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M 25$.

Zreitag den ((. Oktober (9(2.

59. Zayrgang.

* Tuldaer M Zeitung

2. Blatt.

Druck «nb Verlag der Mdaer rletirnbruckerel in Zulda.

Aus dem Nachbargebiele.

* Offenbach 9. Olt. 1912. Die Offenbacher Straßenbahn, die au» emem Gcmeinjchaft»» veekehr mit der Frankfurter Straßenbahn hervor» gegangen ist. weist jetzt einen jährlichen Feh l v e • trag ron 85000 Llark auf. Rach langen Aus« einanderfctzungen beschlossen Vie Stadtverordneten, vorerst eine Einschränkung des Verkehrs nach Vurgei, unter Umständen später noch weitere Beiriebrein» schränkungen während der verkehrsarmen Zeit em- treten zu lassen, um den Betriebsverlust zu ver­mindern.

* Frankfurt a. Bt., 10. Ott. 1912. TieFeischer- tn n u ng hat nach langen Verhandlungen beschlossen, das von der Stadt eingeführte dänische und nieder­ländische Fleisch und das niederländische Vieh zu den Selbstlosten der Stadt zu übernehmen in der Voraussetzung, daß die Stadtverwaltung ihrer Zu­sage entsprechend für die Einfuhr besserer Qualitäten dänischen Fleisches als bisher sorgt und daß den Metzgern sonstigen Erleichterungen gegenüber tun vriprünglichen Bedingungen emgeräuuit werden, wozu sich die Stadtverwaltung bereit erklärt hat. — Gestern nachmittag stieg bas Luftschiff „Viktoria £ui|e* zu einer Passagier fahrt nach drm Taunus auf, an der sich auch Oberbürgermeister Voigt und Direktor R ßrnann beteiligten. Gegen 5»s Uhr landete das Luftschiff wieder vor seiner Halte.

* Crouberg i. T., 10 Ott. 1912. Prinz Friedrich Karl von Hessen ist mit seiner Schweiler, der Er»- Prinzessin Elisabeth Leopold Dun Anhalt, nach Nachod in Böhmen abgereist, um bei ihrem Schwiegersohn, dem Prinzen Friedrich von Schaum­burg-Lippe, der Taufe des jüngsten Sohnes beizu­wohnen.

* Witzenhausen, 10. Okt. 1912. Endlich wieder einen Schritt weiter sind wir mit dem Bahnbau Eichenberg—Velmeden gekommen. Nachdem zuvor auf v. Bodenhausen chen Gebiet der Grund-

beseitigt wird, sodaß unserer Gegend der Betrieb er­halten bleibt,

♦ Ans dem Grohherzogtitin Heffen, 9. Okt. 1912. Im Bereiche des Großherzogtums fanden im letzten Jahre 870 Brände statt, für die an Entschädi­gungen 1610259 Mark ausgezahlt wurden. Die höchste Summe erhielten die Opelwerke in Ruffels- heim mit 337 186 Mark, die Mainz-Mombacher Waggonfabriken mit 117126 Mark und die Jalousu- fabrik in Kastel mit 1 0266 Mark. Als Brand­ursachen wurden festgestellt: Fahrlässiger Umgang mit Feuer 221, spielende Kinder 50, mangelha'le Feuerungsanlage 102, Blitzschläge 44, Explosionen 46 und gefährlicher Geschäftsbetrieb 29 Brände.

* Wiirzbma, 10. Ott. 1912. Gestern morgen sprang eine 79jährige Spitalpsründnerin von Hei- vingsseld in den Main. Die alte Frau wurde auf ihre Hilferufe von Fischern noch lerend aus dem Wasier gewgen und ins Psrnudnerspital nach Heidingsfeld zurückgebracht.

* Fürth i. O., 10. Oft. 1912. Im Pfarrhaus ist wieder ein Einbruch verübt worden. Zwei unbekannte Burschen nahmen dem Dienstmädchen des abwesenden P arrers Vie Schlüssel ab, doch ge­lang es ihnen nicht, etwas zu erbeuten, da sie gestört wurden. Den Einbrechern ist man auf der Spur.

Amt Eeisa un& Amcreburn.

♦ Vacha, 10. Oft. 1912. An Stelle des nach Erfurt versetzten Eisenbahnassistenten Hofmann wurde der Etsenbahnassistent Schramm von Bad Blankenburg nach hier versetzt. — Am 19. d. Pt. findet hier eine öffentliche Sitzung des Bezrrks- a u s s ch u s s e s statt. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt der Antrag der Kaliwerke Grotz- herzog von Sachsen zur Errichtung einer Chlor- kalium- und Sulfatsabrik in der Flur Vacha.

erwerb vollzogen wurde, weilte am Dienstag eine Abschätzungs-Kommission im nauen Unlerricden. Von den Grundeigentümern wurden Grundstücke abgetreten, sodaß zu hoffen steht, daß man nun bald auch den ersten Spatenstich zur neuen Bahn tun wird.

* Hofgeismar, 10. Okt. 1912. Regierungspräsi­dent Graf Bernstorjf erlegt: in der Oberförsterei Hombressen, Schutzbezirk Waldhaus, einen kapitalen Zwölfender Hirsch.

* uassrl, 10 Ott. 1912. Der Maurer H. Eimer aus Obersuhl hatte dort vergangenen Sommer bei Gelegenheit eines Freibiers nach der Gemelnderats- wahl dem Sägemuhlenbe >tzer Körner zwei lebens­gefährliche Messerstiche in den Kopf und in den Arm beigcbracht, nachdem er ihn schon 14 Tage vorher mit Tolstecken bedroht halte. Vor der Straf- kammer leugnete E. am Piitlwoch die Tat, wurde aber zu 21/* Jahren Gefängnis verurteilt und so ort verhaftet. — Der Bauarbeiter Mülfort aus Zierenberg hatte sich dort am 2. Pfingsttage in fast- vachtsmäßiger Kleidung, mit brennender Zigarre tm Munde und ein.m dickbändigen Hintertreppenroman unter dem Arm, in den Nachmittagsgoltesdienft begeben und soll die Bewegungen des Plairers beim Segen nachgemacht haben Mülsock, der als Religionsspölter bekannt ist, erhielt vor der Strafkammer — zweiWochenHait. Der Staats­anwalt hatte 6 Monate Gefängnis beantragt. Es ist nicht zu leugnen, daß dieses Urteil bet der Bevölkerung unverständlich bleibt.

* Göttingen, 10. Olt. 1912. Nach zweitägiger Verhandlung ift der Rechtsanwalt Tr. Deneke wegen Untreue zu sechs Monaten Ge'ängnls ver­urteilt rootben. Dr. Deneke hatte Depots ange­griffen, ohne rechtieitia Deckung beschafft zu haben.

* Eisenach, 10. Oft. 1912. Die Taufe des Erbgroßherzogs findet am 25. ds. Mis. tu der Kapelle des Resivenstchlosses in Weimar sta t. Nach berielben wird eine Galatcuel statlfinden, zu der weitgehende Einladungen eclaffen worden sind. Am Tage vor der Tauie findet etne Hoijagd am Etters- berge statt, zu der der Kaiser sein Erscheinen zu- geiaat ' a>.

♦ Großalmerobe, 10. Oft. 1912. Die Stein­bacher Gewerkschaft war in letztem Zeit in Erhebliche Zahlungsschwierigkeiten geraten - und es mußte der Konkurs eröffn:! werden. Es ist aber Hoffnung vorhanden, daß er durch einen Vergleich

* Weilar, 10. Ott. 1912. In dem gerichtlichen Versteigerungstermin der U c b e r l a n d Zen­tra l e blieb Dr. Stauch-Dorndorf mit 5000 Mark Höchstbietender. Der Zuschlag wurde sofort erteilt.

* Oechsen» 10. Oft. 1912. Der Landwirt­schaftliche Verein im oberen Oechsengrund | hält hier am Sonntag, t-;» 13 Oktober, eine Ver- j sammlung ab. Tie Tagesordnung umfaßt u. a. nachstehende Punkte: lieber die Blattrollkrankheit der Kartoffel und Bezug von Saatkartoffeln. — lieber di: Anzeigepslicht des Viehseuchcngesetzes vom 26. Juni 1909.

Aus Gberhessen u. den Hess. Aomtern.

* Kirchhain, 10. Oft. 1912. Obwohl die Stadt Kirchhain sozusagen im Wasser sitzt, leidet sie seit mehreren Jahren an T r i n k w a s s e r m a n g e l. Deshalb sollte das Wasserwerk erweitert werden, zu welchem Zwecke an verschiedenen Stellen Bohrun­gen vorgenommeu wurden; diese mußten jedoch wie­der eingestellt werden, weil das erbohrte Wasser nicht gut Ivar.

* Treysa, 10. Oft. 1912. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung hatten im Laufe des Sommers beschlossen, den städtischen Be­amte n Tagegelder und Neisekosten zu bewilligen. Diese Beschlüsse sind nunmehr vom Bezirksausschuß genehmigt worden. Es erhalten infolgedessen der Bürgermeister, die Magistratsmitglieder unb Staot- verordnetcn 8 Mk., die mittleren Beamten 6 Mk. und die Unterbeamte» 4,50 Mk. Tagegeld. An Reise­kosten werden nur die baren Auslagen vergütet. Innerhalb der hiesigen Gemarkung wird keine Ver­gütung gewährt.

* Von der Schwalm, 10. Oft. 1912. Das seit einigen Wochen eingetretene günstige Wetter hat noch vieles gut gemacht, sodaß die Ernte und auch die Kartoffeln ziemlich unter Dach und Fach ge­bracht sind. Wenn auch die Ernte als gut bezeichnet werden kann, so können sich unsere Landwirt; in ihren Erträgen mit den Kollegen von der Edder nicht messen, indem erstere weit hinter 23 Ztr. pro Acker Weizen und 18 Ztr. pro Acker Roggen zurück­bleiben.

vermischtes.

* Das 17. Parfevalluftschiff ist soeben auf der Bitterfelder Luftschisfwerft der Luftfahrzeuggejell- schaft-Berlin fcrtiggestellt worden. Das Luftschiff, das die Heeresverivaltung einer auswärtigen Macht in Auftrag gab, weist zahlreiche einschneidende Reue- rungen auf, durch die sich auch das Ansehen des Fahrzeuges wesentlich verändert hat. Die Hülle besitzt nicht mehr die bekannte gelbe Farbe der Par- sevallustschisfe, sondern erstrahlt, da der Ballonstoff vollständig mit Aluminium imprägniert ist, in einem silbernen Glanz. Auch die Form wurde schlanker gehalten und ähnelt jetzt einer Forelle. Tie beiden LuftschiffschrautzeN besitzen je vier, kaum milli­meterstarke elastische Stahlblechslügel und werden durch zwei Sechszylinder-Mahbach-Motoren von zu- sommen 320 Pferdestärken angetrieben. Die Ge­schwindigkeit beläuft sich auf 19 Meter in der Sekunde.

* Wegen kiNks Zkhnpfennigstückcs. Dem 13jäh- rigen Sohne ves Staumanns Frey in Berlin wur­de i von seiner Tante Vorwürfe gemacht, weil er über den Erwerb eines Zehnpfenn.gstück s, das sie bei ihm gefunven, die Unwahrheit gesagt hatte. Der Knabe ging daraus in den Keller uno erhängte fich hinter der Kellertür.

* General - Major z. D. Graf Richard v. Pfeil, ein bekannter MünärschriltsteUer, ist tm Alter von 66 Jahren in Breslau oeftorben

* Beim Spiele« mit einer Schuhwaffe verunglückt. In der Nähe des Torfes Gröditz (Brandenburg) mach­ten vier Schultnaben rm Walde Schietzversuche mit ! einem Revolver, den einer dec Jungen heimlich seinem i Vater entwendet hatte. Die Knaben knallten lustig darauf los, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß ganz in der Nahe ein vielbenuhter Feldweg dorbciführte. Als diesen Weg die 18jährige Tochter d's Besitzers Bade passierte, wurde sie von einer Kugel in den Unterschenkel getroffen und schwer verletzt. Sie liegt in bedenklichem Zustande im Krankenhanse darnieder.

* Tas tragische Schicksal eines Oieschwisterpaares aus B e n f e l d im Elsaß hat dort lebhafte Anteilnahme erweckt. Str 74jährige unverehelichte Helene Roos war mit einem kleinen Handwagen in die Umgebung gefahren, um den Tribut der Mildtätigkeit einznho.'en, von dem sie und ihr 79jähriger Bruder Anion lebten. ?i- nds sand man den Wagen am Jllufer auf, bte F, -n erin war in den Fluten verschwunden. Der Bru­der machte sich auf den Weg und suchte bis spät in die Nacht das Ufer ab; am Morgen fand man ihn am Jllufer liegend tot vor. Er war erfroren.

* Unter schwerem Verdacht. In Neubnllach bei München ist ein Waldarbeiter unter dem Verdacht e?rl)tiltct worden, seine seit dem vorigen Jahre ver­schwundene Schwiegermutter sowie seine seit Februar dieses Jahres nicht mehr gesehene Frau, Mutter von fünf Kindern, ermordet und beseitigt zu haben. Auf einer Bauer, der ihn im Wirtshaus der Tat ver­dächtigte, hat der Waldarbeiter auf dem Heimiveg ge­feuert, aber seblgeschossen; er wurde von dem Bauer erkannt und festgenommen. Der Untersuchungsrichter hat seht die Absuchung des Terrains durch Polizei­hunde angeordnet, um nach den Leichen zu suchen.

* Eine deutsch - böhmische Schule geschlossen. Die deutsche Schule in Bernau rnußle geschlossen wer­den, da d e dortige deutsche Minorüät infolge der lschechnchen Ausschreitungen mdjt mehr wagte, die Kinder in die deutsche schule zu stucken.

* Ein medizinisches Wunder. Kürzlich wurden in Memel zwei auswärtige Arbeiter verhaftet, die fal­sches Geld ausgcgeben harten. Von den beiden Fest­genommenen entbehrt der eine namens Passir durch eine medizinische Seltsamkeit nicht eines gewissen In­teresses. Passir hat sich vor zwölf Jahren bei einem Selbstmordversuch mit Schwefelsäure die Speiseröhre durchbrannt. Er wurde zwar wieder hergestellt, aber die Speiseröhre lvuchs zusammen, so daß eine Nah­rungsaufnahme nicht möglich war. In der Universi­tätsklinik in Greifswald wurde nun ein wohl einzig in seiner Art dastehender operativer Eingriff an dem zum Verhungern Verurteilten horgennmmen. Es wurde die Bauchhöhle durch eine» operativen Eingriff g ’ö-fnet und der Darm mit einem «Murn m i- schlauch zusammen genäht, der ins Freie führt. Die Wunde verheilte vollkommen und der . . t r' - n-if dem Darm,

daß Passir seit zwölf Jahren ausschließlich durch den Gummischlauch die Nahrung zu sich nimmt und dabei die schwersten Erdarbeiter: verrichtet. Der Schlauch rect ein zwn lia,es Stück aus der Bauckdecke heraus und mit einem stets mitgeführten Tricbter füllt P. die Nahrung ein. Härtere und zähere Nahrung zer­kaut er erst im Mund und führt sie dann auf die geschilderte sonderbare Weise seinem Körper zu, indem er sie mit einem Holzstück nachstopft. Er erklärt, daß

er Genuß von der Nahrung, wenn au«, erst einige Zeit nach ihrer Einnahme habe, und sogar das em« pfinde, was er gegessen habe. Geistige Getränke ver­schmäht er durchaus nicht, sondern nimmt sie ganz gern in „anständigem Quantum" zu sich. Mit Der« bundcnen Augen kann er auch genau bezeichnen, was für Getränke ihm gegeben werden. Passir gibt an, nicht die geringste Beschwerde zu haben und sich ganz wohl zu fühlen. — So berichten ostpreußische Blätter^ wie bemerkt: aus M e'm e l, nicht etwa aus Amerika.

.* Eine neue Schwebebahn in Tinn. Im November 1910 wurde die alte Schwebebahn auf den Kohlerer- berg bei Bozen stillgelegt, die, ursprünglich als Lasteu- bchn mit hölzernen Stützen für die Tragseile erbaut, später etwa über ein Jahr lang die Konzession zur Beförderung von Personen erhielt. Trotz ihrer ein­fachen Konstruktion, trotz des Mangels an Fangvorrich­tungen. und Sicherheitsvorrichtungcn wurde sie außer­ordentlich start benützt. Obgleich kein Unfall zu ver­zeichnen war, mußte aber der Weiterbeirieb eben die­ser Mängel wegen eingestellt werden. Doch unvcrzüg-- llch entschloß sich der Besitzer, Herr Staffier in Bozen, eine neue leistungsfähigere Schwebebahn zu bauern Die neue Koklererbahn, die jetzt fertiggestellt wurde, beginnt am Ufer des Eisack und führt über 12 starke eiserne Stützen zur Höhe des Bauernkohlern. Der Höhenunterschied zwischen den Endstationen beträgk 840 Meter, die Länge der Bahn 1600 Meter. Jeder der mit zahlreichen Fang-, Brems- und Sicherheits- vorriäiungen ausgerüsteten Wagen faßt 16 Personen. Als Gleise dienen doppelte starke Stahldrahtseile und c0s Fortb?>vegm,gLorgane doppelte Zugseile, die in der oberen Station elektromotorisch betrieben werden. Um. faug.ciche Signal- und Telcphoneinrichtungen dienen zur Verständigung zwischen den Stationen und m>i- schcn diesen und den Wagen. Die Probefahrten, Brems- und Fangversuche sind mit bestem Erfolg ge­mach:, sodaß die Eröffnung der Bahn unmittelbar bc« vorslchen dürfte.

Handel und Industrie.

* Berlin, 10, OK. 1912. Tie fefieren Kurse Mitten später nicht voll behauptet infolge erneutet Pariser (SrmaUung. Schluß weilet fester. Am Monlanmarkt war der Geschäftsgang lebhafter. Banken gleichfalls befestrgt. Eisenbahnaktien ruhig. Eleklriütäiswerte matt. Privaldiskont erhöhte sich auf 4,125 Prozent.

Msirkte.

* Marburg, 10. Olt. 1912. Schweinemarkt. Der gute Ausfall der Kartoffelernte trug wesentlich dazu bei, daß bei reger Kauflust die Preise, die bei den letzten Märkten etwas gefallen waren, wieder in die Hohe gingen. Kleine Ferkel kosteten 30 bis 38 Mark, größere 45—GO M., kleine Läufer 70—100 Mark und größere Ware 120—190 Mark per Paar. Oie Anfuhr belief sich auf rund 730 Stück.

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war wieder ausserordentlich ge­mütlich, wir haben einen guten Durst entwickelt und die Luft war zum Schneiden. Dass ich

danke ich den Wybert-Tabletten, die ich gleich beim Heimkommen und heute früh genommen habe. Sie machen den Hals frei und benehmen auch den üblen Geschmack im Mund. Die Schachtel kostet in allen Apotheken 1 Mark und hält lange vor.

den andere». Nicht lange danach kam auch der Doktor herunter, uohm sein Gewehr an sich und ging, von Kapitän Doolan begleitet, in den Garten; biet erkletterte er den erwähnten Baum und ließ sich von Doolan sein Gewehr reichen. Als er den Ast, der der Mauer zunächst war. erreicht hatte, saß er still und spähte hinaus in die Dunkelheit. Eine halbe Stunde verging so, da endlich wurden leichte Schritte hörbar.

„Sind Sie es, Bathurst?"

„Jawohl, Doktor!" klang es leise zurück, und eine Minute später war Bathurst neben ihm.

„Nun, was bringen Sie für Kunde?"

»Sehr schlimme. Sie erwarten den Najah Por Sina, der, wie es scheint, der Oberankührer dieses Distriktes ift — und einige andere Grundbesitzer, die morgen ober übermorgen mit Kanonen hier eiirtreffen sollen. Die Nachrichten aus Cawnpore waren richtig — die Hindusoldaten haben sich em- port und Nena Sahib ist ihnen mit seinen Leuten zu Hufe gekommen."

„Dieser höllische Schuft!" rief der Doktor' „nach­dem er jahrelang so tat, als ob er unser bester Freund sei! Indessen, Ihre andere Mitteilung ist wlchtiaeL Mr hätten hier ganz gut einen Monat lang Widerstand lersten können; ober wenn sie Ka­nonen berbrinaen, dann muß es ein schreckliches Ende nehmen."

„So ist es. Die einzig Hossnung bestände noch dann, daß sie unteren Widerstand hartnäckig genug fänden, um uns Unterwerfungs-Bedingungen zu gewähren."

„Ja. das wäre eine Mäalichkesi: aber frühere Gelegenheiten haben gezeigt, daß auf Versprechungen der Eingeborenen sehr wenig zu geben ist."

Bathurst schwieg, da seine Erfahrungen ihn das­selbe gelehrt hatten,

„Es ist aller^L,s eine armselige Hoffnung", sagte er endlich; „aber ich sehe keine andere."

Auf ihrem, Weg: zum Hause sprachen sie kein Wort jo eiter. Als sie angelangt wäre«, meinte der

3m Schutze des Zauberers.

851 Enulisch-indiscker Roman von E. A. Henly

Isabella ging einige Schritte beiseite und horchte wieder regungslos. Da plötzlich unterbrachen zwei Musketenscküssc von dm Zelten her die Stille der Nacht, und Isabella stieß einen balbunterdrückten Schrei aus. Der Doktor ging zu ihr.

„Glauben Sie — glauben Sie", preßte sie her­vor, „daß Bathurst —?"

„Gan; und gar nicht. Wenn sie ihn erkannt hätten, was ich für sehr unwahrscheinlich halte, so würden sie ihn ergriffen und totgeschlagen, aber nicht geschossen haben. Er hat gar keine Waffe bei sich. Die Schüsse rühren wahrscheinlich von ein paar Be­trunkenen her, die sich um ein Beutestück zanken."

„Glauben Sie das wirklich?"

, Jh bin überzeugt davon."

„Warum hat er uns denn nicht Lebewohl ge­sagt'? Um Sie dies zu fragen, bin ich ewentlich nur mit herauf gekommen. Ich hätte ihn so gern we­nigstens einen Augenblick noch gesprochen. Wenn rr "nn vielleicht nie zurückkehrt, wird es mir schreck- itd) fein, daß ich ihm kein gutes Wort mehr sag:n tonnte. Heute früh versuchte ich mit ihm zu reden,

« ton5 mir immer aus und wollte nicht auf Mich Horen."

„Sie werden schon noch Gelegenheit haben, ihm zu sagen oder ;u zeigen, wie Ihre Gesinnung ist, wenn er zuruckkoiuntt. Hüten Sie sich nur vor übereilten Worten. Einmal haben Si- solche schon bereut, und Sre konnten wieder Unheil damit an- rrchten, — außer, wenn —“

"Außer, wenn was?" fragte Isabella beklom- men nach einer langen Pause. Aber es erfolgte keine Antwort, und als sie aufblickte, sah sie den Doktor schon wieder neben Wilson srehen. Sie ver­weilte noch einige Minuten auf derselben Stelle, bann ging Ji; nach der Treppe und stieg hinab zu

Doktor, Bathurst solle sich nicht erst die Zeit zum Umziehen nehnien.

„Unser Späher ist zurückgekehrt", sagte er. als sie das Gesellschaftszimmer betraten. Ern vielstim- liliger Freudenruf von selten der Damen scholl ihnen entgegen. Frau Hinter ging auf Bathurst zu und sagte,, ihm die Hand schüttelnd: „Wie haben wir uns um Sie geängstigt! Und wie froh sind mir, ^Sie wieder hier zu sehen! Nicht wahr, Jsa-

„Gewiß, Herr Bathurst. Obwohl ich Sie in dieser Verkleidung noch kaum erkennen kann."

„Ich bin es aber wirklich, Fräirlein Hannah. Können Sie mir sagen, wo Ihr Hsrr Onkel ist? Denn ich muß ihm. doch nun Bericht erstatten."

„Er ist auf beut Dache; bort finbet eine Art Sitzung unserer Verteidiger statt."

Sobald Bathurst oben erschien, wurde er vom Major und von Wilson auf das herzlichst: begrüßt.

„Fünbwi Sie sich eine Ziaarre an, Bathurst"' sagte der Major, „und trinken Sie hier diese Selters mit Coanak, — und dann lasse» Sie uns Ihre Ge­schichte hören."

„Sie ist einfach genug, Herr Major. Ich kam ohne Schwierigkeiten durch die Schildwachen, die in ziemlich großen Abständen rinas um die Mauer her ausgestellt sind. Dann machte ich einen läng­lichen Bogen, so daß ich von der entgegensetzten Seite her auf die Zelte zukam. Hier brauchte ich mich nicht mehr zu verbergen. Es waren viele Landleute zusamineugckommen und saßen um die Feuer der Soldaten; so konnte ich ganz ungehindert bin und her geben und hören, wovon sie sprachen. Die Soldaten äußerten laut ihre Unzufriedenheit darüber, daß ihre Offiziere sie heut gegen das Hospital geführt, während sie keine Mittel hatten, die Mauern zu stürmen. Außerdem wurde die all­gemeine Ansicht laut, daß jemand Verrat geübt haben müsse; denn wie hätten die Weißen sonst wissen können, daß heut früh der Aufstand statt­finden sollte, — und sich ins Hospital reiten? Es herrschte diel Storger und Streit int Lager, und viele

bedauerten lebhaft, nicht direkt nach Cawnpore ge­gangen zu sein, nachdem die Bungalows nieder- gebrannt waren. Dies alles wäre tröstlich für uns gewesen; aber ich hörte auch, daß Por Sing und einige andere Grundbrsitzer die Nachricht hingejandt hatte», daß sie wohl morgen schon mit Kanone« :tntreffen würden."

„Das sieht traurig aus", sagte der Major ernst. „Wenn die Truppen hier bleiben und Kanonen zur Hilfe erhalten, so ändert sich unsere Lage gänzlich."

Die ander-n äußerten sich beistimmend, und Bathurst sprach wieder:

„Fch muß noch hinzufügen, daß während der letzten Stund: die Zahl der Wachen um die Mauer burck> einige hundert Landlente verstärkt morden ift Ich selbst kam mit einer etwa hundert Mann star­ken Schar hier an. Sie stehen mehrere hundert Schritte vom Tore ab: ich entschlüpfte ihnen iw Dunkeln und eilte hierher."

„Nun, meine Herren, was meinen Sie, daß wir tun sollen?" fragte der Major „Wir teilen alle dasselbe Schicksal, und ich möchte Ihre Ansicht hören. Ich schlage vor, dies Haus auch ferner als unsere Festung zu betrachten, uns möglichst gut zu verschanzen und bis zum Acußersten Widerstand zu leisten."

„Und ich bin dafür, einen Ausbruch zu wagen", sagte Forster. „Wenn wir hier cingefiperrt bleiben, müssen wir zuletzt unterliegen."

„Das ginge wohl, Kapitän Forster, wenn wir lauter Männer wären", entgegnete Herr Hunter; „aber da wir so viele Frauen und Kinder habe«, müsste ja jedes Pferd doppelte Last tragen. Wie sollten wir da entkommen, und wie könnten wir kämpfen, wen» jeher noch eine Person mit sich auf dem Pferde hat? Außerdem können wir auch kei­nesfalls unsere Diener, die uns treu geblieben sind, den Soldaten prcisgeben."

Tie übrigen Zivilisten und der Doktor teilte«; Herrn Hunters Ansicht vollkommen. , ,, v ,

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