M 257.
Dienstag -en 15. Oktober 1912.
59. Jahrgang.
* fuldaer M Leitung *
2. Blatt.
Druck uni Verlag der Fuldaer Aetieudruckerei in Hulda.
deutsches Reich.
»E Ein schrecklicher ^efuikntib*. P-. Bernhard Duhr hat in seinen bekannten »Jejuitenfabem auch einen Eid besprochen, der 1890, durch ein französisches protestantisches Blatt, ,Le Temoignage, »entdeckt' worden «ar und dann von der ganzen kirchenseindlichen Presse triumphierend abgedrucki wurde. Ter ganze Eid ift.cme plu»'p« ^findunq für die anck nicht der geringste lustoruche Beweis beiaebracht werden kann. So bekannte schon 1891 »er Schief. Evangel. Kirchl. Anzeiger': »Unecht ist auch der Jesuiteneid, welcher jüngst durch die Presse ging«. Und als 1897 der Eid abermals die Runde durch die gegnerische Presse gemacht hatte, mußte sich der.Reichsbote' bequemen, einzugestehen: »Jetzt haben wir uns näher zu unterrichten gesucht, und das Ergebnis ist, daß der angebliche Eid tatsächlich nicht existiert'. Aber wenn auch der Eid erfunden ist, wäre es für manchs Kreise doch zu schmerzlich, ihn im jetzt tobenden Kampfe um das Jesuitengesetz nicht zu benutzen. Man denke nur: in diesem Eide steht der Satz: »Ich entsage und verweigere jede Treue den protestantischen Königen, Fürsten oder Staaten, ebenso wie jeden Gehorsam ihren Obrigkeiten und unteren Beamten". Ta ist's doch be
wiesen, daß wir die Jesuiten nicht wieder zulasten können. So druckte denn auch die/Volkszeitung' in Barmen am 3. Oktober d. I. den Eid noch einmal ab, jedenfalls zur Pflege »aufrichtiger Vaterlandsliebe und Königstreue'. Außer dieser Tugendpflege erstrebt die genannte Zeitung, wie sie im Mostestcheu Zeitungskataloge von sich selber sagt, „alle Fragen des öffentlichen Lebens im Geiste evangelischer Wahrheit und Freiheit, wie evangelischer Milde und Gerechtigkeit zu behandeln'. Run, den Eid hat sie entweder im Geiste einer kindlichen Dummheit oder einer ausgewachsenen Gehässigkeit behandelt. — Auch der Mächte r', ein im Auftrage des Vorstandes des Rheinischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes herausgegebenes Blatt, druckt den Eid wieder ab. Wird der Mächten der Wahrheit die Ehre geben?
Ausland.
△ Der Kampf argen das Christentum in Spanien. Der spanische Unterrichtsminister hat gelegentlich der Feier der Eröffnung der Universität in Valladolid eine Rede gehalten, in der er sich über die in Vorbereitung befindliche Reform des Unterrichtswesens in Spanien und über die Proteste, die dieses Projekt ausgelöst hat, verbreitete. Der Mi- nister behauptete, man habe protestiert, ohne das Projekt eigentlich zu kennen. Das ging auf die Bischöfe. Derselbe Minister aber hat bereits früher trn Senat erklärt, daß der Religionsunter- r i ch t in der neuen Schulordnung keinen Platz finde, vielmehr dem häuslichen Herde überlassen bleiben muffe. nUd in seiner Rede in Valladolid erklärte der Minister, die Schule müßte von dem Zwange und der Unterdrückung der verschiedenen „Dogmatismen" befreit werden. Diese Sprache ist längst bekannt und die spanischen Bischöfe haben ihren Sinn wohl verstanden; das ist es, wogegen sie protestierten.
A Die Pfarrschulen in Amerika. Mit großer Befriedigung konstatiert man in Amerika, wo die katholische Kirche sich größter Freiheit erfreut, daß die Zahl der Schüler in den katholischen Pfarr- f ch u l e n in diesem Jahre überall bedeutend z u g e- nommen hat. In der Diözese Boston z. B. ist die Zunahme von mehreren Tausend Schülern zu verzeichnen; ebenso in der Erzdiözese Rewyork, wo die Zahl der katholischen Schüler in den Pfarrschulen bereits auf 80 000 gestiegen ist.
Aus dem ttachbargebiete.
* Frankfurt, 14. Okt. 1912. Der Herbstslug hatte trotz der ungünstigen Witterungsoerhältniste ein zahlreiches Publikum angelockt, das den Flugvorführungen der Flieger Weyl, Kahnt und Janisch mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Die Leitung des Fluges lag in den Händen des Dr. Lincke. Die Flüge, die um 3 Uhr nachmittags begonnen hatten und sämtlich wohl gelangen, dehnten sich bis zum
Einbruch der Dunkelheit aus. Gegen */i6 Uhr erschien Leutnant v. Hiddessen auf seinem Euler- Apparat auf der Heimfahrt von seinem Postflug nach der Rennbahn von Wiesbaden über dem Platz u.d wandte sich dann nah dem Fluggelände, wo er niedergiuq, um sich seines Auftrages zu entledigen. Die Luftpost beförderte mehrere tausend Postkarten. — Die für Samstag in Aussicht genommene Fahrt des Luftschiffes „Viktoria Luise' nach Baden- Oos und Straßburg ist wegen des in der Frühe herrschenden dichten Nebels aufgegeben worden, ebenfalls der für Sonntag geplante Flug nach Crailsheim.
♦ Frankfurt, 14. Okt. 1912. Einer der wer t- vollsten Holzbauten deutscher Renaissance in Frankfurt, das vor einigen Jahren von der Stadt angekaufte Doppelhaus „Zum großen und zum kleinen Engel", mußte geräumt werden. Erst im Jahre 1909 wurde der Bau einer kostspieligen Renovation unterzogen, die erneuten Wiederherstellungsarbeiten sind infolge Erdbebens im letzten November notwendig geworden. — Die beiden Täter, dir kürzlich in Bockenheim einen Mann überfielen und beraubten, wurden ermittelt und am Sonntag morgen in Bockenheim verhaftet. Beide sind geständig. — Der 17jährige Fürsorgezögling Hofmann, der mit einem andern Zögling aus der Anstalt Wixhausen vor einigen Tagen entsprang, meldete sich mittellos und aus Angst vor der Kälte bei der Polizei. — Oberbürgermeister Voigt wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Festhallengesellschaft ernannt.
* Gießen, 14. Okt. 1912. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Lang-Göns erloschen ist, findet der erste Vieh markt wieder am 16. Oktober in Grünberg, und ein Weiterer am 22. Oktober in Gießen statt.
* Würzburg, 14. Okt. 1912. Das Rektorat der Universität übernimmt für das kommende Semester der Theologieprofefsor Dr. Hehn
* Aus Franken, 14. Okt. 1912. Auf dem Heimwege von der Schule in Maldsachen nahm ein Knabe einen Revolver von einem Fuhrwerk und zielte damit auf feinen Mitschüler Fratz. Der Revolver ging los und ein Geschoß drang dem Fratz ins linke Auge, das verloren ist. — Am Freitag wurde Forstmeister Trümbach aus Neuwirtshaus auf der Hirschjagd durch einen Streifschuß verletzt und nur durch den Anprall der Kugel an die Taschenuhr vor schwererer Verletzung bewahrt. — Einem Handwerksburschen, der bei der Dreschmaschine half, wurde durch das Getriebe Kopfuud Bein abgerissen. — In der Nacht zum Donnerstag brach in Obersinn in der Scheune des Oekonomen Busch Feuer aus, dem diese und die ganze Ernte zum Opfer fiel.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 14. Okt. 1912. Nach dem Berichte eines statistischen Mitarbeiters sanden sich bei der letzten Volkszählung in unserem Großherzogtum 6410 Ausländer. — Das Staatsministerium hat die Bezirksdirektionen ersucht, den Gemeinden anheim zu geben, keine Ortsstatute für Gebühren der Geschworenen mehr zu erlaffen, da die Negierung int nächsten Jahre dem Landtage ein San» desgesetz über die Vergütungen der Feldgeschworenen unterbreiten will. In diesem Gesetz sollen dann die Gebühren der Feldgeschworenen in zeitgemäßer Weise erhöht werden.
* Vacha, 17. Okt. 1912. Eine empfindlich: Strafe sprach das hiesige Schöffengericht gegen einen Handelsmann aus, der Kunsthonig als garantiert reinen Bienenhonig auf den Markt brachte. Er wurde, zu 75 Mark Geldstrafe eventuell 15 Tagen Gefänglns verurteilt-
* Dermbach, 14. Okt. 1912. Unter der Bezeichnung Versicherungsamt ist hier bei der Großherzogl. Bezirksdirektion eine besondere Abtei- ung eingerichtet worden, die sich mit allen Arbeiter- verficherungs-Angelegenheiten befaßt.
* Dönges, 14. Okt- 1912. Die Gewerkschaft „Heiligenroda" Plant auf dem Gelände ihrer Schächte irr Möllersgrunde den Bau einer Anzahl von Arb-etterwohnhänsern, um dem Wegzug der Arbeiter vorzubeugen.
3m Schutze -er Zauberers.
88] Englisch-indiscber Roman von E. A. Heniy.
„Ich danke Ihnen, Herr Major", sagte Bathurst. „Ich weiß Ihre Freundlichkeit wohl zu schätzen, und für jetzt will ich auch sehr gern auf Ihren Vorschlag eingehen. Aber ein Gedanke hat mich seit gestern fortwährend beschäftigt, und ich möchte je eher desto lieber mit Ihnen darüber sprechen, wenn Sie ein paar Minuten Zeit haben."
„Gewiß! Was ist es denn?"
„Ich denke, wir sind darüber einig, daß ivir diesen Platz wohl einige Zeit lang verteidigen können, daß wir aber früher oder später entweder im Kampfe erliegen ober zu entkommen suchen muffen. U bet die Möglichkeit d tz Entkommens habe ich nun nachgedacht. Unsere Sage wird immer bedenklicher; tott werden täglich enger eingeschlossen, und wenn die Belagerer erst dicht an der Mauer sind und sie zu stürmen anfangen, dann dürfte es den meisten von uns unmöglich werden, zu entrinnen. Höchstens kämen einige, die die Hindusprache gut verstehen, mit dem Leben davon."
„Ja, das ist richtig", sagte der Major.
„Mein Vorschlag ist nun, daß wir sofort eine Mine zu graben anfangen, einen unterirdischen Gang vom Keller aus, und daß wir ihn soweit führen, wie es nur irgend angeht. Ich denke, zehn bis vierzehn Tage haben wir noch vor uns, ehe es zum Aeußersten kommt, und in dieser Zeit könnten wir wohl, wenn Tag und Nacht gearbeitet wird, achtzig bis hundert Schritt weit graben. Als Ziel müßten wir ein dichtes Buschwerk wählen, z. B. eins in Farquharsons Garten, das ungefähr die richtige Lage haben wird. Dort könnten wir uns bei Nacht vielleicht herausarbeiten. Im Pulverraum müßten wir vorher eine lange Lunte anzünden, sodaß etwa Zwei Stunden nach unserer Entfernung eine Explosion erfolgt. Es ist genug Pulver da, um das Haus |um Einsturz zu bringen; und die Hindus würden
daun denken, daß wir alle unter den Trümmern begraben seien."
„Diese Idee finde ich ganz vorzüglich, Bathurst. Was sagen Sie dazu, Doktor?"
„Ausgezeichnet. Wir haben hier sandigen Boden, der sich gut wird ausgraben lassen. Wie viele können wohl gleichzeitig arbeiten, Bathurst?"
„Ich denke zwei auf einmal, wobei einige der Dienstleute bann immer bie Erde forttragen müßten. Nach toicrftünbiger Arbeit müßten zwei anbere antreten — und bann toiebet zwei; es ließe sich bequem einrichten."
„Wollen Sie die Anordnung bieses Werkes über« nehmen?"
„Mit Vergnügen, Herr Major."
„Nun gut Wilson, Richards und bie brei jüngsten Zivilisten sollen Ihnen zur Verfügung stehen und von anderem Dienst frei bleiben, ausgenommen, wenn etwa der Feind einen Angriff unternimmt. Und von den Dienstleuten wollen wir bie zwölf stärksten aussuchen. Ich will ihnen für biefe schwere Arbeit eine halbe Rupie Lohnzulage pro Tag versprechen. So wären wir denn einig?"
„Gewiß, Herr Major. Für bas übrige sorge ich schon."
Nach bmt Frühstück begab sich bet Major mit Bathurst in den Keller, um bie Stelle festzusetzen, an ber bie Höhlung begonnen werden sollte, und gleich darauf fingen Bathurst und Wilson an, das Fundament zu durchbohren.
„Diese Arbeit gefällt mir weit besser", sagte Wilson", „als bas Sitzen unb Lauern auf de» Feind. Wie groß soll bas Loch werden?
„9iur gerade groß genug, baß eine Person hin. burchgelangen kann. Je enger bet Gang ist, besto leichter ist die Bebachung."
„Das ist auch genug; denn es wirb eine sehr ermüdende Arbeit fern, sodaß es gut ist, wenn man immer fünf Minuten arbeitet unb ebenso lange ausruht."
Schon nach kurzer Zeit wat bas Funbament durchbrochen. Als Wilson nun mit seinem Instrument weiter bohrte, wat et erfreut, auf Erbe zu sto-
* Dorndorf, 14. Okt. 1912. Die Gewerkschaft „Heiligen coda" in Heringen beabsichtigt in hiesiger Flur einen Kieseritschuppen unb einen Kri- ttallisietraum zu errichten.
Aus Gderheffen u- den Hess. Aemtern.
A Marburg, 14. Okt. 1912. In ber heutigen Sitzuttg ber Stadtverordneten wurde bekannt gegeben, daß von den für den Bau bet elektrischen Straßenbahn bewilligten 205000 Mark tunb 7248 Mark übrig geblieben sinb.
* Marburg, 14. Okt. 1912. Am Sonntag beging der kathol. Gesellenverein in ben Stadt- säleu unter zahlreicher Beteiligung die Feier seines 22;ährigen Bestehens. Es tourbe das Lustspiel „Hasemanns Töchter" von L'Arronge aufgeführt.
* Kirchhain, 14. Okt. 1912. Nachdem in Gontershausen und Cyriaxweimar bie Maul- uub Klauenseuche erloschen ist, ist bie Abhaltung der Märkte wieder gestattet.
* Treysa, 14. Okt. 1912. Der Verein hessischer Kantoren und Organisten hielt am Samstag nachmittag unter dem Vorsitze des Lehrers Möl- ler aus Kassel hier seine 6. Jahresversammlung ab.
* Betzigerode, Kr. Fritzlar, 14. Okt. 1912. Die Wasserkaiamität unseres Dörfchens wird durch den Bau einer Wasserleitung endgültig beseitigt werden. Das Wasser des unterhalb des Dorfes gelegenen Gemeindebrunnens soll etwa 500 Meter talabwärts geführt und von dort mittels einer Doppel- Widdercullage nach einer Wasserkammer gedrückt werden. Di? Ausführung des Projektes soll einen Kostenaufwand von 13 000 Mark verursachen. Dir Aussührungsarbeitrn sind der Firma Hardt-Hvm- bera übertragen worden, bie bereits mit den Arbeiten begonnen hat. — Infolge Neuverpachtung geht das hiesige Heßberg'sche Rittergut vom Februar 1913 an in den Besitz der Gebrüder Lohr-Felsberg über. Der neue Pachtzins ist gegen den bisherigen unt 3 Mark pro Acker höher geworden.
vermischtes.
* Aus einem Spaziergang lief der 14jährige Oberrecilschüler Becker mit mehreren Schulknaben einen steilen Weg bei Kaiserslautern hinunter, glitt hierbei aus und sfieß mit dem Kopfe gegen einen Baumstamm, wodurch er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt, der er alsbald erlag.
* Lebendig verbrannt. Der dreijährige Knabe Ernst Georg Weimer in K a i f e r § I a u t. e r n kam mit seinen Kleidern einem von Kindern im Freien angemachten Feuer zu nahe und erlitt hierbei fo schwere Brandwunden, daß er alsbald starb.
♦ Spionageprozeß. Vor der Bochumer Strafkammer hatte sich der Techniker Friedrich Hänß- ner, der beschuldigt wird, Marinepläne an eine auswärtige Macht verkauft zu haben, zu verantworten. Der Angeklagte, der wegen des Verrats militätischer Geheimnisse bereits vorbestraft ist, wurde nach mehrstündiger nichtöffentlicher Verhandlung zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis und drei Jabren Ehrverlust verurteilt.
* Ein falscher Bischof. Vor längerer Zeit war in dem Kloster Eberbach bei Kochern ein angeblicher ausländischer Bischof eingekebrt, der mehrere Tage beherbergt wurde. Nachträglich stellte sich heraus, daß es ein Schwindler gewesen war- Jetzt ist er in Bayreuth, wo er als Prinz von Hohenlohe auftrat, verbaftet worden.
* Postraub. In der Nacht zum Montag wurde während der Fahrt der Postwagen des zwischen Bordeaux und Crites verkehrenden Expreßzuges aus- geplündert. Es find zahlreiche Geld- und eingeschriebene Briefe geraubt worden. — Ein an die Banca Commereiale in Mailand von Newhork adressierter Brief mit einem Inhalt von hunderttaufend Lite fft auf der Strecke Turin—Mailand gestohlen worden. Tie Forschungen nach dem Dieb waren bisher ergebnislos.
* Bezeichnend für bie Behandlung der Fremden- legionärr durch die französische Regierung ist sol- gendet Fall, den das /Petit Journal' veiöffentlicht: Ein Soldat der Fremdenlegion, augenscheinlich deutscher Abkunft, hatte im Jahre 1910 bei einem
feen; Bathurst aber meinte, für ihn fei bie Besorgnis, es könne Felsengrunb fein, von vornherein ausgeschlossen gewesen, ba in jenem Falle gar keine gemauerte Kellerwanb existiert haben würbe.
Den Tag über verhielt sich ber Feind ruhig; aber man fürchtete, daß er irgendwo in größerer Entfernung eine andere Batterie aufstellen könne, bi» man erst beim Beginn einer neuen Kanonade entdecken werde.
Weitere vierundzwanzig Stunden verliefen ohne Störung; dann aber hörte man in der Nacht das Geräusch von Axthieben und fallenden Bäumen.
„Sie machen sich den Platz frei vor ihrer Batterie", sagte der Major, der gerade mit seiner Abteilung auf Wache war- „Morgen früh wirb es ernstlich losgehen. Das Geräusch femmt genau von ba, wo wir wen'Feinb vermuteten. Es ist bieselbe Richtung, in ber sie zuerst standen, nur etwas weiter zurück."
Als es Tag wurde, sah man, daß bie Bäume unb Sträucher weggehauen waren, unb etwa vierhundert Schritte vom Hause befand sich eine Schanze mit sechs Kanonen dahinter. Sofort wurden mehr Säcke nach oben geschafft unb nach ber Seite bet Batterie hin zweckmäßig verwenbet, sodaß die Schichten alle höher und breiter wurden. Dieses Geschäft konnte ungestört vollendet werben, unb Kapitän Forster rief zuletzt ungebulbig:
„Warum, zum Kuckuck, fangen benn bie Kerle nicht an?"
„Sie warten jebensalls auf ben Rajah unb einige anbete vornehme Grundbesitzer", erwiderte ber Major, „benn benen gehören die Kanonen, und sie wollen sie wohl von ihren eigenen Leuten bedienen lassen. Wahrscheinlich hoffen sie, das Hospital in ein paar Minuten über den Hausen schießen zu können. Hören Sie, da ist Musik. Sie kommen in großartigem Aufzuge. Rintoul, wollen Sie die unten Grabenden heraufrufen? Wer ist denn jetzt gerade bei der Arbeit?"
„Bathurst unb Wilson."
„Dann rufen Sie nur Wilson unb tagen Sie
Kampfe in der Umgebung von Algier durch einen Schuß das Augenlicht eingebüßt. Dem Tapferen wurde das Kreuz der Ehrenlegion verliehen, im übrigen kümmerte sich aber miemanb mehr um ihn. Jetzt ist er in halbverhungertem Zustande in Chambery aufgetaucht unb bat an das Mitgefühl der Bewohner appelliert, um fein Leben durch Almosen zu fristen.
*♦ Graf Stanislaus Babeni, von 1895—1901 Landmarschall von Galizien, ist am Samstag' gestorben. Er ist ein Bruder des früheren Mini-! sterpräsibenten Graf Kasimir Badem, während dessen Amtstätigkeit sich im November 1897 bie großen Obstruktions-Skandale im österreichischen Abgeord-, nelenhause ereigneten.
Hnudel und Industrie.
Berlin, 14. Okt. 1912. Börse. Im Gegen- say zu ben Börsen der vorigen Woche zeigte ber Verkehr heute ein merklich ruhiges Aussehen. Be- sonbers bie Umsätze am Montanmarkt nahmen wieder einen größeren Umfang an, unb es vollzogen sich saft durchweg Preissteigerungen. Bankenmarkt anfangs schlapp, dann gleichfalls gebessert. In Schiffahrtsaktien lebhaftes Geschäft. Am Kaffamarkt hielten sich Preisbesserungen und Kursrückgänge ziemlich die Wage. Privatdiskont erhöhte sich auf 4,25 Prozent.
Märkte.
• Frankfurter Gotreidemarltkericht vom 14. Olk. Am heutigen Markt herrschte reges Leben. Die rapide Preissteigerung an allen Börsen ließ Lindweizen in guter Ware bis zu Mk. 21.75 franko Mühlen zu. Fremde Weizen sind gegen die Vorwoche um Mk. V, höher. Roggen wurde zu 191 schlank aufgenommen. In Hafer war die Preisveränderung kaum zu bemerken. Mais ruhig. Futterartikel fest. Mehl von den Mühlen gegen die Borwoche um 1 Mk. pro Sack erhöht. — Es notierten: Weizen: hiesiger und Welterauer 21.60 bis 21.75 Mk., atti dem Lande abgeholt 20.75—21.00 Mk., kurhessischer 21.60—21.75 Mk., norddeutscher 21.75—22.50 Mk., Manitoba 23.25 bis 23.75 M„ Kansas 24.75—25.00 Mk., russischer Nieolajeff 24.50-24.75 M., Saxonska 24.50—24.75 M., Ulfa 24.25-24.50 M., Azima 24.00—24.25 M., La Plata 23.75—24.25 M., rumän. 24.25—25.00 Mark, Northern I 00.00—00.00 M. — Roggen: hiesiger, 19.00 bis 19.15 M., auf dem Lande abgeholt 18.25—18.35 Mk., Pfälzer 00.00-00.00 M. russischer 00,00—00.00 M., rumänischer 00.00—00.00 Mk. — Gerste: hies. 20.50 bis 21.00 Mark, Pfälzer 21.00-21.50 M., fränkische 21.00—21.50 M., Riedgerste 20.50-21.25 M., ungarisch, 00.00-00.00 M., Futtergerste 00.00-00.00 M. — Hafer: hiesiger und Wetterauer 19.00—21.25 M., kurhess. 19.25-21.25 M., bayer. 19.50-21.50 M., La Plata 00.00—00.00 Mk., russischer 20.50—22.00 Mark. — Mais (Mixedf 00.00- 00.00 Mark, Donau- mais 16.00-16.25 M., La Plata 15.75—16.00 Mark, Cinqantin 18.25-18,50 M., russischer 00.00—00.00 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: fest. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 32.75—33.00 M., füdd. Nr. 0 32.75-33.00 M., hiesiges Nr. 1 80.75 31.00 M., süddeutsches Nr. 1 30.75 -31.00 M., hiesiges Nr. 3 27.75-28.00 M., süddeutsches Nr. 3 27.75—28.00 M., hiesiges Nr. 4 24,75—25.00 M., süddeutsches Nr. 4 24.75-25.00 M. — Roggenmehl, hiesiges, Str. 0 27.00 bis 27.75 M.. do. Nr. 01 26.60—26.75 M., do. Nr. 1 25.00—25.50 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. — Futterartikel: unverändert. Weizenschalen 10.75-11.00 M., Weizenkleie 10.40—10.60 M., Roggen- klcie 12.00-12.25 M., Weizen-Futtermehl 16.00 biS 16.25 M., Biertreber, getrocknet, 13.75—14.00 M., Malzkeime 13.60-13.75 M., Rapskuchen 13.50—13.75 Mk., Palmkuchen 14 00—14.50 M., Futtergerste 15.75 bis 16.50 M , Melafseprodukte 00.00 —00.00 M., Kartoffeln 0.00-0.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10000 Kilo.
* Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt« preise vom 14. Oktober 1912. Austrieb: 1434 Stück ketnschl. — Rinder aus Oesterreich. Ungarn und — Rinder aus Schweden), darunter 456 Ochsen, 62 Bullen 916 Färsen uni Kühe, 00 Fresser 248 Kälber, 247 Schafe, 2594 Schweine. Preise für 1 Zentner, Rinder: A. Ochsen: *. vollfleischige, ausg«mästete höchsten Sch achtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewichts 53—53 Mark, sSchlachlgewichtj 97 bis 105 M., die noch nicht gezogen haben (ungejocht) (Lebendgewichts 00—00 M., (Schlachtgewicht^ 00-00 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemäftetesLebendgew.s 50—53 M., sSchlachtg.j 91—97 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere sLebendgew.s 46 -49 M., sSchlachtgew.j 85-91
Bathurst, ich möchte, baß bas Werk boch nicht ganz stillstehe. Die Damen lasse ich bitten, sich mit ben Kinbern ins Vorratszimmer zu begeben. Ich glaube zwar nicht, baß bie Kugeln durch bie Mauer schlagen; aber man muß immer vorsichtig sein."
Kapitän Rintoul bracht: ben Damen bie Bestellung. Sie waren über bie neue Lage ber Dinge schon unterrichtet. Einige sahen blaß aus, aber sie bangten weniger für sich als für ihre Gatten oben auf bem Hause. Frau Hunter bemerkte: „Wir wollen wenigstens für sie beten, — sagen Sie ihnen bas, Kapitän Rintoul." Dann begab sie sich mit ihren Gefährtinnen zunächst ins Kinderzimmer unb von ba mit ben Kleinen unb den Wärterinnen hinab in ben Borratsraum.
„Ich wäre viel lieber oben", sagte Isabella za Frau Doolan. „Wir könnten ben Herren bie Gewehre laben; benn mit anzusehen, was vorgeht, wäre boch weit weniger schrecklich, als so eingesperrt zu sitzen unb sich das Schlimmste auszumalen."
„Ich bin ganz Ihrer Meinung. Aber bie Manner verstehen uns nicht. Vielleicht werben sie es boch noch einmal begreifen, baß wir ebenso mutig sind wie sie."
Man hörte bie Musik herannahen auf bet Straße, an ber die Bungalows gestanden hatten. Nun würben auf ber Schanze btüben unter gewaltigem Trommelwirbel Flaggen aufgezogen, unb als Antwort hierauf hißte man auf bem Dache des Hospitals bie englischen Farben.
„Ein Hurrah für bie alte Fahne, Kameraden", rief ber Major, unb ein kräftiger Freudenruf ertönte nun ba oben, wo mit Ausnahme von Bathurst die ganze kleine Besatzung beisammen war. Wildes Geschrei ber Eingeborenen antwortete ihnen, nickt bloß von ber Batterie her, sondern auch aus den umliegenden Gärten und Büschen.
„.Jetzt nur nach ben Kanonen gezielt", sagte der Major; „beim Laden müssen die Leute sichtbar werden."
(Fortsekuna Mat,)