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Fulda, Mittwoch den 2. Oktober 1912.

Erstes Blatt

226.

mengetreten.

sollten.

Aus der Türkei.

39, Jahrgang.

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oder begünstigen.

* Berlin, 1. Okt. 1912. Von einer dem Staats­sekretär des Auswärtigen Amts nahestehenden Seite wird ersichert, daß die deutsche Diplomatie alles aufbieten wird, um den Ausbruch des Krieges zu verhüten. Unsere Vertreter in Konstantinopel und bei den Balkanstaaten sind in diesem Sinne angewiesen worden, aus die Regie­rungen einzuwirken. Seit gestern ist ein lebhafter Gedankenaustausch hauptsächlich mit Konstantinopel im Gange, doch hat auch zwischen Berlin, Belgrad, Sofia sowie Athen ein Telegrammwechsel stattgesun­den. Herr v. Ki dar len- Wächter (der Urlaub des Unterstaatssekretärs Zimmermann dauert noch bis Mitte Oktober) beurteilt die Lage, die ihm am Freitag noch entwirrbar schien, jetzt sehr ernst, da alles darauf ankommt, ob die Pforte sich den Forderungen der Balkanstaaten fügen wird oder nicht. Die F r i e d e n s a k t i o n der Mächte wird von Deutschland unter st ützt werden, da jede noch so schwache Möglichkeit benutzt wird, einen Ausgleich zu finden, der beide Teile für den Augen- blick befriedigen kann.

I )( Einbe ufung des Bundesratsausschusies für ' auswärtige Angelegenheiten. In parlamentarischen Kreisen erwartet man infolge der ernsten Entwicke­lung der Balkanfrage die Einberufung des Bundes

W Konstantinopel, 1. Okt. 1912. Die türkischen Blätter beschränken sich darauf, die Depeschen der verschiedenen Agenturen ohne Kommentar zu ver­öffentlichen. — „Jkdam" erfährt: Der russische Bot­schafter v. Giers teilte gestern dem Minister des Aeußern und dem Großwesir mit, daß der russische Vertreter in Sofia zur Aufrechterhaltung des Frie­dens gemahnt habe. Der bulgarische Gesandte stat­tete dem griechischen und dem serbiichen Gesandten Besuche ab. — In der Börse brach eine Panik aus. Die türkischen Konsols unterlagen einem em- pfindlichen Kursverlust.

W Konstantinopel, 1. Okt. 1912. Die Nachricht von der durch das Jrade angeordneten Mobili- sierung beginnt unter den Massen bekannt zu werden. Vor der Pforte herrscht reges Leben. Tie Panik an der Börse dauert an. Die türkischen Konsols verloren 4 Einheiten.

Die Großmächte.

* Wien, 1. Okt. 1912. Tie österreichische und die italienische Regierung sollen im Ver­ein mit anderen Großmächten bei den Kabinetten in Sofia und Belgrad beruhigende Schritte unternommen haben. Den Erfolg wird man abwarten müssen.

* Wien, 1. Okt. 1912. Wie verlautet, stehen energische Schritte sämtlicher Groß­mächte in Sofia und Konstantinopel bevor.

Auch Oesterreich bereitet sich vor.

W Wien, 1. Okt. 1912. In diplomatischen Krei­sen wird heute abend die Lage aus dem Balkan als ungemein ernst angesehen und es wird mit dem Ausbruch der Feindseligkeit innerhalb 48 Stun­den gerechnet.

□ Wien, 1. Okt. 1912. Falls binnen 48 Stunden die Balkanlage die erhoffte Friedenswendung nicht nehmen sollte, beabsichtigt die Regierung, an der ungarisch-serbischen sowie an der bos­nischen Grenze zu mobilisieren.

Die Auffassung in Berlin.

* Berlin, 1. Okt. 1912. In hiesigen maßgeben­den Kreisen beurteilt man die Situation am Balkan s e h r e r n st. Man hat zwar noch nicht alle Hoss- nungen aufgegeben, daß es den vereinten Vorstel­lungen der Mächte gelingen werde, sowohl bei der Türkei, wie bei den Balkanstaaten, eine Rückgängig­machung der Mobilisation zu erreichen. Jedensalls steht sest, daß die maßgebenden und ossiziellen Kreise m Rußland den Ausbruch eines Balkankrieges im jetzigen Augenblick in keiner Weise wünschen

Aeußern dem Ministcrrat zu unterbreiten. Der sec- bische Gesandte stellte der Pforte eine Frist Don 48 Stunden für dte Gewährung der Durchfuhr der serbischen Muni- t r o n nach Serbien oder deren Rücktransport nach Marseille.

W Konstantinopel, 2. Okt. 1912. (Tel.) Der Mi n i st e r r a t beschloß di: Forderung der T u r ch- fuhr ser bl scheu Kriegsmaterials zu­rück zuwersen.

Belgrad, 2. Okt. 1912. Die Polizei verbietet die Veröffentlichung von Mitteilungen über die Be­wegung der T rippen. Tie Mobilisierung wird wahrscheinlich 24 Stunden nach der Ankündigung ihren Anfang nehmen. Die Blätter behaupten, der serbische Gesandte in der Türkei sei bereits von Kon­stantinopel nach Belgrad abgereist. Die Vorbe­reitungen zum Krieg: werden in fieber­hafter Eile betrieben.

Die Rüstungen in Bulgarien.

* Sofia, 1. Okt. 1912. In der Stadt dauerten fast die ganze Nacht die patriotischen Manifestatio­nen fort. Die Stimmung ist überall gehoben, alles eilt zu den Fahnen. Aus den Kasernen im Umkreis der Stadt ertönen Kriegslieder. Die Gerichte sind geschloffen. Die staatlichen Banken eröffneten für die eingerückren Reservisten persönliche Kredite.

. Die Haltung Rumäniens.

W Bukarest, 1. Okt. 1912 (Tel.). Von einer Mobilisierung der rumänischen Truppen verlautet nichts. Rumänien dürste im Kriegsfälle eine ab­wartende Haltung einnehmen und nur aktiv eingreifen, wenn die eigenen Interessen sowie die internationalen Verpflichtungen es dazu zwingen

s ch e Hilfe angeseuert wurde und daß st: den Gegen­satz Rußlands gegen Oesterreich, sowie die (augen­blicklich in Balmoral beleuchtete) Freundschaft Ruß­lands mit England in ihre kühne Rechnung steut.

Immerhin b eibt in dem Falle, daß die Mobil­machungen ohne vorberige Genehmigung einer Groß­macht erfolgt sind, noch die Möglichkeit, daß fetten» der Großmächte ein einheitlicher und wirksamer Gin- sprach argen den Krieg erfolcch Rußland unv die westlichen Mächte haben ja sich offcnthd) der Parole des „Status quo auf dem Bal.an so ent- sch'eden angeschloffen, d. h. die Tinge sozu ass>n wie sie sind, daß sie jetzt, wenn st- ehrliche Politik treiben wollen, mit Oesterreich und Deutschland zu- Kimmen den Störein des Friedens und des ver- rragsrnäßigen Besitzstandes in die Arme fallen müßten.

Wenn sie das nicht wollen oder der Erfolg aus- bleibt, so muß darauf gedrungen werden, daß der Krieg auf seinen Herd beschränkt bleibt. Es wäre ein Glück, wenn die Kraftprobe anf „bie Türkei und die vier begehrlichen Staaten beschränkt bliebe; wahrscheinlich würde die Türkei sich den ser­bischen, montenegrinischen und griechischen Gegnern überlegen erweisen. Tas desierr bulgarische Heer könnte gewiffe Achtungsersolge eningen, aber auch kaum einen durchschlagenden Sieg.

Wenn nun aber der gegenseitige Aberlaß voll­zogen ist, dann stehen die Großmächte schließlich vor derselben Aufgabe, die sich jetzt leider hinausge­schoben hat: sie müssen dann doch im Namen Europas Ordnung schaffen in diesen inie essanten Gegenden, die aus eigener Kraft auch na^i jahrzehntelangen Kriegen keinen haltbaren Ausgleich der schrecklich vertwicklen nationalen und politffchen Interessen finden könnten.

Be-eichnenderweise ist die Türkei ruhiger, als ihre Gegner. Das rührt nicht allein vom orientoli- schen Fatalismus her, sondern man scheint dort im Bewunisein der militärischen Tüchtigleit den Krieg zu schätzen als einen boffnungsvollen Ausweg aus den inneren Schwierigkeiten. Vermutlich denkt auch die türkische Regierung, daß der Kampf am Balkan ihr die Erledigung des Streites mit Italien er» leichiern werde.

So ernst auch die Lage im Südosten ist, so ist doch eine Panik wegen eines europäischen Krieges noch keineswegs gerechtfertigt.

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Deutsches Neich.

** Berlin, 1. Okt. 1912. Ter Kaiser obliegt in Rominten trotz des schlechten Wetters eifrig der Jagd auf Hirsche. — Prinzessin Heinrich von Preußen begab sich nach Petersburg, um dort ihren von Japan zurückkehrenden Gatten zu ermatten. — Ter Kronprinz kehrte am Montag in später Abendstunde von seinem Jagddesuch beim Kardinal- Fürstbischof Dr. v. Kopp nach Berün zurück. Dienstag früh reiste et in Begleitung seiner Ge- mahlin nach der Obersölsterei Rieth in Pommern weiter. — Der Reichskanzler empfing heute vormittag den Botschafter Grasen Pourtales. — Emer Berliner Korrespondenz zufolge hat sich der Gefreite Strauch von der Schutztruppe, der seit dem 27. v. M. vermißt wurde, wieder ein gefunden. Einzelheiten über den Zusammenstoß mit Einge­borenen fehlen noch. — Eine Deputation des 2. preußischen Garde-Dragoner-Regiments über­brachte in Sinai (Rumänien) König Karl Glück­wünsche zur Fünfzigjahrfeier seiner militärischen Sauttabn, die er in bietem Regiment begonnen hat.

(♦) Sonntagsruhe im Haudclsgetoerbe. Nachdem die kaufmännischen Körperschaften zu dem im Neichsamt des Innern festgestellten und im März veröffentlichten Gesetzentwurf über die Sonntags­ruhe im Handelsgewerbe Stellung genommen haben, ist nunmehr, nach Berliner Blättermeldungen, auch den K a u f m a n n s g e r i ch t e n Gelegenheit zu gutachtlichen Aeußerungen hierüber gegeben wor­den. Als eines der ersten hat das Kaufmannsgericht Nürnberg hiervon Gebrauch gemacht. Es be­zeichnet die vorgeschlagene reichsgesetzliche Regelung der Sonntagsruhe als ungenügend und hält die Ein­führung der völligen Sonntagsruhe, abgesehen von den in dem Entwurf angeführten Ausnahme­fällen, in Uebereinftimmung mit weiten Kreisen der selbständigen Kaufwute im Kontor unS offenen Ver­kaufsstellen für sehr Wohl durchführbar. Nur für Fleischereien, Bäckereien, Konditoreien sowie für den Verkauf von ftifchen Blumen, von Eis und Milch wäre eine weitete Ausnahme als berechtigt anzuerkennen.

** Der Reichsiagspräfident Dr. Kaempf, der nach einer Mitteilung bet ,Saalezeitung' fein Mandat niederzulegen beabsichtige, sendet der .Vossischen Zeitung' eine Zuschrift, in welcher er diese Zeitungs­nachricht als auf Vermutungen beruhend be­zeichnet. Präsident Tr. Kaempf spricht sich dahin aus, daß et zurzeit noch keinen Entschluß gefaßt habe.

* Weimar, 1. Okt. 1912. Geh. Kommerzienrat Louis D ö l l ft e b t ist im 69. Lebensjahre in Barmen, wo er sich zur Kur aufhielt, an einem Schlaganfall gestör den. Er war nationalliberaler Abgeorv- neter und feit einigen Iahten erster Präsident des Landtags. Dem Gemeinderat gehörte er feit 37 Jahren an. 1910 war ihm bas Ehrenbürger- recht verliehen worben.

* Düsseldorf,!. Okt. 1912. Ter christlich-soziale Parteitag hat unter anderem einen Antrag an­genommen, baß ber Hauptvorstand unter Erhaltung der vollen ©elbftänbiafeit bet Partei ,fitt die Ge-

x M MgmWk auf W MN.

Aus allen Hauptstädten Europas klingt heute das Echo ber gestrigen Alarmuachtrchten vom Balkan — und schon ist eine neue Verschärfung der Lage eingetreten. Auch

Griechenland mobilisiert.

* Athen, 30. Sept. 1912. Offiziös wird gemeldet: Infolge ber allgemeine» Mobilisierung und der be­unruhigenden inneren Verhältnisse in der Türkei, dir sie veranlassen konnte, einen geg en die Nachbarstaaten gerichteten Ä u s to e g aus ihren Schwierigkeiten zu suchen, machte Griechenland int Einvernehmen mit den Bal­kanstaaten heute abend seine Streitkräste zu Wasser und zu Lande mobil. Der Ton dieser Erklärung ist besonders unfreundlich gegen bte Türkei. Auffällig ist dabei, daß auch hier, in lieber» einstimmung mit den bulgarisch:» und serbischen Er- llärungen, die Mobilmachung nur als eine Maß­nahme gegenüber bedrohlichen Absichten bet Türker hingestellt wirb. Es ist ganz ausge- feb (offen, baß man ernstlich meint, bie Türkei könne ober wolle „einen gegen die Nachbarstaaten gewand­ten Ausweg aus ihren Schwierigkeiten suchen", d. h. einen Krieg entfesseln, um ben inneren Zwtsttgkei- ten eine Ablenkung zu geben. Erstens sind bte in­neren Wirren schon seit Wochen im Abflauen begrif­fen, und die Türkei hat keinen Feldzug, fonbern tnt Gegenteil Ruhe dringend nötig, um die Folgen des stürmisch ins Werk gesetzten jüngsten System­wechsels zu überwinden, sodann ist. eine die Regie­rung bedrängende Kriegspartei, wie sie in ben Bal­kanstaaten zur Lenkung der Geschicke sich ausge- schwnngen hat, in der Türkei überhaupt nicht vor­handen. Richt die Türkei will den Krieg, sondern die Balkanstaaten, die mit den gezückten Degen ein­schneidende politische Forderungen durchzusetzen trachten.

Wo alles sich rüstet, von der Türkei Länderfetzen zu reißen, bars auch das Land der Hammeldiebe nicht fehlen. Stach der Meldung von der Mobilmachung Griechenlands trifft die Nachricht von einer

Mobilmachung in Montenegro

ein:

* Cetinje, 1. Okt. 1912. Die Negierung hat mit Rücksicht aus die allgemeine Unruhe aus dem Balkan «nd ber Rtobllmachung Serbiens, Bulgariens und Griechenlands gleich jalls eine Mobilma- chungsordre veröjsrntlicht, die nur eine Form­sache ist, weil die monteuegtinischen Streitkräfte schon seit einiger Zeit kriegsbereit sind. Seit gestern abend marschieren Nie moutenegrini- | ch-e n Truppen an die Grenze.

Die Türker rst natürlich nicht untätig. Man jucht sich gegen jede Ueberrumpetung zu schützen:

Mobilisierung Ser türkischen Armee.

W Konstantinopel, 1. Okt. 1912. (Sei.) Ein Jrade sanktioniert den iwch nicht veröffenllichten Ministetratsbeschlutz, der die Mobilisierung der ganzen türkische« Armee anordnet. Ausgenommen sind nur einige anatolische Einheiten an der ruffischrn Grenze.

Die Lag: sieht ernst genug aus. Indessen noch dars man sagen: Mobil machen und losschlagen sind zwei Dinge. Vorerst allerdings ruft die Volks­bewegung nach dem Krieg, von dem st: sich blaue Berge verspricht. Und das alles um das bißchen SJiafebonien, an bem — seit Philipp unb Alexander .— kein 'Mensch je eine Freude gehabt hat Und wenn die vier Staaten, die sich zum Angriff vereint haben, den glänzendsten Sieg erringen würden, fo werden sie allesamt erst recht keine Freude an dem Makedonien ihrer nationalen Träume erleben. Wenn di: vier mobilen Staaten vernünstig wären, so wür­den sie den Krieg als ein „schiechtes Geschäft" er­kennen. denn aller Berechnung nach können sie wenig gewinnen, aber viel verlieren. Und wenn man im Konzert der Großmächte vernünftiger Weise auf das Gesamtwohl Europas sähe, statt sich kl?inlichem Ränkespiel hmzugeben, so würde man von dem platonischen „Meinungsaustausch" längst zu einem wirksamen Ruhegebot übergegangen sein. Aber bei den kleinen Balkanstaaten herrscht statt der nüchternen Erwägung eine burschikose Waghalsig­keit, und das Konzert der Großmächte gleich einem Baustzalt, in dem Mann und Frau wie Katze und Hund zu einander stehen und den Nachwuchs ver­wildern lasten.

Auf die Vernunft ist in solchen Dingen schlechter Verlaß. Eine etwas beffere tzoffnungs- stütze ist bte Jahreszeit. Erfahrungsgemäß tritt in oem bärtigen Hexenkessel die Gärung soi.st im Frühjahr ein. Es wäre eine überraschende Neuerung, wenn man jetzt das Winterhalbjahr als bette Kneaszeit wählen wollte. Allerdings hat im vor wen Jahre Italien seinen Krieg gegen bte Türkei bei Herbstanfang begonnen, aber in Tripoli- tanien ift bas Klima ganz anbets, als an ben Ab- bangen bes Balkans. Die vier Balkanstaaten haben sich bie ungünstigste Jahreszeit zum Los- fcklagen ausgesucht. Was darf man aus bieiet auffallenden Tatsache folgern? Sehr kühn wäre die Vermutuna, daß es ihnen überhauvt nicht ernst wäre mit der Kriegslust, sondern daß sie schon durch die demonstrative Mobilmachung, durch das Ge- »atsel mit den entblößten Säbeln bie Türkei zur Nachgiebigkeit unb bie Großmächte zu einer Um- peiialtung des Berliner Vertrages zu bewegen ge­dächten. Wenn man nicht so weit gehen will, so ot(tätigt bod) ber Umstand, daß man nicht bis Früh- jahr gewartet hak, die Vermutung, daß bie gegen« jnättige Mobilmachung nicht von Petersburg oder London angeordnet worden ist, sondern einen Ausbruch des einbeimischen Trieblebens darslcllt. Dabei bliebe natürlich bestehen, daß die viergliedrige srwerbsgesell^chaft durch die Hoffnung auf russt-

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membürgerschast aller politischen Richtungen, bi« auf christlich-nationalem Boden stehen", wirksam sei. Em anderer Antrag mißbilligt bie Gründung gelber Gewerkschaften. Ferner wirb eine Ver- Idiärfmg ber Strafen für Stretkvergehen gefordert. Pfarrer Dr. Philipps sprach über bte Frage ber Trennung von Staat und Kirche. Der jetzige Zu­stand sei unhaltbar. Eine entsprechende Resolution verlangt „bas Htnarbeiten auf die volle Selbiränbig- keit der Kirche"'; das Ziel sei aber nicht Zerschlagung in Orts Gemeinden, sondern Ausbau ber 'rcicn Volks- kwche. Bei bet Vorstandswahl wurde zum Vor­sitzenden Pfarrer Philipps gewählt. Bisher wat Avg. Behrens Vorsitzender.

** Zur Fleifchteuerung.

Die ,Rorbbeutsche Allgemeine Zeitung' bringt eine weitere Begründung unb Rechtfertigung ber von ber preußischen Regierung geplanten Maß­nahmen zur Linderung der Fleischteuerung. Sie erklärt,

die Regierung habe ihre guten Gründe dafür, bte gewählten Beraünstigungen nur solchen Stählen zugute kommen zu taffen, bte als Märkte für bie Vieh- unb Fleischprene ganzer Landesielte maßgebend seien. _®te Großnäote mit ihren Schlachthäusern, Bahnanschlüssen und sonstigen Einrichtungen böien allein bie volle Garantie für die sanitäls- unv reterinä polizeilich« Uederwachung der Einfuhr. Ohne die Mitivtrkung der größeren Kommunen lasse sich eine baldige Einwirkung auf bte Preisbildung der Vieh- und Fleijchmärkle nicht erreichen.

Weiter wendet sich bas offiziöse Blatt gegen baS Verlangen freisinniger Blätter, bie in gleichem Atem mit ber Oeffnung ber Grenzen eine .wirkliche Banernpolitif statt bet bisherigen .Großgrund- besitz rpotitik" forbern unb stellt fest,

der Kleingrundbesitz fei in erster Linie an bet Aufrechterhaltung des Grenzichutzes interessiert, da auf den kleinbäuerlichen Btehstand in Deutschland 88,59 Proz. an Rindern, 51,01 Proz. an Schafen unb 91,59 Prozent an Schweinen entfallen. Das emzig dauernd wirtfame Mittel zur Befelltgung der Fleisch» leuetung sei die Hebung unv Sicherstellung der mlän- difchen Fleiicherzeugung. Zur Erreichung dieses Zieles sollten alle Beteiligten unv in einer Linie bte Land» roitte selbst den landwirtschaftlichen BerwaUtmge» helfend zur Seite stehen.

DieMaßnahmen Bayerns. Da- baye­rische Siatsytinisterium wird bie Einfuhr von fri­schem, Schweinefleisch aus Serbien, Bulgarien unb Rumänien über München, Landshut, Ludwigshafen, Regensburg, Bantberg, Nürnberg, Würzburg und Augsburg auf Ansuchen gestatten. Ferner wird bie Einfuhr von Schlachtrindern in bie öffentlichen Schlachthäuser in München, Passau, Ludwigshafen, Kaiferslautcrn, Regensburg, Bamberg, Hof, Würz­burg und 'Augsburg auf Ansuchen unter veterinär- polizeilichen Vorsichtsmaßregeln und Bedingungen i» gclaHen. Tie Einfuhr von frischem Rindfleisch aus Belgien nach Bayern kann ohne besondere Ge­nehmigung erfolgen, sobald Preußen das Verbot der Einsuhr von Fleisch ausgehoben hat.

Die sächsische Staatsregierung de» schloß, die gleichen Maßnahmen zur Linderung bet Fleifchteuerung tote Preußen vorzunehmen. Auch die to ü t t t e nt b e r gi s ch e hat sich den Maßnah­men angeschlosscn.

Die Einwirkungen der Balkanktise. Bekanntlich sollte u. a. auch die Einsuhr frischen Rind- und Schweinefleisches aus den Balkanstaaten gestattet Iverden. Ta aber die Balkanstaaten mit Rücksicht auf die Dcobilisterung der Armeen selbst einen gesteigerten Bedarf an Vieh und Fleisch haben, wird bereits ein bulgarisch-serbisches Ausfuhrverbot für Fleisch und Getreide in Aussicht gestellt.

D i e sozial de mokratische Fraktion des Reichstages hatte in einem Schreien an den Reichskanzler die Einberusung des Reichstages zur Beratung von 'Mitteln gegen die Fleischteuerung verlangt. Daraus hat Herr v. Bethmann Hollweg in einem Briefe an Bebel auf die in der „Nordd. Allgern. Zeitung" veröffentlicht m Maßnahmen hin» gewiesen. Zn dem Brief heißt es:

.Bon btefen Maßnahmen würde nur der Entwurf einesGefetzes, betreffend vorüdergeheudeZollerleichterung bei der Fieischemluhr, der Zustimmung des Reichstages bedürfen. Zunächst unterliegt er der Befchtnßsaffung des Bundesrats.»

Der Reichslag wird sich erst nach seinem Zuiammen- tritt im November mit dem Entwurf m belasten haben.

8 e b e r t eu e r u n g. Die Fleischteuerung macht sich auch auf anderen mit der Viehproduktion zusam­menhängenden Gebieten bemerkbar. So sind die Lederpreise ständig im Steigen begriffen und besonders Sohlleder, das bekanntlich Majsenver- brauchsarsikel ist, zieht int Preise erheblich an. 'Na­türlich hat diese Preissteigerung aus dem Leder­markt wiederum ihre Rückwirkung auf Schuhmacher und in letzter Linie ist es der Verbraucher, dessen Geldbeutel in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Schuhmacher kann bte Preiserhöhung natürlich nicht auf sich nehmen und muß sie auf das Publikum, der 'Not gehorchend nicht dent eigenen Triebe, ab­wälzen.

§§ Kassel, 2. Okt. 1912. Der Gesamtvorstand des deutschen Fleischer-Verbandes hielt hier oeftern eine aus allen Teilen des Reiches besuchte Sitzung ab. um xu den Regierungsmaßnahmen ge­gen die Vieh- und Fleischnot Stellung zu nehmen. Es wurde tu einer Resolution gefordert, daß die Erhöhung des rusjisch-oberschlesifchen Schweinekon- tingcnts so ausgedehnt werde, daß von einer Auf­hebung des Ein fuhr-Ber bots für die östlichen Pro­vinzen gesprochen werden konnte; die Zulassung der Einsuhr von «Lchlachtrindern aus Holland wurde al- beachtenswert bezeichnet. Tann wurde gefordert, daß nick't nur der Zoll auf Fleisch, sondern auch auf Vieh ermäßigt und diese Ermäßigung auch dem freien Handel zugestanden werde, um ihn konkur­renzfähig zu erhalten. Tas Fleischergewerbe erwar­tet von den Regiernngsniaßnahuten keine Verbilli­gung der Fkeischpreise. Wenn eine Stadtverwaltung den Verkauf von ausländischem Vieh und Fleisch den Fleischern übertragen wolle, sollen die Innungen diese Angebote nicht ableynen, weil dadurch auch das inländische Fleisch verbilligt würde

Serbisches Ultimatum.

W Konstantinopel. 1. Okt. 1912. (Tel.) Der serbische ldesandte Reuadowilsch lenkte wäh­rend einer gestern gepflogenen Rücksprache mit dem türkischen Minister des Arnßcru Noradun Ghian bie Aufmerksamkeit der Türkei auf die Erregung, die — ----------.. . , „

in Serbien durch die Mobilmachung der Divisionen . ratsansfchuffes für auswärtige Augelegenheilen für von Uesküb und Mitrovitza hervorgerufcn worden die ersten Oktobertage. Den Vorsitz führt Freiherr sei, was als das Anzeichen eines Umschwunges in von Hertling, da Bayern verfaffungsmäßig in bte» der freundschaftlichen Haltung der Türkei Serbien sein Ausschüsse präsidiert. Bekanntlich ist der Aus­gegenüber atisgelegt werde. Die Angelegenheit der schuß das letzte Mal nach der Marokkokrise zusam- Znr ückhaltung serbischen Kriegsma­terials in Saloniki versprach der Minister des