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ÖtrÄjrtUk Redattemt «arrSchittter für die Anzeige«:
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Fulda, Freitag den 11. Oktober 1912.
Erstes Blatt»
234.
Die Aktion der Mächte,
I
• Konstantinopel, 10. Oll. 1912. Cs soll Aussicht vorhanden sein, daß Griechenland vom Balkanbund abspringt und der Türkei keine Kriegserklärung überreicht.
Deutsches Reich.
* Einberufung deS Reichstags?
Wie der »Braunschweigischen Landeszeitung' aus Berlin gemeldet wird, soll die Einberufung des Reichstags unmittelbar bevorstehen. 6» sollen schon vor kurzer Zeit Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und sührendeu Politikern stattgesunde» haben, die nunmehr dieses Ergebnis zeitigten.
In der ersten Sitzung wird der Reichskanzler eine Darlegung über die auswärtige Lage geben.
Zer bemsteheniie Mmilirieg.
Bulgarien, Serbien und Griechenland zögern Noch, dem König von Montenegro mit ihren Kriegserklärungen nachmiolgen. Doch sprechen alle An- zeichen dafür, daß diese Zurückhaltung nur darauf berechnet ist, noch eine Frist zu gewinnen, bis die Balkanstaaten mit ihren Kriegsvorbereitungen, ins» ^sondere mit ihrem Aufmarsch an der türkischen Grenze ganz fertig sind. Inzwischen schlagen sich Mon die Montenegriner mit den Türken an der Grenze herum.
W Paris, 10. Okt. 1912. Die Vertreter der Mächte haben heute in Koustantinopel de» gemeinsamen Schritt getan. Die von ihnen über, reichte Note besagt, daß die Mächte unter Zugrundelegung des Artikel 23 deS Berliner Vertrages und der Ürlläruirgen der internationalen Kommission vom Jahre 1880 bei der Pforte über die Durchführung der Reformen Besprechungen abhalten würden.
Eine Erklärung des Grafen Berchtold.
* Wie», 10. Okt. 1912. Ju der heutigen Sitzung der ungarischen Delegation hielt der Minister des Aenßeru Graf Berchtold folgende Rede in ungarischer Sprache: All» Bestrebungen unserer Politik waren auf die Aufrechterhalt un g des Friedens gerichtet, und die österreichische Monarchie hat an jedem Schrittteilgenommen, der diesen Zweck verfolgte. (Zustimmung.) Die Monarchie hat gemeinsam mit den Großmächten für die Aufrechterhaltung des Besitzstaude- auf dem Balkan Stellung genommen. Unsere Politik auf dem Balkan ist keine Eroberungspolitik. (Lebhafter Beifall.) Sie bedeutet aber nicht so viel, daß wir an den Ereignissen, die sich auf dem Balkan zutragen, nicht interessiert seien. (Rufe: So ist es!) Wir haben auf dem Balkan wichtige Existenzinteressen, und wir sind entschlossen, diese unter allen Umständen zu wahren. (LebhafteZustimmung.) — Die Erklärung des Ministers hat auf die Delegation den beabsichtigten starken Eindruck gemacht. Unklarheit herrscht nur darüber, an welche Adresse diese entschiedene Erklärung gerichtet sei: an die serbische oder an die russische. Es ist wichtig, dies» Unklarheit zu zerstreuen. Serbien weiß längst, wi» es mit Oester» reich-Ungarn dran ist. Die scharfe Erklärung geht an die russische Adresse, wo, wie man hier glaubt, stark» Kräfte sich bemühen, die friedliche Politik Sfasonow- zu durchkreuzen.
= Der neue Wehrkredit in Oesterreich-Ungar«. Es verlautet jetzt, haß die Summe deS zu fordernden Militärkredits 210 Millionen betragen wird, also nur halb so viel, als ursprünglich angenommen wurde. Die Summe soll aus drei Jahre verteilt roetben. Gras Berchtold erklärte in einer Konferenz österreichischer Delegierter, die Vorlage sei inhaltlich lediglich eine Fortsetzung der von dem früheren Kriegsminister Schönaich eingeleiteten Sktion zur Ausgestaltung des Heerwesens, sie b-anlpruche keineswegs einen Rüstungs» nnd Mobilmachungskredit; denn die Absichten der Monarchie seien durchweg friedlich.
Ein russisches D-mrntt.
* Petersburg, 10. Okt. 1912. Die Petersburger Telegraphenagentur ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die Meldungen über eine angebliche russische MobilisierungjederBegründungentdehren. Nicht nur finde keine Mobilisierung statt, sondern eS sei auch die Prode-Mobilisirrung in einigen Gouvernements des europäischen Rußlands, von welcher in einer Mitteilung vom 23. September die Rede war, nunmehr beendet. Die bei dieser Gelegenheit einberufeneu Reservisten würde» jetzt in ihre Heimat entlassen.
Der Bund der Landwirte gegen die Regierrmgsmatzaahmem
Der engere Vorstand des Bundes der Landwirte veröffentlicht in der »Deutschen Tagesztg/ eine Erklärung gegen die Fleischnotmaßnahmen der Regierung.
Der Regierung wird darin vorgeworsen, daß sie durch ihre Maßregeln den Anschein erwecke, „daß ihre Maßnahmen durch die Absicht veranlaßt sind, dem Geschrei der landwirtschaft-feindlichen Demokralie nach, zugebrn und den mehr oder weniger durchsichtigen Bestrebungen der Interessenten an der argentinischen Fleischemfuhr eittgegenzukommen, und hierdurch den Glauben hervorruft, daß sie tatsächlich den Stand- pnntt dieser Kreise vertritt und fördert!" Eine ver- hänzni-oolle Minderung des Beitrauens der deutschen Landwirtschaft werde die Folg» der Maßregeln der Staats-egierung sein. Gegen die Zulassung der Einfuhr aus Rußland und den Balkanstaaten wird die Seuchengesahr betont und dann die Klage erhoben: „Wir weichen polttisch Schritt für Schritt vor der De^ mokratie zurück. Wir befinden uns wirtschaftlich au; dem Wege zur zweiten Aera Caprivi."
Wenn man diese Erklärung beurteilen will, so muß manzuuächst zu derenGunsten die „Wahrnehmung berechtiger Jnleresscn" anerkennen. Wo der Vorstand die Jnieresfln der Landwirtschaft gefährdet erachtet, war er zur Abwehr berufen und verpflichtet. Aber er hat leider die Grenzen der sachlichen Abwehr überschritten und nicht allein zu Hebet» lreibungen, sondern zu Angriffen auf den guten Willen der Regierung und auf deren Unabhängigkeit sich hinrechen lassen.
Tie Regierung setzt in der ,Rord. Ä. Ztg/ auf diesem Klotz einen halbamtlichen Keil, der sich in der Frage zuspitzt: „Darf sich noch über „hetzerische Agitation" seiner Gegner beklagen, wer mit solchen Insinuationen arbeitet ?" Am meisten hat die Regierung sich kntrüstet über die „Insinuation", daß sie den Interessenten an der argentinischen Fleischeinfuhr entgegenkommen wollte und „hierdurch den Glauben hervormst, daß sie tatsächlich den Standpunkt dieser Kreise vertritt und fördert." Das ist allerdings ein sehr verletzender „Ton". Doch hätte gerade bei der Zurückweisung dieser Verdächtigung die Regierung nne.i trockenen Ton beibehalten können. Denn ihre durschschlagende Verteidigung liegt ja in der Tatsache, daß sie trotz alles Drängens von linksliberalen Politikern und von unternehmungslustigen Händlern den § 12 des Fleischbeschaugesetzes aüfrechterhalten, also die erstrebte Einfuhr von argentinischem Rindfleisch nach wie vor ausgeschlossen hat.
W Konstantinopel, 10. Okt. 1912. (Telegr.) Die Kollektivnote der Mächte wurde während eines Ministcrrats übergeben, der sogleich mit der Beratung über die Rote begann. Der Ministerrat dauerte am späten Abend noch an.
Bei gewissenhafter Ueberlegung werden auch die Herren vom Bund der Landwirte nicht leugnen können, daß in der Aufrechterhaltung des § 12 ein Betons der Widerstandskraft der Regierung gegen die Agitation und die Spekulation vorliegt. Das muß man anerkennen, wenn man auch mit den positiven Maßnahmen der Regierung nicht einverstanden ist. So lange die Maffeneinfuhr von exotischem Rindfleisch ausgeschlossen ist, kann die Landwirtschaft die Wirkung der beschlossenen kleinen Maßnahmen ohne Auflegung adwarten. Das ist alles zeitlich, fachlich und örtlich so vorsichtig begrenzt, daß weder ein schwerer Preissturz noch eine Erschütterung unserer Schutzzvllpoltttk ernstlich zu befürchten ist.
Sachlich berechtigt ist die Bemerkung des Vorstandes des Bundes, daß die Vermittelung zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher des Fleisches fehlerhaft organisiert fei. Aber die Erklärung schießt wieder über das Ziel, wenn sie bet Regierung zum Vorwurf machen will, daß die Reform des Zwischenhandels nicht als erste und entscheidende Rotstanosmaßregel ergriffen worden sei. Die Regierung kann dem gegenüber mit Recht sagen, daß auch der Buno der Landwirte noch kein Befferungsprogramm für dieses schwierige Gebiet vorbringe, und daß sie selbst in ihren Teueruu.gsmaßnahmen eine gewisse Reform des Zwischenhandels angebahitt habe durch die Heranxehuug der Städte behufs einer zweckmäßigen Vermittelung zwischen den Erzeugern und den Verbrauchern des Fleisches. In vielem vorläufigen Notbehelf stecken in der Tat Keime, die bei richtiger Pflege und vorsichtiger Ausgeftaltung zu einer Reform des Vieh- unv Fleischhandels führen können, und zwar ohne Berücksichtigung des soliden Fleischergewerbes.
Das ist eine hochwichtige und dringliche Aufgabe, ihre gute Lösung eriordert aber viel Arbeit und viel Zeit. Evenfo verhütt eZ sich mit der andern großen Aufgabe, deren gewaltige Bedeutung die Re- g'.eruug sofort hervorgehoben hatte, nämlich die systematische Vermehrung des Viehbestandes, der viehhaltenden Bauernwirtschaften und des geeigneten Bodens.
Wer an diesen großen Aufgaben Mitarbeiten will, der sollte Die augenblicklich schwebenden Notstands- Maßregeln mit Gelassenheit betrachten und sich sorgfältig davor hüten, aus diesen vorübergehenden Kleinigkeiten einen Zankapfel zu machen, der das künftige Zusammenwirken für dauernde und durchschlagende Reformen zu erschweren droht.
Der Vorstotz Montenegros. f
Gleichzeitig mit dem Vorstotz auf Berana an bet östlichen Grenze Rtontenegros sind die montenegrinischen Truppen auch im Süden in der Richtung auf Skutari zum Angriff übergegangen. Ihr« Artillerie beschoß von der Gegend von Pobgo- ritza aus bi: türkischen Stellungen auf ilgm Etlichen Seeufer. Der schon mitgeteilte Bericht be» Vüros Reuter enthalt Einzelheiten, die den 2. August 1870 in die Erinnerung zurückrufen. Wie damals der jugendliche Prinz Loms Napoleon die erste Mttrailleuse abfeuerte, so hier der jüngste Sohn des Königs Nikita, der 1889 am 8. Oktober geborene Prinz Peter, der den Rang eines Arttlleriehaupt- manns in der montenegrinischen Armee bekleidet. Böswillige Menschen könnten in dieser lieberem» stimmung der geschichtlichen Vorgänge ein übles Vorzeichen sehen Auf Saarbrücken folgte nach wenigen Tagen Spichern und einen Monat später Sedan. Bei dem Vormarsch gegen eine zweite türkische Stellung auf den Hohen von Teischitsch sichen die Angreifer sich im Lause des Nachmittags türkischm Verstärkungen gegenüber, die auf Schissen von Skutari herangebracht worden und am Seeufer gelandet waren. " lieber den Ausgang der Kampfe liegen amtliche Meldungen noch nicht vor. Der Frkft. Ztg. geht von ihrem im montenegrinischen Hauptquartier weilenden Berichterstatter die Meldung zu:
* Podgoritza, 10. Okt. 1912. Die Montenegriner nahmen gestern die Höhe von Plawnitza. Heute wurde die starke Befestigung von Detschitsch erstürmt, wobei viele montenegrinische Osfziere fielen. Nach hartnäckigem Widerstand ergab sich der türkische Kommandant mit der Besatzung. Auf beiden Seiten gab es schwere Verluste. Den Montenegrinern fielen vier Geschützein die Hände.
Man mußte allerdings erwarten, daß ausrei- chende türkisch: Verstärkungen nicht mehr rechtzeitig eintresfeu würden, um die Stadt zu entsetzen.
lieber die Kämpfe beiBerana fehlen noch Einzelheiten; doch lvird nach einer Meldung aus Salonik versich>Xt, die M o»t e n egrin er Jeien zurückgetrieben worden. Auch in den Kämpfen um bi: Linie bei Gussinje sollen die Mortte- uegriner zurückgedrängt worden sein.
* Wien, 10. Okt. 1912. Aus Cattaro wird gemeldet, di: Dörfer nördlichvon Boljana stehen in Flammen, die Flüchttgen retteten sich nach Skutari. In dem Grenzgebiet Samrffsi treffen verwundete Bauern ein. Nach Angabe dieser Bauern wurden zahlreiche Frauen und Kruder bau Montenegrinern erschlagen. Der Lloyddamsifer ..Skutari" wurde auf der Fahrt von Boljana nach Cattaro eine Stunde lang von montenegrinischem Gewehrfeuer beschossen. Von St. Nikow schoß ein momenegrinisches Geschütz Granaten auf den Tompfer, di: 50 Meter vor dem Dampfer einfchlugen. Die Grenzdörfer sind verlassen. Die österreichischen Fluß- und Küftendampfer, muffen Marineoffiziere und Kriegsflaggen bekommen, da der Verkehr sonst unmöglich ist. In Skutari sind je-jt 17 000 Türken uni) 7000 mohammedanische Albanesen.
♦ Die Kliegsproklamation des Königs von Montenegro.,
In Cetinje, der Hauptstadt von Montenegro wurde gestern eine Proklamation des Königs Nikita veröffentlicht, in dcr es heißt:
Die Vaterlandsliebe gebiete bett Montenegrinern, den unterdückten Brüdern in 21 Itferbten zu Hilfe zu eilen. Man schlachte dort nicht nur Männer, fondein auch grauen vnd Kinder ab. Die Hoffnung, ein Mittel zu finden, die Serben in der Türket ohne Blutvergießen frei zu machen, habe sich nicht erfüllt. Der König bebauet!, daß er gezwungen werde, den Frieden zu stören und den Säbel cms bet Scheide zu ziehen. Es fei ober nötig, Den „bedrückten Brüdern", den wackeren Malisforeu, Vie seit zwei Jahren wie Löwen für ihre Rechte, für ihr» Freiheit und für die Bereinigung mit Montenegro kämpften, bi» üanb zu reichen. Montenegro steh« nicht allein. MU ihm feien die christlichen Balkankönigreiche, mit denen Montenegro verbündet (et Et Er hoffe, daß die Soldaten di« ferbischen Waffen mit neuem Lorbeer bedecken würden. Es gehöre Mm baiu, ein großes Rnch anzugreifen, aber Montenegro habe sich Nets freudig für Die Bruder geopfert. Die Sym- pathien der zivilisierten Welt würden Montenegro begleiten u id edle Hände mit gezogenen Säbeln streckten sich ihm entgegen von Seiten der Könige von Serbien, Bulgarien und Griechenland, deren Völker bei diesem Unternehmen mit Montenegro brüderlich vereint seien. Montenegro greife nicht ans Anmaßung btt Türkei an, sondern um di» völlige Vernichtung bet Stüber zu verhindern. Zum Schluß ruft bet König den Segen bes Himmels auf bieten Waffengang herab, von bern er fett 1 feiner Kindheit träume. Di» Prokla- malton schließt mit den Worten: Hoch Montenearol Hoch der Balkanbund!
Von dem Adschlachten von Frauen und Kindern in Allserbien weiß man nut in Cetinje etwas, aber die Redensart wirkt auf di» leicht erregbaren Ge- müter der Montenegriner. Man kann nur tue Hoff- nung hegen, daß diesmal keinem türkischen Soldaten Nase, Obren und der Kopf abgeschnitten werden wie es 1876/78 noch vorkam. Die Malissoren fi d nicht, wie der König lagt, „Namensbrüder", sondern Albanier unv außerdem stnd sie Katholiken unv ■ keine Griechisch-Orthodoxem Wenn st» mit den Montenegrinern bei ihren Aufständen gegen die Türken Unterstützung fuchten, so dacht«» st, doch keineswegs an das Vergnügen, Untertanen deS Königs Riktta zn werdem Sie wollen nur völlig unabhängig fein, eine montenegrinische Herrschaft ' ist ihnen ebenso verhaßt rote die mohammedanische.
Griechenland schwankt.
Athen, 10. Okt. 1912. Ministerpräfident Vr» nizelos erklärte bei einer öffentlichen Kundgebung ; er hoffe noch immer, daß der Frieden erhalten bleibe. Als ihn die Menge mit den Rusen: „ES lebe der König!" unterbrach, wiederholte er diesen ■ Satz und fügte bei, wenn Griechenland in seinen ; Hoffnungen getäuscht werden solle, könne bas Volk zu fernem Heere und zu seiner Flott« Vertrauen , haben.
Die Albanesen.
Höchstens ein Insektenstich für die Türkei wär« Montenegros Angriff, wenn sie es nut mit diesem Gegner allein zu tun hätte. Montenegro ist a« allerwenigsten imstande, die Türkei tödlich zu verwunden. Zu Beginn des Feldzuges mag es einig« Borteile erringen, weil die Türken ihre Truppe» nicht auf dem Kampffelde haben, aber bald wird das Bild schon ein anderes werden. Der Montenegriner ist ein tapferer, v:rwegener Soldat, ein Soldat aus Passion, nur stehen ihm bte Albanese», auf die er oben in den Bergen zu allererst stößt, nicht iw » ringsten an kriegerrschen Eigenschaft«, nach. nächsten albanesischen Nachbarn MonteiregwS, der Stamm der M a l i s f o r e n, der noch bis vor wenigen Tagen bte Fahne der Empörung gegen bte türkische Regierung hochbielt, hat sich angesichts bet drohenden Kriegsgefahr mti den Türken ausgesöhnt. Der gegen die Dialissoren entsandte General Essad Pascha fand mtt seinen Truppen den Weg nach Skutari offen. Skutari aber liegt unmrttelabr an bet montenegrinischen Grenze. Gegen bte Streitkräfte bet Albanesen unb bte regulären Truppen kann Montenegro nichts ausrtchten. SDlan wird auf jenem Fleck Erbe zweifellos mit unerhörter Verbitterung ohne jebwHen Pnrbon kömpsem Für das Schicksen des Balkans jedoch ist dieser Teil deS .Kriegsschauplatzes nahezu bedeutungslos. — Die Albanesen haben alle Ursache, zur Türket zu halten unb speztsil gegen Montenegro Front zu machen; beim Montenegro hat schon lange ein begehrliches Auge auf daS nordwestliche Albanien, das Gebiet mm den Skutarisee, gttvorsen und Wörde, falls es sich dieses Gebiet angfieberu dürft», bte albanesifebe Bevölkerung gewiß nicht auf dem Fuße der Gflichbeit behändelm Neuerdings wird nun freilich von verschiedenen Seiten gemfldet, daß ein Teil der Albaneien, insbeson. bete auch bet Malissoren, sich auf die Seite der 'Montenegriner geschlagen haben und an den Grenzortm den Türken heftige Kämpfe liefern. Dao-aen meldet »ine Nachricht aus Konstantinopel, daß 4|VX) Albane- fett vom Distrikt Dschakowa aus in Montenegro eingefallen sind und bisher auf keinen Widerstanb gestoßen sind.
39. Jahrgang.
*♦ Berlin, 10. Okt. 1912. Der,Reichsanz/ veröffentlicht den Kaisrrl. Erlaß betr. die Erklärung des Schutzes über die in Acquatorial-Afrik, erworbenen Gebiete unb die Kaiser!. Verordnung bett, die Vereinigung der in Aequatorial-Afrika et» worbenen Gebiete mit dem Schutzgebiete Kamerun.
FH Dr. Müllet-Sagan f- Der frühere Reichs» tags« und Landtagsabgeordnet« Dr. Herman» Müll« ist am Mittwoch abend in einem Berliner Krankenhaus«, nachdem er sich wegen eines inneren Leidens einer Operation hatte unterziehen müssen, gestorben. Dr. Hermann Müllet, der lange Jahr« eine führende Rolle in bet Freisinnigen Partei ge» spielt hatte, wurde 1857 in Lippstadt geboren. Dem Reichstag gehört« er von 1892 bis 1906 ununterbrochen als Vertreter von Sagan»Sprottau an. I» das Abgeordnetenhaus trat er erst im Jahre 1906 ein, er vertrat hier zuerst den UntertaunuskreiS dann den dritten Berliner Wahlkreis. Dieses Mandat legte et im Iahte 1910 nieder, um sich vom politischen Leben zurückzuziehen.
X Die „grundsätzliche Solidarität" der national- liberale« Partei. Die nationalliberale Reichstags- flattion hatte sich in diesen Tagen in Heidelberg zu einer Tagung zusammengefunden. „Trotz der Tatsache, daß es auch in Heidelberg wieder Mei- nungsverschiedenhriten, unb zwar recht kräftige, gab", zeigte sich bei dieser Gelegenheit nach dem Leidest». Tagebl.' das „Gefühl der engste» Zusammengehörigkeit". DÜS Gefühl zeigt« sich natürlich in erster Linie m der — Jesuiten« frag«, dagegen war in derGroßblocksrag« und in wirtschaftlichen Fragen, besonders in der Fleisch- teuerungssrage, von „grundsätzlicher Solidarität" wenig zu merken. In der Attacke auf die Jefuite» hat sich die alte Kulturkämpferpartei aufs herrlichste bewährt:
„Hier offenbart, sich der einmütige SBiHe", schreibt baS oben genannte Blatt, „an der lleberliesermig d« nationalliberalen Partei festzuhalteu unb den konfessto» rollen Hader nicht «eiter verschärfe» z» lasten und nach Möglichkeit bl« klerikale» Herrschgelüsie einja» dämmen, fit kräftigster Form. ES bedurft« kaum ein«! Debatte, um den Entschluß der Frattion fesiznstell«^ daß der Zulassung ber Jesuit«» der e»«rq gischst« Widerstand erugegenzufetz«» sei. 6» bat Die improvisierte FrattionSkagung der Nationallibrra.'en, die in der Fleischteuerunasfrag« zur Einsetzung ein« besonder«» Kommissto» führte, in dem einzig«» Punkt«, v«r di« programmatisch« Haltung d« Part« näher berührte, alle» ander« eher bewiesen, alS Unklarheit und Unetnigteit unter ihren Mitgliedern."
Jawohl, di« Nationalliberale» habe» wieder einmal Der Welt gezeigt, daß st« bei noch so große» Meinungsverschiedenheiten i» politische» imb roirto schastliche» Ding«« sofort «lebet einig wettet wenn eS heißt, sich kulturkämpferisch z» betätigen !
♦ Metz, 9. Ott. 1912. Auf Einladung bei Hoch- würdigen Herrn Bischof» Benzler fanden sich gester» etwa 25 Herren im Bischöfliche» PalaiS ein, u»t dort bte ersten Vorbereitungen zu dem nächstjährige» in Metz aozuhaltenden Katholikentag z» trA feu. ES wurde ein provisorische» Komitee gewähU, das die wetteren Schritte zur Borbereitung bet «H gültigen Äonftitirirnutg bei LokalkomtteeS tmt wird. Damit ist der Anfang zu ba» großen Wert gemacht.
Ausland.
A Z« Schnlftag« i» Frankreich. Die KaiholÄ» in Pari» haben i» dem Kampfe nm bie Schul» einen bemerkenswerten-Sieg erfochten. Im Jahre 1909 hat der Stabtat von Pari« mit nut Mehrheit von ein« Stimme dem Lehrerverein, te infolge de» gemeinsamen Hirtenbriefes bei ftw zösischen Episkopal» gegen die gottlose Schule »beo- all in Frankreich Prozesse gegen He Unterzeichn« dieser Dokumente euüeiten ließ, 5000 Franke» eil Unterstützung zu diesem Beginnen zn-esprochen. Da Seinepräfett genehmigte diesen Beschluß. Dws« Beschluß ab« und bte Zustimmung bei Präfekt«» waren eine offenbare Gesetzesverletzurm, welch«» di« Kompetenzen der Stadtverwaltung beschränkt, Ei« Grupp« Paris« Katholiken beschloß, beim Staatsrat Einspruch zu «heben, wegen Überschreitung Ho Zuständigkett de» Stadtrats. D« Staatsrat hot nun ben Katholiken Recht gegeben und den gar « antiklerikal-begeisterten Stadtrat cm feint Pflicht gegenüber den Steuerzahlern ermahnt. Heute ist b« Paris« Stadtrat in sein« Mehrheit ander« zusammengesetzt al» 1909 unb so wird da- Urtest deS Staatsrates keinen Widersprmh finden.
** Dir Homerule-Vorlage ist gestern tpt englische» Parlamente von Premierminister Asquith eingebracht worden. Asquith brachte die feste Ent» schloffenheit d« Regierung zum Ausdruck, die Vor läge noch während d« jetzigen Parlamentssesfio» zu «lebigen.
△ Tie religionslose Schule in Spanien ist das nächst« Ziel d« dortigen Republikaner. Der Bürgermeister i» Madrid hat eine Verfügung erlaffen, durch die H« Volksschulen d« Hauptstadt d« Rechtsprechung des königlichen Delegierten entzogen und unt« ben Einfluß v« republikanischen Stadto«ordneten gestellt werden, um „sie dru Wegen der Zivilisation zuzu« füllen“ d. h. um ihnen, sobald als möglich dc» religiösen Charnkter nehmen zu können.
Generalversammlung der Görres« gesillschast.
v Freiburg, 9. Okt. 1912.
Gegen halb vier Uhr eröffnete Geh. Rat Prof. Dr, Grauert-München die zweite allgemeine Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung spricht Pros. Dr. H»- berg (Freiburg) kurz über die wissenschaftliche Verdienste des auf dem hiesigen Gottesacker beigesetzte» Prälaten Dr. Km.stantin von Schäzler und sein« Schwester Olga, Freifrau von-Leonrod (geft 1901), Hofrat Dr. Otto Willmann -Leitmeritz referierte über die Methode der Religionsforschung. Tann spra- chen noch, mit lebhaftem Beifall empfangen, Prof. Dr, fingier S. L, Valkenbura (Holland,, über das Ätt«