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Zeitung

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2. Blatt

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Aus Oberheffen u. -en hefi. Remtern.

* Marburg, 16. Ott. 1912 In einer Scheune vor Weidenhausen wurde ein 15jöhriges Mädchen von der Polizei festgenommen, das von ,einem hie­sigen jungen Menschen aus Lüdenscheid i. W. 2 n t- führt worden war. Tas Mädchen wird seinen Eltern wieder zugeführt, und sein Entführer dürfte sich vor dem Gericht zu verantworten haben.

^Kirchhain, 16. Ott. 1912. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Gontershausen und Ehriax- weimar «erloschen ist, ist die Abhaltung der Märkte wieder gestattet. Da die Erlaubnis zur Abhaltung des R i n d v i e h m a r k t e s erst in letzter Stunde bekannt wurde, war der Auftrieb zum gestrigen Markte gering, es waren nur 98 Stück Großvieh aufgetrieben. Ter Handel war lebhaft. Der später stattfindende Schweinemarkt war auch nicht so stark wie der letzte befahren; im ganzen waren 473 Tiere zu Markt gebracht. Hier war der Handel bei hohen Preisen flott. — Das Bonitierungsverfahren in der hiesigen Zusammenlegungssache ist in vollenr Gange und ein großer Teil der Feldmark ist bereits bonitiert. Das günsttge Wetter der letz­ten Wochen hat sehr zur Förderung der Arbeiten beigettagen.

* Ziegenhain, 16. Ott. 1912. Im Kreis Ziegen­hain finden die diesjährigen Kontrollver­sammlungen wie folgt statt: Am 4. Nov-, vor­mittags 10 Uhr, in Schrecksbach; mittags 12 Uhr in Willingshausen; am 5. November, vormittags 9 Uhr, in Ziegenhain; mittags 12V4 Uhr in Ober­aula; am 6. November, vormittags 9 Uhr in Ottrau; mittags 12 Uhr in Breitenbach a. H.; am 7. No­vember, vormittags 9 Uhr in Treysa; mittags 11% Uhr in Neukirchen; am 8. November, vormittags 10% Uhr in Gilserberg; nachmittags 3 Uhr in Frrclendorf.

Amt Gelsa und Umgebung.

A Geisa, 16. Okt. 1912. Die Vertraue ns« männerwahl für die Angestellten-Versicherung findet für den Amtsgericküsbezirk Geisa hier im Ge- meindcratsUmmer am 27 Oktober von 3—6 U‘ir nachmittags statt. Bei der Wahl ist die Versicherungs- karte vorzuieigcu.

Es wird uns weiter dazu geschrieben: Im 4. Verwaltungsbezirk haben sich die größten Anoe- slellten-Berbände auf eine gemeinsame Liste unter dem Namen: Lffte der .Vereinigten Angestellten-Ver« bände" geeinigt. Es sind dies Verband deutscher HandkuugsgehilKn, dentschcr Gäterbeamtcn-Verband, deutsch-nationaler Handlungsgehitten-Verband, Ver­band deutscker Bürobeamten und der Verein für Handlnnaskommis vom Jahre 1858. Ausgestellt sind Männer der Praxis und Männer der Tat Die Kandidaten dieser Verbände treten ein für einen weiteren Ausbau des Gesetzes,sürunbedingte Wahrung der Rechte aller Versicherten und für eine den Be- öürfniffen der Privatangestellten entsprechende Hand­habung des Gesetzes. Darum muh jeder Angestellte nur diese Lille wählen. Ehrenpflicht aller Mitglieder dieser Verbände ist es, daß sie Mann für Mann zur Wahlurne schreiten und auch die Angestellten anderer Bernie für diese Lille interessieren. Keine

vermischtes.

* Für daS Z'ppelin-Luftfchiff .Schwaben*, das im verfloss.nen Sommer in Düsseldorf durch eine Ex« plostonskatastrophe zerstört wurde, ist jetzt von de । englischen Versicherungsgesellschaften eine Ent­schädigungssumme gezahlt morde'. Die Gesell- schatlen, die anfangs die Zahlung verweigerten, haben sich jetzt zu einem Vergleich mit der „Delag"

vrilck «ab Verlag der Sulla« Äctleudntckerel tu Sulla.

M 239.

Donnerstag (7. GIlübkr 1912. 59. Jahrgang.

herbeigelassen, der zur Zufriedenheit der letzt««» ausfiel.

* Die Fleischvergiftungen tut Rheinland. Be­kanntlich haben in mehreren rheinischen Städtm, vor allem aber in Köln, während der letzten Tage zahlreiche Fälle von Fleischvergiftung stattgefunden, deren Ursache bisher nicht genau sestgestellt werden konnte. In Köln selbst sind insgesamt 130 Per­sonen erkrankt, lieber die Ursache der Vergiftungen bringt jetzt die sozialdemokratische „Rhein. Ztg." in Köln aufsehenerregende Mitteilungen, für die wir ihr die Verantwortung überlassen müssen. Es wird behauptet, daß in mehreren Landortcn des Kreises Düren krankes Vieh in Massen aufge­kauft, gesammelt und beinahe nach allen Gegenden Deutschlands verschickt wird. Das Fleisch sei zu­meist in derartigem Zustande, daß sich zeitweise so­gar die Eisenbahnbeamten weigerten, die Fleisch­transporte zu übernehmen, weil der Inhalt der Körbe die Luft verpeste. Der Gewährsmann des Blattes erklärt, es sei vielfach vorgekommm, daß Tiere währ en dder Nachtgeschlachtet wor­den seien und behördlicherseits überhaupt nicht un­tersucht wurden. Im Kreise Düren befänden sich weithin bekannte „Schlächtereien", die speziell zwei­felhafte Tiere und solche, die schon dem Verenden nahe sind, von fern und nah aufkauften und aus- schlachteri. In der Angelegenheit der Kölner Fleisch­vergiftungen teilt die „Rheinische Zeitung" mtt, daß gegen einen bei der Affäre beteiligten Metzgermeister ein; Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingelaufen fei. Ferner sollen auch zwei lichtscheue Händler Jahre lang verdorbenes, krankes und ungestempeltes Fleisch geliefert und trotz der hohen Fleischpreise zu 25 und 30 Pfg. pro Pfund abgegeben haben. Die schweren Anklagen des Blattes sollen durch eine ganze Anzahl Metzgergehilfen demnächst vor Gericht erhärtet werden.

* Morde. In Köchstedt bei Egeln (Bez, Magdeburg wurde der Gastwirt Rohde, der Verwal­ter der Nebenstelle der Kreissparkasse ermordet. Der Täter, ein 24jähriger Mann aus Egeln, wurde ver­haftet. — In P e s c i a in Italien versetzte ein ge- wisker Casali aus geringfügiger Ursache einem Manne namens Palini vier Messerstiche in das Herz, sodaß dieser tot auf der Straße niedersank. Der herbeieilenden Mutter des Erstochenen versetzte Casali ebenfalls drei Stiche, die sofort den Tod der Frau herbeisührten. Der Vater des Ermordeten sah gerade aus dem Fenster, als die Menge rief: „Er hat beide getötet!" ttnb sank vorSchrecktotam Fenster zusaminen.

* Tic „Zunft der Lautenspicler". In Lieg- n i tz hat sich jünast eine „Zunft schlesischer Lauten- spielcr" gebildet, die es sich zur Aufgabe machen will, das" alte deutsche Lautenspiel, das gerade in Schlesien einst in hoher Blüte stand, zur alten Gel­tung zu bringen.

* Fliegerabfinrz. In Chaux-de-FondS (Schweiz) stürzte der Flieger Cobioni, der mit einem Passagier einen Flug über der Stadt ausführte, beim Landen ab. Der Apparat wurde zertrümmert, Cobioni so schwer verletzt, daß er bald daraus st arb.

♦ Die überspannten Stimmrechtsweiber. Zehn­tausend Neugierige, die von zweihundert Polizisten in Schach gehalten wurden, sammelten sich vorge­stern in Edinburgh, um 300 Suffragetten nach London abmarschierrn zu seben. Eine Musikbande zog vor den Frauen einher, der ein Esel folgte, der einen mit Gepäck beladenen Wagen zog. Vor der Stadt blieben die Neugierigen, die Polizei und die Mufikbande zurück. In jeder am Wege liegenden Ortschaft fielen einige Frauen ab. Bei Mufiel- burgh, sechs Meilen von Edinburgh, wurde Halt gemacht. Es waren nur noch sechs Suffra­getten, die Präsidentin der schottischen Suffraget­ten und fünf andere, übrig. Die Präsidentin Mrs« Despard nahm hier den Mg nach London, die an­deren fünf wollten gestern zu Fuß weitrrmarfchwren. Den Zweck dieses Marsches können nur. die Suffra­getten selbst verstehen. Die guten Edinburgher aber batte man in dem Glauben gelassen, daß das gegen London marschierende Suffragetteuheer noch 300 Köpfe stark sei.

* Ein Opfer des Brüsseler Aktienschwindlers. In Verbindung mit den gemeldeten Millionenfälschungen von Eisenbahnaktien hat ein Brüsseler Makler Selbst­mord verübt, indem er sich zwei Kugeln in den Kopf

anbere Liste ist in der Lage, auch nur annähernd den an sie gestellten Anforderungen gnecht zu werden. Auskünfte werden gern von dem Obmann der obigen Verbände, Herrn G. Franz, Dorndorf (Rhön) «teilt. Die Liste der aufgestellten Kandidaten wird in einer der nächsten Nummern veröffentlicht.

* Ostheim, 15. Ott. 1912. Die Polizei be­schlagnahmte bei einem hiesigen Einwohner Fleisch, das von einer verendeten Kuh stammte. Wegen Übertretung ds Fleischbeschaugesetzes wird die Angelegenheit noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

* Occhsen, 16. Ott. 1912. Die Gewerkschaft „Heiligenmühle" läßt gegenwärtig Vorarbeiten zur Errichtung eines B a s a l 1 w e r k r s auf d« „Sach- senbnrg" vornehmen.

* Wicsenthal, 16. Okt. Ein Bauunternehmer wollte mit einem hiesigen Einwohner, dem er ein Haus gebaut hatte, abrechnen, da er ihm Zahlung laut Vertrag versprochen hatte. Als der Bauunter­nehmer andeutete, daß er bis zur Zahlung das Haus abschließen müsse, stürzte der Einwohner aus den Unternehmer los und biß ihn in den Mittel­finger. Außerdem brachte er ihm noch Verletzungen am Kops und am Arm bei, sodaß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Der Verletzte hat Strafantrag gestellt.

* Dorndorf, 16. Ott. 1912. Unser Ort, günstig an der Kreuzung der Feldabahn mit der Linie Sal­zungen-Vacha-Gerstungen gelegen, verspricht immer mehr Zentrale für Verarbeitung, Zubereitung und Versand der in den Kalischächten der Umgegend geförderten Salze zu werden. Chemische Fabriken und andere Anlagen entstehen, eine Drahtseilbahn der Gewerkschaft „Heiligenroda" soll die in den jetzt im Abteufen begriffenen Schächten bei Springen und Frauensee geförderten Rohsalze nach Dorndorf schaffen, wo ihre Verarbeitung stattfindet.

liche Türen verschlossen und alle Möbel mit Petro­leum übergossen waren. In seiner Wohnung lag der Besitzer Kenefelder als verkohlte Leiche, neben ihni ein Revolver. Man glaubt, daß er die Tat in geisttger Umnachtung verübt Hal.

* Kronberg i. T., 15. Okt. 1912. Wahrscheinlich wird das hiesige Standesamt auf längere Zeit ein Heiratsverbot erlassen müssen, da ein Aus­hängekasten mit Aufgeboten derart überfüllt ist, daß auch nicht ein einziger Bogen mehr angebracht wer­den kann. Am Samstag abend ließen sich allein 10 ehelustige Paare aufbieten.

* Mainz, 16. Okt. 1912. Prof. Kreis und Prof. Led«« haben jetzt für das Bismarck- Natio­naldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück ihre neuen Entwürfe vollendet, die eine Reihe von Veränderungen gegen die beim Wettbewerb siegrei­chen Entwürfe aufweisen.

* Wiesbaden, 16. Ott. 1912. In der Nacht zum Sonntag wurde in den Geschäftsraum des Hottar­beiter-Verbandes eingebrochen und eine Kas­sette mit 800 Mk. entwendet.

♦ Bad Kissingen, 16. Ott. 1912. 20 Aerzte aus den verschiedensten Teilen Frankreichs sind hier eingetroffen, um sich von den vorzüglichen balneolo- gischen Einrichtungen unseres Bades zu überzeugen.

* Aus Nassau, 15. Okt. 1912. Nach dem Jahres­bericht über die allgemeine Waisenpflege in Nassau befinden sich in unferm Bezirk 1156 Kinder in der allgemeinen Waisenpflege. Diese Kinder sind fast sämtlich in geeigneten Familien untergebracht. Die Gesamtausgaben des Zentralwaisenfonds betru­gen im letzten Jahr 168 932 Mk.

* Aschaffenburg, 16. Okt. 1912. Die 10jährige Tochter des Erdarbeiters Englert von Heimbuchen­tal geriet mit ihren Kleidern dem Herdf euer zu nahe. Im Nu stand die Kleine in hellen Flammen. Das Kind erlitt so starke Brandwunden, daß es am Montag unter großen Schmerzen starb.

* Würzburg, 16. Okt. 1912. Der Professor der klassischen Philologie Dr. Martin v. S ch a n z wurde auf fein Ansuchen vom Wintersemester 1912/13 an von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesun­gen befreit und ihm der Titel und Rang eines Kgl. Geh. Rates verliehen, v. Schanz beging am 12. Juni feinen 70. Geburtstag. Seit 1868 wirkte er an der hiesigen Universität.

* Aus Flanken/ 15. Okt. 1912. Wegen epide­mischen Austretens der Nia fern wurde in Alain« stockheim die Schule geschloffen. — In Unter« leinach brannten die Scheune des Adam Kilian, das Bäckereianwesen von August Roth, die Schmiede des Schmiedemeisteis Ruffner und das Wohnhaus des Büttncrmeisters Schmitt vollständig nieder. — In Sachen her Saale-Talbahn empfing der bayerische Verkehrsminister eine Abordnung der be­teiligten Gemeinden und erklärte, daß er im nächsten Monat nach Kissingen kommen und bann seine enb- gültige Enischeibung treffen werde. Er würde für den Vahnbau eintreten.

Aus dem Nachbargebiete.

A Stöckels, 16. Ott. 1912. Daß das Nimrod- /e b : n manches heitere Stückchen zutage fördert, beweist wieder ein Fall, der am vergangenen Sonn­lag hier einem Jäger passiert ist. Den ganzen Nach- nittag ging der Mann mit seiner Doppelflinte unter dem Arm über Aecker und Wiesen, um sich >nnen Hasenbraten zu verdienen; aber zu seinem großen Aerqer ließ sich keine Spur von einem Wild er­blicken. Daß seine Stimmung nicht ganz vorzüglich gewesen fein mag, läßt sich, ja begreifen. Doch da scheint ihm das Glück plötzlich hold zu werden, denn .n allernächster 'Nähe vor ihm sitzt ein Häslein. Schnell die Doppelflinte an die Backe,, ein Knall und das arme Häschen lag getroffen am Boden. Als der Schütze sich aber feine Jagdbeute naher an« sah, mußte er die bittere Enttäuschung erleben, daß es nur ein ausgestopftes Hafenfell war.

* Gelnhausen, 15. Okt. 1912. Am nächsten S^ustag und Sonntag findet in der Turnhalle des Turnvereins eine Ausstellung des Kaninchen­zucht-Verbandes Hanau-Gelnhausen statt. Samstag Abend hält Verbandsvorsitzender Schmelz- Fechenheim einen Vortrag über Kaninchenzucht und Bekämpfung der Fleischnot.

* Hanau, 16. Okt. 1912. Eine Frau von hier svnrde gestern abend in einem Eisenbahnwagen vom H e r z s chl a g : gerührt. Sie war sofort tot.

* Frankfurt, 16. Ott. 1912. In der Fahrrad­reparaturwerkstätte von Berger entstand gestern durch eine Lötlanipe eine Explosion. Durch den Druck wurde eine Scheibe zertrümmert. Berger slbst erlitt Verletzungen im Gesicht. — Bei Repara- turarbeiten auf dem Dache des Justizpalastes stürzte der Dachdecker Heckerotb heute vormittag herab, fiel Zunächst auf eine Straßenlaterne, bereit Kvpfteil durch die Wucht des Sturzes abbrach, und dann auf das Pflaster. Die Verletzungen Seckeroths sind sehr schwer, sodaß Lebensgefahr besteht.

* Spangenberg, 16. Okt. 1912. Die Kaiserin machte bei'ihrem Besuche des hiesigen Schlaffes im Äugust eine photographische Aufnahme von den Forstzöglingen. Eine Vergrößerung dieses Bildes <raf dieser Tage aus Rominten als Geschenk beim Oberförster Buff mit eigenhändiger Widmung ein. >— Zwei Dienstmädchen, Schwestern, machten sich vor einigen Tagen vor dem Schlafengehen in ihrem Schlafzimmer mit Braunkohlenbriketts Feuer an. Am Morgen fand die eine Schwester die andere b e- w u ß t l o s im Bette vor, und sie selbst fühlte sich duch nicht wohl. Sie lief zur Herrschaft, um Hilfe <gt holen, brach ober, nachdem sie den Vorfall gemel­det hatte, ebenfalls bewußtlos zusammen. Dem Arzt gelang es, dir Mädchen von ihrer Rauchvergiftung zu retten.

* Aus dem Landkreis Kassel, 16. Ott. 1912. In Wellerode und Altenritte herrscht schon längere Zeit «sie Maul- und Klauenseuche, nunmehr hat sie auch auf die Gemeinde Großenritte übergegriffen. Auch int Nachbarkreise Melsungen brütet sich die ge­fürchtete Seuche immer weiter aus.

* Neustadt a. S-, 15. Okt. 1912. Nicht wenig "enttäuscht wurden gestern die Besucher des Häfen- Marktes, als sich kein einziger Verkäuf er eingefunden hatte Dieser Fall steht seit Menschen­gedenken einzig da.

* Göttinnen, 16. Okt. 1912. Bei einer Probe­fahrt mit einem neuen Taxameteraitto verlor auf einer steilen Straße der Chauffeur die Gewalt über den Wagen, der gegen einen Baum sauste. Tas Auto wurde vollständig zertrümmert, die Jnsaffen und der Chauffeur wurden herausgeschleu- d e r t und mehr ober weniger schwer verletzt, dürften aber sämtlich mft dem Leben daoonkommen. — Tee Rechtsanwalt und Bürgermeister D e n e k e, der von der Strafkamuier des hiesigen Landgerichts we­gen Untreu z zu sechs Monaten Gefängnis benrrtcilt wurde, hat nunmehr sein Mandat, als Bür­ge: vor st eher niedergelegt. Während des Untersnchimasverfahrens könnt: er sich trotz mehr­maliger Aufforderung nicht dazu bequemen.

* AuS Thüringen, 16. Okt- 1912. Nachdem in Kühndorf am vorletzten Sonntag neun Scheunen und ein Wohnhaus auf unaufgeklärte Weise in Brand geraten und vollständig eingkäschert worden waren, brach am Samstag im Wohnhause des Rent­ners Kenefelder Feuer ails, das ober gelöscht werden konnte. Man fand jedoch, daß in dem Hanse samt-

3m Schutze des Zauberers.

40} Englischänbifct er Roman von E. A. Henty.

„Sie und Farquharson", sagte der Major zum .Doktor, „müssen dann auf dem Dache bleiben. Er­stens ist es möglich, daß sie an irgend einer Stelle mit Leitern kommen, und da müßten sie von ein paar guten Schützen jiirütfgejagt werden, — zwei­tens müssen Sie,' wenn der Feind die Bresche er­stürmt, unseren Rückzug ins Haus decken. Sie sollen noch ein Dutzend Gewehre hinaufbekommen. Isa­bella und Fräulein Marie Hunter, die sich schon wie­derholt dazu erboten haben, mögen mit hinauf gehen und die Olctoebre laden; sie verstehen es ganz gut- Natürlich, wenn Sie an anderen Stellen keine Feinde bemerken, feuern Sie immerfort auf die Angreifer der Bresche. Aber zwölf geladene Gewehre halten Sie stets vorrätig. Wenn ich sehe, daß wir die Bresche nicht länger halten können, werde ich ein Pfeifensignal geben. Sobald Sie das hören, schießen Sie so rasch Eie können; Ihre zwölf Schüsse wer­den sie fo lange zurückhalten, bis wir im Haufe sind und die Tur versichert haben. Bei einbrechender Dunkelheit wollen wir noch eine Brustwehr errichten, die der Feind dann erst überfiettern muß, eh: er uns nach dem Hanse bin verfolgt."

Nach mehrstündiger Arbeit stand denn auch ein mächtiger Wall von gefüllten Säcken, deren noch viele vorrätig gewesen waren, hinter der Bresche. Hufeisenförmig erstreckte er sich, wohl fünfzehn Fuß lang, über die Ränder derselben hinaus und ein gut Stü(f in den Hof bin ein. „Ich g'aube nicht, daß fie diesen Wall übersteigen", sagte der Major, „ober da8 fie es auch nur versuchen, wenn sie erst heran- gekominen sind."

Vor Beginn dieses Werkes hatte man alle die losen Steinstucke vorn Platze geräumt, und eine Menge davon lag jetzt oben auf dem Wall bereit, um als Wurfgeschoß zu dienen.

„In dieser Entfernung ioirkcn Steine beinahe so gut wie Äugeln", sagte der Major, „und wir kön-en sw benutzen, ^enn unsere Läufe leer sind.

Jedem von uns stehen fünf Gewehre zur Verfügung — es sind genug da — und die Dienerschaft kann laben helfen."

Den Kämpfern wurden bestimmte Plätze ange­wiesen; Bathurst, der darauf bestanden hatte, im Falle eine Sturmes an der Bresche dem Ge echte beiwohnen zu wollen, tourbe vom Major an ein Ende des Hufeisens gestellt.

„Ich weiß ja, baß ich nicht viel nützen werde", sagte er, „aber wenigstens will ich der Gelegenheit, getötet zu werden, nicht ausweichen."

Der Major berief Wilson neben ihn und wies diesen an, sobald etwa das Pfeisensignal ertöne, Bathurst am Arme zu ergreifen und fortzuziehen. Vier Mann wachten die ganze Nacht bei bet Bresche, und beim ersten Tagesgrauen nahmen alle ihre Piätze ein.

„9tun hören Sie, meine Damen", sagte ber Doktor, während er und Farquharson mit Isabella ifnb Marie Hunter zum Dache emporstiegen, „legen Sie sich zunächst platt nieder, und erst wenn das Feuern begtnirt, reichen Sie uns immer von der rechten Seite die geladenen Gewehre. Das Laden mutz sitzend ober kniend geschehen, sonst sind Sie gefährdet. Nun nur ruhig, und genau so gehandelt, wie ich Ihnen sage."

Tie Mädchen waren blaß, aber ruhig und fest. Der Doktor vertraute ihnen.

„Was haben Sie für eine komische Waffe Bat­hursts" sagte Wilson, als sie unten auf ihren Plätzen lagen. Der ftagliche Gegerfftand war ein kurzer Hammer, ganz ans Eisen bestehend; der Kopf war rund und mit Stacheln besetzt, zumteil mit Leder bezogen, um den Schall der Schläge zu dämpfen. Am unteren Ende befand sich eine längere Oeffnung zum Turchstecken ber Hand.

„Ja", sagte Bathurst, „ich sah das Ding einmal in Cawnpore bei einem indischen Händler und kaufte es mir — eigentlich nur als Kuriosität. Aber seit Beginn der Unruhen habe ich es immer bei meinem Bett liegen, und ich glaube, daß man im Hand­gemenge keine bessere Waffe haben kann."

„Gewiß, es ist ein schreckliches Instrument, Und

nachdem ich mit angesehen habe, wi: Sie die Hacke unten in der Mine schwangen, möchte ich nicht in den Bereich Ihrer Hand kommen, wenn dieser Ham­mer darin ist. Doch denke ich, Sie werden ihn heut nicht brauchen; die Kerle werden Wohl kaum hier herüber kommen."

Während Wilson noch sprach, bornierte eine Salve von allen drei Batterien her, unb gleichzeitig knat­terten unzählige Gewehrschüsse in b:r Umgebung des Hauses. Zwischendurch hörte man lautes Ge­schrei.

„Sie kommen, Major", rief der Doktor von oben her. „Voran die Soldaten und hinterher eine Mass; von Eingeborenen."

Tie in der Mitte des Hufeisenwalles Liegenden konnten bald die Feinde erblicken, wie sie in wildem Tumult näher kamen Der Major hatte angeordnet, baß niemand feuerh solle, bis sie ganz nahe wären, und es war augenscheinlich, daß die völlige Stille bei den Belagerten auf die Angreifer unheimlich wirkte — wie eine im Verborgenen drohende Ge­fahr- Sie zögerten mit dem weiteren Vordringen, unb in einer Entfernung von fünfzig Schritt blieben sie stehen und schossen. Dann, von den Hinteren gedrängt, gingen sie wieder vorwärts. Zwei ihrer Offiziere waren an der Spitze; als diese den kleinen, ans allerhand Trümmern bestehenden Hügel gerade vor der Bresche erftiegen, knackten zwei Gewehre und beide Offiziere fielen tot nieder. Die Hindus stießen Wutschreie ans und drangen nun in die Bresche ein. Als die ersten von ihnen sahen, daß sie so in eine Art Falle gerieten, wollten sie an­halten aber der Andrang ber Nachfolgenden zwang sie vorwärts.

Und-nun regpete es Schüsse in diese dichte Menge hinein. Jeder Schuß traf. Wildes Schreien, Heulen, Fluchen bei den Angreifern Manche versuchten in blinder Wul den Wall zu erfteigen, manche strebten wieder zurück, einige warfen sich nieder, andere schossen nach dem unsichtbaren Feinde. Vom Dache her gaben der Tottor und sein Gefährte ununter­brochen auf die Vordersten an der Bresche Schüsse ab

Als Wilson wieder einmal lud, sah er sich nach

Bathurst um; dieser lag noch ganz steif und still, zuckte nur manchmal konvulsivisch. Jetzt entstand gerade eine kleine Pause im Schießen, da alle Läufe leer waren, und die Belagerten griffen nach Steinen, um sie hinabzuschleudern. „Achtung!" rief der Major, „die Köpfe herunter. Ich werfe jetzt die Handgranaten."

Eine Anzahl hiervon war vorbereitet worden —- bis zum Rande mtt Pulver und Blei und mit kurzen Lunten versehen, auch Seile zum Schleudern waren daran befestigt. Der Major schickt: sich ge­rade an, die erste zu werfen, als ein Ruf von Wilson seine Aufmerksamkeit dorthin lentte. Bathurst war plötzlicti, ehe Wilson es verhindern konnte, aufge- sprungen, über den Wall gesetzt und mitten unter die Feinde gefahren. Der Major schleuderte die Gra­nate, deren Lunte schon brannte, so weit er konnte, und rief den anderen zu, mit dem Werfen vorsichtig zu fein, da Bathurst mit draußen bei den Feinden sei. Gl'ich darauf horte man zwei schwere Explo­sionen, und diesen folgte unmittelbar ein neues, leb­haftes Gewehrfeuer. Hierauf wurden abermals zwei Granaten geworfen. Di: Oeffnung in der Mauer war jetzt verengt durch die Körper der Gefallenen. Ein dichter Knäuel Kämpfender füllte sie ganz aus. In der Mitte dieses Knäuels war Bathurst; wie be­sessen schlug er um sich und brachte mtt jedem Schlage seines Hammers einen Mann zu Falle, während die Feind- zu eng aneinander gedrängt waren, um ihre Bajonette gegen ihn anwenden zu können. In die­sem Augenblick sprang Forster über die Wehr uni mischte sich gleichfalls in den Kampf.

„Die anderen hier bleiben1" rief der Major. Mehr Granaten und Schüsse regneten auf die An­greifer. Ter Doktor und Farquharson schoflen ohne Aufhören und mit unglaublicher Geschwindigkeit. Nun explodierten die beiden letzten Granaten, die der Major geschleudert hatte. Das machte die Pa­nik, die schon durch die ersten entftanben war, voll­ständig, und die ganze Masse wandt: sich zur Flucht. Ein lautes Hurrah ber Belagerten folgte ihnen. Noch oben sah der Major den Doktor stehe,, der seinen Hut schwenkte, unb neben ihm Isabella. (F. f.)