39. Jahrqang
Fulda, Dienstag den 8. Oktober 1912,
Erstes Blatt.
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die Steuerzahler diesen zu dieser Wmschasls-
1912. Auf da» Be-
M
kommisston. Da diese aber Staatsfäckel nimmt, erleiden Schaden. Ein Kommentar Politik ist löobi überflüistg.
♦ Saarbrücken, 7. Olt.
grüßungstelegramm an den Kaiser von der 25. Generalversammlung des Evangelischen Bun» des ist heute folgende Antwort emgegangcn: ,,©e. Majestät lasten der 25. Generalversammlung des
Lersasiung. baß die Kircheugesellschasteu ihre Ange- legenheiten selbständige verwalten haben.
„Der Jesuitenorden gefährdet", sagt Herr v. Campe Weiler, „nach mehrhundertjähriger Erfahrung der Geschichte, nach seinem Zweck, zum mindesten nach der tatsächlichen Pflege seiner Ordens- tätigkeit diese Interessen (d. h. ,chen religiösen Frieden, die Parität und den Schutz der Staatsbürger gegen Verkümmerung ihrer Rechte durch geistige Gewalt"X Dian weise nach, dah dies nicht der Fall sei" Nicht s o, Herr v. Campe! Beweisen Sie zu- nächst Ihre Anklage! DaS ist bisher weder Ihnen noch einem Ihrer Gesinnungsgenossen gelungen. ES ist wirklich billig und leicht, mit allgemeinen Anschuldigungen einen ganzen Stand zu verdächtigen und bei urteilslosen Menschen verhaht zu machen; gerecht ist das nicht.
Deutsches Reich.
** Berlin, 7. Ott. 1912. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg ist heute früh in Berlin ein« getroffen. — Der Kaiser von Oesterreich ernannte den Prinzen Eitel Friedrich von Preußen zum Oberstleuinant im Jnsanterie-Regiment Nr 34, dessen Inhaber Kaiser Wilhelm ist. — Ein Reichs« geseh zur Regelung der Wanderfürsorge wird bei den beteiliaten Reichs« und preußischen Restarts vorbereitet. Der Entwurf bewirkt die Einführung von Fürsorgeeinrichtungen für mittellose Wanderer für alle Bundesstaaten, wodurch ein einheitliches Vorgehen auf diesem Gebiete erzielt werden toll.
* Der Reichskanzler und Freiherr v. tzertling. Auf der Eisenbahnfahrt nach München unterhielt st», so will die liberale .Münch. Zlg/ wissen, der bayerische Mmist-rpräsident Freiherr v. Herkling mit dem Reichskanzler nicht über das Jesuiten« ges etz, den Hauptgegenstand der Unterredung bildete vielmehr ein Meinungsaustausch über den derzeitigen S-and der auswärtigen Angelegenheiten und die etwaige Einberufung des Bundesratsaus» fchustes für auswärtige Angelegenheiten. Man dürste in der Annahme nicht sehlgehen, daß in nächster Bett, das heißt, sol atd das erste Ergebnis des ge« meinsamen Vorgehens der Brächte bei den Balkan« stacken fick erkennen läßt, die Einberufung des Ausichusses er'olgen wird. Auch die Fragen, die mit dem demnächstigen Wiederzusamwentrilt des Reichstages in Beziehung stehen, wurden gestreift.
% liebet die Fleischteuerungskonferenz, die am letzten Samstag im Ministerium des Innern statt« gesunden hat, will ein Berliner Blatt erfahren haben, daß die Vertreter der Großstädte mit allem Nachdruck geltend wachten, daß die Anordnungen der Regierung, so wohl sie gemeint sein mögen, in keiner Weise dem herrschenden Notstand gegenüber ausreichen, und daß, wenn die Städte versuchen wollen, was bei dieien Maßregeln herauskomme, sie damit den überzeugenden Beweis für deren Unzulänglichkeit zu erbrwgen gewiß sind. Welche weiiergehenden Anordnungen, insbesondere die Vertreter Berlins und seiner Vororte, für bringend geboten erachten, ergibt sich aus ihrer umfaffenden Eingabe, liefe Forderungen fanden auch tn der Komerenz energische Begründung. — Wir meinen, die Großstädte sollten doch zunächst einmal versuchen, wie weit die Maßnahmen der Regierung zur Linderung der Not beuragen. Wenn man sich sträubt, von den gemachten Zugeständnissen über- Haupt Gebrauch zu machen, muß doch der Anschein erweckt werden, als ob man nicht nur mit aus der Sache sich ergebenden Gründen operiere.
* Konfessionelle oder nationale WirtfchaftSpolttik? Das,Westpr. Volksbialt' berichtet: Im Frühjahr ging das 4000 Morgen große Rittergut Swlerczin im Kreise Strasburg in den Besitz der Königl. Ansiedelungskommission über. Diese setze, wie üblich, bis zur Austeilung einen Wirtschans« vermalter ein. Das Gut gehörte vorher Herrn Schwanke und befindet sich dank regelrechter und tüchtiger Arbeit m guter Kultur. Dies zeig e der vorzügliche Saaten stand. Ein Fehler aber wurde entdeckt. Es befanden sich auf dem Gute 'ast aus- schließlich katholische Jnstteute. Dies sollte unter dem Verwalter der Ansiedelunaskommissio t anders werden. Ter größte Terl der Jnstleute mußte gehen. Die Leute waren gezwungen, andere Arbeitsstellen zu suchen. Der evangelische Ersatz war aber wohl rn der Eile nickt zu beschaffen — kurz und gut: Der Verwalter bl eb während der Ernte ohne die nötigen Arbeitskräfte. Tas Prinzip wurde zwar durchgeführt, das herrliche Getreide aber blieb draußen, verregnete, wuckS aus und verdarb. Man komme nickt und gebe die Schuld der allgemein
* Konstantinopel, 7. Okt. 1912. Die hiesigen diplomatischen Kreise beginnen trotz der unzweifelhaft starken Gefahr eines Krieges doch wieder einige Hoffnungen auf einen friedlichen Ausgang zu gehen. Mit der Einführung der zugesagten Reformen soll ohne Verzug begonnen werden.
♦ Konstantinopel, 7. Okt. 1912. An hervorragender, dir Lage übersehender Stelle glaubt man, dah dir Balkanstaaten nach dem Beschluh des gestrigen türkischen Ministerrats betreffs der Reformen ihre Rüstungen ein stell en oder wieder 'rückgängig machen müssen; mehr als einen solchen E-folg würden sie auch nach einem glücklichen Krieg gegen die Türkei nickt erreichen können, da drr Entschluß der Großmächte, keinerlei Veränderungen in Landbesetzung zuzulaffen, unverrückbar seftsteht.
Pessimismus Sir Edward Greys.
* London, 7. Okt. 1912. Staatssekretär des Aeußern, Sir Edward Grey, führte im Unterhaus in Beantwortuno einer Frage über die Lage auf dem Balkan folgendes aus: Ich befürchte, daß meine Auskunft im gegenwärtigen Augenblick nur allgemeiner Natur sein kann. Wie das Haus weiß, ist die Lage auf dem Balkan sehr kritisch und gibt zu großen Befürchtungen Anlaß. Die Großmächte tun, was sie können, um einen Bruck des Friedens zu verhindern. Die beiden Punkte, auf die sich ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich gerichtet hck. sind der Ausdruck ernster Mißbilligung eines Friedeusbruches aus dem Balkan und die Notwendigkeit, die Reformen in der europäischen Türkei wirklich durchzuführen.
schleckten Witterung, die zur diesjährigen Erntezeit herrschte; denn durchweg ist dort im Kreise die Ernte gut eingenommen. Der entstandene Schaden von vielen tausend'Mark trifft die Königl. Ansiedelungs- ihr Kapital aus dem
== Die Balkanwirren.
Einigkeit unter den Mächte«.
* Paris, 7. Okt. 1912. Auch die englische Regierung hat jetzt mitgeteilt, daß sie die französische Formel, soweit sie sich auf die Verwirklichung der Reformen beziehe, annimmt. Jedoch hat sie ihren Vorbehalt aufrecht erhalten, die englisch: Regierung zöge in Konstantinopel ein persönliches einzelnes Vorgehen der Mächte einem gemeinsamen Eingreifen vor. Poincare und Ssasonow haben beide ihre Zustimmung zu der englischen Auffassung gegeben. Diese Abänderung des französischen Vorschlages in diesem Sinne ist sofort nach Wien gemeldet worden. Da anderseits die Mächte über Form und Inhalt ihres Eingreifens bei den Balkanstaaten einig sind, nämlich durch Oesterreich und Rußland als Beauftragte — so bat Ssasonow heute nu'-gen nach Wien an den russischen Botschafter geb cuttet, er solle sich ins Einverständnis mit dem Grafen Derchtold setzen, damit noch heute das Eingreifen Rußlands und Oesterreichs beiden Balkan st aalen erfolgen könne. Bei der Türkei werden die Vertreter der fünf Mächte in Konstantinopel in der gleichen SBeife_ vorgehen. Wie schon früher mitgeteilt, hat die Türkei schon früher ihr Einverständnis mit dem Wunsche der Mächte bereits kundgetan. Hingegen scheinen die Ansichten der Mächte für den Erfolg in B u l g a - r ien sehr trübe zu sein. Man meldet dem Temps von dort, daß di: Nachricht von dem Plan eines Eingreifens der Mächte großen Unwillen erzeugt habe.
* Paris, 7. Okt. 1912. In der heute morgen in Paris eingetroffenen Antwort erteilt das W i e- tt er Kabinett seine Zustimmung zu den Vorschlägen der sranzösischen und russischen Regierung. Die uirerheblichen Änderungen, die von Oesterreich-Ungarn angeregt worden sind, zielen hauptsächlich darauf bin, den Wortlaut der Not: in einem Punkte genauer zu umschreiben.
W Berlin, 7. Oft 1912. Der russische Botschafter batte heute eine länger: Konferenz mit dem Staatssekretär von K i d e r l e n - W ä ch- t e r im Auswärtigen Amt. Der Minister des Aeußern, Ssasonow, wird nur einen Tag in Berlin bleiben.
* Wien, 7. Okt. 1912. Der russische Botschafter v. Giers ist heute vormittag nach Berlin abgereift
Türkische Reformprojekte.
Die türkische Regierung hat in den letzten Tagen besonders infolge der Schritte gewißer Mächte Re- formprojekte für bie europäische Tür- f ei in Aussicht genommen, die auf dem Ges:tze beruhen, das am 23. August 1880 von einer Kommission unter Vorsitz des damaligen Ministers des Aeußern Affim Pascho nach Anhörung der internationalen europäischen Kommiffion für Ostrnmellen ausqearbettet worden war. Eine amtliche Auslassung besagt:
V« üqiicy der Reformen für die ruiopäifchen Wila« j«is ist beid) (offen worden, ein provij orifch-s ® e« se tz in Anwendung zu bringen nmer^otd bet Grenzen des Gesetzes, das im Jahre 1880 gemäß drittel 23 des Berllner Vertrage» in einer Beratung lürkijcher und auswärtiger Fnnttionäre ausqearbettet wurde und das lehr grundlegende Reformen für alle Teile der Bevöt- kerung auf der Gtundlage vollkommener Gleichheit vor- fat). Es heißt, daß die veriammetten Senatoren lür die Anwenduna des Ge'etzes "->n 880 fhmm«n nw1'-’n.
Die Türkei kommt den Mächten zuvor, sie erklärt sie werde die ganze europäische Türkei selbst reformieren. Wer will nun noch was, wer kann noch
geseMchast.
v. Freiburg, 7. Okt 191X
Die diesjährige Generalversammlung der WSne» gesevschaft sand ihre Eröffnung mit ewer erst stack besuchten BegrüßungSversammlung In der gmbe, ftädtiichen F-sthalle. UnrversitLtsproseffor Dr. Fm^ hieß im Auftrage V.S vorbereitenden KomtteeS d« Anwesenden willkommen, mtbef andere den Borntzenden drr Görresgejellschast, den dayerrschen Mmrsterprästdr» len Frhrn. v. Hertling. «Und mbem ich tiefe Xttntoto aurfpreche, glaube ich, daß ich dre ernuge po>Utsch, Bemerkung gemacht habe, bie in d^«* Tagen bei unserer Versammlung gemacht wird. Die Görrespl f schatt ist, wie bekannt, im Jahre 1876 worden, und zwar von wiffenschaitlrchen VerfönlichleNm, die wünschen, daß der Glaube in ihrer Forschung die Fackel vorantragen möge, von Mannern die sich nicht vollnändig wohl lühlen in dem Gkranken der bloßen Wtffmschait, sondern b-rüber hmauSlchanm wollen in die ewige Ferne des HtmmelS und bte sich darüber klar waren, daß es nun einmal f > Menschen ewige Wahrheiten gibt, an denen der giöste Gelehrte nicht rütteln kann. Aber wir fotzen mit
freundliche Begrüßung des Lokalkomttees und fchilderr die Fortschritte der GSrresqesellschaft fett. öet “ Tagung in Freiburg vor 28 Jahren. . ^"^ffor Fm^ erinnert daran, daß Hrr Dr. Cardaun-vor 28 Jahren einmal eine Damenrede begonnen habe, btt aber noch nicht vollendet sei. nun
Anblick der Galerie bitte er Herrn Dr Cardauns nun seine Rede zu vollenden. Unter großer §e.tert*tt w» Bestall hält dann Dr. CardaunS eint laungt JWJ auf die Damen, die m der GLrresgetellschafl berstuh willkommen feien. ES folgen nov einige mMkalt ch« Darbietungen, und der Begrußnngsabend @8rre^ Ende. ES mag vielleichl anffallen, daß
gesellschaft von den städtischen Beh< » stellten,
freundlich Eaal und Theater i«r ^'fr üh^r Zum nickt offiziell begrubt worden ist w l ^adt.
Verständnis mug hier gesagt weroen, » Verwaltung eine Begrüßung toufefiwueUer «ere« arundiätzltch ablehnt.
Forderungen an bie Pforte stellen, wer wagt zu behaupten, daß nicht alle Wünsche bereits erfüllt seien? Die Kleinmächte legen bas Gewehr zum Schießen an, die Großmächte beabsichtige«, bie Hanb an den makedonischen Karren zu legen, um ihn aus dem Sumps zu ziehen. Aber da erscheint kaltlächelnd die Pforte mit einem Schriftstück, worin die Erfüllung aller Wünsche verzeichnet steht. Nur abwarten, die Pforte wird schon ntachen! Niemand braucht sich Wester aufzuregen, cs wird sich alles zum Besten wenden. Türkische Reformen! Du lieber Himmel — die Zahl und Reichhaltigkeit der türkischen Reformprogramme ist unerschöpflich. Aber verg:ffen wir nicht, daß nicht eine der vielen Reformen in die Wirklichkeit umgesetzt wurde. Die Türkei ist das „reformiert efte" Staatswesen der Welt. Die Reche der Reformen wird durch den «mesteu Reformbeschluß erweitert. Welches Schicksal diesem Beschluß beschieden sein wird, kann man sich denken.
I klebrigen s bleiben die Reformpläne der Türkei weit zurück hinter den Forderungen bet vier Bal- kanstaaten. Es ist nichts von Autonomie, nichts von einem christlichen Gencralgouverneur, nichts von bet Garantie der Großmächte darin enthalten. Die Pforte geht um den Kern der Frage herum. Sie : will den Diplomaten und den vier Balkanstaaten eine goldene Drücke bauen. Die Diplomaten würde« die Brücke gewiß herzlich gern betreten; ob sich die vier Balkanftaaten dazu bequemen werden, muß die nächste Zukunst lehren. Groß ist die Hoffnung, daß sie er tun werden, nicht.
«nzekaen: Der
einer ew!p Lelenet» teile, 47 mm breit, kostet I5psg Reliamem Der Raum einer toi— ueheiie, 74 nun brefc ko.et 4» pfg. Bei löt- drrhoinngen Rabatt, ksir S-ert'U AmlunW flsijtigea 2>1 Pfg- trtte.
Ausland.
△ Der Papst gegen de« AntiftmMinur. D^ Papst fanbte, wie die Blätter melden, an b« M fcdöse von Oesterreich-Ungarn, Rußland «nt des Orients Rundsckreiben, in denen er emwew unter keinen Umständen die Bewegung desAnto semitismuS (Kampf gegen das Judentum) zu unte« stützen. Sie sollten darauf hmwtrke«, daß ®eroalt täligk ite« oder Angriffe «eg-n Jsraekttrn vcmiteb« werben. - Manche Judenblätter entgolten Hw Tal des Papstes aber mit Undank, mbem sie d« *“*► Staltiminister Sttnteeri f. Der Me g^eLck in Luzern gestorbene belgische Staatsmmtste» Bcernacrt hatte fick während de, tnierpatlamet^ larijchen Konferenz eine Erkältung zugezogen- E? war in Ostende al» Sohu eine« ^inbüigeu geboren, studierte außer m Löoxn »nd Paris « Berlin und Heidelberg und war fett 1853 Advok«^ in Brüssel. Im Jahre 1872 wurde er zum ArbeitR mtidfter, 1884 zum Minister
Gewerbe und Kunst und tm tzwe» Jah-M» Finanzminister und Mimsterpräfidenten ernanrck Beernaert wandelte die delgifche Staatsschuld UM und bahnte verschiedene Steuerreformen an. 3« ■^abre 1894 nahm er feine Entlastung und wat darauf in den Jahren 1895 bi» 1900 Repräsentantenkammer. Er war ^ bedewent« Staatsmann, eine der markanteste Persönttchkeit«^ der katholischen Partei. Ganz Belgien betracht^ den Verlust be» berühmten Greise» al» tmet nationalen Trauerfall. Beernaert war der w bcutenbfte Führer der belgischen katholischen Partei der er während eine» Mensckenalter» rntt feuua Rat und seiner Autorität deistand. Als im Iah« 1854 die Katholiken über da» liberale Regime siegt hatten, erklärte Beernaert: Wrr werde« d« ganze Welt in Erstaunen setzen durch unfm Toleranz und durch den freiheitliche« Ge»^st, Jw«
rott Belgien regieren werden. Dieser Ausipruch war fein Programm. Beernaert wat bet der Proporzwahl, bet Schöpfer und Färbern bei sozialen Reformen de» chriftlicken SyndikattSmu» imd hatte auf dem Gebiete der Schuisragr wichttq« Probleme gelöst.
Evangeliscken Bundes zur Wahrung protestantische' Jntercssen sür den fteundlichon Gruß und bie trcui Anhängstckkeit bestens danken. Auf allerhöchstn B-sehs: Beb. Kabinettsral v Palentmi "
* Heidelberg, 6. Okt. 1912. Heute vormittag wurde die erste Tagung des vor 2% Jahr ^gründeten Verbandes für internationale Verständigung eröffnet mit einer Rede des Vorsitzenden über Wesen und Zweck des Verbandes. D:n ersten Vortrag hielt Prof. Dr. Nippold aus Oberursel über auswärtige Politik und die öffentliche Meinung. Als zweiter Rednn sprach das Mitglied des französischen Senats d'Estournelles be Eon- ftant ans Paris, über die friedlich' dlustra^mg internationaler Streitfragen, wie sie durch die Haager Konferenzen ungebahnt sei- Er zollte der benschen Friedellspolitik herzliche Anerkennung. D« elsaß-lochringische Frage sei ein moralisches, nicht durch Krieg zu lösendes Problem. Er ließ seine Aus- führnngen m dem Satz gipfeln: „Ein deuffch-ftan. zösifches Zusammengehen ist möglich. Sind aber Deutschland und Frankreich einig, dann mutz dw übrige Welt folgen." Gestern abend hielt m bet neuen Aula Pros. Martin Spahn-Straßburg eme« Vortrag über den Friedensgedanken rn der Geschuhte des deutschen Volkes und Prof. P^W-Wurzburg über die Fon t einer rnternatwnalen Verständigung. Darau, sprach Lafontaine-Brussel zu denk- selben Gegenstand.
«. Verlag btt gülbael
Momirbegage: „gulbacr SrschWrblStter" Azer«iprecher lü. t.
m Dio „Friedenssreunde" m Saarbrücke«.
Wäre die Sache nicht so traurig, man könnte v-rfuckt sein, hertl'ch »u lachen über die offenbar von angstvollem Zähneklappern und Jesuilenschrecken begleiteten Reden auf der (Senetaloetfammlung des Evangelischen Bundes in Saarbrücken. Die Herren vom Evangelischen Bunde, die in ihren Tiraben gegen den Katholizismus und in ihren Säfinähungen ihrer katholischen Mitbürger das Alenschenmöglichsle seit den Tagen der Gründung des Bundes „tut Wahrung beulsch-proteitantischer ! 'ressen" geleistet haben, und auch jetzt noch : e ■, diese Herren spielen sich al» Hüter des toKiefiioneflen Friedens aufl Diese Störenfriede ersten Ranges legen Protest ein gegen die Aus« Hebung des Jesuitengesetze».
Natürlich hatte kein Mensch etwas anderes vom Evangelischen Bund erwartet. So lange er besteht, kämpft er gegen die katholische Kirche und ihre Einrichtungen. Denn es ist ein Streit gegen die katholische Kirche und da? katholi'che Volk, wenn der Tvangelische Bund tn solch frivoler Weise sür die Aufrechterhaltung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten eintritt. Wir Katholiken fordern den Fall dieses Gesetzes, weil bu8 Jesuitengesetz eine Verkümmerung der Rechte der Kirche bedeutet. Gegen den Protest der 500000 verhetzten Mitglieder des Evangelischen Bundes verlangen 20 Millionen deutscher Katholiken mit mindestens derselben Einmütigkeit die Anerkennung der Rechte ihrer Kirche und die Zulassung des Jesuitenordens.
Der Evang:lische Bund stellt noch lange nicht evangelische Deutschland dar; im Gegenteil, auch in de« Reihen der evangelischen Deut- chen mehren sich bie Stimmen, bie in obiektiv:r Wur- >igung ber Verhältnisse mit ben Katholiken bie Zu- asfung ber Jesuiten in Dentschlanb verlangen. Die „Tische. Tag-sztg.", bie boch jebensalls nicht im Verbucht ist, cvungelische Interessen nicht entschieben zu vertreten, schreibt noch in ihrer Biontugsnummer vom 7. Okt. in einer Vorbemerkung zu einem Artikel eines esthländischen evangelischen Deutschen v. Wrungell über bas Jesuitengesetz in Deutschlunb:
„Unierer|eit< ftno wir zuoem der Bie uutig, daß e» im Deutschen Reiche Lehren und Organisationen gibt, bie lehr viel gefährlicher und zerstörender wirken, als bie jesuitischen. Selbst wenn alles wahr wäre, was ben Jüngern Loyolas mit leicht durchschaubarer Absicht zu Unrecht angedichlet wird. Nicht nur der Staat, sondern auch die evangelische Kirche hätte alle Ursache, das Wesen dieser schlimmeren Feinde sür unser Volksleben zu rrsorschen und aus der gewonnene« Elkenntnis die nötiaen Schlüsse ,« liehen "
Der Verfasser des Artikels selbst, Wirft. Staatsrat a. D. b. Wrungell betont, daß es sich jetzt in Deutschlund um die politische Fruge hundele:
„Wird das Deulsche Reich tn lernet Steilung nach innen und außen geschädigt oder gefördert durch bie Beibehaltung der Ausnahmegeletze? Wird bas deutsche BoU tn feinen sittlichen Werten gefördert oder gefährdet durch Zulaffuug der Jesmten m Schule und Seelsorge? .... Von den Katholiken Deutschlands werde« diese Ausnahmegesetze schmerzlich empiunden und nehmen dem Deutschen Reich den Ehaiakter deS paritätischen StaaleS, lassen ihn antikatholtsch erscheinen .... Sind nicht die wirllichen Gefahren dec JrtzlzeU im Schwinden jeglicher Ehrfurcht, in der Herrschaft des roheßen Materialismus, der bie Besriedigung leiblicher Genüsse als einzigen Lebenszweck unfieht, zu suchen? Und sind nicht im Kampfe gegen diese wirklichen Uebel Die Jesuiten mit ihren vorzüglich geleiteten Schulen und ihrer Anpassu«gs|ähigkeit an die Forderungen der Zeit erwünscyie Bnndeegenonen allen Denen, welche Die herauwachsenve Jugend vor allem m religiösem Geiste erzogen miffe« wollen?. . . . In geistige Fesseln schlagen läßt sich die europäische Menschheit nicht mehr, baaegen droht ihr »ohl die Gefahr, in geistige Zuchtlosigkeit zu verfallen. Die Zutaffung der Jesuiten ins Deutsche Reich wäre nicht nur ein Akt der Gerechtigkeit, fonDern auch ein wirksames Mittel, um dieser drohenden Gefahr zu steuern."
Wir find überzeugt, daß die mutigen und ehrlichen Worte eine» evangelischen Deutschen, die ei« Ö unverbächtiaes evangelische Organ zum Äb- brachke, in den Herzen tausender Evangelischen em zustimmendes Echo finden werden. Tie Zeiten sind wahrlich zu ernst, um die konfessione 1- l e n Zwistigkeiten in den Vordergrund des Kunlpse» zu drängen, toi: es der Evangelische Bund anscheinend beruflich tut. Wrr hegen die Hoffnung, daß der Bundesrat auf die Stimmen des katholischen Deutschlands und eines sehr großen Teiles auch der evangelisch:« Bevölkerung mehr Gewicht legen toird als aus die aus konsessionellem Haß ge- borene Resolution des Evangelischen Bundes.
Die Storer des konsessionellen Friedens sind wahrlrch nicht die Jesuiten, sondern jene Leute, die unter dem Vorwand der Wahrilng des konieffionellen Friedens durck giftige Hetz- und Schmähredcil den großen Volksteil anderer Kon- feffion auf das Empfindlichste kränken und beeidigen.
In langen Ausführungen sucht der alte Kulturkämpfer und Evangelibündler Abg. Dr. v. C a m p e im „Tag" (Nr. 235) nachzuweisen, daß das Jesuiten- gefeh allerdings ein Ausnahmegesetz, aber lange nicht das einzige fei; Au «nahmen gäbe es tn I e dem Rechtszwcige. Darüber brauchte Herr v. 1-anipe uns nicht zu belehren, er dürfte aber ziemlich mlem stehen mit der Behauptung, zwischen ben Am ncchnwbcstimmuiigen, deren kein Rechtszweig einraten kann und den odiösen Ausnahmegesetzen, die das Volk mit diesem Namen benennt, let kein Untucschied vorhanden. Wir möchten einmal sehen, wie schnell Herr v. Campe bet der Hand jein wurde, diesen Unterschied uns haarklein vorzu- oemonstneren, wenn ein Reichsgesetz ben Evange- Hltoen Vunb wegen andauernder Störung des kon- sestwnellcn Friedens des Landes verweisen würde. Tas Jesuitengesetz ist ein Ausnahmegesetz, Weil ti gegen das Freizügiqkeilsges-tz vom 1. November 1867 und das Reichsgesetz über die.Staats- angchörigkeft vom 1. Juni '1870 verstößt, zudem verletzt e» ben allgemeinen Satz ber Preußischen
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