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ÄÄ. wochMM§e:^llustrierte5onntagrzettung'

39. Jahrffang

Fulda, Donnerstag den 24. Oktober 1912

Erstes Blatt.

jVä 245.

Kans! stattgefunden, überall foN«n die Bul- zunehmen.

die

Ein griechischer Erfolg.

* Achen, 23. Ott. 1912. Der Kronprinz,

n «zizia («ach bet Militärzug entgieist

I

heute früh aus dem Hauptquartier telegraphisch ge> meldet, daß der Feind in Stärke von 22 Bataillonen und 6 Batterien besiegt und zum Rückzug aus S e r f i d j e gezwungen wurde. Es ist Befehl zu einer allgemeinen Verfolgung gegeben worden.

«cheint »Agttch mtt Mlznahm« der S«.m» «ab Heiertag«. viertel- Meltche-veumchtretr »hur «rtnattloNn und tzestellael«m5«l»afo» Wi t au<*lr ts L56 Rk.

Vtrentw «edatteun CAtl

chreibrn gerichtet, in dem ste die Balmverwal au,fordert, das Personal der Militärzüge zu wache«.

Preußischer Landtag

Adgeerdnetenliaus.

Sitzung »en 23. Oktober 1912.

im Gange.

W Konstantinopel, 23. Ott. 1912. fMitter» nacht. Amtlich.) Die türkischen Streit- k raste an der Maritza. welche zum Angrtf f übergegangen sind, trafen heute gegen Mittag östlich vom Fluss« T u n d j a aus starke bulgarische Abte,, hingen. Die Türken ginge» zum Angriff vor und es entwickelte sich eine heftige Schlacht, die für di« türkische Armee einen günstigen Ver» lauf nimmt. — Die türkischen Streitkräfte im Westen stießen vor K a l i s n o m e ebenfalls aufi bulgarische Truppen und wurden mit ihnen in ein Gefecht verwickelt, das noch andauert. Bulga­rische Banden operierten in der Kasa Djumai- bala in der Röhe des Defilees von Kresna und griffen die dortigen türkischen Soldaten an. Die Türken antworteten mit einem heftigen Angriff und vernichteten die Band e fast voll ft än- d i g. Tie Bande hatte alle umliegenden Dörfev in Brand gesetzt.

W Konstantinopel, 23. Ott. 1912. In der letz­ten Schlacht standen auf bulgarischer Seite 30 000 Mann. Der Kampf wurde mit furchtbarer Erbitterung geführt. Die bulgarischen K o l o n n e n f l o h : n in der Richtung von Dtcher- me auf Karagatsch. Die Türken machten zahl- reiche Gefangene. Sie eroberten ferner 4 Feldgeschütze und 7 Schncllfcuerkanonen. Gegen abend waren dir bulgarischen Strettkräfte aus dem türkischen Territorium ver- drängt, während die Türken bei Marakesch in Bulgarien eindrachen.

W Wien, 23. Okt. 1912. Blättermeldungen, die aus Konstantinopel hier eingettoffen sind, bestä- tigen die Ri rderlage der Bulgaren bei Adrianopel. Die Verluste der Bulgaren sollen nach einer Meldung über 10 000 Tote und Verwundete betragen. Außerdem sollen sie viele Geschütze verloren haben und viele Bulgaren in Ge­fangenschaft geraten sein.

W Saloniki, 23. Oft. 1912. Bon zuständiger Stelle wird versichert, daß b u l g a r i s ch e und t ü r- kische Truppenteile auch im Struma­tale auseinander gestoßen sind. Der Kampf nimmt immer größere Dimensionen an. Immer mehr Truppen greifen ein. Die Türken haben den V o r- stotz der Bulgaren zum Stillstand ge­bracht.

Auf diese türkischen Siegesmeldungen hin sieht sich die bulgarische Regierung veranlaßt, schleunigst einen Kriegsbericht zu veröffentlichen, der den Ein­druck der tiirkischen Sicgesdcpeschen verwischen soll. Alle türkischen Erfolge werden geleugnet und im übrigen viel Nebensächliches berichtet. Die ganze Abfassung dieser Depesche klingt höchst verdächtig.

W Sofia, 23. Ott. 1912. Auf allen Gebieten sind erbitterte Kämpfe im Gange. Ueberall wurden die Türken aus ihren Stellungen ver­trieben. Im Gebiete von Razlog marschieren die Truppen in südlicher Richtung. Bor Adrianopel hat die bulgarische Armee die Arda erreicht. Die Türkenslohen in Unordnung und Panik unter Zurücklassung von 100 Toten und 160 Gefangenen. Die bulgarischen Berluste sind nicht bedeu­tend. Aus der nordöstlichen Snte der Befesti- gungslinie von Adrianopel wurden einige vorge- schobene Punkte besetzt. Nach einem überaus hef­tigen Kampfe wurde der Feind geschlagen und trat die Flucht gegen die Fe st ung zu an. Eine große Anzahl von Toten und Verwun­deten, die noch nicht gezählt werden konnten, blieben auf dem Schlachtfelde zurück. Wahrend des Kamp­fes eröffneten die türkisch:n Batterien von dem Rordostforts aus ein Feuer, das jedoch -ergebnislos blieb.

' z u n e h m e n. Auch die 3. Armee hat erfolgreich fü1

* , r . , • f operiert. Sie besetzte Sttacin, das zwischen Ku» sind !

garen geschlagen worden s«n. monow und Egri Palanka gelegen ist und marschierte wenn

* Frankfurt a. M-, 23. Ott. 1912. Der Frank- QUj $at0to0( östlich von Kumonowo, wo sich um russisl

Da» deutsche Hott Kreuz. Nachdem Oesterreichs England und Rußland bereits di« Entsendung w« Abteilungen de» Roten Kreuze» zum BalkankrieM ichauplatze eingeleitet haben, hat nunmehr auch daN Zentralkomitee der beutidjen Vereine vom Stotw «eui befchlosfen, je eine Expedition nach bet XftmU nach Griechenland «nd «ach BulgarigK zn schicke».. Außerdem wird bet Deutsch« WohlfahrtSverei»! Deutsche» Krankenhaus) in Konstanttno^l, sowrtti leine Einrichtungen und bte von bem Kats« z« Beifügung gestellten Räume bet deutschen Botschaft >u»re chen, Verwundeten und Kranken Ausnahme Mae und ärztliche Behandlung gewähren. Dm st» aie Durchführung der HtlsSattion erforderlichen em eblichen L'üttel erscheinen durch ansehnlich« tftt» oenbungen bereits gesichert; eine öffentliche Samin» ung ift nicht beabsichtigt.

♦ Solingen, 23. Okt. 1912. Mehrere Soling« Waffe, satrtken sind mit der Herstellung von Seite»»! qewehren und Degen für di« serbische Arme^ beschäftigt. Alle Waffen werden haarscharf gefchuffe» geliefert. Die Türkei bestellte große Dolche, auch Bulgarien erteilte Aufträge. __>

♦ Belgrad, 23. Ott. 1912. D,« h«fige,Trtbmm^i w'll au» Petersburg erfahren habe», daß Rußlanvi einen Teil seiner Echwarzenmeer-Flott« an Bulgari«» o erkauft habe. _ _ i

W. Konstantinopel. 28. Ott 1912. Der tultan soll von hier nach Smyrna gebrach» werden. ______ _ _ j

Nach längerer Debatte, in der sich bte Redner tm wesentlichen mit den En,wärt en einverstanden ttuaveti, werden die Sntroätft einer Kommission von sl Mtt» aliebetn überwiesen. ,,

IS« liegt die erste Beratung bei Griehcntwurfs betreffend die Abinderung »er rheinischen gufemmen- lkgung»- «nb Gcmeinbeit-teilungSgesetz«.

LanOwirlschafiOmmister Freihrrr von Schvrlemer begründet d,e Vorlage. Die sranMsch« SeseAgebung und die Ervtellung hätlen erheblich dazu beigetragen, den Stundbentz tn der Rheinprovinz zu zersplutern, sodaß eine gute Bewirtschaftung kaum noch durchführ­bar ist. Diefern Uebelltande foU durch weiiergehende Zusammenlegung abgehoifen werben.

Abg. Klocke i3.i erklärt die Bereitwilligkeit feiner Freunde, an einem «uSdan der rheinischen Zulainrnen- tegungsgefetzgebung mitjuarbeiten. Der (Snirourf ent« halle aber ernt Reid« von Bestimmungen, gegen die [eine Freunde zum Teil Bedenken haben. Die Kosten würden hoch jein und besonders den kleinen Besitzer schwer belasten. Die tHeg erung habe ja Unte Nützungen tn Aussicht gestellt uno fie mSge bannt nicht allzu spar­sam umgehen. Schließlich wendet sich Redner gegen die zur Abwendung der Hochwaffergefahren von der Regierung vorgefchlageue Aufforstung und gibt der Regierung anheim, ob zu diesem Zwecke nicht die Ein­lage von Wiefen und Weiden vorzuziehen fei.

Abg. Glatze! (natl.): «ei den durchgreifenden Maßnahmen bei der Zusammenlegung müssen die de- rechliqten prioaien Jnteiesien geschützt roeioen.

Abg. Weißermel (ionf.): Die vorqeschlagenen Mittel zur Beiärnpfung der Hochwassergefahr lSnnen wir nur billigen.

Die Vortage wird einet Kommission von 21 Mit­gliedern überwiesen.

ES fc'gt bte erste Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Dienftverhälmiffe der Beamten bet AmtS- anwaltschafl.

Nachdem Justizminister Bescler die Vorlage be gründet bat uno sich dir Redner der einzelnen Parteien tm wesentlichen mit der Vortage einverstanden erklärl habe», geht sie an die Juft"kommisston.

Es folgen Petitionen. U. a. > ordern ff« Erhöhung der Mlndeiidauer des Studlum» behüt» Ablegung der Prüfung für da» Lehramt an höhereu Schulen.

Adg. Dr. Brcbt (sreikonO: Die Petenten verlangen daß von den Kandidaten des höheren Lehramtes der Nachweis einer MrnbeststubienzeU von 8 Semestern gefordert wird. Die Beuimmung, daß das Studium nur 6 Semester bauern soll, ueht tatsächlich nur a i dem Papier und führt zur Irreführung Oer öffentlichen Meinung. Ich bitte die Pef on jur E-wägung zu überw.ifkn.

Abg. Dr. Krüger (Vollsp.i tritt dem Anträge Bredi entgegen. Man soll den ärmeren und befähigteren jungen Leuten bte Möglichleit lassen, ihr Examen schon nach 6 eemeftern ju machen.

Abg. Dr. Dittrtch (Ztr.): Wenn wir auch die 6 Seuiefterzeit deidrhalten, so ist e« durchaus keim Schande, wenn einer 8 Semetter studieren will. Auc dteier Rücksicht läßt sich lein Omho gegen die Be - bebaltung des jetzigen Status hetleilen. Nun gibt e- aber viele Studenten, die nicht die Mutei haben, 4 Iahte lang zu ftubieren, sich daher schon tn fleißigem Studium ut 6 Semestern da» für das Examen nötigt Wissen aneignen. Solchen jungen Leuten bürten nm nicht ein vierjähriges StuSium aufirlegen. Ich btiti daher, über die Peutiouen zur TageLordnung ubei zu­gehen.

Da» Hans beschließt demgemäß und geht über die Anträge zur Taaesordnung Stier.

Etliche Petitionen bett, die AnstellungS« und Seha^soerhätiniffe der Katasterzerchner werde den Beichlüffen der Kommission entsprechend e.Ieotgt

Freitag: Wahl bc8 Präsidenten und Fleisch- teuerungsinterpellatton.

Großer Sieg der Türke»u

Furchtbar« Berluste der Bulgare«.

Tie Konstantinopeler Blätter berichten einmütig von einem großen entscheidenden Siege bei Adrianopel. Außer dem Hauptkampf. der mit großer Erbitterung von 30 000 Bulgaren gegen eine türkische Uebermacht gesührt wurde, ist gleich- leitig an mehreren anderen Stellen gekämpft wor- ben. Ueberall sollen die Türken siegreich gewesen sein und die Bulgaren mit schweren Verlusten zum • Rückzug gezwungen haben. Die einzige amtliche Meldung, die bis jetzt vorliegt, bestätigt den Be­ginn der Schlacht, weiß aber noch nichts von dem Ausgang.

* Konstantinopel, 23. Ott. 1912. Die türkischen Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Adria- » o p e l mit Einzelheiten über den heute nacht amt­lich gemeldeten Kampf zwischen den Flüssen Turdja und Maritza. Der Kampf soll bei Mar- rasch, 6 Kilometer westlich von Adrianopel statt- gcfiuiucn und Stunden gedauert haben. Die bul­garischen Streitkräfte beliefen sich auf 30 000 Mann. DieBulgaren sollen in der Richtung auf Kara- Aga unter Zurücklassung von Tausen­den von Toten geflüchtet fein. — Die Blatter melden weiter einen Sieg der Türken bei lk a n d i k o j, 25 Kilometer nordwestlich von Adria- uopcl. Die Türken erbeuteten 11 Kanonen und machten einen bulgartschen Major und mehrere Soldaten zu Gefangenen. Weitere Kämpfe haben bet Kireffchdichi, fraStoi Isvinlr Tchfiali und

Die bevorstehende Seeschlacht.

Nachdem es den Türken gelungen zu sein scheint, durch Vernichtung der wenigen bulgarischen Schisse ich Rückdeckung im Schwarzen Meer zu schassen, ,at die türkische Admiralität beschloffen, gegen die griechische Flotte, die die Insel LemnoS be- setzt hält, vorzugehen. Wenn der griechische Panzer- kreuzer „Georgias Aveross" den Kamps annimmt, dürfte es bald zu einer Seeschlacht kommen. Weicht er aus, so können die Türken mit ihrer Flotte den Seeweg nach Mazedonien und Konstantinopel zur Nachsendung von Truppen decken.

* Paris, 23. Okt. 1912. Hier emgelaufene Mel­dungen besagen, daß die türkische Schwarze-Meer- Flotle Weisung erhalten hat, unverzüglich nach d e m Aegäischen Meer abzudampfen. Ste w,rd sich mit den in den Dardanellen befindlichen zwei Panzerschiffen und mehreren Torpedobootszerstörern vereinigen, um der griechischen Flotte eine Schlacht zu liefern. Im Schwarzen Meer bleiben nur einige Torpedobootszerstörer, um die Blockade der bulgari­schen Küste aufrecht zu erhalten.

Tie Monttnegriuer

begannen nach ihren eigenen Me düngen bi« Be« ichießung der Befestigungen des Beroes Taraboscd an, Skutarisee, die sie jchon vor 8 Tagen genommen hoben wollten, sonne unter den, Befehl des Kron- prmzen Danilo den Vormarsch auf Skutari. Den wetteren Vorstoß über Tust gegen Skutari haben sie aufgegeben. Es mag dabei mitgefpielt hader- t>,e Erkenntnis, da« dieser Vorstoß durch ungünstige Gelänve hätte weuergeiührt werden müssen, butd bte Sumpfraine des Skutarisees, mehr aber roobi noch die Tatlache, daß die Malifforen sich auf fid lelblt unb die Sicherung ihrer politischen Zükvnl beba kt und für die weitere Unterstützung Montene­gros Bedingungen gestellt haben, d e diesem recdi ungelegen gekommen jein mögen, da sie den Verzichi Montenegro» auf politische Ausdehnung »ach dem Albaniergebiet hm bedeuten.

Der Balttmbnud.

Herr Sasonow, der russische Minister des Aeu- ßeru, der kürzlich in Paris war, erzählte dort einer.; Mitarbeiter des „Figaro", daß Rußland von den Büudnisabsichteu und Verhandlungen der vier Balkaustaateu ,'eenntnis gehabt und iie ge­billigt hat. Rußland habe, so sagt er weiter, die vier Staaten in ihren Bemühungen, ihre Gegen

Deutscher Reich.

r Berlin, 23. Ott. 1912. Ein Polizeihund»! kougreß der deutschen Bundesstaaten soll ans Einladung der Pieußischen Regierung im T ejembet m Berlin stattfinden. ES hanbtU sich dabei um eine möglichst einheitliche Organisation der Krrmmal» polizei. Außerdem dürste auch die Zigeuner« trage mit zu den Materien gehören, die aus dem Kongreß zu ei örtern sind.

+ Aus bem preußischen Abgeorvnetenhause. D«: Arbntsplan des Abgeordnerenvaufes ist, wie wir kören, für die nächste Zeil wie folgt festgesetzt: D« Donnerstag bleibt sitzungssrei, damtt den Frattwne«! Gelegenheit gegeben ist, zu dem vorhandenen gejetz» geberiichen Riaterial unb der Teuerung sinter»! pellotion Stellung zu nehmen. Diese letzter»! wird am Freitag zur Verhandlung gelangen. Ä» wir bereits nutletlten, wird Mintsterpläsident o. Beihmann-Hollweg persönlich die Jnterpellalio« beantworten. Vom Zentrum werden vorausstchttich ipiedjen die Abgg Herold und Gieeberts. Verkandlungen über bie Interpellation dürsten vor» aussichiltch mehrere Tage in Anspruch uehme«. Am Freitag soll auch die Präsidentenwahl statt» finden. In dcn Tagen vom nächsten Montag tof Donnerstag sollen v. handelt werden die polmt^ Interpellation wegen Anwendung der EnteiznungS» dejugnis, die zweite Lesung des Sparka'sengefetze^ d'e erste Lesung des Schleppmonopolgesetzes und wo­möglich auch die dritte Le, ung des Spartassentzesetze^

f'ammeuftoß der Militärzüge aus deri Sot« -myrna-Aidin bei bet Station Azizia (nach bei ,A,heren Meldung sollte ein Militärzug entgleist and eine mehrere Meter boh« Ramp« hintergeftnrz» icin) wurde durch den Bruch einet Kuppelung ver» urfacht. Die Lokomotive blieb im Tunnel stehe^ währenb der Zug bi» zum Bahnhof von Azizi« binunteitollte, wo et bann mit einem onbetc» M Fahrt begriffenen Militärzug zusammenstieß. Di« Regierung, die einen böswillige» Anschlag »w mutet, hat an alle Eisenbahngesellfchasten ein Äunw

sätzlickkeiten auszugleichen, nicht entmutigen kennen, aber ist es Rußland Schuld, fragte er, daß diese Kleinstaaten, sobald sie ihre Zwistigkeiten beglichen hatten, sich einer Angrisfspolitik zuwandten, die von Rußland niemals und in keiner Weise ermu­tigt worden ist? Wirklich, wie soll ein Diplomat vor­aussehen, daß es brennen kann, wenn er mit dem Feuer spielt? Daß Balkanbund und Balkanbrand ein und dasselbe werden müßten, war denen, die den Bund unter Rußlands Schutz schloflen, von vorn­herein klar. Tenn was soll denn sonst Ziel und Zweck der Vereinbarung sein?

Ein Baltanbund hätte es werden sollen mit Ein- schluß der Türkei unter Führung Rußlands mit her Spitze gegen Oesterreich-Ungarn. Wa- schlicßlich herausgekommen ist, geht nicht mehr offen­kundig unter Rußlands Führung und richtet sich nicht gegen Oesterreich-Ungarn, sondern gegen die T ü r - fei. Für Rußland ist bei der Geschichte noch nicht« abgefallen. Nicht einmal die Genehmigung hat es durchsetzen können, mit seiner Flotte, die im Schwär- jen Meere eingeschlosien sitzt, das Tor der Dardanel- len zu passieren. Nicht einmal diese Provision ist ihm zugefallen. Herr Tscharykow, kaiserlich russischer Botschafter in Kotzstantinopel, hatte es schlau einzu- fädeln gesucht, daß die von ihm umschmeichelten Iungtürken ihm daS Zugeständnis der Dardanellen- Durchfahrt machen. Tie Iungtürken dachten sich, als sie gar so viel vom Balkanbund hörten, diesen Bund auf ihre Art. Auch ihnen Hang die Parole. „Der Balkan für die Balkanvölker!" Also ein Bal- fanbunb mit türkischer Führung! TaS ließ sich hören. Aber weshalb dann gerade den Ruffen ein so schwer, wieaendes Geständnis gewähren? Sie hüllten sich in diplomatisches Schweigen und wiesen Herrn Ssa- sononw an — England. Tort zeigte es sich aber bald, daß der russische Wunsch unerfüllbar war, ob­wohl vor der bosnischen Annexion der österreichisch- ungarische Minister des Aeußern Graf Aehrenthal dem Herrn Iswolski mitgdcilt hatte, daß Oester- reich-Ungarn scinerfetts den Ruffen in der Tarda-, nellenfrage keine Schwierigkeiten machen werde. Herr Tsckarykow, der nur als Vorhut in die vorderste Reihe gestellt worden war, wurde daraufhin unter allen äußeren Zeichen der Ungnade vom Goldenen Horn abberufen. Damft erhielt England eine Ge­nugtuung, und die Turdanellenfrage verschwand von der Tagesordnung.

Rußland hat sich um seine Balkanbrüderchen be­müht, ohne den geringsten Lohn dafür einzuheimsen. Im Gegertteill DaS russische Blut, das 1877/78 Ptt die Befreiung Bulgariens gefloffen ist, hat sich

nr Rußland nicht bezahlt gemacht. O ja, banlba«i sind die Balkanslawen schon, aber just nut batnt,i tut,ui sie wa, brauchen. Run find fie auch von de» russischen Balkanbundplänen abgefchwentt und chr« eigenen Wege gegangen. Segen ben Willen Ruß­land« und gegen Rußlands ^"Essicht^das nicht n- kannte, daß Balkanbund unb Balkanbrand ncchez«

ist. . ~

I * Belgrad, 23, Ott. 1912. Nach emer Meldung de« Kreispräfetten von Raschka soll eine östlich von ! Novibazar befindliche befeftigte türkische Po- treten yaocn. xj«. ,----u- u sition Gfitrgdteve-Stubovt von serbischen Truppe« et-

Die Schlacht begann mittags. Oestlich vom Flusse stürmt worden sein.

Tundja sand der äußerst erbitterte Ein griechischer Erfolg.

Zufammenstoß statt. Gleichzettig wurde West- * Athen, 23. Ott. 1912. Der Kronprinz, lich bei Kalimandja ein heftiger Borfwß gegen die Oberbefehlshaber der griechischen Truppen, hat Bulgaren unternommen. Hier ift bie Schlacht noch — — — — —------- -

W Sofia, 23. Ott. 1912. Der in das serbisch- bulgarische Hauptquartier entsandte Kriegsbericht­erstatter der „Preß-Zenttale" meldet übet den Kamps bei Kirkilisse: Die Bulgaren haben mit u n - geheurer Todesverachtung die türkischen Außenwerke zu stürmen versucht. Unter den Klan- gen des Slivinitzamarsches ging ein bulgarisches In- fanteneregiment nach dem andern mit gefäll­tem Bajon ett zum Sturm auf die Hügelkette vor, die Kirliliffe im Norden vorgelagert ift. Nach fhmbenlangem Ringen gelang es ben bulgarischen Sturmkolonnen unter ungeheuren Ver­lusten aus dem Kamm der Hügelkette sesten Fuß zu fassen. Der Besitz dieser Hügelkette sichett den bulgarischen Anrnarfch von Norden unb das Hinzu- ziehe« großer Truppenmass:n gegen die türkischen Stellungen. Die Bulgaren geben selbst zu, daß ihre Verluste sehr bedeutend sind. 2000 Tote und 5000 Verwundete sollen das Schlachtseld bedeckt haben. Auch die im Tale der Maritza vordringen­den Bulgaren sollen bisher außerordentlich starke Verluste erlitten haben. König Ferdinand ist in der vergangenen Nacht bis in die Feuerlinie vorgedrungen und wurde überall von den Truppen mit Hochrufen empfangen.

Vom serbisch-türkisch«« Kriegsschauplatz.

* Belgrad, 23. Ott. 1912. Hier eingetroffenen amtlichen Meldungen gufolge ift es der 2. Armee bei P r i f ch t i n a gelungen, btt türkischen Trup- b$nunb.bie

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monatebdiaa«: „Zllldaer Seschichkblätter'- "LSL"?

dasselbe ist. I

Eben werben über bie Entstehung be» Balkan*! bunbe« noch inlereffante Einzelheiten bekannt. Dr« Konstantinopeler Korresponbent bet ,Franks. Ztg. teilt in einem Brief« darüber folgendes mit:

In bett edlen September tagen biefe» Jahre» kam, unter der Aegtd« b«8 ntfstscheu Botfchafter» Part»! JrwilSki in bet fran-Sstjch« Hauptstadt der BaUm- benb zustande. Vor drei Jahren hatte bet ehemalig« «ebtlfe JSwolSktS tm Petersburger Auswärltg« Amt, der nachbertge russische Botschafter Tscharykow, feine Tätigkeit am QolDentn Horn damit etnßelett»t daß et sür ei«» Balkanbund mit bet Türk«» Stimmuafl mach;«. Di« Annexion BoSnienS unb be» Herzegowina durch Oefterreich-Ungarn lttfett« dafür d«! Nährboden. JSwolSki sucht« die auflodetnde Sttrnmnng der Türkei gegen Oesterreich praktisch ju D«ireeTte*.; Seinen Gegner, den Grase« Athrentbal, au» d»M Sattel ,u beben, ging ihm übet alle». Eern gesügig^ Werkreug Tscharykow macht« d«i Iungtürken, »M den Zweck z- erreichen, tn ein« ®«f« ben Hof. «C last wie Untetwüifigkett auSsah und bei ben anb«m Diplomaten bie schärfst« KrUi! berauSsorberte. T« Verhandlungen tarnen später auf eta tote« GletS- Trotz- bim erreicht« Tscharykow durch die Unerfahrenbdt d« Jungtürken, denen sein« «nkgegenkormnende Art f«W schmeichelte, viele schwerwiegend« vorteUtu M« sütmlicher Freude wurde Serbien bi« Waffetv unb MunuionSeinfuhr aus bem Weg« übet Ealont» »^ UcSküd gestattet. Die !nr,sichtigen tütkischen Po"ük«.! ganz gesangen in ihrem Etamdulirmu«, glaubten, ba»! e« Waffen seien, bi« sich 8«g«n Oesterretch-Ungatn krht«^ würden. Aus dem Seeweg« gewährte man auch B nb

würden, tarn der «ioit« nicht. Erst mit d« vsrjäbrigc» AuftoUung der Dardanellenstag« trat l-ngfasA eine ernüchterte Stimmung ein. Sonderbar M, dob a» ikitvften für Die BerwirUichung d«, »all£rnbunbt» beT griechisch, Ministerpräsident Brnifelo» tätig wo«. !

. qut gemeinsamen Beratung werden gestellt (SeseNe betreffeno Gründung von Zwang»verbänben

Regulierung der Rava m Oberschlesien und der Borflutverhältniff« un ItukSrheinische« Industriegebiet.

LandwiitschastSrnmifler Fretbrrr von Schorlemer erklärt, in beiden Gebieten, sowohl am Rhein, wie in Oberschlesien, habe di« Regierung angesicht» der Ent­wicklung der lokalen Berhältniffe die Pflicht, gegen öte Mißstände rechtzeitig vorjugehen, unter denen nicht nur di« Jndusttte, sond«n noch weit mesr dir Landwirt-

furtcT Zeitung gehen Depeschen au« Konstantinopel n fivischen Serben und Türken ein h es t i g e r von gestern abend zu, wonach die Bulgaren mit Kampf entfpann, besten Ausgang noch unbekcumt eurem Verlust von gegen 3000 Toten bei Kirkiliffe zurückgeschlage» worden sind und den Rückzug gegen die Grenze ange- treten haben. Die Türken folgten auf dem Fuß«.