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M 241.

Somslog |9. 1912.

59. Jahrgang.

* fuldaer B Leitung

2. Blatt.

vrmk und Verla; -er Sxlbatr Aetiendruckerei in zu »da.

mehr aufTommen. Der Kril

schnftt in

dem wirren Wirbel, vor den Lavaströmen, die blutig« tot den Kratern des Balkans entfliegen. Wer wird mit hineingezogen werden in den Wirbel, wie weit wird die Lada die fruchtbaren Aecker der Nachbarn vernichten? Ernste, bang- Fragen erheben sich an der Schwelle dieses Krieges. Tie Ungewißheit, wer

ein besonderes Moment in Betracht, das unwillkür­lich an den Satz des alten Frhrn. v. Schorlemer- Stift: „Germanisiere» heißt Protestapstisieren" erin­nert. Auf deni Gute Koldromb ruht nämlich bei Kirchenpatronat für die katholische Kirche. Zur Kirch« in Koldrcmch, welche vor 16 Jahren neu errichtet wurde, gehören außer Koldromib und dem dazu gehörige« Vorwerk Kossiec meistens Dörfer, die da» der Kirche schon durch evangelische Ansiedlungen getrennt sind. Durch die Enteignung von Koldronib wird also nicht nur der polnische Be­sitzer geschädigt, sondern auch die k a t h ol i sch e G e- meind- und schließlich die katholische Kirche selbst in ihrem Bestände m dm Ostmarken. Da­mit reicht diese erste Anwendung des Zwangsent- eignungsgesetzes für die Provinzen Posen und West- prenßen über die enteigneten Besitzer weit hinaus in die Interessensphäre der katholischen Kirche :m allgemeinen. Die erste Anwendung des antipolNi­schen Enteignungsgesetzcs gestaltet ßch somit yi einem so bedeutungsvollen und folgenschweren Er­eignis, daß eine Interpellation rnt Preußi­sche« Abgeordnetcnhause — vielleicht auch uu Her­renhause — voraussichtlich eingebracht wrrd^ um diese nach verschiedenen Seite« bin wichtige Frage einmal an der Hand der jetzt gegeben m vier Ertt- eignnugssälle gründlich zu erörtern.

q. Die ersten Enteignungen.

Nach vierjährigem Bestehen soll also jetzt zum ersten Male das Enteignungsgesetz, das im Frühjahr 1908 nach langen parlamentarischen Kämpfen zum „Schutze des Deutschtums" in den Ostmarken im preußischen Abgeordnetenhause zustande gekommen ist, Anwendung finden. Vier Polnische Rittergüter in Posen und Westpreußen, zusammen 7000 Morgen umfassend, sollen enteignet werden. Die Besitzer wurden bereits davon in Kenntnis gesetzt, daß der Staat ihre Güter in Anspruch nehme.

Die Regierung des Herrn von Bethmann Holl­weg hat sich bisher nicht dazu entschließen können, die ihm vom Fürsten Bülow überkommene Erbschaft zu verwirklichen, darum ruft auch die Nachricht der ersten Anwendung des Enteignuugsvaragraphe« Überraschung und Erstaunen hervor. Man erinnert sich der heftigen Angriffe, denen der Landwirtschafts- Minister Frhr. v. Schorlemer in der ersten Zeit fei­ner Ministerschast seitens der Hakatisten ausgesetzt war, weil er sich zu der mit Ungestüm geforderten Anwendung des Enteignungsgesetzes nicht verstehen mochte. Seit einigen Monaten waren diese An­griffe verstummt Offenbar hatte hatte Herr v. Schorlemer seinen Frieden mit den Hakatisten ge­schlossen.

Die Zentrumsfraktion war von Anfang an ein scharfer Gegner des Enteignungsgesetzes vorn Stand­punkte des Rechtes «nd der Gerechtigkeit und vom Standpunkte unserer vaterländischen Interessen ans. Der Zweck, den es verfolgt, nämlich die Herbnfüh- ruug friedlicher Zustände, kann ja doch nicht er­reicht werden. Man will die Absonderung der polni-

X Zwei Kundgekungeu

3irr

1. Tine neue. Aus der soeben beendftett Versammlung des Evangelischen Bundes in Saar- brücken wurde folgende Resolution gefaßt:

„Der Evangelische Bund erhebt im Name« seiner fast 500 000 Mitglieder bei seiner 25. General­versammlung Widerspruch wider die Benn Bundesrat und Reichstag eingebrachten Anträge auf Abfchwäkyung und Aufhebung des Reich«fesuitengesetzes. Dieses durch den großen Kanzler des großen Kaisers in nntmualer Notwehr und zum staatlichen Selbstschutz geschaffene Gesetz ist nach dem Urteil der Geschichte über den Je. suitenurden, der sich seiner unveränderlichen internatio­nalen Grundsätze und Grundlagen rühmt, auch heute noch eine nationale und staatliche Notwendigkeit. Durch eine ungehemmte, unkontrollierbare und unter c-m Religionsschutz privilegierte Bewegungsfreiheit der Je­suiten würde unser von innerem Streit schon über, mäßig belastetes Vaterland mit neue« heftigen Mach». kämpfe« um die politische Vorherrschaft des ultra» montanen Klerikalismus und mit schweren Störung«» des konfessionellen Friedens erfüllt werden.

In Nebereinstimmung mit der großen Mehrheit btt reichstreuen und nicht ultramontan gerichteten Bevor, kerung fordert deshalb der evangelische Bund mit aller Entschiedenheit, daß weder eine dem Rechts empfiiw« widersprechende Auslegung versucht, «och eine Aus­hebung des Gesetzes beschlossen werd«, daß vielmehr de» Gesetz aufrechterhalten und sein Vollzug stchergestellt Werbe.*

2. Eine alte. Im Jcchrr 1775 am 27. Sep. temb’i schrieb Friedrich der Große tnm Potsdam aus: ■

Mei« lieber Fürst Bischoff von Ermlandl Er ist Euch keineswegs unbekannt, wie sehr Ich Mir die g u t« Erziehung der Jugend in Meinen Staaten a» gelegen sein laste. Man trifft überall Merkmale Mei­ner Vorsorge an, welche Ich zum Beste« dieses Teck» Meiner Regierung gemacht habe.

Eben derohalber, da Ich von der Jugend Eurex Religion rede, habe ich mit Verdruß wahrgenommen, daß Meinem Erziehungsplan eine, völlige Zermchtun, bevorgestanden, als man den Jesuitenorden zernichteu wollte, welcher Mir dennoch s » ta-uglich zu r B ik» düng und Führung der Jugend Ker Er­lernung der Wissenschaften vorkanw. Ich habe deshalb zur Beibehaltung des Ordens in Wein« Landen alles mögliche getan, und der Papst selbst hat denen Grundursachen, die Mich veranlasset dergleichen Lehrmeister zu begünstigen, seinen Beifall nicht ver­sagen können. Seine Heiligkeit haben vielmehr darob Ihren Wohlgefallen geäußert und Mir zu wissen ge­tan, weichergestalt Hochdiefelben, was diese in Meinen Staaten befindlichen. Patres anlangt, sich von all«« Jrregularitätserklärung gegen dieselbe enthalten wur­den angesehen Ich einmal die Vorteile erkennte, die jtt Meinem Ziel und Zweck dienlich, und die Si« selbst sowohl für gerecht als kobsam hielten

Zusätze nun dieser Päpstlichen Erklärung geschieht eS, daß Ich Euch durch gegenwärtiges Schreibe« cm- befehle, im geringste« nichts, was diese Patres durch Mein'' Staaten anbetrifft, sowohl in geistlichen al»

Wochen-Ullndichau.

[:) Fulda, 18. Oktober 1912.

Bei der gespannte« internationalen Lage und dem ganz Europa bedrohende« Gewitter, das sich gegentvärtig über dem Balkan entlädt, ist in der vergangenen Woche das Jnteress: an der inneren Politik zurückged:ängt worden. Die Maßnahmen der Regierungen zur Linderung der 2 e n ® wurden allerdings noch ergiebig in der Presse er­örtert, doch läßt im Allgemeinen die Tonart mcht mehr so viel gu wünschen übrig, als vordem. Eine erregte Auseinandersetzung fand allerdings noch zwi­schen dem Bund der Landwirte und der Regierung statt. Es klang fast wie eine Kampfansage des Bun­des an den Reichskanzler, die in der freikonferva- tiven Presse ein Staatsecho fand. Vielleicht um di: erregten Gemüter zu beschwichtigen, hat sich darum die Regierung von Bethmann Hollweg dazu ent­schlossen, zum ersten Riale von dem vor vier Jahre« geschaffenen EntergnnngSgesetz Gebrauch zu machen. Es find allerdings nur 7000 Morgen, die von der Regierung jetzt enteignet werden sollen; aber es ist der erste Schritt, dem in Zukunft noch viele folgen können. Es ist fast unbegreiflich, wie die Regierung gerade zum jetzigen Zeitpunkt sich zu einem derartigen Vorgehen hat entschließen können. Sie tat sogar noch mehr, sie ist gewillt, dem preußi­schen Abgeordnetenhause schon gleich nach seinem Zusamnten tritt am 22. Oktober das Parzellierungs­gesetz vorzulegen.

Die Ankündigung eines Reichspetroleum­monopols wird augenblicklich in der Presse viel erörtert. Grundsätzliche Bedenken dagegen werden kaum laut, dock' fehlt es nicht an Stimmen, die gegen die praktische Durchführbarkeit sprechen. Vor allem, mich es uns darauf ankommen, daß durch die geplante Neugründung der Konsum keine höhere Briastung erfährt und den Gesellschaftern keine zu hohen Dividende in den Schoß fallen. Der Gesetz­entwurf der Regierung wird jedenfalls im Reichs­tage einer eingehenden Prüfung unterzogen werden müssen.

Unser Wirtschaftsleben und besonders die Bör­sen erlitten in der vergangenen Woche mehrmals schwere Erschütterungen. Die Nachrichten über die kriegerische Entwicklung auf dem Balkan gaben zu großen Beunruhigungen Anlaß, die in Wirklichkeit iit keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr stan­den. Das deutsche Kapital ist im Orient nur in einem im Verhältnis zu seiner Gesamtmenge ziem­lich geringen Maße beteiligt, und Deutschland wird von den Balkankrisen unter den Großmächten des europäischen Festlandes am wenigsten berührt. Durch den akuten Ausbruch des Balkankrieges ior:b der quälenden Ungewißheit und darum auch den vielen Beunruhigungen hoffentlich ein Ende gemacht.

lieber die Balkanländer breitet mit schwe­rem Flügelschlag der Würgengel sein: Fittiche. Die Feindseligkeiten haben begonnen, der Kanonendon­ner hallt über die Gefilde, der Schnitter Tod hält reiche Ernte. Um Nationen und Länder geht der Kampf. Daß die Großmächte im vorhinein ein Verbot der Aenderung in den Besitzverhältnissen der Halbinsel erlassen haben, hören die Völker nicht, die den Krieg entfesselt haben, und wollen es nicht hören. Was die Zukunft bringt, steht auf einem Blatte, das heute noch nicht anfgeschlagen ist: Erst der Kampf — das Weitere wird sich finden. Um Nationen und Länder geht's, aber auch um Zepter und Kronen. Herrscher und Dynastien können stür- ;ren und werden voraussichtlich stürzen, fei es in Konstantinopel, sei es in Sofia, sei es in Belgrad, Letinje oder Athen. Doch alles das ist den Krieg­führenden in di-fern Augenblicke Nebenfache. De: wilde Strudel läßt keine Gedanken und Bedenken

scher Saugkraft gefolgt werden. Wenn die HauS- lampe nicht tadellos funktioniert, fo kommt die Haus­frau mit Recht in schlechten Geruch. Sparsamkeit ist gut, aber nur am rechten Fleck. Wer sich mit schlechten Dochten, schadhaften Zylindern oder sonsti­gen mangelhafte« Lauchen teilen behelfen will, ist kein Sparer, sondern ein Verschwender. Will man die AnsAoben für Beleuchtung einfchränken, so gibt es dafür ein vortreffliches Mittel: frühzeitig zu Bett gehen! Tas ist ja auch ein* Folge der modernen B lleuchtungstechnik, daß die Menschen verführt werden, die cklachi zum Tag zu machen und den Schlaf zu verkürzen. Es gibt aber keine bes­sere Medizin gegen die Nervosttitt und andere« Zeit- übll, als den ausgiebigen Schlaf.

Wenn mm das Reich der Petroleum Händler wich' so brauchen '.orr keineswegs aus Patriotismus tim- gtt bei der Lampe sitzen ju bleiben. Unter Umstän­den kann eS dem Reiche erwünscht sein, daß recht wenig Petroleum verbraucht wird; denn es ist mög­lich, daß die nordamerikamschen Petrol eumköniq« uns mal ihre Petroleumguellen sperren und daß wir ans den anderen Länder« nicht genug geeigne­tes Lauche nöl bekommen können. Auch ht diesem unblutigen Kriege muß man auf Überraschungen gefaxt sein. Vielleicht werden zeitwellig mal wieder die Kerzen oder sogar die alten Rüböllampeu als Lückenbüßer herangeholt werden müssen. Das Beste wäre, wenn wir gar kein Geld für fremdländifch 4 Leuchtöl über die Grenze zu schicken brauchten, so«, dem uns das Licht aus eigenen Mitteln im eigenen Lande beschafften. Wer weiß, ob nicht nach eine«! Menschenalter schon das ganze Land mit Elektrizi­tätswerken übersäet ist, die tagsüber den Kraftstrom und abmds den Lichtftrom dis in alle ländlichen Be­hausungen für eilten billigen Preis liefern! Darauf­hin könnte man dem neuen Petrolemnmonchwl schon an seiner Wiege ein Grablied fingen. Aber inzwischen werden wir die alten Lampen pflegen und di: Zwi­schenfälle des beginnenden Oelkrieges über uns er­gehen lassen müssen. Schlimm wird es ja wohl nicht werden. Jedenfalls können wir dem Himmel dan- len, wenn uns kein gefährlicherer Krieg beschert wird, als dieses unblutige Rinacn um den Petro- leiuumarlL

kommen. Der Krieg sst da, ein neuer Ad­der Geschichte des Balkans beginnt. Eine Schickfalsstnnde füx die Völker schlägt. Nicht bloß für die Balkanvölker. Beklommen steht Europa vor

siegt, wer unterliegt, ist nicht das einzige und vielleicht nicht einmal das wichtigste Problem des beginnen* den Feldzuges. Man ahnt und fühlt, daß fiir uns alle, die wir den europäische« Welttell bewohnen, weit ernstere Fragen angesichts des Kriegstheaters austauchen.

Beruhigend wirkt die Meldung, daß der Präli- minarfriebe zwischen Italien und der Türkei endlich unterzeichnet worden ist und der endgültige Vertrag noch im Laufe dieser Woche unterzeichnet werden soll. Schon hatte man sich darauf gefaßt, daß die Friedensverhandlungen in Ouchy scheitern würden, schon sah man die Kriegslage durch die Fortführung des italienisch-türkischen Konflikts un­gemein ftnnplizicrt und verschärft. Glücklicherweise aber haben die Schwarzseher nicht Recht behalteup die Türkei hat sich endlich doch bequemt, die ita­lienische» Bedingungen anzunehmen. Sie hat da- durch die Hände frei gegen ihre zahlreichen Gegner hart an den Landesgrenzen.

Das englische Parlament arbetiet irrte» der. Es soll in dies«: Tagung drei große Vorlagen, die Homerulebill, die Vorlage zur Entstaatlichung der Kirche in Wales und die Wahlrechtsvorlage er­ledigen. Heiß umftritten wurde in der letzten Zett besonders die Homerulevorlage; die englische Re- gierung wollte sie so rasch wie möglich erledigen. Die Ulsterbewegung im protestantischen Mrden Jr- lands hatte eine starke Erbitterung gegen die katho­lische Mehrheit und die Regierung gezeitigt. Die Vorlage ist einer Kommission überwiesen worden rmd es bleibt nun abzuwarten, ob es den Kommis­sionsberatungen gelingen wird, der zutage getretenen Schwierigkeiten Herr zu werden. Es wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn dem katholischen Irland eurer Hand voll Protestanten wegen fein Recht vorenthalten würde.

Der Ausstand der spanischen Eisenbahn­beamten hat überraschend schnell sein Ende ge­funden. So jäh die Bewegung ausgebrochen war, so plötzlich hat sie ein Ende genommen. Die Regie­rung hatte in unzweideutiger Weise kund getan, daß sie einen Ausstand der Eisenbahnangestellten über­haupt nicht dulden würde. Bald hatte sich auch ge­zeigt, daß die Forderungen der Angestellten in finanzieller Hinsicht unerfüllbar waren. Die Eisen­bahner haben wohl selbst gemerkt, daß sie sich mtt ihrer Haltung mehr und mehr ins Unrecht setzten und haben sich darum beeilt, die von der Regierung geschlagene Brücke — ihre Wünsche durch neue Ge­setze nach Möglichkett zu befriedigen — zu benutzen.

gen, denn sonst schlagen sich die Inhaber von Oel- lampen auf die oppositionelle Seite. Die roten Agi­tatoren, die bisher schon billiges Brot und billiges Fleisch verheißen haben, werden bann auch noch ben Köder d:s billigen LeuchtölS auswerfen, und wenn sie gewählt sind, fo bleibt es -doch beim alten, denn auch die Regierung kann das Oel nicht billiger ver­kaufen, als wie es eingekauft worden ist. Hoffen wir, daß nufere Mutter Erde fortan recht reichlich Petroleum aus ihren Eingeweide« hergibt, damtt der Preis niedrig blecht. Sonst kommt die Regie­rung bei dem Handel mit diesem duftigen Oel m schlechten Geruch.

Ach, der Geruch! Der versetzt müh in meine Fugendzeit zurück, in jene gute alte Zeit, als wir behaglich unsere Hsuskampen mit dem harmlosen Erzeugnis unserer einheimischen Oelmühlen speisten — bis dieses neumodische Steiuö! tote ein Hecht in den Karpfenteich der Beleuchtung kam. Die Leute wußten zuerst nicht redjt, ob sie Petroleum obÄ Pe- tröbleum sagen sollten. Aber noch größer, als der Anstoß für die Zunge, war das Aergernis für ine Nase. Das erste Petroleum war mangelhaft gerei­nigt, und die Lampen waren schlecht eingerichtet. Da­her stank das neue Leuchtmittel zum Himmel ober wenig,?ens zur Zimmerdecke. Aber Stinken und Blaken fonnte den Siegeszug des Petroleums nicht aufhalten. Es gab mehr Licht für weniger Geld. Der Hunger nach „mehr Licht" erwachte damals schon. Jetzt fft bekanntlich der Lichthunger in ben Stödten schon so gewaltig augewachsen, daß auch die schönste Petrolsimlampe für eine rückständige Ein­richtung güt und nur noch Gasglühstrümpfe ober elektrische Lampen von mindestens 100 Normalkerzen als zeitgemäß gelten.

Es gehl mtt dem Lichthunger ähnlich wie mtt dem Fleischhunger: das berechtige Strebe« schlägt in Uebertreibiuig aus. Wir könnten ganz gut mit weniger Licht auskommen; ebenso mit etwas weni­ger Fleisch, wenn wir nur für gehörige Gemüse-, Reis- und Mehlspeisen sorgten. Sind denn bei dem jüngeren Geschlecht, das unter einer Fülle von Kunstlicht aufgetoatofe« ist die Augen besser, als bei den alten Jahrgängen, die noch an den Tranfunzeln und an den Talgkerzen gesessen haben? Ich habe

scheu Bevölkerung dadurch brechen und verstärkt sie im Gegenteil nur noch mehr. Unter lebhafter Zu­stimmung wies in der Sitzung vom 3. Mörz 1908 der Zentrumsabg. Dr. Porfch darauf hin, daß jeder enteignete Hektar die Erregung in den polni­schen Landesteilen steigern würde und die besonnenen und ruhigen Elemente, deren es auch in der polni­schen Bevölkerung gäbe, dadurch mehr und mehr zugunsten der radikalen Elemente in den Hinter­grund gedrängt würden. Dabei würde die Regierung die Leute nicht mal los, die sie expropriiert habe, sie blieben ja im Lande und bekämen Geld in die Hand und würden, wenn sie dem Ar und Halm nicht mehr dienen können, sich eine andere Beschäftigung suchen, voraussichtlich nicht, um dem inneren Frie­den in unserem Baterlande zu dienen. Wir glau­ben nicht, daß mit diesem Vorgehen dem inneren Frieden gedient wird, am wenigsten zum jetzigen Zettpunkt.

Gegen das Enteignungsgesetz haben seinerzeit die allernationalsten SDlänner gestimmt, wie ein Feldmarschnll Graf Häseler und der Herzog Emst Günther von Schleswig-Hofftein, der Schwager des Kaisers. Sie erblickten in ihm eine umstürzlerische Maßnahme, eine Antastung des Privateigentums im Sinne der Verfechter des sozialfftffchen Zukunsts­staates. Diese Erwägungen waren von so durch­schlagender Kraft, daß erzählt wurde, Fürst Bülow, der Kanzler des leichtherzigen Opportunismus, habe dm Widerstand gegen das Gesetz bei vielen konser­vativen Herren nur dadurch brechen können, daß er versprochen habe, es niemals anzuwenden; es soll; nur wie ein Damoklesschwert wirken. Wir lassen es dahingestellt, inwieweit diese Erzählungen auf Wahrheit beruhten. Jedenfalls erhielten sie eine gewisse Bestätigung durch die Tatsache, daß Bülow selbst das Gesetz nicht angewandt, daß sein Nachfolger mit der Anwmdung drei Jabre azögert und daß die Freunde des Gesetzes die schärfften Angriffe ge­gen die Regierung gerichtet haben, um feine Anwen­dung zu erzielen.

Frhr. von Schorlemer-Lieser, der Landwirtschafts- Minister, ist unser Mann nicht. Aber sein Vater, Freiherr v. S ch o r l e me r-A 1 st, war unfer Mann. Er war der schärfste Bekämpfer der un­seligen Ostmarken Politik. Man erlebt es ja nicht selten, daß Söhne nicht die Pfade chrer Väter Wan- dein. Aber es schmerzt uns doch, daß mtt der Aus­führung der ertremften Maßregel der Hakatisten- politik der Name Schorlemer verknüpft wstd.

nichts dergke-'chen bemerkt. Was meine eigenen Guck äuqelcin angeht, Ja befinden sich die (unberufen, sagt der Berliner), nod) sehr Wohl, obschon (oder vielleicht: Wests sie in der Jugend ans eine sehr bescheidene Lichtpvrtion gefetzt waren. Tie ganze lange Gpm- nafialzeit hindurch habe ich an einem Putt geochst, das nur von einer Kerze spärliches Acht erhielt. Erst war es eine urwüchsige Talgkerze mit der ehrü'ürdigen Sichtschere; dann wurde eine Stearin­kerze daraus, die weniger Pflege verlangt, aber das Auge keineswegs blendete. Es ging auch fo. Wenn ich jetzt in dem modernen „Lichtmeere" unter hän­gendem Gasglühlicht oder elektrischen Bogenlamve« sitze, so denke ich gern zurück an die altväterliche Be­leuchtung von damals, die erstens viel gemütlicher und viel bekömmlicher für die An gen war. Du Mensch hat die Neigung, sich zu verwöhnen, und wenn er sich einen Luxus angewöhnt Hat, fo hält er ihn für eine Lebxnsnottoendigkett. Was zuerst eine Lust war, wird nachher eine Last.

Der Mittelweg ist stets der befte Weg. Wir brauchen fo viel Licht, daß das Auge bei der Arbeit nicht ermüdet; aber wir brauchen nicht (o viel Licht, daß das Auge gereizt ober gar geblendet wird. Es kommt nicht bloß auf die Stärke des Lichtes an. sondern hauptsächlich auf die Stellung des Lichtes zu dem Auge und zu der Stelle, die das Aug: zu betrachten hat. Wenn die Entfernung vom Licht verdoppelt wird, fo schrumpft die Helligkeit auf ein Viertel zusammen. Umgekehrt wird die Beleuchtung auf das Vierfache verstärkt, wenn man sich der Licht­quelle um die Hälfte des Weges uSferi. Man darf sich aber nicht fo weit nähern, daß die Wärmeaus­strahlung dem Kopse empfindlich wird. Die richtige Entfernung von der Lampe und die zweckmäßige Stellung des Körpers und des Arbeitsfeldes an-;u- probiere« und eiuznhaltm. ist ein Hauplpmrtt der persönlichen Beleuchtungstechnik. Im übrigen richte man die Hanptst vgfalt nicht auf die Größe des Bren­ners, sondern auf dessen Tüchtigkeit. Die Lampe darf nicht riechen, geschweige denn blaken. Es muß eine gleichmäßige, vollkommene Verbrennung des Oels 'stattfinden: deshalb muß die Lumpe tu allen ihren Teilen peinlich sauber gehalten und nament­lich für einen vollkommen passenden Docht von fri­

Eines der zur Enteignung kommenden Güter, das Gut K o l d r o m b in Posen, wird im Berl. Tagebl. als „ein Musterbeispiel für die völlige Verwilderung auf dem ostdeutschen Gütermarkt" hingestellt auf Grund einer an die Köln. Ztg. gerichteten Zuschrift aus dem Osten:

Das 4 Kilometer von Jmowitz gelegene GM Kok- bromb, welches enteignet wirb, fft fett einem Biertel- jabre in polnischer Hand. In den letzten Jahren hatte bas Gut folgenbe Besitzer: 1. Schlieper, 2: Stein» hoff, 3. Grüntal: er kaufte bas Gut tm Jahre 18 '9 sür 98000 Mark , 4. St'(imitier, er kaufte das Gut im Jahre 1903 für 210 000 Mark: 5. Freitag, er kaufte baS Gut im Jahre 1906 für 400 000 Mark; 6. Senftteben, der bas Wut im Jahre 1910 für 600000 Mark tntb T d. TncmfN, bet es im Jahre 1912 für 920000 Mark kaufte. Das Gut bat 1510 Morgen Acker, 260 Morgen Wiese, 27 Morgen Wald,64 Morgen tlnlanb, 360 Morgen See, zusammen 2227 weniger 360 Morgen ist 1867 Morgen ä. 493 Mark Das Gut hat Rüvenboben, aber auch flieg-nden Sanb.

Tie Preissteigerung der Güter in den Ostmarken ist — wenn sie auch im Falle Koldromb auffällig erscheinen muß, falls die angegebenen Ziffern rich­tig sind — erst durch die preußische Polenpolitik künstlich herbeigeführt worden. Als aber der Kauf­preis noch erheblich geringer war, vor etwa 8 Jahren, wurde, wie die Germ, mttteilt, das Gilt Koldromb wiederholt der Ansiedlungskommission zum Kauf an geboten, aber das Verkaufsan­gebot wurde von dieser als für die Ansiedlmtg gänz­lich ungeeignet rundweg zurückgewiefen. War­um soll es denn jetzt mit einemmal zur Enteig­nung für Anfiedlnngszwecke geeignet fein? Liegt hier nicht ein so krasser Fall vor, der den Voraussetzungen für die Anwendung des Enteignungsgesetzes dtteü widerspricht? Im übrigen kommt auch hier

Unpolitische Zettlsuse.

N. Berlin, 17. Oktober 1912.

^Nachdruck verboten.)

„Bums, da fallt die Lampe um; alles voll P e- 1 r o ! e u m." Geistreich ist das Lied nicht, aber le­benswahr, und diese Verse gehen mir wieder durch den .stopf, seitdem das Reichsmonopol für Petroleum engekündigt worden ist. Hintm wett tobt der Bal­kankrieg, und wir leisten uns hier einen Petro- leumkrieg. Lebensgefährlich ist das glücklicher­weise nicht; Blutflecke kann es nicht geben, höchstens Fettflecke. Es wird mit Gcsetzcsparagraph en und Tankwagen gekämpft. Das Deutsche Reich macht mobil gegen die amerikanische Standard Oil Eom- panij, die seit Jahren mit viel Geldkrast und zäher Schioulieit darauf ansgeht, den ganzen deutschen Peir.'ieumhandel unter ihre Fuchtel zu bringen. Bish'r sind wir von dem Petrolenmköuig Rockefeller und seinen Ministern noch glimpflich behandelt wor­den, da die Herrschaft noch erst ausgestaltet werden mußte. Aber wenn die Tyrannei mal feftbegründet ist, so können uns die geriebenen Nordamerikaner nach Belieben auswnchcrn. Denn Petro/ennr brau­chen wir massenhaft, und wenn alle anderen Zu- ftrhren abgeschnitieir sind, so müssen wir den Ameri­kanern jeden Preis zahlen, den sie fordern. Jetzt sei es noch Zeit, meint die Regierung, den Kopf aus dieser wohlpräparierten Petroleumschlinge yt ziehen. Damit wir nicht einem Rockeseller-Monopol verfal­len, machen wir schleunigst ein R e i ch s m o n o P o l für den Großhandel in Petroleirm. Tas Reich will aber den Handel nicht selbst durch seine Beamten be­treiben lassen, sondern ihn einer Aktiengesellschaft unter gehöriger Regierungsaufsicht übertragen.

Wer hätte gedacht, daß unsere gute alte Haus­und Naminenlankpe noch vom Tcntscheu Reich be­muttert werden svltte! Der deutsche Reichsapfel wird nun «»ch neu) mit Petroleum gesalbt. Wenn künftig die Petroleumpreife steigen, so wissen die Hausfrauen wenigstens, auf wen sie ihren Aerger entladen sollen. Tann wird auf die Regiermrg ge- ; schölten werd?». Stehen Wahlen vor der Tür,'so pluß die Regierung für billige Petroleumtzreisr sor­