A. Parzelle» t# ZuLa. w,chE-s«.-„All«strierte SonntagrMmg-
39. Jahrgang
Fulda, Dienstag den 1ö. Oktober 1912.
Erstes Blatt.
i Jti 237.
tg fügt hinzu, die Kriegserklärung sei in den Stunden zu erwarten.
nächsten Stunden zu erwarten.
* Sofia, 14. Okt. 1912. Der Abbruch der Beziehungen zur Türkei steht unmittelbar be- vor. Die Vertretung der türkischen Interessen in Bulgarien wird dem deutschen Gesandten anvertraut.
* Athen, 14. Okt. 1912. Der König äußerte zu einen: Vertreter enter Großmacht, es bestehe keine H o f f n u ng auf Erhaltung des Friedens. Auch Veniselos verhehlte gestern nicht, daß der Krieg vor
gramm deS Generals Wukotüsch haben seine Truppen gestern die Höhe Visitor bei Gussmje besetzt. Die Türken, die heftigen Widerstand leisteten, er-
W Petersburg, 14. Okt. 1918. Zu der auS- wärts verbreitetenMetdung, daß d« rufiiicheRegierung Montenegro mitgeteitt hab«, sie werde wegen Ungehorsams Montenegros, begangen durch die Kriegserklärung, di« Zahlung der StaalSsnd- vention von 21/« Mill. Frks. einsteüen, erklärt Bit Petersburger Lelegropber -Agen!ur, daß in letzter Zeit außer den amtlich veröffentlichten überhaupt keine Vorstellungen Rußland» au Montenegro, gerichtet worden feien.
sychemt v* Anrnahme der $«M», und Leiertage, viertel- Mrlicher vezugrprelr ahne Sriuarrtohn und tzestellgelomLulbas«» wit auswärts 1.S0M.
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Zer bemsteheM Balkmkriez.
Jetzt endlich haben Bulgarien, Serbien und Griechenland der Türkei ihre Ford e- rungen vorgelegt. Zu gleicher Zeit überreichten die Regierungen von Sofia, Belgrad und Athen den dortigen Gesandten Rußlands und Oesterreichs die Antwort aus die Rote, worin inj Namen der Großmächte eine Warnung vor dem Friedensbruch enthalten war mit der Zusage, daß die Reformen in der Türkei verwirklicht werden sollen; für den Fall des Kriegsausbruches erklärte jene Note von vornherein, daß nach Ablauf des Krieges keinerlei Aenderung in den Besitzoerhältttiffen der Balkanhalbinsel zugelassen werden würde.
Die Antwort der drei Balkanstaaten an die Großmächte ist höflich ablehnend. Sagt, was Ihr wollt, wir tun, was wir für gut finden. Nicht einmal die Beteuerung, daß die Balkanstaaten keinen Gebietszuwachs auf Kosten der Türkei anstreben, wird henke mehr vorgebracht. DaS ist bereits ein überwundener Standpunkt.
Tas europäische Ehrengericht hat also nichts ausgerichtet. Tie Waffen find gekreuzt, der blutige Gang kann beginnen; die Unparteiischen haben zurückzutreten und nur acht zu geben, daß fie nicht selbst was abbekommen.
Was die Balkanstauten von der Türkei verlangen, ist unerfüllbar. Diese Forderungen gehen über die Verpflichtungen des Artikels 23 des Berliner Vertrages weit htnauS und werden von der Türkei als unannehmbar zurückgewiefen werden. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Balkau- regierungen ihre Antlvort nicht nur den Mächten, sondern auch direkt der Pforte zugestellt haben. In diesem Vorgehen gibt sich der Entschluß kund, die Vermittelung der Mächte weiterhin nicht in Anspruch zu nehmen, sondern ihre Sache mit der Türkei nunmehr selber durchzufechten.
Em Ultimatum ist die Rot« der vier Bal- kanstaalen noch nicht. Doch uncd zweifellos in den allernächsten Tagen im Wege eine» Ultimatums die Beantwortung geordert werden. Der Stieg scheint nach diesem Notenvorspiel erst recht unausweichlich zu fein.
Serbien benützt bereits «in Grenzscharmützel zum Borwand einer kriegerischen Proklamation und Griechenland scheint bte Festhaltung ferner Schiffe in den Dardanellen zur Begründung ferner Kriegs- ertlörung gebrauchen zu wollen. DaS ist umso bemerkenswerter, als noch vor wenigen Tagen davon die Red« war, daß Griechenland feinen Austrllt aus dem Bterdund erklären wolle. Ti«griechische Kriegserklärung dürste also als zweite der Montenegros folgen. Bulgarien und Serbien haben offenbar noch Zeit nötig, um ihre Rüstungen zu beenden.
Ueetfifl6ert Sirbmmgnt
Deutsches Reich.
r Berlin, 14. Oft 1912. Der bayerische Kultur- Minister v. Knilling ist hier zu einer Besvr^chm^ im Reichsamt deS Innern und im ReichSfufnzamr eingetroffen. — Die Eindringung de» P"r*Nie- rnngsgesetzeS sür die Pioviuz Posen und Westpreußen wird in der „Post" angekündigt. Es wird im Landtag sofort nach seinem Zusammentrttt aM 22 Okt. zur Beratung öorgeteflt werden.
nopel geschwächt würde.
DaS Vordringen der Montenegriner.
• Konstantinopel, 13. Okt. 1912. Die Monte »egriner steckten di« mohammedanische Ortschaft Beigrania in Brand. In der Umgegend von Sku- ton wird bei Tusi Rabat und Trania heftig gekämpft.
W. London, 14. Okt. 1912. Das Reuterffche Bureau meldet aus Podgoritza: Nach einem Te.e-
rische Gesandte übergab ein Ultima tunt, in dem die sofortige Demobilisation der Türkei verlangt wird.
bilmachuug durch sie.
W Athen, 14. Okt. 1912. Die griechische Regierung beauftragte ihren Gesandten bi Konstantinopel, der Türkei eine Note zu überreichen, welche die Freigabe der beschlagnahmten griechischen Handel sschiffe und Entschädigung der Eigentümer innerhalb 24 Stunden fordert
* Wien, 14. Okt. 1912. Die hiesige Montags- retoue erhält Mitteilung über die gleichlautende Erklärung der Balkan st aaten an die Gesandten Oesterreich-Ungarns und Rußlands als Antwort auf deren gemeinsame Note. Sie besagt, die verbündeten vier christlichen Balkanstaaten fänden die Zusicherungen der Großmächte über die in Rumelien und Mazedonien von der Türkei einzufüh. renden Reformen nicht genügend, zumal sie die Säu. migkest der Pforte in diesen Dingen lange genug kännten. Die vier Balkanstaaten seien daher gezwungen, die letzte Entscheidung anzurufen. Tie Mitteilung fügt hinzu, die Kriegserklärung fei in den
Montenegriner zwei weitere Stellungen der Türken! Die Verluste der Montenegriner seit dem Beginn, des Krieges betragen 265 Tote und 800 Verwundet«
♦ Konstantinopel, 14. Okt. 1912. Die ,Agenc« Ottomane* meldet türkische Erfolge bei Berana und Gusiuj«, sowie gegen den montenegrimfchen Angriff auf Skutarn .
W. Konstantinopel, 14. Oktober 1912. Nachrichten di« in letzter Stunde von Westalbauien etugekrvffen sind, melden, daß Effad Pascha m Skukart mst neun Bataillonen angekommen ist, wodurch bte Garnison der Festung von 12000 Mann auf 20000 Mann gebracht worden ist. Ferner wnv gemeldet, daß die türkischen Truppen Zagzak« den Montenegrinern wieder abgenommen haben, auch in Berana find die Türken rottben energisch gegen di« montenegrinischen Streitkraft« vorgegangen, doch liegen darüber bisher noch kein« genauen Berichte vor. ,
* Sallmik, 14. Okt 1912. Die heftigen Kampf« an der montenegrinischen Grenze dauern fort T« Versuch« der Montenegriner, sich der nach Zp« ührenden Straß« zu bemächtigen, wurden trotz ihrer lebermacht von den türkischen Truppen zurück- gewiesen. Auch die gegen Skutari vordrmgenden Nontenegrnier wurden in der Gegend von T u) i aufgehalten und zurückgedrängt Dt« Montenegriner begehen an dem mohammedantlchen Landvolk fortwährend Grausamkeiten, wodurch die öffentlich« Meinung sehr erregt ist.
Kreta griechisch.
W. Athen, 14. Okt 1912. Di« Kammer trax heute zusammen, di« kretischen Deputierten waren ebenfalls anwesend. Dtinisterpräsident Ventzelo» erklärte formell, daß künftighin nur noch «tu« einzig« Kammer für Kreta und Griechenland bestehe. Er forderte die kretischen Abgeordneten auf, ich nach Kreta zu begeben, wo Neuwahlen gemäß der griechffchen Bersaffung vorzunehmen feien. Venizelos erklärte weiter, trotz bei Wunsches nach. Frieden werde Griechenland sich nicht nur moralisch und materiell, sondern auch durch die verduni^ten Staaten stark fühlen, siegesg.wiß allen Gefahre» die Stirn zu bieten. , ...
Was werden dazu bte sogen. Schutzmächt« Kreta? (Englanb, Frankreich, Rußlanb unb Italien) sagen? Türkei
rüstet sich still unb geräuschlos zum Entscheidung»« kampf. _ „ T _ .
Nach einer Meldung auS Konstantinopel find die türkischen Kriegsschiff« in der Richtung nach dem Schwarzen Meere abgefahren und haben bei Kavak im Bosporus Anker geworfen. Hundert- zwanzig anatolische Bataillone mit einem Effektivbestand von je 1000 Manu werden nut her anatolischen Bahn nach der europäischen Türkri transportiert werden. Zwölf Zü^ werden täglich in Konstantinopel eintreffen.
Trotz der Reklamationen der Botschafter ist noch kein Dampfer unter griechischer Flagg« wieder freigegeben worden. Die Nachricht, daß die Pforte den englischen ReNamationen entsprochen und die Dampfer wieder freigegeben habe, war falfch. Di« Botschafter der Großmächte Haden bte Pforte bestürmt, die Schiffe freizugeben, der ruffische Getreidehandel leidet schwer unter der Beschlagnahme, große englische Gelreidefirmen werden in Mitleidenschaft gezogen, der Türkei ist deutlich ge- macht worden, daß fie den Zorn der europäischen Regierungen aus stch lüde — eS hilft nichts, die Türkei bleibt halsstarrig. Auch das Ultimatum Griechenlands wird sie offenbar nicht umstimmen.
W. Konstantinopel, 14. Ott. 1912. Unter dem Vorfitz des KriegsmiuisterS ist großer KrtegSrat abgehalten worden. Ein Irak» ermächtigt den Finanzminister, sür Kriegszwecke sechs Millionen Pmnd auszugeben, di« durch die Einnahmen aus der Kriegssteuer, der Milikärdefrelungsiaxe unb anderen Hilfsmitteln gedeckt werden sollen. Die Regierung soll wegen eines VorschuffeS von 2 /» Millionen Pfund mit der Olkomandank verhandeln
Oesterreich «n» der Sandschak.
* SSien, 14. Ott. 1912. Da» Eindringen der Montenegriner ht daS Sandschak Nowidasar bei Bjelopolj« roirb nach Ansicht amtlicher Streife auf Oesterreich-Ungarn» Haltung keine Rückwirkung haben Für die Erhaltung deS Sandschaks al» türkisches Gebiet habe in erster Reche di« Türkei zu sorgen. Auch bei weiterm Vordringen der Montenegriner oder Serben wäre sür die Monarchie noch immer kein Anlaß gegeben, vorzugehen. Erst nach Abschluß bet kriegerischen Ereigniffe auf dem Balkan würde Oesterreich Ungarn dafür Sorge tragen müssen, daß ihm bet W g nach Süden nicht abgeschnitten werbe. (Zede Hoffnung auf Gebietserwerb im Sandschak ist dadurch sür Serben rote Montenegriner ausgeschlossen.)
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blick nicht übersehen Don entscheidender Bedeutung ist die „obere Preisgrrnze", und man sollte meinen, daß die Regierung sich bi« Vollmacht wahren müßte, diese Höchstgrenze jeweNg herabzusetzen wenn der Weltmarklpreis für Petroleum sinkt. Von der Erklärung der Regiermig, daß fi« bit Gelegenheit nicht benutzen wolle, um von bem Petroleum eine neue VerbrauchSabgab« einzuziehen, nimmt man natürlich gern Notiz-, aber wird der stack Anteil de» Reiches an dem Gewinn nicht tatsächlich die fiskalffche Erwerbslust wecken?
Für die Maffe der Verbraucher ist der Liter- preis entscheideud, den st« beim Krämer zu zahlen haben. Es kommt also wesentlich darauf an, wie der Vertrieb des LeuchtölS von den großen Tanks bis an die KlemhandelSstellen eingerichtet wird. Auch im sozialpolitischen Interesse ist der Schutz der Kleinhändler geboten. Di« Bemerkung in der ,Rordd. Allg. Zig/, daß di« bisherige Versorgung der Kleinhändler durch die Straßentankwagen aufrecht erhalten werden könne, soweit und solange es erforderlich erscheine, ift sehr dürftig und unbestimmt. Namentlich für da» platte Sanb und die kleineren Orte muß Vorsorge getroffen werden, damit nicht die Vertriebsformen die War« verteuern unb die Kleinhändler bedrücken.
Außer diesen Einzelheiten wird der Reichstag noch eine grundlegend« Vorfrag« zu prüfen haben: Kann Deutschland seinen Bedarf an Leuchtöl und zwar an allgemein brauchbarem Lampenöl auch ohne die Standard Oil Co. decken? Die offiziös« Kundgebung bejaht diese Frage, und wir möchten ihr gern darin beistimmen, aber ganz überzeugend und durchschlagend ist die Ausführung der ,Nordd. Allg. ytg.' in dieser Frage nicht. Sie rechnet schließlich sogar damit, daß die Standard Oil Co. sich das Geschäft mit Deutschland nicht entgehen lasfen werde. Wenn nun aber die amerikanischen Spekulanten in dem Augenblick, wo wir sie nicht notwendig brauchen, unS Wucherpreffe stellen?
Wir müssen uns so einrichten, daß wir auch ohne die Standard Oil Co. fertig werden können.
der Tür stehe.
W Belgrad, 14. Ott. 1912. Man verhelt sich hier nicht, daß die gestellten Forderungen für die Türkei nahezu u n e r f ü l l b a r sind und ist auf die Ablehnung der Note gefaßt.
W Konstantinopel, 14. Ott. 1912. Die Pforte überwies durch die ottomanische Bank ihren Ge- andten in Sofia, Belgrad und Athen die zur Abreise notwendigen Gelder.
Der Einmarsch der Türken in Serbien.
Ristowatz, wo die Türken die serbische Grenze überschritten haben, ist ein Ort von hervorragend strategischre Bedeutung, liegt er doch an der Hauptverkehrsader, die Serbien von Süden nach Norden durchzieht, an der alten wichtigen Handelsstraße, die den Balkan von Salvnik' bis Belgrad resp. Sernlin durchzieht. Hier zieht sich auch die Haupteisenbahn- littie nach der Donau hinauf. Der Punkt für einen türkischen Vorstoß in das Herz der serbischen Monarchie wäre also richtig gewählt.
W Berlin, 14. Ott. 1912. Auf der hiesigen ser- bischen Gesandtschaft ist die amtliche Bestätt- g u ng eingetroffen, daß die Türken bereits die serbische Grenze überschritten haben.
W Paris, 14. Ott. 1912. Nach hier eingegangenen Nachrichten sollen die tü r k i f dye n Truppen in dem Gefecht an der serbischen Grenze bei Ristowatz Vorteile errungen haben. — Ristowatz ist der größte serbische Ort an der Grenze, wo Muni- tton für die serbische Armee angehänft liegt.
W Belgrad, 14. Ott. 1912. Die serbische Regierung veröffentlicht eine Proklamation, in der sie angibt, daß Serbien von der Türkei angegriffen worden fei, indem türkisches Militär Ristowatz und Gorni Brsto Vrsch überfiel. Dies fe; der beste Beweis dafür, daß die Türkei an die Ausführung von Reformen gar nicht denkt, Serbien werde den Kamps aufnehmen.
** Belgrad, 14. Ott. 1912. An die Drinadivision in Stärke von 12000 Mann erging ein Befehl, sofort nach der Kriegserklärung an die Grenze des Sandschak zu gehen und fie zu überschreiten. Der Kommandant, General Ziskovitsch, soll versuchen, über Norvaros vorzudringen unb sich mit der m o n- tenegrinischen Brigade des Generals Wn- kotisch zu vereinigen und der türkischen Brigade die Rückzugslinie abznfckneiden.
** Belgrad, 14. Ott. 1912. Offiziellen Meldungen zufolge haben die türkischen Truppen die serbisch-türkische Grenze in einer Ausdehnung von vier Kilometern besetzt. DaS Feuergefecht soll den ganzen Tag über gewährt haben. Auf jer- bifcher Seite s^ien zwei Tote unF vier Verwundete zu v bezeichnen. <Ein so geringer Verlust in einem Feuergefecht, das den ganzen Tag über gewährt hat, klingt recht merkwürdig.^
* London, 14. Ott. 1912. Man hält eS hier für möglich, daß der türktsche Borstotz aus Risto- watz, falls er von einem starken türkischen Korps ansgeführt fein sollte, die Pläne der bulgarifchen .tkriegsleitung und deren Konzentration bei Tirnovo ftören könnte. Es wäre denkbar, daß Serbien einer stärkeren türkischen Macht nicht gewachsen und Bulgarien zur Deckung Sofias seine Kräfte teilen müßte, wodurch die Bewegung gegen Adria-
enthaltenen Reformen binnen sechs Maaten dnrch- zusuhren. Außerdem soll die Pforte als Beweis ihrer Zustimmung den Mobilmachungsbefehl rückgängig machen.
** Belgrad, 14. Ott. 1912. Das Ultimatum, das durch den serbischen Gesandten Nenado- witsch in Konstantinopel gestern überreicht wurde, enthält folgende Bedingungen: Anerkennung der vollständigen Auwnomie Altserbiens durch die Tür- lei. Serbische Truppen verbleiben in den Grenz- Plätzen bis zur Durchführung der Auwnomie. Der Gouverneur Alfferbiens muß ein Serbe sein; Vergütung der durch die Mobilmachung enfftandenen Unkosten durch die Türkei und Einstellung der Mo-
Das Petroleum-Monopol
Auch ein Krieg, aber ein unblutiger, den Vas deutsch« Reich gegen bi« Staudarb Oil Co. unb beten Tochtergesellschaften unternimmt, um bie Herrschaft über den deutschen Petroleummartt diesem Trust zu entwinden. Ein wirtschaftlicher Krieg, für den auch gewisse Klughritsregeln der militärischen Kriegskunst gelten.
Die Vorbereitung der Angelegenheit hat bie Regierung ,auS geschäftlichen Gründen* möglichst geheim gehalten; nachdem setzt der Plan bekannt gegeben ist, soll unverzüglich bie Entscheidung über die Durchführung getroffen werden, also bem nächsten Reichstag der Gesetzentwurf zugehen, und zwar, wenn es eben möglich ist, bereits bei feinem Zusammentritt. Die ,Rordd. Allg. Zlg.' entwickelt den Plan wie folgt:
Eine von Beamten geleitete unb aus Reichsmitteln finanzierte Anstalt zu errichten, kann nicht in Frage fonimf'.i, da ein solches Staatsmonopol eine erhebliche yenneijiung der Beamten notwendig machen und zu- zle ch die freie Betätigung von Handel und Kapital iusichatten würde. Auch eignet sich das Petroteumge- iCbäjt feiner spekulativen Natur wegen nicht für die Ausführung durch Beamte. Deshalb soll nicht eine Reichsanstatt, sondern eine Aktiengesellschaft mit der ausschließlichen Befugnis zum Großhandel mit Leuchtöl errichtet werden, deren Kapital teils durch große Finanzgesellschasten, teils barch deren Vermitt- tung auf dem Kapitalmarkt ausgebracht wird. Der Kleinhandel mit Leuchtöl sowie der Verkehr mit übrigen , Mineralölen werden von der geplanten Regelung nicht berührt.
Die Gesellschaft wird etwa von Viertel- zu Biertel- iahr einheitliche Preise festsetzen, zu denen von den Lankanlagen das Leuchtöl entnommen werden kann. Soweit und solange es erforderlich erscheint, kann die bisherige Versorgung der Kleinhändler durch die Straßentankwagen aufrecht erhallen bleiben. Die Gesellschaft ist in ihrem Gewinne begrenzt. Sie darf mehr als die handelsübliche Verzinsung nur dann verdienen, wenn es ihr gelingt, die Preise unter einer bestimmten mäßigen Grenze zu halten. An dem so befchränkten Gewinn ift auch das Reich beteiligt, da e» nicht gerechtfertigt wäre, den Gewinn, der der teilweise vom Reiche übertragenen ausschließlichen Handelsberechtigung der Ge'ellschast u verdanken ist, dem privaten Kapital allein zu überlassen. Es ist eine Bestimmung dahin beabsichtigt, daß die Vertriebsgesellschaft vier Ftinslel ihres Gesamtgewinnes an das Reich absührt, dagegen soll das Reich nichts erhalten, wenn der Preis die Grenze überschreitet. Denn es soll durch das Gesetz unter leinen Umständen eine neue Verbrauchsabgabe geschaffen werden. Die dem Reiche zufiießenven Erträge sollen dazu bienen, die Erfüllung sozialpolitischer Ausgaben, die bisher hauptsächlich aus finanziellen Erwägungen hintangestellt werden mußten, zu ermöglichen.
Der Zweck der Vorlage ist in erster Linie ein nationaler und volkswirtschaftlicher: Es soll die Gefahr eines Monopols der etanbarb Oil Company auf dem deutschen Markte abgewendet werden, die dadurch nahegerückt ist, daß die genannte Gesellschaft ihre Herrschaft über immer weitere Zweige des Handels ausdehnte und sobald sie bte letzten Wettbewerber überwunden ober sich mit ihnen verstänbigt hätte, nicht zu hindern wäre, dem Verbraucher höhere Preiie aufzuerlegen. Die Verhandlungen mit den Produzenten in Amerika, Rußland, Rumänien und Galizien haben ergeben, daß es nicht unerreichbar erscheint, durch geeignete Verträge sich die für Deutschland erforbertichen Oelmengen zum größten Teil ohne Inanspruchnahme der Standard Oil Co. zu sichern. Es können dazu auch unabhängige amerikanische Pro- dukttonsgeseUichaften herangezogen werben. Sofern die Standarb Oil Company auf ihre bisherige herrschende Stellung verzichtet, soll auch sie weiter an der Versorgung Deutschlands mit Leuchtöl beteiligt werben. Das Gesetz richtet sich also nicht gegen amerikanisches Petroleum als solches, sondern nur gegen eine etwaige Monopolstellung einer ausländischen Gesellschaft. Mit der Vorlage wird einer mit großer Mehrheit angenommenen Resolution bei Reichstages vom März 1911 Rechnung getragen.
Der Plan der Regierung will also nur den Großhandel in Petroleum monop oltsieren. Der Kleinhandel soll unberührt bleiben. Die Beschränkung auf ben Großhandel erleichtert bie Durchführung des Monopols in hohem Grade. Die Enteignung braucht nur wenige Großhandelsgeschäfte in Leuchtöl zu treffen. , .
Das Großhaudelsmonopol soll nicht durch eine eigene, von Beamten geleitete Reichsanftalt verwirklicht, sondern einer Aktiengesellschaft unter Reichsaussicht übertragen werden. Aus diese Weise will die Regierung die erhebliche Vermchrung der Beamtenfchaft vermeiden und zugleich die freie Betätigung von Handel und Kapital nach Möglich- teit aufrecht er halten. Sie hebt hervor, daß daS Petroteumgeschäst seiner spekulativen Natur wegen sich nicht für die Ausführung durch Beamte eigne. Das läßt sich hören; aber wenn das Reich sein Großhandelsmonopol einer privaten Erwerbsgesell- tchaft übet trägt, so muß auf das sorgfältigste Vorsorge getroffen werden, daß wir nicht aus der oureaukratischen Steifheit in die kaufmännische Profilmacherei geraten. Der Reichstag wird gründlich und umsichtig zu prüfen haben, ob die von der Regierung geplante Aufstcht über ben Geschäfts- betrieb genügt . .
Aus der einen Seite kommt bte Preisregulierung in Betracht Der Preistarif macht es eben nicht allein. Die Kleinhändler müffen unbedingt geschützt werden, und die sind in hohem Maß« abhängig von den technischen und wirtschaftlichen Lieferungsbedingungen.
Zur Preisbildung sieht die Regierung vor, daß die Gesellschaft erst dann über die landesübliche Verzinsung ihres Aktienkapitals einen Gewinn erzielen kann, wenn ihre Verkau'spreise unter einer bestimmten oberen Pretsgrrnze bleiben. Von Vierteljahr zu Vierteljahr soll der einheitliche Preis für die Entnahme des Leuchlöis an den Tankanlagen sestgestellt werden. Wird bei einem Preise, bet unter der Höchstgrenze bleibt, ein größerer Gewinn erzielt, als zur Verzinsung des Kapitals uo ig ist, so erhält das Reich ein Fünftel dieses Gewinnes. Ob diese Maßnahmen genügen, um die Gesellschaft zur Selbst- drschränkung auf den niedrigsten Aufschlag zu ihren 'Einkaufspreise» ru veranlassen, läßt sich im Augen-
W Sofia, 14. Ott. 1912. Die 9bte, die der türkischen Gesandtschaft übermittelt wurde, zahlt durch- grnfende Reformen auf, die allein das elende Los der christlichen Bevölkerung wirklich bester, gestatten könnten, nämlich: Auwnomie der Verwaltung der Provinzen, belgische oder fchweizerische Generalgouverneure, auS Wahlen hervorgegangene Provinziallandtag^ Sanbgenbatmerie und Milizen, freien Unterricht. Die Ausführung dieser Reformen soll einem Hähern Rat anvertraut werden, der sich aus Christen und Moflirn in gleicher Zahl zusammensetzt und unter der Aufsicht der Botschafter der Großmächte und der Gefandten der vier Balkan- floaten in Konstantinopel steht Die Pforte wird aufgefordert, zu erllären, daß sie diese Forderungen annimmt, indem sie sich verpflichtet, die in der 9wte - . ~ ■ .
und m der beigerugten erklärenden Ergänzungsnote ! litten betrachlftche Verluste. Gestern besetzten die