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Sdwsioo de» 12. 1512
39. 3ßi?rgawg.
«fuldaer
K Zeitung
5. Blatt.
Druck und Verlag der Mdaer Actlendruckrrel in Zulda.
besonders reich an Triumphbogen sowie im Chor und um die Schlußsteine der Gewölbe.
Aus der Farbenpracht des Chors und seines Gewölbebaldachins hebt sich der aus weißgrauem Sandstein errichteter Altar ab. der über dem Tabernakel die Steinstatne des als segnenden Abt dargestellten hl. Wendelin trägt. Der Helle Farbenton des Altars und seines Standbildes sticht vorteilhaft von den reichen Farben des Hintergrunds und der Umgebung ab. Bor ihm hängt funkelnd die vergoldete Ewige- Lichtampel mis dem Schlußstein des Cborgewolbes hernieder. Ein hohes, schwarzes, schmiedeeisernes Gitter, das in seinen Ornamenten durch Farben und Vergoldungen belebt ist, trennt das Chor vom übrigen Innenraum. Darüber Hängt in der Spitze des Triumphbogens ein großes, herrliches Kruzifix. An den vorderen Wandflächen -n beiden Seitm des Triumphbogens tragen eichene Konsole das Bild der schmerzhaften Mutter Gortes, eine freie Nachbildung der Achtermann'schen Pieta, und die hl. Elisabeth, eine getreue Kopie des alten Standbildes an der Elifabethkirche zu Marburg. Ihnen gegenüber an der Rückwand des Schiffs ist vor der Verglasung des Torbogenfeldes ein schönes Standbild des hl. Schutzengels ausgestellt. Dieses, wie auch die Kreuzwegbilder in schönen, eichenen Rahmen, die im Kranz die Wände zieren, sind aus der alten Wendclinuskapelle herübergenommen. So ist das liebe, kleine St. Wen- delinuskapevchen in seinem Schniuck eine heilige Stätte, die jeden Besucher zu weihevoller Andacht stimmt.
Aber auch feine ganze Umgebung ist zur stillen Sammlung und zum Beten geschaffen. Wer die Stufen zum Vorplatze emporsteigt, sieht zur Rechten in einer Birkengruppe ein vor zweihundert Jahren errichtetes Kreuz, in dessen rnorsche und hohle Arme gar manches Waldvöglein sein Nestchen baute. Dahinter breitet eine uralte Linde ihr breites, schützendes Dach über der Ruhebank aus, die ihren mächtigen Stamm umgibt. Tas ist ein Plätzchen, um Ausschau zu halten ins Land drunten zu den FüHeu und ins ewzge Heimatland über den Sternen.
vermachtes.
* Die neuen preußischen Ernmernngsmünze«. Zurzeit wird eine Bundesratsvorlage über neue Erinnerungsmünzen bei dem zuständigen Reichsreffort vorbereitet. Es handelt sich um die Prägung von Erinncmngsmünzen für das Jahr 1913. Hierfür ist ein befonderer Bundesratsbeschluß notwendig, da die Erinucruugsmünzen wesentliche Veränderungen der gesetzlich festgelegten Anordnungen aufweisen werden. Es handelt sich zunächst um eine Erinnerunqsmüuze, die aus Anlaß des 25. Regie- rungssubiläums des Kaisers geprägt wird. Voraus- sichtlich werden die Dreimarkstücke als Münzen hier» für gewählt werden. Außerdem soll eine Erinne- rungsmedaille zur 100jährigen Feier der Erhebung Preußens gegen die französische Fremdherrschaft zur Ausgabe gelangen. Voraussichtlich werden für diese Münze auch Dreimarkstücke gewählt werden. Abgesehen von diesen Denkmünzen, die durch den Bundesrat genehmigt werde» müssen, soll vom 25. Regierringsjubiläum ab ein neues Kaiserbildnis auf allen Münzen, die mit dem Bild des Kaisers versehen sind, erscheinen. Das Bildnis soll den Kaiser in reiferenr Alter darsteveu. Ferner wird noch eine besondere Denkmünze aus Anlaß des Regierungs- jubiläunrs erscheinen. Es handelt sich unr die Prä-, gung einer am Band zu tragenden Denkmünze für Staatsbeamte, Offiziere, Unteroffiziere, Manuschaf
Literarisches.
DaS neue Versicherung»-Gesetz für Unbestellte vom 2fr Dezember 1911. Gefftzvertag L. Schwarz «. Co., Berlin 6. 14, Dresdeners». 80. Taschenformat. Preis broschiert 110 Mark.
Das Gesetz zieht sowohl Prinzipal rote Arbeitnehmer zur Mitwirkung und Beilragsleisluug heran, daher sollte lebet Arbeitgeber und Angestellte, der über seine Rechte und Pflichten im Klaren sein will, fich in den Besitz des Gesetzesiextes setzen, denn Unkennlnrs des Gesetze- schützt nicht vor Strafe« und Nachteilen.
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Auf dem Feldweg vor der Kapelle kann der Blick ungehindert lsinausfchw«ifen über farbenfroh« Felder und Wälder. Bon den bunte» Kränzen ihrer Fluren sind Dörfer und Gehöfte umrahmt. Weiße Wände, rote Dächer und ragende Kirchtürme grüßen herauf. Tvrt zur Linke» über das Steinkruzisi; vor de» Höfen de- Wertesberges hinweg fällt der Blick auf Almendorf. Darüberhi« lugt Stöckels aus dem Grün seiner Gärten und Obstbäume hervor. Dort liegt Götzenhof, und hoch über den dreien Petersberg, gekrönt von feiner uralten Kirche. Rechts davon ragt feldumschlungen der waldbedeckte Kegel des RauschenbergeS auf. Hebet seinen westlichen Hang schauen der Turm der Grillenburg, die Wipfel des Kalvarienberges und aus blauer Ferne das Herz Iesn-Kapellchen des Schulzeuberges herüber. Dann versperrt der Haimberg mit seinen Tannen den Weiterblick. In weitem Bogen zirhen sich die Wälder hin noch Norden bis zum hohen Roßkuppen- kegel, der über den Birkrnstrauch zur Rechten her« Lberschaut, und bilden den dunkeln Hintergrund zu dem vorgelagerten hügeligen Land, aus dem die Dörfer Marbach, Bernhards und Tietershan eni- porgrüßen. Unten ganz nahe liegt die Pfarrei Stembaus und das Nachbardorf Steinau Ein breiter Wiesengrund zickhk sich zwischen beiden hin, durch den sich die Haun iu tausend Krümmungen schlängelt und Mühlenräder treibt. Bänderartig durchkreuzen die Stege die Fläche. Scharf und leuchtend ziehen die Schienenwege der Tanner- und Bebraer Bahn ihre eisernen Linien darüber. Hebet dieser lieblichen Landschaft wölbt sich hoch der Himmelsbogen, der auf der fernen Bergeshöhen ruht und die Gedanken hinaufleitet über das Firmament. Ist es nicht wie ein prachtvolles Portal, vor dem wir stehen, hinter dem ein Inneres sich ouftut, das der großartigen Außenseite nicht nur nicht entspricht, sondern olle Begriffe übersteigt! Da droben schlagt uns ein Mutterherz, das olle seine Kwder emst dro- den versammeln möchte vor dem Throne Gottes, des Allerhöchsten. Gehen wir zu ihr und lassen un« von der himmlischen Herrlichkeit erzählen.
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X Tas St. Weudelinuskapettcherr über Steinhaus.
(Zum Feste des bl. Wendelin am 20 Oktober.)
Drüben vom Wertesberg über Steinhaus schaut ein freundliches Kapellchen ins schöne Hauntal hernieder und zeigt mit seinem schlanken Türmchen traulich aus dem Baumesgrün hinauf zum Himmel. Ein Glöcklein leiht ihm die gewechte Stimmung, mancher Wanderer, den fein Weg vorüberführt, und mancher Beter, der hier Trost gesucht, ließ es erklingen. Die hellen Töne grüßen die Felder rini-= um und den Wald dahinter, Berg und Tal, und laden ein zum lieHitben Wallfahrtsort des Patrons der Landleute und Hirten. An seinem Feste, dem 20. Oktober, und während der Oktav pilgern zahlreiche Scharen hierher aus dem Haun- und Bieber- arund, aus Rah und Fern, um hier zu beten und Erhörung zu finden. Aber auch zu andern Zeiten des Jahres kniet ab und zu ein Beter andächtig an dieser stillen Stätte. Die Landleute auf den Feldern ringsum erheben betend die Blicke zu ihr, und Trost zieht in ihre Herzen ein bei der sckdreren Arbeit. Sie wissen, St. Wendelin bittet fni sie da droben über dem Himmelsblau, und reicher Segen lohnt ihre Nutzen. Cie sind dankbar dafür und haben ihr Feldheiligtum, das St. Wendelinuskapell- Gaben reich behackst, daß es wie ein Juwel, Soi?ne leuchtet.^"^' inmittctt ^Ier Fluren in der
lreuzzeschmückten Giebel der Enhä? m steht St. Wendelins
jugendliche Gestalt als Hut. Die SchäserschiPPe ri.w chm ,m Arm betet d erbebt er Armm ru'td Hande über den Fluren zum Himmel. Ein Qu» tiefsinniger, gottbegcistertw Andacht verklärt 'die schone Figur. Darunter trägt der hohe gcstischc Bogen des weit sich ösfnendett vierteiligen Tors die Bitte in den Stein gemeißelt: st. Wendeline, ora pro nobis! Das obere Bogenfeld des Tors ist bunt
nungsgemeiuschast sollen die Arbeiter mit der Sozialdemokratie verbunden werden, auch nicht allein der wirtschaftlicheii Vorteile wegen, die ihnen in der Gewerkschaft geboten werden, der ganze Arbeiter mit all feine» Interessen und seinem ganzen Bernrögen soll an die politische Gemeinschaft gekettet werden: Der junge Arbeiter in der sozialde- uwkratischen Jugendorganisation, dann in der sozialdemokratischen Gewerkschaft, nach der Heirat im sozialdemokratischen Konsumverein und für immer in der sozialdemokratische» Bolksv ersicherung.
Mau steht, es liegt System in der Sache und es wird die Aufgabe aller berufenen Faktoren sein, der „VolkSfürsorge" entgegen zu Wirken dadurch, daß gute Volksversicherungsanstalten ms Leben oerusen werden oder auf ein Zusammenarbei- der Lebeusversicheruugsaustalleu mit den Ge- uossenschafteii und Gewerkschaften, hingewirkt wird, wie dies vielfach schon der Fall ist.
+ Die sozraldemokratilche«
Orgamsatroueu.
dem Chemnitzer Parteitag ist die Erwartung aiisgesprochcn worbe», „daß ^e Partcrgenofsen
Cr jftfSoS des klassenbewnhten Prv- lCla^ l)« ztvcifelsohne in den
, " itac Macht- und Kampfmittel ganz
Sittel g-st-ig-rt Obwohl die ^nwlrati- iwe Partei noch nicht 900 000 emgeichrtebene Mtt- öliedcr zählt, hat sie es durch ihre opferwillige Werbearbeit und Dank der Uneinigkeit der bürgert Parteien bei dm letzten Reichstagswahlen auf nahezu Millionen Wählerstimmen gebracht. Nirgends In der Welt hat die Sozialdemokratie so viele Mitläufer tote gerade bei uns. Diese Tatsache gibt zu denken und müßte all: bürgerlichen Parteien ansporncn, alles daran zu setzen, um die Sozialdemokratie zu hindern, auf Schleichwegen sich der Mithilfe von Millionen deutscher Staatsbürger zu vergewissern. Um dies zu erreichen, tut es vor allem not, Ansklärung über das Wesen und die wahren Ziele der Sozialdemokratie ztl verbreiten und ihren zerfetzenden Charakter bl^zustellen.
W,: auf politischem Gebiet, so hat die Sozialdemokratie auch in den gewerkschaftlichen Arbe i« terorganisationen große Erfolge erzielt. Tie sogenannten „freien" Gewerkschaften zahlten 1911 nabeju 2U Millionen ötoßheber. In welchem Abhängigkeilsverhältnis die Gewerkschaften zur Partei stehe», braucht nicht mehr ncichg.'wtefen zu werden. Tie „freien Gewerkschaften" sind gakiz vom <pesste der sozialdemokratischen Partei durchdrungen und üben noch weit mehr als diese Unduldsamkeit, Zwang und Terrorismus. Gegen dies Unheil, das unser gesaw-tes Wirtschaftsleben so schwer schädigt, gibt es für die vom sozialdemokratischen Geiste 'noch nicht augefressenen Arbeiter nur ein Mittel, die christliche Gewerkschaft.
Es müßte nachgerade jedem Arbeiter, der sich der Sozialdemokratie noch nicht verschrieben hat, klar geworden sein, daß er durch die Zugehörigkeit zu einer „freien" Gstverkschaft die Sozialdentokratie fördert. Jeder Arbeiter, der noch etwas auf sich hält, muß endlich den Mut finden, durch den Bei- trit zu einer christlichen Gewerkschaft dem Terrorismus der „Freien" entgegen zu treten. Die christlich nationalen Arbeiter haben gerade jetzt auf der Dresdener Tagung wiederum bewiesen, daß sie mt- schloijen find, der roten Flut mannhaft sich entgegen» zu stelle» und daß sie auch so viel Vertrauen auf ihre Kraft und das Wohlwollen aller vaterländisch Gesinnten setzen, daß es ihnm gelingen wird, iu zähem Kamps die sozialdemokratischen Vasallen zu- rückzudrängen. Der Zusammenschluß aller national und christlich gesinnten Arbeiter muß sich aber bald vollstelren, sonst gehen die sozialdemokratischen Gewerkschaften dazu über, den ganzen Arbeits- markt z» monopolisiere» und den Gruud- latz allenthalben durchzufrchren: Erst rot, dann Brot.
Ein weiteres starkes Hilfsmittel der sozialdemokratischen BLvegung sind die j$o nsumvereiue. Tie Sozialdemokratie hat es vorzüglich verstanden, die Genosfenschastsbewegung chren Zwecken dimst- bar zu machen. Nachdem aus den allgemeinen Ge- uoffenschaststagen in Baden-Baden 1901 und in Kreuznach 1902 dir Konsumvereine von den übrigen Genossenschaften g streunt worden sind, ist _ ihre Führung immer mehr tn die Hände solcher Männer übergegangen, die politisch der sozialdemokratischen Partei angehören.
Auf den Gewerkschaften und den Konsmnvw- einett hat die Sozialdemokratie nun auch eine neue Aktiengesellschaft, die „Volksfürsorge" anfgebant, welche die Bolksversicherung betreiben und ein weiteres Machtmittel in den Händen der Genossen werden soll. Natürlich soll diese Gründung auch wieder neutral sei«; aber warum hat man denn nicht auch die christlichen Gewerkschaften und die Hirsch-Dnuckerschen Gewerkvereine ungeladen? Durch die Bolksversichei'ung wil. die Sozialdemokratie die Arbeiter sich ganz zu eigen machen, will die Gelder der deutschen Arbeiter in einer großen KrirgSkasse sammeln, um für alle Fälle gerüstet zu sei«. Richt nur durch politische Geftn-
verglast. Die eichene» Torflügel darunter zieren fchmtedeeiserne Beschläge von edler Einfachheit. Brette Stufen führen zwischen den Strebepfeilern, welche die Fassade in diagonaler Richtung stützen, ins prachtvolle Innere der Kapelle. Tie Verhältnisse im Schiff und dem Halbachteck des Cbors sind harmonisch aufeinander abgestimmt; die Raumwirkung ist überaus günstig. Ans der Mitte der Lauheiten und den Eckwinkel» des Schiffs treten in ungefähr Manneshöhe schöngeformte Kragsteine vor. Die mittlerer! tragen den Gurtbogen, der die Decke in zwei Gewölbe-Bierccke tcrit, über denen schönprosi- liertc Kreuwippen kraftvoll betonte Schlußsteine tragen. Ebenso trete» aus den Wandtoinleln hinter dem Triumphbogen und den Gewände-Ecken des Chors kapitevartige Konsolen vor, auf denen sich sechs Gewölberippen emporschwiuge», die sich in dec Höhe begegnen und mit chren Deckenwölbmrgen einen sechsfach geteilten Baldachin über das Chor spannen. Die tragende Kraft der Kragsteine ist nach außen hin durch Strebepfeiler gekennzeichnet, die am Schiff zweifach, am Chore dreifach gegliedert find. Alle stutzenden und tragenden Kräfte sind klar ersichtlich auf einzelne Bauglieder verteilt. Das architektonische Gerippe tritt nach innen und außen schön hervor, und die einzelnen Banglieder wirken auch in dekorativer Hinsicht vorzüglich. Tas Ganze ist wie aus einem Guß ans der inneren Notwendigkeit eines einheitlichen Gesetzes hervorgewachsen.
Die Längsseiten des Schiffs sind zwischen den Strebepfeilern von je zwei gotitoen Doppelfenstern durchbrochen, deren jedes von einem größeren Spitzbogen überwölbt ist. Vier schmale und hohe Spitzbogenfenster erhellen das Chor. Tie beiden mittleren davon tragen die Bildnisse des hl. Bonifatius, des Glaubensvaters, und des hl. Sturmius, des Kultivators des Fuldaer Landes. Alle übrigen Fenster haben einfache, in Rauten geteilte Bimtvergla- sung und erhellen den Raum "stimmungsvoll mit ihrem mattgrünen und rötlichen Licht. Tie runden Fensterchen sind mit bunten Glasrosetten geschlossen. Wände und Decke des Heiligtums sind poltzchromierh,
dem Hachbargebitfe.
* FraukMtt, li. Olt. 1012. Der Elektromonteur Zimmer aus Inmvurg wurde in Wäch'ersbach in Der U.derladunaszentrate von der Transmission erfaßt und tbm der L uke Oder- unv Unterarm nie'-i ach nebtorben. — F.idrrtaut (Sott- barD Pabst schenkte D-'M R ten Kreuz sein ehemaliges Fabrrkgrundnück tn Santa bei Zeitz zu dem Zwecke,
es auf feine Kosten zu einem Erholungsheim auszubauen. — Die Stadtverordneten« Wahlen sind auf den 14. November anberaumt worden.
* Frankfurt a. M., 10. Ott. 1912. Während des am 13. Oktober in Mannheim beginnenden füddeut- chen Rundflugs, der am 15. Okt. über Frankfurt ühn, veranstaltet der Frankfurter Verein für Luft- chiffahrt auf dem dortigen Flugplatz große Schaulüge. Während dieser Unternehmungen sollen zwi- chen Frankfurt und Wiesbaden Luftfahrten zu Gunsten der Nationalflugspende stattsinden.
* Spannender«, 11. Ott. 1912. Am 7. d. M. starb zu Freiburg t. B. der Generalmajor z. D. Therwor Gisott. Er war der Sohn des letzten Kommandanten unseres Schlosses, des hessischen Majors Giflot. — Am 1. Oktober begann an der hiesigen Forstlehrlingsschule der 6. Jahres« kursus mn 49 Zöglinge».
* Kassel, 11. Ott. 1912. In einer Nachbarstadt war es einem Hotelier ausgefallen» daß sein Dienstpersonal immer abspenstig gemacht wurde. Trotz eifriger Bemühungen gelang es ihm nicht, den .An- schwärzer" ausfindig zu mach u. Der Detektiv Pippart nahm kürzlich ein Scheinengagement als Hausdiewr in dem fraglichen Hotel an und ermittelte bald in der Person eines Hausburschen vom Konkurrenzhotel denjenigen, der die falschen Ausstreuungen in die Welt setzte. — Ein schwerer Kaffendiebstahl ist in den Räumen einer General- agentur in der Orleansstraße ausgesührt worden. Tie Kvntortür wurde erbrochen, ebenso die Schreibpulte, worauf Wechselgeld, Briefmarken und andere Gegenstände von Wert gestohlen routbeu. Bon den Dieben fehlt jede Spur.
* Friedberg, 10. Okt. 1912. Dieser Tage wurde bei dem Orte (Sambach ein aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend stammendes Grab angeschnitten, das sehr reichen Brouzeschmuck und sieben Gesäße enthielt, darunter eine große Urne mit Brandresten, die umgestülpt auf einem flachen Steine lagerte. Gleichzeitig wurde auch bei dem Orte Eberstadt ein bronzezeitliches Grab ausgedeckt, das das Skelett einer Frau barg.
♦ Wiesbaden, 10. Okt. 1912. An der Bahnstrecke Erbach—Marien berg sind neuerdings wieder bedeutende Erdrutschungen etngetreten, die in einer Ausdehnung von etwa 40000 Quadratmetern den Bahnkörper gefährden. An vielen Stellen haben sich die Gleise schon fast 1 Meter hoch gehoben. Amchemeud haben die bis jetzt autperoen« ceten 360000 Mark zur Beseitigung der Gefahr noch feinen Erfolg gehabt. .
* Voltsheim (Hessen), 11. Ott. 1912. Beim Dreschen stürzte ein an der Dretchmaschme beschäftigter Arbeiter fopiitber in die Trommel, die ihm den Kops buchstäblich zermalmte.
Wr. Zur 10. Generalversammlung Des Bonifatitts-Eammewcrems in
Aachen.
Der BonifatiuS-Sammelverein hält in diesem Jahre vom 12. bis 14. Oktober inAachen seine 10. Generalversammlung ab, die hoffentlich eine recht große Anzahl von Freunden des Vereins in der Kaiserstadt der. einen wird, um in gegenseitigem Austausch das große Werk weiter zu fördern, das nunmehr über ein Viertel- jahrhundert segenspendend in deutschen Landen geistige und leibliche Rot armer Kinder lindert. Der Verein trägt bekanntlich dafür Sorge, daß katholische Kinder in Diaspora-Gegenden, toelche keine katholischen S ch u > len besuchen können, ein Unterkommen sinden, um wenigstens auf ein oder zwei Jahre für den Empfang der hl. Sakramente vorbereitet zu werden. So entstanden die katholischen Waisenhäuser und Kommunikantenanstalten der Diaspora, die vom Donffatius-Sammelverein gegründet und unterstützt werden. Die nötigen Mittel sucht der Verein zunächst durch Sammeln und Verwerten von Briefmarken, Zigarrenabfcbnitten, Staniol, Flaschenkapseln, Bleiplmnben, Schmucksachen, alte Münzen, gebrauchte Kleidungsstücke, Reste von Zeugstoffeu usw. zu gewinnen. Außerdem sammelt der Verein auch Bar- betrüge aus den Beiträgen der Mitglieder und Ehrenmitglieder, durch Sammelkasten und durch Annahme bon Gesck»enkeu. Ans diese Welle bringt er jährlich etwa 140000 Mark zusammen, die ungefähr hundert verschiedenen Orten der Diaspora zugewendet werden. Und doch sieht sich der Verein nicht in der Lage, auch nur annähernd dte Bedürfnisse der Katholiken jener Gegenden zu befriedigen. Müssen doch allein in Preußen noch über 60 000 katholische Kinder protestantische Schulen besuchen, und 48 000 erhalten nicht einmal katholischen Religionsunterricht. Diese Zahlen mögen die Bedeutung des Vereins und seiner nächsten Tagung in Aachen illustrieren. Hebet die Generalversammlung kurz folgendes: Am heutigen Samstag wird die Beranstaltung mit einer Be- arüßirng der Delegierten und Gäste eröffnet. Mit der Begrüßungsfeier wird dte Eröffnung der vom Vorschullehrer Lentz arrangierte» LuLstellung verbunden werden. Rach einem feierlichen Pontifikalamte im '•■■'liunter wird am Sonntag vormittag um 11 Uhr die Delegtertonversammlmlg stattfiuden, in der das Programm für die geschlossene Versammlung des nächsten Margen? festgelegt tvird. Am Sonntag nachmittag um 4 Uhr beginnt die Festvcrsammlung, für die n. a. aus Anlaß seines 100. Geburtstages ein Vortrag über den Bischof Korrrad Martin von Paderborn, diesen großen Förderer des Bonifatius-San.melwerkes, vorge- seben ist. Um 8 Uhr abends tvird ein großes Wohl- tätigleilskouzert stattfiichen. Am Montag morgen findet dann ein Requienr für die verstorbenen Mitglieder und darauf die gefckllossene Bersar-mlung statt. Den Schluß bildet ein Festessen um 1 Uhr, das, wie alle andern Veranstaltungen, im Aachener Kurhause stattfindet. Mehrere Bischöfe und viele angesehene Katholiken aller deutschen Gaue haben schon ihr Erscheinen zugesagt.
ten des Heeres und der Flotte, sowie für Personen, die zum preußischen Königshaus in besondere» Be4 ziehungen flehen.
* Di« weiteren Tunchernnterfuchirngen feiten! des Nordischen Bergungsvereius bei dem aufgefiut« denen Wrackteil des Torpedobootes G- 171 haben ergebe», daß es sich nicht, tote nach d:r ersten Tarlchentntcrsnchung bekanntgegeben wurde, um das größere Vorderteil des Torpedobootes handelt, daS nach allen Berichten beim Untergange in zwei Teile ouseiuandergebrochen fein sollte, sondern daß das Wrack daS ganze Torpedoboot ist, das also nicht in zwei Teile zerrissen worden ist. Das Wrack, das auf reichlich 30 Meter Tiefe liegt, weist Hutten ein großes Loch auf. Rach den jetzt abgefchlossenen Tauchrr- »nterfuchungen fft dte Hebungsmöglichkeit des Wracks gesichert.
* Folgen einer Verwechselung. In der Annahme, eine Bierflasche vor sich zu haben, trän! dte Fra» eines Kassenkwten inDortmundEsfigsäure, Sie p a r b kurz nachher. , <•
* Fleischvergiftung. Die Familie des Arbeiter- Kandel in Schönebeck bei Magdeburg ist unter BergiftungKerscheinungen erkrankt. Die Frau und ein zwölfjähriger Sohn sind bereits gestorben. Es wird Vergiftung durch Hackfleisch vermutet.
* Sechs Jahre Zuchthaus fiir de» Spion Saget« mann. Unter der Anklage des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse hatte sich vor dem Reichsgericht der frühere Marinesteuermann, jetzige Kraft- Wagenführer Sagtimann zu verantworten. Kagel- mann hatte feiner zeit drei Karten angefertigt, um sie in den Besitz der englischen Regierung zu bringe«. Tie zweite und dritte Karte scheiden jedoch für die Schuldfrag« aus, da sie nicht Puntte enthalten, die für die Sicherheit des Reiches in Frage kommen. Mit Bezug auf die erste Karte findet die Voraussetzung des § 1 des Spionage-Gesetzes Anwendung. Kagel- manns Kenntnisse der Angelegenheiten stammen aus seinen Dienftjahre» 1905 bis 1906, und die Zeichnungen find solche, die streng geheim zu halten sind, da ihre Preisgabe die Sicherheit des Reiches gesährd-n würde. Es war Kagtimann glücklicher- welle nicht gelungen, die Zerchnunae» in den Besitz her e,',fl'schen Regierung zu bringe», ft>,.bern es ist der dem Versuche der Spionage geblieben. Der Angeklagte wurde zu sechs Iah«» Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.
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