39. Jahrgang
Fulda, Samstag den 12. Oktober 1912,
Erstes Blatt
‘ 235.
genommen tourb*. — Der Kaiser hat die Vorlage über die neuen Militärsorderungen genehmigt. Die Ziffern der Vorlage smd amtlich noch nicht veröffentlicht, doch kennt man sie bereits. Die beanspruchten M i l i t ä r kr e d i t e 'betrugen zusammen 205 Millionen, auf drei Jahre verteilt. Bon den neuen Forderungen entfallen 125 Millionen auf Heeresansrüstungen, 26 Millionen entfallen auf Marinesorderungen, außerdem werden die Dreadnought-Bauraten für die Jahre 1915 und 1916, zusammen 54 Millionen, in zwei Jahresraten 1913 uud 1914 von jetzt an fluffig gemacht werden.
* Der Fürst von Samos sagt adieu.
Die Insel Samos ist von Griechen und .Kretern besetzt. Tie Türkei hat dort einen mit dem Fürsten- titel besetzten Statthalter sitzen. Sie fft aber äugen- blicllich nickt in der Sage, ihm Hilfstruppen zu senden. Die kleine türkische Garnison, von oUeit Seiten bedrängt, vermag feinen Fürstenthron nicht zu stützen und vor allem auch ihn Persönlich nicht zu schützen. Er bat die Wabl zwischen Flucht, gewalt- samer Entfenmng und Ermordung. Er zieht tie Flucht vor. Eine Konstantinopeler Meldung besagt: Es verlautet, Fürst von Samos habe in Erkenntnis der llnhaltbarkeit der Lage die Pforte nm d« Ermächtigung ersucht, die Insel zu verlasse«; die Vwrte habe ihre Ernwilligung dazu gegeben. — Der Fürst von SamoS ist ein unter dem Schutze von drei -Großmächten stehender christlicher Gouverneur. Er wird verjagt, wie andere christ- üche Gouverneur-., die aus Grund von Beremba- imuieu mit den '^rosn:öchren über tückckch» Pro- vinzen gesetzt wurden. Für Makedonien verlange», die Bastartstaaten -le» all» einen christlichen l^>«. berneur unter ber Garantie der Mächte. @nt.ne*tT Erfüllung dieser Forderung oder Krieg. Die Türk» zieht den Krieg vor, was noch Men ihren Erfahrungen nicht zu verwundern ch.
Lrschrkni tSallch E AsrnahMt tze» Lo.m- N»d Zeiertage. viertel- jübrlicherdeni-'preir ohne Vrivarrlol?!! und VeMgetomMdaio- wie anstoStte 1.50 ißt.
Srrsrritv. Redaktemt
Lar« rckÄsbez
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* Die Luftflotten der Bakkaustaaten. I« fl«g- technischen Kreisen' Frankreichs glaubt man nicht, bofc ter S'e' nujau im Bolka"^i-ge eine RoNe spiel« Werde, obschon eS den zu Felde ziehend« Arme« und namentlich dem türkisch« Heere, daS zu San Stefano eine Fliegerschule mit acht französischen, zwei englffch« Eindeckern und zwei deutschen Apparat« rmterhält, an Flugzeugen nicht gebricht. Man weist indessen darauf bin, daß die türkisch« Offiziere in diesem Sommer auf den französisch« Flrmvlätz« nur eine sehr eilige Ausbildung erhielt«, die sich ans die Behandlung des Motors kaum erstreck« konnte, «nd daß sich den türkischen Fliegern der Mangel an Flugtechnikern recht fühlbar mach« werde. Griechenland verfügt über sechs französische Zweidecker und ein Wasserflugzeug, hat aber mir einige wenige Piloten, während Bulgarien für acht Fliegeroffiziere vorerst nur mit drei Zweideckern und einem Eindecker versehen ist.
Stimmung« in Serbien.
* Bvchum, 10. Oft. 1912. Ein junger Serbe, der längere Zeit in der Nähe von Bochum wohnte und iürzttch auf den Gestellungsbefehl nach seiner Heimat abgereist ist, richtete von dort an seine hier wohnende Braut einen Brief, dessen Inhalt besonder- deshalb interessiert, weil er zu den Blättermeldungen in gewissem Gegensatz steht. In dem Briefe heißt es:
„Esherrscht eine große Aufregung und Arbeits- unlust im Lende. Die Ttiibeiter und Seinern sind gegen den Krieg. Es finden zwar Auszüge fiatl, bei denen sie Kriegelieder singen. Aber vernünftige Leute beteiligen sich daran ntchr, wenigstens nicht trev willig. Kurz, es steckt kein ernster Wille dahinter. Aber roemt der König befiehlt und Geld hergibt, dann gibl's Krieg. Nur tft zu beiürchten, dab mit dem Kriege zugleich di* Revolution aukbricht. Dafür herrscht viel mehr Begeifternng."
Auch Rumänien kriegsbereit.
W London, 11. Oft 1912. Die die ,D)afly Mail* aus Bukarest meldet, wird dort die Lage seh r kritisch beurteilt. Rumänien hat sich bekanntlich bisher zurückgehalten. Seine Haltung ist um so schwieriger, da seine Politik sich zugleich nach der Stellung Oesterreichs und der Rußlands richten muß. Di« rumänische Armee wird in zwei Tagen mobilisiert werden Große Aufträge an Waffen und Militäresfekten sind bei Bukarester Handwerkern und Firmen in Auftrag gegeben worden.
Die österreichisch-ungarische Militärsorderung.
W Wien, 11. Olt. 1912. Bei der Einbringung der außerordentlichen Kredite für Heer und Kriegsmarine in der österreichischen Delegation hob Finanzminister Ritter v. Bilinski hervor, es handle sich durchaus nicht um einen Mo bi li- sierungskredit. Die Monarchie sei nach wir vor gewillt, an ihrer bisherigen Friedenspolitik seit- zuhalt«. In der unfreundlichen Wmdung aber, die die Dinge auf dem Balkan genommen hätten, liege die ernste Mahnung, die Ausgestaltung der Wehrmacht zu vervollkommnen. Di: Forderungen beträfen nichts Neues und seien schon wiederholt zuletzt im Sontmer dieses Jahres in gemeinsamer
Deutscher Reich,
* * Staatssekretär Nikbrrdtng y
Der frühere Staatssekretär des ReichsjustizamtS Wirkt. Geh Rat Dr. Arnold Stiebetbing ist am Donnerstag in Berlin gestorben. Dr. Nieberding war erst vor dret Jahren in den Ruhestand getreten. Er war in KontHin Wcftpreußen geboten und bat
llinisterkonftrenz geltend gemacht worden. Wenn >e gemeinsame Regierung mit diesen Forderungen
ein Aller von 74 Jahren erreicht. Das Reichsjustiz- amt leitete er von 1893—1909. Der .Reichsanzeiger' widmet dem Verstorben«» ein« Nachruf, in dem es u. a. heißt:
Seine Amtszeit siel ht eine für die Rechtsentwicklung in Deutschland besonders bedeutsame DeriodL Stil dem Zustandekommen deS bürgerlichen Gesetz» bncheS ist sein Name unauslöschlich verbunden. Seiner unermüdlichen Energie war es in erster Linie zu ver» bauten, daß eS gelang, Vas grobe, laugvorbereitete Werk in einer einzigen Session de« Reichstages zu e» ledig« und in den folgenden beiden Jahren noch b:e zahlreichen und umsaffenden Nebengesctze, bet« es zur vollen Einheit des deutschen bürgerlichen Recht« be» burfte, zu erledigen. Die spätere Zeft seiner Amtsführung nm vorwiegend der Borbereimng einer nmsafsenden Reform unsere« Strafrecht« und unserer Strafprozesse gewidmet. Die Vollendung dieser Reform zu erleben, war ihm nicht bef(bieben, aber auch hier sind die Fundamente von ihm gelegt worden. Was den jetzt Verstorbenen zur Erfüllung so bedeutsamer Ausgabe« befähigte, war nicht nur sein Nares und scharfes Urtefi, seine reiche Erfahrung und fein weiter politischer Blich sondern auch fern gerech e und zuverlässiger 6b ar (fiter.
** Mandatsitiebrrlegtmg des ReichStagkpräfivrntett.
Ter ReichStagSprästdeut Dr. Kaempf hat btt ,%teif. Ztg." zufolge sich nun doch entfchloffen, fein Mandat für den erst« Berliner ReichstagSwahl« kreis nie der-« leg en. Kaempf war bekanntlich bei ben letzten Wahlen ht der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten Düwell mit nur 7 Stimm« Mehtchett gewählt Word«; die Wahl wurde von den Sozialdemokrat« angefochten und die Wahl« Prüfungskommission ^schloß Beweiserhebung.
•« Derfl», 11. Ott. 1912. Der Kaiser fähri am 24. Oktober nach Weimar, um an den Fete» lichkeiten anläßlich der laufe de« «tbgtoßherzogs teilzunehmen. — Der Bevollmächtigte im Bundesrat für da« Sroßherzogtum Hefsen, Geh. Staatsrat Gustav Krug von R»dda, wird am 1. November in den Ruhestand treten. — Als weimarischer Bun de« rat« bevollmächtig ter anstelle bet kürzlich zurückgetretenen Dr. Rede ist, wie zuverlässig f verlautet. Geh. Staatsrat Dr. Paulsen-Weimar in Aussicht fienommen.
4- Da« Preußische AbgeorbnewuhauS. das Anfang Juni vertagt wurde, nimmt em 22. Oktober feine Arbeit« wieder auf. Dircktor Geheimrat Plate hat ei» Ber^ichniS d« unerledigte» Vorlagen und Anträge zufammengestellt, da» eng« gedruckt in 64 Wummern 6 Druckseiten füllt. 61 Vorlagen und Anträge find anher 79 Berichten *ac PetitionSkommisston Mort zur Pl«arberatung refft 16 Vorlage« bet Regierung und 85 Anträge der Fraktion«. Auf der Tagesordnung her erste» Sitzung tm 22. Oktober stehen ausschließlich Initiativ« antrSae.
• Re« Stelle« für Gena-tSpräfldente« «t* OberlandeSgerichtsdirrktor« dürste, Berliner Blätter» Meldungen zufolge, bet nächste preußische Etat dring«. Buch «ine Betmehrung bet Richter« stelle» bei den Landesgericht« soll vorgesehen werden. Eine besondere Klaffe gerichtlicher Protokollführer für jüngere tüchtige Kauzleikräft«, die nach einem vorbereitend« Dienst einer Prüfung zu unterziev« sind, soll geschaffen werden. Fhr Gehalt würbe etwaS Häher a<8 daS bet Kanzlist« fein. Man würbe hierdurch eine nicht «nwesentlech« Ersparnis erzielen und eine Entlastung der mittleren Beamten erreiche«. Für die OberlandeSgerichtS« fehetäre, die durch bk neue BefoldungSordnung schlechter gestellt wurden alS vorher, hofft man, einen Ausgleich schaff« zu Wunen, ebenso für di« außerordentlichen Hilfsarbeiter. Eine Vermehrung der Kanzlistenftellen wirb erwogen, was namentlich be« Militäranwärlern zugute käme.
O Die ersten Errieft mmgr» in der Ostmark. Wie die »Post Nr. 479* von angedluh absolut zuver» lästiger Seite erfahren hat, ist die Enteignung mehrerer in polnischer Hand befindlichen Rettergüter bereits in die Stiege geleitet worden. ES handelt sich da. ei um 4 Gutsbezirke mit einer Gesamtfläche von 1700 Hektar, in den RegierungS- btxirten Pofen und Marienwerder. Die polnische« Besitzer der Güter find von dem Entschluß der Regierung bereits verständigt worden. Die «Post* ist natürlich hoch erfreut, daß die Regierung sich zur Durchführung des EnteignuugSgesetze« entschlosten hat und gibt gleich bet Hoffnung Ausdruck, daß sie nunmehr auch mit der Embringung bei Patze!« lierungsgescses ernst ntachen wird. Wir würden el sehr bedauern, wenn die Nachricht der vorgenommenen Enteignungen sich bestätigte.
4- Sozialdemokratische Masteukuadgehnngen. Der .Borwärts' verkündet, daß am Sonntag, den 20. Oktober die „Entrechteten* hx ganz Preußen große öffentliche Kundgebungen veranstalten werden, um gegen Teuerung nnb Dreiktassenwahl zu protestieren. Die Arbeitermasten Groß»Berlins würden im Treptower Park zusammentreffen, um ,6cm Willen der Hauptstadt des preußischen ReicheS Äussruck zu verleihen^. Die Losung betret »Rieder mit dem Dreiklafferxrrnrhtrechtk Fort mit dem agrarischen Zollwvchetf — Man steht, eS wird lustig nwiter gehetzt, um den Agrariern zu zeigen, »baß ihre Macht eine Grenze findet an bet Entschlossenheit der aufgeklärten Arbetiermaffetck.
• Pose«, 11. Oft 1912. «ei bet 4m Wahl- kreise Mogtlno-Znin-Wongrowitz, erfolgten Land- tagSerfatzwahl für den verNorbenen «dg Pel- tasohn (Freis. Bolkspartei) wurden für Iustixrat B aerwald-Bromberg (Forlscht. Voltspartet) 252 Stimmen abgegeben. Der Pole Janto-Polcrynsü erhielt 220 Stimme« Baerwald ist somit gewählt.
* München, 11. Oft 1912. I« bet heutige» Sitzung der Kammer der bayerischen Reichsräte erörterte der Berkehrsminifter von Seid lei» bw Frage der Berechtigung d« Arbeitseinteilung bei den Verkehrsanstalten.
Beim Eüddeutscden Eis«babnervetband haudte W sich um Organisation, deren pesamies disyertges >vev' hatten die Gefahr emeS Streiks herbei,usuhren geeignet sei Er habe schon in der Kammer der Abgeordnete» seliaestellt, daß den Staat8aibeUern und -Beamten da» Streikrecht nicht Mktehe. Am 24. September habe bet
der Entscheidung.
5IRon erwartet für spätestens morgen die Ent- tcheidung Serbiens und Bulgariens, die, tote schon boransznsehen ist, die Versprechungen der Großmächte als nicht bindend und nicht genug verbürgend an- ehen. Man nimmt an, daß von Belgrad und So- ra aus ein ganz ktirzfriftiges Ultimatum nach Kon- tantitwpcl ergehen und daß dann sofort die Feind- eligkciten beginnen werden. Bis dahin wird die Mobilmachung vollendet Jem und der Tanz kann losgehen. Selbst wenn sich die Überreichung der entscheidenden Noten noch um einige Zeit verzögern
X Das Ausnahmegesetz ist kein Anstrahmegesetz!
- Wenn die alten griechischen Sophisten noch lebten, so wurden sie ihre Helle Freude haben an den Artikeln, in denen gewisse national liberale und bünd- ferische Trugschlußsäbrikanten den krampfhaften ,,Beweis" antreten, daß das Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten gar kein Ausnahmegesetz sei.
Das ermuert an dir Fabel von deut Einhorn. £üe Pariser Akademie hatte beschlossen, daß es kürt Einhorn gäbe. Als nun ein Franzose durch Aftika reifte, kam ihm ein Tier entgegen, das ein einziges Horn vor dem klopft trug. „Wer bist du?" — „Fck bin das Einhorn!" — „Ach rede doch nicht so dumm! Ein Tier mit einem Horn magst du wohl sein, aber ein Einhorn bist du nicht, denn nach Beschluß unserer Akademte gibt es kein Einhorn. Verstanden?"
DaS Gesetz, das den Jesuitenorden und seine Mitglieder von den allgemeinen Rechten und Freiheiten auStitmmt, ist vorhanden, aber nach Beschluß bet knltnrkänrpferischen Sophisten darf man dieses ausnehmende Gesetz bei Seihe nicht Ausnahmegesetz nennen.
Der nationalliberale Abg. v. Campe hat im >,Tag" lang und breit dargelegt, daß die ganze Rechtsordnung mit lauter Ausnahmen gespickt sei; er will dir Ausnahmen als Regel hinstellen und findet also nichts außerordentliches darin, wenn mau durch ein Sondergesetz gewisse Personen außerhalb der gemeinen Rechtsordnung stellt. Der Generalsekretär de« Evangelischen Bundes, P. B r ä u n I i ch, faßt in der „Täglichen Rundschau" den sophistischen StsyphuSblock von einer andern Seite an: Ausnahmegesetze, sagt er, gibt es wohl zu Gunstrn der Kirche,' aber zu Ungunst en der Kirch: kann eS keine geben; dmn der Staat hat das Recht, von den Privilegien der bevorrechteten Kirche auszuschließen, wen er will, und trenn er von diescm Ausschließungsrechte Gebrauch macht, so haben die Betroffenen keine Ursache, sich als durch „Ausnahmegesetze" Verfolgte hinzustellen.
Durch ein einfaches Exempel kann man auf dies; Theorien die Probe machen. Wenn der Staat beliebige Ausnahmen machen darf und im Interesse be6 konfessionellen Friedens machen soll, daun wolle» wir doch einfach folgendes Gesetz beschließen:
§ 1. Der Eoongetuche Bund tft vom Gebiete des Deutschen Reiches ausgetchlossen und von den Rechten, die das Veremsgefetz »erledit, ausgenommen. Seinen Mitgliedern ist die Bereinetätigkeit unterlogt, und die Geistlichen, die ihm angehörnt, find inSbeiondere von der Tättgkeit in Kirche und Schule lotete von der Veranstaltung religiöser Borträge, Inferenzen, Uebungen Ustv. ausgeschlossen.
§ 2. Der Bollzug dieses Gesetzes regelt der Bundes tat Der Rechtsweg tft den Betroffenen »«'(Hoffen
Run, mein; Herren, wäre das ein Aus - ftahmegesitz?
Werden Sie vielleicht auch sagen, das sei nur ,em gewöhnlich.'- regelrechtes Stück der modernen Rechtsordnung? Würden Sie nicht vielleicht ein solches Bersoigungsgesetz als eine gehässige Aus- nahmernaßrftel bezeichnen? Und doch wäre es ein gleichbrrechtigtes oder gleichunberechtigtes Seitenstuck rum Jesnitengefttz, — ein ebenbürtiger Bruder dieses häßlichen Attsuahmegesetzes.
Herr Bräunlich jagt, der Staat habe zu bestimmen, wer an den Privilegien des geistlichen Stande teilnchnten solle und wer nicht. 9tun gut, wenn auf unserer Seit; dre Zesuiteu wegen ihrer angeblichen Friedensgcsährlichkest von der geistlichen Tätigkeit in Kirche und Sckule ausgeschlossen werden, bann schließe man doch auf der anderen Seite auch alle Prediger aus, die durch Beteiligung «n dnn konfessionellen Kampf ihre Friedeusgejahr- lichkctt erwiesen haben.
Will man das nicht, dann lasse man dem Knorr dieselbe Freiheit wie dem Knubben. Wenn die katho- fischen Jesuiten ohne nachweisbare Schuld schlechter behandelt werden, als die protestantischen Bekämpfer des Kaiholftismus, so beschweren wir uns mit Recht über ein unbilliges Ausnahmegesetz.
DaS Verhältnis zwischen Staat und Kirche uno insbesondere auch die Ordensfrage wird verfassungsmäßig geregelt durch das Landes kirchenrecht. Von dieser Regel macht man eine einzige Ausnahme, indem man die Jesuiten unter ein Sondergesey deS Reiches stellr, daS sonst kirckenpolitisch unzuständig ist. Und das soll Leine SluSnahmegefttzgebung fetn!
Herr Bräunlich tut so, als ob dm Jesuiten nur die kirchliche Tätigkeit vertvehrt werde. Aber nein: eS soll ihnen auch verwehrt fein, in weltlichen Räumen unter den veremsrechtlichen Formen zur Verteidigung des Glaubens zu wirken, während dm Aposteln des Unglaubens und auch den abgesetzten protestantischen Predigern die Propaganda, ja sogar die Veranstaltung von Gottesdiensten außerhalb der Äirdte vollständig freisteht.
Aber ein Attsnahmegesetz zu Untpmsten gegen die Jesuiten, — nein, das gibt es nicht!
1 Die sophistischen Anstrengungen sind vergeblich: sie beweisen nur, daß man sich der Wahrheit und Wirklichkeit schämt. Das Kind wird aber feinen rechten Namen behalten: es ist ein gehässiges An Sn ahmege f c tz.
die gemeinsame ,
in einem ZeitpuUkt vor die Delegation tritt, in welchem in unserer unmittelbaren Nachbarschaft ans dem Balkan die Flammen des Krieges leicht auf» lodern können, so leitet sie hierbei der Gedanke, daß wir in der Lag: fein müssen, wenn einmal die Bal- kansragen zur befiuittoen Entscheidung gelangen, unser Schwert in dte Wagschale legen zu können. — In der ungarischen Delegation gab der Minister des Aeußern eine im wesentlichen übereinstimmende Erklärung ab, die mit Beifall und Zustimmung ans-
sollte, so ist doch fast jeder Zweifel über dm wetteren Lauf der Tinge ausgeschloffm.
** Konstantinopel, 11. Okt- 1912. Dte Gesandten Bulgariens, Serbrm sund Griechenlands sind bisher noch nicht ab gereist. Sie haben alles verpackt und warten förmlich zwischen Kisten und Kofftrn auf die letzten Instruktionen ihrer Regte- rungen- Besonders schwierig ist die Lage für dm griechischen Gesandten unter seinen 200 000 Lands- beuten. Das Streben, von Konstantinopel fort- zukommen, ist ungeheuer. Alles verlangt Päffe für die Abreise. Sämtliche Dampfer , nach jeder Richtung sind zum Berftm überfüllt. Die Dampfer- gesellschaftm klagen über Kohlenmangel, da die tür- fische Regierung auch die privaten Kohlendepots mit Beschlag belegt Die Vertreter der Balkanstaaten bleiben ohne Nachrichten von ihren Regierungen, um ftdc Iudiskretiou unmöglich zu machm. Einer dieser Gesandten versicherte einem Korrespondenten, daß VenizeloS, Geschow und Paschttsch in direkter drahtloser Verbindung stehen und persönlich die Chiffrierung und Dechisftiernng der gegenfeitigen Depeschen vornehmen. In hiesigen diplomatischen Kreisen glaubt man nicht, daß Griechenland noch zurückkönne. Das wurde den König Georg ent» thronet! unb Venezelos die Pracht kosten.
» Sofia, 11. Okt. 1912. Die Entgegnung auf die llwte der Vermittlungsmächte dürfte auch beute nicht, sondern wahrscheinlich erst Sonntag übergebest werden. Sir dürfte so gehalten sein, daß sie zu weiteren Disfitssioueu keinen Anlaß gibt.
W Konstantinopel, 11. Ost. 1912. Wie die Blätter melden, hat der gestrige Ministerrat von wichtigen Devescheu der türkischen Botschaster in Wien, Paris, Petersburg und London Kenntnis genommen urtd ihnen die nötigen Instruktionen übermittelt Der Minister des Aeußern erklärte einem Redakteur eines armenischen Blattes, im Bedarfsfälle wurden alle Männer bis 45 Jahre, auch noch darüber eingezogen werden.
Die Erfolge der Montenegriner.
In Montenegro herrscht lauter Jubel über den ersten Sieg im Kriege gegen die Türkei. Bei Pod- goritza ist die türkische Beftstigung von ihnen erobert, i die Besatzung gefangen genommen worden. Pomphaft wie der Äuftnf zum Krieg, den König Nikita erlassen bat, ist auch das erste mouteuegrinische Siegesbulletin, das wir noch gestern unter den Depeschen veröffentlichen konnten. Wenn man aber die Karte ansieht, so findet man, daß es den Montene- grineru nur gelungen ist, eins bet befestigten Blockhäuser unmittelbar hinter der Grenze zu nehmen. Tust ist der Mittelpunkt für eine ganze Reihe solcher Blockhäuser, und im übrigen nut ein Dorf. Es handelt fick also um einen steinen Erfolg der übermächtigen Angreifer gegen die schwachen Grenzsicherungen. Auch die weiter gemeldete Eroberung von Schivskbantik bat nicht mehr auf sich.
Wichtiger ist eine Meldung, daß die an der Küste des Mittelmeers zwischen Dulcigno und dem See ' von Skutori vorgebende montenegrinische Abteilung < die ersten dortigen Grenzhäuser genommen hat. Dort an der B o j a n a kommandiert der General Martinowitsch, der in der montenegrinischen Hafenstadt Tnleigno sein Hauptguartier hat, den rechten Flügel der montenegrinischen Streitkräfte. Ihm gegenüber stehen Teile der jüngst durch die Truppen des Generals Esiad Pascha verstärkten Garnison von Sku- tari. Nach amtlicher montenegrinischer Meldung soll Martinowitsch die Bojana überschritten und die befestigten türkischen Grenzhäuser erobert haben.
Weiterhin dauern an der Ostgrenze Montenegros bet Bera n a am Oberlauf des Limflusses die Gefettete fort, die schon vor der Kriegserklärung begonnen haben. Tort scheint montenegrinisches Militär in geringer Antahl vorhanden zu sein; mau überläßt es hüben und drüben der Grenzbevölkerung, sich schlecht und recht irregulär zu schlagen.
Niemand zweifelte daran, daß die von langer Hand Vorbereitete Offensive der Montenegriner in dem zerklüfteten, unwirtschlicken Gebirgsterrain jene'- Gegend anfangs Erfolge erringen werde. Für den Ausgang der militörffchen Operationen sowie für die Gelamtlage auf dem Balkan sind sie jedoch vott geringer Bedetttung. Was die montenegrinischen Meldungen als „große Schlacht" bezeichen, ist ; kaum was anderes al« ritte große Rauferei mit Ka- nonenbegleitung.
'* Cattar», 10. Oft. 1912. Während bet Beschießung der türkischen Stellungen bei Podoorcha wurde infolge bet Birneirtnrttheit der Mannschaft em montenearhtiMie? Geschütz unbrauchbar. König Nikola, der anwesend war, tadelte den kam- mandierenben General Bozowftsch, bet sich darauf vor ten Augen deS Königs eine Kugel durch be8 'Herr f'4-of’.
W Podgorltza, 10. Oft. 1912. (Amtliche montenegrinische Meldung.) Die Montenegriner nähmen gestern abend die türkische Befestigung von Schip- schontikzwischen Detschftsch utfbber Stadt Tnsi im Stnrut Sft beherrschen setzt vollständig diese । Stadt. Die beiden ©erntet gaben große Beweise von Heldenmut. Bet den Montenegrinern herrscht fteu- dtge Stimmung wegen der beiden glänzenden Stege von Detfchitsch und Schipschantik. Die Mallis- 1 orett kämpften an ihrer Sette (?) mit viel Auf- opferung.
lieber die Kämpfe bei Bettina kommen widersprechende Meldungen:
W Konstantinopel, 11. Oft. 1912. Gestern früh fand ein heftiger dreistündiger Kampf bei B e r a n a und Aakawa zwffchen Tücke« und Montenegrinern statt. Tft letzteren hatten bedeutende Derluste. Nachmittags drangen die tückffchen Tmvpen in mon- tettegrtnt'sches Gebiet ein und schloffen Mockawa ein.
* London, 11. Okt. 1912. Nach hier eingetroffenen Meldungen sollen sich die Türken in Be- rana in Schwierigkeit besinden. AuS Gu- sinje wird ans tückischer Quelle berichtet, daß tür- kische Blockhäuser zerstört «nd Laudleute mtt ihren Fraue« von feindlichen Batche« niedergemacht worden ft««.
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