Einzelbild herunterladen
 

Jfs 241.

S«msi«9 (’• 1912.

59. Jahrgang.

" fuldaer

Zeitung

r. Blatt

Druck »ab Verlag -er M-a«r »difnbmAtil in $ul6e.

i Bei

Dr. Hommel’S Haematogen

== 20 järiger Erfolg! =====

Warnung! Man verlange ausdrück» ltch den Namen Dr. Hommel.

opferwilligen — aber so schmählich betrogenen, zerriebenen Mann?

Er ist sehr jung; in einem unS vorliegenden Briefe nennt er sich LVjährig. Also zu jung, als daß man chn für einen Eingeweihten halten könnte, der auS reicher Erfahrung redet, dem man glauben mutz. Dr. Sonnenschein hat ihn absolut nicht empfohlen, sondern ihn aus reinem Mitleid von der Stratze aufgehoben, damit er nicht zu Grunde gehe.

H. D. hat trotz seiner Jugend eine reiche Erfah­rung hinter sich, leider aber nur diejenige eines ganz zerfahrenen und heruntergekommenen Charakters. Dafür liegen nun folgende Beweise vor:

Im November vergangenen Jahres erkundigte sich irgendwo eine betrübte Mutter, wo H. D. sich eigent. lich aufhalte; er sei mit ihrer Tochter, seiner Braut, seit 6 Wochen spurlos verschwunden. Bei dieser Mutter hatte er sich lügnerischer Weise als Verwandter Dr. Sonnenscheins ausgegeben. Um die­selbe Zeit schrieb eine andere Stelle, wo H. D. eine zeitlang beschäftigt gewesen war, er habe sich dort wirklich leichtsinnig benommen und durch seinen Verkehr mit einem jungen Mädchen, das ihm nacbgereift war, ungünstigen Verdacht erregt.

Im März dieses Jahres gab ein Betrogener über H. D. die Auskunft, »derselbe hat eS nicht verstanden, sich mein Vertrauen zu erwerben und ist bei Rächt und Nebel von hier verschwunden. Er hat hier und auswärts zahlreiche Schulden hinterlassen und auch ich bin Leidtragender."

Aus dem April liegt auS einem anderen Orte fol­gend« „Empfehlung" vor: „Er hat eine Reihe von Schulden, die er bei kleinen Leuten gemacht hat und die unbedingt zunächst getilgt werden müssen, wenn er nicht in den Verdacht böswilliger Unterschlagung kommen will".

Im April d. I. sah sich ebenfalls jemand veran­laßt, auf Wunsch Einzelheiten über H. D. bekannt zu geben, die wir aus Schonung nicht mitteilen wollen, die aber geradezu vernichtend sind. Im Juli bekannte H. D. selber in einem Briefe, das Vertrauen eines Geistlichen, der ihm hatte helfen wollen, „schmäh­lich mißbraucht zu haben". Im Juli hatte der »ge- sinnungsreine" Jüngling sein« erste Braut, wie es scheint, bereits vergessen. Aus diesem Monate stammt ein Brief, in dem sieb ein Vater nach H. D. erkundigt, weil er mit seiner Tochter ein Verhältnis anzuknüpfen suche. Aus dem September und Oktober dieses Jahres liegen zwei Briefe von Arbeitern vor, die er an» gepumpt, denen er aber das entliehene Geld nicht zurückerstattet hatte.

In Aachen ging er nicht freiwillig; er wurde entlassen. Man wird ahnen, weshalb man schließ­lich die Geduld verlor, warum seinen Vorgesetzten der Ekel kam „an den täglich sich häufenden Eindrücken" des Geistes dieses Menschen und weshalb man auf die ideale Hoffnung verzichtete, ihn trotz seiner bedenk, lichen Vergangenheit zu einem „arbeits- und über­zeugungsfreudigen", einem „gesinnungsreinen" Manne zu machen.

Auf die einzelnen Vorwürfe des UeberläuferS gegen Personen und Organisationen einzugehen, verbietet uns die Selbstachtung: gegen eine gewisse Sorte Men- schen verteidigt man sich besser nicht.

Warum sind wir io ausiührlich auf den Artikel der «Rheinischen Zeitung' eingegangen? Um diesem Sozialistenblatte an einem typischen Bei'piel zu beweisen, daß ihm alle kritische Wissenschaftlichkeit und aller journalistische Anstand abhanden gekommen lst. Entweder wußte das Blatt, was für ein ver­krachter Schwindler ihm die Anklagen gegen »eine klerikale Redaktion" zuschickte; und dann war es eine Gemeinheit, diesen Brief abzudrucken; — oder es kannte den Ueberläufer noch nicht; dann mußte es sich nach seiner Persönlichkeit erkundigen und es durf e nicht mit dieser unverzeihlichen Leichtfertigleit, da-.u an hervorragender Stelle, abdrucken, was ein entlassener, unverbesserlicher Angestellter gegen die oorbrachte, die ihn in fast übertriebener Nachsicht halten und retten wollten.

Ausland.

Ä Die katholische Organisation in Ungar» Die ungarischen Katholiken sind seit einigen Jahren gut organisiert. Vom religiösen Standpunkt aus darf man sehr zuftiedcn sein. Ungarn zählt 18 römisch- katholische Bistümer, 7 griechisch-unierte. Blühend ist der Volksverein, der über 25ü000 Mitglieder zädlt; die »katholische Zentrale" veranstaltet seit etwa 10 Jahren in den größeren Städten Katholiken­tage, die viel zu einer erfolgreichen Tätigkeit der katholischen Aktion beitragen. Man hat die „literarische Gesellschaft" geschaffen, welche die Herausgabe katholischer Bücher, Zeitungen, Zeit- schristen, apologetischer Werke uim. besorgt. Diese Gesellschaft zählt 5000 Mitglieder; für breitere Volkskreise ist die .Volksbiblwthek" berechnet; um 1 Mark 50 Pfennig liefert die Bibliothek ihren Mitgliedern jährlich 5 gute Bücher, die in das Eigentum der Mitglieder übergehen und so den Grundstock zu einer guten Hausbibliothek bilden. In sozialer Hinsicht ist der „christlich-soziale Verein" mit 100000 Mitgliedern sehr tätig, besonders für das Wohl der Bauernschaft. In politischer Hin- sicht bestehen zwei Organisationen nebeneinander, die Volkspariei oder das Zentrum und die christliche Demokratie, doch arbeitet man an der Verschmelzung zu einer katholischen Partei.

meinem Onkel und den übrigen Schicksalsgenos­sen!"

„Mer weshalb?" fragte er leidenschaftlich. „Wenn Sie mich lieben, so ist Ihr Platz bei mir, und Cie lieben mich, Isabella, nicht wahr? Ich kann mich nicht so getäuscht haben!"

„Sie sind dennoch im Irrtum, Kapitän Forster", erwiderte sie nach kurzem Schweigen. „Sir erwiesen mir Aufmerksamkeiten wie anderen Damen auch, und ich ließ mir dieselben gefallen, ohne ihnen einen besonderen Wert beizulegen. Nicht einen Augenblick ist es mir in den Sinn gekommen, Sie könnten ern­stere Absichten bamit verbinden. Man hatte mich gewarnt, — ich war überzeugt, daß Ihnen die Sache diesnial nicht wichtiger sei als in früheren Fällen, und da ich meiner sellut ziemlich sicher war, so gmg ich unbefangen auf Ihren Ton ein. Inmitten der Gefahren und Unruhen um uns her bildete dieser Verkehr eine Abwechselung und Erhesterung für mich. Aber selbst angenommen, ich hätte eine tiefere Neigung für Sie gefaßt — so würde ich doch nie­mals in Ihren Plan gewMgt haben. Sie folg:« dem Rufe Ihrer Pflicht, indem Sie Hülfe für uns herbeizuschaffen suchen; ich würde einfach die Flucht ergreifen, wo andere auf ihrem Posten ausharren, und solche Handlungsweise schiene mir verächtlich."

„Man hat Sie gegen mich eingenommen", grollte er.

„Man hat mich gewarnt und hat recht daran getan! Seien Sie nicht böse, Kapitän Forster. Wir sehen uns vielleicht niemals wieder, und ich ver­danke Ihnen doch so manche angenehme Stunde. Lassen Sie uns in Frieden scheiden. Ich darf nicht länger verweilen, — sie werden mich drinnen ver­missen", und sich verbeugend, ging sie, ehe er ein Wort der Erwiderung finden konnte, dem Hause zu. Einige Minuten verflossen, bevor er ihr folgte. Er war enttäuscht; nicht sowohl, weil sie sich wei­gerte, ihn zu begleiten, das empfand er bei der Schwierigkeit seiner Aufgabe wohl eher als „ine Erleichterung — sondern weil sie ihm ihre Gegen­liebe, auf die er gerechnet hatte, versagte. Zum

Aus Mrche und Schule.

A Ter internationale eucharistische Kongreß in Malta. Noch ist die Erinnerung an den herrlichen Verlauf des eucharistischen Kongresses in Wien in aller Herzen lebendig und schon rüstet man in Malta für den nächsten eucharistischen Kongreß. Der Zeitpunkt fiir diese Veranstaltung fällt diesmal etwas früher, als man sonst gewohnt ist, nämlich aus den Monat April 1913. Es muß also in verhält­nismäßig kurzer Zeit alles vorbereitet werden. Man kann heute schon versichern, daß auch dieser Kongreß einen großartigen Verlauf nehmen wird. Die Be­völkerung von Molta ist durchwegs gut katholisch und

denselben mitgeteilt, daß sich eine Gelegenheit zur Beförderung ihrer Briefe darbirte, und nun wollte jede ihren Lieben in der Heimat Grüße senden — vielleicht die lebten in diesem Leben. Tränen fielen auf das Papier nieder, unterdrücktes Schluchzen wurde in dem stillen Raum gehört, und so sehr nah­men ihre Gedanken sie in Anspruch, daß keine der Schreiberinnen den Eintretenden einen Blick schenkre

Isabella war zuerst fertig, denn ihr Brief an die Mutter fiel nur kurz aus. Das Blatt zusam­menfaltend und sich von ihrem Platze erhebend, be­merkte sie Kapitän Forster, der wartend am anderen Ende des Tisches stand und ihr nun durch eine Be­wegung zu versieben gab, daß er sie zu sprechen wünsche. Einen Augenblick zögerte Isabella, bann schritt sie ihm voran aus dem Zimmer; er folgte ihr und schloß die Tür.

Hier begann er schnell und unvermittelt: „Isa­bella, ich brauche Ihnen nicht zu jagen, daß ich Sie liebe! Bisher ahnte ich nicht, wie stark dieses Ge­fühl sei; aber nun weiß ich, daß ich nicht ohne Sie leben kann!"

„Und doch wollen Sie uns verlaflen, Kapitän Forster?" fragte sie ruhig.

„O, ich beabsichtige ja nicht allein zu gehen, es ist mein sehnlichster Wunsch, Sie mit mir nehmen zu dürfen! Ihr Herr Onkel wird sicherlich einwilli- qen, da es zugleich das einzige Mittel zu Ihrer Rettung ist. Die Aussicht, eine genügende Truppm- verftärkung hierher zu bekommen, ist die denkbar geringste; für mich aber wäre es ein leichtes, Si: unterwegs in Sicherheit zu bringen. Wo ein Pferd sich verbergen läßt, da wird es auch mit dem zweiten gelingen; und ich könnte sehr wohl, statt nach Luck- now zu gehen, den Weg über Allahabad nehmen. An letzterem Orte müßte unsere Verbindung statt- finben, unb ich würde Sie so lange dort zurücklassen, bis alle Gefahren beseitigt wären."

Isabella hatte ihn ohne Unterbrechung zu Ende reden lassen. Nun sprach sie kalt: „Ich schulde Ihnen Dank für Ihr Anerbieten, Herr Kapitän, allein ich muß dasselbe ablehnen. Mein Platz ist hier bet

HK „Ans einer klerikalen Redaktion"

Unter dieser Ueberschrist bringt di« sozialdemo- kratische .Rheinische Zeitung in Köln vom 12. Oktober in Sperrdruck einen langen Anklage- Vries „eines Zentrumsredakleurs" gegen den Aachener .Volksfreund' im besonderen und die Zentrumspreffe im allgemeinen. Die roten „Bruderblätter" haben den Brief nach Nord und Süd weiterverbreitet und auch liberale Blätter in unserer Nachbarschaft drucken ihn mit Bebaoeu nach.

Der mit H. D. zeichnend« „Zentrumsredakteur" will „durch die liebenswürdige Vermittelung des bekannten VolksvereinStaplans Dr. Sonnenschein" an den Volks­freund gekommen sein, nachdem er vorher schon „zu manchem Zeitungsverleger' gewandert war. Er hielts aber nur ein halbes Jahr aus. Nun er gegangen, kommt im Briefe noch einmal über ihn der Ekel an den „täglich sich häufenden Eindrücken des Geistes der Lüge und Heuchelei, unter dessen zermalmender Wucht alle Ideale, alle Hoffnungen in dem jungen, arbeitsfreudigen Menschen . . . schmählich zerrieben wurden". Ant „Voltsfreund" ist es ihm, der sich für einen „gesinnungsreinen" und „überzeugungsfreudi­gen" Mann hält, schwer geworden, stark zu bleiben; eS ist ihm schwer geworden, den opferwilligen Glau­ben an die Parole: „Für Wahrheit, Freiheit und Recht!" unverfälscht zn bewahren. Er hat schließlich einem Kollegen unter den Redakteuren recht gegeben, der ihm zuraunte: „Wenn unsere Leser wüßten, was wir für Menschen wären'" Schließlich ist er all der „Verschwommenheit, llebcrzeugungslosigkeit und Ver- logenbeit der geistigen Leitung des Volksfreundes" entflohen, „mit > wichtigen Erkenntnissen" bereichert. Frei aufatmend hat er dann für die „Rheinische Zig." seinen Brief geschrieben; jetzt beseell ihn nur noch der heiße Wunsch, daß seine Enthüllungen den zahl­reichen Lesern des .Volksfreundes" zu Gesichte kam- men, damit ihnen die Augen aufgehen und sie sehen, ,,„wie fie von ihrer Presse irregeführt werden".

Böas lst's d nu um den jungen, idealen, arbeite- freudigen, gesiunungsreinen, überzeugungstreuen.

M För ErhohmnsbedBrfflge und leichtert RBFWPH°?rank8-

■Iwl V Kuranstall Hofheim i Taunus, o, „ Og Slunde von Frankfurt a M.

Prospekte durch Dr. Schulze-Kahlem, Nervenarzt.

Deutsches Reich.

*♦ Eine bemerkenswerte Kundgebung deutscher Ordcnsoberen zum Jesuitengesetze. Der Erklam g der deutschen Orbensoberen, die wir jungft v tt lichten, hat sich im Namen der fronet Kongre­gation ber Benediktiner auch P. $

b e r, Erzabt des Klosters Beuron ang ^l^sim

— Der Hamburger Tuellsall. Am Tage des Derby-Meetings 1912 entstand bcfcnntthdj auf ber ~LUU ' Hamburg zwischen bent Gra-

•>» °--> B-ch-nd- M eine Siffeteirj. Set Gras hau- fkh nm die Rennen besser verfolgen zu können, aus ewen Stuhl gestellt. Aufgeforbert, von dem Stuhl bernnterzusteigm, weigerte ber Graf sich mit schrof- fen Worten. Es entstand eine erregt* Szene, die da­mit endete, daß ber Vorftanb ben Grafen K. burch einen Polizisten von ber Rennbahn verweisen ließ. Daraus forderte Graf K- bi* sämtlichen Vorftands- mitglicber bes Rennklubs auf Pistolen. Währenb einige Herren bie Forberung ohne weiteres ablehn- t*n, erklärten Senator von Berenberg-Goßler, Ober- regieruugsrat Dr. Schön unb Rechtsanwalt Dr. Stammanii, die sämtlich Reserveofstziere sinb, fie stäuben dem Grafen zur Verfügung. Es haben monatelange Verhandlungen geschwebt, ohne daß es gelungen wäre, die Sache in Güte beizulegen. Hier­von hat die Oeffentlichkett jedoch keine Kenntnis er­langt, und man hatte die ganze Sache längst verges­sen, bis dieser Tage, wie wir bereits berichteten, be­kannt geworden ist, daß schon vor einiger Zeit in ber Nähe von Wittenberge P i st o l e n b u e l l e zwischen bem Grafen K. einerseits unb bem Senator von Berenberg-Goßler unb bem Rechtsanwalt Dr. Stammann anberseits ausgesochten worben sind. Das erstere ist unblutig verlausen, bei dem zweiten Duell erhielt Dr. Stammann eine Fleischwunde am Oberschenkel. In Bestätigung eines Gerüchtes teilt bie „Neue Hamburger Zeitung" mit, baß Senator o. Berenberg-Goßler infolge feines Duells militär­gerichtlich zu brci Monaten Festungshaft ver­urteilt worben sei. Diese militärgerichtliche Bestra­fung eines Mannes, ber Mitträger ber hamburgi­schen Staatssouveränität ist, erregt peinliches Auf­sehen. Man forbert, baß Personen, bie zum Senat gewählt werben, künftig gehalten sein sollen, ihr* etwaige militärische Stellung nieberzulegen. Der Präsibcnt bes Senats soll sich bereits zum Kaiser begeben haben, um für Senator v. Berenberg-Goßle. einen Erlaß ber Strafe im Gnabenwege zu erbitten. Das genannte Blatt sagt hierzu u. a.:

Die yegnaötgung oetDcffett Vie Situation um keinen Deut. Im Gegenteil, die Republik hat einen bestraften Senator unv dankt es kaiserlich preußischer Gnave, wenn das Mitglied des Senats di« zu Recht erkannte Strafe nicht zu verbüßen braucht. Das ist staatsrechilich eine doppelte Widersinnigkett. Es wird gemeldet, der Senat stehe geschloffen hinter Senator v. Berenberg-Goßler. Daß die Mehrheit des Senats dergleichen für korrekt, für unvermeidlich halten kann, ist em vrelfagender Beweis dafür, wie verhäng­nisvoll die migefchriebenen Gefetz« der Tradition, am bie man gelegenilich |o feierlich pocht, beim Senat in Vergefsenheit geraten sind.

In ber Tat, was soll man dazu sagen, wenn ein hamburgischer Senator, ber in seinem Diensteide ge­schworen hat, daß er die bestehenden Gesetze befolgen will, sich ohne weiteres übee das Strafgesetzbuch hin­wegsetzt und sich auf ein Duell einläßt? Der Sena­tor muß hoch über den rückständigen Anschauungen einer kleinen Gesellschastsgruppe stehen und muß Achtung haben vor ber wiederholt zum Ausdruck gekommenen Anschauung des gesamten deutschen Volkes. Hat der Herr Senator sich nicht überlegt, daß er dadurch, daß er sich in so souveräner Weise übet bestehende Gesetze hinwegsetzte, die Unzufrie­denheit im Volke vermehrte unb ben Gegnern ber bestehenden Gesellschaftsordnung neue Veranlassung zu heftigen Angriffen gegen seine eigenen Standes- genossen gab? Was aber soll man dazu sagen, daß dieser selbe Herr Leiter des hamburgischen Volrs- schulwesens ist? Ist es nicht geradezu toll, baß ber Chef des Volksschulwesens ber zweitgrößten Stadt in Deutschland sich in eine Pistolenschießerei einläßt?

** Hagen, 17. Oft. 19}2. Auf dem sozialdemo­kratischen Parteitag für den Niederrhein, der hier abgehalten wurde, entspann sich eine eingehende De­batte über di* berühmte „Dämpfung", d. i. die geheime Begünstigung fortschrittliche: Kandidaten durch Zurückhaltung der Stimmen für den sozial-

3m Schutze des Zauberers.

421 Englisch-indischer Roman von E. A. Henty.

Dian hatte bemerk, daß er, fett sein Vorschlag, ge­meinsam auszudrechm, zurückgewiesen worden, stets mißmutig und still war, ausgenommen im wilden Gefecht. Dann lachte und scherzte er und freute sich augenscheinlich der Ausregtmg. Niemand hätte ver­mutet, daß er sich zu einem Dienste erbieten könne, ben Bathurst verweigerte, weil er dadurch der Teil- uabm am Schicksal der anderen entrückt würde. End­lich sagte der Major:

„N»n gut, Kapitän Forster; wenn Sie ausfüh­ren wollen, was ich vorgeschlagen habe, so nehmen wir dies Anerbitten an. Wo denken Sie wohl am ersten Hülse für uns zu finden?"

„In Lucknow, Herr Major. Wenn überhaupt irgendwo, ban.t dort."

„Wollen Sie sich sofort dahin aufmachen?"

„Ja, sobalo bie draußen schlafen! Sagen wir nm zwölf."

„Schon! So will ich benn ein Schreiben für Si: auSfcitigen, ba-3 von unserer Lage hier berichtet. Unb wie wollen Sie hinauskommen?

„sich denke, wir machen eine kleine Lücke zwi­schen den Sanbsäckcn an der Bresche. Da muß erst das P.erb hinaus und bann ich."

„Rchrnen Sie lieber noch ein zweites Pserb mit", lagte ber Doktor. „Wenn Sie verfolgt werben, hatt cm Pferd nicht so lange aus. Bathurst sagte

• *e^er' der ben Auftrag übernähme, sein I fcro mit bazn haben könne. Es ist sehr gut." qi- "? un/ weiß nicht", entgegnete Forster, „ein V’® "'Zufuhren, ist unbequem. Aber es könnte allerem.gijebr »üblich werben — so will ich es Denn iun. -1er Major unb Forster verließen nun zusammen baC Dach.

Siebzehntes Kapitel.

Als bie Herren herabkamen, fanben sie alle Da­men mit Schreiben beschäftigt. Der Major hatte

demokrafischen Kanbibaten. Es würbe offen von einer „Vorspiegelung falscher Tatsachen" gesprochen, unb mehrere Rebner erklärten, bie Zurückziehung ber Kanbibaturen wäre eine reinliche Sache gewesen, richt aber bie „Dämpfung". Der Vertreter beS Wahlkreises Hagen-Schwelm rühmte sich, baß si* sich einfach an bas Abkommen nicht gehalten hätten. Eine feine Liebenswürbigkeit gegenüber ben £agt» ner Fortschrittlern, bie so um bas Erbe Eugen Rich­ters geprellt würben. Scheibemann machte bann noch eine sehr interessante Bemerkung, bie ben Ohre» ber Fortschrittler sehr angenehm klingen muß. Er sagte nämlich: „Es ist ein nicht zu unterschätzenbes politisches Moment, wie fichbieFr-eifinnr gen burch bas Stichwahlabkommen mit uns kompro- m i 11 i e r t h a b e n bei ben bürgerlichen Parteien." — So, nun wissen bie Fortschrittler, welche Rolle sie gespielt haben.

elften Male in feinem Leben fühlte er wirkliches Bebauern.

„Pah, man muß es sich aus bem Sinne schla­gen!" sagte *r schließlich ungebulbig. „Es ist tau« fenb gegen uns zu wetten, baß wir uns sobalb nicht toieber begegnen; unb sollte es doch gescheh*n, so kann man da wieder anknüpfen, wo wir heute abgebro­chen. Iedmsalls ist es nutzlos, darüber zu grübeln; es gibt jent Wichtigeres zu bedenken. Nwd^-m ich so lange zwischen engen Mauern gefleckt, sehne ich mich förmlich darnach, einmal wieder auf dem Ru­cken eines Pferdes zu sitzen und im ehrlichen Kampfe meine Kraft zu erproben. Bathurst war ein Narr, baß er sich biefe Gelegenheit entschlüpfen ließ!" —

Dir junge Beamte hatte nach vollbrachter Arbeit ben Doktor auf feinem einsamen Wachposten aus­gesucht.

„Ich mußte noch soeben über unser heutiges Ge- fecht nachbenken, Bathurst", empfing ihn bieser. „Fast will es mir scheinen, als ob wir beib:, Sie unb ich, nicht zu Grunbe gehen werben, wenn bieser Platz in bie Hänbe ber Feinde fällt"

„Wi* kommen Sie darauf, Doktor? Weshalb sollte uns ein besseres Schicksal zutttl werden al» den anderen? Ich hege keinerlei Hoffnung, daß irgend einer von uns bem allgemeinen Verderbe» entrinnen werbe."

„Ich setze mein Vertrauen auf ben Gauklir. Ist *s Ihnen nicht aufgefallen, baß bas erfte Bilb, welches wir sahen, bereits Wahrheit geworben ist?"

„Ich habe alle biefe Wochen hinburch keinen Ge- bauten bafür gchabt", erwiderte Bathurst; „aber nun, da Sie davon sprechen, muß ich allerdings dir Richtigkeit Ihrer Bemerkung zugeben. Wie seltsam, in ber Tat! Alles stimmt genau überein — selbst Fräulein Hannah staub hier oben neben uns."

,„Ja, sie hatte sich, wie wir alle, in , ber Hitz« b»'s Gefechtes erhoben. Es ist in allen Einzelheiten bas Bilb, das Sie mir beschrieben haben, und dies» Umstcmb läßt mich glauben, daß auch das Zweite, das wir zusammen sahen, und auf welchem Sie, Isa­bella und ich in der Tracht ber Eingeborenen ente sieben, eintreffen wirb." (Fortsetzung folgt)

über bie Wahl Maltas zum Konareßort aufrichtig erfreut Die Malteser werden diese Gelegenheit be­nützen, um ihre Verehrung des Allerheiligsten Al­tarsakramentes und ihre Anhänglichkeit an den Glau­ben, den der hl. Paulus auf ihrer Insel gepredigt« offen kunbzugeben. Die vornehmen Familien und bie Klöster haben sich bereits erboten, ben KardinL» len unb Mschösen, bie zum Kongreß kommen, Gast- sreunbschaft zu erweisen.

Aus dem Nachdargeblete.

* Hersfeld, 18. Oft. 1912. Im Alter von 76 Jahren starb gestern ber Rentner Fritz Sauer, ber früher lange Zett Mitglieb bes Bürgerausschuf- ses war. . , ,

* Hanan, 18. Oft. 1912. In ber Eisengießerei Bracker erlitt ber 56 Jahre alte Dreher Vollme, währenb ber Frühstückspause einen Herzschlag unb war sofort tot. — Hinter bem wegen großer Wechselfalschungen flüchtigen Bauunterneh­mer H a d ift ein Steckbrief erlassen worben. — Ein lljähriger Knabe, ber von ber Fritohossmauer aus ber Beerbigung einer ihm bekannten Frau zusah, würbe von einem Arbeiter hinabgestoßen, so baß er einen Arm brach.

X Frankfurt, in. Okt. 1912. Das Landes« fefretariat des Voltsvereins für da? kaihol. Deutschland, Bezirk Mitteldeutschland, befindet sich leit bem 15. Oktober d. Js. nicht wehr Schnurgaff« 73, sonbern Schärfenoäßchen 5.

* Heidingsfekd, 18. Oft. 1912. Das „Fränftiche Volksblatt" melbet: Arn Sonntag hielt bie hiesig: Feuerwehr ihre Schlußübung. Es war von jeher Gebrauch, baß nach Beenbigung berfelben ein Hoch auf ben Protektor ber Feuerwehr, ben Prinzregen­ten, ausgebracht würbe. In biefem Jahre unter- bkiebbasHoch. Sollte man es vergessen haben! Ober waren anbere Grünbe maßgebend? Im letzten Jahre haben nämlich die Genossen gegen dieses Hoch protestiert, da doch auch Sozialdemokraten bei der freiwilligen Feuerwehr seien. Hat man etwa aus Furcht vor Kritik oder aus Entgegenkommen gegen diese Seite bas Hoch unterlassen? Im patriotisch gesinnten Teil ber Feuern» chr sowie in ber Bürger- schäft Heibingsfelb herrscht eine nicht geringe Er- reaung über diesen Vorfall. Eine Klärung der Sache von zuständiger Seite ist jedenfalls notwen- big, wenn nicht bie Meinung cm stammen soll, baß man vor ben Anrempelungen bes Umsturzes zuruck- gewichen sei. _

* Göttingen, 18. Ott. 1912. Professor Dr. Gu­stav Frölich zu Jena ist zum orbentlichen Pro­fessor in ber philosophischen Fakultät ber Universiat Göttingen ernannt worben.

* Darmstadt, 18. Okt. 1912. Heute morgen fand man das 7jährige Kind des Landwirts Becker mit abgefahrenem Kopfe auf. Ob ein Un­fall ober ein Morb borlicgt, ist noch nicht bekannt

* Mainz, 18. Okt. 1912. Der T u r n g a n Rheinhessen mit seinen 156 Vereinen unb über 18 000 Mitgliebern besteht jetzt 50 Jahre unb begeht bies:s Jubiläum in großzügiger Feier am 3. No» vember in ber Mainzer Stadthalle.

♦ Würzburg, 18. Ott. 1912. Auf bem 4. V:r- banbstag bes Lanbesverbanbs daher. Heb­ammen würbe eine Alters- unb Pensionskasse ge- grünbet. ___