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JV» 235.

Doititersfag -en 10. Gtto-er 1-12.

59. Jahrgang.

«fuldatr M Zeitung

2. Blatt

vrack un» Verleg »er $«!»oer HetleBbmtferet in Znlda.

[] Die GetreideMe der einzelneu Staaten.

Kaum jemals hat eine volkswirtschaftliche Streit­frage soviel Staub aufgewirbelt wie die Frag: der Getreidezölle. Es steht auch nicht zu erwarten, ratz ihre Behandlung sobald aus der öffentlichen Diskus­sion verschwinden wird. Im Gegenteil wird man so­gar sagen müssen, dah die Ausc.nandersetzuugen über die Getreidezolle de,«nächst nut verschärfter Lebhaf­tigkeit wieder einsetzen wn-den.

Die heute bestehenden Zolle sind als Grundlage für "bu obzuschlietzenden Zoll- und Handelsverträge im Jahre 1902 vorn Reichstage festgelegt worden. Die daraufhin abgeschlossenen Handelsverträge ha­ben eine Geltungsdauer von 12 Jahren. Sie tra­ten im Jahre 1906 in Kraft und laufen im Jahre 1918 ab. Da die Frage der Zölle sehr wichtig und schwierig ist und auch die Erneuerung der Handels­verträge meift längere Zeit in Anspruch nimmt, so wird der Reichstag vielleicht in nicht allzu ferner Zeit schon die Verhandlungen über die Zölle wieder beginnen. Unter diesen Umständen dürfte eine kurze Uebersrcht über die Höh: der Getreidezölle, in deutsche Währung umgerechnet, in den einzelnen Ländern von Interesse sein.

Es beträgt für 100 Kilo der Zoll für W e i z e n in der Schweiz 0,24 Mk., in Bulgarien 0,40 Mk., Griechenland 3,86 Mk., Serbien 4,05 Mk., Schwe­den 4,16 Mk., Oesterreich-Ungarn 5,36 Mk., Deutsch­land 5,50 Mk., Frankreich 5,67 Mk., Italien 6,08 Mark und Spanien 6,48 Mk. Für Roggen lautet der Zollbetrag in der Schweiz 0,24 Mk., in Bul­garien 0,40 Mk., Griechenland 1,91 Mk.» Serbien 4,05 Mk., Schweden 4,16 Mk., Oesterreich-Unga'm 4,93 Akk, Deutschland 5,00 Mk., Frankreich 2,43 Mark, Italien 3,65 Mk. und Spanien 3,24 Mk. Dänemark, Belgien, Holland, Rußland und England kennen weder einen Weizen- noch Roggenzoll.

Hiernach haben also in der Hauptsache nur einige kleine Staaten mit ganz besonderen Produktionsbe­dingungen und Rbsatzverhältnisien keine ober nur geringe Getreidezölle. Bonden größeren Staaten sind es nur Rußland und England. Rußland produziert einen Ueberschuß au Getreide und kommt deshalb für die Schutzzollpolitik nicht so sehr in Frage. Auch in dem Kolonial- und Jnselreiche England müssen die besonderen Verhältnisse berücksichtigt werde». Zudem hat England sich bereits vor etwa 70 Jahren zum Freihandel bekannt, als es noch au feine unbe­hinderte Leöensmittelzufuhr von auswärts und auf einen ungehemmten Siegeszug seiner Exportindustrie hoffen konnte. Aber trotz aller günstigen Vorbedin­gungen hat man in England schon recht schlimm: Erfahrungen mit dem Freihandel gemacht, und feit Jahren bereits ist in England eine starke Bewegung zur Einführung des Schutzzolls im Gange. Uebri- gens bereitet auch Holland neuerdings den Ueber- gang vom Freihandel zum Schutzzoll vor. Immer mehr Staaten haben sich so im Laufe der Zeit von der unbedingten Notwendigknt eines Schutzes der nationalen Produktion überzeugt. Manche Staaten haben bedeutend höhere Zölle als Deutfkland, f» namentlich beim Weizen, der wichtigsten Brotfrucht unserer Zeit

?Iits dem Hadibaraebicte.

* Alsfeld, 9. Oft 1912. Die Kreis-Acker­bau-und Ob st aus st ellung erfreute sich einer regen Beteiligung seilens der Landwirte des nördli­chen Bogelsberges. Dian staunt über die schönen Erzeugnisse und sieht, daß auch im. nördlichen Ab­hang des Bogelsberges bei entsprechender Sorten­wahl, Bodenbearbeitung und Düngung Acker- und Obstbau Vorzügliches hervorbringen können.

* Hanau, 9. Oki. 1912. Ueber das Vermögen der Firma Könms Buchhandlung, Inh. Altmann- sperger, ist der Konkurs eröffnet worden.

* Frankfurt, 10. Okt. 1912. Bei der Kriminal­polizei waren verschiedene Anzeigen eingelaufen, daß in einer Privatwohnung in der Allerheiligenstraße seit Wochen „g ej: u t" werde. Dienstag abend drangen fünf Beamte' ins Haus und in den Spiel­saal, wo 14 bis 15 Metzgerburschen bei „Meine Tante, deine Tante" saßen und nun wild auseinan­der stieben. Sie versteckten sich in den oberen Eta­gen und in der Mansarde, wurden aber von den

Hausbewohnern heruntergeholt und den Beamten übergeben. Die Seele der Spielhölle war der frühere Wirt Nathan S'ligmann, dem die Konzession ent­zogen wurde, weil er mehrfach in feinem Lokal Glücksspiele duldete. Die Polizei beschlagnahmte Karten und Spielgelder.

* Bedra, 9. Ott. 1912. Am letzten Sonntag veranstaltete hier der Flieger Abelmann ein gut gelungenes Schaufliegen. Auf seinem Eindecker führte Abelmann zwei Flüge au8, die 4 bezw. 10 Minuten dauerten und einen vorzüglichen Verlauf nahmen. Ein nach Tausenden zählendes Publikum aus Bebra und Umgegend wohnte dem Schau­spiel bet.

♦ Krombach im Kahlgruud, 9. Okt. 1912. In der Nacht zum Montag wurden dem Fabrikarbeiter Fleckenstein au8 seinem (Satten einige Säcke Aepfel gestohlen. Er erstattete Anzeige, worauf Krimi- nalsergeant Berlenbach aus Aschaffenburg mit seinem Rolf requirierte. Der Hund erhielt am Tatorte Witterung, eilte in ein Anwesen der Ort­schaft, wo der eine Täter festgestellt wurde. Sodann nahm Rolf die Spur nach einem Kartoffelfeld auf und verbellte dort einen Taglöhner. Beide gestanden die Tat ein.

* Eschwege, 9. Okt. 1912. Die Arbeiten am Meißner-Verbands-Wasser werk schreiten bei der günstigen Herbstwitterung flott ihrem Ende zu. In Germerode und Alberode sind fast alle Hansanschlüffe angelegt und ländliche Jnstallations- arbeiten bewirkt. In Abterove streikte dieser Tage ein Trupp böhmischer Arbeiter. Da ihnen der ge- wrderte Lohnau schlag nicht zugebilligt wurde, zogen sie fort. Die Jnbetriebietziing bet Hauptleitung nach den Bahnhöfen Niederhone und Eschwege ist m allernächster Zeit zu erwarten.

* Hann. Miinvki«, 10. Ott. 1912. Am Montag abend brach un benachbarten Mielenhausen plötzlich Feuer aus. In einem Lagerraum der Gastwirtin Mcyer hatte der dort lagernde Weizen Feuer gefangen. 50 Zentner Weizen und die Möbel des Saa.es verbrann'en.

* Rothenbach, 8. Okt. 1912. Ein rascher Tod ereilte den Wagner Jung von Pfeifensterz. Als er im Wölferlmger Walde Holz holen wollte, stürzte er dort plötzlich seinen ihn begleitenden Enkelkindern in die Arme. Ein Förster konnte dem Bedauerns­werten zu Hülfe eilen, doch verschied er bereits nach wenigen Minuten an einem Herzschlag. Der Ver­blichene hat die Feldzüge 1866 und 1870/71 mft- gemacht.

* Au» Thüringen, 9. Okt. 1912. Die General» veriammlung der Bank für Thüringen in Meiningen letzte die Dio deude auf 8 (i. B. 70») Proz. ;eft. Reu in den Aufsichtsrat wurden Kommerzien­rat Böhwe in Apolda und Lcindrat Quarck in Coburg gewählt. — Tas Schwurgericht in Wei­mar verurteilte den Aröe ter Geisenhainer auS Bad Sulza wegen Straßenraubs zu fünf Jahren Gefängnis. Er hatte in Weimar und in Jena auf öffentlichen Wegen Damen die Handtasche entrissen. — Bet der am Sonntag in Eriurt veranstalleten Ballon-Weltfahrt, an der die Ballons »Magdeburg', .Bitterfeld', .Anhalt", und „(Soniinemal II' teil« nahmen, siegle der Ballon .Magdeburg', Der von Direktor Hermann-Erfurt geführl wurde. Er lan­dete bei Arnsberg in Westfalen, stieg dann aber, da fein Gasvorrat noch nicht verbrauche war, noch einmal auf und landete abends glatt un Bezirk Düsfeldors. Die übrigen Ballons landeten bei Siegen und Mefchrde in Westfalen. — Die Ab» teuiungsarbeilcn zu i em Schachte „Töupeun Mö t letsgruude fchreiten tftiitg vorwärts. Gegen­wärtig ist eine Deute von er. 120 Bieter erreicht. Auch der andere Schacht, dessen Tagesanlagen io ort definitiv angelegt worden sind, ist bereits in Angriff > enomn en.

* Friedberg, 8. Oft. 1912. Die Zuckersabrik Wetterau hat jetzt schon zum zweiten Male in­nerhalb acht Tagen den Betrieb -instellen müssen, weil die Aktionäre und andere 6j'.-feranten nicht die genügende Menge von Zuckerrüben herbeischaffen können. Durch die starken Fröste der letzten Tage sind di: Bauern der Wetterau gezwungen, zunächst alle anderen Früchte einzuernten, um sie vor dem Erfrieren zu bewahren, und die Zuckerrübenernte völlig zurück zu stell:».

' -laimitaut, «. Öl'. 1912 Das Schwurgericht verurlellte geiler» den 37 Jahre alten Toalöhner

Husar auS Offenbach wegen Totschlags zu einer Zuchthausstrafe von 12 Jahren und zu 10 Jahren Ehrverlust. Der Vertreter der Anklage hatte nur 10 Jahre Zuchthaus beantragt. Husar, der bereits 15 mal vorbestraft ist, hatte auS Eifersucht seiner Schwägerin, der Ehefrau Klaffen, zu der er als Kostgänger Beziehungen unterhielt, mehrer« Mkffer- ftiche versetzt, an deren Folgen sie starb. H. war geständig.

* Wiesbaden, 9. Okt. 1912. Die Regierung hat an die Polizeiverwaltungen der Städte und größeren Orten Nassaus das Ersuchen gerichtet, bei den Vor­standsmitgliedern der Krankenkaflen Ermittelungen darüber anzustellen, wie sich das Verhältnis zwischen Kassenärzten und Kassenverwaltungen vorausfickttich bei der Einführung der Reichsver­sicherungsordnung gestalten dürfte. Gleichzeitig sollen sachverständige Personen darüber befragt werden, wir ein ersprießliches Verhältnis zwischen Kassenärzten und Krankenkaffen herzustellen sei. Aus Grund des eingehenden Materials wird die Regie­rung dann weitere Schritte unternehmen.

* Ans dem Großherzogtum Hessen, 9. Oft. 1912. Der Lehrerberuf ist im Großherzogtum jetzt derart überfüllt, daß zahllose junge Anwärter zu Hause sitzen und seit Monaten sehnsüchtig auf An­stellung warten, andere nach den benachbarten Staa­ten abwand:rn. Noch betrübender aber sieht es bei den Kandidaten für das höhere Lehramt aus. Hier warten nicht weniger als 400 Kandidaten auf feste Anstellung. Ta von den 554 im Grotzherzog- tume vorhandenen Oberlehrer- und Direktorstellm jährlich etwa nur 15 besetzt werden, so sind die Aussichten für die 400 Anwärter außerordentlich un» günstig. Die jüngsten dieser Herren dürfen unter normalen Verhältnissen noch 20 Jahre warten, ehe ihnen das ersehnte Dekret ins Haus fliegt. Und eine Anstellung in Preußen ist ebenfalls aussichtslos, da auch hier der Bedarf mehr als gedeckt ist.

* Wrimar, 10. Okt. 1912. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann am Dienstag die Ver­handlung gegen die Gutsbesitzersfrau Barth, geb. Wagner und bereit (Sailen, beibe av§bem thüringischen Dorpe Langeufchade, b;e beschuldigt werden, un Juli v. I. den Bruder der Fran, Richard Wagner, durch Erdrvfielung ermoroet zu haben. Als Motiv der Tat ro'rb Habsucht wegen ungleicher Erbsckafls- üertcilung angenommen, in zweiter Linie aber den Angeklagten üntaftelll, daß sie in dem Eimorveten einen unbequemen Mitwisser einer früheren Mord­tat an der Landwiristochler Bertha Jahn hatten und ibn beseitigen wollten. Der an der Mordtat beteiligte zweite Braver der Angeilaalen hat im Gefängnis Selbümo'd beaangen.

* Bom Eichsselde, 9. Oft. 1912. Einen schönen Erfolg haben die Mitglieder des Verbandes katho'.. erwerbstätiger Frauen und Mädchen bei bet Ortskrcmikenkafsenwahk zu Worbis am letzten Sonntag errungen, bei der sie sich zum ersten Male beteiligten. Zum ersten Male seit Bestehen der Krankenkasse ziehen sechs weibliche Vertreterin­nen mit in die (Seneralversammlung ein.

Amt (Feifa und lliwb’tnti.

* Vacha, 9. Oft. 1912. Die städtische S p ar» lasse hat die tägliche Verzinsung für all: zur Ein­zahlung gelangenden Spareinlagen eingeführt.

* Xtimöam, V. X)t oo.-t 1912 I ca letzten Sitzung des Bez« r iso u s > et ttifes des 4 Bei- wallttttgsbesirks na an en dte Verhandlungen über die ’jhittäge der Geroerkichaftcn .Bon i fazius' in Buttlar in d (Scioirbcbart ,S a cb | c n -Weimar' in Unterbretihach aur (Scnehmtgu ig zur Einrichtung non Chloikaluim» und Sulial abriten e nen breiten Ri uni cm. Eine Rewe von Emiprechein, nameni» ltch aus Prcuß n, nahmen gegen die Anträge der (Scroerfidiaften Stellung, da der Wertafluß durch hie Endlaugen zu hohe Härtegrade ctballe. Das Waner «irle dann jdmbiiicnö bet Verwendung in Der Landwer schäft, der Fifdierei, der Jitdustrie und ca, wo es ats iitnlivafler benutz roirö. Als Sach» vernänd »er für den BezirksausMmß w>r Geb. Hoiral Pro effor Dr. Jmm ntoif erichicnen. Die aolraa stellenden Gewei kw'atten roaren ebenfalls ver­treten und ließ n durch Rechlsaun ä ie ihre Anträge begrünDen. Nach Gftünötoer Verhandlung g e»

nehmigt» der Bezirksausschuß die Anträge der Gewerkschaften. Der Vorsitzende begründete ein­gehend den Beschluß und gab die umfangreichen und f(hrncfen Bedingungen bekannt, welch« von bett Geiverkfchasten beim Bau ihrer Fabriken einzuhaltev find.

* Tiefenort, 9. Ott. 1912. Am Montag st a.t 6 in Eisenach hn Alter von 84 Jahren Profeffor Dr. Christian Sehrwald, ein weit üb:r die Grenzen Thüringens hinaus bekannter Gelehrter und Literat, Er war am 7. Mai 1829 in Tiefenort geboren. Zu­nächst Gymnasiallehrer in Altenburg, wurde er spä­ter zur Leitung der dortigen Landesbibliothek beru- sen. — Im Schachte Dönges fiel am Dienstag einem kroatisch:» Arbeiter ein schweres Stück Eisen auf den Fuß und zerquetschte ihm denselben. Der Be­dauernswerte wurde sofort in das Krankenhaus nach Meningen geschafft.

Ans Gderheffen u. den Hess. Aemtern.

* Marburg, 9. Oft. 1912. Der Privatdozent Dr. Jaentsch in Straßburg hat einen Ruf als ordentlicher Professor und Nachfolger des von seinem Lehramt zurückgetretenen Professors Coh:n an di« hiesige Universität erhalten.

* Kirchhain, 9. Oft. 1912. In der letzten Stadt­verordnetenversammlung wurde mitgeteilt, daß das Tarnowsche Legat nebst den aufgelaufenen Zinsen mit zusammen 21488 Mk. nunmehr zur Stadt- kaffe Kirchhain eingezahlt sei. In den Vorstand der gewerblichen Fortbildungsschule wurde Stadtverord- neter Seibert als Mitglied gewählt. Mit einer An­zahl von Grundeigentümern, welche Gelände zum Bau der Wohrabahn herzugeben hatten, War bisher ein: Einigung nicht erzielt worden. In dem eilt« geleiteten Enteignungsverfahren hatte Bürgermeister Grün eine Anzahl Vergleiche geschloffen, denen zu­gestimmt wurde.

* Ziegenhain, 9- Ott. 1912. Der Arbeiter Otto aus Sebbeterode, der mit seinem Schwiegersohn, dem Arbeiter Reumann, in Wortwechsel geriet, stach diesen mit einem M e s se r derart in den Unterleib, daß der Verletzte sofort dem Krankenhause zugeführt werden mußte. Der Zustand d:s unglücklichen Men­schen soll sehr bedenklich sein.

** Trey?», 9. Olt. 1912. Mehr als 40 Delegiert« roaren hier am Samstag zum Berbandstag der evangelischen Arbeitervereine eingetroffen. In der ersten Sitzung wurden nach kurzen 9t» griißungsworten innere Angelegenheiten der Verein« beraten. Einer Besichtigung der Anstalt Hephata am Sonnlag morgen folgte nachmittags di« General­versammlung, die durch Pfarrer Lic. Francke-Kaffel geleitet wurde. Unter Hinweis auf di« Ziel« der Arbeitervereine bat er die Regierung-. und Ver­waltungsbehörden um Förderung der Sach«, damit Christentum und Vaterlandsliebe wieder festen Baden gewännen. Darauf erstattete er den Jahresbericht, aus dem wir folgendes nytteilen: Eine Denkschrift des Verbandes über seine Bestrebungen ist den kirchlichen und Staatsbehörden übermittelt worden. Bcwuders bei den Landraren hat die Angelegenheit freundliche Aufnahme gesunden. Neugründungen sind erfolgt in Schlüchtern mit 80, Hoof b. Kassel mit 170, Niederaula mit 75, Oberaula mit 33 Mit­gliedern. Der süvhesflsche Verband mit Schlüchtern, Hanau, Fechenheim, hat sich neugebilbef, während der nieöetheififdje Verband sich in einen Fulda- und einen Werraverbanv geteilt bat. In Vertretung deS erkrantien Referenten, Dr. Overbeck-HerSseld ver­las der Vorsitzende dessen Arbeit über die Bedeutung unserer Kolonien für die Volkswirtschaft, Insbesondere iür den Arbeiterstand. Pfarrer N o l l-Karlshafen iprad) über „Arbeiterrcniengüter' und wi«S nach, vaß es, wie in KarlShafen, auch andeiwärtS möglich fei, auf dem Wege der RentengutSdildung die Er­richtung von ülrbeiteihäuietn in Angriff zu nehmen. Avcnds 7 Uit fchlotz sich ein Familienadend an, aut dem über ine Gesc hren bei Deutschtums im Osten bind) bie Sozialdemokratie sowie über di« Bcbeutung ber Frauen für die Sach« der Arbeiter­vereine geiprochcn wurde.

* Wolferode, 9. Oft. 1912. An der hiesigen Schule, die von mehr als 100 Kindern besucht nxttb, wird demnächst ein zweiter Lehrer angestellt.

3m Schutze des Zauberers.

341 Enulisch-indischer Roman von E. A. Hcn'y

Etwas später saßen die Herren abermals im engen Kreise zufaminen und berieten sich über die ganze gegenwärtige Lage „Doktor", sagte der Major, „ich wär: Ihnen sehr dankbar, wenn Sie zu Bathurst gingen und ihn bäten, herzukommen. Er kennt die Lnite hier herum weit beffer als wir alle, und deshalb muß uns seine Meinung wert­voll fein."

Der Doktor begab sich sogleich zu Bathurst: „Der Major läßt Sie bitten, zu uns zu kviumen, damft wir Ihre Ansicht über die Dinge hören. Aber rch muß Ihnen nur sagen, daß inbezug auf Sie die Gesellschaft sich in zwei Parteien gespalten hat. Auf riner Seite st eben der Major. Wilson, ich und alle Damen: die anderen sind leider Gottes geneigt, für jetzt nichts von Ihnen wissen zu wollen."

„Natürlich!" sagte Bathurst ruhig. „Daß die Damen für mich sind, habe ich nur Ihnen zu ver­danken, Doktor, das weiß ich."

„Sie wollen also kommen?" sagt? der Doktor, erfreut, Bathurst gefaßter zu find:», als er ver­mutet hatte.

„Gewiß komme ich. Das Schlimmste ist nun vorbei: tebermann weiß, daß ich ein Feigling bin. Davor fürchtete ick mick am meisten — nun kann ntidj nichts anderes mehr schrecken. Warum sollte ich mich also verbergen?"

Als sic bei bett Damen vorbeikamen, sagte Frau Doolan freundlich: „Haben wir uns hier mcht ganz gemütlickt eingerichtet, Herr Bathurst, Wir fühlen uns wirklich jept viel behaglicher als gestern abend, wo Sie uns die schlimmen Nachrichten brachten. ®ie Sorge und Angst vor dem Unglück ist immer schlim­mer als die Wirklichkeit."

„Wohl nicht immer," sagte er. „Aber Sie haben es sich in der Tat sehr behaglich gemacht; Ihre

Näherei ist freilich von etwas derberer Art als ge­wöhnlich."

Somit schritt er mit dem Doktor weiter ans andere Ende des Zimmers, von wo aus ihm der Major schon zunickte.

„Mir wollen gern Ihre Meinung hören, Bat­hurst; denn Sie kennen die Landleute unserer Geaend weit besser als wir anderen. Ob dieselben wohl gegen uns Partei nehme» werden?"

„Ich fürchte, sie werden es. Früher dichte ich anders; aber wenn Nena Sahib sich feindlich gegen uns stellt, so werden auch sie von dem Strome mit­gerissen."

„Ich hatte gehofft, die Trupven würden abziehen, nach der Lehre, di: sie hefte morgen von uns em­pfangen haben; aber man weiß noch nicht, was ge­schieht."

„Wenn Sie wollen, Maior. fo will ich bm-vfien und ihre Absichten zu erforschen suchten", sagt: Bathurst mit Ruhe „B>n unseren Dienstleuten kann ich mir einen Anzug bornett, und die Sprache bchcrrscke ick gut genug, um als Eingeborener gel­ten zu können Soll ich mich also nach dem Zelt­lager begeben?" '

,S*a4 wäre sehr gefährlich für Sie", entgegnete der Major ernst. 8 8

»Eine derartige Aussicht schreckt mich nicht im ’ geringsten, Herr Major. Ich verliere nur bet hef­tigem Geräusch die Herrschaft über meine Nerven, wie Sie alle heute sahen, — trotz der äußersten Auf­bietung aller meine: Willenskraft; aber Gefahren irgend welcher Art scheue ich niemals. Im vorlie­genden Falle dürfte übrigens da? Wagnis nur ge­ring fein. Der Doktor bat gewiß etwas Jod — eine Bestreichung damit gäbe mir gerade die richtige Farbe."

„Nun, wenn Sie es versuchen wollen, so bin ich einverstanden", sagte der Major. „Wie wollen Sie aber hinausftmmen?"

.„Ich benreifte gestern, daß die Aeste eines Bau­mes hier im Garten bis über die Mauer reichen;

da hinauf will ich klettern und mich dann auf der andern Seite an einem Seil herablaffen, das 'st ganz einfach. Die Stelle ist unweit von Herrn Hunters Besitzung, und fo kann ich wohl unbemerkt durch das Buschwerk ein aut Stück vorwärts kom­men. Ucbrigeus — ehe ich mich aufmache, Kavitan Forster, muß ich Ihnen danken, daß Sie meinet­wegen Ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Frau Hunter hat mir gesagt, dgß Sie und der Doktor es waren, die mich herabholten."

„Das ist ja nicht der Rede wert", erwiderte Forster leichthin^ „Sie machten sich geradezu zur Zielscheibe - da blieb doch nicht? anderes übrig, als Sie mit Gewalt zu entfernen."

Bathurst wandte sich an den Doktor: „Wollen Sie mir nun beim Anziehen helfen?"

„Gewiß", sagte dieser bereitwillig, „und ich stehe dafür, daß mein T jener und ich Sie fo Herrichten werden,- daß Sie selbst bei Tage nicht zu erkennen wären, geschweige denn rm Dunkeln." Eine Vier­telstunde genügte,, tun. Bathurst in einen richiigen Hindu-Landmann umzuwandeln. Er kehrte nicht mehr ;u den anderen zurück, sondern ging, vom Dok­tor begleitet, sogleich nach dem bezeichneten Baume.

„Nun, der Himmel segne Sie, mein alter Junge und führe Sie siche: zurück", sagte der Doktor. „Gefährlich ble bt das Untern chmen immer. Aber dock freut es mich, daß Sie sich zu demselben bereit erklärt haben; denn damit beweisen Se doch nun Ihren Mut. Manch einer, der vielleicht recht tapfer im Geseckt steht, würde Ihnen dies nicht nach­mach :n. Wie lange denken Sie wohl sortzubleiben?"

„9hm, einige Smnden doch."

„Gi,t; nach einer Stunde schon will ich wieder hier feilt und Sie erwarten."

Als oec Doktor ins Haus zurückkam, eutpfing ihn ein Sturm von Fragen:

»Ist Heu Bathurst schon fort? Warum hrt er sich nid)t erst noch gezeigt? Wir hätten ihm alle gern Lebewohl gesagt."

„Ja, er ist fort. Ich habe ihm über die Mauer

geholfen, und es ist am besten, daß er fo ohne Aussehen allein ausbrach. Er ging so ruhig und selbstverständlich fort, als handelte ei sich um einen gewöhnlichen Abendfpaziergang. Jetzt gehe ich auf das Dach. Wenn man dort auch nichts vorn Zelt­lager her hören kann, fo würde doch ein Stuf et­waiger Schildwach:n, von denen er vielleicht hier in der Nähe entdeckt wird, vernehmbar fein."

e er Doktor wandte sich zum (Sehen, als Isabella fragte: „Dari ich T' begleiten. Herr Doktor? ES ist fo heiß hier unten."

„Jawohl, kommen Sie mit, Kind. Aber tote müssen uns sputen, denn Bathurst muß jetzt schon da sein, wo der Feind vermutlich Poste« ausgestellt hat, die das Hospital bewachen sollen. „Alle- ruhig, Wilson?" fragte er, sobald sie oben angelangt wa­ren, wo Wilson mit einem anderen die Wache hatte, und fuhr dann fort:

„Ich hoffe, Bathurst ist schon jenseits der Schild­wachen. Ich kam hier herauf, um zu horchen."

„Ich denk:, er muß schon durch sein", sagte Wil­son zuversichtlich. ,„Jch wünschte, ich hätte mit ihm gehen können; aber das würde natürlich gar nichts genützt hoben. Ein sckröner Abend, nicht wahr, Fräulein Hannap? Wenn Sie lauschen wollen, so nehmen Sie, bitte, hier in meiner Ecke Platz; sie ist den Zelten am nächsten."

„Ja, setzen Sie sich, Isabella", sagte der Doktor; „das heißt, wenn Sie länger hierbleiben wollen. Wir können ja einen Sack zum Sitzen für Sie zu» rechtschieben."

„Nein, danke, ich stehe lieber", meinte Jabella; und so standen sie ganz still und blickten »ach de» Feuern im Lager.

„Glauben Sie, daß Herr Bathurst nun gewiß durch bie Schildwacken hindurch ist?" fragte Isa­bella nach einer Weile.

„Ja, jetzt gm.z gewiß. Ich denke, et muß schon nahe bei den Zelten sein" ... «

(Fortsetzung folgt.)