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59. Jahrgang.
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2. Blatt
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sttlvollen Vervollständigung seiner Toilette suchte. § Ihm gegenüber lag, rötlich ffngestrahlt von der Sollte :r eine rote nehmen oder eine blaue oder Spätnachmittagssonne, das Holstentor nut seinen
eine rotbraune? Ta waren welche in allen Farben,
Da gibt'S ehrliche Leute, di« Reform wollen, Protestler, dre Einspruch erheben gegen vermeintliche religiöse Vergewaltigung, schwärmerische Idealisten ohne fest- bestimmten Plan, phrasenhafte Redner des ,Bergs', Fanatiker und Demagogen in einer Person, verschlagene Köpfe, di« ein Geschäft aus der mehr oder weniger ausrichtigen Verbreitung revolutionärer Lehren machen und Plünderung unter gesetzlicher Form für sehr eilt»
glänzend Recht bekommen.
Kurz: alle diese großen Forscher des 19. Jahrhunderts zeigen, wie verkehrt es ist, von einer Unvereinbarkeit, einer Todfeindschaft zwischen Naturwissenschaft und Gottesglauben zu sehen. Man komme uns nicht mit der albernen Einrede, es gäbe aber doch rrligions- feindliche Naturwissenschaftler. Bestreiten wir gar nicht. Aber das beweist nur, daß es große Naturkenner gibt, die zugleich schlechte Katechismuskenner sind.
•C Der katholische „BottsmWonar" der Kölnischen Zeitung und fein Kampf gegen die Eingaben des deutschen Episkopates.
Der gesamte deutsche Episkopat hat sich in seinen Eingaben an den Bundesrat dahin erklärt, daß die Äbbaltung von Volksmisswnen nicht als eine Ordenstätigkeit gelten könne, die durch das bekannt» Jesuitengesetz verboten sei. Die deutschen Ordensoberen, zuerst die bayerischen, dann die übrigen, haben sich in zwei Erklärungen der Ansicht der Bischöfe angeschlossen. Abhaltung von Volksmissionen ist für diese kompetentesten Beurteiler der Frage Prie st erliche Tätigkeit, außerordentliche „ Seel- sorgsarbeit, keine spezifische Ordenstätigkeit.
beiden charakteristischen zuckerhutähnlichen Türmen und dem zierlich gegliederten Mittelteil, davor breiteten sich Anlagen nut Büschen und Blumenbeeten aus. Ganz einsam war's um ihn her, nur am Kanal entlang gingen ein Paar Hafenarbeiter und unter dem niederen Rundbogen des Tors zeigten sich die Gestalten einer Dame und eines kleinen Mädchens. Dir erstere war noch jung, dabei schlank und, wenn auch kaum von mittlerer Größe, doch hübsch gewachsen, auch das Gesicht schien, soweit man es aus dieser Entfernung beurteilen konnte, nicht übel zu sein. Ein dunkles Köpfchen mit Pikanten Zügen und einem kecken roten Mützchen darüber. Jedenfalls lohnte sich's der Mühe, sie sich näher anzuseben. In wenigen Minuten stand er
Es muß b.'fremden, daß ein „katholischer Volksmissionar" in der Kölnischen Zeitung", der die Jesuiten nicht wenig verhaßt sind, gegen die Ansicht des Episkopates und der Ordensprovinziale scharf
Naturwissenschaft und Christentum ergangen tft tn dem Buch von Kn eil er: Das Christentum und die Vertreter der neuern Naturwissenschaft (Frei-
Der stille Knlturkamps.
So nennt sich die neueste Numm-.r der „Frankfurter zeitgemäßen Broschüren" (Verlag von Beeer und Thiemann in Hamm, Preis 50 -Z) ein ausgezeichnetes Doppelheft, das die aufmerksamste Beachtung in allen katholischen Kreisen, aber auch bei Protestanten und namentlich bei der Regierung senden muß. Verfasser ist der Reichstagsabg. Erzberger, mit dessen Genehmigung wir eine Anzahl von Stellen aus dieser Beschwerdeschrift der deutschen Katholiken entnehmen.
Die Broschüre enthält nickt alle Beschwerden aus allen Gegenden; aber dock eine sehr geschickte Auswahl, so daß ein Gesamtbild gezeichnet wird. Was ist der „stille Kulturkampf"? Die Antwort lautet-
.Der stille Kulturkampf stützt sich einerseits au Reste der Kulturkampfgesetze im Reiche wie in Preußen, andererseits auf die ungemein weitgehenden Befugnisse der Verwaltung, die es als Wohlwollen und Gnade ansieht, was die deutschen Katholiken als ihr Reckt fordern müssen. Der stille Kulturkampf der Nadelsticke, der Engherzigkeit, der Kleinlichkeit, der straffen Kontrolle alles katholischen Lebens und katholischen Einrichtungen wirkt in seinem letzten Ende mehr erlahmend als der freie offene Kampf, der die Kräfte weckt, stärkt und sammelt. Die Oeffent- lichkeit, auch die Oeffentlichkeit des katholischen Deutschland, erfahrt nichts von den vielen kleinen Gefechten, zähen Widerständen und den zahlreichen Maßnahmen, die dem Katholizismus die volle Entfaltung seiner Kräfte unterbinden.
Eine doppelte Gefahr erwächst aus diesem stillen Kulturkampf; er ist das Wiegenlied zum Einschläfern der Katholiken, die wunschlos und befriedigt dastehen und bei denen man dann als Anmaßung bezeichnet, was allen anderen als selbstverständlicchs Recht gilt. Auf der andern Seite brüstet man sich mit den Friedensbestrebungen und seiner Toleranz und schreibt stch als Verdienst und Gerechtigkeit zu, was die Katholiken aus eigener Kraft gegen ebensolche Leute erreichen mußten. Für die deutschen Katholiken gibt e? in allen
träglich halten ufro *
Als Vertreter des Redner des „Bergs" in der Gegenwart schildert Twight bann — Hackel. Und dann erst die Sansculotten der Wissenschaft:
„Ohne besonders deutliche Scheidung von diesen Leuten kommen daun endlich die Sansculotten der Wissenschaft, die meist . . . alles annehmen, was die Redner des ,Bergs' ihnen sagen und es we tergeven mit ihren eignen Schlußfolgerungen für Aufführung und Sittlichkeit. — Wir hören genug aus ihrem Munde von der Unterdrückung der Wissenschaft durch Die Küche. Aber rvurde man mich fragen, wer in dem letz,en halben Jahrhundert am meisten zur Herabwürdigung Del Wissenschaft getan hat, und deshalb ihr größter ^emD ift, fo ' würde ich meine Augen nach Jena richten" (425).
Weil diese modernen Fretdenkerlmge zumeist fanatische Schwärmer der radikal falsch verstandenen Entwicklungslehre sind, so werden sie mit ziemlichem Verdruß vernehmen, daß der Entdecker der Ver- crbungsgesetze, also eine der Hauptvorfragen für die Beantwortung einer Entwicklungstheorie, ein Augustinerpater ist, der lang vergessene, erst neuerdings wieder entdeckte Mendel, der acht Jahre lang mit Pflanzen Versuche anstellte, ehe er mit seinen Ergebnissen hervortrat; wenn er damals leine Anerkennung fand, weil die Hypothese Dar
leine Staatsgewalt und kein gütiges Geschick führt ihnen ohne weiteres Einfluß und Bedeutung zu; nur in der geeinten Kraft liegt ihre unüberwindliche Stärke."
Dann werden die Förderer des stillen Kultu > kampses besprochen und dabei aus dem letzten Jahrzehnt eine Unmenge von Tatsachenmaterial geboten, das teils zerstreut in Zeitungen lag, teils erstmals veröffentlicht wird, das aber besonders geeignet ist, die politische Heuchelei aller Drahtzieher des stillen Kulturkampfes zu entlarven.
Der stille Kulturkampf muß nach dem Verfasser sein rasches Ende erleben.
„Um dieses zu erreichen, müssen sich die Katholiken auf der ganzen Linie zur W eh r setzen und besonders durch die breite Oeffentlichkeit auf die Abstellung der gestreiften Mißstände hinwirken. Man kann die Gründe für das bisherige Schweigen verstehen; aber man kann sie nicht billigen. An vielen Orten ist man der Ansicht: ja nichts in die Presse, ja nichts ins Parlament — sonst gibt es ja nur SchikanenI Tas ist eine der größten Trugschlüsse gegenüber der Bureaukratie. Die Bureau- kratie fürchtet nur eins: die Oeffentlichkeit. Wer sich vor der Bureaukratie duckt, der ist verloren; da wird sie immer anmaßender und brutaler. Schweigen und Dulden ist der fruchtbarste Boden für die Hartherzigkeit der Bureaukratie; wer seinen Ellenbogen zu gebrauchen versteht, dem weicht der Bureau- trat aus, den fürchtet er. Gewiß soll nicht jede Kleinigkeit an die große Glocke gebracht werden; es soll auch zuvor der ganze Instanzenweg erschöpft fein; wenn aber dies geschehen ist und man nicht fein Recht bekam, dann ohne jede Rücksicht an die Oeffent- lichk eit gehen. Die Oeffentlichkeit ist heute eine Mackt, die heilend und bessernd wirkt. Mögen denn die Falle sich häufen, mögen sie dutzendfach auftreten, dann muß das System geändert werden. Wie ganz anders verhalten sich andere Richtungen! Man nehme die Sozialdemokraten; z. B. den Fall des jungen Dü- well, bei dem keine Begünstigung und Entbindung von einem erforderlichen Zeugnis gegeben wurde. Neben dem Sturm in der Presse zwei sozialdemokratische Abgeordnete im Reichstag und als getreuer Satrap«-auch ein Volksparteiler. Und doch reicht dies nichl an die Behandlung heran, welche z. B. unsere Ordensschwestern erdulden müssen. Schämt man sich denn in den maßgebenden Kreisen gar nicht, daß man gegen Frauen so vorgeht? Aber das bisherige Schweigen hat noch einen anderen Nachteil: In der Oeffentlichkeit entsteht der ganz falsche Eindruck, als seien alle unsere Wünsche erfüllt. Tie Katholiken gelten als die Gesättigten und Wunschlosen. Man kennt im anderen Lager unsere berechtigten Sorgen gar nicht, und wenn dann einmal im Parlament ein Vorstoß erfolgt, dann fehlt es an der Resonanz. So erheischt das eigene Interesse mehr als bisher den guten alten Satz anzu- wenden: „Was bringt zu Ehren? S i ch wehre n!"
Die Schrift behandelt nun in 10 Kapiteln die verschiedenen Wünsche der deutschen Katholiken; da werden angeführt: Das Jesuitengesetz, der Kanzelparagraph, der Kampf gegen den Katholizismus in der Ostmark, Zurücksetzung der Katholiken im Reichs- und Staatsdienst (ein ungemein interessantes Kapitel), Schikane gegen Ordensniederlassungen, der nagende Wurm der Schulgesetzgebung, Kabinettstückchen aus dem Königreich Sachsen, aus der Leidensgeschichte der Katholiken in Braunschweig, der Kampf uni die religiöse Freiheit. Jedes dieser Kapitel ist eine wuchtige Anklage gegen den Staat, der die Katholiken schlechter behandelt als Andersgläubige.
bürg, Herder), das soeben in dritter, vermehrter Auslage erschienen und 100 neue Namen von bedeutenden Naturforschern aufweist, die sich auf alle Gebiete der Naturforschung verteilen.
Wir erfahren von dem Bonner Physiker Hertz, daß er es seinerzeit recht übel ausgenommen hat, als Häckel sich erlaubte, sich für seine Phantasien auf ihn zu berufen (180).
Mit Vergnügen lesen wir von dem österreichischen Forscher Pernter (1908 gestorben), der auf dem Gebiete der Erforschung der Erdphysik und der Meteorologie sich hervorragende Verdienste erworben hat und einer der Mitbegründer der Leogesell- schast war.
Interessant dürfte es für manchen sein, die Wendung des Geographen Fr. Ratzel (gestorben 1907) vom Materialismus, dem er in jungen Jahren angehangen, zum positiven Gottesgedanken zu erfahren und daß er Mitarbeiter an der Zeitschrift „Glauben und Wissen" war.
Zu der Richtung des Keplerbundes gehörte auch der Meteorologe van Bebber (gestorben 1909), der mit aller Energie Front machte gegen den atheistischen Materialismus Häckels und die Anhänger -es Häckelismus in drei Klassen einteilte: „solche, welche durch ihre an sich schon laxe Ethik für diese Welt- und Lebensanschauung prädestiniert sind", ferner die Arbeiter, in denen die sozialistische Propaganda Mißtrauen gegen das Christentum gesät und „eine dritte Gruppe von begeisterten Anhängern der Welträtsel, und des Häckelschen Monismus sind jene zahlreichen jungen Leute aus höhern und Niedern Kreisen, welche an sie ohne Kritik herantreten, weil ihnen die dazu nötigen naturwissenschaftlichen und philosophischen Kenntnisse fehlen".
Gar wenig Freude wird man in Jena haben an dem im Jahre 1911 verstorbenen Thomas Dwight, der an der berühmtesten Hochschule Nordamerikas, der Harvard-Univerfity zu Cambridge in Massachusetts, den Lehrstuhl für Anatomie inne hatte und ein Büchlein hcrausgab „Gedanken eines katholischen Anatomen", worin er zeigt, „daß die Beweise der Wissenschaft, soweit diese in der Frage etwas zu sagen hat, eine Stütze für die Religion sind und daß alles in allem genommen, die Auffassung des Katholiken von der Natur und dem Menschen großartiger, konsequenter, vernunftentsprechender ist als die des Monisten".
Köstlich liest es sich, wie er die materialistische Truppe von heute mit den Parteien der französischen Revolution vergleicht:
.Unter den charakteristischen Gestalten Der sranch- sischen Revolution treffen wir eine bunte Gesellschaft.
ausgesucht hatte. Gott ja, Fräulein Emilie Böte- fuhr — wie übr'gens ein weibliches Wesen Bötefuhr heißen konnte, das gehörte auch zu bett Dingen, die Herr Reinhold Behrens nicht zu begreisen vermochte — war ja soweit ein gan» nettes Mädchen, sogar ein recht hübsches, aber fo — so pedantisch, so prosaisch und — ja, er wußte selbst nicht, wie er es nennen sollte — kurz, mit einem Wort, es fehlte ihr der rechte Sckwung Da war die junge Dame, mit der er bis Berlin int selben Coups gefahren war, doch ein ganz anderes Wesen. Diese bei aller Einfachheit so schicke Toilette, diese weltdamenhafte Sicherheit des Auftretens und dies Lächeln! Wenn sie lächelte und die kleinen spitzen Zähnchen in dem Korallenmund sichtbar wurden, dann war sie direkt unwiderstehlich.
Na. schließlich war er mit Milchen Bötefuhr noch nickt verlobt, und wenn er von dieser Reise heinikchren sollte, als Bräutigam einer schönen, reichen und vornehmen Dame, so würde der Herr Papa wohl auch nichts dagegen haben. Denn daß die mit dem verführerischen Lächeln reich und vornehm war, stand außer allem Zweifel, dafür sprachen die Vornehmheit ihrer Erscheinung und die Kostbarkeit alles dessen, was sie so hei sich hatte. Fatal war's gewesen, daß er nicht in ihrer Begleitung dee Reise fortsetzen konnte, sie fuhr zwar auch, wie er, zunächst nach Lübeck, aber gleich von Berlin au? mit dem nächsten Zuge, während er leider einen Tag in der preußischen Haupt- und Residenzstadt hatte bleiben müssen, um im Auftrag seines Vaters daselbst einen seiner Geschäftsfreunde zu besuchen. Nun, jedenfalls traf er sie hier, sie wohnt: ja im selben Hotel mit ihm — wenigstens hatte sie ihm diese ?(bücht ausgesprochen. „Es liegt dem Bahnhof om nächsten", hatte sie geäußert, „und das ist immer em Vorzug." Da Herr Reinhold Behrens ebenfalls fand, daß das ein Vorzug war, so hatte er sich selbstverständlich auch für das Bahnhofshotel entschieden.
„Tonnerw tter, die wird Augen machen, wenn sie mich zu sehen bekommt!" dachte er, indes er in seinem Koffer nach einer paffenden Krawatte zur
vor ihr. „
„Verzeihen Sie, mein Fräulein, wenn tch nur die Frage erlaube, ob Sie dies hier verloren haben", sprach er mit artiger Verbeugung, indem er ihr den erstbesten Gegenstand aus seiner Tasche, den er ge- rade zu packen bekam — zufällig war es ein Notizbuch — hinhielt.
Das Mädchen ließ seine dunklen Augen rasch und prüfend über ihn hingleiten, dann huschte ein amüsiertes Lächeln um feinen Mund. „Sie irren, mein Herr", sagte es in gebrochenem Deutsch, dessen Aussprache die Französin verriet, „dies Notizbuch gehört nickt mir.
„Nicht? Tas ist aber seltsam! Ich bildete mi- ganz fest ein, daß ich es aus Ihrem Handtäschchen hätte fallen sehen."
,„Jch habe ja aber gar kein Handtäschchen", meinte sie mit dem vorigen Lächeln.
„So? Ich dachte nur so, weil man doch gewohnt ist daß alle Damen auf der Straße Handtäschcken tragen, auch Sie müßten eins haben. _ llebrrgens, Fräulein sind Französin, wie ich höre, folglich ist s wohl bequemer, wenn wir unsere Konversation in Ihrer Muttersprache fortsetzen."
Das Fräulein hätte nun Wohl sagen ober km nigstens zu verstehen geben können, daß sie gar nicht
4< Naturwiffen-chaft und Gottesglattbe.
Es gehört zu den Glaubenssätzen, welche von Jena aus für Freibenkerlinge erlassen unb von dr.- scn mit einer Glaubenskraft geglaubt werden, der verglichen die Körperkraft emeS Samson Null ist, daß Naturwissensch ast, zumal nwd rne Naturwissenschaft, und ch^lfircher Goties- glaube Todfeinde feien und in unversöhnlichstem ^Sollw manscht erwarten, daß, wer diese Behauptung in die Welt setzt, sich auch erst umsehe nach ihrer Berechtigung durch cm Zeugenverhor der groben Lehrer der modernen Naturwissenschaften? Da- -ii mußte der Gedanke, mit Leichtigkeit das Christentum als abgetan erweisen zu können, förmlich reizen. Denn es liegt doch auf der Hand: daß, wenn dieser unversöhnliche Gegensatz, diese Todfeindschaft zwischen Naturwissenschaft und Gottesglauben in der Tat vorhanden ist, davon die großen Führer und Entdecker zu allererst etwas gemerkt haben müssen. Wenn dem aber nicht so ist, ja, wenn gar das Gegenteil der Fall ist und diese ganz Großen im Reiche der Naturforschung, die sonder Zweifel tiefere Blicke in das Reich der Natur getan haben, als diese naturwissenschaftlichen Säuglinge, die in der Freidenkerei das große Wort führen, als Manner tiefgläubiger Weltanschauung sich erweisen, dann ist dieses jenensische Dogma der Traum eines Fre
es handelte sich nur darum, diejenigen zu wählen, welche am beiten mit seinem Sommeranzug aus nahezu weißem Lawn-Tennisstoff harmonierte. Am Ende entschied er sich für eine türkisch gemusterte, die gab ihm so einen Stich ins Künstlerische. Dazu den leichten Weißen Filzhut auf das tadellos gescheffelte Haupt gestülpt und — der vollkommene Gentleman war fertig.
Befriedigt seinem Spiegelbild zunickend, verließ er seelenvergnügt sein Zimmer.
Unten im Flur begegnete er der hübschen blonden Frau des Hoteliers- „Wohl nicht viele Gäste, wie es scheint?" fragte er.
„O doch, die Zimmer sind sämtlich besetzt", erwiderte die junge Frau.
„Aber warum sieht man denn niemand?"
„Nun, die Herrschaften sind eben alle ausgegangen zu dieser Stunde. Tas schöne Wetter —"
„G-chh reckt, ganz recht! Das schöne Wetter — natürlich! Aber alle sind sie ausgegangen? Alle?"
„Ja — so genau —"
„Natürlich -" fiel er ein — „so genau kann man das nicht wissen. Aber abends zum Essen — dann werden sie doch wiederkommen, zumal, wenn es alleinreisende Damen sind? Nicht wahr?"
D'e Hoi'liersgattiu sah ihn so erstaunt an, daß er sich doch scheute — wie es eigentlich seine Absicht gewesen war — nähere Fragen bezüglich seiner schönen Reisegefährtin und mutmaßlichen Hausgenossin zu tun. „Apropos —" sagte er rasch — „wann wird zu Abend gespeist?"
„Ja. da am Abend nur ä la carte gegessen wird, gibt es dafür keine bestimmte Speisestunde", lautete die Antwort.
„So, so! natürlich!" Er zog den Hut und trat auf die Straße hinaus. Jetzt war die Uhr bald fünf und vor siebeneinhalb dürfte seine Angebetete schwerlich im Speisesaal erscheinen, folglich blieben ihm reichliche zwei Stunden, um herum,udummelu. Wo wendete er wohl am besten sein: Schritte hin?
Ei» Hereinfatt.
Humoreske von Marg. Kossak.
Da war er nun in der alten Hansestadt Lübeck, hatte sich im Pahnhofshotel am Holstentor, weil das dem Bahnhof zunächst lag, ein Zimmer genommen und wollte bann gleich — ja was eigentlich? sNa zunächst auf die Straß: hinaus — das Weitere würde sich ja finden. Das heißt, vorher mußte er stoch den Reisestaub abwaschen und überhaupt seinen äußeren Menschen in die gewohnte tadellos revrä- sentable Verfassung bringen. Denn das war unumgänglich notwendig, da man nie wissen konnte, wem man begegnen würde. Herr Reinhold Behrens kannte zwar niemand hier am Ort, aber das war nur ein Grund mehr, recht vornehm zu erscheinen, denn daheim in feiner pofen sch en Heimatsstadt, da wußte ohnedies jedermann, daß er der Sohn und Erbe vom reichen Herrn Fabrikbesitzer Behrens war, der „schöne Reinhold", wie alle ihn nannten. Notabene, unter „allen" verstand er eigentlich nur den zarteren Teil der Menschheit, jenen, von 'dem man zu sagen pflegt, daß er langes Haar und kurze Gedanken hat, denn der andere, der seiner Gefchlechts- genossen, interessierte ihn ungleich weniger, zumal wtzt, da er noch di: letzte Zeit seiner goldenen Frei- ststt so recht gemeßen wollte. Später, wenn er im Ehejoch war, dann —--hm, na ja!
Eigentlich em scheußlicher Gedanke von seinem •_eiTn Papa, ihn schon verheiraten zu wollen! „Der ^shage muß eine »erftänotge Frau bekommen", batte er W seiner Gattin gesagt. „Mit srchsund- zwauzrg Zehren :)t es höchste Zeit sür ibn, daß er - solid und gesetzt werd." Welch ein Widerspruch, °ls von einem Jungen zu sprechen und gleich,nttg der Anncht Raum zu neben daß 's im Hinblick auf fein Alter höchste Zeit für ihn wäre, gesetzt zu werden! Aber so sind die Väter — inkonsequent unb ohne Einsicht in Charakter und Neigung ihrer Linder! Tas letztere zeigte sich schon sonnenklar in der Wahl derzeitigen, welche sein Herr Papa ihm als Gefährtin in diesem irdischen Jammertal
berkranken.
Es ist ein fürchterliches Totengericht, das über------- -------- ,
diese Freidenkerphrase von der Unvereinbarkeit von ' wins so viele in ihren Bann schlug und wenn er
—s rrr„;n„„t„w itt ' damals sagte: meine Zeit wird kommen, so hat er
raten, sie möchten „doch auch hn leidenschaftliches' Kampfe auf Mittel verzichten, die eine schlanke Begriffs- und Geschichtsfälschung sind".
Man wird ht den Artikeln dieses kühnen „Volks- Missionars", dem es die reine Liebe zur Logik angetan haben will, schwerwiegende Gründe für feine Ansicht erwarten dürfen. Hören wir:
1) Die Missionen stammen aus den Klöstern. Antwort: Tas Schießpulver angeblich auch;
also ist das Schießen eine spezifische Ordenstätigkeit. Die heutige Krankenpflege auch; also ist die Krankenpflege eine spezifische Ordenstätigkeit. Und das moderne Rechnen stammt aus Arabien; also ist das Rechnen etwas arabisches usw.
2) Jeder Missionsorden hat eine ganz bestimmte Missivnsmethode.
Antwort: Mein Vater hatte eine ganz bestimmte Erziehungsmethode; also ist die Erziehung eine ganz spezifische Tätigkeit meines Vaters und andere sollen das Erziehen bleiben lassen. Wa.e schade, wenn große Organisationen sich nidjt ebeU|O ihre Eigenart wahrten, wie große Persönlichkeiten.
3) Die Weltgeistlichen wollen von Missionen nichts wissen; man hat aber keinen Wider- willen gegen die eigene Berufsarbeit.
Antwort: Diese Behauptung tft eine Unwahrheit. Weshalb laden die Wettgeistlichen denn die Missionare ein und danken ihnen für ihre schwere Arbeit? Nach den Artikeln der „Kölnischen Zeitung sollte man fast annehmen, daß unsere Pfarrer eines guten Tages von irgend einem unbekannten Provm- -ial wider alles Erwarten die lakonische Mitteilung erhalten: „Am fo und sockelten kommen Patres, um Mission zu halten. Während dieser Zen haben Sie nichts zu sagen." Dem Pfarrer bricht der kalte Schweiß aus, aber er fügt sich der „fremden Macht, dem feindlichen Faktor". — Was. macht s übrigen», wenn dieser oder jener Weltgeistliche für eine Mission nichts übrig hat! Mancher - J-1 Men den Unterricht in diesem oder jenem Fach ebenfalls Widerwillen und dieser Unterricht gehört doch zum Berufe.
4) Tie Ordensleute sind in der Mission ganz selbständig. „ .
Antwor t: Weshalb beraten sie sich denn vorher mit dem Seelsorger? weshalb nehmen sie iyre Wünsche entgegen? Ordens lenke sind übrigens akademisch gebildete Leute, denen man em etge- n e S Urteil über die beste Art zu missionieren wohl zntrauen darf. Jeden gebildeten Menschen laßt man möglichst selbständig arbeiten, zumal wenn man feinen Rechtstitel hat, diese ^rbett von ihm zu verlangen. Wenn Wettpriester hielten, würden auch diese sich in ihrer Meth^e ihre Selbständigkeit wahren. Und liberale _ Ressort- R'dakieure werden auch nicht den Willenwien Hank- pelmann in der Hand des Herrn Chef zu spiele« bereit sein. „ „
Das sind die wichtigen Grunde, die den „Bolts- missionar" gezwungen haben, gegen die AnsiA aller deutschen Bischöfe und ihre „grobe Geschlchis al- schung" anzugehen. Stolz meint sogar die „Kölnisch. Rcihmq" in einem anderen gegen die deutsch:« Bischöfe polemisierenden Artikel: Dieter Einwand — di: Jesuitenmissionen seien eine Seesi sorgetätigkeff, keine spezifische Ordenstatigkeit —'st in unserer heutigen Mittagsausgabe von fächln diger Seite so zerpflückt worden, daß er nunmehr als gänzlich abgetan gelten kaum, Abgetan? Meinetwegen für die „Kölnische Zeitung t für andere denkende Menschen nicht.
Bekanntlich haben die deutschen Ordensoberen diesen „Volksmissionar" recht deutlich abgeschutwlt. Sie durften das, denn der Artikel der K. ^stg. s enthielt eine solche Menge von logischen Schnitzelt । und falschen und gehässigen Behauptungen, daß fiel Wohl berechtigt waren, dagegen „entschieden zu Protestieren"; fie mufften es auch, wenn man nicht schließlich vermuten sollte, ein größerer Teil von Missionaren urteile ebenso. Dabei waren Oie Provinziale Wohl am ehesten berufen, über den Charakter der Missionstätigkeit ein sach- männisches Urteil abzugeben. Dieses klare U teil hat in den Augen unparteiischer Leser auf leben Fall mehr Autorität, als der anonyme „Volksmissionar" der „Kölnischen Zeitung", dessen Gründe Phrasen und Uebertreibungen sind und dessen persönliche Autorität gegen diejenige aller deutschen Bischöfe und Ordensoberen höchstens dann
Zeitkäufen nur ein großes Gesetz: jeden Fußbreit Boden L-- ~™—r---- - - > f
müssen sie aus eigener Kraft erobern und sich erhalten; I ankampst; er geht so Weit, diesen Instanzen zu