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Saimtag -en 12. ©Notier M2

39. öaqrgug.

• fuldaer M Zeitung

2. Blatt.

®r«tf um» verlaz der falbaer 2UlkMbt«<rtttl in S*l6o.

wochen-Run-schau.

f:f Fulda. IS. Oktober 1912.

f4?ynu6et den Ereignissen in der äuheren Poli. lik traten in den letzten acht Tagen die^ rnne^ütl. scheu Angelegenheiten sehr ;n.rn in 's.

le it stattet' einer an ihn ergangenen Einladung fol- «enb bcm’ greisen Prinzregenten Luitpold von Canern, über dessen Gesundheit die Berichte wieder Lesser lauten, einen kurzen Besuch ab, dem indessen niohl kaum eine Bedeutung für die Politik Preußens und Baverus beizumessen ist. Auch mit dem baye­rischen Ministerpräsidenten Freiherrn von Hertling traf der Reichskanzler bei dieser Gelegenheit zu- fammen.

Tie Teuerungsfrage ist zur Zeit immer noch «kitt. Die Maßnahmen'der Regierung werden von vielen Seiten als nicht ausreichend bezeichnet. Di« Erlaubnis der Fleisch einfuhr aus Rußland und den Balkcmftaatcn ist durch die dortigen Mobilma­chungen und jetzt durch den Beginn des Krieges mit der Türkei hinfällig geworden. Es wird gedrängt auf di« Genehmigung zur Einfuhr argentinischen Gefrierfleisches Auch der Vorstand deS deutschen Etädtetages, der in Köln zufammengetreten war, während der 7. Preußische q >ur: < c ...i, in Düsseldorf feine Sitzungen begann, bezweifelte den durchschlagenden Erfola der Reqierunasmaßnah- men zur Steuerung der Teuerung. Auch er ver­langte in einer erneuten Petition an den Reichs­kanzler die Entlastung des Fleischmarktes durch Ein- filhrungserlaubnis für Gefrierfleisch und Aufhebung und Milderung des Paragraphen 12 des Flnschbe- fchaugesetzes.

In Mannheim hat der Parteitag der F o r t- fchrittlichen BolkSPartei stattgefun- b-n, der auch zu der Teuerung Stellung nahm. Uroer die Frage ob Schutzzoll oder nicht, war man sich nicht ganz einig. Ein agrarischer Fort- fchriltler warf seinen Parteibrüdern vor, daß sie in der Agrarpolitik viel mit Schlagworten und Phrasen arbeiteten: man hielt ihm entgegen, daß einer, der nicht für den Fall unserer Schutzzölle eintrete, kein Fortschrittler sei. Der Fortschrittliche Parteitag bot überhaupt verschiedentliich ein Bild von Uneinig­keit, doch gelang eS der Parteileitung, die von Chem­nitz viel gelernt hat. alle Risse schlecht und rechr zu verkleistern und im übrigen durch ängstliche Ent- haltsamkeit Konflikten auS dem Wege zu gehen. DaS Verlangen der Frauen, ihre völlige staatsbür­gerliche Gleichberechtigung programmatisch zu for­dern, wurde nicht gewährt; man fand sie mit klei­neren Zugeständnissen ab. In der Landwirtschafts­politik wollen die Fortschrittler Bauernpolitik gegen Junkerpolitik treiben; sie wollen mit anderen Wor­ten die Kleinen gegen die Großen verheben und da­mit auch auf dem Lande die Borfrucht der So- zialdnnokratic werden. Arbeiterpolitik will der Fort­schritt treiben, nicht etwa aus sozialen Erwägungen heraus, sondern von dem Gesichtspunkte aus, recht diele Männer gegen den schwarzblauen Block ru sammeln. Das Stichwahlabkommen mit der So­zialdemokratie wurde als eine große politische Tat gepriesen, die hoffnungsvolle Aussichten für die Zu­kunft biete.

Gleichzeitig tagte in Saarbrücken der E v a n g e, lifche Bund, der in diesem Jahr sein silbernes Jubiläum feiett. Trotz seiner Jahr; hat der Bund aber noch nichts von seiner Feindschitt xeoen Rom und die katholische Kttche verloren. Auch die Saar­brücker Generalversammlung stand im Zeich:n der konfessionellen Hetze, die ihre schönsten Blüten in de» Behandlung der ^csuilcnfrage trieb. Es wurde natürlich auch eine einmütige Resolution gefaßt, in welcher der BuntzeSrot ersucht wird, fid; gegen jede Abschwächung oder Aushebung des Jenittengesetzes zugeknöpft zu verhalfen. Gegen den nicht einmal eine halbe Million starken Evangelischen Bund ver­langen aber nicht nur weit über 20 Millionen deut­scher Katholiken, sondern auch weite Kreise des gläu­bigen evangelischen deutschen Volkes die .Zulassung der Jesuiten in Deutschland.

Von der Bedeutung und Stärke der christlich- tiationalen Arbeiterbewegung legte der in Dresden abgehaltene achte Gewerkschaftskongreß

■ES

beredtes Zeugnis ab. Nicht nur die sächsische Lan- desregicrung, auch d:r Reichskanzler hatten Vettre- ter zu dieser Tagung entsandt, die für das geschlos« sene Zusammenarbeiten der Arbeiter beider Kon­fessionen Ersprießliches geleistet hat.

Der Krieg ist da. Das kleine Montene­gro ist den Diplomaten „durch die Lappen ge­gangen", wie Herr Ssasonow sich geäußert haben soll, als er in Berlin die Nachrichten von der Kriegserklärung Montenegros erhielt. Einige Tage lang hat e» den Anschein erweckt, als ob es den Großmächten doch noch gelingen wollte, den Balkan- brand im Keime zu ersticken; sie schienen sich an­gesichts der drohenden Gefahr doch einigen zu wollen und schon unternahmen ihre Bevollmächtigten Schritte bei den stärkeren kriegslustigen Balkanstaa­ten, da machte chnen König Nikita einen Strich durch die Rechnung und zerriß die Fäden der Dip­lomatie. Wie die Dalkanstaaren vorgeben, verlangen sie lediglich die Herbeiführung besserer geordneterer Zustände in Mazedonien. In Wirklichkeit aber geht ihr Sinnen darauf, dem türkischen Reiche m Europa ein Ende zu bereiten, seine Auflösung langsam in Fluß zu setzen. Groß-Bulgarien ist der Traum aller Bulgaren, und die Serben träumen von einem großsrbischcn Reiche. Die Griechen halten sich seit je für die Fvrtsetzer des byzantinischen Kaisertums, und cs wird stets ihr Ziel sein, dessen alte Grenzen wiederherzustellen. Montenegro aber treibt dynasti­scher Ehrgeiz, mit Serbien, Bulgarien und Grie­chenland gegen die Türkei vorzugehen. So sehen diese Staaten in der Vernichtung des türkischen Rei­ches das Ziel ihrer Politik.

Der italienisch-türkische Krieg ist nach einjähriger Dauer angesichts der schwergefäbr- deten Lage der Türkei in Europa endlich beendet worden, wenn auch der Krieg völkerrechtlich noch nicht beendet ist, lvas in Anbetracht dre gespannten Lage auf dem Balkan nicht zu übersehen ist. Die Türkei wird Tripolis und die Zyrenaika an Italien übergehen lassen, doch soll dem Sultan die religiöse Oberherrschaft bleiben; im übrigen hat Italien der Pforte Wohl goldene Brücken gebaut. Eine andere Frage ist c5, ob Italien des geschlossenen Friedens auch froh werden wird, ob die kriegerischen Araber, gegen die es bisher Krieg geführt hat, sich ohne weiteres der italienischen Herrschaft unterwerfen werden, oder ob nicht Italien gezwungen sein wird, Tripolis in gleicher Weise Schritt für Schritt zu erobern, wie die Franzosen es in Marokko tun müssen.

Aus Marokko laufen in letzter Zeit weniger beunruhigende Nachrichten ein. Es ist dort fast still geworden, doch scheint es die Stille vor dem Sttrrin zu fein. Es heißt, der Thronbewerber El Hiba sammle wieder eine starke Truppenmacht, verschie­dentlich wurde auch behauptet, er rüste bereits zu neuen Angriffen gegen die Franzosen und habe 10 000 Mann unter seinen Fahnen. Jedenfalls kann von einem auch nur einigermaßen unterworfenen Lande nicht gesprochen werden. Ueberall glimmt das Feuer unter leichter Aschcndecke, und jeder Windzug kann die Flammen wieder entfachen.

Deutsches Neich.

— Interessante Eingeständnisse. In der sozial- vemokrauschen unv Iinksltbera!en Preüe ist man es gewobnt, forlwädrend von reichen Profiten zu lese , Die die Lanewirtscbait bewnders auch zu den Teuernngszciten machen würde. Ganz anders klingt dagegen eine No iz, die sib a n 28. September in der sozialdemvkraiitchen,F»änk scheu Tagespost' sand Dort bieß eS näml'ch:

„Die armen Kleinbauern der Wittelgebiroe eiben immer haue Not. diesmal ist das Welter übe> lie gekommen und hat die Arbeit eines Jahres öielfodi vernichtet, die Ar eit des nächsten Jahres gchemml. In der Rhön, im Spessart, tm B'yelifcben Wald, im Fichtelgebirge, im Jura und im Frankenivalde reül das Getreide spät und die Ernte konnte norm Beginn der unendlichen Reaenperiode des Sommers nicht ein- gebracht werden. DaS Getreide fault aus dem Acker, und ielbü wo es noch in der Scheuer geborgen werden konnte, finde! es ke^ne Käufer, weil der Händler nasses Getreide zurü-kwe st. Auch das Grummet konnie nicht gereitet werden, und die Karloffeln find gefährde'. Hafer teiqt völligen Mibwach«, die Gerste ist in diele» Gegenden geschädigt. Das Elend dieier ohnehin immer bedränglen Bauern ist lanm rriräglich.«

Er ist schwerlich zu glauben, daß da» Getreide nur auf den Aeckern der Kleinbauern verfault, viel­mehr wird es wohl ziemlich allen Landwirten so ergangen sein. WaS uns aber an der vorstehenden Notiz besonders interejstert, ist da» folgende: Sonst behaupten die Sozialdemokraten und Freisinnigen bekanntlich immer, daß die meisten Bauern (im Gegensatz zu den Großgrundbesitzern) gar kein Interesse an den Gelreidezöllen batten, weil sie gar kein Getreide zum Verkauf brächten. Insbe­sondere könnten die Kleinbauern nicht nur kein Getreide verkaufen, sondern müßten sogar noch welches hinzukaufen. Jetzt aber lese man mal aus- merksam die obige Notiz. Dort ist von Kleinbauern saft nur im Zusammenhänge mit Getreide die Rede. DaS Getreide sei verfault, Hafer zeige völligen Mißwachs, die Gerste sei geschädigt, das Getreide finde keine Käu er, die Händler würden das nasse Getreide zurückweisen, und au» diesen Gründen sei daS Elend der Kleinbauern unerträglich. Damit hat die Sozialdemokratie also mal klipp und klar eingeftanben, daß der Getreideoerkauf auch für die Kleinbauern das Entscheidende ist. Dieses interessante Eingeständnis wird man sich künftig merken müssen.

♦♦ 3a der Fltischleittnmgrkonfereuz im Ministerium des Innern, an der neben den Oberbürgermeistern auch die Münster v. Schorlemer und Dallwitz teil« nahmen, ist eS, wie die,Frankf. Ztg.' berichtet, zu recht bemerkenswerten Ausemanversetzungen ge­kommen. Der Landwirtschaftsminister v. Schorlemer erklärte: »Ich stehe und falle mit dem § 12 deS Fleischbeschaugesetzes; die Einfuhr von argentinischem Gefrierfleisch ist wegen der Konkurrenz für die deutsche Landwirtschaft nicht angängig* Oberbürgermeister Wermuth trat mit großem Nach- druck dem Versuch entgegen, die Städte für die Teuerung verantwortlich zu machen. Als der Be- ichluß protokolliert wurde, daß die Städte bereit seien, die von der Regierung vorgeschlagenen Maß­nahmen durchzuführen, be mtragte er den Zusatz: »Obgleich die Städte von der Wirkungslosigkeit überzeugt sind."

-h-tfX Versucher deS HansabtrndeS läßt sich das .Berliner Tageblatt' (Nr. 517) vezmehmen. Dem armen Hansabund war in der agrarischen Plesse vorgcworscn worben, er habe einige Tausend Exem­plare feines Plakats über die Bedeutung von Ge- werbe, Handel und Industrie der Soziaibemokralir überlassen, und diese Plakate seien daun in den sozialbemokretischen Gaüwtttschaslen ausgehängt worden. Der Hansabund beteuert demgegenüber, er Yale niemals der Sozialdemokratie derartige Plakate zur Verfügung gestellt, noch dieserhalb mit der Sozialdemokratie schriftlich over mündlich verhandelt. Den Mißmut d?s Hansabunde» glaubt das,Berl. Tageblatt' ausnützeu zu müssen und tritt als Ber- mcher an ihn heran, indem es schreibt:

»Wenn der HaMabund aus diesen hartnäckig wiebei kehrenden .Verleumdungen", wie er es nennt, eine Lehre peden will, io kann es boch nur bie sein: Daß man g-gcn bie ver hetzenbeArbeit berAgrarbemagogie die Biwbesgenossen nehmen muß, wo man sie haben kann. Nur keine falsche Sentimenialilältt

Tas fortschrittliche Blatt versucht dem Hansa« bund die »Rotscieu" zu vertreiben; es wäre auch en gar zu netter Dreibund: Fortschritt und Hansa- dund mit der So talbemohatie m ihrer Milte.

** Die Behandlung deS rosaroten Stichwahlad- kommens auf dem Parteitag der Fortschrittlichen hat der sozialbemolratisschen Presse ge allen. Sie hatte nicht erwart t, daß gerade in diesem Punkte im Forlschriltstager Einmütigkeit erzielt würde, roch weniger, daß darüber hinaus sogar Zusicherungen lür die Zukunft an die Sozialdemokratie gemacht würden. Tie fozialdemo Italische Breslauer,BolkS- wartt meint,

nunmehr fei einer der Gründe, die bisher gegen bie Stimmabgabe für bie Forttchrilller vorgebrachl würben, beteiligt, näm'ich bie Befürchtung, baß bte freifinnigen Wähler ntcht durchweg zu bero gen feien, iozmldemokrati'ch zu stimmen. Und das fei für Die be» norfietitnben preußischen Landiagswadlen von eingreisLNber Bedeutung. AuSgeichtoffen lei allerdings, d»ß eine Unlerslutzung Der Liberalen durch die Sozial- vemokratie ohne jede Gegenleistung erfolgen könne.

So wird al|o jedenfalls demnächst der Kuh­handel zwischen Forllchriltkern und Sozialdemo­kraten seinen Anfang nehmen, bemerkt hierzu die »Kreuzzeitun (Sir. 474). Der Mannheimer Partei­

tag hat feinem geschäftssührenden Ausschuß inbezug auf Wahlabmachungen mit der Sozialdemokratie freie Hand gelassen. Die toten Sechs im Abgeord­netenhause werden wohl also mit Sicherheit auf einen nicht unerheblichen Zuwachs rechnen könneu durch fortschrittlichen Mandatsschacher und Man- datsverrat. 1

)( Ter Kriegsschaß für den gefährdeten Protesta«- tismus! Der Präsident des Bundes deutscher Protestanten erläßt einen Ausruf zur Bildung einer .Kriegsschatzes für den gefährdeten Protestant tismns" gegen da» preußische Kirchenregiment, dem ,daS ausreichende Verständnis für die tiefen Schäden und die wahren Bedürfnisse der evangelischen Kirche" abgebe. Man kann da ireiter lesen:

Die protestantische Freiheit fei aufS nette schwer bedroht. Der Amtsenthebung Jathos wegen Irrlehre sei die Absetzung Traubs gefolgt. Der Worte feien nun genug gewechselt; nur noch tapfere Tat könne Rettung bringen. Deshalb habe man am 16. Sept. 1912 i« Dorlmund, »der gesegneten Arbeitsstätte unsere» Traud", den Bund deutscher Protestanten proklamiett uns zum gefchäftsführenden Direktor Traub gewählt. Jetzt wolle man einen Kiiegsschatz sammeln, der zur Werbearbeüung in ganz Deutschlai d und zur Unter­stützung der Opfer der Freiheit deS freien Protestan­tismus dienen soll. Es gelte eine große Sache: „Mögt sie ein würdige» Geschlecht finden 1"

EinS vermissen mir tn diesem begeisternden Auf­ruf: die Angst vor dem Kalholischwerden, die zurzeit eine so große Rolle fpielt, daß sie sogar Herrn Harnack erfaßt hat. In Berlin ist dies, wie man unS von dort fchreibt, bei den bevorstehenden KirLenwahlen eine sehr beliebte Phrase, die von den Liberalen angewandt wird, um für ihr« Kan­didaten Stimmen einzufangen. In der Auf« erstehungsgcmeinde konnte man sogar an den Litfaß­säulen lesen, daß bie protestantische Orthodoxie Gefahr laufe, katholisch zu werden. Wenn daS nicht zieht I

e. Der ReichSverband mittlerer und kleiner StSdi« DettlfchlandS, ber jetzt 600 Mitglieber zählt, hält zur­zeit in Berlin (eine S. Hauptversammlung ab. Nach Bekanntgabe des Geschäftsberichtes erstattete Landtcck Trüst eb t - Berent L Westpr. ein Referat über bi» behufS Organisation bes Kommunalkrebits noiroenbigt Gründung einer brutschen Kommunalbank. Nach ihm empfahl Korreferent Bürgermeisterleiden«Kuxhaven benim ReichSverbanb zusammengeschloffenen Gemeinden bie Beteiligung an bitfer Gründung, bie eine wesent­liche Verbesserung ber Anleihebebingungen für kleiner» Stabte bebeuttt. Bürgermeister Dr. B »lian - Eilen­burg (Sachsen) besprach das Jntereff» ber Stähle an Wanberthealern. Weitere Vorträge betrafen Spar­kassen- unb Giroverkehr, die steuerliche Uebedaftung der Gemeinden, zu deren Bekämpfung das Herrenhaus» Mitglied und Vorsitzender der Landwirtschaflskammrr Ostpreußen, von Batocli, die Schaffung emes staatlichen Ausgleichsfonbs für die Kommunallasten vorschlug, so­wie bas stSbtische Hypothekenwesen, die Krankenhäuser in kleinen etäüten und die ReichsversichetungSorbnmtg, in der die Herabsetzung der Altersgrenze auf daS vollendete 65. Lebenswhr ceforbett wurde.

♦ Die Polnische Sozialdemokratie PreußeuS geht, wie bie „Post" schreibt, einer langsamen Auflö­sung entgegen, nachdem die deutsche Haupte jarta die bisherigen Unterstützungen zumteil ganz gestrichen hat. Die Parteizeitung, die „Gazeta Ro- botnicza" erscheint vom 1. Oktober ab nur noch als Wochenblatt, nachdem alle Anstrengungen des Ver­legers Biniszkicwicz, wenigstens den bisherigen Stand zu reiten, ohne Erfolg geblieben sind. Auch in den Ortsvereinen geht es, wie gut unterrichtete Personen versicheru, sehr abwärts, und matt braucht kein besonders großer Seher zu fein, um der Polin- chen Sozialdemokratie in Oberschlesien und Posen ein nicht gar zu fernes Ende Voraussagen zu kön­nen.

Xus dem Nachbargebiete.

△ Frankfurt, 11. Ott. 1912. Die Zentralstelle ür Obftoerroeriung zu Frankfurt a M. veranstaltet am 17. Oktober in der landwirtschaftlichen Hall» ihren zweiten diesjährigen Obftmarkt. Der Martt tonn beschickt roerb.n von Obstzüchtern sowie von Vereinen und Genossenschas en, die da» Obst auf ihrem Gebiete gesammelt haben und zum Verkauf stellen. E» wird Tafel- und WirtschaftSobst zuge. laffen. Auch Russe ufro. können angeliefett werden. — Donnerstag morgen wurde in seiner Wohnung an der Saalgasse der verheiratete 47 Jahre alte Dach-

Bulgaren, Serben unb ihren Genoffen auf dem poli-

Guten lenken wirb, gibt ihm Mut und Kraft, daß et

SJäJÄ amn Kulturvölker auch in schlimmen 'Heimsuchungen den Kopf oben und

auf den verschiedensten Gebieten. Bor allem in ber

• j bricht, t-1 den »

)n n t in kurieren. In ber Tat war d«S Selbstbewußt-

sein der modernen Menschheit etwqS stark in. Kraut Ende noch schlimmer machen. Und der Hinblick auf geschossen. Größenwahn zeigte sich nicht bloß bei den die Vorsehung, bie dem Guten alle» schließlich zum »nnirtrrrpn {«rfrwn itnh «Gv«.. ___rr_, <_ , ... __ . ' 1 u J

dürfen wir nicht verlieren. Die rechte Grenze ist leicht zu ziehen, wenigstens für einen braven Christenmen­schen. Cr verläßt sich nicht auf den Turmbau von Babel, aber — hält es mit der Jakobsleiter des

gen zu arbeiten, al» ob eS der Menschheit klar machen wollte, daß sie trotz aller vielgepriesenen Kulturfort, fchri.te vom Wetter abhängig bleibt. Und zu den Wetterlaunen kommen nun noch die Menschenlaunen, die oft noch schlimmeres Unheil bringen. Europa seufzt unter der Teuerung; aber Millionen von Bat- kanbauern, die sehr gut Hammel, Schweine und son­stige Nahrungsmittel züchten und liefern könnten, laf­fen jetzt die einttägliche Wirtschaft links liegen und stürzen ffch in daS unrentable Kriegshandwerk. War-

(die Hände an der Arbeit hält.

Arbei.en, forgen unb streben in tüchtiger Selbst. Hilfe — das ist das wichtigste Heil- und Hilfsmittel in schlechten Zeiten. Gewiß soll jeder brave Bürger auch das Seinige tun, um den Staat, bie Gemeinde, die Genossenschaften, bte Vereine ufro. zu zweckmäßi. gern Vorgehen gegen die Hebel und Gefahren zu ver. anlaffen. Aber schlecht beraten ist derjenige, der nur von anderer Seite die Hilfe erwartet und sich von bea Marktschreiern in unfruch bare Unzufriedenheit hin- einhetzen läßt. Während man auf die Hilfe von außen wartet, muß man b r i n n e n, im eigenen Geschäft», unb HauZbetriebe, für sich unb bib ©einigen zu retten suchen, was zu retten ist, unb zu mildern suchen, toa» an Druck und Not beschert wird.

Vor einigen Wochen sagte ich an dieser Stelle: die Hausfrauen müßten vor die Froni! In sozialdemokra­tischen Blättern, wo bie Teuerung als ein prächtige» Hetzmittel betrachtet wird, hat man darüber gespottet lind geschimpft. Mer wahr ist es doch, unb je schiech et die Zeiten werden, desto wahrer wird es: eine tüchtige Hausfrau die die Wirtschaft unb besonder? da? Kochen verstebt, ist in diesen Zeitläuften ein Schutz- unb Ret­tungsengel für ihre Familie. Wenn alle Frauen wirk­lich lüchtige Haus- unb Küchenverwalterinnen wären, so würden wir über die Heimsuchungen Verhältnis- mäßig leid) unb ohne schweren Schaden hinwegkom- mcn. Es gehört auch zu den modernen Verirrungen, daß die Ausbildung des weiblichen Rachrouchse» zu einem aunertmuslichen Beruf zu stark und zu einseitig betont und gepflegt, dagegen die hauSwirtschaftliche Tä- tigkett in den Hintergrund geschoben unb die AuS- bildung dazu vielfach beruachläffigt wurde. Die schlech­ten Zeiten wirken auch in dieser Hinsicht erzieherisch. Es ist falsch, die Frauen durchaus mit den Männern

G o t t v e r t r a n e n s. Die christliche Weltansch^u- nng erklärt ilm da? Schicksalsrätsel, sodaß er unter.

Unpolitische Zettläufe.

N. Berlin, 10. Oktober ISIS.

(9iitrhtirud verboten.)

giale Ordnung. Ringsumher eine Stimmung, wie vor dem Turmbau zu Babel. . Wit brauchen uns um Himmel und Hölle nicht mehr zu kümmern. Wir können un» selbst den Himmel auf Erden schaff-»' den Himmel der Aufklärung, bie den alten Glauben I hinwegfegt, und den Himmel des Zukunftsstaates, ber : allen Leuten ein Leben mit Wenig Arbeit unb vi-l j Genuß verbürgt!" Die moderne Welt glaubt auch ohne Gotte» Segen und ebne Gotte» Gebot ihr Glück mit eigener Kultuthand schmieden zu können. Aber — wo bleiben bie Früchte! Der Reif fällt in der phan- tast! scheu FrühlingSnacht, ber Blitz fährt in die Luft- schlöffcr. Die krampfhafte Anspannung der mensch- lichen Vernunft vermag nicht eine vernünftige Orb- Hang auf Erden zu schaffen. Zu dem Unglück, da» itu» höhere Machte bescheren, kommt der Unfug, den menschliche Torheiten unb Leidenschaften anrichte». Die Erde ist und bleibt trotz aller vielgepriesenen Sui» turfortschri.te ein Jammertal. Im Grunde genom. men find wir Nachkommen Adams auch im zwanzig neu Jahrhundert unserer Zeitrechuung »och eine Schar | von unreifen Kindern, die einen großen Mund haben und zu tollen Streiche» aufgelegt sind, aber im Ernst, fall sich nicht zu helfen wisse». Es geht der Mensch­heit wie Petrus, als er auf den Wellen wandert. Auf dem schwankenden Grunde fuhlle er bald seine' Ohn- macht unb rief: Herr, hilf mir, denn ich finke!

Der U e b e r m u r wird gedämpft. Aber den M u t

um unb wozu? Darüber zerbrechen sie fick nicht lange den Kopf. Türkenhaß und Größenwahn haben die Leidenschaften erreg.; die Großmächte, die Ruhe stiften wollten, stehe» da wie ein Schulmeister, dem ite randalierende» Bube» bie EingangStur von innen verrammelt haben; die Bengel hauen sich auf Gegen­seitigkeit, wenn sie auch wissen, daß nichts dabei her- anskomincn kann. Unterdessen warten mir vergeben? auf bte Zufuhr von Nahrungsmitteln aus jenen inter-

Ä'be^.ble unZ bte Regierung neuerdings ntcbr iürp fs„e's. ®*ee rauflustigen Staaten Hal en Die!« 5e au ‘ben^pt““? öcn demselben Europa, dem zu „leiben" wL” ta‘l3cn’ ®eIb für ihren Kriegsspor: die Menschen $!'ten ^echt sind, so sollten

W feW S«"”. !*”'

KrtÄ ffSÄÄTEÄ Ä gersnor und Krieg, erlöse uns, o Herr! '

ES scheint fast, al» ob die Vorsehung ihre Zucht- mtie spielen läßt, um die Menschheit von dem Heber.

Nacht» erfrieren den armen Winzern die letzten “*

{tauben, tagsüber scheint die schönste Serbstsonne auf < U f ’n s 8 6 re “II /^igwse, sittliche und sw Gerechte und Ungerechte. Das Jahr 19l2 scheint bi» -------

iu seinem Abgang mit unangenehmen Uebetraschun-

ttng erNatt ti m da? LchicksalSrätsel, sodaß er unter. ' gleich machen zu wolle». Für den Wetr und die Würde den unangen.hmen Heberraschuugen nicht zujammen- ber Zrau ist nicht? vorteilhafter, als wenn sie ge« ^"°'chl. Sie bewahrt ihn auch vor ber Leiinayme an >rade das mit Lust und Eifer pflegt, worin- sie dem menschlichen Ausschreitungen, die daS liebel am 1 Mann überlegen ist, unb da» ist die vernünftige

«nd gemütliche HauSroirtschast. E» lebe bie tüchtige Familicnmutter, die in schlechten Zeiten eine wahre Retterin de? VolkSwohleS ift!

Unfc bet Mann, roas soll et tun, um der Familie bie Ueberminbung bet schlimmen Monate zu erleid), tern? Hoffentlich war er bisher fleißig; aber vielleicht kann er noch fleißiger werden. Wohl dem, der seine Einkünfte noch etwa» steigern kann! Wenn daS nicht geht, so bleibt nicht» andere» übrig, als bie Luxus­ausgaben zu beschränken, um so den Mehrbedarf für die notwendigen Ausgaben zu decken. Da» muß einem verständigen Mann al» eine Ehren- und GewissenSpflicht erscheine», wen» eS ihm auch viel- leicht schwer fällt, auf feinen gemütlichen Stammtisch, feinen Kegelklub usw. ganz ober teilweise zu verzichte». ES gibt wenig Männer, bte nicht ihren Aufwand noch etwa? einschränken könnten. Wenn. die Zeiten besser werden, kann man ja zu den alten Liebhabereien zu. rückkehren. Inzwischen ist e» schon ein erquickender Trost, wenn ber Mann sieht, daß die Groschen, die er fich abgespart hat, den Seinige» so schön zugute kam- men m der ganzen behaglichen Hausordnung. Frau und Kindern über bte schlechten geben sanft hinweg­zuhelfen, das ist doch auch ein Genuß, der noch besser schmeckt als eine Zigarre und ein GlaS Biet.

Schimpfen hilft nicht, und Verzagen macht das Uiu beit erst recht groß. Feste? Gottverlrauen unb ver­nünftige Selbsthilfe — da? sind die alten bewährten Mittel, mit denen inan sich durch die unvermeidlichen Nöte der Erdenwelt am besten durchschlägt. Nicht in Babel, sondern in bet Bibel wurzelt bie beste Lebensweisheit.

— Folgerichtig. .Willi", sagt« di« Mittler ganz bekümmert, „jedesmal, wenn du unartig bist, de- omme ich ein graues Haar." — „Himmeltt' tief Willi. „Mußt du aber unartig gewesen fein. Sieh mal Großpapa an!" .

— Fein anSgedrückt. »Wi« fchmeR der Wem, den ich Dir geschickt yabe?" — »Ausgezeichnet. Es läuft einem dabei das Wasser im Munde zusammen.*