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fSrdieAnzrtg«»: Z. parzeLer ia Zulda.

Momtrbrilage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

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240. Erstes

Der KMackriez.

Die türkische Kriegserklärmig.

W. Konstantittopel. 17. OKI. ISIS. (Zel.) Die Worte lieb heute früh um SV, Uhr der ser» bische« und der bulgarische« Gesandtschaft eine Note übermittel«, die besagt: Wege« der bulgarische« uud serbische« Rote, die eine Ein­mischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei darstellt, und wegen der Mobilmachung dieser beide« Staate« und der täglichen Schar­mützel sieht die Pforte, trotz ihres Wunsches, den Frieden zu erhalten, datz der Friede zwischen der Türkei, Serbien «nd Bulgarien weiterhin «nmöglich ist. Sie hat stch daher entschlossen, der Sendung der Gesandten vo« Bulgarien und Serbien ein Ende zu setze« «nd sordert sie aus, ihre Pässe zu nehmen und mit ihrem Personal d«S osmanische Gebiet so schnell als möglich zu verlassen. — Dies wird als Kriegserklärung betrachtet. Der serbische Gesandte Dr. Nenadowitsch reist heute ab. Der bulgarische Gesandte Sarafow roeii noch nicht, ob er heute wird abrrisen können. Die griechische Gesandtschaft hat noch keine Mitteilung der Pforte erhalten.

Di« Türkei hat die Klärung herbeigeführt, die von den drei größeren Balkanstaaten immer noch hinausgezögert wurde. Trotz kriegerischem Auf­marsch und einleitenden Grenzicharmützeln blieben die Gesandten der angriffslustigen Staaten ruhig in Konstantinopel, — was nebenbei eine Anerkcuntnis der öffentlichen Ordnung und Sicberheit im Os- manenreiche bedeutet. Nun Hal die Türkei diesem ftwitterzustande, der weder Friede noch erklärter Krieg war, ein Ende gesetzt. Allerdings hat auch sie die alte Formel: .Wir erklären den Krieg!' nicht wörtlich angewandt, sondern die Umschreibung gebraucht, daß sie den Gesandten der Balkanstaaten höflich aber bestimmt die Tür gewiesen hat. DaZ bedeutet aber die Kriegserklärung, auch wenn das Wort selbst vermieden ist. Der griechische Ge­sandte wird auch abreisen, doch konnte er nicht mit derselben Note verabschiedet werdcn, da noch ein formalistischer Streit darüber besteht, ob Griechen­land ebenso wie Bulgarien und Serbien die unan­nehmbare Fordernngsliste wirklich der Türkei ein- gehändigt habe. Griechenland hat aber nunmehr er­klärt, daß es diese Tat vollbracht habe, und darauf- hin ist denn auch die diplomatische Verbindung mit Athen abgebrochen worden.

Als im Sommer 1870 der deutsch-französische Krieg begann, wurde er mit einer regelrechten Kriegserklärung von feiten Frankreichs eingeleitet. Seitdem ist die alte Sitte der förmlichen und feier­lichen Fehdeansage aus der Diode gekommen. Japan griff bie russische Flotte an, ehe es den Krieg in Worten erklärt harte. Bei dem jetzigen Balkan» konflikt ist die Hinterhältigkeit seitens der angreisen- den Staate» systematisch mit der größten Kunst und Zähigkeit betrieben worden. Warum und wozu dteft Verzögerung der Kriegserklärung beliebt wurde, ist «och nicht recht zu übersehen. Die Rücksicht aus die eigene Diobilmachung erklärt bas Zögern nicht vollständig, den» mau wußte doch, daß der Zeit- gewinn in mindestens demselben Maße der Türkei zu gute kam, die aus großen Entfernungen chre Streitkräfte herauziehen konnte. Tatsächlich haben die Baltanstaateu den türkischen Ministern so viel Zeit gelaffen, daß sie vor Ausbruch des Kampfes noch den Frieden mit Italien abschließen konnte, trotz der Verzögerung, die in Ouchy noch zum Schluffe der vorigen Woche stch einsteUle.

Es ist offenbar kein Zufall, daß die Türkei den Gesandten der Baltanstaaten sofort nach Abschluß des TripoliskriegeS den Laufpaß zusteüte. Durch die Befreiung vom italienische» Druck ist offenbar der Mut und die Tatkraft der Türkei welentlich gehoben worden. Haben die Balkanstaaten mit der Möglichkeit eineS schleunigen Friedensschluffes in Ouchy nicht gerechnet? Oder waren ste durch ge­heimnisvolle Rücksichten auf ihre amtlichen oder nichtamtlichen Gönner in Rußland an einem rechtzeitigen Vorstoß dehi bett ‘i

Der bulgarische Zar Ferd rand, der Generaliffi- mus, ist nun endlich, nachdem die Türkei das klärende Wort gesprochen, znr Armee abgereist. Die Kraftprobe kann beginnen. Inzwischen ist die deutsche Preffe voll von Artikeln über den neuen Botschafter, den unser Kaffer nach London schickt. Und es wird sehr gründlich erörtert, auf wclcke Weise und mit welchen Aufsichten Fürst Lignowsky die englisch-deutsche Versödnungsaufgabe, die der Tod dem Frhrn. v. Marschall aus der Hand ge­nommen, weiterführen und lösen könne. Aber jetzt gerade wird die Au rnerksamkeit von der chronischen Krankheit, als welche sich die englisch-deulsche Spannung darstellt, abgelenkt auf Die akute Ge­fahr, Die im Südosteu Europa? tür den Frieden ausgebrochen ist. Jetzt lautet die brennende Frage: Wie stellt stch England zu Der NeuorDnung Der Balkanverbältnisse, Die Durch Den Krieg_ in Fluß gebracht wirD? Wir vermuten, daß Fürst v. Lignowsky erst nach Dem vollem Abschluß Der Balkanwirren sich der allgemeinen Deutsch-eng­lischen Annäherung wird wiDmen können, und daß er vorläufig genug zu tun haben wird, englische puetiretbereieu im nahen Orient zu verhindern.

Die Kriegserklärung Serbiens.

e Belgrad, 17. Okt. 1912. Nachmittags über- »ittelts die serbische Regierung ihrem Gesandte« in Konftantiuo«el die Kriegs­erklärung an die Türkei und notifizierte ste den Großmächten.

Fulda,

Tie bulgarische Armee.

Der Stab der 1. bulgarischen Armee unter General Kutimtschen» ist zur mobilen Armee abgegangeu. Kutimtschew ist ein energischer Front­soldat. Der Führer der 2. Armee »st Genera Iwanow, sein Stabschef Oberst Jekow. Dieser soll der bedeutendste der drei Stabschefs sein. Die 3. Armee führt General Dimitriew, ein Militär- gelehrter, der noch nie Truppen befehligt hat. Dem König als Oberbefehlshaber steht G neral Sawow zur Seite, ein kaltblütiger Draufgänger. Der eigen'- siche Heerführer ist Fitschew, ein besonnener General, Der jedoch mehr Theoretiker als Praktiker ist.

W. Sofia, 17. Olt. 1912. Der König ist heute nachmittag mS Hauptquartier abgereist.

Griechenland »nd die Türkei.

W. Konstantinopel, 17. Okt. 1912. Nunmehr er­hielt auch der griechische Gesandte die Pässe z«- gestellt.

W. Athen, 17. Okt. 1912. Der türkische Gc- sandte Muttar Bcy ist eben mit Dem gesamten Gc- sandtschastspersonal vom Piräus nach Konstantinopel abgereist.

Zwei griechische Kanonenboote find heule in bie Buch! von Prevesa eingebrttngen, an bet bie türkisch- griechische Grenze endet. Der Eingang Der Bucht wird von den türkischen Forts beherrscht, doch sind bie Kanonenboote nicht beschossen worden, wie frühere Meldungen besagen, vielleicht weil bet türkische Komman­dant annahm, bet Krieg sei noch nicht erklärt. Wir erhatten folgenbe Meldung:

W. Athen, 17. Okt. 1912. Das Marineministerium teilt mit, daß die Kanonenboote A und D heiffe früh um 2»/s Uhr in die Meerenge von Prevesa und Aktium eingebiiingen und um 4»/« Uhr in Vsmrtza ein getroffen find. Es gelang den Türken trotz der zahlreich vorhandeiien Sperrforts nicht. Die Durchfahrt zu verhindern.

Die Kämpfe der Montenegriner.

** London, 17. Okt. 1912. Alle englischen Nach­richten vom Kriegstheater bestätigen, daß der Kampf des montenegrinischen Generals Martino­witsch um das Fort von Tarabosch, das ihm den Weg aus Skutari versperrt, bisher sehr schwer gewesen sein mutz und noch immer fortdauert, denn ohne Unterlaß werdcn Verwundete von dort nach Cetinje gebracht. Der Korrespondent der Daily Mail telegraphiert, daß die montenegrinische Regierung schon jetzt zugebe, über 1000 Mann vor Tarabosch verloren zu haben. Er meint indessen, daß diese Zahl offenbar viel zu niedrig gegriffen sei. Die Behörden üben eine ungewöhnlich scharfe Zensur, und die Korrespondenten können offenbar nicht alles miiteilen, was sie wissen. Wie es mit General Mar- tinowitschs Angriff auf Tarabosch wirklich steht, wird in Cetinje sorgfältig geheim gehalten, und dieser Umstand scheint allein darauf schließen zu lassen, daß es schlecht steht, und daß die Türke» dort hart­näckigen Widerstand leiste«. Die Befestigungen von Tarabosch find von deuffchen Ingenieuren angelegt worden, ihre Ausrüstung ist vollkommen modern. Wie stark die türkische Garnison ist, läßt sich noch nicht festftellen. General Martinowitsch verfügt an­geblich über 16—20 Bataillone. Der General sah bald ein, daß die Gelegenheit schlecht gewählt war und gab Befchl, den Kampf abzubrechen. Die Mon- teriegriner ließen sich jedoch von ihrer Kampflust hin­reißen und drangen vorwärts. So kamen sie in eiy surchtbaresKreuzfeuer, das die Türken von Schiffen auf dem See und von der Festung auf sie richteten und wurden niedergemäht Der „Ti- mes"-Kc>rrffPondent in Cetinje will wissen, daß General Martinowitsch dann einige wenige Batail­lone vor Tarabosch zurückgelassen und mit dem größ­ten Teil feines Heeres die Bojana überschritten habe und Skutari vont Süden zu erreichen suche, aber ohne die Einnahme von Tarabosch ist an die Be­setzung von Skutari nicht zu denken.

W Paris, 17. Okt. 1912. Nach einer Meldung der „Agence Havas" aus Konstantinopel haben die Türke» bei Podgoritza einen großen Sieg errungen und feindliche Geschütz: erbeutet

♦ Konstantinopel, 17. Okt. 1912. Offiziell wird gemeldet: Die Schlacht bei Branja, südlich von Tusi, endete mit einem entscheidenden Sieg der Tür­ken. Die Ver lu ste der Montenegriner betragen über 500 Tote. Die Montenegriner wurden auf ihr Gebiet zurückgedrängt Tie Türken setzten ihren Angriff bei Politz» fort, wo sie eine Kanone und großer: Vlunitjonsbestände er­beutetem

• Ste Leide» der Berwundeten m den Kämpfen an der monieuegrmilchen Grenze sind trotz der Auf­opferung der montenegrinffchen Frauen, die nicht nur Munition, sondern auch Proviant und Arznei­mittel wie Lasttiere herbeischleppen, entsetzlich. Es fehlt an allen sanitären Einrichtungen an Aerzten und Pflegepersonal. Tagelang bleiben die Verwun­deten ohne Verbände und jede ärztliche Fürsorge. In den wenigen Hosp tälei» herrscht infolge Der llebersüllung eine heillose Unordnung, die ein Hohn auf Die Gesetze Der Wundbehandlung ist. Em Massensterben Der Verwundeten, für die nicht einmal ausreichende LedensmUtel herbeigeschafft werden löirnen, wird daher ernsthaft befürchtet

AnS Serbien. •

W. Belgrad, 17. Okt. 1912. (Tel.) Der Kron- prinz ist mit dem Stad nach Risch abgereift Bei Prepolac fand gestern ein Kampf zwischen Albanesen und serbischen Truppen statt. Die Serben hatten lehn Tote und 40 Verwundete. Die Albanesen sollen 200 Tote haben.

W. Konstantinopkl, 17. Oft. 1912. Der Albanesen­führer Jffa Bolutmatz ist in Serbien einge­drungen.

* Die türkische Flotte im Schwarze» Meer.

Die türkische Flotte, die während de» türkisch- italienisch:» Krieges untätig in den Dardanellen ge­legen hatte, hat Dampf ausgesetzt und ist nach dem

den 18. Oktober 1912.

Sch Warzen Meer zu abgefahren. Nun liegen die Panzer am Ausgang vom Bosporus und warten auf wertere Befehle. Tie wenigen Torpedoboote und das kleine Schulschiff, die einzigen Fahrzeuge, die Bulgarien besitzt, werden die Türken nicht zu fürch­ten haben. So ist es 'erklärlich daß Bulgarien seine offene Küste auf jed: Art zu schützen verfuchen mutz. Die Türken können nicht nirr die Städte und Dör­fer beschießen, sie können auch Triippen landen und so die Bulgaren zwingen, Teile ihrer Hauptarmee nach Varna und Burgas zu senden. Die Türken lassen sich die Aussicht, den Feind zur See zu schädi­gen, nicht entgehen. Sie haben bereits zwei bulga­rische Kohlendampser, die ihnen in den Weg liefen, beschlagnahmt

Deutscher Reich.

♦* Berlin, 17. Okt 1912. Aus Anlaß des Re- gierungs-JudiläumS des Kaisers im Juni nächsten Jahres wird in einer Zuschrift an die ,Kreuz;lg.' angelegt, daß Die universitätslosen Bun- Dcsstaaten, wie OlDenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck, die lippischen Fürstentümer re, die keine Universitäten gründeten und dadurck große Summen sparten, ihre Dankespflicht gegen Preußen dadurch abtragen, daß sie den preußischen Hochschulen zu be­stimmten Zwecken, für Kliniken rc. Zuwendungen machen.

* Bbg. v. Normann Der Reichst?zS«Adg. Oberleutnant a. D. und Rittergutsbesitzer v. Nor­mann, Vorsitzender der konservativen Reichstags- Fraktion, ist am Donnerstag auf Schloßgut '-öar< gos im Kreise Gretenberg in Pommern nach län- gereut Leiden gestorben. — v. Normann, Der 68 Jahre alt geworden ist, vertrat seit 1890 im Reichs- taae den Kreis Grei'enberg-Kammin. Er war Mit­glied des Bundes der Landwirte und führte fett 1902 den Vorsitz iu der dcutsch-konseroativen Frak­tion. Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses war v. Normann feit 1897.

4- Tie Errichtung einer Kleinhaudels-Beruss- genosfenschast ist bekanntlich soeben vom Bundesrat beschlossen tvorden. Sie erstreckt sich auf all: Be­triebe zur Behandlung und Handhabung der Ware, die mit einem über den Umfang des Kleinbetrieb's hinausgehcuden Detailhandelsunternehmen'verbun­den sind. Damit sind' auch die Warenhäuser und großen Spezialgeschäfte in die Kleinhandelberufsge- nossenschast eingezogen. Die Bildung der neuen Berufsgcnosseuschaft wird unverzüglich in Angriff genommen. Der Reichskanzler hat, Berliner Mät- termcldungcn zufolge, im Einvernehmen mit den Bundesregierungen die sämtlichen Hand:lskammern und ähnlichen wirtschaftlichen Vertretungen der be­teiligten Erioerbszwcige in Deutschland aufgefordert, zu einer konstituierenden Versammlung Vertreter aus dm Kreisen der Detaillisten zu entsenden. In dieser Versammlung, die vom Reichsversicherungs­amt geleitet wird, wird der Vorstand der neuen Be­rufsgenossenschaft gewählt. Auch sollen die Satzun­gen beschlossen werdcn Ebenso ist über den S i tz der neuen Berufsgenoffenschaft Beschluß zu fassen. Dem Vernehmen nach wird Berlin nicht dafür in Frage kommm, vielmehr dürfte die Wahl auf eine thüringische Stadt fallen.

)( Basskimaim nuD sie Jesuiten. In Dem Kampfe für und gegen Den Reff des kitlturkämpferffchen JesuitengesetzeS bat jetzt Der nationaUibeiale Führer Bassermann in einer in seinem Wahlkreise Saar­brücken abgehaltenen Versammlung seine persönliche Stellung und Die feintr Par ei zum Jesuilengesetz öffentlich klar dargelegt. Herr Baffermann führte ans:

«Der Kamps gegen dis Jejuuengeletz ruhte viele Jahre; setzt aber ist er aus Der ganzen Linie embiannt. Der Uliramoulannmus ruht nicht; .et will Das Jesustengefetz zu F LI bringen. Wir sehe« ihn überall m rührigster Arbeit. In Bayern hat bie Negierung unter Führung bes früheren Zeuliumsvorfitzenve« bas Reichegesetz gegen die Jesuiten Durch Regierungsoer- tügnng einfach attfbeben wollen. Der Bundesrat wirb wohl in ben nächuen Tagen bie Entscheidung fällen. Sicher wird diese Entscheidung gegen Bayern au-fallen. Der Reichstag wirb der feie et jetzigen Zu- sammensetzimg wohl baS Jesuilengesetz auf» »eben, aber bet Bundesrat unter Führung von Belhmalin-Hollweg wird dem nicht zustimmen. Es wirb ben mtrainoiitanen nicht gelingen, das Gesetz zu nüi;en. Die nationatlibeta le Partei rohb ge­schloffen für Aufrechterhaltung des letzte- Renes bes Jesu tengesetzes etnlteien. Das Vorgehen bes Ul» tramvmant-mus iff rücksichtslos; 6en« es nt ihm be­kannt, wie febt fein Verlangen nach Aufhebung des Jesmtengesetzes Da» Protestantische Volk verletze« raub."

Das ist die .Katholikensreuublichleu* des nationaUiberalen Führers, Der vor seiner letzten Wahl, um Stimmen von Katholiken zu kapern, sagte:

„Ich war stet» ein warmer Freunb der Katholiken. Meine ganze «ergangen nett beweist bie». Es wirb niemals einer meiner Wähler vermögen, ans irgend eb er Handlung mir gegnertfdie oder soaat feindliche Gesinnung gegen Die Katholiken zu beweisen. Ich werde stet» f 8t die Interesse« der Katholiken etntreien .*

Mittlerweile sollte Herr Baffermann, dieser »warme Freund der Katholiken", roiffen, daß das katholische Volk nichts mehr wünscht als die Aus­hebung des Kultuikampfgesetzes, das Die Jesuiten auS Dem Deutschen Reiche verbannt. Diesen Wunsch haben nicht nur Die preußischen itnD bay.rnchen Bischöfe namens ihres Klerus unD ihrer Diözesen deutlich zu «kennen gegeben, sondern auch Die Geist­lichen De8 Baffermannfchen Wrhlkreves ohne jeDe Ausnahme. Außerdem haben noch Die katholischen Vereine Der Stadl Saarbrücken einen Protest gegen baS Jesuilengesetz Dem Bundesrate eiugeieicht. TaS alles ist natürlich Dem Reichstagsabgeoroneten Basser­mann vollständig unbekannt; Dagegen weiß er bestimmt. Daß Die En scheiDung Des Bundesrates gegen Den bayerischen Jesuitenerlaß ausfallen und Daß Der BuuDesrat einem Beschlüsse des Reichstages auf Aufhebung de» JesuitengesetzeS nicht zustimmen wird. Woher weiß Herr Baffermann denn dies? Ist er etwa vom Reichskanzler dahin informiert worden? ES wär« jedenfalls interefiant. Da» -u erfahren.

39, Jahrgang.

■ UUIIKWI >>■

'4- Ter Evangelische Bund und der Evangelisch« Vokksbund- Die Korrespondenz des Evcmgel. Bun­des ist durch die Mitteilung über den bevorstehenden Austritt zahlreicher Positiver Elemente aus dem Cvangil. Bunde recht unangenehm berührt. Unter der Spitzmarke „blinder Lärm" erklärt sie, daß _ber Zentralstelle weder eine Anstrittserklärung Vorlage, noch eine sonstige Nachricht aus den Kreisen deS Bundes vorhanden sei, die rm Erttferirtestrn jene Meldungen bestätigte. Diese Beteuerung klingt doch recht unwahrscheinlich und dürfte gar bald durch die Tatsachen widerlegt werden, zumal die Propa­ganda für den Deutsch-Evangelischen Volksbund gegenwärtig mit großem Eifer be­trieben wird.

)( Bereinigung für das liberale Judentum. In Pose» waren am Sonntag 65 Rabbiner Dealfch- lands versammelt, die in verändert« Form dieselben Ziele anstreben wie bie liberalen Protestanten. Die «Bereinigung will bie jüdische Religion »Der Zeit­anschauung entsprechend" fort entwickeln, »ohne daß sich dadurch ihr Wesensbestand und ihr Zusammen­hang mit der Vergangenheit ändert".

♦ Stuttgart, 17 Okt. 1912. Die Wahlen zur württembergischen Abgeordnetenkammer finden nach einer amtlichen Bekanntmachung am Samstag, beu. 16. November, statt.

Ausland.

Ä Tas Luxemburger Schulgesetz, ba8 von Bi­schof und Geistlichkeit schwer bekämpft wird, läßt bereits seine ersten Früchte reifen. In der ®e» meinde Hollerich hat d:r Schöffenrat eine Maßregel getroffen, die auch den Gutmütigsten über den wah­ren Geist des neuen Gesetzes die Augen öffne» dürfte: An das Lehrpersonal der Gemeinde Hol- lerich ging dir schöffenrätliche Befehl, aus de« Schul- säleu alle religiösen Abzeichen, Bilder uud, Statue», auch die kleinen Attärchen, die bisweilen Kinderhand mit soviel Liebe und Freude ziert, zu entfernen« Damit der Ukas wirksam diirchgefuhrt würde, be­auftragt man eine Mannsperson, Henkerdienste zu leisten, in allm Sälen nachzusehen und unerbittlich all die erwähnten Symbole hinauszuschaffen. DaS geschah, nur die Kuzifixe durfte» bleiben, aber tote lange noch? So hat man grausam und brutal ei» Stück reizendster Schul- und Kinderpoesi: zerstört. Die Geistlichen Luxemburgs haben bekanntlich er­klärt- wegen des religionsfeindlichen Schulgesetze» die Schulen nicht mehr betreten und keinen Reli­gionsunterricht m'hr erteilen zu wollen.

△ Vom französischen Kulturkampf. Mit toi» kleinlichen Mitteln die französischen Jakobiner den Kampf gegen die Kirche führen, zeigt wieder einmal folgender Vorfall. Diese: Tage hielt der neue Bf- s ch o s von M a n s feinen Einzug. Dir Katholiken von Mans hatten den Wunsch geäufart, den Ober- Hirten in feierlichem Zuge zu empfangen. Sie hat­ten aber die Rechnung ohne den Bürgermeister, einen Logenbrud« reinsten Wasser», gemacht, der den Festzug, unt:r dem Vorwande, die öffentliche Ruhe könnte gestört werden, kurzerhand verbot. Die Katholiken ließen sich aber auch durch das Aufgebot der Polizn nicht stören und bereiteten dem Bischof in der Zahl von ettoa 10 000 einen enthusiastisch« Empfang.

Ä Die Freimaurerei und be» franzöfische He« General Andre, der frühere französische Kriegsmini­ster und Erfinder de» Bngebefystem» im Heere und anderer gehässiger Maßnahmen gegen bie christlichen Elemente in her Armee, macht von sich reden. -Es ist kein Geheimnis, daß der jetzige Kriegsminiftor bei ben freintaurerifeben Politikern sehr in Ungnade steht, weil er tüchtige Offiziere nur wegen ihrer religiösen Ge­sinnung nicht maßregeln will, ©ettend Andrö ist nun von der Loge vorgeschickt worden, um dem Ariegsmini» ster den Standpunkt klar zu machen. Er verlangt, daß nach wie vor alle Gunst ben freimaurerischen Offi­zieren zugewenbet werbe, weil sie Republikaner sind. Und da» im Namen der für die Armee absolut not­wendigen Einheit. In der Armee, sagt Andr^, mufc die Majorität der Offiziere republikanifch sein, diese politische Einheit muß sich mehr und mehr bewahrhei- ten. Deshalb will Andre, baß alle Parlamentarier, Reserveoffiziere sich zusammentun, um bie „Fedaratiou militaire republicaine" zu gründen, für bie er außer­dem die offizielle Anerkennung be» Kriegsminister» verlangt. Der Freimaurer Anbrö sagt also dem Krieg». Minister: „Ziehen sie ihr Zirkular über bie Militär- ligen zurück unb arbeiten sie mit nn» gegen die „kleri­kale Reaktion". Diese Arbeit besteht in bet Verfolgung der tüchtigen Offiziere, welche die Politik beiseite las­sen, um ihren Beruf zu erfüllen unb in bet Zuer­kennung aller Vorteile für die Günstlinge bet Loge. Wirb der Kriegsministrt ohne weiteres ben Willen ber Loge erfüllen? Wir zweifeln nicht an seinem guten Willen gegen bie Offiziere, aber die Freimaurerei ist in Frankreich allmächtig. Da» hat sich bei bet Ange­legenheit der revolutionären Lehrer gezeigt, da hatte die Regierung auch den Willen, energifch anfzutreten, aber beim ersten Stimrunzeln der Loge gab sie klein bei und gewährte den Schützlingen der Sekte alle ver­langten Forderungen. __

*» Ter Papst unb bie religionslose Schule. Der Kardinal-Patriarch von Venedig empfing vom Hei. ligen Vater ein schr bedeutsames Schreiben, das sich mit den schädlichen Folgen der Laien schule befaßt. Unter anderem wird barm ausgeführt:

Die leUgionslos- Schule emchnstt'ch'. nicht nnr bte Böller, sie untergrabt nicht nur die Religion, sondern auch bie Gewllschast unb bte ganze Nation. Sie bildet eine Gefahr b eS Schtfsb rucheS für ben kalho« Indien Glauben unb für bie Jadthimderte alte Kultur, bie aus ihm hervorgegangen ist. Gegenüber einer so fchwerwiegenben Talsache, wie es die Unter« brüdung bes Religionsunterrichts in bet Volksschule ist, war eine einmütige, zusammengefaßte unb energisch» Abwehraltion seilens ber Kalboliken nötig. Ma« be­kommt lebhafte Zuversicht auf bessere Zeiten, wenn min bte Katholiken Italiens nach betn Beispiele anderer Rationen zur Berteidigung des religiösen UnlerrrchiS stch r'bren U"b renen siebt

Der Papst hat an di: soziale katholts ch e S ch u l e in B e r g a m o im Anschlüsse an bte luttgst dort abqebaltenen sozialen Kurse ein Schreiben ge- richt.ff, in dem er seiner vollen Befriedigung über die Tätigkeit der wirischafMch-sozialen Vereinigung d:r Kat^>liken Italiens beredten Ausdruck gibt.