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Samstag 19. SMober 1912.
39. Jahrgang.
• fuldaer W Leitung
4. Blatt. - <
vruck un» Verlag der Fuldaer rktteadruckeret 4
ii 8»lda.
Atta Braut.
>£ Tarifverträge im HandwerZ.
Im 4. Sonderheft des „Reichsarbcitsblcitts" ist eine eingehende Hebersicht über die Tarisgemein- schaften des Jahres 1910 gegeben. Danach gab es im Handwerk 2039 Tarife, die sich ans 59 592 Betriebe mit 336 721 Gesellen und Arbeiter erstrecken.
* B llige Aussteuer.
Ton M. S ch l l e r i n g s.
Melden ist Braut, eine reizende, strahlend:
Was nun die angebliche Einbuße de» deutsch» Ansehens in Konstantinopel angeht, so darf man unter den gegenwärtigen Verhältnissen die diplo- malischen Nachwirkungen des italienischen Friedensbruches wohl als abgttan erachten. Die Türkei hat jetzt ganz andere und viel größere Sorgen. Für die türkischen Staatsmänner wird jetzt entscheidend sein, wie sich die einzelnen Mächte zu der Zukunst ihres europäischen Besitzstandes stellen. Da bringt es dir Natur der Dinge mit sich, daß die Türkei die Freundschaft Oesterreich-Ungarns neuerdings wieder hochschätzen lernt und damit auch das verbündete deutsche Ruch wieder zu Vertrauen und Ansehen in Konstantinopel gelangt.
Also alles in allem genommen, können tote nut dem Verlauf dieses einjiährigrn Krieges um Tripolis zufrieden sein. Wenn nur der neue Balkankrieg ebenso ungefährlich verlaufen wollte!
^Zwei Jahre Republik in Portugal.
ilm 5. Oktober feierte das Tolk in Portugal den zweiten Jahrestag der Errichtung der Rwu- blif, wenn man auf das Fehlen von Nachrichten die feit einiger Zeit sehr spärlich fließen, ovtiniiflisch schließen wollte in allgemeiner Ruhe. Dieses Stillschweigen ist aber nichts als der Druck der Regie- runq, um die wahren Zustände vor der ülrigen We t zu ve: bergen
Die Republik hat in den zwei Jahren ihres Bestehens gründlich abgehaust und nur das unglaublichste Schreckensregiment hält sie aufrecht. Dieses Schreckensregiment ist so arg, daß niemand es wagt, die Dinge beim Namen zu neunen oder wahrheitsgetreu zu veröffentlichen. Auch die privaten Korrespondknzen werden überwacht und em unkluges Wort genügt, um dem Schreiber ober Adressaten wegen „Verrat* den Prozeß zu machen und ihn in's Gefängnis zu bringen. Die Gefängniffe in Portugal aber erinnern an das Wort Dante's! von der Hölle: Laßt jede Hoffnung draußen! Die Körper einer Menge von politischen Gesangenen sind an Bäumen aufgehängt ober durchschossen ausgeiunden worben, ohne baß ben Gefangenen der Prozeß gemacht worden wäre.
Ter ganze Haß der Catbonari unb Freimaurer wendet sich gegen die Mitglieder von katholischen Vereinen und gegen den Klerus. Diese Tyrannen wollten, baß der Episkopat und der Klerus trotz des Trennungsgesetzes, trotz der Verfolgung nno Einkerkerung, trotz der Wegnahme des Kirchengutes, trotz der Erklärung des Ministers Costa, daß in drei Jahren jede Spur an ben Katholizismus in Portugal ansgetilgk sein wurde, sich zu Handlangern der Republik ern'ebrigen sollten. Aber der Episkopat und d r Klerus in seiner Mehrheit sind ihren Pflichten treu geblieben. Heute sind sämtliche portugiesischen Bischö fe wegen ihrer Standhaftigkeit aus ihren D'özescn verbannt und auch die au Stelle der Bischöfe ausgestellten Vikare mußten teilweife ihr Ami niedcrlegen. D:e Zahl der eingekerkerteu Geistlichen ist Legion; viele werden auf ben einfachen Verbuch ber Gegnerschaft der R publik hin zu vielen Jahren Gefängnis und Verbannung öerurteilt. Handelte von Geistlichen sind, um dieser Lage zu entgehen, nach Spanien, Frankreich, Betaien und besonders Brasilien entflohen. Ganze Oite und Gegenocn sind ohne Priester, ohne Sakramente, ohne R' 'gions- unterricht. Die wenigen zurückgebliebenen Priester werden an der Ausübung ihres Amtes gehindert. In.den Gefängnissen werden die Gelfttichen von den Carboi.ari aus das schändtrchste mißhandelt Die frelmanrerischen Tenunzlatioustomitees sind in eifriger Ard it, ber persönliche Haß gegen irgend einen anständigen Bürger genügt, diesen zu ruinieren. Elitlschweiaen und Ruhe herrfchl in Portugal, aber es ist die Ruhe des Kirchhofs unb das Stillschweigen der Toten.
Das Glück ist über ihr ganzes Wesen ausgegossen, sie lacht und singt. . - Nur etwas verdrießt sie. Ihre gute Slutter will, daß sie selbst an ihrer Aussteuer arbeite. Wie Mia das findet. Einfach unsinnig. Wer näht denn heutzutage noch Wäsche? Das kauft man fertig oder läßt es machen. Mutter betonte immer, daß sie ihre ganze Aussteuer selbst genäht habe. Ja, früher, in der guten, alten Zeit. Aber jetzt? Mia konnte sich doch nicht ihre feinen Fingerchen zernäheir, nein, das ging nicht, sie mußte Mutter „Herumkriegen".
Und sie erzählte ihr von ber Aussteuer ihrer Freundin Adele, die eine Frau Mertens so billig hergestellt. „Wirklich lächerlich billig, Mütterchen.
Ter Friede von OuchY.
Ouchy, 18. Oktober 1912. Um 3 Uhr 45 Mur ist ber endgültige Frieden so ertrag Italien unb der Türkei durch d.e bevollmächtig Unterhändler Beriholini, Fufmato und p Seitm Italiens und Nabi Bey, Fahreddin Bey und in Ouchy unterzeichnet wordem
Damit ist ber italienisch-türkisch: Krieg end- „ - (fÄeeübet. Als vor eurem guten Jahre, nm ‘>7 September 1911, der Eroberungskrieg um Tripolis begann, wurde dieses Abenteuer gerade für Deutschland eine Quelle von Besorgnis und Aerg-r. Wir fü.chteten, daß schon dieser Kampf die kritische Balkanfrage aufrollen könnte. Wir mußten voraus- sehen, daß der Vorstoß des im Dreibund stehenden Italien den Einfluß der deutschen Diplomatte in Konstanünopel schmälern würde. Sehr bald merk- teu wir auch, daß die Französlinge in Italien die Gelegenheit benutzten, um die nervöse öffentliche Meinung dort gegen Deutschland einzunehmen, indem sie namentlich die kritischen Bemerkungen der deuisckeU Preffe über die Rechtsfragen und über den Wert ber militärischen Erfolge zu dreibund- fniidlicheu Zwecken ausbeuteten
Am Schluffe des einjährigen Krieges darf man nun sagen Es ging besser, als man erwarten durste.
Die Hauptsache war die Lokalisierung des Krieges, eine Aufgabe, die jetzt neuerdings unter viel schwierigeren Verhältnissen abermals gel-st werden soll. Aus dem Tripoliskriege ist kein Bal- kanbranb, geschweige denn ein Sßcttbranb entstauben. Dar bars man der italienischen Regierung znm Verdienst aurcchnen: denn nach dem ersten übereilten Vorstoß ihrer Flotte gegen die albanische Küste Hal sie bas Versprechen gegeben unb getreulich gehalten, von einer Beunruhigung ber Balkaulcinber abzusehen. Italien kann jetzt ohne weiteres in die Reihe ber Mächte treten, die ben Stand der Dinge auf dem B ckan unbebingt erhalten wollen; es hat auch in bet Kr egszert diesen Status quo respektiert unb bannt dem europäischeuFrieden einen großen Dienst erwiesen.
Allerbings tann man sagen, daß die kriegslustigen Balkan st aaten vermutlich durch den Kamp', ui ben die Türkei mit Italien verwickelt war, zu ihrem gegenwärtigen Vorgehen ermuntert worben sind. R> er für eine solche Neben- und Nachwirkung kann man billigerweise Italien nicht verantwortlich machen. Ein sonderbares Spiel des Schicksals will es nun, daß der Balkankrieg, auf dessen Entfachung Italien verzichtet halte, das Ende des Tripolis- krieges beschleunigen mußte. Die Türkei hätte noch lange nicht in die Abtretung ihrer afrikanischen Besitzungen gewilligt, wenn nicht in Europa bas Messer an ihre Kehle gesetzt unb ein Kampf um Sein ober Nichtsein ihr aufgezwungen worden wäre.
Tic schnelle Beendigung des Tripoliskrieges ist aber für die Dreibund st aaten von großem Werte, So lange Italien diesem Bunde angehört, müssen wir wünschen, daß es militärisch und finanziell hei Kräften bleibe. Es drohte aber die ernste Gefahr, daß Italien sich in dem heillosen Ringen um Tripolis verbluten könnte. .Ein durchschlagender Vorstoß in das Innere, überhaupt eine entscheidender Schlag gegen die Pforte erschien auf absehbarer Zeit unmöglich. Das Abenteuer hätte Italien noch furchtbar viel Soldaten, Schiffe und Geld gekostet, — wenn nicht durch die Wirren auf dem Balkan die türkische Negierung zur Nachgiebigkeit gestvungen worden wäre, und zugleich die öffentliche Meinung in der Türkei für ein Opfer in Afrika Verständnis erlangt hätte.
Zu unserem Vorteil ist obendrein noch in den letzten Monaten dieses Kriegsjahres in Italien ein Rückschlag der Franzosenschwärmerei cutgetreten. Die Reibungen mit den sranzösischen Schtuuggelschisfen hatte schon eine Ernüchterung an- gebahnt. Als nun die Konzentration der französischen Flotte im Mittelmeer angeordnet und dabei
Hunger leiden müssen, ich kann nicht billiger arbeiten. Mein Plan» ist tot, ich und mnne drei Kinder haben keinen Ernährer, ich verdiene unseren Unterhalt mit ber Nadel."
Mia überlegte, sie hatte sich borgenommen, auch hier zu siegen, sie wollte eine „billige Aussteuer" haben, wollte Trumpf spielen. Sie sprach ans die I Witwe ein und als sie das ärmliche Stübchen verließ, hatte sie arich diese „herumgekriegt". „Ich schicke Ihnen das Zeug zu", rief sie noch in der Türe. Tann ging sie befriedigt die knarrenden Stiegen hinab, mit dem Bewußtsein, ein recht gutes Geschäft gemacht zu haben.
Frau Mertens blickte ihr nach, wie sie da leichten Schrittes über die Straße ging, dann beugte sie sich über ihre Arbeit, nähte, — nähte. Ab und zu streifte ein sorgenvoller Blick das jüngste Kind. Es ist so still, so blaß, wenn cs krank würde. „Mutter i — weh", klingt es leise. Da springt sie auf. „Wo Liebling?" — „Hier", das Kind zeigt aus die Brrrst und gleich darauf quält es ein trockener Husten. । Armes Kindt Die Mutter macht die Milch heiß, ‘ es ist nur wenig, aber sie lindert vielleicht. Das i Kind trinkt. Dann madrt sie ein Lager in der Ecke - des 3immer» und legt das Kind darauf.
Weiter saust das Rädchen unb die mageren Hände legen Stück kür Stuck zurück. Die bleiche Frau seufzt. Di; Sorge um die Zukunft, wenn die Arbeit noch „billiger" wird, läßt sie nickt ruhen. Wie soll sie Brot scharfen für ihre Kinder?
! Mia Felde» kommt nach Hause. Mutter hat Besuch, eine unverheiratete Ewffure, die Mia nicht mag. Da sie aber voll frecher Lonne ist. ihre Aussteuer nicht nähen zu müssen, ist sie gesprächig und erzählt das Resultat ffrer nnicrH>ung mit Frau Mertens. „So, Tu laßt Tente Wasche arbeiten?" äußerte Fräulein Mirbes unb sah Mia scharf an. „Ei gewiß, Mutter hat es zugegeben", äußerte diese, „warum soll ich meine Finger zerstechen, «teuft Augen verderben, das lohnt sich nicht." — „Freilich, das lohnt sich nicht", gab Fräulein Mirbes zurück, „haft Du aber auch bedacht, ob es sick für die arm;
Dafür kann ich mich nicht hinfetzen und nähen, und mir di: Augen verderben." Frau Felben war rasch überzeugt, freilich seufzte sie ein wenig und tadelte die Mädchen der Neuzeit. Aber, was sollte sie machen, es war nickt mehr wie früher, vielleicht hattt Mia auch recht, die Arbeit lohnte sich nicht.
Froh, über beit gelungenen Sieg, stieg die junge Braut am folgenden Tag: die knarrenden Stiege zu Frau Mertens Wohnung hinan. Eine bleiche Frau sitzt über die Näharbeit gebeugt, drei kleine Kinder spielen mit dem Abfall des Weißzeuges. Es ist kein ersreuliches Bild, das sich Mia bietet, aber ve unterdrückt ihr Unbehagen und fragt, ob Frau Mertens ihre Siuäfteuer nähen wollte. „O, wie gerne." Die Augen der armen Frau leuchten. Mit überfliegt sie Mias elegante Kleidung. „ . ö ,9a6 sicher eine gute Einnahme." — „Ja, sste tonnten meine ganze Wäsche nähen", äußerte '-auch sticken. Was verlangen Sie im ailge- metneu dafür?" Die junge Frau nannte den q.rets. „ wer nein", bemerkte Mia gelassen, „ich buchte, Ste wurden billiger arbeiten."
„Noch billiger, Fräulein?" sagte Frau Mertens, ^,aber ich nahe oft Tag unb Nackt, bamit wir keinen
die Vorherrschaft Frankreichs in diesem Meer sehr deutlich proklamiert war, da erwacht: doch in Italien von neuem das Verständnis für den N u " c n, ja für die Notwendigkeit des Anschluffes an ^eittsch- jand i—b Oesterreich.
I
Ami Geisa und Umgebung.
)' Geisa, 18. Okt. 1912. Im August 1913 rotre das 1. Kurhessische Feldartillerie - Regiment Nr. 11 in Kassel das 100 jährige Jubiläum sestsich begehen. Als Vertrauensmann für den hiesigen Amtsgerichts» oezirk ist der Kamerad Stadtsekretär Winter gt» wählt worden, an den die Anmeldungen bei Kameraden |ür die Teilnahme au der Feier zu richten sind.
* Oftheim, 18. Okt. 1912. Bürgersckullchrer Sülzner, der schon längere Zeit dem Vorstand des Weimarischen Landeslehrervereins angehörte, wurde kürzlich wiederum emfümmig als Vorltands- Mitglied durch Vertreter des Schulanttsbezir.s Dermbach gewählt.
♦ SlaStlengSs-ld, 18.Ott. 1912. Die Klempner, und Schloj>er-Jnnung für den 4. Verwaltungsbezirk hält am Sonntag hier eine ordentlich« Versammlung ab.
Aus Gberhesien u. ben Hess. Remtern.
♦ Frankeuberg, 18. Okt. 1912. Die Herbst. RpHttolloeriammlungen im hiesigen und iiiu.ier La dwehibezirk sind wi: folgt festgesetzt;
Leiche einer etwa 45jährigen Frau au8 dem Mair» gelänget. Tie Leiche hatte wahrscheinlich nur wenig«? Stunde« im Wasser gelegen. — Eine in der Korn« blumengaffe wohnende, 41 Jahre alte Frau Walch wird seit Dienstag morgen vermißt. Ma« glaubt, daß sie sich ein Leid angetan hat. Di« Frau trug em schwarzes Keid.
♦ Mainz. 17. Okt. 1912. Zn einer stürmische» Sitzung entwickelte sich die letzte Stadtverordnelen» Versammlung bei der Beratung übet die Errichtung des städtischen VersicherungsamteS, das seit dem 1. Ottober in Kraft sein sollte. Die Errichtung dieses Amtes hatte sich durch den Urlaub des Oberbürgermeisters verzögert. Die Angelegenheit wurde dringlich behandelt und sihr rasch die Vorsitzenden für das Amt in Vorschlag gebracht. Hierüber «r» eiferten sich eine Anzahl Stadtverordnete, die behaupteten, erst durch die Preffe von der bevorstehenden Ernennung mehrerer Herren zu Beamten dcS Vcr- stcherungsamtes Kenntnis erhalten zu haben, unb die Ansicht vertraten, daß man nicht sämtlich« Stadtverordneten, sondern nur die Stellendesetzungs« und Finanzkommission befragte, sei eine Mißachtung des Stadtverordnetenkollegiums. Der Ton wurde zeitweise sehr scharf und laut. Schließlich wurden die weiteren Debatten in die nichtöffentliche Sitzung verlegt.
• Mannheim, 18. Okt. 1912. Der Vorarbeiter Steffens erkrankte Mittwoch nach dem Genuß von Kaffee, den er beim Früstück in der Fabrik g trunken hatte und starb am folgenden Tage, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die Tlactts- anwallschaft beschlagnahmte den Leichnam und leitete eine Untersuchung ein, da angenommen w rb, daß Steffens von Arbeitern der Fabrik vergiftet worden ist. Inzwischen sind schon zwei Uuterarbeilet verhaftet worden.
* Ems, 18. Okt. 1912. Die diesjährige S cn s o n hat infoige des schlechten Wetters gegenüber dem Vorjahre einen schwächeren Besuch gebracht. 44» letzte Kurlrste bezeichnet als Gesamtziffer 10003 Kurgäste und 12171 - Passanten, im Vorjahre 10858 Kurgäste und 12756 Passanten.
* Würzburg, 18. Okt. 1912. Dieser Tage sand hie» im fall). GeseUenhause die 3. Diözes antonjeren « der Burschenverfiuspräsides der Diözese Würzvurg statt, zu der sich 60 Geistliche eingesunden batten. Nach dem Rechenfchaftsbericht beträgt die Zahl der Burichenver- eine jetzt 82, von welchen 61 an een Landesverband in Regensburg angeschloffen sind. Di» Diözesankaff» schließt mit 153,80 Mark ab. Herr Domkapitular Stahl»! forderte in einer Ansprache zu treuer und unverdrossener Arbeit auf. Herr tiaiibesfehetär Weiß» Regen-Pur« drückte seine Freude darüber aus, daß die Vereinssache in ttnterfranken in den letzten Jahren so ersreu>ich< Fortschritte gemacht habe. Schließlich wurde eine Reio lution angenommen, welche die Gliederung der Diözest in Gauverbände verlangt.
* Aus Franken, 18. Okt. 1912. lieber 14000 Zentner Obst hat die Obstoerwertuiigsgenoffenschaft in Obernburg erhalten. — In Kitzingen ist di« Weinlese in Menge und Güte schlecht ausgefallen
Sonne im Haus.
Skizze von Joseph Heinrich Berlenbach.
Mittag ist's. Die salbe Pfarrhoflinde gleißt in allen Farbe». Strahlenströme fließen auf sie nieder — Herbstsonnengold.
Im Pfarrgarten lächeln des Sommers l'tzte, verspätete Rosen; ein Meer weißer Astern umwogt der schmalen, gepflasterten Weg, der weiterhin sich zwilchen kunswoll verschlungenen Obstspalieren ein» gräbt. Leuchtend: Sonuentupsen huschen über den Weg, nach dem Auge find's wirkliche Tupsen, ringelnde Kränzlein, schimmernde Lämmchen, entfernter aber verschwimmen die Formen zu einem fernen, undeutlichen Mosaik.
Wo das Pfarrhaus seine grauen verwetterien Mauern ernst und nüchtern dem Beschauer zeigt, endet der Weg vor einer altertümlich geschnitzten Eichen-Doppeltür. Tort hängt auch der umständlich großväterliche Glockenzug, an dem man fünfmal kräftig ziehen muß, um die Pfarrköchm aufmerksam zu machen, die bann jedesmal behauptet: „Di: nar- rifck Schell hat Rheumasismus, Herr . .
Das Haus ist still. Im ttefsten Frieden steht es vor uns. Der alte Pfarrherr schläft---Und
alle Tinge blinzeln uns zu: Pst! Nicht stören, nicht stören! „Nicht stören!", knurrt Karo, des „ alten Pfarrherrn treuer Gefährte auf einsamen Gangen, in seiner Hüfte. „Nicht stören!", {djnurrt das weiße Kätzchen, welches sich auf der obersten Treppenstufe in der Sonne behaglich fühlt-
Der alte Pfarrherr schlaft — — Er sitzt tm Seffel leicht vornübergeneigt. Tie rechte Hand halt ein Buch, tu der finken lehnt die lange Pseife. Tnrch das offene Fenster flutet der Sonnenglach goldu: Kringeln tanzen über den Boden, die schwe- ten Lcdcrfolianten des Bücherbrettes, ven Tlsch —- über Bilder und Wände. Um den Kopf des alten Biarrberrn aber bat der Schein ein güldenes wun- Marne« Kränzlein geflochten. Selbst die weiß« 1 fraare, die in häufen Löckchen unter dem Ssmt-
Fran lohnt, Deine Wäsche so billig zu nähen. Du hast keine Ahiinug, was arbeiten beißt?" Mia war betroffen. „Wenn die Frau für den Preis die Wäsche nicht liefern tann, hätte sie doch „nein" gesagt", meinte sie „Tu denkst so", entgegnete Fräulein Mirbes. „versiehst Du denn nicht, daß die Frau um jeden Preis arbeiten muß. Auch die Geschäftsleute, die 'Jläbnrbciten aiisgeb-n, sckrauben ihre Ansprüche immer hoher und drücken die Preise herunter, jeder kleinste Fehler wird oft als Bar- toanD benutzt. Und Du denkst uoch groß, was Du geleistet hast, daß die arme Frau Deine Wäsche so fabelhaft billig nähen will. Nun njufj sie sicher einige Nachtstunden opfern, um Dein „Abgezogenes" einzubringen."
Mia Ivar erschrocken. Sic hatte im Grunde ein guley Herz, nur war ihr Handeln unüberlegt.
Arn sollenden Morgen stand sie wieder im Zimmer der Frau Mertens und es sah dort noch trauriger aus. Da? jimcstw Kind lag im B-ttchen. g<5 war krank Seine heißen Händchen tasteten un- rnbig auf der Decke Die Mutter ging ab und zu, pc weinte und bnrfrtc dabei, daß nun ihre Arbeiten wi-der eine Verzögerung erleiden mußten. Heute erschien ihr aber Mia Felde« als eine lichte Engels- aepaft, die Balsam aus herbe Wunden träufelt. Sie batte federn Kinde etwas mitgebracht unb ihr erklärt, das; jir gerne den zuerst geforderten Preis zah- l-n wifllte, sic habe die Lage einer armen Witwe picht so bcdackt. Za, Mia Felde» ging noch weiter. Sie ging in die Apmheke und ließ der arm ?n Frau mm. ihrem Taschengeld einige Stärkungsmittel für dns kranke Kind znstellen. Als sie von diesem Ausgang nach faaufe kam, war sie so von Herzen froh, so beseligt, als hätte sie das glänzendste Geschäft gemacht.
„Tie Sache nicht bedenken", das ist ein Fehler bi’Ier, es wäre fein Schaden, wenn jeder Austraggebende sich n die Lage des Auftro.cmnsführenden , versetzen würde, es wäre dann Viel Leid, viel Weh ! weniger. , < v .
Davon treffen 1440 auf die Betriebe bis zu 10 Arbeitern, 599 auf die Betriebe mit 10—20 Arbeiter«.
Tie Innungen sind bei dem Abschluß von Tarifverträgen nicht besonders stark beteiligt, denn nur 211 Tarife — mit 11 855 Betrieben unb 37 755 befchäftigten Personen — sind von Innungen abge» schlossen. Die meisten Tarisverträge werden von den Arbeitgeberverbänden getätigt. Der einfachste Weg ist, daß die Innungen Mitglieder der Arbeitgeberverbände sind, wogegen ja heute keine gesetzlichen Schranken mehr bestehen.
Von den einzelnen Arten von Gewerben steht das Baugewerbe mit 980 Tarifen an erster Stelle. An zweiter Stelle steht das Holzgewcrbe mit 253 Tarifen. Es folgen das Nahrungsmittelgewerbe mit 235, das Metallgewerbe mit 186, das Bekleidungsgewerbe mit 183, das Gewerbe der Steine und Erden mit 92, das Ledergewerbe mit 54, das Papiergewerbe mit 37, das polygraphische Gewerb' mit 15 und das Reiniguugsgewerbe mit 4 Tarifgemeinschaften. Der Geltungsbereich der Tarife erstreckt sich meistens auf Firmen, der Orts- unb Bezirkstarif ist weniger zahlreich vertreten. Eine Ausnahme macht das Baugewerbe, bei dem die Bezirkstarife die größere Zahl ausmachen. Der Inhalt der Tarifverträg: erstreckt sich in der Hauptsache auf die Arbeitszeit unb die Löhne.
Mit der Frage der Bedeutung der Tarifverträge für das Handwerk befaßte sich der diesjährige Handwerks- und Gewerbekammertag zu Würzburg. Wenn auch manche Einwendung gegen den Tarifgedankeu im Handwerk gemacht und nach verschiedenen Seiten Einschränkungen vorgenommen wurden, so stellte sich der Handwerks- und Gewerbekammertag doch im Prinzip auf den Standpunkt, daß der Tarifvertrag auch für das Handwerk feine Berechtigung habe unb eine Reihe von Vorteilen für dasselbe mit sich bringe. Der Inhalt der Tarifverträge dürfe sich nicht auf Bestimmungen über Antritt der Arbeit, Arbeitszeit, Akkordarbeit, Neberstunden, Pansen, Lohn, Kündigung beschränken, sondern müsse auch auf die Umstände, unter denen die Arbeit zu leisten ist, eingehcn, sowie auf die Ausübung des dem Arbeitgeber zustehenden Di- rektions- und Verwaltungsrechts (Bestimmungen über die Qualität der Arbeiter); daneben müßten die Tarifverträge Bestimmungen enthalten über Einrichtungen, die ihr: eigne Durchführung, ihre Anpassung an die betriebstechnische Entwicklung und ihre Erneuerung sichern, so die Errichtung von Schlicktungskommissionen, Tarifämtern usw. Wenn der Handwerks- und Gewerbekammertag weiter meint, daß die Festsetzung von Mindcstlöhnen ohne di: Festsetzung von Mindestleistungen zu einer dauernden Herabsetzung der Gesamtleistung führt, so darf dabei nicht übersehen werden, daß die Prüfungen, wie sie im Handwerk üblich sind und auch von der weitaus größten Zahl der Lehrlinge und Gesellen abgelegt 'werden, schon von selbst eine Mindestleistung garantieren. Die Recktsverbindlich- teit der Tarifverträge wurde als eine selbstverständliche Forderung bezeichnet- Es müsse Aufgabe der Gesetzgebung sein, dem Tarifvertrag die ihm angemessene rechtliche Ausgestaltung zuteil werben zu lassen.
Es ist erfreulich, baß das Handwerk einen Ausgleich mit ber organisierten Arbeiterschaft anstrebt. Dabei darf nicht außer acht gelassen werden, daß das Handwerk vor allem an der Stärkung ber christlich- nationalen Arbeiterbewegung interessiert ist. Insbesondere muß das Handwerk den Beffrebungen der „freien" Gewerkschaften entgegentreten, die beim Abschluß von Tarifverträgen die christlich-nationalen Arbeiter ausschließen und Arbeitsmonopole für die sozialbemokratischen Gewerkschaften schaffen wollen.
Ans dem nacbbtiraebtefe.
* Gersfeld, 18. Okt. 1912. Der Bauplatz iür einen massiven Hotel-Neubau auf der Wasser- kuppe ist jetzt endgillig ausgewählt unb abgesteckt worden. Im Lau's des kommenden Sommers wird der Bau fertigaeftellt lein.
♦ Noidheim v. d. Rhön, 17. Okt. 1912. Die Alsa. Laval • Separatoren«Gefellsckatt in Berlin bat zur Hebung der deutschen Viehzucht 5 erstklassige Znckt- bullen oefii'tet, von denen einer in den Besitz der hiesigen Gemeinde nberaegnnoen ist.
* Frankfurt, 18. Okt. 1912. An der Nieder- iäder Sckteule wurde am Donnerstag moroen die