J» 250.
WlllNSch 5ü. Gttober 191Ä
59. aoirgeng.
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Leitung
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2. Blatt.
»m<t Verlag der Arldaer 2Utia6tldtfti ia 5114s.
bracht. Er hat die Drainage völlig vollendet, die neuesten und besten Maschinen angeschafft, erstklafli- ges Rindvieh und sehr wertvolle Pferde gekauft und einen großartigen Schweinebestand unterhalten; außerdem legte er einen schönen Park an, erbaute ein schloßartiges Herrenhaus für 80 000 Mark und hat auch sonst noch viel Geld an die Instandsetzung der Baulichkeüen verwendet. Auf diese Weise ist aus dem Gute Koldromb ein ganz anderes Objekt geworden, Lei dessen Bewertung der frühere Preis des noch undrainierten Bodens und eines verwahrlosten Inventars erklärlicherweise nur eine recht geringe Rolle spielen kann.
* Wertung des Volksschullehrers durch den Katholizismus. Die liberale Lehrerfachpresse entrüstet sich von Zeit zu Zeit in allen möglichen Variationen über die „Bildungsfeindlichkeit" des „Uliramonta- nismus", über Anfeindung des Volksschullehrers durch die Geistlichkeit der katholischen Kirche, die den Lchrcr angeblich nicht hochkommen lassen wolle. Die Blassen der liberalen Lehrerschaft sind durch diese ewigen unwahren Behauptungen geradezu immun gemacht gegen die wirklichen Tatsachen. Doch wenn sie sehen wollten, könnten chnen diese nicht entgehen. Wie wertet der angeblich so lehrer-' und bildungs- feindliche Katholizismus seine Volksschullehrer? Man schaue auf den Aachener Katholikentag! Vier Vol^sschullehrer sind offizielle Redner. Man sehe sich die Schulorganisation der deutschen Katholiken an! Von allen Ständen find die Bolksschullehrer in den Ausschü sscn und Vorständen weftaus am zahlreichsten vertreten. Und dann schaue man nach Wien! Dort tagte der Erste internationale Kongreß für christliche Erziehung. Dort hat der „bil- durigsfeindliche" Katholizismus wieder einmal gezeigt, daß er der stärkste Hort wiflenschaftlicher Pädagogik ist. Und wie schätzt er den Volksschullehrer: Ter Präsident des glänzenden Kongresses war ein deutsck/er Lehrer, der verdienstvolle Ehrenvorsitzender des Kacholischen Lehrerverbandes, Herr Rektor Brück. — So schätzt der Katholizismus den Volks- scknillebrer.
* Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt. In der nationalliberalen „Magdeburg. Zeitung" lesen wir folgende Sätze:
yJiaH gehe auch eauimt durch die Hauptgeschäfts nraßen «nieten groben Städte und trage fich, ob alle Laten, alle die Geschäfte bestehen könnten rem aus ihrem städtischen Kundenkreise, man wird bald inne wcrden, welche gewaltig« Bedeutung die Landwwfichaft auch heute noch für unser nächstes, täglich sich vor unseren Augen abspielendes Wlrlichaftslebe.i hat. „Hot der Bauer Geld, hat's die ganze Weit" —, das Wort steht heute noch m ooller Geltung, aufs innigste rft Wohl undWehe uniererStäoie mitdemder Landwirtschaft verbunden. Und in diesen Tagen ernster Politischer Sorgen, da tritt aach die Bedeutung einer leiftuiigstähigen Landwalschast für die Ernährung der Bevölkerung für innere wirtschaftliche KriegSrüstung trotz Fleuchuot hell in das Beivustfein jedes unbeiangru Uneilenoen. Man vergleiche nur die Lage, in die England tarne, wenn ibm die Zufuhr über See abgeschmtlen würde, mit der Lage, tn die wir dann lämen — erheblich länger hielten wrr's aus, als untere lieben Beilern, jedenfalls lange genug, um uns nach anderer Seite Luft zu schaffen, dank der Leigungsiähigkekl unserer Lanowirtsümfl. Diese zu erhallen, muh eine der vornehmsten Ausgaben des deutschen Reiches bleiben, denn die Schicks alsstunde der deuts chen Landwirt» scha,t wäre zugleich die Schicks alsstund« des deutschen Volkes.
* Del badischen Ministers Frhrn. v. Bodmann rechte' Tksv.i achbar bei einem vor wenigen Tagen veranstaiteten Festesten, der sozialdemokratische Abg. K v l b, hm vor kurzem einen Aufsatz über „die So- zialdemokrati und der Krieg" veröffentlicht, in dem er n. a. -schrieb.
„Gelingt es aber der Sozialdemokratie nicht, die Kalai.roptze autzuhalten, dann wird sie nur noch darauf bedacht fein können, den Gang der Ereignisse zu einer vollständigen Umwälzung alter staatlichen und gesellfchaftlichen Verhältnisse in ihrem Sinne auszunützen."
Dazu schreibt die amtliche „Karlsruher Ltg.": „So drohen die Schlußsätze dem Baterlande jür den Fall eines Krieges mit Revolution im Rücken der zur Verteidigung der heiligsten Interessen aufgebotenen bewaffneten Macht. Die Sozialdemokratie wird sich nicht beschweren Hinnen, wenn solche Ausführungen ernst genommen und daraus die nötigen Folgerungen gezogen werden."
Diese Auseinadersetzung ist sehr bezeichnend, zumal im Hinblick auf die beiden Tischnachbaru. Es
wäre zu interessant, zu hören, fich der Herr Sä* niftcr und de- Genoss« bei dem Festessen auch übetz derartige Fragen unterhalten haben.
A Karlsruhe, 28. Oft 1912. Das badisch« Zentrum macht für die nächstjährigen Landtagswah». len mobil. Es geht dabei von dem Gedankrn an«, daß das voraussichtliche Zusammengehen de« ge* samten Großblocks schon im ersten Wahlgang, eutfc frühzeitige und umfaffrnde Agitalion erfordert. ES, werden alle Kräfte aufgeboten, um aus dem große», Entscheidnngskampfe siegreich hervorzugchem,
Ausland.
A FSr die Freiheit deS PapsteS. In einer Notix, deS ,Gioruale d'Italta' wurde kürzlich be laaptet, daß der Heilige Stuhl den ,Osfervatore Komauo' habe wissen lasten, er solle in Zukunft die i8et>! sechtung der Ansprüche auf die weltliche Dlachff ruhen lasten, vielmehr eine neue Formel für di« Notwendigkeit der Unabhängigkeit des PapsteS finde«. Demgegenüber schreibt der ,Ostervatore Romano' vom 25. Oktober an erster Stelle folgendes:
Wir erklären, daß uns leine derartige A»«s ordnung ytgegangen ist Uebetbie« war und ist diese Frage viel zu sehr festgelegt, um durch dE Zett und durch Ereignisse eint Aenderung zu erfahren. Wir drucken bei dieser Gelogen heil gern wieder de» folgenden Satz deS Briefes ab, den Leo XIIL selige« üngebtnkn8 am 15. Juni 1887 an Kardinal Rampoll«, seinen Staatssekretär, richtete: .Bis jetzt ist das emsige Mittel, deffen sich die Borsehmig zum Schutz der für die Päpste erforderlichen Freiheit bediente, ihre weltlich« Souveränität gewesen; und wo immer dieses Mittick fehlte, wurden die Päpste entweder verfügt, gelange» genommen oder verbannt, oder sie befanden sich sicher in einer abhängigen Sage und in ständiger Gefahr, sich auf den einen oder anderen bietet Wege zurückgetrieben zu sehen. Die ganze Geschichte der Küche bestätigt bieS.-* Das ist der Gedanke Leos XIIL, der auch in allen Akten deS regierenden PapsteS Pius X. befolgt wurde.
A Das Heidentum in Nordamerika. Die kathol. amerüanifche Presse weist auf die immer westere Ausbreitung des Reu-Heidentums in den Vereinigte» Staaten Amerikas hin. „Propheten* heidnischer Religionen aus Indien und anderen Gegenden Überfluten Amerika und ihr Einfluß ist nicht unfruchtbar geblieben, da sich augenblicklich gegen 1400 Personen öffentlich als Heiden bezeichnen. Die einen beten die Sonne an, die anderen Venus, andere, wie die indischen JogaS bekenne» stch zu einem Kult von skandalöser UnfittUchkeit. Anch Gelehrt» bekennen sich zu diesen Sekten.
** Tie Meuterei auf der Schwarzen Meer-Flott«. Zn Sewastopol begann der Prozeß gegen 14 2 Ma» trosen wegen der beabsichtigten Erhebung der Schwarzen-Maer-Flotte, der eine Beschießung der südrussischen Hasen zwecks Erpressung von zwanzig Millionen folgen sollte. Der Prozeß wird bei geschloffenen Türen in der Marineknscrne verhandelt und dürste zwei Wochen dauern. Es sind 150 Zeigen zu vernehmen. Die Marinekaseruen werden von einem starken Truppenaufgebot bewacht. Gegen die angeklagten Matrosen gelangen die Kriegsges^e zur Anwendung, nach denen 24 Rädelsführern Tode-, strafe droht. ~
Aus Mrche und Schule.
△ Eine Spende des hl. »ater». Papst Pius X. spendete für die, durch einen schrecklichen Orkan geschädigten Bewohner von Gebu<aus den Philippinen) 10COO Siro.
A Die Abschlußrrchnung des Encharistische« Kon- grefses weist einen lieber schütz von 306000 Mk. auf. Der Reingewinn soll znm Bau einer dem heiligsten Sakramente besonders geweihten Kirch« in W'e» verwendet werde«, um so ein bleibender Denkmal an die erhebende religiöse Kundgebung zu erholte».'
Aus dem Nachbargeblete.
Miedm, 29. Ott. 1912. Am Sonntag hielt der hiesige Arbeiter-Verein seine ordentlich« Monatsoersammlung ab, die gut besucht war. Rach
ii Der Borwurf der konfessionelle« Absonderung
wird immer wieder in einem großen Teile der nicht- katholischen Presse gegen die katholischen Vereine erbebeu. Es fit namentlich die ^Deufiche Wacht, das Organ der deutschen Vereinigung, die ihn ständig wRberhoÄ. besonders scheint sie es auf die katholischen kaufmännischen Vereine abgesehen zu haben. Ihnen toiib vor allem borge- worfeu, sic trügen die konfessionelle Absonderung m das wirtschaftliche und geschäftliche Leben; auf der cm deren Seite wird von ihnen behauptet, sie feien eine Hilfstruppe Les Zentrums. Diese Vorwürfe sind schon so oft und schlagend als unhaltbar und unberechtigt Largctan worden, daß es sich nicht lohnt, hier näher auf sie einzugehen.
Run glaubt aber die „Deutsche Wacht" einen neuen „Beweis" entdeckt zu haben für ihre Be- hauptnug. Laß die koch, kanfm. Vereine die ton» feffioneklen Gi geusatze tn das wirtschaftliche Leben hiucintrügen, ,Jn entern „Konfessionelle Absonderung" übersch siebenen Artikel in Nr. 40 sagt sic nämlich:
Der Fabri'besitzer Klemens Lagemann habe am dem Katho-tte ilag mitgereilt, baß der kath. kaufmarm. Verein eine Vernallelungsstelle erriSjtet habe, um den talt)otiid)en Siaufletrten Den Zugang ju guten Kauf- tnannSftetien tu verschaffen. Aber fast alle hatten un sfenügrn^e ö-uha,, so daß fic bie ^roiesranl^n
n. Dkks e boch Nichts aitberes, als die ImtfeSiÄeUen Gegensätze in das wrrtsch-stliche Leben bmeiibtieoen. Denn wenn diese jungen Lerne dieselbe Borbüünng ausweisen würben wie die prole- stantiichen Bewerber, Io erhielten sie mit ihrer Son« f elf ton wil en den Borzng.
Wozu die „Mrrkuria" bemerkt:
„Daß der Verband tath. kausm. Vereine wie die meisten nbiigen kaufmännischen Organisationen für feine Mitglieder eine Stellenvermittlung hak, düifte »Bgemeix bekannt gerne1 en sein, auch ehe Herr Lage- nann sie in Aachen erwähnte. Daß letzterer auf einer Beifammhtng von Katholiken an diese die Mahnung > sichtete, dafür zu sorgen, daß die katholischen jungen ’ Kaufleute eine gute Ausbildung ei hielten, um auch itc die höheren Stellen entrücken zu können, das wirb ihm vohl nicht verwehrt werben können. Wenn katholische Kaufleute mit höherer Aus- und Vorbildung nicht in rem Maße vorhanden find, wie es wünschenswert | täte, so dürfte das nicht zuletzt darauf zuruckzwühren -ein, daß die geeigneten Kräfte mit Rücksicht darauf, sie eben wegen ihrer Konfession in gar >rauchen Betrieben doch keine Aussicht auf ein tlufrücke» in höhere Stellungen hatten, sich puderen Berufen zuaewandt hoben. Der Fälle fönntni f enug angeführt werden, daß in Industrie und Handel gar manche tüchtige katholische Kräfte bet Bewerbung um eine höhere Stelle gerade wegen ihrer Konfession nicht berücksichtigt worden sind. Wenn der Artikelschreiber der Tentfchen Vereinigung daraus hinwirken wollte, daß in den Kreisen von Handel und Industrie, denen er ja wohl nahe stehl, bet Besetzung von Stellen nur auf die Tüchtigkeit und nicht auch auf die Konfession Rücksicht genommen würde, dann hätte Herr Lagemann nicht nötig, in Aussicht zu stellen, daß die kacholischen Fabrikanten und Großkauf eule katholische Bewerber mit höherer Aus- und Vorbildung berücksichtigen würden-; denn nichts anderes sollte ja letzten Endes mit diesen BeWertungen erreicht werden, als daß tüchtige katholische Kräfte sich nrcht wegen Aussichtslosigkeit, einmal eine threr Vorbildung entsprechende Stellung zu bekommen, abhalten kaffen, in den kaufmännischen Beruf einzutreten und sich für diesen eine höhere Ausbildnitg zu verschaffen. Et» Hineintragen konseffioneller Gegensätze in das gefchäst- liche Leben hat Herrn Lagemann durchaus fern gelegen. Und in demselben Augenblick, wo der Llrtckelschretber ! der Deutrcheu Bereinigung erreicht, daß in den ihm Nahestehenden Steife bei Besetzung von Stellen keine ' Rücksicht auf bie Konfession genommen wirb, brauchen . sich auch bie katholischen Fabrikanten und Großkaufleure ; nicht besonders der kacholischen Bewerber anzunehmen
Also, bitter
* Leisen stlareir»
Im batzerfichen Landtage fitzt der Abg. G e n t- ^ner, den sich die sozialdemokratische Partei als roten Paradebauer zugelegt hat. Herr Gentner muß na- -jurlich auch etwas sagen über die Heldentaten der MvzialbemÄratte für bie LlMbwirtschast. Aber wo- !,her nehmen und nicht stehlen? Herr Gentner wußte sich zu helfen, er tat bedeutend den Mund auf und fiagte vor kurzem nach dem roten ,/Bayeriscken Wo- chenblatch -(Rr. 19) folgende bedeutungsvolle Worte:
Die Sozialdemokratie stimmt den Forderungen für die Hebung der landwirtschaftlichenProduktion gern zu. Es ist um fo notwendiger, diesen Fragen Aufmerksamkeit znzu- wenden, als die Leben smittelverforgnng sich erheblich schlechter gestaltet und die Zufuhr ans anderen Ländern bedeutend nachgelassen hat. Unter diesen Umständen muffen wir mehr und mehr dazu kommen, unfern Berbrauch im eigenen Lande zu produzieren, und deshalb ist die Förderung der landwirtfchaftlichen Produktiv» eint der geeignetsten Notwendigkeiten.
Herr Gentner ist sehr interessant. Efitens konstatiert er, baß bie Zufuhr aus anbern Säubern be- beutend nachgelassen hat. Hieraus schließt er seitens baß wir uns immer mehr auf bie eigene Pro- bukiion verlesen müßten. Bis bahin ganz schön, sogar sehr schon. Aber o Weh, Herr Gentner, jetzt kommt ber Haken! Denn jetzt hanbelt es sich barum, was bie Sozialbemokratie für bie so brmgenb notwendige Förderung ber lcmbwirtschaftfichen Pro- buktion geleistet hat. Herr Gentner sagt ja auch hier ganz schön, baß bie Sozialbemokratie gern ’u allem bereit sei. Wenn aber beispielsweise ein Scharfrichter einem znm Tobe Verurteilten bie Meinung beizubringen sucht, baß er sein bester Freund fei, so ist es noch immer sehr fraglich, ob bet arme Sünder bas glaubt. Unb so ist es auch uns. Herr Gentner mag sagen was er will, bas ist uns ziemlich schnuppe, uns kommt es vielmehr aus bie Tatsachen an.
Kein Halbwegs vernünftiger Mensch wirb boch mehr baran zweifeln, baß fich als wirkfamstes Mittel zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion der Schutzzoll erwiesen hat. Ohne chn wäre bie Produktion vielfach übeichaupt gar nicht mehr möglich gewesen. Die Förbernng ber Probnktion durch beit Schutzzoll müssen selbst die wütendsten fiollgegner zugeben unb sie sagen ja auch z. B. von den Getreidezöllen, daß badurch der Getreidebau ganz kolossal gesteigert worben wäre.
Welche Berbienste hat über nun bie Sozialdemokratie um bie Förberung ber landwirtschaftlichen Produktion?
Von jeher bis heute kämpft die Sozialdemokratie mit allen nur erdenklichen Mitteln gegen alle diese wirklich wirksamen Förbernngsmaßnahmen ber lanb- wirtfck'afilichen Probnktion, gegen Vieh- unb Fleifchzölle, gegen Getreibezölle unb Grenzschutz sowie gegen alle sonstigen Maßnahmen, bie sich nur auf ngeribein lanbwirtfchastliches Produkt beziehen. Weim wir auf bie 'sozialdemokratischen „Förderer" gehört hätten, bann wäre, heute schon unsere ganze landwirtschaftliche Probnktion kurz unb klein geschlagen. Trotzdem aber tat Herr Gentner bedeutend den Mund auf.
Nun, der gute Mann mußte etwas sagen.
ventsches Keich.
* lieber den bevorstehenden Besuch des tlalieni- schen Ministers des Auswärtigen, b6 Sam Giulia« o, wird mitgeteilt: Die Ankunft in Berlin erfolgt am 3. Nov. In Begleitung des Ministers werden sich der Chef des Kabinetts unb ein Privat- sekretär befinben. Am 8. Nov. wird der Minister Berlin wieber verlassen. Während seines Aufenthaltes werden verschiedene Besprechungen und Diners stattfinben. Die erste Zusammenkunft mit Ki- berlen-Wächter wirb am 4. Nov. erfolgen.
* Zur Zwangsenteignimg des polnischen Rittergutes Kolbronib ist auf die auffällig großen Preis- fteigenmgei. bei den verschiedenen Verkäufen in Len letzten Isi Jahren hmgewiesen worden. Zur Erklärung ber Ursache Lieser Preissteigerungen erhält die „Deutsche Tageszeitung" auf Grund genauer Kenntnisse der Verhältnisse nähere Mitteilungen. Darnach waren die Länbercien Les Rittergutes Koldromb vor etwa 13—15 Jahren in einem trostlosen Zustande, so baß damals ber Preis von 98 000 Mark durchaus ongemeffen war. Der folgende Besitzer hat dann begonnen, Las Gut nach Kräften zu fördern, mußte es aber, da ihm bie Mittel zum Durchhalteu fehlten, wieber veräußern. Auch die nächsten Besitzer haben vephältnismäßig viel zur Hebung bes Gutes getan. Der vorletzte Besitzer, ber Koldromb 191t- Mr 600 000 Mmck erwarb, hat erst bas Gut auf eine in jeder Beziehung Len Anforbe- rungen ber Neuzeit wirklich entsprechende Höhe ge
meines Anteiles an bem Friedensschlüsse ju Dm- migghur. Wir hielten es deshalb für bester, daß Rabda, bie viele Bekanntschaften nnb Verbindungen dort hat, und der alte Wege offen stehen, zunächst allein hin ginge und Nachforfchungen anstellte, bis ich es wagen Larff, ihr zu folgen. Da der Rajah fernen Zweck dennoch erreicht hat, kann ich mich ihm vielleicht bald zeigen. In die Stadt zu gelangen wirb bei dem regen Verkehr nnb ber Unruhe in den Straßen — bei dem Kommen unb Gehen vieler Menschen — nicht schwer halten; aber Du würbest es unmöglich finden, bis zu jenem Orte, wohin man die Damr gebracht, vorzubringen. Darum folgt nrir; laß uns eine spätere Stunde abwarten und vorerst hären, was Rabda rmsgerichtet bat. Ich habe Dir hier einen ?(n^ug mitgebracht, der für Deine hohe und kräftige Figur geeigneter ist, als jener, den Du bisher getragen. Auch Deine Gbsichtssmbe muh noch dunkler tntb der Verband am Kopfe fo angelegt werden, Laß rr unter dem TurbM vollständig verborgen ist."
Bathurst, obwohl von Angst und Unruhe fast verzehrt, fügte sich doch den Anordnungen Les Gauklers und überließ fich geduldig fernen Händen. Nachdem der Anzug gewechselt. Haut, Bart und Augenbrauen dunkler -gefärbt und alle Spuren einer Verwundung verdeckt worden waren, erklärte Rudschub bie Verwandlung für eine fo vollkommene und wohl- gelnngene, daß nkntnnb den geringsten BerLach. schöpfen kmmr. Er händigte barattf dem pingen Manne noch einige Waffen ein, ein Schwert, das Bathurst an ferner Seite befestigte, sowie einige Pistolen, bie er in der um den Leib geschlungenen Schärpe verbarg, und dann stiegen sie schnell zum Fluffe hinäb unb liefen fich mit der dort liegenden Fähre nach Cawniwre überb-"-en. 8Mb hatten sie die Stadt errciM und eine der ruhigere» Straßen betreten.
„Dies ist jetzt mein Haus", sagte Rndschub, indem er vor einem Gebäude stehen blieb, besten Tür rr mit dem Hausschlüffel, ben er bet sich führte, selbst öffnete. Er rief laut, als sie ben Flur betraten, und eine alte Fra« erschien.
„Ist bas Mahl bereitet?"
„Es ist fertig."
„Gütt Sage Schuman, er solle das Pferd an« spcuuien."
Er geleitete seinen Gast In -einen behaglich ein gerichteten Raum unb bat ihn, an bem gedeckten Tisch« Platz zu nehm«!.
„Iß, Herr", sprach rr; „Du bebarfft ber Stär» kung und wirst Deine Kraft» noch gebrauchen.^
Erschöpft unb geschwächt vom dem Blutverlust und bem langen Fasten, ließ sich Bathurst an bem Tische nieder und aß, anfangs matt und fast widerwillig, bann mit schnell erwachendem Appetit; und als, er noch einige Mas von dem ausgezeichnet«» Wriri, den Rudschub vor ihn hingestellt, getrunken^ hatte, fühlte er sich gestärkt und neu belebt. Kaum war er fertig, so trat der GauUer ein, gekleidet wie bei ihrem letzten Zusammentreffen in Din- migghur.
„Du hast mich so erguickt, Rubfchub, baß ich z» jebent lluUrneMnen aufgelegt bitt.”
So komm, Herr; bei Wagen wartet unser. Auch ich habe inMftschen geAefjen; doch bestand mein Mahl nur ans ben Früchten Les Feldes. Fleisch beschwert die Sinne, — einfache Nahrung, und ut geringer Menge, ist uns zur Ausübung unsere« Berufes notwendig.-"
Sie waren hinauAgeticten und hatten ihre Sitze eingenommen. „T-u den leitfit «ns, Ahmnan”, befahl der Gaukler; unb sobald der Knabe sich zu feinen Fußen hingekmtert und Zügel und Peitsche ergriffen hatte, setzte sich das Pferdchen, das den kleinen Wagen zog, in munteren Trab. Auf dem. Wege pländerte Rudschuv über vielerlei Dinge, schalt auf die Weißen, verhöhnte sie wegen ihres tollen Beginnens. dem Rajah von Bit-Hur unb seiner Truppenmacht mit ihrem Hansl fin Soldaten Widerstand leisten zn wollen, — und Bathurst, der feine Absicht, den Knaben zu täuschen, wohl merkte, ging bereit» willig auf diesen Ton ein.
.Fortsetzung folgt.!
3m Schutze des Zauberers.
51] Engkfich-rnbifcher Roman von E. A. Henty. ‘ „Die Gotter feient gepriesen, die Dich Deinen -Verfolgern entrinnen ließen, Herr!” sprach Rnd- schnb, als rr nahe genug war, nm van Bathurst ver- starideu z« werde«. „Ich hatte Sorge um Dich tjcttt nacht. Im Geiste bin ich Dir gefolgt, habe gr= fehen, wie bie Verräter übet Euch herfielen, wie Du ins Wasser stürztest unb m das Ufer schwammest und Dich an Gebüsch verbärgest. Unb ich weckte - burch stehl lebhaftes Gedenken das Verlange« in -Dir, mich zu ffchen, und veranlaßte Dich, hier ou - warten. Doch -ehe wir weiter reden, laß mich Deine - Wunde ffrHch verbindcu; ich sehe, Du leidest, unb ich führe ei« HMmAwl mit mir, bas Deine Schmerzen Ünbcrn wird."
\ _ „Du bist em trcntT Freund, Rudschub! Ich verfließ mich auf Trinen Beistand unb habe mich nicht -tzetäificht. So wußtest Du alfo, weshalb ich hier auf Dich wartete?"
„Ich wußte es, Herr; benn ich Tann in ber Ferne rf.unc GeLanlan nicht weniger aut erraten, als wen« wir z-fiammeu sind "
I Du das bei allen Leuten?"
Herr — um eines Menschen.Gedanken *Pni,ra- tebarf es geheimnisvoller innerer Äffchen ihm unb mir. Daß solch ein lüpfte, unb daß unser bei- ^»"wsbar mit einander verbunden -e^rm,b ich an jenem Tage, als Du meine -^achter icyntzmb im Arme hieltest unb ich dankbar nebm Sankst Pferde herschr'tt Vs war
E -^ertiL™,sn 5U wir gewannst, deshalb fuhrt- rch Dir jene P:8wr vor und gab Dir Beweise einer Mackft, die Dir rätselhaft erscheinen mußte. Tie Knust des Gebinkenlcsens jedoch v^ steht meine Tochter in weit höherem Maße als ich- fie war es hauptsääjlich, die mich ben Weg zu Dir finden ffeß "
„Ist Dir alles Mrnmt, was in der letzten Macht geschah, Rudschub?" fragt; Bathurst, endlich Mut gewinnend, bie Frage, die ihm am meist;« am i Herzen lag, aus zusprechen.
„Ich weiß nur, Herr, dH alle vernichtet wurden bis auf drei weiße Frauen, bie matt nach der Stabt brachte; eine derselben trat die Dame, hinter deren : Stuhl Dn ftcwdest, als ich bei Euch in Dinnugghur war, und an die D« auch tn biefem Augenblicke denkst. Die anderen beide« kemie ich nicht; eine steht schon am Ausgange des Lebens — feie zweite ist noch jung."
Die Erleichterung, welche Bathurst empfand, war groß, daß er eine Zeit lang unfähig war, die Unter» haltting fortzusetzetr. „Sähest Du sie selbst?" fragte er schließlich Jetfe.
„Ich sah fie, Herr."'
„O, wie ging es ihnen, Rüdschüb? Wie nteige« fic ihre schreckliche Lage?"
„Die älteste sich gefaßt unb kummervoll ans; sie a-btrte nicht auf bas Geschrei um sie her unb hielt die jüngere, bie vor Schwäch; nnb Entsetzen ohnmächtig tu fein Men, fest an PH tzqnccht. Me Dame, bie Du kennst, Herr, saß aufrecht: sie war sehr bleich und verändert gegen früher, aber sie hatte ihr Haupt erhoben und blickte fast zornig auf die Männer, die drohend ihre Fäuste schüttelten unb Verwünschungen gegen sie ausfsießen."
„Unb sie führten biefe letztere mit ben andere« beiden Frauen, bie fie zu (befangenen gemacht hatten, fort?"
Rubsibub zögerte.
,',Cie haben bie anderen dort gekästen, Herr, Liefe aber nach Bithur gebracht."
Bathurst ftlbr zifiammen unb ein Ausruf bes Zornrs unb Entsetzens kam von seinen Lippe«.
„Zu dem Rajah!" schrie er aus. „Zu biefem Schurl >n? Komm, laß uns gehen! Was stehen wir noch hier?"
„Warte, Herr; wir können augenblicklich nichts tun. Für mich träte es gefährlich gewesen, nach Bithur L« gehen; benn ber Rajah zürnt mir wegra