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Beta tton Ora< N. Verlag der FuldaM Aetirndinckerel l-ZultM gcrnfprcd}« Ur. *

Fulda, Mittwoch den 23. Oktober 1912.

Erstes Blatt

JV» '244.

diese in der Zwischenzeit auf ihre praktische Anwend­barkeit und ihren Nutzen geprüft worden. Ihre Ergebnisse sollen nunmehr, Berliner Blättern zu« folge, zur Erörterung gelangen. Es ist zu erwarten, daß weitere Erleichterungen einheitlich für das ge­samte Reich geregelt werden. Ein reichgesetzliches

- Zur rheinischen Wtn,ernst hat das Zentrum folgende Interpellation im Abgeordnetenhaus ein«

denen über 6000 in Montenegro kriegsgefangen seien.

Die Aktion Griechenlands.

* Athen, 22. Okt. 1912. Aus Kreta trafen heute aus einem griechischen Handelsschiff wettere tausend Freiwillige ein. Aus Lemnos besetzte das griechische Besatzungskorps in Stärke von 500 Mann heute ohne Verluste die Hauptstadt Kastro, nahm drei türkische Offiziere und 17 Soldaten gelangen und erklärte unter Hlffung der griechischen Flaage die Besitzergreifung der Insel.

* Konstantinopel, 22. Oft. 1912. Einem hiesigen Blatt zuso'ge ist ein griechischer Landungsversuch auf der Halbinsel Kassandra mißglückt.

W Konstantinopel, 22. Okt. 1912. Die Blätter melden folgende Kriegsnachricht, deren offizielle Bestätigung" aussteht: In dem Kampfe zwischen Diskata und Classona verloren dieGriechen 50^0 Mann.

W Athen, 22. Okt. 1912. Die griechische Flotte hat den Golf von Mudros lJnsel Lem- nos), den besten Hasen im ganzen ägäischen Meere, besetzt. Ter Golf bietet die beste Operationsbasis gegen die Dardanellen. ES ist unbekannt, was auS der türkischen Besatzung der Insel (120 Mann) ge­worden ist. lieber Lemnos wurde die Blokade ver­hängt. Nachdem griechnche Truppen gelandet sind, dürste die türkische Besatzung kapitulieren.

* Die beiden sei bischen Mordregimenter. Zwei serbische Regimenter, das sechste und das siebente, waren beteiligt an der Ermordung des König«, paares Alexander uno. Drago. Sie waren es, die in der Nacht mm 11. Ium 1903 den Belgrader Könipspalast umstellt hielten, während ihre Offi­ziere in Gemeinschaft mit Offizieren anderer Regi. mentet die blutige Arbeit im Innern des Palastes vollfüi,rten. Das sechste Regiment erlitt gleich zu Beginn deS jetzigen Feldzuges schwere Verluste in der" Nähe von Ristowatz. Bis zur Mordnacht von 1903 hatte das Regiment die E^re, den Namen deS Königs Karol von Rumänien zu tragen. Unmittel­bar danach legte er die Inhaberjchast nieder und widerrief die Ordensverleihungen, mit denen die O fiziere des Regiments von ihm bedactit worden waren. Noch schlimmer als dem sechsten Regiment bei R stowotz ist es dem siebenten Regiment an der Sandschakgrenze ergangen. Es ist jenes Regiment, von dem gestern gemeldet wurde, baB es durch das Auflieger! türkischer Minen nahezu vollständig ver­nichtet worken sei.

W Moskau, 22 Okt. 1912. Vor der Abreise des bulgarischen Generals Paprikow aus Peleis'urg land dort nach einem hiesigen Blatte eine Konferenz statt, an der mehrere serbiiche Politiler teilnahmen. Es wurde über die Finanzlage der christlichen Bal« tanfloaten konferiert und die Frage emer Anleihe in Rußland oder die Erschließung anderer Geld­quellen erörtert.

Preußischer Lanvtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom Dienstag, den 22. Oktober 1912.

Haus und Tribünen sind gut besetzt. Am Minister­isch Kommissare.

Brzepräfident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 itSmuten. Der Vizepräsident widmet zu­nächst dem Heimgegangenen Präsidenten des Hauses Fteihertn von Erfsa einen längeren Nachruf, in dem er u. a. sagt, er möchte aus seiner genauen Kenntnis der Sachlage bezeugen, das der Heimgegangene Präsi­dent mit tunlichster Gewiffenh,stigteil bemüht gewesen sei, den schweren Anforderungen seines Amles zu ent­sprechen. Dr. Porsch sührl an, daß eine große Anzahl Beiteidskundgebungen eingegangen ;»i, die er zu den Akten gegeben habe. Während der AuSiührungen des Bizepräsidenten haben sich die Mitglieder des Hauses von ihren Plätzen erhoben. Der Vizepräsident gebend sodann der weiteren verstorbenen Mitelieder des Hauses, deren Andenlen ebenfalls durch Erheben von den Mätze» geehrt wird.

Hin; Der Tagesordnung stehen zunächst Petitionen. Eine Reine von Peniionen wird ohne erhebliche Dis» kuffion erledigt. Mehrere Petitionen aus Gewährung des aktiven und passiven W a h l r e ch l s sür siadt- oder Gemeindevertretungen aus die Frauen bean­tragt tzre Kommission als Material zu überweisen. — Eine Petition des katholischen Frauenbundes in Köln um Zuziehung der Frauen zu den Schutkom- misstonen beantragt die Kommission zur Berück- stchtigung zu überwerten.

Abg. Hirsch (So j.) beantragt die Wahlpetitionen zur Berüctsichtigung zu überweisen.

Abg. Strosser (tont.): Wir wollen unter kernen Umständen, bas bte Frauen rn die polilische Arena treten. Ich beantrage, über bte Petitionen zur Tages­ordnung uderzugehen.

Abg. Schepp Fortichr. Volksp.): Die Frau wird durch ihre Erwerbstatigkeit in bte Oeffeuttichleit ge­drängt, habet muß sie auch Gelegenheit haben, sich "ffemlich zu betätigen.

Abg. Trimboru (Ztr.): lieber die wirlichiltspoli- lische Interessiertheit hinaus wirb die Frau mehr unb mehr in das öffentliche Leben hmeingezogen. Wir sehen, wie alle Parieien bentebt sind, die -tau poli­tisch aiiszatiären. Es ist auch gar keine Frage, daß heute schon die Frau wenigstens indirekt seht uart im öffentlichen Leben roirit. Die Petitionen, den Frauen das Stimmrecht in Den Gemeinden zu gewähren, scheinen mir doch zu weit zu gehen Ich bin auch überzeugt: wenn heute eine geheime Abstimmung, unter den deutschen Frauen veranstaltet würde, ob sie das aktive oder passive Wahlrecht in den Gemeinden haben wollen, die Mehrheit würbe sich ganz eulschieben d a» gegen ausiprechen. (Verfall.> Aus her anderen L-eue hat die Frau heute bereits genug Gelegenheit, sich nu öffentlichen Leben zu betätigen — ich verweise nur aus das sozralpotitiiche Gebiet. Das Frauenirlmmrecht von heute aut morgen ernzusühren, rann lein be ounener Staatsmann wagen. (Sehr richtig !j Dringend bitten Dir, die Petition des taiholischen Frauenbundes n Köln zur Berücksichtigung zu überweisen..

Abg. Haußmann (natl spricht sich im gleichen Sinne aus.

Bet her Abstimmung werden die Pelilionen betr. das Wahlrecht bet Frauen als Material übeumeien, während die Petition des katholischen Frauenbundes der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wird.

Eine Petition deS Miet er Vereins Danzig um Aufhebung bes Vorrechts der Hausbesitzer bei den Stadtverordnetenwahlen wird dem Ko.iimissions- antrag entsprechend durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Nachdem noch einige weitere Petitionen ohne erhebliche Debatte erledigt sind, vertagt sich das Haus.

Mutwoch: Kleinere Vorlagen.

3J. Jahrqano

In Mmkckß.

Der bulgarische Feldzug.

Der sonst so redselige. Trabt, der die Helden­taten jeder kleinen Truppe der staunenden Welt verkündet, schweigt über die Vorgänge im Opera­tionsgebiet von Ädrianopel und Kirkilisse, wo die Hauptarmecn dieses Krieges einander gegenüber­stehen. Eine große Schlacht soll bei Kirki- ! i s s e bereits im Gange sein. Vorderhand soll eine Entscheidung noch nicht gefallen sein. Tas ist alles, was mau darüber erfährt. Tragen die von Nord­osten angreifendcn Bulgaren den Sieg davon, dann könnte eines der beiden bulgarischen Heere, die ins Adrianopeler Vilajet eingedrungen sind, die Festung Adriancpel in Schach halten, "während das andere an Ädrianopel vorbei weiter auf Konstantinopel dorrückt. Erringen aber die Türken bei Kirkiliffe den Erfolg über die Vulgaren, so würde ein türkisches Feldheer frei werden, um sich auf die andere bul­garische Armee zu werfen, deren vordere Kolonnen bereits bis an den ankeren Feftungsring von Adria- nopel aelangt sein sollen.

W Sofia, 22. Okt. 1912. Die Schlacht bei K t r- kilisseist in vollem Gange. Tie türkische Vertei­digungslinie soll durchbrochen, drei Geschütze und ein Maschinengewehr von den Bulgaren erbeutet fein.

Sofia, 22 Okt. 1912. Tie vom Hauptguartier heute verbreiteten Nachrichten erwecken nur geringes Intereffe angesichts der Spannung, mit der man der Entscheidung bei Kirkiliffe entgeqensieht. Be- reits gestern ist der König bei den Stellungen voi Kirkiliffe eingetroffen und hat Auszeichnungen an Verwundete erteilt.

* Sofia, 22. Ost. 1912. Tie bulgarische Armee dr,a n ope l ist nach Einnahme der Ort- schast K a d l k o e i bis sieben Kilometer an die Stadt herangekvmmen und hat sich in den Weinbergen ver- schanzt Tie Rbodop-Armee hat nach Einnahme der Stadt Kl rd sch alt, durch das Ardatal marschie­rend, die Verbindung mit der rechten bulgarischen Armee gefunden. a

- .W ^ach bisher unbe-

ftätiaten Gerüchten sind bte birlaarischen Truppen Zwischen Adrianope und Kirkiliffe vorgestoßen, so daß fte die beiden türkischen Heereskörper von ein an- der getrennt haben.

* Sofia, Okt. 1912. Bulgarische durch Ma­zedonier verstärkte /Iveifcharler operieren im R ü ck en der türkischen i.mte. Es ist itmen heute gelungen, hinter Ädrianopel an die Bahnstrecke der Orientbahn »« erlangen und die Schienen auf eine

Entfernung von 230 Meter loszulöfen und vom Bahndamm hinunter iu werfen. Bei der Annähe­rung überlegener türkifcher Strestkräste mußten sie sich aber wiäer zurückziehen. ,.

* Koustattimopel, 22. Ott. 1912 Der Befehls­haber der türkischen Detachements stellte fest, daß die bulgarischen Streitkräfte bei H anlarim Bezirk Tospad an der bulgarischen Grenze zusammenge- zogen waren- Da an die bulgarische Stellung wegen der Unzulänglichen des Ge.cmdes nicht ^ranzu- kommen war, täuschte der türkische Befehls- Haber den Feind, indem er einen scheinbaren muck- zug unternahm. So zog er den Feindaus türkisches Gebiet und griff dann plötzlich feinen linkenF 1 u- qel an, der völlig aufgeriebe n wurde

* Sofia, 22. Okt. 1912. Die erste Verwendung von F l u g'm a f ch i n e n im Balkankriege hat heute stattgefunden. Bei wuuderfchönem Wetter stieg von Mustafa Pascha aus ein bulgarischer Milt- tärprlot auf und erhob sich 300 Meter in die Luft. In raschem Fluge wandte sich der Flieger nach Ädrianopel, um dort die türkischen Siel- hingen auszukundschaften. Als die türkischen Vor- posten die Flugmaschiue bemerkten, gaben sie sofort S t e i l f e u e r aus den kühnen Aviatiker ab, der sich jedoch in größere Höhen zu schrauben vermochte und dadurch dem Gewehrseuer entging. Er flog die ganze Front ab und konnte wichtige Beobachtungen machen, die dem bulgarischen Vormarsch außerordentlich zu- statten Irntmen werden. Nach halbstündigem Be- obachtungsfluge über d-m türkischen Linien kehrte der Flieger in das bulgarische Lager zurück.

Die Ereignisse im Schwär zeit Meere.

Heber die Beschießung von K a w a r n a , des Hcsens von Varna, meldet die „Agence Bulgare" noch folgende Einzelheiten: Das Bombardement be­gann um 7 Uhr früh und dauerte drei Stunden. Der Lauduugsverfuch der Türken wurde durch das Gewehrfeuer der kleinen Garnison, die aus kaum 11 Mann (?) bestand, vereitelt. Um halb 11 Uhr dampften dir beiden Kreuzer ab. Der eine, der sich mit dem übrigen Geschwader vereinigte, erschien bann mit demselben gegen 11 Uhr vor Varna und eröff­nete hier sofort das Feuer. Es ist nachzutragen, daß eine Kinderhcilaiistalt, über der die Flagge des Ro­ten Kreuzes wehte, von den Türken beschossen wurde. Tas Bombardement dauerte mit einigen Unterbre­chungen bis 4 Uhr nachmittags und richtete in Varna keinen Schaden an.

Bulgarien will gegen die Beschießung von Varna mit Berufung auf bte Bestimmungen vom Haag Pro­test ehilegeiL Praktischen Wert hätte bei Protest nicht. Tie Hafenstädte ber Türkei sind im Tripo- hskriege trotz „Haag" auch nicht geschont worben. Schön ist es ja liicht, niemanb wirb es gern recht­fertigen, boch was bem einen recht ist, ist bem anbern billig. Smyrna unb Beirut haben im Tripoliskrieg italienische Kanonenkugeln zu spüren bekommen. In Varna hatte ja bie türkische Flotte nicht bloß bie offene Hafenstadt und die sriedliche Bevölkerung, sondern auch feindliche Streitkräfte vor sich. Die bulgarischen Torpedoboote hatten dort Zuflucht ge- nuntincr imd feuerten vom Hafen aus auf die tür­kischen Schisse. Es ist, da nun mal die KriegSsurie entfesselt ist. ganz selbstverständlich, daß die türkischen Kanonen nicht schwiegen.

W Konstantinopel, 22. Okt. 1912. Die türkische Flotte bohrte vor Varna ein bulgarisch esTor- pedoboot in den Grund.

W Konstantinopel, 22. Okt. 1912. Der türkische Kreuzer „Hamidije" hat im Schwarzen Meer einen bulgarischen Schoner rnit Beschlag belegt.

Ter serbffche Vorstoß.

W Belgrad, 22. Ott. 1912. Gemäß der nach­mittags eingetrofscnen Berichte drang die dritte Ar- mee bis vor Prisckting vor, eine Kolonne der zweiten Armee nahm K r a 1 o w o ein, eine andere Kolonne K o t j ch a n a. Die erste Armee b’finbet sich noch in K u m a u o w o. Die vormittags in Belgrad verbreiteten Gerücht: über die Einnahme von Kumanowo sind unbegründet.

W Belgrad, 22. Okt. 1912. Ter offizielle Be­richt meldet: Unsere dritte Armee und die Jbar- Arme: hat auf dem Terrain von Veljaglava bis Raska unb in der Umgebung von Novibazar gegen die Türken unb Albanesen erbitterte Kämpfe zu bestehen. Die Stärke bes Feindes wirb auf 40 000 Albanesen unb z:hn Nizanc-Abtei- hingen mit vier Batterien geschätzt. Gestern früh begann bie britte Armee ein.n energischen Angriff, warf ben Gegner zurück und erreichte Malokossowo. D:r Feind zieht sich eilig zurück. Bezüglich ber Jbar-Armee, bereu Vorposten sich bot Sjcnica be« finben, sind vom Javor-Gebirge günstige Melbungen eingetroffen. Der Geist ber Truppen ist vortrefflich. Ta» Armee-Hauptquartier befiiibet sich in Brau- j a wohin sich auch ber König begeben hat.

♦ Belgrad, 22. Ott. 1912. Seit gestern mittag haben die Serben begonnen, Novibazar zu be­schießen, die Ergebung der Stadt steht unmittel­bar bevor.

W Konstantinopel, 22. Okt. 1912. Tas Dorf Boshonewze bei Diftowdo nahe der serbischen Grenze, da? von drei serbischen Bataillonen mit Ka­vallerie besetzt wurde, ist von den Türken mit Ar­tillerie beschossen worden. Die Serben wurden säst vollkommen aufgerieben. Tie Rückzugs- linir der Serben in der Richtung auf P r i s ch t i n a soll abgeschnitten fein. Die serbischen Tnippenlmien sollen von Kraljcwo bis Trgowischtje sich erstreckens sie verfügen auch über Kavallerie.

Die Verluste btt Montenegriner.

Deutsches Reich.

* Berlin, 22. Oft. 1912. Die Kaiserin nahm am Dlenslag, ihrem Geduktstage, zuerst die Glück­wünsche ihrer Kinder entgegen. Um 1 Uhr sand Farniliensrühstückslafel statt. Vorn Turme der (Sarnisoutiiche ertönten die patriotischen Weifen des Glockenspieles. Tie Stadt Potsdam iandte an bie Kaiserin eine Hulbigungs« und Glückwunichabresse. Abends fand in der JaSpisgalerie eine Galalafel unb anschließend baran musikalische Soirse statt, in der Carum mitwirkte. — Prinz Heinrich von Preußen ist m Wladiwostok angekommen unb wirb am 1. November in Moskau emlttffen, wohin tum leine Gemahlin, bte zurzeit am russischen Hof' weilt, entgegenfährt. — Die Meld» g bes Wolff'ichen Bureaus von ber Ersatzwahl im ersten Berliner Landiagswahlkretse beruht auf einen Irrtum. Die Wahl findet erst am 29. ds. Mls. statt. Die an­gegebenen Zahlen betreffen bie Parieistellung bet Wahlmänner.

t Jm Herrenhause soll die erste Sitzung nach ertagung gegen Mitte November anbe­raumt werden. Dem Herrenhause sind Gesetzent­würfe über Aenderungen einer Reihe von Amts- bezirken zugegangen, darunter auch Bad Orb unb Gelnhausen

Q Im preußischen Abgcordneienhanfe wird vor- aussichtlich am Freitag die national liberale Inter­pellation über die Maßnahmen der Regierung gegen die Fleischteuerung auf die Tagesordnung gefetzt werden. Tie Besprechung wird Wahrschein, lich zwei Citzungstage in Anspruch nehmen. Wir verlautet, wird außer dem Landwinschaftsminister der Ministerpräsident selbst die Interpellation be­antworten. Eine Teeuerungs-Jntckkpellation will übrigens auch die sortschrittliche Volkspartei ein­bringen. lieber die Neuwahl des Präsidenten ist noch nichts Desinitives bekannt. Wahrscheinlich ist, daß die Neuwahl am Freitag ftattfinben wird, doch werden die Konservativen sich noch in den näch­sten Tagen mit der Präsidentschaftsfrage befassen. Auf der Präsidentschaftsliste stehen jetzt als aus» sichtsreiche Kandidaten die beiden konfervativen Abgg. von Brandenstein unb bei ehemalige Reichstagspia- sident Gias Schwerin; Fieiheri von Richthofen kommt nicht in Finge.

(•) Im Reichseisenbahnamt toiib demnächst eine Konseienz übei Dienst- unb Ruhezeiten bet Eisenbahnbeamten ftattfinben. Nachdem beieits zu Beginn dieses Jahtes entsprechende Vor- schläge zwischen den Bertietein ber Bundesstaaten im Reichseisenbahnamt erörtert worden waren, sind

Welche Feitstellungen hat die Königliche Staats« regierung vorgenommen über ben Um|ang des Not ftandes, der in rbemtldien Wmzerkrei en infolge der mngsteu Frostschäden emgebeten M? Was denkt b« Königliche Slaatsregierung zu tun, um diesem Noiffanb abzuhe'len? _ , a .

* Zn ber ßrebitnot bt8 GcunvbcsitzeS hat btt nationaUtberale Fraktion bes Abgeoiboetenhause« durchben Adg. Fritsch solgenbe Interpellation eingebracht: .

„Gedenkt die König!. Staatsregierung Maßnahm^ zu treffen, durch bte der gegenwärtigen KredUnot des siädt scheu unb ländlichen Giundbesitzes abgeholfen wirbt

• Dem Gesetzentwurf über btt Kinder-Sanaflaschea, der, rote gemeldet, tm ,Retchsanzeiger^ veröffentlicht wurde, ist die Begründung betgegtben. Sie nimmt darauf Bezug, daß bie Kinderstetbhchkeit trotz pro­zentualer Abnahme immer noch außerordentlich hoch itt.

Unter den Todesursachen stehen, heißt es weiter bie Krankbeilen der Betdauungsorgane an erster Stelle Ätabezu Der Dritte Teil aller Tooersälle dct Säufltmgi muß aus sie zuiückgesübrt werden. Nach allgemkintt ärztlicher Ueber$eugung sind Die Kmbeisaugstnfchea mit Schlauch und Rohr besonders geeignet, solche gungkir hervorzurufen. In erster Lime kommt tn Be­il acht, daß sie fchroer zu reinigen uno keimfrei zu balle« sind. Auch lauft haben sie Nachteile, denn man übe» laffe die Kinder mit folchen Flaschen sich selbst. Io baf die Kinder sozusagen den ganzen Tag tränten, wodurch die Gelahr der Uedersütterung entstehe unb auch bi» regelmäßige Nabrungsauinahme sorrfalle. Außerdem werde die Milch allmählich lauer ober mindesten« talt Daher erldjeint etn aUgememes Verbot tn Geftat" e.neS ReichSgelctzeS als bet gegebene Weg. Das I» teresse einer einzelnen Industrie kann gegenüber einen so wichtigen Allgemeinmtereffe nicht in Betracht kam- men ; mdeffen wird in Der Begrünbtmg die Erwartung ansgesprachen, baß es ben betroffenen Fabrikanten gt lingen möge, durch die Herstellung Hygienisch einroanb freier Flaschen sich En atz für ben Ausfall zu schaffen

--- Eine Erklärung be« Deutschen Evangelische, VolksdnnbeS. In her Vorstandssitzung bes Deutich«^ Evaugelffchen Volksbunbes in Barmen am 21. Okt. ist solgenbe Erklärung beschlossen:

1. Veranlaßt durch verschieden» Preßäußerungen der letzten Zeit erklärt Der Varn and, daß der Deutsch« EvangeMche Volksbund gemäß lemetn Wesen unb feinem Ptagramm bie Vertretung bet positiven iroan« geiifchen Jnicteffen tm kirchlichen und völkischen Leben als feine Aufgabe sich gestellt bat. Damit ist für tbn von vornherein auch eine selbstverständliche Front« fteUungulttamontanen Uebergrtffen gegen über gegeben.

2. Als eine Organisation, bie auf dem Boden bei biblischen Evangeliums von Jesus Chriftus, dem ein» geborenen Sohn Ganes und einigen Muttern des Heils, liebt, sieht der Deutsch» Eaangelifche Varksbund den Hauptgegner der evangelifchen Kirch» unb des biblischen Christentums gegenwärtig im radikalen Liberalismus.

3. Deshalb wirb der Deutsch» Evangelische Balks. bund bestrebt bleiben, mit dem gläubigen katbo- lilchen Teil des beutschen Volkes bet Der «Ölung von allgemein christlichen, nat enalen und loyalen Fragen zu gemeinsamer Arbeit, im Stomp;» gegen die anttchtistlichcn Mächte ber Gegenwart Fühlimg zu ballen.

Ohne ben Kampf gegen ben „UltraraontantsmuS geht es nun mal nicht. Hoffen wir, baß ber neue Bunb sich nicht so oft im „Kamps gegen Rom' m l Dem Evangelilchen Bunde zuiammenfi rdet alS mit ben Katholiken zur gemeinsamen Arbeit tm Kampfe gegen die ontlchrinltchen Biächke Der Geaenwar.

» Tas Tuest des Hamburger Senators. Aus, Hamburg wirb der „Voss. Ztg." geschrievm: Die offenllche Meinung beschäftigt sich andauernd mit dem Tuest des Senators v. Berenberg-Gotzla mit dem Grasen Konigsmarck, sowie mit der Verurtei­lung des Senators zu einer Festungshaft von drei Monaten wegen Zuwiderhandelns gegen den Spruch des Ehrengerichts, das eine Erledigung der Ttsfe- renz durch Abgabe einer Erklärung für möglich er­klärt hatte. Plan steht hier durchweg auf dem Standpunkte, daß der Senat unter allen Umständen dieses Tuell hätte verhindern müffen, da die Se­natsmitglieder, di: einen Teil der Souveränität be­sitzen, sich vor jeber Gesetzesübertretung auf das peinlichste hüten sollen. Nach der Hamburgischen Berfaffung verliert jeder Senator und jedes Bur« gerichaftsmitglied sofort sein Amt, wenn er, aul welchem Grunde es fei, in Straf- oder Unter« suchungshaft gerät. Danach würde Senator vor Berenberg-Gotzla fein Amt ohne weiteres verlöre» haben, wenn er die dreimonatige Festungshaft halt» verbüßen müssen. Davon ist er indeffen verschont worden, da von feiten des präsidierenden Bürger­meisters sofort ein Gnadengesuch nach Beilin ge­richtet worden war und die Begnadigung des Se- nators auch bereits erfolgt ist- Auch dieser Vor­gang hat hier peinliches Auffehen erregt. Der Se­nat ist nach diesen Vorgängen, welche in der brei­testen Oesfentlichkeit erörtert werden, in eine sehr schwierige Situation geraten. Es steht schon sest, daß sich' auch die „Bürgerschaft" hiermit beschäftigen wird, da sie darauf dringen wird, datz etwas Aehn- liches sich nicht wiederholt. Aber auch im R-ichstagk wird diese Tuellangelcgenheit bei passender Gelegen­heit zur Sprache gebracht werden.

* Aachen, 22. Okl. 1912. Der Zentrums* p a tt ei tag für beit Regierungsbezirk Aachen wurde gestern in Eschweiler einaeleitct mit einer großen öffentlichen, von über 1000 Personen besuchten Ver- tammlung, tn bet Rrichslagsabg. Dr. Pieper und Lanblagsabg. Imbuich sprao en. Eine entsprechende Resolution gegen das Jcfuftengesktz fenö einstimmig» Annahme.

* Breslau, 21. Ost. 1912. Bei der GratulationS- tour gelegentlich des Jubiläums des Kotbinal« KoPP sagte, wie noch nachzutragen ist, der Kar­dinal den Vertretern des Zentralkomitees der Ka- tholikenversammlungen, dem Geheimrat Porsch und Grafen Edwin Henckel von Donnersmarck: sie folL ten ruhig so weiter arbeiten, wie bisher und sich durch ungerechte Angriffe nicht beirren lüften. Et sei überzeugt, daß sie tm Sinne und G etfte WindthorstS arbeiten, so sollten sie eS auch in Zukunft machen. Das wat eine deutlich« Ablaae an alle, die daubttn, daß die Ouertteib»»

W Geh in je, 22. Ott. 1912. Die Nachrichten über einen Sieg dct türkischen Truppen bei Pod- g o t i tz a sind nach amtlicher montenegrinischer Ver­sicherung unbegründet. Tie montenegrinisch: Ar­mee hatte bis jetzt (selbstverständlich!) nur Er­folg e zu verzeichnen. Der Sieg dw Montenegri- ,«»»» ...

ner war selbstverständlich (diese- „selbswerständlich" Vorgehen kommt aber nicht in Betracht, stammt von den Montenegrineru) mit bedeutenden .Onr »hMetMi»« «»ni.m*» *><

Verlusten verbunden. Die Verlustzifferu find er« f klärlich durch die Zahl der türttschen Truppen, von gebrockt i