M 242.
Montag 2b ««ober ML
39. Jahrgang.
* fuldaer» Zeitung
<8
2. Blatt.
vr»s «ei Verlag Ser isNlöaer AelkeuSrnSerei i» Znlda.
Deutsches Reich.
• Drei neue BrrnsS-Senoffenschaste». Der Bundes- tat hat, wie offiziell mitgeteilt wird, die Errichtung dreier neuer Berufs - Genoffenschaften beschlossen. Zunächst eine Gär in er ei-BernsS-Genossenschaft, die allerdings das ganze Reich umfasten wird, da in Bayern, Sachsen, Hessen, Braunschweig, Clfop« Lothringen, Hamburg, Bremen und Schaumburg- Lippe die Gärtnereien in der landwirtschaftlichen Derufs-Genostenschast verbleiben. Die beiden anderen neuen Beruss-Genvstenschaflen dagegen erstrecken fich auf das gesamte Reich. Die Detailiisten-Be- russ-Genossenschaft wird nach ihrer Errichtung von allen Berufs. Genossenschaften die größte Zahl von Betrieben zählen. Die Versicherungs-Genossenschaft für daS Halten nichtgewerbsmäßiger Reittiere und Fahrzeuge wird die Sportsleute, Be- sitzer von Luxus - Fahrzeugen rc. umsasten und der Versicherung der zahlreichen im Reit-, Fahr- und Wastersport tätigen versicherungspflichtigen Personen dienen.
)( Beteranenbeihilseu. Im Reichstage ist von verschiedenen Seiten die Erhöhung der im Reichsetat vorgesehenen Mitteln zu Beihilfen für Veteranen angeregt worden. Der Reichsschatz'ekretär Kühn hat sich zu dieser Frage sehr wohlwollend aus- gesprochen und sein Entgegenkommen in Aussicht gestellt für den Fall, daß die Finanzlage di» Erhöhung des Fonds ermöglichen würde. ES ist nun, Blätterweldungen zusolge, anzunehmen, daß der Reichstag für 1913 eine Erhöhung des Fonds für die Veteranenbeihilfen bringen dürfte.
X EineBeschränkmig der Staatsaufsicht über die Preußi- schru Städte soll ein Gesetzentwurf vorsehen, der der Imedialkomistion für die Vereinfachung der inneren Verwaltung m Preußen unterbreitet worden ist. Heber die Art der Beschränkung verlautet noch nichts. Da mit dem steigenden Einfluß der Sozialdemokratie in den städtischen Verwaltungen in letzter Zeit die Zahl der Fälle in denen die Staatsregie, rung Wahlen zu Magistratsämtern ihre Zustimmung nicht erteilen konnte, zugenommen hat, so dürfte eine Elnschränkung des staatlichen Bestätigungs- reäitcs jedenfalls nicht in Frag« kommen.
* Parität im Reiche und i» Preußen! Nach einer Mitteilung der .Zentralstelle für Volkswohlfahrt' ind jetzt die 36 Mitglieder des Beirates derselben >om Reiche und von Preußen auf die Dauer von v er Jahren ernannt worden. Diese Ernennung ist ein aklatantes Beispiel für die Parität, die innerhalb der schwarz-weiß-roten Grenzpfähle im Brauche ist. Denn von den 36 Mitgliedern des Beirates sind gerade der 12. Teil, ganze drei Mann, Katholiken: die Abgeordneten Giesberts, Faßbender und Herold! Wenn die »Zentralstelle für Volkswohlfahrt' der Regierung keine weiteren Vertreter des katholischen Volksteiles Vorschlägen wollte, bemerkt hierzu die Germania' mit Recht, so hätte die Regierung ihrer« sens dafür sorgen sollen, daß die Zahl der katholischen Mitglieder des BeiratS eine der Parität entsprechende wurde. Daß sie eS auch in diesem Falle, wo ihr doch so viele Stauten hervorragender, für das Gemeinwohl mit Erfolg tätiger Katholiken bekannt sein mußten, nicht getan hak, beweist, wie wenig sie auf deren Mitarbeit und auf eine paritätische Be- ,andlung Wert legen zu dürfen glaukt.
0 Die Organisation der «ationallibrralen Partei. Nach, der natlonalliberalen Korrespondenz ist die Gesamtzahl der Vereine der nationalliberalen Partei von 940 im Jahre 1907 auf 1874 im Jahre 1912 gestiegen. Von den 1874 Vereinen sind 109 jungliberal. Für die Parteiorganisation sind insgesamt 5 7 Sekretäre tätig, zu denen noch die Beamten des Zentralbmos kommen. Die national- liberale Presse ist vertreten mit über 300 Zeitungen und Verdandsorganen. Parlamentarier besitz! die Partei im Reichstag 44, in den Landtagen der Einzetftaaten 254. Wieviel Mitglieder die Partei im Ganzen zählt, wird nicht gesagt, auch tll.ht, wieviel Mitglieder im Durchschnitt ein Bereu zählt. Vielleicht hat man hierfür gute Gründe gehabt; jedenfalls gibt eS zu denken, daß von den ,1874 Vereinen nur 109 jnngliberal sind. Da aber bekanntlich die Jungliberalcn in der Partei tonangebend sind, scheint in den 1765 übrigen Vereinen keine Ueber'üllung zu herrschen.
* Minister liukS, Genosse rechts. Die Budget- Icmmiff ion der badischen zweiten Kammer be
gab sich vor einigen Tagen mit den Ministern Frhr. 0. Bodmann und Rheinbold in acht Automobilen inS Murgtal zur Besichtigung von Oertlichkeiten für ein künftiges Kraftwerk. An die Fahrt schloß sich ein gemeinsames Mittagsmahl, über daS die sozial- demokratische Mannheimer .Volksstimme' folgende- berichtet:
»Die Tafel bot ein äußerst lebhafte- Bild und gewann dadurch einen besonderen Reiz, daß Minister v. Bodmann den sozialdemokratischen Abgeordneten Kolb zu seiner Rechten bat."
WaS sich liebt, findet sich zu Waffer und zu Lande, ns. Münster, 19. Oft. 1912. Auf der Jahres. Versammlung de- ProvinzialauSschusie» der westfälischen Zentrumspartei, di« gestern hier stattfand, erstattet« Generalsekretär Brand den Geschäftsbericht, der ein übersichtliche- Bild über di« Tätigkeit deS Generalsekretariats gab. Der Finanzbericht deS Kassierers, Stadtrats Robert-Münster, zeigte einen nicht ungünstigen Stand der Provinzial- varteikafle, doch wurde eine durchgreifende Erhöhung der Provinzialbeiträge widerspruchslos beschlossen. Uebet das Thema „Organisationstragen, Winter- arbeit und Parteitage" fand aus der Fülle der Erfahrung ein ausgedehnter Meinungsaustausch statt. Der Schulung der Vertrauensleute durch eigene Unlerrichtskurse wird auch in Zukunft besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Zum Schlüsse wurde einstimmig und mit lebhaftem Beifall eine Resolution zur Aufhebung de» Jesuitengesetze- an« genommen.
Aus Uirche und Schule.
* Köln, 19. Okt. 1912. Die von dem hiesigen Tomkapitel eingereichte Kandidatenliste für die Wahl des Erzbischofs ist unbeanstandet aus Berlin wieder hier einge'roffen. Die Wahl de- Erzbischofs findet am 29. Oktober statt.
Ans dem Nachbargeblete.
* Brückenau, 19. Okt. 1912. An den Folgen einer Lungen- und Rippenfellentzündung starb hier her Bezirksamtsoffiziaut a. D. RochuS KSmpel, ein hochgeachteter und hochverdienter Bürger im Alter von 73 Jahren.
♦ Hersfeld, 19. Okt. 1912. Für den Umfang deS Kreises Hersfeld ist eine Polftei - Verordnung erlasten worden, welche die Polizeistunde auf 11 Uhr abends festseht. Die Verlängerung der Polizeistunde ist auf die Zeit bis 2 Ubr nachts zu beschränken.
* Hanau, 19. Okt. 1912. Bei einer Familie in Bergen erschien am Freitag der Gerichtsvollzieher, um wegen rückständiger Steuer eine Pfändung vor- zunehmen. Der Mann batte seiner Frau den Be trag für die Steuer seiner Zeit gegeben. Diese verwandte jedoch daS Geld für andere Zwecke, worüber der Mann so in Zorn geriet, daß er seiner Frau vier Messerstiche beibrachte. Einer davon traf die Lunge, sodaß di« Frau lebensgefährlich verletzt wurde. — Bei der Herbsttsaung des Schwurgerichts wird sich auch der Tagelöhner Koch aus Bergen wegen Mordes zu verantworten haben. Koch hatte bekanntlich am Psingstdienstag im Frankfurter Stadtwald seine Tochter erwürgt.
* Frankfurt, 19. Okt. 1912. Auf Betreiben des kathol. LehrervereinS hat sich die Zentralstelle des Volksoereins für daS kathol. Deutschland in M.» Gladbach entschlossen, vom 1. bis 3. November im großen Saale deS kath. GesellenhauseS hier einen >ozial - wissenschaftlichen Kursus für Lebrer mit folgendem Programm abzuhalten: 1. November, vorm. 10 Uhr: »Welche Bedeutung hat soziale Orientierung und praktische soziale Arbeit für den Lehrer und die gesellschaftlich« Wertung des Lehrerstandes?" Nachm. 4 Ubr: »Bedeutung, Zweck und Praxis der sogenannten Elternabende". 2. November, nachm. 4 Uhr: »Die verschiedenen Aufgaben der Jugendpflege, die sich au8 der Psyche und der gegenwärtigen gesellschaftlichen Laae der Jugendlichen ergeben". 8. November, vorm. 10 Uhr: »Die alte und die neue Sozialdemokratie". Nachm. 4 Uhr: »Aufgaben des Lehrers in Stadt und Land gegenüber der modernen christlichen Arbeiterbewe- aung". Zur Bestreitung von Saalmiete, Licht und Heizung, sowie sonstiger Unkosten soll von jedem Teilnehmer deS Kursus 1 Mark erhoben werden.
3m Schutze der Zauberers.
|3j Englisch-indischer Roman von E. A. Henty.
Bathurst schwieg 'einige Minuten und sprach dann ernst: „Der Himmel gebe es, daß Sie recht behalten, Doktor! Um Jhret- und Fräulein Han- navs Willen wünschte ich es dringend, so wenig ich auch um mich selbst besorgt bin. Jenes Bild hatte »«dessen keinen Abschluß, und wir können daher nicht wissen, was noch darauf folgen mag."
I. »Wohl wahr; aber einmal hier heraus und in passender Verkleidung, werden wir schon Mittel und Wege finden, unsere Flucht zu bewerkstelligen. Nachdem wir so überzeugende Beweise von der Geschicklichkeit des Zauberers e.halten haben — nachdem er mit wunderbarer Klarheit mir ein Stück Vergangenheit offenbart, vor Ihnen ein Bild der Zukunft entrollt hat, glaube ich an seine Macht und vertraue unbedingt seinem Schutze. Sie haben gehört, daß Forster heute ausb.echen will?"
Ja, Wilson erzählte es mir. Aus einem Grund bat cs mich überrascht, daß der Kapitän sich zu dem Ritt erboten."
„Sie meinen Fräulein Hannahs wegen, Bathurst?"
„Nun ja, —"
„Ei. das sind Dinge, die wohl bei Ihnen ober wir ins Gewicht fallen könnten, nicht aber bei Kapitän Forster. Glücklicherweise wird er diesmal wenigstens kein gebrochenes Her; zurücklaffen. Dabei fallt mir ein — ich hoch: Forster, wie Sie mir au ;-Heu, Ihr Pferd angeboten, — wahrscheinlich to ) et es mitnehmen."
„Ich überlasse es ihm gern", entgegnete Bathurst: „hier kann ich doch keinen Gebrauch davon machen."
l!m zwölf Uhr wurden die Säck: so weit aus- einenidergerüclt, haß -in Pferd hindurchgehen konnte: dann führte man Forsters und Bathursts Tiere durch die st> gewonnene Bresche. Man hatte ihnen die Füße mit Decken umwickelt, um zu verhüten, daß di- Hufe
an einen Stein stießen und so die Anfmerksmakeit der feindlichen Schildwachen erregten. Sobald sie außen angelangt waren, entfernte man die Umhüllung und Forster schwang sich in den Sattel.
„Leben Sie wohl, Herr Major", rief er leise. „In acht oder neun Tagen hoffe ich mit einer Schwadron Kavallerie wieder einzurücken!"
„Gott behüte Sie, Kapitän, und führe alles zu einem guten Ende."
Die Oefsming in dem Befestigungswerke wurde geschlosieu: die Männer verharrten lautlos dahinter und horchten auf die sich entfern-nden Husschläge. Forster konnte indes noch nicht fünfzig Schritte weit sein, als man plötzlich einen lauten Ruf vernahm, begleitet von dem Knall einer Pistole, dem, als die Pferde sich in Galopp setzten, schnell hintereinander mehrere Schüsse folgten.
„Sie können ihn in der Dunkelheit so leicht nicht treffen", sagte der Major, „aber vielleicht die Pferde, und das wär- beinahe ebenso schlimm."
Zwei Schildwachen zurücklassend, eilte der Rest der Besatzung auf das Dach. Kaum oben angelangt, drang der Ton einer Trompete scharf durch die Luft, und drei Schüsse wurden in bestimmten, kurzen Zwischenräumen abgefeuert.
„Tas ist das verabredete Zeichen", sprach der Major, erleichtert aufatmend; „et ist glücklich über das feindliche Heerlager hinaus. Nun heißt es reiten auf Leben und Tod; man wird nicht säumen, ihm die Verfolg er nachzusenden."
Forsters Abschied war kurz gewesen. Er hatte sich bis zum letzten Moment mit dem Satteln der Pferde zu schaffen gemacht und war erst kurz vor dem Aufb-.mch in dos Haus gegangen, um sich den Damen mit einigen hoffnungsvollen Worten über den Erfolg feiner Mission zu empschlen. Isabella hatte er nicht mehr allein gesehen, sondern ihr nut in Gegenwart der anderen schweigend die Hand gereicht.
„Ich hätte ihm kaum soviel Gefühl zugetraut", flüsterte Frau Doolan Isabella zu. „Er war wirklich bewegt und, wie es mir vorlam, auch ein wenig beschämt darüber, daß er gerade jetzt von uns geht."
? Dom Main, 20. Okt. 1912. Dir Schiff- und Floßfahrt auf dem Main ist wegen der Vornahme von Fels sprengungen im Fahrwege des Mains oberhalb Aschaffenburg voraussichtlich auf 14 Tage gesperrt. — Die neue Kreis-Heil- und Pflege- Anstalt in Lohr wird nach dem Zusammentritt deS untersränkischen Landrates, der am 4. November erfolgen dürste, eröffnet. Von der 5kreis-Irrenanstalt Wernach, die jetzt 910 Krank« aufwerfi, kommen 850 Kranke nach Lohr.
♦ Homberg, 19. Okt. 1912. In dieser Woche fand hier die zweite Lehrerprüfung statt, zu der sich 36 Lehrer eingefunden hatten. Nur 24 Herren bestanden daS Examen.
♦ Efchrvege, 19. Okt. 1912. In letzter Zeit wur- den hier und in der Umgegend wiederholt falsche Zwanzigmarkstücke ausgegeben. Jetzt ist es der Polizei gelungen, den FalschmÜnzern a ff die Spur zu kommen. AlS Hauptschuldiger ist ein städtischer Elektrizitätsarbeiter verhaftet worden.
* Kassel, 19. Okt. 1912. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß, eine dreigliedrige Kommission zu wählen mit der Vollmacht, im Rahmen der von den städtischen Körperschaiten einstweilen bewilligten Vorschüsse von 15000 Mark selbständig bis zu anderweitiger Beschlußfassung weiterhin Fleisch zu kaufen, sofern dadurch eine Preisermäßigung um durchschnittlich mindestens 10 Pfg. pro P'nnd erzielt werden kann. Mit dem Oberbürgermeister Seltmann in Aachen will man wegen der Einführung argentinischen VieyS nach Belgien, dortiger Schlachtung und Einführung als geschlachtetes Fleisch nach Deutschland in Verbindung treten. — Ein hiesiger Kaufmann war für diese- Jahr als Schöffe ausgelost worden. Die langen Sitzungen des Schöffengericht- scheinen nun dem stark beschäftigten Kaufmann wenig Freude bereitet zu haben, denn er suchte sich nach Möglich- te:t von dieser Ehrenpflicht zu befreien. Als er im Juli wieder als Schöffe fungieren sollte, telephonierte er das Amtsgericht an, er könne heute nicht kommen, da er sofort oerreifen wüßte. Man nahm daran keinen Anstand und bestellte einen HilfSschöffen. Im September w-ederholte sich diese Entschuldigung des Schöffen. Man schöpfte Verdacht, ließ durch die Polizei Nachforschungen anstellen, die ergaben, daß der Schöffe an den fraglichen Tagen nie verreist war. Er wurde deswegen zu 12 Tagen Gefängnis verurteilt. — Heute mittag wurde ein Dienstkaecht auS MelzerSbausen dem Landkrankenhause zugeführt. Der Mann hatte vor der Schmiede ein Pferd am Hinterhufe aufgehalten, welches ihn zurückschlruderte, fu daß er gegen eine an der Wand lehnende Egge stürzte. Die Egge fiel auf den Mann und ihre Zähne gruben sich tief in den Leib ein.
♦ Niederhone, 19. Okt. 1912. An daS große Ver- bandswasserwerk vom Meißner wird auch unser Ort angefchlossen. Die Leitung geht übet Germerode, Abterode, Weidenhaufen nach hier und ist schon bis vor unseren Ort gelangt. Zweimal geht die Leitung unter der ziemlich starken Wehre her. Die Gesamtleitung wird noch vor Anfang des WinterS betriebsfähig sein.
* Borken, 19. Okt. 1912. Bei dem Landwirt F. Hahn war die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Man unternahm sofort eine radikale Bekämpfung der Seuche, indem man sämtliches Vieh im Hause, selbst Hühner und Schweine, abschlachtete und dann die Ställe gründlich desinfizierte.
• Kaiserslautern, 19. Okt. 1912. Die 40 Jahre alte Schulreiterin Gifte schoß sich am Donners- tag aus Nahrungssorgen eine Kugel in die Schläfe. Sie ist die geschiedene Frau eines Offiziers.
* Arolsen, 18. Okt. 1912. Vom Jnf.-Regt. 83 in Kassel wurden dem hiesigen 3. Bataillon etwa 300 Rekruten über wi es en; auf jede Kompagnie en tsallen also ca. 75 Mann. Mit klingendem Spiele wurden die jungen Leute von der Bataillonsmusik auf dem Bahnhofe empfangen und zum Äafemement geführt.
* Mainz, 18. Okt. 1912. Heute hielt der Große Aur- schuh für die Erbauung eines BiSmarck-Natio- naldenkmalS an der Elisenhöhe bei Bingen in der Stadthalle eine akademische Feier ab. Der Oberpräsi- deut der Nheinprovinz, v. Rheinbaben, machte die Mitteilung, daß die Professoren Kreis und Lederer ihr Werk vervollkommnet hätten, und teilte ferner mit, daß der Verein, der bisher nur in einer Zweigorganifation in Bingen als juristische Person eingetragen gewesen sei, sich nunmehr neu konstituiert habe, um in feiner
„Aber dafür ist er doch nicht zu tadeln", verteidigte ihn Isabella; „er geht ja nur, um Beistand für uns zu holen!"
„Er läßt uns im Stiche, wie die Ratten das sinkende Schiff", sagte Frau Doolan bestimmt, „und ich wundere mich über nichts weiter, als daß er sich dessen mit einiger Beschämung bewußt ist." —
Tie feindlichen Batterien eröffneten am nächsten Morgen ein heftigeres Feuer denn zuvor. Man hatte über Nacht noch mehr Kanonen aufgestellt; eine Bresche nach der anderen wurde in den Wall gerissen und zahllose Wurfgeschosse flogen über das Dach und zwangen die Belagerten, sich immer mehr in das Innere des Hauses zurückzuziehen.
Im Lauf - der nächsten sechs Tage gestaltete sich ihre Lage stündlich schlimmer. Die Hitze war uner- tiäglich Und ließ im-Berein mit dem Tag und Nacht währenden Schießen keinen Schlaf in ihre Augen kommen. Die Gegner hatten noch durch eine Stenge Landleute, sowie durch ein Regiment Sepoys Verstärkung gewonnen und lagerten auf dem Platze, den noch vor wenigen Wochen das Detachement der Bengalischen Infanterie, das nun so traurig zusam- mengefchmolzen war, innegehabt hatte.
Es war unmöglich, den Hofraum länger zu halten. Ganze Massen der Eingeborenen erstürmten den Wall; und obwohl es mit Hülfe der vom Dache he/abgeschleuderten Granaten gelang, ihren Angriff immer wied-r zurückzuschlagen, so war der Aufschub, der dadurch erreicht tonrde, doch nur kurz. Schon am Tage von Kapitän Forsters Weggänge hatte man die Pferde aus dem -Hofe gelassen, um den armen Tier-n das Leben zu erhalten; dafür füllten die Körper der Erschlagenen den inneren Raum und zogen Legionen von Fliegen herbei, die bald zu einer weiteren furchtbaren Plage für die Eingeschlossenen wurde. Angezogen von dem Gerüche des Blutes, bedeckten sie den Grund und umschwärmten das Haus und ließen sich selbst dadurch nicht verscheuchen, daß man die Leichen nachts über den Wall zurückwarf.
Schmerzliche Verluste waren auch in den Reihen der Verteidiger zu bcklagei^ die nur noch nach weni-.
Gefaurtheit als juristische Person befähigt zu sein, Be» trage u. f. w. obzuschließen. Die neuen Satzungen wurden einstimmig angenommen. Zum Ehrenvo» sitzenden des neuen Vereins wurde Reichskanzler ch Bethmonn Hoüweg ernannt. Den Festvortrag hielt Prof. Kreis. Er suchte an der Hand klassischer Beispiele feinen Entwurf zu erklären und veranschaulicht« durch Lichtbilder die Umgestaltung des ursprünglichen Gedankens. Zum Schluß der Feier sprach der Vor- sitzende v. Rheinbaben den Wunsch aus, daß das Werk am 100. Geburtstag Bismarcks, also am 1. April 1915, schon weit gefördert sein möchte.
* Mannheim, 19. Oft. 1912. In der Gift« mordafsäre in Waldhof wurde jeflgesteüt, daß der Kaffee, welcher dem Vorarbeiter Steffens den Tod bringen sollte, mit Anilin öl vermischt war. ES handelt sich zweifellos um eine aus Rachsucht unter«' nornmene Tat. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau und vier Kinder.
* Diez, 19. Okt. 1912. Der neugewählte Direktor der Realschule,Dr. Riesau aus Frankfurt a. M., ist am Donnerstag in fein Amt eingeführt worden. Provinzialschulrat Dr. Kanzow-Kaffel nahm die Einführung vor.
* Limburg, 20. Oft. 1912. Die Gemeinde-Ver- tretet wählten am Donnerstag den Sohn des verstorbenen Bürgermeisters Georg Schmitt zum Stadtoberhaupt. Der Gewählie ist erst 22 Jahre alt und dürfte somit der jüngste Bürgermeister im Deutschen Reiche fein. — Die Unsitte, mit Petroleum Feuer anzuzünden, hat in dem Ort- Ailertchen den Tod eines 11jährigen Mädchens herbeigeführt. I« Abwesenheit der Eltern gerieten beim Feueranmachen die Kleider des Kindes tn Brand.
♦ Ans Franken, 19. Okt. 1912. In der Station Thüngersheim wurden dem Rangiergehilsen Kneitz vom Zuge beide Füße abgefahren. — In Goldbach warf der Sohn des MaurerS Mayer eine Heugabel von der Scheune auf die Tenn« herab und traf seine untenstehende Mutter gerade auf den Magen. Die Frau erlitt so schwer« Verletzungen, daß sie starb.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 19. Okt. 1912. Die Arbeiten zu« Erweiterungsbau deS Lokomotivschuppen- schreiten rüstig vorwärts. Nach seiner Vollendung werden im ganzen sieben Lokomotiven untergestellt werden können.
* Stadtlengsfeld, 19. Okt. 1912. Für den Wiede» aufbau des Aussichtsturmes auf dem Baier stiftete Kommerzienrat Röll aus Stadtlengsfeld 200 Mark. Generaldirektor Dr. Kubierschky in DiettaS stiftete 100 Mark und stellte weiter« 800 Mark in Aussicht.
* TöngeS, 19. Okt. 1912. Unsere Gemeinde trägt sich mit dem Plane einer selbständigen Wasserleitung als Hochdruckleitung. Sie will den sehr wasserreichen Kriebitzborn verwenden, dessen Waffe« eine Staylwindturbine in ein Hochreservoir befördern soll. Diese Windturbinenanlage ist die denkbar günstigste Kraftquelle für die Gemeinde, da di« geographische Beschoff-nheit die Ausstellung einer solchen Windturbine vorzüglich gestaltet. Die gesamte Anlage ist auf ca. 30000 Mark veranschlagt.
* GehanS, 19. Okt. 1912. Der Gasthof „Zum grünen Baum" ist für 33000 Mark an Herrn Wagner in Eisenach verkauft worden. Die Hebet» nähme soll bald erfolgen.
* Sondheim, 19. Ott. 1912. In bet Näh« unseres Ortes stürzte ein vom Ost Heimer Markt heimkehrender Wagen um. Die vier Jnsaffen wurden herausgeschleudert und schwer verletzt.
Aus Gberheffen u. Öen Hess. Aemtern.
* Marburg, 19. Ott. 1912. In den Stein, brüchen bei Wehrda wurde gestern ein junger Bursche, der in Marburg in Stelle ist und seit einigen Tagen sich entfernt hatte, ausfindig g» macht. Der junge Mensch war in sehr entkräftetem Zustande.
* Marburg, 18. Okt. 1912. Der Kaufmann Schulz aus Temesvar in Ungarn, der schon seit Jahren in Deutschland umherreist und Drogisten dadurch prellt, daß et ihnen ohne Berechtigung Lizenzen für ein Fußbodenöl verkauft, stand wegen
gen Köpfen zählten. Herrn Hunter, Kapitän Rin- toul und Richards hatte das Fieber dahingerafst, eine Kanonenkugel das Leben FarquharsonS geendet« Auch einige Kinder waren gestorben und Amy Hun- ter von einem Geschoß getötet wordm, daS feinen Weg durch di: Gitterstäbe eines zum Krankenzim- mer gehörigen Fensters genommen hattte. Die an» deren Damen waren infolge der ausgestandenen Angst und Schlaflosigk.-it auf das äußerste erschöpft. Noch war mit keinem Worte der Uebergabe gedacht worden. Wären die Männer allein gewesen, sie würden ausgebrochen und kämpfend gefallen sein; aber das hieße in diesem Falle die Frauen schutzlos den Siegern preisgeben.
Die Arbeiten in dem unterirdischen Gange waren wohl von Zeit zu Zeit wieder ausgenommen und so lange fortgesetzt worden, bis man an der Stelle, wo der Durchbruch erfolgen sollte, angelangt und nur noch durch eine dünne Erdschicht von der Oberfläche entfrnt war — niemandem fiel es indess. ein, auf diesem Wege einen Fluchtversuch zu wagen. Dnc Plan, dem sich von vornherein schon bedeutende Hindernisse entgegengestellt hatten, schien jetzt, bei der Schwäche und Hinfälligkeit der Frauen geradezu un- ausführbar.
Zudem wollte s das Unglück, daß der Major am Ende des sechsten Tages schwer verwundet wurd^ Ernst umstanden die Männer sein Lager und beratschlagten, was nun zu tun sei. Major Hannay lieh dem Gedanken, der alle bewegte, und den doch keiner aussprechen wollte, zuerst Worte:
„Wir sind zu Ende mit unserer Widerstandskraft", sprach er matt; „es wird nichts anders übrig bleiben, als uns zu ergeben, jedoch nur unter der Bedingung, daß man uns, unseren Frauen und Kindern das Leben sichert und freien Abzug gewährt. Gehen sie auf diese Forderung nicht ein, so kämpfm wir bis auf den letzten Mann und sprengen schließ» lich das Gebäude in die Luft. Ich denke, Sie hisse« die weiße Fahne auf, Doktor?"
.Fortsetzung folgt.)