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Lerillprecher Ur. ft

Erstes Blatt.

Fulda, Samstag den 19. Oktober 1912.

39. Jahrgang.

K Das Fett des Petroleumbären.

Als die Regierung ihren Monopolplan enthüllte, sprach sie auch zugleich von der Verwendung der Ueberschüfse, die aus dem Petroleumvertrieb der Reichskasse zufließen würden. Tas Monopol solle nicht benutzt werden, um eine höher« Abgabe vom Petroleum zu erzielen; die Vermehrung der Reichs« einnahmen solle ausschtußtich der kommenden Be» sitz steuer Vorbehalten bleiben. Wenn das Mono­pol einen Gew.nnanleil für die Reichskaffe abwerse, so solle dieses Geld für einen sozialpolitischen Zweck, der bisher wegen Mangels a» Niittelu ver­schoben sei, Verwendung finden.

Das Hingt sehr schön; aber der Bär, über dessen Fell verfügt wird, ist noch nicht erlegt, und wenn das Monopol zustande kommt, so ist es noch sehr fraglich, ob und welcher Reinertrag ohne Mehr­belastung der Verbraucher zu erzielen ist. Der Hin­weis auf die Besitzsteuer und das Vorschieben sozial­politischer Zwecke sieht etwas nach Stimmungsmache aus. Das Monopol-llniernehmeti ist aber ein Ge­schäft, bei dem die Gemütlichkeit aushören und der nüchterne kaufmännische Verstand die Ent­scheidung geben mutz.

Die erste Vorfrage ist, ob sich der Bedarf Deutsch­lands an brauchbarem Leuchiöl auch ohne und gegen RockefeUer und Genossen decken läßt. Unter den deutschen Großtauken, die zur Turchsllhtung des geplanten Geschäftes in erster Linie berufen waren, hat sich bereits em offenbarer Zwiespalt gebildet. Die Tiskonto-Gesellschaft, Bieichröoer, die Dresdner Bank und der Schaaffhauserifche Bankverein wollen nicht mittun, — teils wegen ihrer Verbindungen mit dem amerikanischen Oeltrnst, teils wegen Zweifel an der Durchsührbarkert des Unternehmens. Die andere Brnkengruppe, die von der Deutschen Bank geführt wird, kann gewiß das nötige Kapital auch für sich allein Herdei­schaffen; aber die Betrlebsaussichten müssen doch von neuem sorgfältig geprüft werden, wenn solche Meinungsoerfchiedenheiten und Gegensätzlich­keiten der Interessen in der deutschen Hochfinanz zu Tage treten.

Je größer die geschäftlichen Schwierigkeiten er­scheinen, desto zweifelhafter wird die Aussicht aus einen erheblichen Reinertrag, und desto notwendiger wird ein starker Ausgleichsfonds. Es kommt nicht bloß auf die Niedrigkeit der Preise im Kleinhandel an, sondern mich auf beten Stetig­keit. Um nicht bei jeder Anziehung der Einkaufs­preise dre Verbraucher und die Klemhändler belästtgeii zu mflffen, bedarf die Rtonopokgefellfchast eines Reservefonds, der über schlechte Zeiten durch Deckung zeitweiliger Verluste hinwegheifen kann. ES ist also ratsam, die klederschüffe in guten Zeiten nicht ein­fach m Dkvidenden oder in Abgaben an die Reichs- taffe verpuffen zn lasten, sondern zunächst zu Ans« gletchszwecken anznfammeln.

Bei emer solchen vorsichtigen Fmanzgebahru g ist vorläufig für b:e sozialpolitischen Sonüerzwecke überhaupt nicht viel zu erwarten. Auf leöen Hall bleiben die Jahreserträge für das Reich sehr unsicher und stark schwanlend. Wenn wir aber ». B. Die Altersgrenze für die versicherten Arbeiter von 70 aus 65 Jahre Herat setzen, so brauchen rott Jahr für Jahr eine feste Anzahl von Millionen Mark. Zur Deckung dieies Mehrbedarfes mußten dann doch dre regelmäßigen Retchseinnahmen, der Ertrag her Zölle und Steuern herangezogeu werden.

Man beruft sich auf dte lex Trimborn, die f. Z. den Mehreurag aus Den Lebcnsmittelzöllen für Die erstrebte Witwen« und Waifenverficherung mr-ammeln ließ. -Dreie Ma na ,me hat ihren Zweck erreicht. Indem sie zwar nicht das ausreichende Kapital, aber doch den roirtiamen Anstoß zur baldigen Einführung der Witwen« und Walsenoersieherung gab. Ern der­artiges er leherisches Hilfsmittel za Gunsten der nieongeren Altere grenze ist aber wohl nicht nm- wendrg. Es kommt nur auf die Geldmittel an, und die roetDm wir besser tm vorliegenden Falle erst recht aus den Gesamteinnahtnen des Reiches schöp en wüsten. Es fällt noch etn anderer Unter­schied in's Gewicht: Die Mehrertrage aus den Levensmittelzöllen waren einer ©leig.tung durch Regierungsinaßmchmen nicht ausgesetzt. Dre Erträge aus dem Petrolenmmonopot aber lasten sich Neigern durch Hochha lung der Berkau s- pieue. Wenn man nun von diesen Erträgen em sozialpolitisches Unternehmen abhängig macht, so stellt sich na.ürlich die Tenoeuz cm, recht viel Ueberschuß herauszuwirlfchasteii. Das ergäbe dann tatsächlich fene Erholung Der Be brauch abgabe vom P.iro.enm, ro lebe nach der Regierungsertlärung vermieden werden loU.

Tas soziaivolltifche Via telchen, das dem Unter- neh neu umgehänzt werden soll, darf die gründliche, U achter ne Pruiung und die vo.sichtige Ansge altung tu hl behinverir. Untere tozialpolitstchen Fortfchrr te müssen immer belfere Unterlagen haben, als die unsicheren und fchwanlenden Monopokertrage. Sehen wir erst zu, ob und wie Der Bär pch tilegen läßt. Bei der lünft gen Verteilung des Felles muffen Die Verbraucher m erster Hinte bedacht werden.

Irr Sultahrifg.

Tcr Aufmarsch der Heere.

Bereits beginnen die Berichte aus den verschie­den nr iiriegSlagetH das ztviesache Gesicht zu zeigen, ibiaii erhält von beiden Parteien Meldungen, die fieine .Vorpostenscharmützel zu großen Schlachten stempeln möchten, und kann erst nach einiger Zeit sehen, welch- Partei „sich rückwärts gesiegt"'hat. Es ist durchaus nicht etwa immer böser Wille, der die Vorgänge fälschen möchte, sondern die schlechten telegraphischen Berbinduugey, besonders mit dem unwirtlichen Bergland der albanischen Alpen, wo sich jetzt Montettegriner und Arnauten raufen, sind der Grund, daß Rachrichten in die größeren Städte nur mit bedeutender Verspätung gelang?n, und dann sind sie manchural durch die Ereigniffe überholt, die Hch nach dem Abgang der Berichte zugetragen haben.

Man wird dies bei der Beurteilung der Meldungen sich stets vor Augen haltm muffen. Bon dem ent­scheidenden Kriegsschauplatz an der t ü r k i s ch-b u U o a r. Grmze fehlen noch wichtigere -Rachrichten. Man hielt es bsIher für selbstverständlich, daß leben« falls die bulgarstche Armee in allerkürzester Art dre Grenze überschreiten und den Gegner, ehe noch seine Rüstungen vollendet sein konnten, anfallen werde. Kenn Bulgarien war seit langem stolz darauf, daß fctu Mobilmachungsplan mit sehr viel kürzeren Fri­sten rechnete als der türkische. Man wundert sich darum allgemein, daß die Bulgaren erst soeben die Grenze um ein weniges zu überschreiten gewagt ha­ben. Sie haben mit diplomatischen Verhandlungen die Eröffnung der Feindfeligkesten hinanszuziehen gesucht, und selbst nachdem der Türkei di- Geduld ausgegancftn ist und sie chrerseits den Krieg eröffnet hat, noch gezögert. Man kann schwer eine andere Erklärung für diese Zurückhaltung finden, als daß der Mobilisierungs- und Aufmarschplan Bulgariens einfach nicht funktioniert hat und König Ferdinands Armee nicht schlagbereit fft. Der wesentliche Vorteil, den die Balkankänder vor der Türkei haben, nämlich die Möglichkeit, ihr zuvorzukommen und ihr das Ge­setz des Feldzuges vorzuschreiben, ist damit ernsthaft gefährdet.

Eine Kundgebung König Ferdinands.

König Ferdinand von Bulgarien, der im H-aup-quartier, allo wahrscheinlich in Philipopel weilt, erließ an die Nation ein Manifest, worin er Die Notwendigkeit des nut der Türkei ausgebrochr« nen Kriegs zu rechtfertigen fucht. Der Kömg er­klärt Darm,

bub er in feiner 25 jährigen Regierung den Fort­schritt, das Gluck und den Ruhm Bulgariens stets in friedlicher Kulturarbeit erstrebt habe. Jetzt sei Bnl- garten gezwungen, zur Ve-.w rklichung eines großen Problems Die Hilfe Ser Wrffcn anznrufen. In Albanien uno Vtazedomeu führen Die Blul-drüDer uns Retigron-genoffen Bulgariens etn meufchenunwürotges Da>em, Das, auf friedlichem Wege u bestem, fett 30 Jahren vergebens erstrebt rooroen fei. Da erinnere sich Das dnigarisue Bo> eines prophetifcheit Wortes joeä ZardejreterS AlexarrSer IL: .Das heilige Wert muß zu Ense geführt werden.-' Die menichtichen und chriNlichen Gefühle, d;e heilige Pflicht, den Brüdern zu lelfen, die Ehre und Würde Bulgariens forderten den der Tüitei erklärtkN Krieg. Danach heißt es: „Ich besetzte der tapferen bulaartfchen Armee, in das türkif che Gebiet zu m ar t ch teren. An unterer Seite und mit rtns tämpfen um die gleichen Z-ete ge^en den gemetninmen Feind die Armeen der mit Bulgarien nrrbünceten Baltauftaalen Serbien, Griechen­land und Mon tenegro, und in diesem Kampfe des Kreuzes gegen Den Halbmond, der Freiheit gegen Die Tyrannei haben wir die Sgmp ithien aller derer, welche die Grrechtigteit und den Fortfchrllt lieben. 9lun vorwärts und Gott mit uns!"

Der König von Bulgarien skempeft in dieser Knt'.sgebttng Den begonnenen Krieg zn einem Kreuz­zug. Er fagt, tau es ein .Kampf des Kreuzes gegen den Halbmond* werden soll, er spricht, in Ästüdrmig eines Wortes des KatterS Wexai der IL von Rußland, du emcm „belügen Werke", das vollbracht werden müffe, er erklärt, daß feine Armee zur Vertetdigung „ter menschlichen und ebrüthdien Rechte' sich auf den Marsch gegen die litt fett setz'. Man rott9 an Dieses Kriegsmaiüfest denken müllen, wenn sich urerhörte (Steuet auf Der Balfanhaibmiel abipteien, wenn nicht nur Armeen gegen Armeen tämpfen, sondern auch Dte verrchredencu Elemente der Z vilbevötteruug einander zu vertilgen Wien, roeiut Dörfer und Etädie tu Flammen auigehnt und rocuu unerhörte 'Verwüstungen aut den ver Krteasfck.at'plätzcn die Kraft der Bevölkert ng aut Jahre nn9 Jahre hinaus lahmiegrn. Run, nicht ein Kieuzzug ist der Balkankcrmvff fondeiu ern Raubzug; daran ändern alle schönen Worte in täuirui n und Pioklamaiionen nichts.

* Sofia, 18. Oki. 1912. Freitag früh wurden mt getamten tiönrgreichBittgarien teietltdie Gottes« Vienne für den Errol g Der biilgonirten Waffen abgehalten. Als sich in Sofia die Königin m die Katlnvrale begab, rourbt ihr aus dem Wege zn- gefubelt. Dein Teoeum wohnten u. a. die but» aoufertn 'Dhniüct und Die Ge andfe« von Griechen­land und Serbien bet. In bet Stadt Sofia lrerrfcht e.rvße Begeifterung. Ene große Menge lieft das an Den Manern angefch'agene Mamtett Des Königs.

Tie Bereitfibait der Türkei.

* ßonflontinepri, 18. Ott. 1912. Zur Deckung der Ausladen für drei 3.1.onate Mvbilrsierimg sind durch proviforisches Ge etzKre d ite bewilliat worden. Dte Provinzia be'iö.Den haben die bvi"arische» u»b Urbrschen Sonfuln an gefordert, die Türkei zu ver- laff n — Die Zotlverwailung macht bekannt, daß ab 17. Oktober du Ausfuhr von Wetzen, Rogtun, Hafer, SiatS, Mehl, Bohnen, Reis, Stroh, Fötte-- Mitteln, Kartoffeln, Rind-rn und Häm mein aus Rumelten, Dem Ma amamcer, dem Archipel, dem Schwcrrien 'Meer und dem Mitelländifchen Meer verboten ist.

Ter türkffche Arweebrsehl.

Während Ferdinand von Bulgarien den Glau­benskrieg verkündet, fordert in der Türkei da? Stiegen,inüiejum und das Ministerium des Innern die i'lohammeöaner auf, sich jeder Verfolgung oder Bedrängung ihrer christlichen Mitbürger zu ent­halten:

* Konstantinopel, 17. Oft. Wie verlautet, erließ dos' Ärugsmuuliertum auf Grund eines Be­schlusses des heutigen Ministerrates einen Arme e« bese hl, in dem alle an dem Kriege beteiligte» Truppen autgeforöert werden, bet dem Einfall in feindliches G bitt sich jeder Ausschreitung zu enthalten. — Das Ministerium des Innern beauf­tragte Die Provinzbehörden, Der mobamniebanifcben Bevölkerung anzurateu, sich ans Anlaß des Krieges nicht aufhetzen zu Iahen und mit den Christen in Eintracht zu leben. — Der Ministerrat hat ans Ersuchen der chrtstüchen Oner- bäupter beschlossen, NichlmohammeDaner von der Einberufung Der Altersklassen vom 29. bis 45. Lebensjahr cmszunehmeu

Eine Erläuterung der Kriegserklärung.

W. Berlin, 18. Ott. 1912. Die ,Rordd. Allg. Zeitiincr' fchreibt:

Tie Vertreter Bulgariens, Serbiens und Griechenlands haben heute amtlich mitgeteilt, baff ihre Regierungen gestern abend der Türkei den Krieg erklärt haben. Gleichzeitig ist von dem Vertre­ter Bulgariens ein Schriftstück überreicht worden, das die Gründe der Kriegserklärung folgendermahen dar­stellt:

Da sich die in der Türkei herrschende Anarchie, welche die Ruhe und Sicherheit der benachbar­ten Länder störe, seit einiger Zeit verschärft habe, hät­ten die Großmächte es für nötig gehalten, die Verwirk­lichung der durch Artikel 23 des Berliner Vertrages vorgesehenen Sieformen in die Hand zu nehmen. Die hohe Pforte habe diese gemeinsame Willenskund­gebung Europas mit einem Vorgehen beantwortet, das von ihr schon mehr als einmal angewandt worden sei. Sie habe erklärt, daß sie ernste Reformen ebensowohl in der europäischen Türkei wie in den asiatischen Pro­vinzen einführen werde, daß sie aber nicht glaube, ein fremder Einfluß hierbei werde dem Reformwerk nütz­lich sein. Dieses Versprechen der osmanischen Regierung, ernste Reformen allein einzuführen, sei überall auf das Mißtrauen gestoßen, von dem Graf Andrassy in seiner Rote vom 30. Dezember 1875 ge­sprochen habe. Seit 37 Jahren hätten die Ereignisse die Richtigkeit dieses Urteils überreichlich bewiesen. Daher hätten die Regierungen Bulgariens, Griechen­lands uno Serbiens, da sie die L e i d e n i h r e r Stammesgenojsen in der Türkei und eine ihre Zukunft schwer gefährdete Lage nicht länger er­tragen konnten, beschlofjen, eine wirksame Kontrolle für die Ausarbeitung und Verwirklichung radikaler Refor­men zu verlangen die allein das elende Los der Chri­sten zu verbessern und die Befriedung der Balkanhalb, insel herbeizusuhren vermöchten. Dieser letzte Versuch, dessen Mäßigung mit der herausfordernden Haltung der Türkei kontrastiert, die ohne ernste Gründe gegen die Balkanstaaten mobilisiert hätte, sei gescheitert. Die bulgarische Regierung hoffe, daß das Ziel, welches sie verfolge, indem sie den Krieg erkläre, mit den Interes­sen aller zivilisierten Völker Übereinstimme. Die frem- den Bewohner der Provinzen, Deren dauernde Befrie­digung der Gegenstand des Krieges sei, würden gewiß von dieser Befriedung Nutzen haben; unter der Herr­schaft von Ordnung. Freiheit und Fortschritt seien die Jn'eressen aller Staatsangehörigen des Schutzes sicher. Ter materiellen Wohlfahrt und der der geistigen Ent- ividlung würde sicher beftändige und aufgeklärte Sorg­falt zugewandt werden. Die bulgarisch« Regierung er­sucht die kaiserliche Regierung, ihr nicht ihre wohlwol- jende Neutralität zu versagen.

Erne türkische Darstellung.

In einer von der „Neuen Gesellschaftlichen Kor­respondenz" veröffentlichten Unterredung mit dem hiesigÄi türkischen Botschafter Osman Nizami Pascha sagte dieser über den eigentlichen Grund des Krieges:

Ich halte es für überflüssig. Ihnen von dem — Henle schon ziemlich verbrcmchten — Märchen einer B e» freiung der slawischen Brüder zu sprechen. Taß sich hinter diesem Vorwande nur der Wunsch nach Landeserwerb verbirgt, kann keinem klardenkenden Menschen zweifelhaft sein. Ich glaube, daß in Bul­garien weder der König noch die Negierung den Krieg wirklich gewünscht haben, die Opposition aber, das heißt diejenigen, welche die Minister stürzen wollten, offiziell, urt das Vaterland zu retten, in Wirklichkeit um selbst Minister zu werden. Diese Opposition be­dient sich mit Vorliebe des bekannten unb wohlbewähr­ten Mittels, die Blassen durch nationalistische und chau­vinistische Ideen zu erregen und gegen die Negierung zu Hetzen. Um nicht zu fallen, muß die Regierung dem Drängen der Massen nachgeben, und um so tdtncüe:, wenn dieses Drängen durch die Spezial- Waffe der Bombenschkeuderer mir gehörigem Nachdruck unterstüyi wird Wir wissen, daß von dem Tage an, wo Italien uns den Krieg erklärt hat. zwischen den Balkansiaaten die Frage besprochen wurde, ob man nicht die günstige Gelegenheit benutzen sollte, um loS- zuschlagen. DaS große Hindernis war immer die T e i- lung der Beute, ein zwischen Brüdern bulga­rischer, serbischer und griechischer Nationalität unlöS. bares Problein. Der albanische Aufstand und die Mög­lichkeit eines baldigen Friedens mit Italien ließen nicht mehr viel Zei zu überlegen und die öffentliche Mei­nung wurde habe in Bewegung gesetzt.

Dies ist der wirkliche Grund deS jetzigen Krieges. Alle? ander-', was darüber geschrieben wird, kann ja sehr schön klmgen, eS bleibt aber nur Phantasie.

Ter Botschafter versicherte dann, daß in der Türkei nicht nur der Sultan und die Regierung, son­dern jeberntmtn mttrichtiq Reformen für M a- zedonien wünsche und legte die Ursachen ivrr, weshalb dieser Wunsch von der jungen Türkei *.ch noch nicht habe erfüllen laffen.

Bul'iaiien.

W. Sofia, 19. Ott. 1912. Die Regürnng bec tff- tragte ihren tSeianDtcn m Konstantinopel, Der Pforte folgende M-tteilnnq xtt unterbreiten:

Da Die B orte nicht aaf die No'e qe mpvorlet lprbe, we'che Die Regierungen Bulgariens, Seibinis unb ®tudsentanDö ihr am 13 Oll ober überreichten, und Da Di» Loge, rfe bereit* durch Die Be'chtaqnahnie der ferblichen Munnton unb der griecht cheu Sampler, die seitens Der Türket unter Bruch des Bölteriechts norge» nonunen wurde, sehr ernii w ir, durch Dte Angriffe auf bulgarische unb teibi che Boivo ten unter Verletzung wtein atonaler Grunosähe sowie ousterD»m Durch Den Abbruch bei Bepehungen »würben Bulgarien und Dem Osmanuchen Reiche noch Diobender gerooiDen let, so beau-trage die Regierung täten Gesandten Sarafow, Der P oite mitzuteiten, Daö von dem Augenblick der Uebeiteidfimg der Note Bulgarien tich tm Kriegs­zustände mit der Türket betrachte.

Der (SefanDte fügte t.inzu. Daß er seine Aufgabe als beendet ansehe unb so tatch wie möglich ßvnftanttnopel verlasse. Des wcitercn erklärte er. Daß e? Den tn Bulgarien wohnenDen mohame- Danifchen U üertanen, Dte Da5 Land verlaffen wouten, jret^eftellt |et, dies zu tun; Dteientgen abtr, Die vor- ztehen sollten. Dort zu verbleiben, tönnten auf den Schutz Der Gesetze zählen.

W. Konstantinopel, 18. Oft. 1912. Im Ministe­rium des Aeukeren wird bestätigt. Daß Die türki­schen Truppen Be echt erhielten, Die bulga­rische Grenze zu überschreiten. Tie Zahl Der an Der Grenze bei Adr anopel konzentierten Bulgaren wird aus 18 । (XX) geschätzt,

W. Sofia, 18. Okt. 1912. Die bulgarischen Truppen haben Rourttale, einen strategifch

wichtigen Punkt auf türkischen Boden (in Der Näh« von Mustafa-Pascha) besetzt.

W. Petersd»rq, 18. Oft. 1918. In Bulgarien henscht großer Aerztemaugel. RuffifcheÄerzte roerben daher aufgefordert, gegen ein airgemetfenes Honorar auf Den Kriegsschauplatz zu gehen. Ebenso besteht großer Mangel an Transportmilteiu für Verwundete. Bulgarien hat einen Aufruf an tue rnfftfche Gesellschaft erlaffen und bittet um Htlfe. Erbitterte Kampfe zwischen Türke« und Serbe«.

W Lakonik, 18. Okt. 1912. Das Gefecht bet Pndufewo und Prevolatz an der ferbische« Grenze nahm einen größeren Umfang an. Auf beiden Seiten trafen Verstärkungen ein. Die Türken schlugen alle AngriffederSer- ben zurück. Auf beiden Seitnr wurde mft der größten Erbitterung gekäntpft. Die Verluste find unbekannt. Wie es heißt, treffen die Serben setzt Anstalten, in der Gegend von Novibazar einen U ebergang über die Grenze zu erzwingen.

* Belgrad, 18. Ott. 1912. König Peter ist in Begleitung des Prinzen Georg und des Diinister- präsidenten Positsch nach Nifch abgereist. In Hof­kreisen verlautet, daß die Aerzte sich g:gen die Reise des Königs ausgefprochen haben, da der Gesund« hcitsznstaud dem König große Schonung auferlegt.

♦ Belgrad, 18. Ott. 1912. Der Uebertritt des Albanesensührers Issa Boljettnatz und fei- nes Anhanges auf dir serbische Sette wird jetzt offiziell bestätigt. Privatnachrichten geben die Ge­samtzahl der bisher übergetretenen 91rnouten mit IS 000 an. In den nächsten Tagen sollen au» Frankreich 12 Flugdrachen für den Kriegsbe­darf eintr’ffen.

Vormarsch der Griechen.

Trotzdem die besondere Art der diplomatischen Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei bis zuletzt noch die Möglichkeit offenlirß, daß Grie­chenland den Konsequenzen, die das Vorgehen Bul­gariens und Serbiens nach sich ziehen mußten, nicht folgen würde, haben die griechischen Truppen offen­bar noch v o r der nunmehr erfolgten Kriegserklä­rung di- Feindseligkeiten eröffnet und find in tüt» kisches Gebiet eingerückt. Wir erhalten solgendes Telegramm:

Bolo (Theffalien), 18. Ott. 1912. Drei griechisch« Regimenter haben a e ft e r n früh in der Nah« von E l a s s o n a die türkische Grenze über­schritten, ohne Widerstand zu finden. — Elas- sona liegt auf türkischem Gebiet am südwestlichen Abhang des Olymps, einige Stunden von der grie­chischen Grenze entfernt.

W Athen, 18. Ott. 1912. In der Kamme, machte der Minister des Aeußern Mitteilung von der Kriegserklärung und verlas die von dem Gesandten Grhparis überreichte Note. Der Minister erklärte: Bis zum letzten Augenblick hat die Türkei nicht auf gebärt, Schritte zu unternehmen und Versprechungen zu machen, um Griechenland von dem Bündnis der Balkanstaaten loszulösen. Mini­sterpräsident B e n i s e 1 o s verlas eine königliche Botschaft, die besagt, daß die Leiden der unterdrückte» Brüder die Balkanstaaten gezwungen hatten, zu den Waffen zu greifen. Veniselos verlas weiter ein Telegramm des Thronfolgers, worin dieser den grie­chischen Einmarsch in türkisches Gebiet meldet., Der Marineminister gab die Abfahrt der griechi­schen Flotte bekannt, deren einziger Wunsch sei, bie türkisch: Flotte ihren Ankerplatz verlaffen zu sehen. Der Präsident der Kammer, deffen Sttmme von dem begeisterten Beisall der Versammlung über­tönt wurde, erbat die Genehmigung, im Namen de- Parlameicks den Verbündeten einen neuen brüderli­chen Gruß zukommen zu kaffen, jetzt „wo im Name» der christlichen Zivilisation die Geschütze gegen die Barbarei donnern unter der Begeisterung von ganz Griechenland".

* Wien, 18 Ott. 1912. Die unterschiedliche Be- banblung Griechenlands durch die Türkei erklärt die hiesige Preffe aus der Absicht der Türkei, Grie­chenland von den übrigen Balkanstaaten zu trennen. Als Preis soll die Türkei Griechen- land nach einem hier umgebenden Gerüchte Kreta geboten haben. Als Eingeber dieses Gedankens be- $ei<f;ttet das Gerücht England, daS dabei die Su­da b a i für sich beansprucht habe.

Au der montenegrinischen Grenze.

W Podosritza, 17. Ott. 1912. In dem Kampfe zwffchen Montenearinern und Türken ist eine Pause eingetreten. Die Truppen der mittleren Kolonnr versammeln sich bei Tust, um in der Richtung nach Skutari vorzugehen. Ansehnliche türkische Streit­kräfte wurden ihnen von Skutari entgegengeschickt. Man erwattet eine Schlacht auf einem für die man- tenearinische Armee sehr ungünsttgen Terrain, na- mentlick auf dem sumpfigen östlichen User des Sku- tari-Sees. Im Falle eines Mißerfolges sind oie Montenegriner im Rücken ungedeckt, da der hinter ibn en liegende kleine See von H u m die Verbindung mit chrem Zentri'M erfchwert. — Von der Nord­armee sind über 300 Verwundete hierher transpor- tiert worden. Es macht sich der Mangel an Aerzte» fühlbar.

Forteesetzte Berunttlung.

* Sofia, 18. Ott. 1912. Wir von diplomatischer Seite verlautet, werden Verhandlungen zwischen den Ercßmächten ttotz des Awsbruchs der Feindseligkei­ten ivtitcr geführt. Frankreich ist energisch um den Frieden bemüht, selbst in Bulgarien ist man, trotzdem di- Waffen bereits zu sprechen begonnen ha­ben, Verhandlungen nicht abgeneigt. Man erwartet ferner eine Intervention der Großmächte, deren Bestreben daraus gerichtet ist, unnützes Blutvergie­ßen zn vermeiden, da doch die Auwnomie Mazedo­niens eine beschlossene Sache sei.

Paris, 18. Ott. 1912. Die diplomatische Lage iff uni.eit auf Den Kopf gepellt, da Rußland au^geip.ochene Spmpaft)ieu für Die Backauver- bünDcte« bat, während England insgeheim Die Türken begünstigt oder mmdestLNs mit seinen