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Jß 248.

mentag 28. aiiober WJ2.

59. Jahrgang.

* fuldaer w Zeitung

2. Blatt.

vrnck uni Verlag der Selbe« actientra» tti in Selbe.

Aus -em Nachdargebiete.

* Gersfeld, 26. Okt. 1912. Zur Erinnerung an die Kämpfe vor 100 Jahren hält der Turnverein I e st s p i e l a b e n d e ab. Der Reinertrag ist zum Besten des Kriegerdenkmals bestimmt.

* Hersfeld, 26. Okt. 1912. Auf mehrere Ein­gaben des Reichstagsabg. Werner hin hat das Reichs­postamt die Einrichtung einer Postautomobil- Verbiudurrg zwischen Hersfeld und Homburg in Aussicht gestellt. Diese Autoverbindung ist für das Geis- und Efzetal von größter Bedeutung.

* Bad Orb, 26. Okt. 1912. Zwischen Bad Orb» Joßgrund Lohrhaupten - Kempfenbrunn' Flörsbach - Biebcrgrund soll mittels Automobil ein ständiger Personen, und Postverkehr hergestelltwerden. Im Laufe dieser Woche ist bereits eine Probefahrt ausgeführt worden.

* Bad Sooden, 26. Okt. 1912. Der Hege- & e r g, die unmittelbar an Sooden angrenzende Waldlehne, ist nunmehr in den Besitz unserer Ge­meinde übergegangen. Da der Hegeberg die schön­sten und schattigsten Wege und Aussichtspunkte bietet, bedeutet der Ankauf für Bad Sooden einen großen Vorteil.

* Frankfurt, 26. Okt. 1912. Vorgestern hielt oet hiesige KatholischeCaritasverband seine überaus zahlreich von Männern und Fragen be­suchte Generalversammlung ab, der u. a. auch Ihre König!. Hoheit die Landgräfin von Hessen beiwohnte. Der Jahresbericht zeigt, welch' reiche Arbeit von dem Caritasv«bande zum Wohle der leidenden und bedrängten Menschheit hier geleistet wurde und wie speziell das Caritas-Sekretariat unter seinem rührigen Direktor anregend und fördernd auf allen Gebieten der Caritas eingegriffen hat. Standen doch allein 623 Kinder unter der Generalvormundschaft des Verbandes. Der Kassenbericht verzeichnet in den Einnahmen 2888 Mark, in den Ausgaben 2604.70 Mark und einen Bestand von 283.83 Mark. — Für nächstes Frühjahr plant der Württembergische Sport- Klub in Verbindung mit einigen anderen flugsport­lichen Organisationen einen Ueberlandflug. Dieser soll in Frankfurt a. M. beginnen und quer durch Württemberg bis Friedrichshafen führen. In Friedrichshafen sollen dann Veranstaltungen mit Wasserflugzeugen an den Ueberlandflug sich an­schließen.

* Eschwege, 26. Okt. 1912. Die nahezu 500 ^Jahre alte Kapelle des S i e ch e n h a u s e s, die 200 Jahre lang unbenutzt und verwahrlost stand, wurde nach einer gründlichen Restauration gestern einge- weiht.

* Wanfried, 26. Okt. 1912. Vor einigen Tagen klingelte im Hotel zur Krone ein „Freiherr Albert von Wildenberg aus Berlin" an, der sich drei Zim­mer bestellte. Der Hotelbesitzer erfuhr am andern Vormittag, daß besagter Freiherr bei verschiedenen Familien der Stadt Besuche gemacht und sich bald als Regierungsassessor, bald als Bersicherungsinspek- tor ausgegeben habe. Die Polizei sah sich daraufhin den nobel gekleideten Herrn näher an und stellte bald fest, daß es ein vor 7 Jahren von hier verschwun­dener Kutscher namens Schirmer sei, mit dessen Ver­schwinden der Einbruchsdiebstahl auf dem Bahnhof in Altenburschla und der Diebstahl einer Taschenuhr in Verbindung gebracht wurde. Er hat bereits we­gen Raub und Brandstiftung 8 Jahre Zuchthaus auf dem Kerbholze und ist auch heute wieder eine gesuchte Persönlichkeit. Er wurde der Staatsan­waltschaft in Kassel zugeführt, die die Bekanntschaft des Herrn zu machen wünschte.

* Kleinalmerode, 26. Okt. 1912. Hier wurde die Gründung einer Spar- und Darlehns- k a s s e beschlossen und zum Vorsteher Revierförster Schneider, zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats Kauf­mann Bretthauer und zum Rechner Lehrer Lotzenius gewählt.

* Höchst a. M., 26. Okt. 1912. Vor dem Schöffengericht ereignete sich gestern der Fall, daß zwei Bürgermeister, welche als Zeuge fehlten, mit Ordnungsstrafen belegt wurden. In dem einen Fall hatte der Bürgermeister von S. gleich drei Termine an einem Tag verpaßt. Er erhielt hierfür insgesamt 30 Mark Strafe. Da sämtliche drei Verhandlungen infolge seines Ausbleibens a ich ver- tagt werden mußten, so wurden dem säumigen auf«le"h^ ÖU$ Kosten der Verteidigung

* Mainz, 26. Okt. 1912. Der Verfertiger der in letzter Zeit mannigfach im Verkehr befindlichen falschen Ein- und Zweimarkstücke ist in Mainz in dem Augenblick verhaftet worden, als er «rin gestohlenes Fahrrad verkaufen wollte. Es ist ein Mannheim« Maschinenschlosser, der schon einmal wegen Müuzvergehens abgeurteilt worden ist.

* Wiesbaden, 26. Okt. 1912. Heute sprang der 21jährige Matrose Pfisterer aus dem dritten Stocke seiner elterlichen Wohnung, als er von zwei Polizei­beamten wegen U rlau bsüb ers chreitun g verhaftet werden sollte. Der junge Mann trug einen Schädelbruch und einen Bruch der rechten Hand davon.

* Waldkappel, 26. Okt. 1912. Hier trat bei einem fast zweijährigen Kinde di; spinale Kin­derlähmung auf, die in kurzer Zeit sich auf den ganzen Körper erstreckte und in vier Tagen zum Tode führte.

* Wetzlar, 26. Okt. 1912. Die Generalversamm­lung des L a h n t a l v e r b a n d e s, die hier statt­fand, beschloß die Herausgabe einer Lahnhöhenweg­karte in Verbindung mit beut Taunusklub. Um die Schönheiten des Lahntales weiten Kreisen vor Augen zu führen, sollen Lichtbildervorträge veran- staltet werden.

* Aus Franken, 26. Okt. 1912. Eine weib­liche Fortbildungsschule wird in Hei - dingsfeld errichtet. Es soll auch praktischer Unterricht im Kochen und in sonstigen häuslichen Fächern erteilt werden. — In Hundsfeld wurde der 72jährige Oekonom Winter mit durch­schnittener Kehle auf einem Steinhaufen tot aufge­funden. Da der Mann in geordneten Verhältnissen lebte und kein Messer vorgefunden wurde, ist der Fall äußerst rätselhaft. — In Sulztal kam der Maschinenführer Schmitt mit dem linken Arm in die Dreschmaschine. Dem Mann wurde der Arm vollständig abgerissen. Bei der Operation ist Schmitt verstorben. — Die Stadt Würzburg bewilligte dem Fremdenverkehrsverein statt der bis­herigen 1000 Mark ein jährlicher Zuschuß von 3000 Mark.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 26. Okt. 1912. Vor einigen Tagen be­gab sich der Sohn eines hiesigen Landwirts und Metzgermeisters auf die Reise nach Amerika, traf aber unerwartet wieder hier ein. In Hamburg, wo dem jungen Manne die Schiffskarte von einem Agenten nach Newhork ausgehändigt werden sollte, wollte ihn der Agent als Kohlenschlepper für einen Petroleumdampfer nach Argentinien (65 Tage Fahrtzeit) dingen. Der Hintergangene merkte, was man mit ihm beabsichtigte und wandte sich an die Polizei. Diese brachte den gänzlich mittellosen Mann in feine Heimat.

* Geismar b. Geisa, 26. Okt. 1912. Seit einigen Tagen sind drei Herren von der Generalkommission mit den Vorarbeiten für die Separation unse­rer Flur, die Wege» ihres Umfanges und wegen ihrer ungemein hügeligen Sage viel Schwierigkeiten bietet, beschäftigt.

△ Geismar, 27. Okt. 1912. Dieser Tage wurde ein Manu beim Dreschen von den Haien des Selbst­einlegers erfaßt, kam jedoch mit leichten Hautver­letzungen davon. Es wurde ihm sofort Hilfe im Schwesternhaus zuteil. — Freitag abend sand im hiesigen Kriegerverein aus Anlaß der Verleihung des Kriegerverdienstkreuzes an Herrn Leonhard Weber eine Feier statt, zu der auch mehrere Kameraden ans Geisa erschienen waren.

* Dermbach, 26. Okt. 1912. Der Schulvorstand wählte Fabrikdtrektor Burck zum Ortsschulaufseher und beschloß, die erste und zweite evangelische Schule zu Lehrerwohnungen auszubauen.

* Stadtlengsfeld, 26. Okt. 1912. Aus Anlaß der Taufe des Erbgroßherzogs wurde u. a. dem Ge­richtsvollzieher Hirschfeld das Allgemeine Ehrenzei­chen in Silber und dem Gemeinberechnungsführer Kaufmann in Frauensee das Allgemeine Ehrenzei­chen in Gold verliehen.

Aus Oberhessen u. -en Hess. Aemtern.

X Schröck <Kr. Marburg), 26. Okt. 1912. Die Gemeindevertretung beschloß den Bau einer Hoch­

druck-Wasserleitung in Verbindung mit dem benachbarten Dorfe Wittelsberg. Welch« Firma die Arbeiten übertragen werden, ist noch nicht fest­gelegt worden.

[:] Kirchhain, 27. Okt. 1912. Gestern fand eine Versammlung d« »Turn- und Spielver­einigung deS Kreises Kirchhain* statt. Nach ein« Begrüßung durch den Vorsitzenden, Lehrer Wickert- Langenstein referierte Turnlehr« Fischer üb« Mängel und Mißstände, die sich gelegentlich des Wetturnens vom 2. September herausgestellt haben, und wie dasselbe in Zukunft abzuhalten sei. Des weiteren wurden die grundlegenden Richtlinien für das Wetturnen im nächsten Jahre besprochen und vorläufig festgelegt. Der Dreikampf bleibt Grund­lage des Ganzen. Nebenbei sollen auch scherzhafte Wettspiele ausgetragen und zur Bekämpfung der Schundliteratur jedem Kinde in Kirchhain ein Büchlein geeigneten Inhalts als Andenken überreicht werden.

* Dorheim a. b. Lanbsburg, 26. Okt. 1912. Ein für Wirte unb Vereine wichtiges Urteil fällte das Schöffengericht Jesberg. Der hiesige Rabfahrerver- cin beabsichtigte, einen Ball abzuhalten unb holte bie ortspolizeiliche Genehmigung ein, bie auch er­teilt wurde. Jeboch am Abenb vor bem Ball setzte bet Bürgermeister ben Vereiusvorstanb davon in Kenntnis, baß bas Lanbratsarnt mit bei Genehmi­gung nicht einverstanben unb bie Genehmigung hier­mit zurückgezogen sei. Was nun tun? Mr Ein­ladungen waren bereits ergangen unb bie Vorberei­tungen getroffen. Man würbe sich einig, ben Ball auch ohne Genehmigung abzuhalten. Schon am Tage nach bem Tanzvergnügen erhielten bei Wirt unb ber Vorstanb des Radfahrervereins ein Straf- manbat von je 15 Mark. Hiergegen wurde Be­rufung eingelegt In ber Verhandlung vor bem Schöffengericht würbe festgestellt, baß kein Eintritts­geld erhoben war, worauf bas Gericht auf Frei­sprechung unter ber Begrünbung erkannte, daß zum Aöhalten eines Balles in Form einer geschlossenen Gesellschaft eine Genehmigung nicht «forderlich sei, sondern bie bloße Anmeldung beim Bürgermeister vollständig genüge.

* Fritzlar, 26. Oktbr. 1912. Die diesjährigen Herbst-Kontrollversammlungen im Kreise Fritzlar finden statt: In Gudensberg am 14. No­vember, nachmittags 2 Uhr 45 Min., in Metze am 14. November, nachm. 4 Uhr 30 Min., in Fritzlar am 15. November norm. 10 Uhr, in Zwesten am 15. November nachm. 4 Uhr 15 Min., in Jesberg am 16. November norm. 9 Uhr 30 Min., und am 16. November nachm. 12 Uhr 30 Min. in Dillich. — Den fratzenhaften Reklame-Schildern, die sich an der Strecke ber Main-Weser-Bahn noch zahlreich vorfinden, wird man jetzt von der Polizei scharf zuleibe rücken. Soweit sie nicht mehr als 1 Kilometer von der Bah, linie entfernt sind, sollen sie zwangsweise beseitigt roetoen, wenn die Grund­stücks - Eigentümer sich etwa weigern, das zu tun. Die Kreis - Polizeibehörde dahier hat sämtliche in Frage kommenden Bürgermeister aufgefordert, mit den Grundbesitzern zu verhandeln und sofort zu be­richten.

vermischtes.

* Gefährlichkeit des Azetylen. In einem Kafer- nen-Neubau zu Metz sollte ein 15jähriger Knabe Wasser in einen Azetylen-Apparat gießen. Es er­folgte eine Explosion, unb ber Junge würbe ge­tötet.

* Die Pleiten infolge ber großen Kursstürze, bie ber Balkankrieg an ben Börsen hervorgerufen hat, wollen kein Enbe nehmen. Bebauerlicherweise war ber Zusammenbruch bes Bankhauses F. W. Weiß in Reichenbach (Schlesien), bei bem zahlreiche Bürgersleute mindestens die Hälfte ihrer Ersparnise verloren haben. Der Bankkrach machte bie Ein­wohner Reichenbachs so kopflos, baß sie einen Sturm auf bie beiben anderen dortigen Bankhäuser began­nen und ihre Ersparnisse zurückhaben wollten, was jedoch nicht anging, da die beiden Firmen nicht so viel flüssige Geldbeftände hatten; infolgedessen stei­gerte sich bie Erregung ber Bevölkerung noch weiter.

* Der Uebersall im Eifenbahnzuge. Die Verdachts- Momente gegen den Bäckergesellen Nettelstroh, der vor einigen Monaten in einem Eisenbahnzuge bei Nauen drei Frauen überfiel und durch Messer­

stiche »«letzte, verdichten sich imm« mehr. Seine Behauptung, daß « überhaupt nicht in Nauen ge­wesen sei, konnte roib«legt werden. Von ein« HotelbesttzerSfrau Hausmann in Nauen ist er all derjenige Mann erfaimt werden, d« am 14. August zwei Tage vor der Tat sich heimlich auf den Boden ihres Hotels »Schweiz« Haus" geschlichen hatte und damals, als er entdeckt wurde, uni« Drohungen verschwand. Frau Hausmann wurde dem Verhaf­teten im Untersuchungs-Gefängnisse gegenübergestellt und fand ihn ohne weiteres Besinnen sofort aus einer ganzen Anzahl von Strafgefangenen heraus. Somit ist seine Anwesenheit in Nauen, die er bis­her hartnäckig leugnete, als erwiesen anzusehen.

* Eine Sammlung Altmeißener Porzellans von hohem Wert ist vor einigen Tagen in Mittau verkauft worden. Die bisherige Besitzerin der Sammlung war die gräfliche Familie Keyserling, die über 100000 Mark für das Porzellan erhielt. Unt« den Gegenständen befinden sich Service, Tafel­aufsätze, Figuren und Tabakdosen, von denen einige sogar von dem Erfinder des Porzellans, Böttger, h«rühren.

* Das Opfer eines Jagdunfalls ist bei Buch­holz im Ermebirge ber Natsförster Schwer gewor­den. Er wollte seine Tabakspfeife anzünben, wäh­rend er das Gewehr zwischen ben Beinen hatte, das plötzlich losging. Der Schrotschuß ging bem För­ster in ben Kopf. Er war sofort tot.

* Bankerott einer fozialdenwkratischen Gründung. Der unter sozialdemokratischer Führung ins Leben gerufene und geleitete Milchvertriebsverein in Frei­burg i. Br. hat nach kaum elf Monate langem Be­stehen seinen Konkurs angemelbet. Er war eine Ge- nossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Der Mit­gliederbestand war zurzeit noch etwa 1600. Di« vorhandene Schuldenlast wird auf etwa 25 000 Mk< geschätzt. Eine Anzahl von Milchlieferauten in bei Umgebung von Freiburg wird ziemlich stark in Mit­leidenschaft gezogen werden. Charakteristisch für bie volkswirtschaftliche Auffassung in sozialdemokrati­schen Kreisen ist, daß der rote Stadtrat Engler im Stadtrat ben Antrag stellte, die Stadtkasse sollte bem Milchvertriebsverein 4000 Mk. zur Verfügung stel- len, um bem Verein wieder auf bie Beine zu helfen. Der Antrag würbe abgelehnt.

* Verbandstag deutscher Luftschiffer. Am Sams­tag beaann in Stuttgart in ber Liederhalle bte Hauptsitzung des Verbandstags deutscher Luftschiffer unter dem Vorsitz des Generals Nieder. Der Ver­band zählt jetzt 2 4 Vereine mit 74000 Mitglie- dem; in feinen Listen sind 138 Freiballons unb 24 Luftschiffe verzeichnet.

* Bei dem Stapellaus des englischen Dreadnoughts „Marlborough" in Devonport ereignete sich ein Un­glücksfall, durch ben der Kommandeur und drei Seeleute zu Schaden kamen. Ein zerreißende» Tau traf den Kommandeur Winthrop mit voll« Wucht in die Kniekehlen und schleuderte ihn zu Boden; er erlitt Verletzungen am Rücken und am Kopfe und mußte nach dem Marinehospital gebracht werden. Drei Matrosen erlitten weniger bedeutend« Verletzungen.

* Bergsturz in den Alpen. Im unt«en Tab o re- ta le in der Nähe von Langarone ereignete sich aus der neuen Eisenbahnstrecke ein mächtiger Bergsturz. Der Zugverkehr nach Tirol wird durch Umsteigen aufrecht «halten; 600 Alpenjäger und 1000 Bauern sind mit den Aufräumungs-Arbeiten beschäftigt. Hausgroße Felsblöcke werden gesprengt.

Handel und Industrie.

H Berlin, 26. Okt. 1912. Beruhigung bet Börst durch Hoffnung auf baldigen Friedensschluß. Am Montanmarkt stiegen Phönix 2 Prozent, die meisten übrigen V» Prozent. Von Banken waten russische Werte begehrt. Kassenmarkt überwiegend gebessert D« Privatdiskont erhöhte sich auf 41/» Prozent.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Beim Einkauf

von Bleich-Soda müssen Sie immer darauf sehen, Kenkel's Mkeich-S-da, die altbewährte und bestbekannte Qualttätsmarke zu «halten, da viele, meist minderwertige Nachahmungen, existieren.

3m Schutze der Zauberers.

49j EnMch-indischer Roman von E. A. Henty.

„Ich fürchte, es ist zu spät, mein liebes Kind; obwohl ich um Deinetwillen wohl noch zu Idb-n wünschte. Doch täuscht mich nicht alles, so winkt Dir in ber Zukunft ein hohes Glück; wenn Du nur bereit Bift, es zu ergi etfm. Er ist ein ebler Mann, Isabella, trotz jener unglücklichen Schwäche!" o •?ad Ju.n9e Mädchen drückte feine Hand zum daß sie ihn verstanden. Es schien ihr nuy- ws und grausam, ihm zu sagen, daß bas alles langst vorüber sei Bathurst hatte oft unb freuad- ucp unterwegs nut ihr gesproch-n, aber ihrem fei" >> Ohre war ber Unterschieb zwischen einst unb jetzt in feinem Tone nicht verborgen geblieben. Er war

Freund, ja — ab« bie Vergangenheit, das Uchlte sie, bildete fortan ein geschlossenes Buch für das nicht wieder zu öffnen er fest entschlossen

Bathurst hatte abwechselnd mit Fran Hunter und ihrer Tochter, die kaum noch ein Schatten ihres D?b«eit Selbst waren — und mit dem jungen und '/'ihrer Rabe saß, gesprochen. Ernst unc» nachdenklich schaute er nun in die Wölbung von bi- man über dem Schiffe ange- ben ShnM/’x be~ weisenden teils zum Schutze vor Weuaieriapr11 h” 'ö1°//ne i)ienGn- teils sie ben Blicken

-Mas fehlt Ihnen, Bathurst?" rebete ibn der Toktor in Paterer Abendstunde an. , Sie sehen sich fdr„n4ÄV6i£* “"eä * “»ftof« tem Boot ist uns bisher begegnet, — und wie die Leute versichern, Serben wir Cawnpore baw nach em Uhr erreichen."

, «Ich sichle mich nervös, Doktor, — mich ouält eme Unruhe, ein; Ahnung tommenben Unheils über bie ich vergeblich Herr zu werben suche Ich mochte nicht abergläubisch erscheinen, unb boch kann l ich bie Empfindung nicht los werden, als ob zwischen |

Rndschub unb mir eine Art seelischen Rapports be­stäube. Wie bamal-3 auf dem Dache — wo ich mir seiner Nähe bewußt war, noch ehe ich seine Stimme gehört hatte — beeinflußt er auch heute mein Ge­müt. Mag sein, daß bie Stille ber Nacht uns für solche Einbrücke empfänglicher macht als bas Ge­räusch unb bie Geschäftigkeit bes Tages; aber ich bin überzeugt, er weiß, daß uns Gefahr droht; nur ist «entweder ihm fetbft noch nicht' klar, in welch« Gestalt dieselbe sich nahen wird, oder es liegt dies­mal nicht in seiner Macht, uns zu helfen. Daß bis­her alles gut abgelaufen, gebe ich ja zu, ebenso, daß wir bas einzig Mögliche zu tun int Begriff sind; es sei denn, wir faßten den tollen Entschluß, unsere Flucht für eine Weile zu Lande fortzusetzen!"

Der Doktor hatte schweigend zugehört. „Wenn uns Gefahren bevorstehen", sprach er nun, „so könnten sie erst bei Cawnpore an uns herantreten. Es wäre möglich, daß bie Sepoys noch gestern nach­mittag Nena Sahib von ben Ereignissen in Dinnug- ghur unb unserer Einschiffung benachrichtigt haben, unb baß man uns bort auflauert. Ich würde es beshalh für kein so übles Ding halten, wenn wir einige Mellen vor ber Stadt am entgegengesetzten Ufer an bas Laub gingen und erst eine Strecke hin­ter Cawnpore bie Boote wieder bestiegen."

„Der Plan ist gut, Doktor. Ich "toifl sogleich mit unserem Beschützer sprechen und hören, ob seine Leute uns bet dem Transport ber Verwnnbeten be­hilflich sein können."

Der junge Rajah willigte sofort ein. Bald hatte man, nahe heranrudernb, auch mit ben Insassen des zweiten Bootes sich verständigt und volle Billi­gung des Borgeschlagenen bei ihnen gefunden. Ja — so bedrückend war für alle ber Gebanke an Cawnpore gewesen, daß fast eine Art Fröhlichkeit Platz griff, als sie sich von dieser Sorge befreit sahen.

Man beschloß, an einet Stelle zu landen, wo bas Uf« von Gesträuch unb jungm Bäumen bewachsen war. Die stärkeren Stämmchen sollten abgehauen, Decken zwischen ihnen befestigt unb sie so zu Trag­bahren für bie Kranken hergerichtet werden .

So weit dies möglich, wurden die Boote an der linken Seite des Flusses gehalten; boch machten seichte Stellen im Wasser zu Zeiten eine Schwen­kung nach rechts notwendig, und bann beobachtete man jebeSmal tiefes Schweigen, um nicht bnrch einen Laut ber fremben Sprache bie Aufmerksamkeit des Feindes zu erregen.

Die Nacht sank hernieder, und noch setzten sie ihre Fahrt fort. Einige Stunden nach Sonnen­untergang — sie näherten sich eben wieder dem rech­ten Ufer, der Major lag in einem Zustande bet Betäubung unb Isabella saß neben Bathurst unb hatte sich leise mit ihm unterhalten — schreckte sie plötzlich ein lauter Ruf auf.

„Was sind bas für Boote?" tönte es vom Laube herüber. "

„Fischerboote", gab einer ber Leute zurück.

„Kommt heran, baß wir uns überzeugen."

Eine Pause entstaub — bann sagte ber Doktor in der Sprache der (Eingeborenen: „Rudert fort, Leute", und sie tauchten ihre Rude wieder in das Wasser

„Wir haben es eilig", rief ber junge Zemiubar; unb leise befahl er ben Männern, schneller — noch schneller zu fahren.

„£>alt, ober wir feuern!" klang es auf einmal vom Ufer.

Kein: Antwort erfolgte aus ben Booten; sie waren nun bem Sprecher gerabe gegenüber. Da kam das Wort — „Feuer!" unb sechs Kanonen, mit Kartätschen geladen, entsendeten ihre tödlichen Geschosse; zugleich dröhnte eine Gewehrsalve über den Fluß. Prasselnd schlugen bie Kugeln in bte Fahrzeuge, rissen das fchützeube Laubbach uieber unb richteten Unheil und Verwüstung unter ben armen Flüchtlingen an.

Ein einziger furchtbarer Schrei warb gehört; grauenhaft hatte sich in wenigen Sekunden bie Szene veränbert. Tie meisten ber Bootsleute waren getötet, unb führerlos trieben bie Barken inmitten bes Kugelregens auf bem Wasser.

Zu denen, bie bei bem heftigen, so schnell nicht erwarteten Angriffe über Bord sprangen, gehörte

auch Bathurst. Er war bei bem starken Geräusche mit einem Rus ber Pein in bie Hohe gefahren und hatte sich ohne Besinnen in bie Flut gestürzt. Ob­wohl halb bewußtlos, hielt er sich doch instinkt­mäßig eine Weile unter Wasser unb schwamm bann mit Ausbietung feiner letzten Kraft an das jenseitige Ufer, wo er ausgestreckt auf bem Sande liegen blieb. Acht ober zehn anbere, bie etwas später ben Boden gewannen, wurden in bem Moment, wo sie auf ihre Füße sprangen, von nachgesanbten Kugeln niedergestreckt; und nur dreien gelang es, sich in das nahe Gebüsch zu retten.

Einige Schüsse folgten noch — bann schien bet Feind sich zurückzuziehen; denn das Feuern hörte auf, und es ward drüben alles still. Bathurst stand langsam auf und bewegte sich, schwankend wie ein Trunkener, auf das Buschwerk zu; doch noch ehe er dasselbe ganz erreicht hatte, brach er besinnungslos zusammen. Drei Gestalten traten vorsichtig heraus und zogen ihn in das Dickicht.

Eine Viertelstunde mochte vergangen sein, ehe Bathurst unter den Bemühungen seiner Retter, die ihm eifrig Brust und Hände rieben, zum Bewußt­sein erwachte.

„Wer ist hi«?" fragte er.

„O, Sie sind es also wirklich, Bathurst?" ließ sich Wilsons Stimme vernehmen. „Ich dachte es mir fast, konnte aber in der Dunkelheit nichts deut­lich erkennen. Sind Sie verwundet?"

„Ich weiß nicht recht; mir ist, als erhielt ich vorhin einen Schlag —"

„Natürlich, Sie müssen getroffen fein. Versuchen Sie Ihre Arme unb Füße zu bewegen."

„Alles in Orbnung, Wilson. Nein, ich benle eher, es wird ber Kops sein; ich fühle etwas War­mes im Nacken."

„Wahrhaftig", rief Wilson, „Sie haben eine« Streifschuß im Genick! (Eingebrungen kann bie Kugel indes nicht sein, sonst wären Sie unfähig gewesen zu gehen."

.Fortsetzung folgt).