die Türken hatten 16 000 Tote. Sie verloren fast ihre getarnte Artillerie. In dem Kampfe b.i VeloS und Köprülü, der kurz, aber erbittert war, hatten bie Türken 6000 Tote. Die Türken wurde« in Verwirrung gebracht und in die Flucht geschlagen.

Weria von den Griechen besetzt.

* Athen, 30. Oktober 1912. Wie aus Koschany telegraphiert wnd, ist Weria gestern durch die griechische Armee ohne Widerstand beietzt worden. Muselmanische Notabel« ersch enen vor dem Kron­prinzen, um ihre Unterwerfung zu bezeugen. Die Eisenbahnverbindung nach Monastir ist unterbrochen.

Nunm hr haben die Griechen, nachdem ihnen in Weria der wichtigste Punkt auf dem Wege nach Salonik in die Hände gefallen ist, den Weg nach dieser Stadt frei. Sie weiden h er den von Norden vordringenden Bulgaren die Hand reichen können, um gemeinsam weiter zu operieren.

* Konstantinopel, 30. Okt. 1912. (Tel.) Aus die Bitte der türkischen Regierung begab sich das deutsche Stationsschiff „Loreley' mit Genehmigung Kaiser Wilhelms nach Saloniki, um evtl, den Exsul- t a n Abdul Ham id, dcsien persönliche Sicher­heit in Saloniki gefährdet erscheint, nach Konstanti­nopel zu bringen. Hier soll ihm das Palais am Bosporus als Aufenthalt angewiesen werden.

* Das deutsche Rote Kreuz. Wie in Sofia, so sind auch in Konstantinopel die Abordnungen des deutschen Roten Kreuzes eingetroffen. Außerdem gehen bekanntlich Abordnungen nach Bulgarien, Serbien und Griechenland.

Zer MmtfaH

Die Entscheidungsschlacht.

Etwa die Hälfte des Weges von der Grenze nach . Loustantinopel hat die bulgarische Ostarmee schon zuriickgelcgt. Die erste türkische Verteidigungslinie zwischen Adrianopel und Kirkilisse wurde von ihr gesprengt. In der jetzigen Stellung am Ergene­fluß versuchen die Türken zum zweiten Male, das Tor nach Konstanttnopel zu verriegeln. Wenn diese Schlacht verloren geht, ist Konstantinopel in doppelter Hinsicht bedroht. Ehe der Feind vor die Mauern Konstantinopels gelangt, sofern er sich jetzt den Weg dorthin bahnt, würden die geschlagenen, in Unordnung geratenen, zur Naserei gebrachten tür- kisll)cn gruppen nach Konstantinopel zurückströmen und toic ein schäumender Gebirgsbach, alles mit sich fortreißend, die Stadt überfluten. Eine andere Rück- zugslinie als die nach Konstantinopel steht ihnen nicht offen. Bon schweren Besorgnissen ist daher di: nichttürkische Bevölkerung der Hauptstadt erfüllt. Mit Grauen sieht, man dort den Ereignissen für den Fall eines bulgarischen Sieges entgegen. Auch für die Frage, wie groß di: Gebietsverluste sein werden, feie bie Türkei durch den jetzigen Krieg erleidet, ist

TaS Abgeordnetenhaus bettet gestern das Sparkasfengef etz in zweiter Lesung. Dieselbe« Gesichtspunkte, die schon in der allgemeinen Be- sprechung erörtert worden sind, werde« heute bei den einzelnen Paragraphen noch einmal gründlich durchgesprochen: Die Frage, wie daS Gesetz auf de« Hypothekenmarkt und auf den Realkredit über« Haupt wirken wird, die Frage, ob die Sparkaffen dazu da sind, den Kurs der Staatspapiere zu hebe«, die Frage, ob die Ueberschüffe der Sparkassen zu verwenben sind usw. ufro. Bei bet Abstimmung wurde das Gesetz auf der Grundlage der Kompro- mitzanträge angenommen. Einem der erheblichsten Bedenke« gegen daS Gesetz, da? wieder vom Abg Faßbender hervorgehoben wurde, wurde dadurch Rechnung getragen, daß die Regierung in einer Resolution Waldstein (Dolkspartei) aufgeforbeit werden soll, Maßnahmen zu treffen, durch die die Sparkassen vor Kursverlusten geschützt werden. Allerdings ist diese Resolution noch nicht zur Annahme gelangt, sie wurde vielmehr zunächst an eine 21gliebriae Kommission verwiesen, doch erklärte der Abg. Faßbender (Ztr.), daß von dem Schicksal dieser Resolution für seine Partei die Stellungnahme zum ganze« Gesetz abhängen wird. In vorgerückter Stunde wurde bann noch die Ent« eignungsinterpellation in Angriff genommen.

+ Der nationalliberale Abg. D. Lackenberg, Pfarrer und Kreisschulinspessor zu Hottenbach (Be­zirk Trier), Vertreter der preußischen Wahlkreises Kreuznach-Simmern, ist Mittwoch vormittag in seiner Heimat plötzlich infolge seine? Herzleidens gestorben. — Er war am 11. Januar 1852 zu Lennep geboren und war Mitglied bei Abgeord­netenhauses feit dem Jahre 1898. Seine sympathische Persönlichkeit machte ihn allgemein beliebt; er wat ein bedeutenbet Redner und griff besonders in die Debatte« Über religiöse und pädagogische Fragen ein. Pfarrer Hacken berg gehörte dem Hauptvor- 1 stand deS Evangelischen Bundes an und war län­gere Zeit Vorsitzender von deffen rheinifchen Hauvlverei«.

-f- I« der Zigarrenfabrikation soll demnächst eine Regelung der HauSurbeit vorgenomm n werden. Es dürften alle die Bestlmmungen in Kraft gesetzt werden, die in dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Herstellung von Zigarren in der Hausarbeit vom Jahre 1907, der bekanntlich nicht verabschiedet wurde, enthalte« waren und nicht mzwischen durch das Hausarbeitsgesetz allgemein ein­geführt sind.

s. Der Staat haftet für Pflichtverletzungen kom- munaler Lehrer. In der verstärkten Justizkom- mtffion des preußischen Abgeordnetenhauses hat man gegenüber einem von irriger Gesetzauslegung ausgehenden Oberlandesgerichtsurteik einen Antrag Zedlitz angenommen, wonach der Staat nach dem Beamtenhaflpflichtgesktz, nicht aber die Gemeinden, für Pflichtverletzungen bet Gemcindelehrer auszu­kommen bat.

♦ Meiningen, 29. Oft. 1912. Die Regierung wird ben Landtag zum 18. November zu einer wahrscheinlich nur kurze Zett dauernden Tagung einberuten.

* München, 30. Oft. 1912. Auch die Kammer der Reichsräte nahm den Gefetzentivurs über den Kriegszustand einstimmig an. In dem Gesetz ist u. a. auch Sabotage mit Todesstrafe bedroht und die Presse verpflichtet worden, während deS Kriegs­zustandes ausschließlich amtliche Nachrichten in jedem Fall zu verbreiten.

** Erneuerung deS Dreibundes.

Dem Panker ,Temps' wird aus Rom feie« grrphiert, daß die Erneuerung des Dreibundes vollendete Tatsache fei. Die Vereinbarungen seien die gleichen geblieben wie bisher, und es würden nachträglich nur solche Aenderungen in Frage kommen, die sich aus dem Ausgang der gegenwärtigen Ereignisse im Orient ergeben tönnle«. Bei der Zusammenkunft des Graten Berchtold mit dem italienischen Minister des Auswärtigen in P sa fei übrigens vom Dreibund seht wenig die R de gewesen, man habe sich vielmehr mit den möglichen Folgen des Balkankrieges beschäftigt.

Lokales.

Fulda, den 31. Oktober 1912c

**, Tom. Morgen, am Feste Allerheiligen, ist um 9‘/e Uhr Bischöfliches Hochamt, nach welchem der päpstliche Segen erteilt wird. Der Chor singt während des Pontifikalamtes die Missa in honorem Sancti Gregorii für vierstimmigen Mannerchor mH Orgelbegleitung von Singenberger, daS Eredu (acapella) aus der Missa de Cruce von Mittet«^ Nachmittags 3 Uhr ist Bischöflich« Vesper, abeud- um 7*/i Uhr Allerseelenandacht mit Predigt.

§ @inen schweren Verlust hat die hiesige cixw gelstche Gemeinde erlitten. Ihr zweiter Seelsorge^ Herr Pfarrer Johanne- Hattendorfs, ist gesterU abend 11 Uhr an einem Herzschlag plötzlich Dec« >chiede«. Der Entschlafene wat am 20. Mättz 1860 zu Steinbach-Hallenberg geboten; er amtiert« lange Iahte in Schlüchtern und Burghaun. Seil dem 1. Januar 1901 war er Pfarrer der hieige» evangelischen Gemeinde. Im Sommer vorigem Iahte- befiel ihn ein schweres Leiden, von dem er. sich nut langsam völlig erholte, so daß et am 20. Oktober zum erftcnmale wieder Gottesdienst halten konnte. Der Verstorbene war ein pflicht­eifriger Seelsorger, der für Not und Elend stcl- ein warmes Herz und eine offene Hand batte. Auch bei den Andersgläubigen erwarben chm die Lauler-i teil seines Charakters allgemeine Hochachtung. Der; König verlieh ihm vor mehreren Jahren den Rotels Adlerorden 4. Klasse.

[] Ein deutscher Reichspatent Nr. 254 313 ist dem Ingenieur Ferd. Schneider-Fulda auf einerlei«; ltische Ubt erteilt worden.

** Die Persoueustaudsausuahme in unserer ©labt ergab am 16. Oktober einen Einwohnerbestand von' 22879 Personen. In diese Zahl sind 671 Militär» Personen mit eingeschlossen. Bei der vorjährigen Zählung stellte sich die BeoölkerungSziffer auf 22 440, darunter 690 Militärpetsonen. Es ist dem­nach im verflossenen Jahre ein Zugang von 458 Zivilpersonen zu verzeichnen. >

-T- Eine Gastwirteversammlung tagte gestern nach­mittag im Ballhause. Nach einer kurzen ®e» grüßung durch den Vorsitzenden deS hiestgen Gast- roirtevereins, Herrn Schmidt, referierte Herr Direktor Koch-Darmstadt zunächst über Entstehung und Organisation des reichsdeutschen Gastroirtever« bandes und führte dann weiter auS, daß die Gast­wirte nur bann ihre Wünsche bei den zuständigen Behörden durchsetzen würde«, wenn alle Unterere^ bände in einem großen Verbände geschloffen Vor­gehen würde«. Wenn bis jetzt so wenig für das Gastrorrtegeroerbe geschehen fei, so liege daS eben an der mangelhaften Organisation. Dann beleuch­tete der Redner die sozialen Einrichtungen dei mitteldeutschen Gastwirteverbandes und deren Vor­züge. Die Sterbekaffe habe bis jetzt übet 8 Mill. Mark Unterstützungsgelder an die Hinteibliebenen verstorbener Mitglieder ausbezahlt. Außerdem ver­füge die Kaffe über einen Reservefonds von 2 Mill. Mark, der ebenfalls den Mitgliedern gegen gering« Zinsen zur Verfügung stehe. Weiterhin verbreitet« sich der Redner über die Hastpflichtverstcherungr» kaffe des Verbandes und legte an Hand von Bei­spielen die Nützlichkeit der Einrichtung sür den Wirt dar. Eine wettere Wohlfahrtsemrichtung deS Ver­bandes fei das Wasser- und Kohlevsäurewerk in Weilburg. Redner schloß mit der Aufforderung, die Verlaudseinrichtungen, die nur im Interesse bet Gastwirte geschaffen seien, auch künftig zu unter­stütze«. Als Vertreter bes mitteldeutschen Gast- wirleverbandeS legte Herr Friedrich -Kassel durch eine Anzahl von Beispielen bie Nützlichkeit bet Verbandssterbekaffe bar. Zum Schluffe vetlaS Herr Schmidt einige Begrüßungsschreiben, u. a. von ben Herren Reichstagsadg. Müller, Landlagsabg. Rhiel und Landrat v. Doernberg. f

+ Prämiierung von Tuugstättrn. Für gut an­gelegte Dungstälten werden aus Staatsmitteln nicht unbedeutende Beträge als Prämie« zur Verfügung gestellt, vorausgesetzt, daß auch auS Kreismttteln eine Beihilfe in mindestens gleicher Höhe gewährt wird. Die Landwirtschastskainmer in Kassel fordert deshalb die Lai dwirte ihres Bezirkes auf, bei den zuständigen Landratsämtern entsprechende Anträge zu stellen, damit diese in der Lage feien, für Bereit­stellung von Kreismittel« Sorge zu tragen.

0. Der LanbesauSschutz genehmigte einen Voran­schlag der Einnahmen und Ausgaben des Vieh«

einer eintp.L »leiefa teile, 47 wm Mfr loftet ISPfg. Ktflemm »er Baum einer <*# nekeüe, 74 mm bet* kostet 4« Pf» Bei»* berholnnaen B«ML M Sflert-n Aurkm» auzetsen 20 psg. ejttft

Betetlenslrn« n. Verl«- der »nido«A Monakbeilage: „guIMtr Seschichkblätter" ÄW

Wegen des Feiertags Allerheiligen wird die nächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am Samstag ausgegeben.____________

X Die „BerfaWngsmätzigkeit" ver Enteignung.

In der Debatte zur Polenfrage, die am Mitt­woch im Abgeordnetenhaufe begann, schlugen die Regierung und die hakatisttfchen Parteien eine ausweichende Taktik ein. ÜDlan steift sich dar­auf, daß das Enteignungsgesetz auf ver­fassungsmäßigem Wege zustande gekommen fei und nach der Entscheidung der gesetzgebenden Faktoren mit der Versüssung im Einklang stehe. Also se: allesinOrdnung.

Wenn dem wirklich so wäre und bie Enteignung allen formellen Vorschriften über die Gesetzfabrr- kation vollständig entspräche, — Ware damit für die Güte und die Weisheit dieses Gesetzes «was bewiese«? In den schönsten Formen desRechts kann man das größte Unrecht begehen, und was in zwei Häusern des Landtags feierlich befchlosse« worden ist, kann ein schwerer Mißgriff fein. Auf die materielle Seite dir Frage muß man ein­gehen, wen« man sich rein und sicher fühlt- Jetzt, wo das unglückselige Gesetz zum erste« Male an- gewendet wird, ist genügend Anlaß gegeben zu einer solchen Nachprüfung.

Weil wir eine ftreng sachliche Erörterung wünschen, hätten wir lieber gesehen, datz die pol­nische Fraktion ihre Interpellation durch einen rei­feren und angeseheneren Abgeordneten als Herr Korfanty hält: begründen lassen. Wenigstens hätte man bei der Begründung des Protestes gegen die Enteignung verzichten sollen auf eine blanke Sym­pathiekundgebung für die kämpfenden Balkanvölker und auf die mehr als kühne Insinuation, die Re­gierung habe geglaubt, bei dem Kanonendonner auf dem Balkan würde das Echo dieses Gewaltaktes in Europa kein Gehör finden. Will man durchaus den Balkan heranholen, so könnte man nur seststellen, datz die Regierung bei dem Enteignungssport auf die auswärtige Lage keine Rücksicht genommen hat, Denn bei gehöriger Würdigung der hochpoli­tischen Schwierigkeiten und der dringenden Notwen­digkeit der deutsch-österreichischen Solidarität hätte sie nicht wegen kleinen vier Landgütern gerade jetzt einen Zwischenfall schassen sollen, der in sehr be­deutenden Kreisen Oesterreichs Aeraer und Ber- fttmmung gegen das Bündnis mit Deutschland zu wecken droht."

Es ist sehr bedauerlich, datz die polnische Partei immer mehr ins radikale Fahrwasser gerät und durch die radikalen Elemente die Fühlung mit dem Zentrum unmöglich gemacht wird. Aber wen« uns die Mehrheit der gegenwärtigen polnische« Fraktion nicht gefällt, so ändert das nichts an unse­rem Verdammungsurteil gegenüber diesem Gesetz, das dem Geiste der Verfassung widerspricht, das die Sicherheit des Eigentums und die Gleichheit des Rechts durchbricht und nicht zu einer Stärkung, sondern zur Schwächung des Deutschtums führt. Wer sich angesichts so schwerer Bedenken und Ge­fahre« mit dem Protze« auf die formale Gesetzlich­keit begnüge« will, der verkennt doch arg den Ernst der Lage.

Daß an den Verfassungsparagraphen so lange herumgedeutelt und im Notfälle herumgeändert wird, bis die Gewültpolitiker freie Bahn haben, wisse« wir ja noch aus den Erfahrungen des Bis- marck-Falk'schen Kulturkampfes. Man richtete die kirchenpolitifch:« Kampfgesetze nicht nach der Ver­fassung ein, sonder« die Verfassung mutzte sich den Kampfgelüsten anpassen. Erst wurden nach Gneist- fchem Rezept die betreffenden Paragraphen so ab­geändert, daß aus der verheißenen Selbständigkeit eine volle Abhängigkeit geworden zu fein schien. Als diese „Deklaration" noch nicht überall überzeu­gend wirkte, warf Fürst Bismarck die drei unbe­quemen Paragraphen einfach aus der Verfassung hinaus. Natürlich auf dem korrekten „versassungs- und gesetzmäßigen" Wege, der auch jetzt in dem Kampfe gegen die Polen gepriesen und verkündigt wird. Auf den W 0 r 11 a u t einer Verfassung, die man so leicht und schnell abändert, ist allerdings trotz aller Berfaffungsschwüre ein schlechter Verlaß. Aber die Deutungskünste kommen doch nicht an der Tat­sache vorbei, daß die Enteignung als politisches Kampfmittel gegen die Grundsätze der Rechtsgleichheit und Eigentumssicher- h e i t verstößt, auf denen unser Verfassungsrecht und unser Kulturleben aufgebaut ist, und daß diese unge­recht: Maßregel obendrein ihren Zweck nicht erreicht, also nicht bloß schlecht, sondern auch noch un­klug ist.