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HetatUnibrit e. Verlag der iatoatt attieabredeiel 1 ZuIdW
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M 238.
Erstes Blatt.
Fulda, Mtttwoch den 16. Oktober 1912.
39. Jahrgang.
0 EörresgeseüHchast und ENaugel. Bund.
In der letzten Woche tagte in Freiburg eine kä- Holische und ‘x Saarbrücken eine Protestantische Generalversammlung. Eine Woche ist seitdem vergangen, aber jetzt erst beginnen die beiden Tagungen in der Presse größere Wellenkreise zu ziehen.
Die katholikenfeindliche Presse hatte mit verbis- ,ener Wut und einigen hämigen Bemerkungen konstatiert, daß der bayerische Ministerpräsident, Freiherr v. H e r t I i n g, der Vorsitzende der Gorresge- sellschaft, der Generatterfammülng dieser Gesellschaft beiwohnte, auch das Wort ergriff zu einer Rede, an oer selbst seine bissigsten Gegner nichts sanden, was sie gegen ihn ausschlachten konnten. Jetzt endlich haben sowohl der Äntiultramontane Reichsverband als auch der famose „katholisch-theologische" Mitar- beiter des „Berliner Tageblattes" einen Weg gesunden, auf dem sie dem verhaßten katholischen Staatsmann und der Görresgeseüfchaft zuleibe rücken zn können glauben. Sie haben ausfindig gemacht, daß „die Zusammenhänge zwischen Zentrum und Görresgefellschaft so klar sind, daß man nur durch jahrelanges Behaupten des Gegenteils allmählich zu der Ueberzeugung gelangen kann, nut der die Görreskreife jegliche Verbindung leugnen". (B. T. Nr. 526.) Und der A n ti u lt r a m o n t a n e Reichsverband hat entdeckt
„daß die Görresgefellschaft eine einseitig römisch- ultramontane Bereinigung mit stark j e f u i t i - schem Einschläge" ist, Latz sie „politisch, kirchenpolitisch und kulturell" auf dem Standpunkte des Syl- labus von Papst Pius IX. steht, daß sogar das „unter Aegide des tzreiheren von Hertling herausgegebene Slaatslexikon der Görresgeseüichaft so ultra- montan politisch ist, daß es gleich bei seinem ersten Erscheinen den erwähnten Shllabus, den es als streng verbindliches Gesetz anerkennt, als die Geltendmachung der Dogmen der katholischen Kirche in den Fragen der Politik und des sozialen Lebens bezeichnet".
Der antiultramontane Reichsverband erhebt deshalb „Einspruch dagegen, daß em Mann mit solchen politischen und kulturellen Anschauungen Minifter- präsident deS zweitgrößten deutschen Bundesstaates und als solcher Vorsitzender des Bundesralsaus- fchusses für die intern atiouale Politik Deutschlands kst.
Wir haben es wahrhaft nicht nötig, einen Frei- Herrn von Hertling gegen die Anwürfe des Antiultramontanen Rerchsverbandes in Schutz zu nehmen. M a n l a ch t über die Leute, die sich mit Händen und Fußen gegen die bessere Einsicht sträuben, daß auch ein guter Katholik ein guter Staatsmann sein kann. Wie kläglich muß es um dir Po- jition von Leuten bestellt sein, die jebe, aber auch irde Betätigung des Freiherr« von Hertling verdächtigen zu müssen glauben, um chre Gehässigkeit und politische« Ziele siegen zu sehen.
Ms Freiherr von Hertling auf der Freiburger Generalversammlung erklärte: „Wäre die GörreS- gesellschaft ei» politischer Bereut, so dürste ich ihm in meiner veränderten Stellung nicht mehr angehören, wenigstens nicht als Vorsitzender", da hat es unseres Wissens kein Blatt gegeben, da? m die Richtigkeit und Ehrlichlett dieser Erklärung Zweifel setzte. Der Antiultramontane Reichsverband und bei katholisch-theologische Mitarbeiter des B. T. haben eine ganze Woche gebraucht, unr letzt mtt vieler Entrüstung zu behaupten, die Gorresgejell- schaft stelle doch die politischen Richtlinien jur das Zentrum auf, sie verfolge politische Ziele, sogar par- teipolttische, und wolle polttisch Einftuß gewinnen. Es ist nachgerade schon soweit gefommen, daß em Katholik sich nicht' mehr drehen und rühren darf, ohne daß die ganze antiultra- montaneMeuteüberihnher stürzt, weil er national verdächtig und politischer Intrigant sei. Es gibt überhaupt keine katholische Bereinigung, der man mcht auch politische Ziele unterschiebt.
Es ist schlimm, daß es so weit gekommen ift; wir Katholiken lassen uns dadurch aber nicht daran irre machen, daß das freimütige Bekeuiltnis des katholischen Glaubens sehr wohl vereinbar ist nut etitschceinmer politischer Stellungnahme in einer nichtkonsessionellen Partei rn einem paritätischen Staat. Wir können uns damit begnügen, die Anwurse unserer Gegner einfach niedriger zu hängen, zumal gerade jetzt auch im gläubigen evangelischen deulschen Volke immer mehr der Unwille gegen die antutttramontanen Hetzereien laut wird.
Wir wiese» oben auf eine andere protestantische ® en er a luer ja m mtung, die I ubiläumsversanimiuug des Evangelischen Bundes in Saarbrücken, hin und hqben gerade jetzt Gelegenheit, die Bemertung zu machen, daß infolge der widerwärtigen Wuhierer und Hetzerei des Evangelischen Bundes eine größere Bewegung zum Austritt aus demselben im Change ist. Sie „Kreuzzeitung Rr. 4tti" hat ihm bereits den Krieg erklärt und fordert all: Positive« ttuf, den Bund zu Der! affen und statt dessen dem Evangelischen Volksbunde beizutreten. Es ist jedenfalls eine interessante Tatsache, die eines gewissen Reizes nicht entbehrt, daß gerade in dem Ä'ugenblick, wo die friedenstörenoen Elemente tat protestantischen Lager zu einem Schlag: gegen den /„Uttramontanismus" ausholen wollen, sie von ihren / eigenen Leuten verlassen und verleugnet werden.
Görresgefellschaft und Evangelisch«: Bund! Die / erste hat durch eine staunenswerte Tätigkeit auf wissenschaftlichem Gebiete Trsolge gezetttgt, ine auch von Andersdenkenden neidlos anerkannt werden; darum genießt sie das Bettrauen aller gebildeten Kreise und entfaltet sich zu immer schönerer Blüte. Der Evangelische Bund hingegen hat nur zersetzend und zerstörend gewirkt, darum steht er jetzt vor seinem Bankerott, wodurch besser als durch viele Worte das Urteil des deutschen Volkes über ihn gesprochen wird. _.....L , ■
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3er bevorstehende Mankrieg.
K Der französische Konferenz- Vorschlag.
»Europa*, dessen Auferstehung Herr Ssasonow neulich pries, hat zu den bulgarisch-serbisch-monte- negrinischen Backenstreichen noch eine besondere Ohrfeige von Griechenland erhalten. Der Ministerpräsi- denk Venizelos hat die Vereinigung Kreta'- mit Griechenland „dem Wesen nach" proklamiert. Die Großmächte, welche Kreta bisher im Zaume gehalten, will Herr VenizeloS mit der Bemerkung abfpeisen, daß hier keine rabitale Lösung, sondern nur eine „vorübergehende Formel" vorliege. Aber er verkündet geradezu, daß es künftig nur ein Parament für Kreta und Griechenland geben werde, und schickt die feierlich begrüßten kretischen Adgeord- neten nur deshalb nach Hause, damit fie sich erst nach dem griechischen Wahlverfahren neu bevollmächtigen lassen. Das kleine und militärisch höchst minderwertige Griechenland geht über di« groß- mächtlichen Schutzherren von Kreta hinweg, als ob sie nichts mehr zu sagen hätten. Zum Glück hat ja Deutschland sich rechtzettig aus dem kretischen Handel zurückgezogen, „die Flöl« auf den Tisch gelegt", wie Bülow sogt. Da auch Italien infolge des Krieges ans dem Kreta-Konzert geschieden ist, so richtet sich die griechisch-kretische Auflehnung gegen die drei Mächte England, Rußland und Frankreich. Tie neueste Ohrfeige trifft also auegerechuet gerade diejenige Wange Europas, auf der der Dreiverband fein Quartier hat.
In diesem Augenblicke, wo „Europa" zum Kinderspott zu werden scheint, bat nun der uner« müdliche französisch« Ministerpräsident Poincars die Abhaltung einer europäischen Konferenz angelegt. Erst erschien die Nachricht von diesem Plane sehr unglaubwürdig. Die Anregung ist aber offenbar doch erfolgt, da di« Offiziösen sich mit der Frage befassen. Von Berlin aus wird die Möglichkeit einer Konferenz in dem gegenwärtigen Zeitpunkt, nach dem Beginn des Krieges und unter der lleberstürzung der Ereignisse, natürlich bezweifelt; aber man wickelt die unvermeidliche Ablehnung in die artige Erklärung, die die offiziöse ,Köln. Zig/ weitergibt:
es sei sehr dankenswert, daß Frankreich von neuem einen Schrat »nternehme, der die Mächte nicht nur für oen Augenblick, sondern auch für künftige Möglichkeiten in ständiger Fü h lung zu erhallen suche.
In der Tat gehört die eifrige Friedensliebe Frankreichs zu dm erfteulichsten Erscheinungen tu d r sonst so trüben Gegenwart. Natürlich handel, sie Pariser Regierung im eigenen Interesse ihres Landes, das wirtschaftlich in den unruhigen Gegenden sehr stark engagiert ist. Aber Herr Poincoiö handelt zugleich im Interesse von ganz Europa, wenn et den Frieden zu retten sucht. Nur darf er in diesem löblichen Feuerwehr-Eifer sich nicht zu wett hinreißen lasten. Der Kvnserenzvorichlag entspringt offenbar einem etwas lebhafte« Temperament. Unter den jetzigen Verhältnissen ist ein zwangloser, vertraulicher Memungsauslaufch unter oen Mächten besser am Platze, als eine förmliche und feierliche Kovareßveihandlung, bei der leicht bcitle Fragen zur Detrntt« kommen könnten, ehe sie für eine friedliche und freundliche Lösung reif geworden. V 9 r dem Ausbruch des Krieges hätte man noch glauben können, daß eine Komerenz genug moralische Kraft hätte, um ihren Willen oen streitenden Staaten anszuzwingen. Aber, nachdem sich die Balkanflaalen gegen die Mahnung der Mächte so rücksichtslos aufgelehnt haben, tann auch eine europäische Konferenz nur «och im Zwangsoerfahren ihren Willen durchz«setzen hoffen. Wo- her aber soll die Konferenz den europäischen Gerichtsvollzieher nehmen ? Oesterreich wäre eigentlich berufen, um dem europäische« Willen mit starker Hand Geltung zu verschaffen. Aber wird Rußland ihm diese Auigabe gönnen?
Wenn nun bei Komerenzweg vorläufig nicht gangbar ist, so kann Frankreich doch seine Fnedens- uebe im engeren Kreise segensreich betätigen, nämlich innerhalb seines Dreiverbandes, indem e» auf dauer bündele Rußland und das eng befreundete England in friedlichem Sm ne einwttkll Dadurch kann Herr PomcarS sich em weltgeschichtliches Verdienst erwerben.
In der angenblicklicken Lage ist der einzige schwache Lichtblick der Abschluß des italtenisch- türkischen Friedens.
baWtigtt Mrich der Lkriehllngen.
W. Konstantinopel, 15. Ott. 1912. Ter Minister- rat hat einmütig die Note der Balkanstaaten abgelehnt und beschlossen. die Ehre und Würde der Ration aus das Tatkräftigste zn verteidigen. Das Ministerium des Innern hat den WikajetS- behänden ein Zirkular zugehen losten, wonach die Regierung die notwendigen Maßnahmen zur Verteidigung der Landesinteressen trifft
W. Konstantinopel, 15. Okt 1912. Der griechll sche Gesandte hat der Türkei die Note der griechischen Regierung überreicht, welche die Freigabe der grfeckischen Schiffe binnen 24 Stunden verlangt. Wie das Wiener K. K. Telegraphisch« Korrefpon- denz-Bureau dazu erfährt, hat stch di« Piorte ent- Waffen, nur diejenigen griechifche« Schiff« freizu- geben, welche Ladung für eine fremde Macht tragen.
* Konstantinopel, 15. Okt 1912. Di« türkischen Gesandten in Sofia, Belgrad und Athen sind soeben abbetufen worden.
W. Konstantinopel, 15. Okt 1912. Die Abberufung der türtlfchen Gesanden wird für Sofia und Belgrad bamit gerechtfertigt daß Bulgarien und Serbien di« betannte Note übermittelt hätten, für Athen, daß Griechenland bie kretische« Abgeordneten in der Kammer zngelaffen habe. Ter griechische Minister deS Aeußeren telegraphiert« au Noradunghian und ersuchte ihn, den türkischen Ge- sandten i« Athen anmroeffen, die zurückaewiesene
Note anzunehmen. Noradunghian antwortete, Griechenland könne die Note durch den Gesandten in Konstantinopel überreichen lassen.
Die Gren^ämpse.
W Konstantinopel, 15. Okt. 1912. Gestern abend eingegangelte amtliche Meldungen von den KäinP- senan d e r m o n t en e grinisch e n Gr en ze besagen: Die Türken erhielten B:rstärkungen. In der Gegend von Gussinje schlugen sie die Montenegriner zurück. Die Montenegriner hatten große Verluste. Das Gefecht bei Berana dauert fort. Ein türkisches Detachement bei Tust leistete hartnäcki- gen Widerstand gegen zwei montenegrinische Divi- sionen, die durch Malissore« verstärkt wurden. Zwei türkische Majore ftelen. Die Schlacht bei K r a n i a endete mit einer Niederlage der Monte ne. g r i n e r. — Wie halbamtlich verlautet, überschritten die Serben bei Plevlj: und Novibazar die Grenze. Tie int Lande befindlichen Serben verstärkten die serbischen Truppen. Die Gefechte en- beten auch hier mit einem Erfolge der Türken.
* Belgrad, 15. Okt. 1912. Heute wird folgende Mitteilung der serbischen Regierung über die Grenz, kämpfe bei Ristowatz veröffentlicht: Türkische Truppen haben die Grenze überschritten und sich auf serbischem Gebiet verschanzt. Sie wurden im Lause des Nachmittags zurückgeschlagen, wobei wir zwei Tote und vier Verwundete hatten. Die Regierung faßt diesen Nebersall zwar nicht als Kriegsfall auf, Wohl aber als Provokation und Beweis der feindseligen Gesinnung der Türkei. Die Regierung ist entschloffeu, in korrekter Reservierthett die Antwort auf die gestrige Note abzuwarten.
* Frankfurt a. M., 14. Okt. 1912. Der „Franks. Ztg." wird aus Konstatttinopel telegraphiert: Ser- bische Kolonnen sollen im Begriffe sein über Key. lan nach P r i s ch t i n a (im sog. Altserbien zwischen Uesküb und Mitrowitza gelegen) vorzudringen. Die türkische Regierung bewaffnet di: dortigen Albanerstämme.
* Heidelberg, 15. Okt. 1912. Der jugendliche Prinz Peter von Montenegro, der dem hiesigen Pädagogium als Zögling von 1903—1907 angehörte, hat demselben folgende Depesche gesandt: „Grufr- Watz, den 15. Oktober, früh. Glänzender Sieg. 10 000 Türken gefangen mit Artillerie. Gruß Peter. (Die überschwängliche Siegesmeldung ist nicht ernst zu nehmen. Den Montenegriner« stehen überhaupt keine 10 000 Türken gegenüber.)
Eine beruhigende Red« Kiderlen-Wächters.
W Berlin, 15. Okt. 1912. Bei dem Bankett, das heute die Aeltsiten der Kaufmannschaft zu Ehren der zur Zeit hier tagenden internationalen diplomatischen Ausstettungskonferenz veranstalteten, brachte der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Kiderlen-Wächier einen Trinkspruch aus, in dem er u. a. sagte:
Es ift ein Zeichen für die immer mehr toeltum. spannende Gemeinsamkeit der wirtschaftlichen Interessen, daß auch noch so entfernte Störungen der Ordnung überall einen gewissen Rückschlag Hervorrufen. Die Folgen solcher Rückschläge lassen sich mit Ruhe und Besonnenheit nicht nur vermindern, sondern sogar be- fettigen. So wird auch das von Ihnen begonnene Versöhnungswerk von den Vorgängen im Südosten nicht gestört werden, denn wir haben die feste und be. gründete Ueberzeugung, daß keiner der Staaten, die heute hier vertreten fino, in direkte Mitleidenschaft gezogen werden wird. Alle Mächten hatten Zeit, sich über die Beschränkung der Störungen auf ihren Herd zu verständigen. Tas ist bisher geschehen und gelungen und bei dem allseitigen guten Willen wird es auch weiter gelingen.
0 Friede zwiscken Italien und der Türkei.
W. Roirl, 15. Okt. 1912. <Tell) Die Agenzia Stefani meldet: Heute abend 6 Uhr wurden dl« Friedruspräkimmarien zwischen Italien und der Türkei in Onchy unterzeichnet.
* Ouchq, 15. Okt. 1912. Der endgültige Friedensvertrag wird im Lauf« dieser Woche unterzeichnet.
Am 29. September 1911 hatte Italien der Türkei den Kr>eg erklärt. Richt viel länger als ein Fahr später ist die Vereinbarung über die Beilegung oes Streits und Die Wiederherstellung normaler völkerrechtlicher Beziehungen zu Stande gekommen.
Man kann beide Mächte und nicht minder Europa von Herzen dazu beglückwünschen. Italien glaubte genötigt zu fern, nach Tripolis zu gehen und seinen Anteil an den Mittelmeerküsten zu nehmen, wenn es sich nicht volltonttnen von Frankreich und England umklammern lassen wollte. Als «« französisch« Republik ihre Hand auf Marokko legte und 6« G.fahr drohte, daß fie über kurz oder Ung auch Tripolis und die Cyrenaika zu „tumfieten* unternehmen werde, hielt Italien eS für nötig, diesem Schritt zuoorzukommen, und die Folge war der Krieg.
Die Türkei hat stch heldenhaft gewehrt, unter den schwierigsten Verhättniffen, und ihr Lierzweis- fungskamps wird ein Ruhmesblatt m ihrer Geschichte füllen Der Kampf war hoffnungslos. Für die Italiener gab es Lin Zurück. Wie lange auch die Feindseligkeiten fortgesetzt würden, welche Opfer an Gut und Blut sie auch erfordern mochten, daran war nicht z« denken, daß Italien Tripolitamen wieder räumen, auf die Souveränität in dem bean- fpruchten Gebiet verzichten werd«. Daß die Pforte, von inneren Unruhen bedroht, Bedenken trug, durch Verzicht auf Tripolis den Eindruck der Schwäche zu erwecken und die öffentlich« Meinung gegen sich mobil zu machen, wer wollt« es mcht begreifen ? Ader man wird auch in der Türkei einsehen, daß eS gegenwärtig Wichtigeres für die türkische Regierung zu tun gibt, als einen verlorenen Posten in Afrika zu verteidigen, daß sie ausgezeichnete Führer roi« Enver Bep und tapfer« Truvven, rote
sie sich den Italienern gegenüber bewährt haben, auf den europäischen Kriegsschauplätzen besser gebrauchen tarnt als in Afrika, wo sie Lorderen, aber keine endgültigen Erfolge ernten können. So unerfreulich die Herausforderung der verbündeten Balkankönigreiche der Türkei fein wag, so willkommen kann sie ihr fein als unbedingte Rechtfertigung bei Friedensschlusses mit Italien.
Dieser Friedensschluß bedeutet eine erhebliche Stärkung der Türkei gegenüber ihren neuen Widersachern auf dem Balkan in militärischer wie m finanzieller Hinsicht. In militärischer, weil die Truppen in Tripolitamen frei werden und ander- roeite Verwendung finden können. Richt unwichtig ist auch, daß hinfort die Türkei ihre Kriegsschiff« nicht in sichert« Hasen zu lasse« braucht, fanbei a über sie namentlich gegen Griechenland verfügen kann. Und der griechischen Seemacht find sie weit überlege«. In finanzieller Hinsicht, weil Italien, der Türkei nicht nur de« auf Tripolitanien fallenden Teil der Staatsschuld abnimmt, sondern auch weiter« Beihilfe gewährt, di« niemals erwünschter fei* konnte als in der augenblicklichen Lag«. Auf welchen Betrag sich dies« Beihilfe beläuft, ist noch nicht bekannt. Aber es ist schon vor einiger Zeit berichtet worden, daß es sich nicht nur um ein Entgelt für die Staatsgüter handelt, sondern auch um eine Anleihe, di« nicht tilgbar sein, sondern nm aal einer sicheren Staatseinnahme, wie etwa den SmyS naer Zölle« verzinst werden soll.
Auf di« Kleinstaaten am Balkan, bw ihr« Kriegslast nicht zügeln können, wird der Friedens« schluß einigermaßen ernüchternd wirke«. Vielleicht erkennen fie noch in zwölfter Stunde, daß auch «ist Kartenspiel mit vier Königen in der Hand noch nicht gewonnen ist. Auch di« Spekulation auf di« Uw einigteit der Großmächte wird jedenfalls weniger begründet erscheinen, al8 wenn Italien den Krieg fortfetzte. Die Zweifel über die Absichten Italiens werden durch den Friedensschluß zerstreut. Diese» Staat ist seinen Abreden mit Oesterretch-Ungam, einen Angriff auf europäische- Gebiet bet Türkei zst unterlassen, treu nachgekommen; man darf annehmen, daß Italien auch fernerhin da- enge Einvernehmen mit der Habsburgische« Monarchie aufrechterhaltes wird.
Deutschland wird den FriebenSschluß mit be* sonderet Genugtuung begrüße«, ba ihm zugefalleW war, zugleich den Schutz der Italiener in der Türkei und der Türke« in Italien zu übernehmen^ ein« Ausgabe, die bezeugte, daß ihm beide Mächte gleiches Vertrauen entgegenbringen.
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Deutsches Reich. C - %
** Berlin, 15. Okt. 1912. Der Kais«, roh* Samstag nach Homburg kommen, nm der Mn» weihung bet St. Michaelis-Kirch« beizuwohnen. — Dem RSHerigen Gesandten in Bern, Wirklichen Geheimen Rat v » n B ü 1 o w, wurde bi« Krone zum Rote« Adlerorden 1. Klaffe mit Eichenlaub verliehen. — Die Staatsregierung verlaust« Ml Domäne Ummendorf, eine der größten in bet Provinz Sachsen, zur Bildung von Reinen B au er* Höfen an die SiedtungSgesellschaft „Die Scholl«" tu Frankfurt a. b. Ober.
4- Förderung des Obst- und ®emif«6auel. Um dem ausländischen Wettbewerb ht der Versorgung des deutschen Marktes mit Obst und Gemüse rotrfi famer als bisher entgegentreten zu können, wird bet nächste preußische Etat größere Mittel zur Förderung des heimischen Obst- und Gemüsebaues int- Verfügung stellen. Im letzten Jahr bat Deutschland rund 60 Millionen Mark für Obst an das Ausland gezahlt. Die Einfuhr an fremdem Gemüse belief sich auf 46 Millionen Mark. Di« Förderung durch die Regierung soll stch auf einen planmäßigen Anbau von Obst und eine systematische Förderung des Garten» und felbrnäfftgen Gemüsebaues in den dafür durch Bodenbeschaffenhett und Lag« zu groß« Absatzmärkten besonder» geeigneten Gebieten erstrecken.
X Tie sozialdemokrattfchen Medip männer. Dem kranken Europa verordnet btt rote International« ihre Rezepte. Der.Vorwärts' veröffentlicht in feine« Dienstagausgabe ein große» Sammelsurium von sozialdemokrattfchen Stimmen gegen den Krieg. A« der Sp tze fielst ein Aufruf des Parteivorstandech der mit der Parole: Nieder mit dem Krieg! schUeßi und in dem er versichert,
das Proletariat aller von der Kriegsgefahr bedrohten Ländern fei eines Sinnes: „ES verabscheut ben Krieg und ist entschlossen, nut aller Straft lerne Ausdehnung zu verhüten". Die Parteigenossen müßte» jede Gelegenheit ergreifen, „um in wuchtigen Demonstrationen für den Weltfrieden einjutreten. Im ganzen Reiche sind zu diesem Zwecke Btassenversammlungen sofort z« veranstalten. Die Knochen auch nicht eines einzigen Proletariers dürfen geopfert werten!"
Diesem Ausruf schließt sich em zweiter, nur bedeutend längerer Ausruf des Internationale« Büros in Brüssel an. An diese „bedeutungsvollen Kundgebungen" schließt der /Vorwärts^ noch das Mani- left an, das die Gesamtexelutioe der österreichtschen Sozialdemokratie erläßt. In fünf langen Spalten wird da gegen ben Krieg protestiert und der Mund dis hinter die Ohren aufgeriffen, aber auch nicht mit entern Wort« wird gesagt, waS denn zu tun fei, nm den Krieg zu verhindern und um Europa den Frieden zu bewahren, ben doch nicht allein di« Sozialdemokraten, sondern auch wir anderen Bürger dem Kriege vorziehen. Es kommt der Internationale« eben nur aufs Geschrei an; tarieren kann fU doch nichts.
ff Stuttgart, 13. Okt. 1912. Die württembergisch« Zentrum Spartet tritt soeben mit ihrem Programm für die bevorstehenden Landtagsroahlen auf den Plan; di« offizielle Wahlkampagne de» Zentrums beginnt mit der am 13. bejro. 14. Oktober t« Oberndorf statt findenden LandeSverfammlung.
Der grundsätz'.iche Dell deS Programms wendrt sich vor allem gegen di» Trennung von Staat mrt Kirche. Aus den. Gebiet der Schute « neben dem Fest. hatten an der tomefsionellen Schule, Emsiufi der Kirch« auf die ßernnbdDuna der Bolksfchullebrer. forott neben