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39. Jahrgang
Fulda, Montag den 14. Oktober 1912.
Erstes Blatt,
tinimt es^urück. s-^ Daher Täglichen Rundschau
* Podgoritza, 13. Okt. 1912. Die Nordarmee
unter General Wnkotitfch besetzte gestern Bjelopolje. Es wurde sofort eine p
die Stadt
236.
provisorische montenegrinische Verwaltung eingesetzt.
W Podgoritza. 13. Okt. 1912. Die Kämpfe bei der Einnahme von Bjelopolje dauerten bis 4 Uhr nachniittags Als die Truppen in die Stadt einzogen, begrüßten die Einwohner die Montenegriner mit Jubel als Befreier vom 500jährigen türkisch:« Joche. In der Kirche wurde sofort ein Dankgottesdienst zelebriert.
Vorschlag der Großmächte, mit ihr sofort in eine Erörterung wegen Verwirklichung der Reformen einzutreten, wird die Pforte erklären, daß sie eine solche Entscheidung nur mit Zustimmung des Paria- mentes treffen könne. Dieses sei eben aufgelost. Neuwahlen noch nicht ausgeschrieben. Vor ^anuar könne es also nicht zusammentreten. Die Antwort der Pforte bedeutet eine klare Ablehnung. Der Krieg ist daher unvermeidlich.
W Sofia, 13. Okt. 1912. (Tel.) Die bulgarisch e Regierung erteilt heute abend die A n t- w o r t auf das österreichisch-russische Vorgehen. Sie ist ablehnend. Gleichzeitig wird vom Ministerprasi- denten Geschow dem türkischen Geschäftsträger eine Denkschrift überreicht werden, in der die bekannten Forderungen betreffs Reformen in Mazedonien auf- gestellt werden und von der.Türkei die sofortige Demobilisierung ihrer Armee verlangt wird.
W Belgrad, 13. Okt. 1912 Die serbische Regierung hat heute abend dem österreichischungarischen Gesandten Ugron die Antwort auf den Schritt Oesterreich-Ungarns und Rußlands, sowie sine Abschrift der serbischen Note überreicht, durch die der Türkei die Wünsche der serbischen Regierung bekannt gegeben werden. Diese Wünsche, welche nicht in der Form eines Ultimatums gehalten sind, überschreiten allerdings den Rahmen der in Artikel 23 des Berliner Vertrages vorgesehenen Reformen.
* Semlin, 12. Okt. 1912. Von Belgrad zurückgekehrt, kann ich, so schreibt ein Berichterstatter, über die Situation melden, daß diese heute dort allgemein ä u ß e r st p e s s i m i st i s ch beurteilt wird. Auch in serbischen Regierungskreisen, wo man nach dem Schritt der Großmächte noch bis gestern eine leise Hoffnung auf friedliche Beilegung der Balkankrisis hegte, wird heute offen zugegeben, daß nunmehr eine Vermeidung des allgemeinen Balkänkrie- ges ganz unmöglich ist. Für Dienstag wird hier der erste große Zusammen st oß zwischen der serbisch-bulgarischen und der türkischen Armee bei dem Maritzafluß in Ostrumelien erwartet.
* Sofia, 13. Okt. 1912. Serbische Truppen fuhren durch Sofia mit unbekannter Bestimmung. Sie wurden von der Bevölkerung stürmisch akkla- miert.
W Konstantinopel, 13. Okt. 19.12. 120 anato- ltsche Bataillone mit einem Effektivbestand von je 1000 Mann werden mit der anatolischen Bahn nach der europäischen Türkei transportiert. Zwölf Züge werden täglich hier eintreffen.
W Paris, 13. Okt. 1912. Der „Figaro" will wissen, der König von Italien habe in einem Schreiben an den König Nikita kurz vor der montenegrinischen Kriegserklärung seine Befürchtungen ausgesprochen und Vorsicht angeraten. Der König von Montenegro habe darauf erwidert: Du hast 100 000 Mann nach Afrika geschickt, um Lybien zu erobern, das Dir nicht gehörte, und Du willst mich verhindern, zu beanspruchen, was die Türkei mir seit 34 Jahren auf Grund des Berliner Vertrages schuldet?
Die Montenegriner aus dem Vormarsch. :
Die Montenegriner haben auf den beiden Kampf- plätzm südlich und nördlich vom Skutari-See Erfolge iiber die Türken davongetragen haben. Dennoch besteht kein Anlaß zu einer Revision des Urteils, daß der montenegrinisch-türkische Konflikt, nicht im mindesten geeignet ist, der Türkei eine nennenswerte Schädigung zuznfügrn. Für den Ausgang der Kricgsoperationen auf dem Balkan ist es ziemlich nebensächlich, ob es den Helden der „Schwarzen Berge" gelingt, dres oder jenes befestigte Blockhaus den Türken zu entreißen oder nicht. Nicht so nebensächlich aber ist das für die Feldzüge in den anderen Balkangegenden. Denn das Signal, das der König von Montenegro mit seiner ^Kriegserklärung gab, gewinnt durch' die Erfolge auf dem Schlachtfelde em verstärktes Echo. Eine scharfe Abwehr des montenegrinischen Angriffs wäre vielleicht noch ein Mittel gewesen, die anderen Balkanstaaten zum Nachdenken zu veranlassen: die Leichtigkeit des Niederringens der türkischen Streitkräfte an der montenegrinisch en Grenze bewirkt das Gegenteil.
lieber die Kämpfe liegen folgende Meldungen vor:
Deutsches Reich.
• Berlin, 13. Okt. 1912. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute morgen auf Jagdschloß Hubertus stock eingetroffen und haben für einige Tage daselbst Wohnung genommen. Der Reichskanzler wird h^er heute erwartet.
* Der Bundesrat und die Zksnitenfrage. Nach Blattermeldungen wird sich der Justizausschuß des Bundesrates Anfang November mit der Jesuitenfrage beschäftigen.
* Ministertonserenz über die Besihsteuer. Di« ersten, noch unverbindlichen Besprechungen der Finanzminister der Einzelstaaten über die Besitzsteuervorlage, die im April 1913 an den Reichstag gehen soll, werden, Berliner Blättermeldungen zufolge, Mitte nächsten Monats stattfinden. Eine Denkschrift, die alle Besitzsteuermöglichkeiten erörtert, ist im Reichsschatzamt fertig gestellt worden und soll die Grundlage für jene Novemberkonferenz bilden.
* Znm Inkrafttreten des AngestelltenversuherungS- gesetzes wird der ,Post' geschrieben:
Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag eme Vorlage beraten, welche fick mit dem Zeitpunkt beschädigt, mit dem das Versicheiung-gesetz für Angestellte rnkrasl treten soll. Da in den letzten Monaten alle Vorbereitungen für den Beginn der An- gestelltenverstcherung soweit gefördert sind, daß dem Inkrafttreten des Gesetze? am 1. Januar 1913 nichts mehr entgegensteht, so dürste eine kaiserliche Verordnung diesen Tag seftsetzen.
Tie MaudalSmederlegung des fortschrittliche» Reichstag-Präsidenten. Während die freisinnige Preffe noch vor einigen Tagen ableugnete, daß Präsident Kaemvf an die Niederlegung feines Mandates denke, hat jetzt die .Freisinnige Ztg." lakonisch ge- meldet: .Reichslagspräsident Dr. Kaempf Kat sich entschloffen, fern Mandat für den 1. Berliner Reichstagswahlkreis niederzulecun.* — Herr Kaempf kommt dadurch lediglich der Ungültigkeitserklärung zuvor. Bei der Hauptwahl hatte Kaempf 4657 Stimmen erhalten gegenüber 4408 sozialdemokra- tischen, 1395 demokratischen, 482 konservativen, 169 Zentrums- und 37 polnischen Stimmen. In der Stichwahl siegte er dann mit 5588 gegen 5579 sozialdemokratische Stimmen. Seine Majorilät be« trug also nur 9 Stimmen. Die Wahl wurde von den Sozialdemokraten angefochten. Die Wahl- Prüfungskommission hatte Beweiserhebung beschlossen. Inzwischen wird die'e Beweiserhebung stattgesunden und sich herausgestellt haben, daß die Zählung nicht stimmt und daß das Mandat kassiert werden muß — Die Fortschrittler haben bis auf weiteres nicht nut eme Stimme verloren, was bei den zweifelhaften Mehrheitsverhältnissen im Reichstage schon von Bedeutung ist, sie stehen auch in Gesahr. dae einzige Mandat zu verlieren, daß sie bisher noch in der ehemaligen fortschrittlichen Hochburg Berlin besaßen. Die Herren Sozialdemokraten müßten denn Mitleid haben mit den Blockgenossen und den Wahlkampf „dämpfen." Die Aussichten auf Dämpfung sind aber gering, denn auf dem Chemnitzer Partei- tage erfolgten gerade aus den Reihen der Berliner Genossen wegen der bei den Stichwahlen geübten Dämpfung -auf den sozialdemokratischen Partewor- stand heftige Angriffe. Genosse S-t eidemann hat ja auch dem^ortschrittlichen Bundesgenossen mit dürren
Worten bedeutet, daß er in den Großstädten nichts mehr zu suchen habe; er solle sich in den konservativen Wahl, gründer als Vorfrucht der Sozialdemokratie betätige«. Am bedeutsamsten aber ist, daß die Präsidenten. frage wieder im Reichstage aufgerollt wird. Die radikal.sortschrittl'che .Berliner Morgenpost' ist bereits aus der Suche nach einem neuen sorlschrltt- liehen Reichstagspräsident, da es ausgeschlossen sei, daß die Nachwahl vor dem Zusammentritt bei Reichstags erledigt werde. Sie präsentiert für be# Posten Herrn von Payer, ben geadelten und kürzlich mit dem Geheimratstitel geschmückten schwäbischen Demokratenführer, der bisher dal Präsidium der württembergischen Kammer führte. Doch sie denkt auch an eine Beförderung bei Nationalliberalen Paasche auf den ersten Präsidentenstuhl, und stellt schließlich sogar die Fragen ob nun nicht doch Herr Spahn den Sessel ge*1 winnen werde. Es ist anzuerkennen, daß die Fortschrittler, die soeben noch in Mannheim die liberale Fahne über dem Reichstage flattern ließen, doch etwas bescheidener geworden sind. Jedoch könne» sie versichert fein, daß das Zentrum nicht nach der Ehre geizt, Herrn Kaempf abzulösen.
zuznlassen, bildet dafür eine Gewähr.
Wer möchte sich nicht gern dieser Hoffnung an- schließen? Aber wenn nun die begehrlichen Balkan- ftaaten im Laufe des Krieges etwas erobert haben, wo ist dann der europäische Gerichtsvollzieher, der ihnen den Raub wieder abnimmt?
Tie Lage ist also wirklich beunruhigend.
Jndeffen ist sie für uns Deutsche doch nicht so beängstigend, daß die Panik an der Berliner Börte sachlich gerechtfertigt wäre. Eher kann man die Verwirrung an der Pariser Börse begreifen; denn öte Franzosen sind mit Dutzenden von Milliarden un nahen Orient und in Rußland beteiligt, so daß man mit Recht sagt, die Friedensbestrebuogen des wtimfters Pomcarö entsprächen einfach der naturgemäßen »Bankierpolitik^ Frankreichs. Aber das deutsche Kapital ist längst nickt in so hohem Acane inrcb die orientalischen Wirren gefährdet, und auch in politischer Hinsicht steht Deutschland r h ttn ersten Gesahrenreihe. Zudem erstreckt .sich auch auf Werte, die von einen
Snegean^md) gar nichts oder doch nichts wesent- .l'ches zu befürchten haben. Die deutsche Börsen- T.'n E^,rt "on der ungesunden Spekulation ticke» ÄapttQhflen haben sich zu beträcht-
lenen lasten'mit geringen Vorschüssen ver- bleibt fnmmt 5 -a br'orderliche Nachschuß aus- an'nfTe» m>ihO Zwangsverkäusen, und die oer« !efeu a7.b,rw't^e- ^s liberaleBörsen- 6 n'Flockzen muß revidiert werden.
Zeitc't' die aud> in dielen ernsten
sind nickt Hnl 9 . /Uh'ge Uederlegung. Wir sondern auch w rrt^cka Mick? ^widerstandsfähig, nur nicht verblüffen taffen! ' rocnn rotT un5
2er Krieg unvermeidlich.
* Konstantinopel, 12 Okt. 1912. Die Ant- Wort der Pforte erfolgt erst morgen. Auf den
)( Zu der Frage der Erhöhung bet Gebühre« der Rechtsanwälte wird im Lauf« diese» Monat» bei der zuständigen Reichsbehörde eine Konferenz stattfinden, zu der Mitglieder de» Deutschen Anwaltsvereins geladen werden. Falls die vom Anwaltsverein vorgebrachten Vorschläge als geeignet zur Förderung der Frage angesehen werden, will die Reichsbehörde auf Grund des dann neu beizubringenden Material» die Gebührenordnung nochmal» einer Prüfung\ unterziehen.
+ Abnahme der Zahl der Referendare in Preuße». Während am 1. August 1911 in Preußen 7612 Referendare gezählt wurden, ist diese Zahl am 1. August 1912 auf 7413 gesunken. Am stärksten war die Abnahme in den Oberlandesgerichtsbezirken Hamm, Breslau und Frankfurt a. M., sowie im Kammergerichtsbezirke.
*** Ein Neich-petrolenmmonopol kommt. Wir haben nach dem .Deutschen Telegraphen' kürzlich gemeldet, daß die vom Reichstage beantragten Erhebungen übet eine etwaige Monopolisierung des deutschen Petroleumhandels durch den Standard Oil Trust die Reichsregierung zu dem Entschluffe geführt hätten, dem Plane eines Reichspetroleum-Handelsmonopols näher zu treten und eine Vorlage darüber aus- arbeiten zu lassen. Die Verkündigung des .Deutschen Telegraphen' ist zutreffend; die Vorlage ist so gut wie fertiggestellt und soll im Herbste dem Reichstage zugehen. Die Sozialdemokratie hat versprochen, für das Monopol zu stimmen, obwohl mit dem Monopol gleichzeitig der Petroleumpreis ganz gewaltig in die Höhe getrieben werden soll. Man sprickt von einer Preissteigerung von 6—8 Pfennig pro Liier. Es sollen ungefähr 25 Millionen Mark mehr aus dem Petroleum herausgeholt werden, davon 16 Millionen Mark mehr für das Reich.
# Karlsruhe, 12. Okt. 1912. Tie Budgetkom« mifsion der Zweiten Kammer hat heute die Gesetzes-, Vorlage wegen Errichtung deS M urg kra > t w e r kS durch den badischen Staat einstimmig genehmigt. Voraussichtlich wird auch das Plenum der Zweiten Kammer, die am 22. Oktober gufamnientrilt, zustimmen. Da auch bei bet Ersten Kammer zwetfel- tog_eine ^chrheit^sür Len Plan-vorhanden.
M 6er KrieMUriW
« Miber die verflossene Woche stellte Europa auf eine Geduldsprobe, und die wurde am schlechtesten von den Börsen bestanden.
' Arn Dienstag wurde das mühsam stilisierte Mahnwort der Großmächte den vier bösen Buben zugestellt. Ter eine hatte ausgerechnet l'/r Stunden vor Empfang losgeschlagen und ließ sich in seinem Kriegssport nicht im mindesten stören. Tie anderen drei aber halten es mit ihrer Antwort gar nicht eilig. Sie müßten erst mit einander die Antwort beraten, sagten sie, und der Telegraph zwischen Sofia, Belgrad und Athen soll gerade in diesen Tagen technischen Störungen unterlegen haben. Die kriegslustigen Staaten brauchten eben noch Zeit zur Vollendung ihrer Mobilmachung; in Bulgarien, Serbien und Griechenland geht es mit der Ergänzung und dem Aufmarsch der Heerkörpcr nicht so schnell, als in dem kleinen Montenegro, dessen Bevölkerung eigentlich immer in Waffenbereitschaft steht. Darum ließen die schwerfälligen Größen den fixen Knirps eine „vollendete Tatsache" schaffen, hielten aber ihrerseits mit dem entscheidenden Wort zurück, um die nötige Zeit zur Volleudung ihrer Mobilmachung zu finden. Das Konzert der Großmächte aber wartet geduldig auf Antwort.
Auch in Konstantinopel hatte man es gar nicht eilig. Dort tarnen die Großmächte erst zwei Lage später, am Donnerstag, mit ihrem Resorm- rat'chlag zum Vorschein. Tie Türkei brauchte offen- bar auch noch Zeit zur Kriegsrüftung. Umsomehr, als der Seeweg für den Truppentransport nach Westen ihr noch immer verschlossen ist wegen des Krieges mit dem flottenftarten Italien. Alle Welt erwartete, daß die Türkei in höchster Eile den vorbereiteten Friedensvertrag von Ouchy zum Abschluß brächte und sich so die Bewegungsfreiheit für ihre Flotte sicherte. Aber da kam die überraschende Nachricht, daß die Verhandlungen mit Italien ins Stocken geraten seien. Und die Italiener behaupten, nicht ihrerseits, sondern von den Türken seien neue, Unerfüllbare Forderungen erhoben worden. Illach bett neuesten Depeschen scheint es in der Tat, daß die Türken nachträglich höhere G e l d e n t s ch ä d i - ßungett verlangt haben. Eine ganz rätselhasie Politik I In diesem Augenblick, wo cs sich um bas Sein ober Nichtsein der europäischen Türkei handelt, tann doch eine Handvoll Millionen keine Rolle spielen. Oder ist das Selbstbewußtsein der Türken so übermäßig entwickelt, daß sie sich einbilden, zugleich mit fünf Gegnern fertig werden zu können?
Ob die Montenegriner inzwischen ein paar türkische Blockhäuser mehr oder weniger eingenommen haben, ist sehr nebensächlich. Wenn es zum allgemeinen Waffengange kommt, so fällt die militärische Entscheidung an der bulgarisch-türkischen Grenze. Und daß es zu dem allgemeinen Balkan« kriege kommen wird, betrachtet die großmächtliche Diplomatie bereits als ausgemacht, trotz der Verzögerung der Antworten. So schreibt unsere ,Nordd. Allg. Zlg.' in ihrem Wochenbericht:
Dem vereinigten Programm der Mächte entsprechend, sind bei den Balkanstaaten und in Konstantinopel die Schritte unternommen worden, die die einmütige Stellung der Großmächte zu bet Kriegsgefahr zum Ausdruck gebracht haben. Emen Erfolg zur Verhinderung des Kriegsausbruches wird man sich nicht mehr versprechen tön nen. Die amtliche Antwort steht zwar noch aus, doch läßt das Vorgehen Montenegros erkennen, in welcher Richtung sich "die anderen Teilnehmer des Balkan-Bierdundes entscheiden werden. Die Feststellung ist von Wert, daß bei dem Vorschlag Herrn PoincarLs und der darauf beruhenden Aktion der Mächte, bet Ausbruch des Krieges von Anfang an in Rechnung gezogen worden ist. Das Ziel der Mächte ist daher von vornherein über die problematische Verhütung des Balkankrieges hinausgegangen. Es tarn vor allen Dingen darauf an, Vorsorge zu treffen, daß die Großmächte nicht in die Verwicklung bineingezogen würden. Ihr
W Podgoritza, 13. Okt. 1912. Die Nordarmee ist nach der Einnahme von Mojkowatz gegen Berana vorgerückt. Im hiesigen Spital liegen 310 Verwundet:, darunter 18 Türken.
W Konstantinopel, 13. Okt. 1912. Nach einer amtlichen Meldung greifen dre Montenegriner Si e- n i tz a im Sandschak Novibazar an.
W Salonik, 13. Okt. 1912. Nach den hier vorliegenden Meldungen gestalteten sich die Kämpfe um Berana überaus h:ftig. Die Montenegriner erzielten trotz wiederholter Angriffe angesichts der Todesverachtung, mit der die Türken und die albanesi- schcn Freiwilligen kämpften, k e i n e E r f o l g e und mußten unter schweren Verlusten wieder zurückgehen.
* Belgrad, 13. Okt. 1912. Die Skupschtina nahm Henle in zweiter tieiung die Gesetzesvorlage über einen außerordentlichen HeereSkredil, sowie über ein dreimonatiges Moratorium an, das auch auf die Mietsverträge der Wehrpflichtigen ausgedehnt wurde. Hierauf wurde die Session g efcklossen
* Konstantinopel, 12. Okt. 1912. Nach Ansicht der zuständigen Kreise vollzieht sich die türkische Mobilmachung in Ordnung und schneller, als man erwartet halte. Das Groß der aus Anatolien kommenden Truppen ist über Robosto unb teils über St. Stefano transportiert worben. Man glaubt, baß binnen einer Woche die Türken an der Grenze bei Abrianovel über 160000 Mann ver-
♦ Die Civilta Cattolica wird, wie aus Rom berichtet wird, in den nächsten Tagen eine Erklärung über den bekannten Artikel veröffentlichen, der sich mit dem Deutschen Kaiser beschäftigte. Die Leitung der Zeitschrift erklärt formell, sie habe in allen Heften stets darauf hingewiesen, daß sie bei de« Veröffentlichungen ihrer auswärtigen Mitarbeiter auf die Glaubwürdigkeit ihrer Informationen volle» Vertrauen setze und somit ihren Korrespondenten die Verantwortlichkeit sowohl für ihre Nachrichten, als auch für die von ihnen übermittelten Meinungsäußerungen überlasse. Dre Opportunität des stetgemachten Hinweises habe sich in diesem so unange», nehmen Zwischenfall bewährt, zu welchem die verof- fenlichte Korrespondenz Anlaß bot. Unser Berichterstatter, so heißt es dann weiter, der weder Italic-, ner, noch Ordensmann, noch Geistlicher, sonder« Laie ist, stützt sich teilweise auf Zitate der deutsche« Presse und gab darin betreffs der Wort: und der Haltung einer hochstehenden Persönlichkeit ein Urteil j und eine Kritik ab, welche die Leitung unserer Zeit-^ schrift nicht zu der ihrigen macht, die sie im Gegen- teil mißbMigt. Solche Meinungen konnten nur infolge eines "Versehens in unserer Zeitschrift erschei- nen, eines jener unangenehmen Versehen, welche leicht in der Ferienzeit sich ereignen, wenn Direktor und Redakteur: verschiedentlich beurlaubt sind. Die Leitung der Zeitschrift übernimmt nicht, nur keinerlei Verantwortung für das Urteil, sondern, bedauert es im höchsten-Grade und nimmt mit kann btefer Fall, der in b“ , in perfidester Weise aufgebauscht und entstellt wor-, den ist. als erledigt gelten. Mst „jesuitischen Bev-j leumdungen" hat er jedenfalls nichts zu tu«.
△ Schäme dich, du Volk der Denker! Der roeit bekannte vorzügliche Kanzelredner Sefuitenpatet. Aschenbrenner hat am vergangenen SamStag München verlaffen. Anno 1871 war eS: da ritt Aschenbrenner, da? eiserne Kreuz 1. Klaffe an der Brust, mit den Garde-Regimentern bei fliegenden Fahnen und klingendem Spiel in Berlin ein. Oh«! Sang unb Klang ging er am Samstag aus der Hauptstadt seines bayerischen Vaterlandes, verstoßest und verfehmt — trotz deS eisernen Kreuze» 1. Klaffe) Der allzeit Tätige kann und will nicht untätig fein.: Unb zur Untätigkeit hat man ihn verdammt, seit die- mildere Auslegung deS Jesuitengesetzes in Bayern' unmöglich gemacht worden ist. Die Herren Frek benfer, die Logenbrüder und sog. Liberalen, schreibt das »Münchener Tageblatt', haben erreicht, wa» fiwollen. Dem scheidenden Jesuitenpater aber sendet das katholische München den herzinnigsten Dank ht die Ferne nach und versprechen ihm in einem heißen Gelöbnis, nicht zn rasten, bis wir ihn, deS Vaterlandes treuen Sohn, in Ehren wieder bei un» sehen.^
fügen werden. Die Regierung erklärt die Nachricht, daß angeordnet worden fei, den Landsturm und Christen bis zum 45. Lebensjahre zu mobilifieren, für falsch.
Tie Verhandlungen mit Griechenland.
* Konstantinopel, 12. Okt. 1912. Die Verhand- lugen mit Griechenland scheinen kurz vor dem Ziel gescheitert zu fein. Sie wurden von Kiamil Pascha unter strengstem Geheimnis direkt geführt. Sie zielten auf eine Abtretung Kretas an Griechenland ab. Ferner sicherten sie Griechenland den Bahnanschluß an sein thessalisches Netz zu. Griechenland dagegen hätte einwilligen müssen, daß die auf dem Berliner Kongreß festgesetzte Grenzregulierung in Epirus, welche Griechenland bisher vorzunehmen ablehnte, nunmehr vollzogen werde.
Eine Proklamation des Sultans.
Ter Sultan der Türkei hat an die Armee eine Proklamation erlassen, die besagt:
Die Welt kennt die Friedensliebe der Türkei. Die Ottomanen achten die Rechte aller Nationen und wünschen, daß alle Nationen auch ihre. Rechte achten. Die Ottomanen hegen gegen keine Regierung Hintergedanken unb haben das Recht, zu verlangen, daß auch die anderen Regierungen nicht unaufrichtig sind. Wir führen Reformen, deren unser Land bedarf, nach Möglichkeit und allmählich ein. Dennoch wollen unsere kleinen Nachbarn, die es auf unser Gebiet ab- gesehen haben und sehen, daß unser Fortschritt verwirklicht ist, unsere Reformen und Fortschritte vereiteln und von unseren Schwierigkeiten profitieren. Sie setzen sich ins Einvernehmen, um unsere Grenzen anzugreifen. Wir wurden also gezwungen zu mobilisieren. Wir befahlen die gesamte Mobilisierung der Reservisten und Landwehrtruppen der ersten, zweiten und teilweise dritten Armeeinspektion. Die Proklamation spracht dre Hoffnung aus, daß die Truppen sich ihrer Vorfahren würdig zeigen und das heilige Vaterland gegen dre Feinde verteidigen werden. Sie drückt ferner die Ueberzeugung aus, daß zu den Siegen der Vorfahren neue hinzukommen werden und wünscht den Truppen den ©icn.
Man muß zugestehen, der Aufruf des Sultans ist viel würdiger unb ruhiger, als bte stark mit Prahlhansereien durchsetzte Kriegsproklamation des Königs von Montenegro. Keine Beleidigung des Gegners ist darin enthalten, wie der Montenegriner sie anzubringen für gut fand. Keine Angriffslust ist in den Worten des Sultans zu spüren. Die Türkei könne nicht anders handeln, so ist der Sinn der Proklamation, als sich verteidigen; sie sei ge« zwungen, das väterliche Erbe mit ben Waffen zu beschützen, unb vertraue auf die militärischen Tugenden ihrer Söhne, denen der Sultan den Sieg wünscht. Tas ist — nach einer kurzen politischen Einleitung — alles. Es ist einfach, klar unb bescheiben.-
gemeinfam timbgegebener Entichluß, keine Aenderung, des Status quo (b. h. des gegenwärtigen Besitzstandes)