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Rotationsdru« «. Verlag der jjuldaM Actiendrnckerei i-Zuldch zernjprechrr Ur. *

39. Jahrgang

Fulda, Mittwoch den 9. Oktober 1912,

Erstes Blatt.

M 232. •

Ersterer referierte t«

örg

Der griechische

lagen. Die den Türken gehörenden Häuser sind fast alle halb demoliert worden. Daß dieses Massctkre Oel ins Feuer gießen wird, versieht sich bei der Kr-iegsstimmnng auf dem Balkan von selbst.

haufenweise. Nicht nur die Männer, sondern auch ihre Frauen und Kinder wurden erbarmungs­los abgeschlachtet. Die Zahl der Toten ist noch unbekannt, aber rumänische Bauern, die sich gestern nacht geschäftlich in Turtukai rnistnelten, erzählen,

aufgestellt. Daraufhin hat eine Vertrauensmänner» Versammlung des Bundes der Landwirte erklärt, daß S. durch seine Aufstellung als Kandidat der Nationalliberalen seine Zugehörigkeit zum Bund der

beten. _

Kvnstautiuopel, 8. Dft 1912.

Deutsches Reich.

* Berlin, 8. Okt. 1912. Das Kaiserpaar ist von Rommlen ü* er Königsberg, wo ein kurzer Äufen.balt stattsand, nach Kabinen überaesiedett: von dort begibt sich der Kaiser zur Pürsch nach Faadsdlaß Hubertusburg. — Der Bundesrat wird seine regelmäß'gen P'enar'itzungen am DonnerS- lag wieder auineamen. Unter den Vorlagen, die chm bereits zugegangen sind, steht an erster Stelle der Gesetzentwurf über Jugendgerichte, der, von einzelnen Abänderungen abgesehen, dem be» treffenden Abschnitt der vom vorigen Reichstag nicht mehr erledigten Stra Prozeßordnung entspricht. — Hewe vollendet das Mitglied des Herrenhauses Frbr. v. Richtboten-Damsbach sem 70 Lebens, fahr. Frhr. v. Richthosen Hal auch dem Reichstage lange Zeit angehört und dort eine hervorragende Tätigkeit entwickelt.

** Siafanow in Berlin. Der russische Minister des Aeuveren, Ssaianow, der gestern vormittag um 7.20 Uhr in Berlyi eingetroffcu war, empfing den ruifiidicn Botschafter in Wien und den russitchen Gesandten in Kopenhagen und konferierte sodann mit dem ruistschen Botschafter in Berlin und dem russischen Gesandten in Darmstadt. Später empfing Ssasonow den bulgarisa en Gesandten, den griechi­schen Geschäststräaer und den italienischen Bot- Ichaster. Um 4 Uhr sprach Ssaianow bei dem Minister des Aeußeren, v. Kiderleu-Waechter, vor und wurde um 6 Uhr vom Reichskanzler empfangen. Am Abend 'and zu Ehren der Mini» sters bei v. Kiderlen-Waechter ein Essen statt, woraus der Minister die Heimfahrt nach Peters­burg antrat.

+ Landtagsalig. Zustizrat EqPmg (ivrtschr. Bpt.) ist Diensiag vormltlag in Aiünchen, wo er seit längerer Hext kiank tag, im Alter von 53 Jahren gestorben. Gyßlmg war seit 1903 Mitglied des preußischen Ahgeoidnetenbauses für Königsberg- Fijchhamen, seit 1907 gehörte er auch dem Reichs, tage für Königsb-rg-Stadt an.

)i Ausschluß eines Rationallibereleu aus dem Knud der Landwirte. Aus Stuttgart wird gemeldet: Ter Bund der Landwirte Hal dem bisherigen Abgeord« neten von Hall, Schultdeiß-Pwrdtiier, den Stub> vor die Tür geletzt. Schultheiß-Ptördlner, dcr schon seit Jahren Mitglied des Bundes der Landwirte ist, gehört der nauonallideralen Fraktion an und ist ieai wmoer von öenJ,\ulionaUibet.aun als -»anv.oai

Versammlung beiitat

Die Kaualisatim de« MaiurS.

5 München, 8. Okt. 1912. Die bayerische Ab- gemdnetentammer nahm einstimmig eine Vortage der Regierung an, die alS erste Rate für dl nalisation des Maine« vonHanau_bt« Aschassenburg 3 Rtrllionen fordert. Insgesamt st cm Au,wand von 221/« Millionen notwendig einschließlich der Kosten ,ür einen Umschlaghafen. Die zu kanalisierende Strecke ist 30 Kilometer lang, und es soll eine Aiindestwasterllese von 2 Meter erreicht werden. Die Kanalisation ist bekanntlich ein alter Wunsch der bayerischen Industrie, der vom Throniolger Prinzen Ludwig jederzeit beson­ders energisch geiöroerl wurde.

Z«r Tenerimg.

♦ Ausnahmetarije. Wie die ,Nordd. Allg. Ztg. mitteilt, setzen die deutschen Eisenbahnverwaltungen jetzt wie im vorigen Jahre eine Anzahl von nahmetaristn >n Kraft. Ein.ual wird der Veit Jahr 1907 bestehende, Ende dieses Jahres ab lausende Ausnahmetarif für frisches Fleisch bis 31.®es. 1913 verlängert und ausgebaut. Sodann werden zu Gunsten von Gemeinden, gemeinnützige» Organisationen und gewerblichen Unternehmern ve» lonöete Ermäßigungen gewälpcl, unter der Bedingung, daß die Bemniligten die Waren ohne Gewinn an Verbraucher oder an Fleilcher abgeben. Ein dritter Ausnahmetarls betrifft Gerste und Riais, die, wie im vorigen Jahr, soweit sie im Inland zu Fulterzwecken verwendet werden, vorübergeh nd aus den Speziallaris 1 in den Speziallaris 3 kommen. Der Frach Nachlaß tritt künstig nur ein, ^nn der Fracklbeiechligte auch, soweil er Händler lZwischen­händler oder Großhändler) ist, selbst irn Frachtbrief oder in einer besonderen Rote aus Treu un Glauben die Erklärung abgibt, daß „de: Verbraucher den Unterschied gegenüber der gewöhnlichen Jr ch tli5XL$er Vorstand des Deutschen LtaütetageS und die Fleischteliernng. Der in Köln zu einer M zuiamuiengeiretene Vorstand des Deutsch tages' beriet über die Fleischten-rnngs,rage Er sah es nicht als An gabe der Städte an, die Stängel dtt.Witt^a-t-potttst.^ur» tommunale Mauregeln

KrieOelMilW MoMkWs.

S 'Ä AvlMM to ffi.lt. SSe gemacht: Kriegserklärung gegen die Türkei und Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen. Es wird gemeldet:

W. London, 8. Okt. 1912 (Tel.) Das Reutersche Bureau erhält aus Cetinje die Nachricht, der montenegri­nische Geschäftsträger habe heute m Konstantinopel die Kriegserklärung überreicht.

w. Cetinje, 8. Okt. 1912 (Tel.) Der montene­grinische Geschäftsträger Plamenah verließ heute Konstantinopel. Dem hiesigen ottomcmischen Ge­schäftsträger Halil Bei wurden die Pässe zuge- stellt.

W. Konstantinopel, 8. Ott. 1912. Gestern mittag überreichte der montenegrinische Geschäfts- träger auf der Pforte eine Note, m der erklärt ro'r®(: die Türkei die Wünsche Montenegros, die Streitsragen zu schlichten, nicht er­füllen wollte, sieht sich Montenegro gezwungen, sich mit den Waffen Gerechtigkeit zu verschaffen. Die Pässe werden noch heute dem türkische« Gesandten in Cetinje zugestellt werden Der montenegrinische Geschäststräger ist bereits abgereist. Der Schutz der Montene­griner in der Türkei ist Rußland anvertraut worden.

Die Kriegserklärung Montenegros hat fol' genben Wortlaut:

„Ich bedauere, daß die königl. Regierung von Montenegro unnütz alle Mittel der Freund­schaft ausuützte, um freundschaftlich die zahl­reichen Mitzverständnisse und Konflikte, welche beständig mit der Türkei schweben, zu regeln. Infolge Ermächtigung Sr. Majestät des Königs Nikolaus, meines hohen Souveräns, habe ich die Ehre, Eure Exzellenz zu unterrichten, datz von heute begonnen, Montenegro alle Be­ziehungen zur Türkei einstellt und den monte­negrinischen Waffen die Anerkennung seiner und der seit Jahrhunderten verletzten Rechte feiner Brüder in der Türkei anvertraut. Ich verlasse Konstantiuopel. Meine Regierung wird dem türkischen Gesandten seine Pässe ungeiäumt zustellen."

Konstantinopel, 8. Ott. 1912. Monlenegrmnche Truppen schließen die StadtBerane ein. Der dortige türkische Truppenkommandant traf Vorkehrungen zur Verteidigung der Stadt bis aufs äußerste.

W. Cetinje, 8. Okt. 1912. Der König und Prinz Mirko sind zum Hauptquartier nach Podporitza ab« gereist.

Vor einer Woche schien bekanntlich die Rolle des anfangenden Karnickels Serbien zusallen zu sol­len. Der serbische Geschäftsträger stellte gleich nach Beginn der Mobilmachung in Konstantinopel ein kurzfristiges Ultimatum wegen der Freigabe des serbischen Kriegsmaterials. Als die Psorte sich nicht bange machen "ließ, verlief das voreilige Ultimatum im Sande: die serbische Gesandtschaft blieb ruhig in Konstantinopel. Jetzt übernimmt Montenegro die Rolle des Bortänzers, und sein Vorstoß geht schon etwas weiter: statt der Forderung eine glatte Kriegs­erklärung. Aähnlich sind die Schritte von Belgrad und von Cetinje darin, daß diese beiden Pioniere des Balkanblindes von dem großen Ziel der Reformen und der Autonomie usw. nichts sagen, sondern zwei Einzelstreitigkeiten von verhältnismäßig geringer Be­deutung vorschieben. Serbien drohte Krach an wegen der Beschlagnahme eines Waffen- und Munitions- transportes, der sich höchstens für die Ueberweisung an ent Schiedsgericht geeignet hätte. Und jetzt spricht Serbien von der Nichterledigung seiner Be­schwerden w-eaen der Krawalle an der Grenze, als ob diese seit Jahren üblichen Rechereien und Ueber- tritte plötzlich zu einer Lebensfrage sür zwei oder noch mehr Staaten geworden wäre. Die Pforte ->r- toartete mit Grund ein Memorandum oder wenig­stens ein gemein sames Ultimatum bei vier mobilen Verbündeten, um so endlich osfiziell zu ter«

mit seinem gesamten Personal abzureisen. Man glaubt, daß die Kriegserklärungen Bul­gariens, Serbiens und Griechenlands mor­gen und übermorgen erfolgen.

Aus der Türkei.

Konstantinopel, 8. Okt. 1912. In militä­rischen Kreisen ist die Kriegsbegeisterung fast all­gemein. Die 'politischen Kreise verrichten harte Ar­beit, sie noch im Schach zu halten. Es herrscht un­ter den Offizieren eine geradezu fieberhafte Sehn­sucht, dir Klingen mit den Gegnern vom Balkan zu messen. Die Mobilisation geht mit bewun­dernswerter Ruhe und Ordnung vor sich. Aus Deutschland finb sämtliche türkischen Offiziere, die in der deutschen Armee standtm, einaetrosfen. ete haben ihren Abschied aus der deutschen Armee er. halten und sind sofort wichtigen Grenzkommanden zugeteilt worden. — Gestern nachmittag fand eine Studentenversammlung statt. Die Studenten, die aufs höchste erregt waren, verlangten stürmisch den Krieg, verhöhnten Griechen und Bulgaren und schrien: „Nieder mit Artikel 23!" Gegen 2% Uhr marschierte ein Zug von 1000 Personen vor das Regierungsgebäude, während der Ministerrat tagte, besetzte die iore zum Höf und veranstaltete lärmende Kundgebunaen, bis die Tore der Pforte gesperrt wurden. Schließlich mußten der Großwesir und der Marineminister unter dm Manifestanten erscheinen. Sie hielten Reden, in denen sie betonten, die Regie­rung tue ihre Pflicht uno vervollständigten die Vor- Bereitungen.

Neue österreichische Militärkredite.

Wien, 8. Okt. 1912. Anläßlich der gebannten Lage hat sich die Kriegsuerwaltung entschloffen, mit eine'- Forderung von neuen militärischen Krediten in Höhe von 450 Millionen fronen an die Delegationen beranzutr-teu. Die definitive Festsetzung der Ziffern ist noch nicht erfolgt, sondern dies wird in d"m beute nacht stctttfindenben Mini­sterrat geschehen. Der M'nister-at ist gegenwä-'ig versammelt. Es heißt, daß ein Teil der neu anzu- fordernden Militärkredite und zwar 100—150 Mil­lionen Kronen für Erweiterunaen der Kriegs- marine bestimmt sind. Weiter fallen die Auf- Wendungen der Ausgestaltung der Artillerie, der technischen und Verletztstrnppen und des Flie- ; g e r» und Automobilkorvs dienen.

*

** Das Resormproaramm von 1880 Will also die Türkei wieder ausgraben und in ihren europäischen Provinzen in Geltnna setzen Ein weitgehendes Ber. i sprechen, ober vorläufig auch nur ein Versprechen. Das Resvrmproaramm von 1880 ist ungemein reich­haltig. Es umfaßt nicht weniger als 450 Kapitel. Alles und jedes ist in d"m Programm vorgesehen, all»s wird reformiert, Verwaltung, Justiz, Schule, Finanzen, öffentliche Sicherheit und was sonst noch dazu gehört. Nur auf die Frage, wie die Reformen in die Präzis tu übertragen /eien, blieben die Män­ner, die das Programm im Schweiße ihres Anae- sichts verfaßten, die Antwort schuldig. Das Pro- gramm von 1880 ist eine Folge des Art. 23 des Ber­liner Vertrages, der die Psorte verpflichtete, einen Verwaltnngsplan für die europäischen Provinzen auszuarbeiten und ihn einer internationalen Kom­m'! inan zur Begutachtung vorzulegen. Die tnter- nationale Kommission prüfte das umfangreiche Schriftstück und sandte den Tech mit einigen Ambe- rungen. die sie vorgenommen hatte, an die Mächte. Mehr geschah dann nicht.

Landwirte verwirkt hat. '

(*) Tas angebliche „Jesuiten - Pamphlet" gegen Preußen und den Kaiser, über das die ,Tagl. Rund« chau' berichtete, ist, wie sich jetzt herauss.eüt, die Aeußerung eines liberalen Berliner Blattes, btt in der,Civilta Gattolica' lediglich zitiert worden ist.

)( Ter preußische sozialdemokratische Parteitag soll nach dem Beschluß der Lanbcskommifsion m den Saaen vom 6.—8. Januar abgehalten werden.

* Betzdorf, 8. Okt. 1912. Unter starker Betei­ligung wurde hier am Samstag der Zentrum8« gatt ei tag für den Bezirk Koblenz durch Dechant Ederhardy-Betzborf eröffnet. Pfarrer Saftet» Kalk behandelte das Tyema: „Windthorst und Zentrum spolitik." Ein herrlicher Jmmortellenrrauz waren die Ausführungen, welcher dem große« Führer gebunden, wobei auch die Frage beant» wertet wurde: „Ist bas heutige Zentrum noch das- jenige von Winbthorst?" Keine Drehscheibe und Wetterfahne war Winbihotst, sondern ein charakter­voller und grundsatzstarker Mann; er war Katholik und mobetner Staatsmann. Das Theoretisieren wie Spintisieren übet den Charakter des Zentrum» sollte nun endlich der Vergangenheit angehören. Die Geschichte der Zentrumspartel in Vergangenhett wie'Gegenwart habe in allem gezeigt, daß das Zentrum stets dasjenige wie zu Windthorsts Zetten gewesen fey nämlich eine deutsche, nationale und christliche Partei. Abgeordneter Trimborn, dem der Vorch über, tragen wurde, erteilte dann das Wort dem: Abge ordneten Oberlehrer Kuckhoff-Effen, der über die augenblicklichen Erscheinungen im politischen Äde« in besonderer Berücksichtigung deS Balkans sprach. Redner beleuchtete bann bie augenblickliche Finanz­lage und zeigte zahlengemäß, daß eine Deckung f die Wehrvorlagen auS den Einnahmen möglich f In Zukunft dürfe der Konsum nicht weiter belast« werden, sondern daS Kapital müffe die „ ersi^« rungsprämie" tragen. Die Sozialdemokratie bletd« stets Freundin des internationalen GroßkapttaU und zwar aus Parteiinteresfe. Zum ^usse erörterte Redner noch die Unhaltbarkett deS Jewitengesetzes. Das Schlußwort hatte Abgeordneter Trim dorn. Et sprach seine Zufriedenheit aus Über dte glänzmd verlaufene Versammlung. AlS Vorbild mi Seben solle uns stets Ludwig Wmbthorst «eiten.

wollen im Vaterland keine Vorrechte, sondern Gle^- beredjtigung, und dies auch für die Jrsuile.

züglich letzterer wurde eine Resolution «extejti«, M« an den Reichstag wie Bundesrat geht. Unter mäch­tigem Beifall schloß Redner mit einem Hoch auf die Zentrumspartei. Im „Germaniasaal Arte den Vorsitz Rentmeister Salbeis« n. Hier herrschtt dieselbe Begeisterung. Außer Trnnborn wrtb W«« sprachen hier noch Abgeordneter Linz-WieSbadm und Parteisekretär Dr. I ö r g. Ersterer referierte w P/eftünb-gem Vortrage über Kommunalpolitik, rhem. Landgemeindeordnung, Toleranzantrag und Po frage. Dr. Jörg betonte in seinem Schlußwort u. a.ote Notwendigkeit der materiellen Opfer in unserer Ze« für die gute Sache. 234 Millionen hätten sich dw Sozialdemokraten den letzten Wahlkampf kost« lassen, bet doch schließlich nur ein Kamps gegen die Kircke und Weltordnung fei. Buch hier ernteten die lliednet donnernden Beifall. ___

* Düsseldorf, 8. Okt. 1912. Heute vormittag begannen die Verhandlungen be« preußische« StädtetageS. Die Versammlung bettet als erst« Gegenstand der Tagesordnung daS Wa ssergefetzr sie hieß die Denk,chrift deS Vorstandes de» preutz^ schen StädtetageS an den Landtag gut und detM bann über die Teuerung. Oberbürgermeister Ww muth berichtete über die gestrigen Beschaffe deS Vor­standes des deutschen StädtetageS m Köln, denen die

des Vorstoßes bleibt aus, und es erfolgt die Krieqs- efilärnng eines einzelnen Staates wegen neben« sächlicher Streitfragen, bie sachlich bie drei anderen Miwlteder der Kr'eqsaenossenschaft nichts angehen.

Was will nun K ö n i g R i k i t a eigentlich? Will

gezeigt, daß auch vom Ftiebenskelch das bekannte Wort von der finstern Riachte Hand gilt. Di: Dip­lomaten haben, um einig zu werden, mehrere kost­bare Tage in der Ziselierung ihrer --Formel per» braucht und haben dabei die Äktton abgeschwacht, 'o daß die abschreckende Wirkung aus die mobilen Staaten immer zweifelhaster werden mußte. Es besteht ja noch eine gewisse Hoffnung, daß Bul­garien nickt so schnell losschlägi, als der kleiner; Gerngroß von den Schwarzen Bergen, aber die Hoffnung ist schwach. Um so schwacher als auch der Friedeusschluß zwischen der Türke,, und Italien, dessen schnelle Vollendung gewiß heil- sam gewirkt hätte, sich noch immer hinzieht. König Nikita ist der Schwiegervater von Italien und der bevorzugte Pslwesohu von Rußland. Wenn er die Montenegriner "wirklich marschieren läßt und das Beispiel Nachahmung sindet, so ist die großmächt- liche Aktion sofort in das zweite Stadium ge- drängt: Lokalisierung des Krieges.

Möge ihnen diese zweite Aufgabe bester ge­lingen, als die erste, durch die Nikita ihnen anschei­nend einen Strich gemacht hat.

Die Aküon der Mächte.

Sofia, 8. Okt. 1912. Die Gesandten Oester- r ei ch - Uugarns und Rußlands sprachen hellte mittag gemeinschaftlich int Ministerium des Aeußeru vor und überreichten Geschow bie Vor­schläge b er Mächte. Die Unterhaltung dauerte eine Viertelstunde. Gleich darauf empfing Geschow den englischen Gesandten. — Für heute abend ist der Ministerrat einberufen. Im Augenblick hat man noch keine genauere Kenntnis von den Vor­schlägen der Mächte.

Paris, 8. Oki. 1912. Nach einer im Ministerium des Aeußeru eingegangenen Note hat bie eng­lisch: Regierung nach einer erneuten Prü­fung der Sachlage ihre Zustimmung dazu gegeben, daß die Vorstellung der fünf Großmächte bei der türkischen Regierung gemeinsam erfolgt. Der französische Minister des Aeußern hat die übrigen Großmächte sofort von dieser Zustimmung Eng­lands unterrichtet.

Konstantinopel, 8. Okt. 1912. Wie der „Tonin" meldet, teilten gestern die Botschafter Frank­reichs und Rußlands die vom Minister des Aeußern Ssasonow und dem Ministerpräsidenten Poincare zur Verhütung des Krieges gefaßten Ent- ; schlüsie mit. Die Gesandten der B a l ka n st a t a e n kennen die Absichten ihrer Regierungen nicht und legen sich deshalb Zurückhaltung auf.

Bulgarien und Serbien.

Belgrad, 8. Okt. 1912. Die von der Pforte ge­machten Versprechung en wegen Einführung von Reformen blieben in Serbien vollstän­dig eindrnckslos, da man der Versprechungen keinen Glauben beimißt. Die Zeitungen bringen fortge­setzte kriegerisch: Artikel und verlangen, daß Serbien sofort die Operationen gegen die Tür­kei beginne. Forfaefetzt treffen zahlreiche Freiwillig: ein, sodaß z. Z. 60 000 Mann mehr eingerückt sind, als einbernfen tonrben. Hi:r verlautet, daß es ichun bei Berane zu Kämpfen zw - s ch e n serbi­schen Bauern und türkischen Trnvpen gekommen sei. Einem unbeflätiaten Gerücht zu­folge soll die bulgarische Kriegsproklama­tion bereits gedruckt sein und am Donnerstag abend verössentlicht werden.

Konstantinopel, 8. Okt. 1912. Die Befürchtung, daß Serbien einen Vorstoß gegen den Sand­schak Nowilmzar unternimmt, verdichtet sicb Bei Javor dicht an der serbischen und Sandschak \irenje sollen gestern zwischen t ü r k i s cb : n und serbi­schen Truppen Kämpfe begonnen haben.

Bukarest, 8. Okt. 1912. Aus der Stadt Olte- n i t a an der Donau kommt die Nachricht, baß b u l- g a r i s che s Gesindel m der am anderen Do­nauufer liegenden Stadt Turtukai ein fürchter­liches Gometzel anrichtete. Di: wohl­habenden türkischen Familien dieser Stadl waren gleich nar*1 der bulgarischen Mobilmachung aus Tur­tukai geslohen und zwar nach Olentia, wo sie sich einstwerlm niederließeu, das ärmere Volk dieser von Bulgareii und Mohammedarlern bewohnten Stadt : mußte fedoch zurückbleiben. Durch gewffsenlose Agitatoren aufgestachelt fielen nun die Bulgaren über die Türken her und massakrierten sie

Budapest, 8. Okt. 1912. Älachrichten aus Sem- lin, wo die Kr egserkläcuiig Montenegros abends 7 Uhr bekannt wurde, besagen, daß Serbien mor­gen dem Beispiele Bionteikegros folgen werde.

Sofia, 8. Okt. 1912. Die hurtige Mitteilung d er M äch t e an bie bulgarisch: Regierung ist natürlich ohne den geringsten Einbruck geblieben. Die Mächte versprechen barm ohne fedweb: Sicher­heit Reformen auf Grund des Wilajetsgffetzes von 1880 und erklären, aus keinen Fall Gebietsändc- rungen am Balkan zuznlassen. Dies alles ist na­türlich sehr wenig dazu angetan, die Regierung auf ben Weg ber Berhaudlurcgen zu brangen; deshalb wirb ihre Antwort ablehnend sein und bet Ton ber» selben nach dem Stande der Kriegsvorbereitungen gerichtet.

Sofia, 8. Okt. 1912. Im Ministerrat, an dem and) Danew teilnabm, wurde beschlossen, die Be­antwortung der Kollektivnote der Mächte zu vertagen, offenbar zu dem Zweck einer vorherigen Berständ.gnng mit den Verbün-

fabrett, was dieser geharnischte Bund denn eigent­lich von der Türkei verlangt. Aber die gemein- ।—r a ■

ferne Erklärung über den währen Sinn und Zweck daß die Leiche., in^denStraßen zu Hunderten herum-

er mit feinen wenigen Akontenegrrnerri allein los­schlagen? Oder ist er sicher, daß die anderen drei Verchimdeten sich feinem bahnbrechenden Vorstoß an« schließen! Hat er aus eigenem Entschluß die T^ütze über beit Zaun geworfen, vielleicht gedrängt von der aufgeflammten Kriegs- und Beittegier fei« ««t Leute? Oder ist er mh diesem Vorstoße beans-

1 worden, — sei es von den verbündeten Bal« , 'tonten, die schnell eine vollendete Tatsache schas- ehe sie mit ihrem Ultimatum fertig

5 sei es von den russischen Kriegstrei-

Tic>>>,, ' trolj ber Friedensarbeit des Ministers los ^üßig sind. Auffällig fit es zweisel-

d e’m wontenegrinische Vorstoß gerade an in ^en-C11 Tage erfolgt ist als Herr Ssasonow verhand'it " m’t bett beutschen Staatsmännern bs n § a f bie mühsam vorbereitete Frie-

rungsstädten" roßmäck, t e in ben Regie- Knüppel ^Q(tan§ ein setzte. Es ist ein geworfen Woche ". ™ Siäbcl' bfeS was hinter biei-V f weiß aber noch nicht recht, Europa hmr • x'ltio en Queitreiberei steckt.

beriLnHrHrioGn ’ben letzten Tagen roieber allzu »lontlaittinvpri, irauen^etjg^eworden. sich braftftch Gkiauole GrUpäriS evbteit ben Auftiga. iibetmotüea