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Zrettüg 18. Äktover I9|2.
59. Zasrqang.
Zeitung
druck und Verlag der Zuldaer ActiendruSertt in isNlda-
Serrisches Reich.
* Unstimmigkeiten in den Kongoverhaudlungen. Die Kvngozipfcl scheinen noch diplomatischen Verdruß bereiten zn sollen. In derNordd. Allg. Ztg. ergreift ein von Kiderlcn-Waechter inspirierter Offi- ziosns beziehungsweise der Staatssekretär selbst das Wort, um sich gegen den Vorwurf zu verwahren, daß bei den Verner Verhandlungen die deutschen ^arto> graphen nicht genügend zugezogen seien. Wichtiger schließlich als diese zwar auch nicht unwichtige Frage ist die in demselben Artikel enthaltene Mitteilung, daß über die Kongoinseln keine Einigung erzielt sei. Deutschland betrachtet den Lauf des Kongoflusses, Frankreich das rechte Stromufer als die Grenze. Bon der Entscheidung dieser Frage — gegebenenfalls durch das Schiedsgericht — hängt es ab, ob Deutschland die Kongoinsel erhält oder Frankreich sie erhält.
* Haus- und Familienstandsaufnahme bei der Reichs-Postverwaltung. Im Bereiche der Rüchs- post- und Tclegraphcnverwaltnng finden grgenivär- tig Ermittelungen über den Haus- und Familienstand der männlichen Beamten und Unterbeamten statt Die Feststellungen sind durch eine Resolution veranlaßt, die der Reichstag auf Antrag des Abgeordneten Grober und Genossen am 9. März 1911 gefaßt hat- Durch diese Statistik soll festgestellt werden, wieviel Beamte verheiratet sind und wie groß die K i n d e r z a h l der Beamten ist. Die Statistik soll ferner eine unentbehrliche Unterlage für die Beurteilung der Beamtenverhältnisie bilden. Insbesondere sollen die Ermittelungen dazu dienen, ob die Gehaltsbezüge ausreichend sind, ob die Beamten eine rechtzeitige Verheiratung ermöglichen können und ob für kinderreiche Familien die Einführung von Erziehungsbeihilfen nötig erscheint.
** Zum Petroleum- Monopol. Vor etlichen Tagen ging durch die Presse die Nachricht, daß die Diskonto-Gesellschaft, das Bankhaus S. Bleichröder und die Dresdner Bank sich an der zum Zwecke des Petroleum-Monopols beabsichtigten Aktiengesellschaft nicht beteiligen werden. Die genannten Bankinstitute teilen nun mit, es sei nicht zutreffend, daß sie ihre Mitwirkung versagt hätten, nachdem die deutsche Erdöl-Aktiengesellschaft einen Vertrag mit dem deutschen Tochterunternehmen der Standard Oil Compagnie geschlossen hat. Sie haben ihre Mitwirkung erst dann versagt, als die Leitung des znr Gründung der Petrolemn-Monopolgesellschast zü- sammenberufenen Konsortiums diejenigen Garantien verweigerte, die nach der Ileberzeugung der genannten Firmen erforderlich sind, um eine völlig unabhängige, nicht einseitigen Interessen dienende Organisation und Verwaltung der Petroleum-Monopolgesellschaft zu gewährleisten. Die Dresdner Bank hat sich diesen Erwägungen angeschlosfen, daneben aber auch erhebliche Bedenken gegen den Inhalt des Gesetzes und die Konstruktion des Geschäftes geltend gemacht, welche ihr eine Mitwirkung nicht opportun erscheinen ließen.
Aur dem Nachbargebiete.
»I* Lütter, 17. Oft. 1912. Seinerzeit ist von der Handwerkskammer zu Kassel geplant worden, auch in Lütter einen Meisterkursus ablwlten zu lassen, falls sich mindestens 15 Teilnehmer dazu melden. Bis jetzt sind nur 12 Anmeldungen erfolgt. Es wäre wirklich zu bedauern, wenn die nölige Zahl nicht erreicht würde und deswegen der Kursus nicht stattfinden könnte. Die Interessierten werden gebeten, sich doch sofort beim Herrn Lehrer Schramm in Lütter zn melden.
* Offenbach, 18. Oft. 1912. Der Nachbar- ortsverkehr zwischen Offenbach und Frankfurt trat gestern in Kraft. In Anbetracht des zu erwartenden stärkeren Telephonverkehrs soll ein w:i- teres Kabel nach Frankfurt gelegt werden.
• Frankfurt, 17. Oft. 1912. Nach Mitteilung oes Statistischen Amtes ist die Volks zahl für den Stadtkreis Frankfurt am 1. Oktober 1912 mit rund 431600 anzunehmen. — Der Rentner Daegu« wurde im Frühjahr infolge zu niedriger Steuer- einschätzung mit insgesamt 18310 M.k durch den
Staat nachbestenert. Der Magistrat forderte demgemäß auch nachträglich 19489 Mark. Gegen bte Nachsteuer erhob DacqnS Widerspruch. Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage loftenpflichtig ab. — Als Dieb des in der Montag-Nacht aus einer Garage gestohlenen Lastautos wurde der 20 Jahre alte Chauffeur Schmitt in Darmstadt verhaftet.
* Hersseld, 17. Okt. 1912. Dem gestrigen Lullus m a r k t waren infolge des günstigen Wetters große Menschenmengen zugeströmt. Die Kreisbahn hatte zwei Sonderzüge zur Bewältigung des Verkehrs eingelegt.
* HolzljauskN (Kreis Hombe.g), 17. Okt. 1912. Neunzehn Arbeiter des Eisenwerks Holzhausen konnten in diesem Jahre auf eine 25- bis 50jährige ununterbrochene Tätigkeit in dem Betriebe blicken. Ihnen zu Ehren sand am Samstag abend eine Feier statt.
* Witzrrchauskii, 17. Okt. 1912. Gestern nachmittag wurde auf der Kasseler Landstraße die Frau eines Zigarrenmachers, als sie einem Wagen aus- weichen wollle, von einem aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Automobil überfahren. Die Bedauernswerte trug außer einem komplizierten Schenkelbruch mehrere Verletzungen im Gesichte und vn den Händen davon.
* Kassel, 17. Okt. 1912. Ein 22jähriger Arbeiter, der mehrere Einbrüche auf deut Kerbholz hat, wurde von der Polizei v e r ha s t e 4 In seiner Wohnung fand man ein größeres Lager gestohlener Gegenstände. — In Walfänger stürzte ein in den siebziger Jahren stehender Arbeiter vom Boden seines Hauses und erlitt schwere innere Verletzungen und mehrere Knochenbrüche. — Zwei 14 Jahre alte Schüler, die in Jena durchgebrannt waren, trafen in vergangener Nacht hier ein. Sie wurden in das Polizeigefängnis abgeführt. Die Durchbrenner, die am Balk an krieg als Freiwillige tcil- nehmen wollten, waren mit kleinen Waffen, Blend- und anderen Laternen ausgerüstet.
* Göttingen, 17. Okt. 1912. Die Stadtverwaltung von Göttingen hat beschlossen, weiblichen Personen, die 2d Jahre hindurch bei derselben Fanulte in treuer Pflichterfüllung tätig gewesen sind, ein Ehrengeschenk aushändigen zu lassen. Dieses besteht in einer kunstvoll ausgesühtten, mit dem Göttinger heraldischen „G" versehenen goldenen Brosche und einem Geldgeschenk.
♦ Lehrbach, 17. Okt. 1912. Eine nette lieber- raschung wurde dieser Tage dem Besitzer des Jagdhäuschens im Freiherrlich Schenck'schen Walde zuteil. Als er morgens zum erbrochenen Fenster hineinschaute, fand er in seinem Bette einen hier übelbekannten jungen Menschen. Vor geladenem Drilling mußte er nach der Bürgermeisterei Lehrbach marschieren.
* Reustadt a. d. S., 17. Okt. 1912. Ein biederer Geschäftsmann, der nebenbei Feldbau betreibt, kam mit seinen Kühen vom Felde und legte ihnen Füllet vor. Während eine Kuh fraß, vermochten auch die besten vorgelegten Bissen die andere nicht znm Freffen zu bringen. Man holte den Dorstlerarzt, welcher vielerorts der Schäfer ist; auch dessen Bemühungen und Untersuchungen waren erfolglos, die Kuh fraß nicht. In später Stunde wurde der Tierarzt gerufen. Als dieser dann die Kuh unter« achte und dabei auch am Maule nachsehen wollle, brach er in em homerisches Lachen ans, in das alle mit Ausnahme des Viehbesitzers nut einftimmten, denn die Kuh trug noch den Maulkorb.
* Höchst, 17. Okt. 1912. Am Dienstag abend wurde cru 13 Jahre alter Junge von einem Fuhrwerk überfahren und getötet.
+ Wiesbaden, 16. Oft. 1912. Die evangelische Kreissynodc-Cronberg im Taunus hatte kürzlich bei der Handwerkskammer in Wiesbaden den Antrag gestellt, daß der Zeichenunterricht an Sonn- tagen beseitigt werde, und den Antrag u. a. da- mu begründet, daß der Zeichenunterricht oft sogar während des Hauptgottesdienstes stattfinde und eine unverantwortliche Schädigung der sittlichen Wohl- fahrt unseres Volkslebens, insbefondere unserer männlichen Jugend empsunden werde. Die VoU- vctsammlnng der Wiesbadener Kammer lehnte in ihrer letzten Tagung diesen Antrag jedoch ab.
* Würzburg, 17. Ott. 1912. Zur ärztlichen Prüfung wurden 38 Kandidaten zugelassen. — Art der höheren Fachschule für M a s ch i u en b a u beträgt die Frequenz 119 Schüler.
Amt Geisa und Umgebung.
A Vacha, 17. Oktbr. 1912. Tas nächstjährige Gautnrnsest desOberfulda-Werragaues soll vom 4. bis 6. August 1913 in Vacha abgehalten werden.
* Dermbach, 17 Oft. 1912. Am heutigen Tage nimmt die diesjährige Kirmes dahier ihren Anfang. Auch in Urnshausen, Wiesenthal, Unter- und Oberalba wird diese Woche Kirmes gefeiert.
* Dorndorf, 17. Oft. 1912. Heute nacht stürzte in der chemischen Fabrik ein verheirateter Arbeiter in einen Salzsilo und war sofort tot.
Aus Gderhefsen u. den Hess. Acmtern.
* Marburg, 17. Okt. 1912. Dem Kantor und Lehrer a. D. Georg Ermentr^udt wurde der Königl. Kroncnorden vierter Kla;;c verliehen.
* Kirchhain, 17. Okt. 1912. Tie diesjährigen Herbstkontrollversammlungen finden im Kreise .Kirchhain statt in Schweinsberg am 9. Nov., tiortn. 1914 Uhr: in Ma rdorf am 9. Nov., nachm. 12^ Uhr; in Wohra am 11. Nov., vorm. IO34 Uhr: in Rauschenberg am 11. Nov., nachm. 2 Uhr; in K i r ch h a i n am 12. Nov., vorm. 10% Uhr; in AlIend 0 rf am 12. Nov., nachm. 1.40 Uhr und in N e u ft a b t am 13. Nov., vornl. 101Z, Uhr. — Vorgestern fand in Lehrbach die Schlußversammlung der Gesellschaft für Anto- mobilomnibrts- und Po st Verbindung Ehringshaitsen - Kirtorf - Kirchhain e. G. m. b. H. statt. Die Vertreter der größten Automobilfabriken waren besonders eingeladen worden. Dir Vorteile usw. eines jeden Fabrikates wurden in längerem Vortrag behaiidelt. Die Abstimmung ergab, daß die Lieferung der beiden neuen Automobil-Omnibusse den Benz-Gaggenau-Wrrken übertragen wurde.
[:] Kirchhain, 18. Okt. 1912. Am Mittwoch fand hier int Bahnhosshotel eine Konferenz der Fortbildungsschullehrer des Kreises Kirchhain statt. Der schultechnische Leiter der ländlichen Fortbildungsschulen in den kath. Ortschaften, Herr Pfarrer Schlitt- Mardorf, hatte dieselbe einberufen, um einen einheitlichen Betrieb sowohl in Stoff als auch Verteilung desselben auf die Lehrkräfte und in Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse hcrbeizitführen. Als Grundlage diente der Lehrplan der kgl. Regierung vom 27. Oktober 1911. Nachdem hierin eine Einigung erzielt worden war, fand eine kleine Feier zu Ehren des Herrn Lehrers Markus- Neustadt statt, der aur 11. v. M. sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern konnte. Der Jubilar hat 38 Jahre am Orte seiner jetzigen Wirksamkeit vollbracht.
* Frankenberg, 17. Okt. 1912. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde eine Anleihe von 40 000 Mark zu 4 Prozent und 1 y2 Prozent Abtrag bei der Landesversicherung zwecks Bestreitung der Kosten des neuen Wasser- werks genehmigt. Bürgermeister Dertz und Stadtverordnetenvorsteher Finger erstatteten Bericht über die demnächst in Kraft tretende Autopostverbindung zwischen Frankenberg-Sachsenberg-Medebach nnd Korbach. ■— Regierungspräsident Graf von Bernstorfs nahm die feierliche Amtsein- ü h r u n g des Landrats Dr. Stapenhorst hier vor.
* AuS bem Kreise Frankenberg, 17. Oft. 1912. Die Wetterführungder WohratalbahnKirchhain— Gemünden über Haina—Löhlbach—Frankenau nach Frankenberg scheint nunmehr gesichert.
* Vöhl, 17. Okt. 1912. Der Gemeinde Vöhl ist bei Prämiierung ihrer Ob st Pflanzungen die bronzene Medaille zuerkannt worden. Sie hatte in diesem Jahre aus dem Verkauf des ObsteS eine Einnahme von 506 Mark, im vorigen Jahrr nur 89,70 Mark erzielt.
vermischtes.
+ Vergrößerung dcS Reichstags - Gebäude?. Ter' Entwurf zu dem Umbau des Reichstags-Gebäudes,; dessen Kosten ctiva 8,000,CCO Mark betragen dürfen, ist im Reichsamt des Innern von dem Geh.^ Oberbaurat Hickels in Gemeinschaft mit dec stier«' wallung des Re chStagcs vorbereitet worden. Wenn der Reichstag die Mittel bewilligt, hofft man im Frühjahr 1913, sobald das Reichsparlament in die Ferien geht, mit der Ausführung beginnen zu können.
*♦ Der Verbrauch von Zigaretten nimmt von Jahr zu Jahr gewaltig zu. Während in Deutschland im Jahre 1978 rund 1,1 Milliarden Zigaretten hergesreltt wurden, hat sich die Produktion in der Zwischenzeit reichlich verzehnfacht. Besonders in den letzteir fünf Jahren ist eine außergewöhnlich rasche Entwickelung der deutschen Zigarettenindustrie zu erkennen, übertrifft doch die hergestellte Menge die des Vorjahres, laut süddeutsche Tabakszeitung', um 12,2 Prozent, und die des Jahres 1907 um reichlich 82 Prozent; in einem Zeitraum von nur 5 Jahren hat sich also die Produktion nahezu verdoppelt. Nimmt man an, daß in Deutschland 20 Millionen Menschen als Zigarettenraucher in Betracht kommen, so ergibt sich auf den Kopf ein Verbrauch von 620 Stück pro Jahr. Alles in allem dürften die deutschen Rancher im Jahre reichlich 250 Mn'i. Mark für Z .mrek'eii nu^p^en.
△ Die Kriminalität der Jugendlichen. Anläßlich des gegenwärtig in Frankfurt tagenden dritten deutschen Jngendgerichtstags wurde die Konstatierung gemacht, daß die Kriminalität der Jugend^ lichcn in Deutschland einen hohen Stand erreicht. Von 213 Mädchen ist eins, von 43 Knaben einer im Alter von 12—18 Jahren strafbar. Die Stcrtistii zeigt das Anwachsen der Gefängnisstrafen der Jugendlichen an Zahl und Tauer. Es wurde aus dem Kongreß der Grundsatz ausgestellt: Es gibt gar keine durchgreifende Erziehung ohne Strafe, am wenigste« gegenüber jugendlichen Delinquenten«
A Die Bestimmung des Menicheu nach sozialifttjche« Grundsätze«. Gott und Himmel sind nach sozialistischen Grundiätzen Ammenmärchen für unmündige Ätnuet, daher können sie auch nicht die Bestimmung des Menschen sein. Wie die Bestimmung des Mensche« nach sozialist scher Lehre eigentlich ist, verrät ein italienisches Blatt, die ,Zetta nuova' von Mantuawenn sie schreibt:
„Einst wird der Tag kommen, da die sterbende« Menschen ruhig und heiter ihren Körper für bte -sozialen Felder bestimmen, damit fir auch im Tode noch etwas nützen." ।
Der Mensch als Düngerhaufen deckt sich herrlich mit der modernen Sozialdemokratie, der bekanntlich Religion .Privatsache" ist.
* Eine Schlacht im Gefängnis. Im Strafgefäng« ms zu R a y l i ng ist es am Montag zu einer förmlichen Schlacht zwischen revoltierenden Sträflingen und ihren Wärtern gekommen, in deren Verlaus zwei der Sträflinge getötet, zahlreiche andere mehr oder weniger schwer durch Revolverschüffe verletzt wurden. Bereits in der Nacht zum Sonntag war es 20 Verbrechern unter Anführung des berüchtigten Staubmörders Butch gelungen, ihre Wärter zu #jet» rumpeln und die Freiheit zn gewinnen. Am Montag wiederholte sich die Revolte, und es gelang abermals mehreren Verbrechern, nachdem sie ihre Wärter niedergeschlagen hatten, zu entkommen. Um weiteren Meutereien wirksam.entgegentreten zu können, wurden die Gefängnisbeamten mit Revolvern bewaffnet. Als wenige Stunden darauf von mehreren Gefängnisinsassen. durch den Erfolg der vorhergehenden Revolten kühn gemacht, ein brütet Ausbruchsversuch unternommen wurde, kam es zu einem heftigen Kampfe, den die Wärter erst durch den Ge- b-auch ihrer Revolver zu ihren gunsten enffcheide« konnten.
* Die Zimmerwaad als Waudtafel. Im Lehrerseminar in Leipzig hat eine praktische Neuerung bei Lehrern und Schülern viel Beifall gesunden. In einigen Schulzimmern wurden die freien Zimmer« wände in der Höhe zwischen ein und zwei Metern tafelglatt geschliffen und mit einer sehr haltbare», widerstandsfähigen mittelgrauen Oelfarbe bestriche«. Die Wand ist mit Kreide und Farbstift rott bte üblichen schwarzen Holztafeln zu benutzen, hat aber
verletzt?" fragte der
bekam ich einen klei- Forstet; „aber es ist
_ »Ist einer von Ihnen Major.
»Ja, beim Hinabsptingen neu Bajonettstich", erwiderte kaum der Rede wett."
„Und was machen Sie, Bathurst? Was ist denn in Sie gefahren, da hinunter zn springen?"
„Ich weiß es selber nicht. Als die Pause im Schießen eintrat, fühlte ich, daß ich nun auch mein Teil bei der Sache tun müßte."
„Sie haben mehr als Ihr Teil getan, sollte ich meinen. Die Kerle fielen vor Ihnen wie die Kegel. Nun, Wilson, Helsen Sie mir ihn auf« richten."
Das gelang kaum, denn die Reaktion nach der firtchtbaren ^iftrengung machte sich stark geltend. „Sic sollten hrncingehen und ein Glas Wein trin- fen , riet ihm der Major. ,Lst sonst jemand ver
$ot ®j?e Kugel die rechte Schulter ge- Mt™ - & Jü$arbd mit Ruhe. „Glrich zuerst, fobaß ich dann nicht mehr viel tun konnte, obgleich
der Linken weiter schoß.
Ich will den -tottor bitten, daß er sich die Wunde ansicht. •
Beim letzten Wort aber wankte der junge Mann Und wäre "m^sunken,^hätte der Major ihn nicht gehalten. ^16^1 wnb Doolan trugen ihn nun in, das -?aus, wo zich sogleich die Damen zu ihnen ge- I feilten.
3m Schutze des Zauberers.
41] Englisch-indischer Roman von E. A. H enty-
„Hinlegen, Isabella!" schrie er. „Sie werden gleich wieder anfangen zu schießen."
Isabella verschwand, und fast in demselben Mpment donnerten von neuem die Geschütze und knatterten eine Anzahl Gewehre. Jetzt blickte sich der Major nach Bathurst um; dieser lehnte, noch keuchend von der Anstrengung, an der Mauer, und Forster wischte sein Schwert am Gewände eines gefallene« Hindu ab.
„Sonst ist ntemanb verletzt", sagte der Major; „wenigstens nicht ernstlich. Die Feinde fanden einen so schlechten Empfang bei uns, daß sie wohl nicht sobald zutückkehren werden. Möchte jemanb von Ihnen den Doktor hernntertufeir?"
Richards wurde in das Krankenzimmer getragen und dort der Sorge des Doktors überlasten und der Pflege von Frau Hunter und Fran Rintoul. Der Major begab sich nach dem gemeinsamen Wohnranm und rief einem Diener zu, et möge mehrere Flaschen Champagner herbeibringen, „denn", meinte er, „dies ist eine Gelegenheit, die gefeiert werden muß — wir haben es uns sauer verdient."
Nun erschienen alle nach und nach. Farquharson nut' hielt Wache auf dem Dach. Die Frauen umarmten stumm ihre Gatten.
„Wo ist Bathurst," fragte Frau Doolan: „ist er etwa verwundet? Ich inuß nach ihm sehen." Damit ergriff sie ein Glas Champagner und ging hinaus.
Bathurst saß auf der Erde, gegen die Hausmauer gelehnt.
„Sic sind dock nicht verwundet, Herr Bathurst?" sagte sie, herankonunend- „Nein, bleiben Sie nur sitzen und trinken Sie ein wenig hiervon. Wir haben zur Feier des Sieges einen Champagnerkorb geöffnet. Der Major sagt, Sie hätten sich vor allen anderen ausgezeichnet."
Bathurst trank einen Schluck Wei«, che er erwiderte:
„Rur iv gewissermaßen, Frau Doolan. Ich mußte tun uns wußte kaum was."
„Aber Sie haben wie ein Held gekämpft."
„Wie ein Held nicht. Eher wie ein Wahnsinniger ober ein Verzweifelter."
In diesem Augenblick tarn Wilson heraus. „Hallo- Bathurst, was machen Sie hier? DaS Frühstück ist fertig, und jedermann fragt nach Ihnen. Sie müssen etwas genießen nach Ihrer Anstrengung. Hät- ten Sie ihn nur gesehen, Frau Doolan, wie er mit dem Hammer um sich schlug. Das war so was nach Art des „Löwenherz", wissen Sie — der wütete mit einer Keule unter den Sarazenen, bis er seine eigene Hand nicht mehr öffnen konnte. Nur immer mit herein jetzt, sonst hol; ich den Doktor- Der
arme Richards hat Pech gehabt; er ist verwundet. Solch einen guten Kerl gerade mußte es treffen!"
So ohne Unterlaß plaudernd geleitete Wilson Bathurst ins Haus.
Nach dem Frühstück wurde eine weiße Fahne auf dem Dache ausgezogen, und bald darauf kamen zwei Hindu-Offiziere mit einer ähnlichen Flagge heran. Der Major und Kapitän Doolan gingen denselben entgegen und kamen mit ihnen überein, daß bis Mittag Waffenstillstand herrschen solle, damit man Zeit habe, die Toten und Berwundenten fortzubringen. Während dies dann geschah, lag die Besatzung bewaffnet hinter der Bresche, für den Fall eines verräterischen Beginnens außerhalb. Die Feinde jedoch, offenbar ziemlich niedergeschlagen durch ihre Mißerfolge, trugen ruhig die Gefallenen fort, und erst um zwölf Uhr begann das Schießen von neuem.
Am Abend, als es dunkel war, versammelten sich die Männer auf dem Dache, und der Major sprach: „Nun, meine Herren, heute haben wir die Feinde zurückgeschlagen, und das kann uns wohl auch wieder gelingen; aber trotzdem können wir nicht im Zweifel darüber fein, wie die ganze Sache schließlich für uns enden muß. Schon diesen Nachmittag hatten sie die Kanonen auf eine andereStelle unserer Mauer gerichtet, und sobald sie eine zweite Bresche geschossen haben, müssen wir ihnen bei einem erneuten Sinfturm unterliegen. Und jetzt, wo wir einige Kranke und Verwundete haben, können wir an ein Entkommen kaum denken. Wir dürfen sie doch nicht im Stiche lassen! Die einzige Hoffnung wäre, daß uns von außen her Beistand käme; aber wir wissen ja nicht, was draußen vorgeht. Ich meine, jemand von uns sollte versuchen, hinauszugelangen und dann nach Lncknow, Agra oder Allahabad zu kommen und uns dort Hülfe zu verschaffen. Eine Abteilung Kavallerie würde schon genügen. Die Aufständischen sind arg mitgenommen; heute wurden über hundertfünfzig Gefallene fortgetragen. Bei einem plötzlichen Ueberfall würden sie, glaube ich, keinen großen Widerstand leisten. Länger als acht bis zehn Tage können wir uns hier nicht mehr halten. Wenn bis dahin keine Hülfe kommt, müssen wir uns entweder ergeben oder, wenn es geht, durch die Mine entfliehen."
Alle mußten beistimmen. Der Dottor sagte; „Bathurst wäre der Mann dazu, hinaus zu toan« bern. In zwei Tagen könnte er schon in Lncknow fein."
»Ja, das ist wahr", antwortete drr Major. „SBe! ist denn Bathurst?"
„Bei der Arbeit, wie gewöhnlich! Ich will gehen und mit ihm reden- Aber, offen gestanden, ich glaub» nicht, daß er es unternimmt."
„Warum nicht, Doktor? ES fft ja gefährlich, aber nicht gefährlicher als hier zu bleiben."
„Nun, wir wollen sehen!" Damit ging der Doktor. Bis er wiederkehrte, wurde nichts gesprochen. „Bathurst weigert sich enffchieden", lautet» sein Bescheid, als er zurückkam. „Für gefahrvoll hält er das Unternehmen nicht, wohl aber für ganz nutzlos. Er meint, wenn von außen Hülfe möglich wäre, so hätte sie uns schon erreichen müssen."
„9iun, aber wenigstens wäre er dann entkam«, men", sagte der Major.
„Eben deshalb will er nicht hinaus. Et sagt, daß et das Schicksal der anderen teilen wolle, wie auch das Ende sei- Er mag nicht übrig bleiben, um von sich sagen zu lassen, daß er der einzige Mann gewesen, der sich bei Dinnughnt rettete."
„Wer aber soll es dann unternehmen?" sagte der Major. „Sie, Doktor, sind der einzige der di» Sprache gut genug spricht, um allenfalls als Angeborener zu gelten."
„Dazu reichen meine Kenntnisse doch wohl nicht ans. Außerdem bin ich zn alt, um so langes Reite« zu vertragen, und überdies bin ich hier als Arzt und als Schütze nötiger."
„Ich will es tun!" fiel plötzlich Forster em; „nicht verkleidet, sondern m meiner Uniform und auf meinem Pferde. Wenn ich glücklich durch die Vorpastenkette komme, holt mich so leicht keiner ein."
Ein augenblickliches, staunendes Schweigen folgte dielen Worten. Forsters Tollkühnheit wat bekannt. Noch in den letzten Tagen hatte er sich immer dir bedrängtestrn Stellen im Kampfe ausgesucht. Umsomehr war jetzt jedermann überrascht, daß er etwas tun wollte, was ihn viel wahrscheinlicher au« der Gefahr befreite, als das Ausharren im Hospital.
.Fortsetzung folgt).