Einzelbild herunterladen
 

ultzaer

39, Jahrgang

Fulda, Dienstag den 29. Oktober 1912.

Erstes Blatt.

* Serbensiege.

18 Mörser und 2

von den Serben bis!

von Bedeutung sich zutrug. Tie griechische Haupt»

tigt Jetzt darf man neue Fortschritte er- trnnee setzt ih:en Vormarsch geg warten, besonders bei A d r i a n o p e1, das nach st; r fort, um dort den Serben und Mi

en Mona-

ber Einnahme von Baba Eski vollkommen einge-

zwungcn, dir Schlacht am Ergeneslütz anznuehmen. ,misitärischen, Stärle und'der Würde unsere« Staa»

ungut über andere Angelegenheiten bei Seite, be­schästigen wir uns mit der Politischen Lage des Lan­des, die zwar schwie:ig ist, der wir aber kraft unserer

Lnzrkre«: »er Hw* einer etxf».<ele«ef teile, 47 mm »reH Met lSpsz Befitmest vrr Baern einer M* KtSjtile, 74 ma bre% wt-et 44 Pkt- SeiM» drrhalengen 8 ab ad. zörSAert-a Hiuiuai* anjeigea 20 psg. tfre»

deutsches Reich.

r »etil«, 28. Ott. 1912. Der Königliche Hos zu Berlin hat anläßlich des Ablebens der Prim zessin Rupprecht von Bayern auf eine Woche Trauer angelegt. — Zum Sparkassengej e tz, das am Dienstag auf der Tagesordnung des preußv scheu Abgeordnetenhauses steht, wird vom Zentrum der Abg. Reinhard sprechen, der auch bereit« bei der ersten Lesung eine beachtenswerte Rede Pt bieiem bedeutsamen Gesetz. gechattsU-ÜLt^

^scheint 18-ttch

>«ttahme der $o.m» »ich Leiertsge. Viertel' Ehrliches Sezu^preie »hne Srinserlohn nnd SefleLgelsmMldaf«» »ie «mrwärtr 1-59 SIL

der eventuellen Aufgabe von Knmanowo und Ues- küb als die bestaeeiguete türkische Stellung betrach- tete. Nun scheint auch diese aufgegeben zu sein. —

* Belgrad, 28. Ott. 1912. Aus den Erzählungen von Verwundeten geht hervor, daß die Türken meist mit Todesverachtung kämpften. Dagegen hat- ten die A l b a n e s e n auf Schritt und Tritt Verrat geübt, indem sie wiederholt so taten, als wollten sie sich ergeben, um dann die vertrauensvoll herankom­menden serbischen Soldaten aus unmittelbarer Nähe niederzumacben. Jnfolgedesien herrscht bei den Ser­ben gegen die Arnauten eine weit größere Erbit­terung als gegen die Türken, die sich wenigstens als achtenswerte Gegner erwiesen haben.

Der Vormarsch der Griechen.

Der angeblich« Türkensieg in Epirus ist nach privaten und amtlichen griechischen Meldungen eine Niederlage.

* Paris, 28. Olt. 1912. Der „Matin" läßt sich aus Larissa telegraphier:n, daß am gestrigen Tage auf dem griechisch-türkischen Kriegstheater nichts

' veraniro. HebdttttH j -tzar^chüttrr

-Yarzeiler^i» Zulda. MchEag« „Ausirierte Soimtagrzeittmg«

Das Vorrücken der Bulgaren.

r Durch das schlechte Wetter, daS jetzt aufgehört hat, waren die Verbindungen zur Front und die Heeresbewegungen auf der ganzen Lmie beeinträch-

schlosten ist. Die türkischen Streitkräfte scheinen sich bei Lüleh BurgaS zu versammeln.

* Sofia, 28. Ott. 1912. Große Ueberrascbung Rietet ein Vorstoß der Bulgaren gegen die von Adria- twpel nach Konstantinopel führende Eisenbahn bei Baba Eski. Baba Eski liegt mitten in der borausgesetzten zweiten türkischen Verteidigungsstel­lung Demotika-Tl't'm-sii und die Bulgaren fanden den Ort nicht nur unbesetzt, sondern auf einen An­griff so wenig vorbereitet, daß in dem Augenblick, too sie ein trafen, ein türkischer Zug im Bahnhof ein« gefahren kam, nach der einen Lesart von Konstan­tinopel her und mit Munition beladen, nach einer zweiten mit Verwundeten von Adrianopel kommend! Haben sich die Bulgaren tatsächlich in Baba Eski fest­zusetzen vermocht, so dürfte, wie man hier entnimmt, Schicksal «drianopels in zwei bis drei Tagen entschieden sein. Die Stadt wird fest Samstag mit BelagerunaSaps-bjitzen beschossen.

: W Sofia, 28. Ort. 1912. Die Bulgaren besetzten den Kresna-Paß sin Struma-Ta lee

Kein Rückzug möglich!

Montenegrinern die Hand zu reichen. Aus der Heimat treffen unun­terbrochen Verstärkungen ein. Die auS Frank.eich bezogenen Flugmaschtnen haben bet griechischen Armee im Ertttndigungsdienste sehr viel geholfen, die Fliegeroffizier- brachten, trotzdem sie in dem ge- birgigen Te:rain viel mit dem windigen Wettn zu kämpfen hatten, dem Generalstabe eine Reche hochwichtiger Meldungen.

Politik Oesterreich-Un garns trotz der Siege der Balkanftaaten feftznhaltcn sei. Die Reichspost, deren bereits milgeteilte entgegenstehende Ansicht großes Ansiehen gemacht hat, gibt die amtliche An­schauung heute folgendermaßen wieder:

Die Richtlinien der Pr trk Oeflerreich-Ungarn« haben bisher Veränderungen nicht erlitten. Sie läßt sich nach wie vor vom Gesich-spunkte letten, daß Besitz Veränderungen auf dem Balkan vermieden und der Wille der Großmächte auch roeitertin beachtet werde. Voll und ganz suhlt Oesterreich-Ungarns Diplomatie di« Verpflichtungen, die sie in Fragen des Balkans hat, als deren Ausdruck ihre gemeinsamen Schritte bei den Balkausiaaten aujutebin sind. Bei vieler streng loyalen Haltung hält sich die Monarchie nicht für berechtigt, einseitig neue politische Programme zu entwickeln. Daß die Monarchie ober eni'chlossen ist, ihre vitalen Jnteieflen auf dem Balkan, folllen ne ge­fährdet werden, zu schützen, das ist von Gras Berchtold offen ausgespi scheu woiden.

Oalbamtlch wird hier als Ziel der franzö­sischen Diplomatie bezeichnet die Aufrecht- erhaltung des Besitzstandes, die Eingrenzung bei Krieges, Eingreifen zwischen den kriegsühreuden Parteien im gegebenen Zeitpunkt. Wiederholt wird darin das vollkommene Einvernehmen darüber sowohl unter den beiden Mächtegruppen als namentlich zwischen Rußland und Oester- reich - Ungarn betont.

-? Ruhig Blut!

Di« Berliner Börse hatte gestern wieder einen schlechten Tag. Eine Meldung über Bewegungen der englischen Flotte, eine Falschmeldung von der Einberuiung der engli'chen Marinereservisten, die Rede Poincarss, di- Ungewißheit über den Gang der Ereignisse auf dem Balkan, Besürchlunge» wegen der Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland, schließlich auch die ausgesprochen schwach, Haltung der Wiener Börse bewirkten Kursrückgänge von durchschnsttlich 3—5 Prozent. Im Verlauf der Börse gab eS dann die übliche .Erholung', nachdem zahlreiche Schafe geichoren worden waren; zumeist Verkäufer von Industrie- und Bankwerten, die mit den Kriegswirren gar maFS zu schaffe» haben. Die wiederholten Nervenkrisen der Börse zeigen recht drastisch, wie gefährlich es ist, sich »um Spiel an diesem Roulettetisch verleiten zu laffrn. Andererseits kann man nicht oft genug die Mahnung wiederholen, daß die Inhaber von Werten, b» irt sich solide sind, durch die Flaurnacherei sich nicht zu Angstverkaufen verleiten lassen dürfen.

Die politische Sage ist ja febr ernst, und di, überraschend« Schwäche der Türk-' stellt den Friedensdiplomaten überraschend schw. Ausgaben. Aber es kommt doch alles darauf an, ob die Groß­mächte unter sich den Frieden wahren wollen. Und in diesem entscheidenden Punkt ist die gegen­wärtige Krisis weniger schlimm, als diejenige, die Europa im Anschluß an die Annexion von Bosnien durchmachte, al8 der russisch« Minister Iswolski berumreifte, um die Tripleentente, den Dreiverband Frankreich, England und Rußland, zum Kriege g<gen Oesterreich und Deutschland mobil zu machen. Beruhigend wirken zur Zeit beionder- drei Tatsachen:

1. Ter rechtzeitige Abschluß des italienisch- türkischen Friedens und bet damit zusammenhängende Anschluß Italien» an die österreichisch»deutschen Friedensbestrebung«»;

2. der offenbare Interessengegensatz zwischen den Staaten der Tripleentente;

3. die Emschloffenheit Oesterreichs, sich den neu enthüllten Machtverhältmssen auf der Balkan- Halbinsel anzupassen und seine dortigen kulturellen und handelspolüischen Interessen mit den Interessen der siegenden Balkanftaaten zum Ausgleich zu bringen.

In letzterer Hinsicht ist besonders beachtenswert der gestern mitgetetlte Artikel der Wiener ,ReichS- poft', der die Formel vom Status qiio entschlossen zum alten Eisen wirst und die Verständigung mit Bulgarien und Griechenland, ja sogar mit Serbien und Montenegro für »kein unlösbares Rechenexempel* . erklärt. Man steht, daß Oesterreich nicht durch bi« Verbindung mit einem Leichnam die Zukunst ge­fährden will.

Die Festigkeit der Tripleentente vor aller Wüt zu verheer ichen, war der Hauptzweck der Sonn­tagsrede Pomcarss. Er hat auch seine Fiam zosen vollauf befrebigt mit der pathetischen Ver­sicherung der franzöfischen Bundestreue, roa» sie um so lieber hörten, als dabei die Beziehungen Frank­reichs zu Deutschland al» höchst minderwertig gegenüber dem Bündnis und der Freundschaft mit Rußland und England erscheinen mußten. Aber wenn un8 ein Ehemann beredt versickert, er denke nicht an Ehescheidung und Abwechselung in der Liebe, so denken wir: Es ist etwas faul in bietem häuslchen Staate l Und wenn er gar hinzusügt, jeder Teil könne ja seine »besonderen Steigungen* haben (roie Herr Poincarö sie den Bundesgenvffen auf dem Balkan gestattet), so kommt uns die Sach« erst recht verdächtig vor. Natürlich muß die fran­zösische Regierung di« Freund« in London und Petersburg bei gutem Humor und Vertrauen er­halten. Die rednerischen Bemühungen zu diesem Zweck brauchen un» aber an der wirklichen Friedens­liebe de» Herrn PomcarS nicht zweifeln zu lassen. Im Gegenteil, er kann um so besser für di« friedliche Lösung der alten und neuen Fragen arbeiten, je mehr Vertrauen er in London und i» Petersburg genießt.

Preußischer Landtag-

Abgeordnete«-«»?.

Sitzung vom 28. Oktober 1912.

Erste Beratung des SchleppmonopolgefetzeS.

Das Gesetz bezweckt die Einführung des rnonopoli- fierten staatlichen Schleppbetriebes auf dem Rhein- Hannover-Kanal nedft Seitenkanälen.

Verkehrsminister Breitenbach: Die Vorlage tü ein Ausführungsgesetz, zn beffen Einbringung die Regie­rung aus Grund des § 18 des Wnsserstraßengesetzes verpflichtet war. Die Anregung, da? Schlepvmonopol einzuführen, ist damals von der Kanalkowmission des Abgeordnetenhauses ausgegangen, und zwar haben da­bei stnanzwirtschaftliche mid verkehrSwirtschaftiiche Ge­sichtspunkte zugrunde gelegen. Man war der Ansicht, daß auf diesen Wasserstraßen ein einheitlicher Schlepp­zwang nolwendig sei und man wollte auch die Ein­wirkung des Staates auf die Tarifpolitik sicherstellen. Die elektrische Treidelei ist nicht in Aussicht genommen, doch sind die Anlagen so getroffen, daß dies später er­forderlichenfalls mit Leichtigkeit geschehen kann. Gegen die Einbeziehung des Dorrmund-Ems-Kanals ist von inlereisierter Seite Widerspruch erhoben worden, so von feiten des Wasserstraßengesamtbeirats. Der Tarif wird aber so gestaltet werden, daß er auf die Jn- terrflentrn des Dortmund-Ems-Kanal» Rücksicht ninrmt.

Abg. Herold (Z.): Die Frage ist die: Soll sich das Schleppmonopol beschränken auf die auf Grund des Wafferstratzeugesetzes von 1905 gebauten Kanäle ober soll er auf das verbindende Stück des Dortmund-Ems- kanals von Dortmund-Herne nach Bevergern ausgedehnt werden? Bedeutende Autoritäten, so Prof. Laband, haben sich dahin ausgesprochen, daß der § 18 des Waflerstraßengesetzes nicht in dem Umfange ausznlegea sei, wie es die Regierungsvorlage tut Bleibt der Ver­kehr auf dem Dortmund-Emskanal nach Norden hin vom Echieppzwang frei, so werden auch wir |ür das Gesetz stimmen, da es ja auf dem § 18 des Wasser« straßengesitzes beruht. Wir haben also den Wunsch, daß diesem § entsprechend das Schleppmonopol nur auf den neuen Wasserstraßen zur Einführung gelangt Im übrigen bitten wir um Verweisung der Vorlage an eine Kommiision von 21 Mitgliedern. (Bell, im Ztr.)

Abg. v. Pappenhrim (£.) vertritt die Auffassung, baß alle von der Regierung in Aussicht genommenen Kanäle unter das staatliche Schleppmonopol zu stellen seien. Redner bittet schließlich die Regierung, den Emdener Hasen nach Möglichkeit auszugeftalten.

Minister v. Breitenbach gibt eine zustimmend« Er­klärung bezüglich des Emdener Hafens ab. Die Regierung werde nichts versäumen, den Hasen leistungsfähig zu gestalten.

Abg. Graf ti. Moltke (frk.) erklärt di« Zustimmung seiner Partei zu der Vorlage. Er hoffe, daß die der Vorlage noch anhaftenden Mängel in der Kommission beseitigt werden.

Abg. Hirsch-Effen (natl.) spricht sich gegen jedwedes staatliche Schleppmonopol aus und bittet oteichsalls um Verweisung der Vorlage an eine Kommission.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird die Vor­lage an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.

ES folgen Petitionen.

Eine Pttition deS Verbundes preußischer Gerichts« iekretäre ia Köln um Herabsetzung der Dauer der lusrückungssrift von 24 auf 21 Jahre wird trotz leb« haster Befürwortung durch eine Reihe von Abgeord­neten, so u. a. durch den Zentrumsabg. Barlscher, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. — Erne weitere Peütion desselben Verbandes um Anrechnung bet Milttärdienstzeit auf das Anwartschasls- bezw. Vesoldungsdienstaller für die aus dem Zwilanwärter« stände hervorgegangenen Juftizselreläre wird gleichsalls durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. — Eine dritte Petition desselben Verbandes bett, andere Rege­lung der Diätenbezüge der Gerichtsaktuare rotrb der Regierung als Material überwiesen. — Eine vierte Petition bett. Gleichstellung der Justizbeamten mit den Sicherheitsbeamten wird nach längerer Besprechung der

! Mi Stärke btt im Gebiete von Eskibaba—Luele- burgas befindlichen türkischen Streitkräfte wird aus vier Armeekorps geschätzt. Ein Teil bet j türkischen Truppen von Abrianopel hat noch den Rückzug längs der Maritza nach Dimotiea antreten können. Der Rest bet Besatzung ist betet» eingeschlossen. Unter bet »tute, btt btt Siililijfe gemocht wurde, befindet sich <chch bi» qanie Bagage deS Generals Mahmud Mukhtatt Pafcba, des Sohnes des GrotzwesirS. Hierbei wurde auch der mit Brillante« besetzt« Ehtensäbel erbeutet, den Mukhtar vom Snltan erhalte« hat.

Die bei Kirkilisfe geschlagenen türkischen Trup­penteile, deren Trümmer auf ihrem fluchtartigen Rückzüge nach Südosten bei Bunar Hisfar sich ge- sammelt hatten, haben auch biefe Stellung vor den Verfolgern räumen müsfen. Bunar Hisfar liegt etwa 45 Kilometer von Kirkilisfe entfernt Wir erhalten folgendes Telegramm:

* Sofia, 28. Ott. 1912. Bunar Hisfar, wohin sich die Garnison von Kirttlisse zurückgezogen hattr, ist von bulgarischen Truppen genommen wor­den,

teS die Stirne zu bieten wissen werden." — Der unter dem Versitz der Königs abgehaltene Mini­st e r t a t stellte bei der Besprechung der Balkan- toi :rfr. fest, daß vorläufig für Rumänien kein Grund vorhaEn sei, zu mobilisieren. Ru­mänien verharrt einstweilen in abwartender Hal­tung. Trotzdem gilt hier die Mobilisierung in Ossi- zierS- wie in leitenden politischen Kreisen als eine beschlossene Tatsache, sie wird von der Bevölkerung jeden Augenblick erwartet. Bereit» wurden zahl- reiche Reservisten ein berufen und täglich gehen grö- fiere Truppentransporte nach den cn der bulgari» chen Grenze gelegenen Garnifonen ab.

Aeghptische Hülfstrnppen.

* Konstantinopel, 28. Okt. 1912. Die Zeitung „Sabah" meldet: Die ägyptische Regierung hat die Beziehungen mit den Balkanstaaten abgebrochen und deren Konsuln die Päffe zustellen lasten. — So­bald die Möglichkeit eines Angriffs durch die grie- chisch« Flotte beseitigt ist, wird Aegypten, falls die Pforte eS als notwendig bezeichnet, 18 000 Mann auf den Kriegsschauplatz entsenden.

Die letzte Meldung Hingt recht unwahrsi^einllch. Enal and würde bei einer derartigen Aktion der ägvp- tisc^en Regierung doch ein erusteS Wort mitreden. England hat aber auch während des Tripolißkrieges bett Aexchptern nicht gestattet, den Türken zu helfen. Andererseits ist seinerzeit ausgemacht worden, und e8 gehört zu den Vorrechten der türkischen Vorherr, schäft, im Notfall ein bestimmtes ägvptischeS Trust» sten-Kontingent in Anspruch zu nehmen«

Bedenkliches.

» Konstantinopel, 27. Ott. 1912. Da mehrere Offiziere zögern, sich auf die chntn zugetoiefenen Posten zu begeben, hat daS Kriegsminffterium elften Zirkularbefehl erlösten, worin diejenigen, die ohne stichhaltige Gründe versäumen, den an sie ergangenen Befchlen nachzukommen, mit Strafe bedroht werden. — Die „mehreren Offiziere" gehören Wohl den obersten Chargen an. Wenigstens ist schwer anzunehmen, daß ein besonderer Befehl ergangen wäre, wenn es sich lediglich etwa um einige Leut- nants handelte.

* Konstantinopel, 27. Ott. 1912. Der ägyptische Prinz General AfiS Pascha, der bei dem Rück­züge bei Kirkiliste die Kavallerie kommandierte, sowie der Gouverneur von Kirkiliste und einige andere Offiziere sind hierher gebracht worden unter der Be­schuldigung, die Flucht der Armee verschuldet haben. Auf Anordnung des Kriegsministers sind eute 200 Soldaten o u 3 demselben Grunde erschossen worden. — ES kann al» ein Zeichen moralischen Niedergänge» gedeutet wer­den, toemt man jetzt in Konstantinopel die Schuld an dem folgenschweren Falle von Kirkiliste und an der wilden Flucht der türkischen Truppen nur dem ägyptischen Prinzen, General Asi» Pascha, zuschiebt und diesen vor ein Kriegsgericht gestellt hat. Der Prinz, ein entfernter Verwandter des Khedive, hat der Türkei viele Wohltaten erwiesen, sein ungeheures Vermögen zur Schaffung eine» türkifchen Automobil. korpS benutzt und große Beiträge für den Bau einer türkifchen Flotte hergegeb en.

* Ter Katholizismus auf dem Balkan.

Jetzt, da der Krieg die volle Aufmerksamkeit auf die Balkanftaaten getenft hat, mag b«r Stand des Katholizismus in jenen Ländern gewiß interessiere«.

In S e r b i e n ist die Ausübung der katholischen Religion verboten. ES ist vielleicht das einzige Land der Welt, wo di« katholische Kirch? gar keine Hierarchie, nicht einmal eine in den Missionsländern übliche Hierarchie, besitzt. Augenblicklich wird nur die Tätigkeit zweier katholischer Priester in ihrer Eigenschaft als Kaplänt der österreichisch-ungarischen Gesanotschaft geduldet. Die Unduldsamkeit der or- thodozen Kirche und politischer Haß lasten auch so bald keine Besserung in dieser Beziehung erhoffen.

In Bulgarien wird die Ausübung der katho­lischen Religion g e d ul d e t: die kirchliche Hierarchie vertritt ein apostolisches Vikariat; der Sitz des Bi­schofs eine- französischen Passionisten, ist in Boub- schou?. Er wird in der Ausübung seines Amtes von einer Anzahl Passionisteu unterstützt. Ein zweite» apostolisches Vikariat, an besten Spitze Mons. Men- nini, ein italienischer Kapuziner, steht, umfaßt Sofia und Philippopel, wo der Bischof auch wohnt.

In Griechenlanb erfreut sich die katholische Kirch- weitgehender Toleranz: aber es ist ihr auch, wie in allen anderen Balkanländern, verboten, An- Hänger zu erwerben. Deshalb kann es auch nicht wundern, daß die Bekehrungen zum Katholizismus in allen diesen Staaten sehr jelt-n sind. Die Zahl der Katholiken im ganzen Königreich Griechenland beträgt ungefähr 25 000, davon in Athen 12 000 und in Patras 6000; die übrigen leben «n Lande zer- Kreut. Ein Drittel der Katholiken ist griechischen rsprnngs, die anderen zwei Drittel sind Ausländer, Oesterreicher, Italiener, Franzose«. Der Sitz des Metropoliten ist Athen; Metropolit wird immer ein Angehöriger deS französischen Aufsumptionistenor- dens. Tier katholische Klerus besteht aus etwa 15 Priestern.

Im Gegensatz zu den genannten Staaten hat die katholische Kirche in Montenegro die größte Freiheit. Der regierende König Nikolaus hat mit dem Heil. Stuhl ein Konkordat geschlossen. Mon- tenegro ist eine Erzdiöz-fe, deren Inhaber in Anti- Bari residiert und zugleich den Titel eines Primaten von Serbien führt.

In Rumänien ist der katholische Kult nur geduldet und die Regierung macht den Katholiken Schwierigketten wo sie kann. Erzbischof von Buka- erst ist augenblicklich ein deutscher Benediktiner, p. Netzhammer, ein gebürtiger Badenser, aber aus dem Kloster Einsiedeln in der Schweiz hervorgegangen. Die katholische Bevölkerung besteht fast ausschließ, lich aus Ausländern. Die Diözese Jassy ist den Mnioriten anvertraut, Bischof ist augenblicklich Mons. (Santini- «in Italiener aus diesem Orden.

Ti« Haltung der Mächte.

* Wie«, 28. Ott. 1912. Die Blätter stellen als SMiliche Auffassung fest, haß an .der StatuSquo-,

Der Verzweiflungskampf um Skutari.

Verfrühte Meldungen der Montenegriner be­richteten die Einnahme von Skutari. Diese Nach­richt bewahrheitet sich nicht, wie folgende- Privat» te leg ramm meldet:

* Ketin je, 28. Oft. 1912. T wtz des mörderischen ArtillcriefeuerS hqt sich Skutari noch immer nicht ergeben. Die Türken kämpfen Helden- mutig und haben wiederum mehrere Angriffe zu- rückqewiesen.

W Rjeka, 28. Ott. 1912. Der Angriff auf S k u- tari dauert fo :L — Die Brigade Wukotitsch ist bis zur Hohe von Rodfchaj vorgedrungen und hat damit eine wichtige Stellung vor Ipek bezogen.

Rumänien und der Balkankrieg.

W Bukarest, 28. Ott. 1912. Nach der Eides- leistung der neuen Minister hi:lt König Carol folgende Ansprache: „Ich begrüße die Bildung de» neuen Kabinetts mit lebhafter Genugtuung, beson­ders unte: den gegintoartigenernftenUm- ständen. Seit d-m Beginn des Krieges find alle Blicke auf nns gerichtet und Rumä­nien gewinnt noch viel mehr an Ansehen ange- sichts der wichtigen Rolle, die ihm zu- falle» wird. Lassen wir alle AuSeinandersetz.

281 Okt. 1912. Ter militärisch be. ^ReiAvott" . Kriegsberichterstatter der

unter dem heutigen Datum* TaS konzentrische Vorgehen der Bul- ,aren gegen die türkische Ostarmce ist trotz des ungünstigen Wetters tut ständige« Bor. greifet!. Ser Rückzug der Türken nach Kon­stant, uopcl ist bereits abgeschnitten. Die Bahnlini« Konstantinopel—Lneleburgas ist bei TschcrkSkoej (halbwegö Lucleburgas unb Konstan­tinopel) unterbrochen und die bortige Effen- bahnbrüae über den Tfcharlnflutz in die Luft gesprengt. Die türkische Armer ist jetzt ge*

Auch auf dem westlichen Kriegsschauplatz mehren sich die türkischen Niederlagen. Die serbischen Ar. meen haben alle bedeutenden Punkte des Wilejet» Kossow in den Händen; die Hauptarmee, die U e 8« k ü b erreicht hat, dringt in Fühlung mit der ferbo» bulgarischen Heeresabteilung, die soeben I st i p be- setzt hat, im Tal des Wardar, unaufhaltsam nach Süden auf Saloniki vor. ES scheint sogar, als seien die Türken von der südlichen RückzugSlinie auf Kara- fuli am Wardar abgedrängt und gezwungen worden, südwestlich auf Monastir zurückzugchen. Be­stätigt sich diese Meldung, so ist auf dem westlichen Kriegsschauplatz die Lage der Türken verzweifelt. Wir erhalten folgende Drahtnachricht:

* Belgrad, 28. Okt. 1912. Laut amtlichen Nach­richten aus Wranja erfolgte der Einzug der Serben in U e s k ü b am Samstag abend 6 Ühr. Die Tür­ken zogen sich in großer Unordnung nach K ö p r ü l ü und Kalkaudelen. Sie ließen Waffe«, Munition und den Train zurück. Die Serben fand in Uesküb ‘ ~ Feldgeschütze. Im ganzen sind zher 98 Kanonen wegaenommen worden. Die Serben erreichten bei der Verfolgung der Türken bereits Owtschepolje und K l i s ch e l u Eine serbische Osstzierspatrouille, die nach Kalkan- belen porgefchickt war, meldete, daß die Türken imch Monaftir Wetter fluchteten. Nach amtlichen Nach­richten aus Ghilan haben die Serben M i t r o - w i tz a eingenommen unb marschierten durch die Defiles von Katschanik nach Werisowitsch. Hier haben sie 15 türkische Kanonen genommen.

W Belgrad, 28. Okt. 1912. Nach Privatmeld. düngen haben die serbischen Truppen K ö p r ü l ü und I st i P eingenommen. — Köprülü und da» etwas weiter östlich am Bregalnitza-Fluß gelegene Jstip liegen in der Mitte des „Ovtsche-Polfe" („Schafebene") genannten Plateaus, da» man nach

n. Verlag der falba»

Monatrbellager „MKm Seschlchtsblätter" zerus-recher ä! 9?

Regierung zur Erwägung überwiesen.

j Morgen: Zweite Beratung be» Sparkassengesetzes Und Rest der heutigen Tagesordnung.